Mit mir selbst zufrieden leben

  • Hallo Ette,

    bei deiner realen SHG sind auch nur Angehörige, wenn man das hier fragen darf? oder ist das bei dir eine gemischte Gruppe?
    Ich gehe ja seit Frühjahr auch zu einer SHG, mal regelmäßig, dann wieder 2-3 mal nicht oder so. Wie es die zeit erlaubt.

  • Hallo, liebe Ette,
    auch ich kenne das Gefühl. Und ich denke fast es ist normal. Ich für mich merke ja dass jeder Schritt neu gegangen wird, jeder Gedanke quasi neu beleuchtet wird. Alles spürt sich "falsch" weil ungewohnt an.

    Nun, ein Jahr lebe ich nun alleine. Vieles hat sich normalisiert und ist gesundet. Zeit also für Rückblicke - Zeit für Vorwärtsgedanken aber auch für das Lebensalter und den Lebensabschnitt in dem wir stehen.

    Eine Freundin sagte letzte Woche über sich selber "Mensch, ich bin 40, habe den Großteil des Lebens gelebt und bin total unglücklich - wie soll das weitergehen?"

    Großteil des Lebens - für mich gleichzeitig leichter und schwerer Gedanke. Leicht, weil es mir wohl jetzt erstmalig gut und stabil (trotz finanzieller Probleme) geht.

    Schwer weil ich mich frage wieviel Lebenszeit und welche Dinge des Lebens ich durch mein falsches Verhalten zerstört habe?

    Resüme wird wohl bleiben müssen dass ich die Chance habe, die zu verbleibende Lebenszeit gesünder zu leben. Mich zu leben, was zuvor nicht der Fall war. Kleidung, Frisur, Wohnungseinrichtung, meine Freizeit alles das ist nun so, wie ich mich darin wohl fühle. Wohl erst nach 50 Jahren erreicht .... aber erreicht.

    Ja Ette, die Pubertät holt leider auch mich ein. Denn nunmehr kommen auch (zwischen-)menschliche Kontakte in mein Leben mit denen ich ganz anders umgehen muss als in den Jahrzehnten zuvor. Alles neu lernen, denn das in der Teenagerzeit gelebte hat sich als selbstschädigend erwiesen.

    Was haben wir geschafft, oder was haben wir -noch ! - nicht geschafft? Ich denke verdammt viel!!!! Nur müssen wir uns auch erlauben das sehen zu können, was mir persönlich nicht immer gelingt.

    Wenn dann dunkle Gedanken über mich ziehen, dann sage ich "Stop(p) Mädchen" suchst Du nur vielleicht schlechte Gedanken um dich in die altbekannte Frustsituation zurück zu bringen???

    Was machen wir uns Gedanken über vergeudete Zeit - wir haben noch Zeit vor uns. Was machen wir uns Gedanken über Langsamkeit - wir haben ja unser Ziel erreicht, und der Weg ist ja bekanntlich das Ziel.

    Halt Dich wacker,
    liebe Pubertierende ;)

    Gruß von Dagmar

  • Zitat von Ette


    „ganz persönlichen Sommer“

    Hallo Ette,

    Du meinst, Du hast Deinen eigenen Hybridantrieb entdeckt? Wasserstoffbraut?

    Die schmeißen Millionen für Entwicklung und Werbung raus. Das nenne ich Ressourcenverschwendung. Die sollten mal die Mädels fragen.

    LG Kaltblut

    Sie standen dar und fragten sich warum und nur einer meinte: warum nicht.

  • Liebe Ette, Hallo Ihr,

    diese Gedanken kenne ich auch. Es ist so ein verharren in der Vergangenheit. So sehr damit beschäftigt was war und was nicht...was ich nicht hatte... doch was bringt es. Nur schlechte Gefühle, meiner Meinung nach. Da hilft doch nur das nach vorne schauen.
    Doch ich finde es auch so wahnsinnig schwer hier und jetzt zu sein und zu sehen was ich habe.
    Mein momentaner Satz heißt "Ich nähre mich und vertraue mir"... der passt zum Jetzt und zur Zeit die ich noch habe.
    Ich denke auch daran das die ersten Jahre doch kein sinnvolles uns weiterbringendes handeln möglich war, weil Wir noch zu klein waren. Wenn Du diese Jahre abziehst. Ist es nicht mehr so lang... das was war.
    Jetzt kannst Du ja jeden Tag, jedes Jahr immer mit vollem Bewußtsein und soviel mehr wissen anfangen, das Sie für das weiterkommen doch sehr viel wertvoller sind, oder?

    Zum Genuß: Gestern nacht war der Kirchturm vor meiner Haustür geöffnet. Kurzfristig kam auch eine Freundin mit. Bei Nacht ein Blick auf die Stadt. Milde Luft, aber trotzdem ein kräftiges Windchen da oben. Ein Mond wie eine Perle im dunklen Himmel, die Lichter der Stadt, weiter hinten ein Feuerwerk. Der Geruch der alten Gemäuer....Schön, schön durchgepustet... ein schönerer Teil des gestrigen Abends....

    Karotte

    Das Leben ist Widerspruch: Das eine ist und das andere auch.

  • Hallo ihr Lieben,

    so, wieder ein paar Tage vergangen. Mit Schönem und weniger Schönem, wies Leben halt so ist.

    Karotte : Nein, Verharren in der Vergangenheit ist nicht mein Ding. Das war auch nicht der Ansatz für mein Schlechtfühlen letztens. Es war eher so eine Art Traurigkeit, dass ich mich selbst so lange vernachlässigt habe.

    kaltblut : *grinz* Na ja, Hybridantrieb ist es nicht gerade, aber schon ein ganzes Teil Energie, was da so frei wird. Ich hab mal ein Buch über eine Frau in dieser Phase des Lebens gelesen und das hieß „Feuerzeichenfrau“. Das finde ich eigentlich eine gute Beschreibung.

    Die letzten Tage habe ich mich ziemlich wohlgefühlt. Auch wenn, wieder mal, nicht alles glatt läuft. Mir wurde wieder einmal bewusst gemacht, dass ich als Mensch im Berufsleben lediglich ein Kostenfaktor bin. Im Grunde wird nicht geguckt, was ich tue oder nicht, sondern nur, welche Kosten ich verursache. Und da ich aufgrund meiner langjährigen Tätigkeit in eine bestimmte Gehaltsklasse gekommen bin, bin ich einfach „teuerer“ als jüngere KollegInnen. Wert und teuer bin ich deshalb noch lange nicht. Der Wert wird gerne übersehen. Das ist für mich immer noch schwer zu akzeptieren. Aber Berufsleben funktioniert wohl so. Führungskräfte halten Workshops ab, in denen vollmundig von Vertrauen und Verständnis pallavert wird, haben nicht so viel Vertrauen und Ar.... in der Hose, mir zu sagen: Frau Ette, sie sind ein zu hoher Kostenfaktor für meinen Geschäftsbereich. Wir müssten eine andere Lösung als die bisherige finden. Nein, die nette Frau vom Personalbüro kommt dann wieder mit einer ganz tollen Alternative (für wie lange?), weil ich meinem bisherigen Vorgesetzen ein zu hoher Kostenfaktor bin. Dass mich die Kunden mögen und ich mit so ziemlich jeder Situation ohne „chef-liche“ Unterstützung klarkomme.... wen interessiert das schon?

    Noch dazu bin ich jemand, der auch im Berufsleben gern mal den Finger auf die Wunde legt. Und ich mache mich nicht mehr krumm dafür, irgendwohin zu kommen auf der Karriereleiter. Zumal mir ja nun in jüngster Vergangenheit gezeigt wurde, dass es egal ist, was ich leiste, zu teuer bin ich allemal. Also kann ich genauso gut langsam machen und auf mich achten. Das heißt zwar, dass ich demnächst wieder „weiterziehe“, aber wer weiß, wozu das gut ist.

    Jede Firma wünscht sich motivierte Mitarbeiter und es wird versucht, das mit so kleinen „Zuckerchen“ in monetärer Form zu gewährleisten. Leider wird dabei übersehen, dass es genug Mitarbeiter gibt, für die Knete nicht alles ist. Allerdings sind das wohl nicht unbedingt die, die in meinem Alter sind. Deshalb wird eben gern mit „Jungvolk“ gearbeitet. Na ja, auch das wird sich, dank demoskopischer Entwicklung, irgendwann ändern. Ich gehe letztendlich davon aus, dass irgendwann in den nächsten Jahren mein Arbeitgeber mit einem netten Angebot zur Abfindung auf mich zukommt. Für ihn wird es auf Dauer ökonomischer sein und für mich deutlich bequemer. Ob es auch ein Vorteil für die Kunden des Unternehmens sein wird, das stelle ich mal ganz massiv in Frage. Aber das ist dann nicht mein Ding.

    Mir fällt nur immer wieder auf, dass genau die Dinge, die ein Teil meiner co-abhängigen Strukturen sind, auch die Dinge sind, die unsere Gesellschaft funktionieren lassen. Ich bin eine gute Arbeitnehmerin, wenn ich mich um alles und jedes kümmere. Das erspart meinem Vorgesetzten Arbeit, Verantwortung und Auseinandersetzungen. Ich glaube, wenn jeder Mensch sich mit sich und seiner Persönlichkeitsstruktur auseinandersetzen und sich weiterentwickeln würde, hätten die eingefahrenen Strukturen, die in unserer Gesellschaft Gang und Gäbe sind, keine Zukunft mehr. Ein spannender Gedanke.....

    ..findet
    Ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

  • Ja, spannender Gedanke, Ette!

    Aber - da gehört unheimlich viel MUT dazu und KRAFT.

    Woher die immer nehmen bei unserer Krankheit?

    Werde heute wieder daran arbeiten :!:

    Danke, für die Gedankenanregung! Gotti.

    Wende dein Gesicht der Sonne zu, dann fallen die Schatten hinter dich.

  • Guten Morgen liebe Ette,

    magst Du erzählen, wie es Dir geht?????? Vermisse Dich hier ein wenig

    Lieben Gruß

    Susanne

  • Hallo und guten Tag, Ihr Lieben,

    da hab ich doch heute morgen, fast vor dem Aufstehen, einen längeren Text geschrieben und, wie ich meinte, auch hier eingestellt. Hab mich jetzt beim Nachhausekommen auf die ein oder andere Antwort gefreut. Da merk ich jetzt, dass mich die Technik mal wieder überfordert hat. Genau wie heute nacht – aber das ist noch eine ganz andere Geschichte.

    Ja, ihr beiden, habt ja recht. Es ist längst mal wieder Zeit, von mir lesen zu lassen. Und ja, es geht mir gut – den Umständen entsprechend, wie es immer so schön heißt. Meine Hand trage ich meist immer noch geschient. An meiner neuen Arbeit habe ich mich gut eingefunden, auch wenn der Weg dahin mal wieder etwas mehr als seltsam war. Meine reale SHG hat sich verändert. Die Leute, die mich loswerden wollten, sind alle gegangen und ich habe mehr Verantwortung für den Ablauf bekommen.

    Das Forum ist nach wie vor meine Morgenlektüre. Allerdings fehlt mir oft die Energie, etwas zu schreiben. Es ist eine Art „und täglich grüßt das Murmeltier“-Empfinden geworden. Frauen, die mit einer Trinkpause des Partners ihre Co-Abhängigkeit meinen abgestreift zu haben und nach einiger Zeit wieder auftauchen. Weil die Hoffnung wieder einmal zerschlagen wurde, weil die glückliche Phase mit dem erneuten Trinken des Partners weggespült wurde. (Gotti, du hast mir beim Rückfall deines Mannes gut gefallen.) Tief liebende Frauen, die bei ihrem trinkenden Mann bleiben aus finanziellen Beweggründen und Ratschläge suchen, ein hauseigenes Trockendock einzurichten. Und Frauen, die garantiert nicht co-abhängig sind, aber seitenlang nur von ihrem Mann erzählen. Ich kann das alles nachvollziehen, weil ich lange Zeit genauso agiert habe. Aber genauso wenig, wie ich „meinen Alki“ trockenlieben konnte, kann ich die Co´s hier „trocken“schreiben.

    In diesem Forum steht letztendlich alles, was wichtig ist, schon geschrieben. Aber jede/r denkt von sich, dass in seiner/ihrer Beziehung alles ganz anders ist. Dieser Meinung war ich auch immer und irgendwann hab ich gemerkt, dass dem halt nicht so ist. Nun ist das Forum mir zum Spiegel geworden, in dem ich mich in der Vergangenheit sehen kann. Und zur Warnung dafür, dass ich dort nie wieder hinmöchte.

    Es hat lange gedauert, bis ich soweit war, meine Co-Abhängigkeit zu akzeptieren und dadurch in die Lage zu kommen, etwas dagegen zu tun. Und genau wie Alkoholabhängigkeit ist die Co-Abhängigkeit etwas, das mich mein Leben lang begleiten wird. Sie wird mich immer wieder einholen, wenn ich nicht achtsam mit mir und meinem Verhalten umgehe. Jedem, der mir früher meine Co-Abhängigkeit anhand von Verhaltensweisen darlegen wollte, konnte ich zig schlüssige Argumente dagegen präsentieren. Ich war einfach noch nicht soweit, MEINE EIGENE Abhängigkeit zu akzeptieren.

    So ist es auch hier bei etlichen UserInnen. Was tust du für dich? Auf diese Frage hätte ich früher würgen mögen. Denn ich war der Meinung, der einzig Kranke ist „meine Alki“ und für ihn musste etwas getan werden. Aber letztendlich musste ich mir eingestehen, dass ich gar nicht mehr in der Lage war, zu erkennen, was mir gut tut, was ich möchte und was mein ganz eigenes Leben ist. Denn alles, alles drehte sich um Alkohol und „sein“ Trinken. Ich war noch nicht soweit.... und nichts und niemand hätte mich soweit bringen können, etwas zu tun für mich, außer mir selbst. Und so lese ich und lasse jede/r die Freiheit, so weit zu kommen, von sich selbst zu erzählen und dem, was sie für SICH tut. Das ist für mich energiesparend und die Anderen behalten die Freiheit, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen.

    Ich bin zufrieden.
    LG
    Ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

  • Hallo Ette

    schön, mal wieder von dir zu lesen.
    Mich fragte meine Therapeutin, was ich für mich will, wie ich mir meine Zukunft vorstelle. Ich wusste nichts. Ich konnte nicht einen Wunsch nennen, in dem mein Mann nicht vorkam. Das hat mich damals sehr, sehr nachdenklich und traurig gemacht.
    Heut hab ich wieder Wünsche und das ist gut!

    Ich wünsch dir einen schönen Sonntag

    julchen

  • Hallo Ette,

    seit fünf Monaten war ich nicht mehr hier und heute ist mir als erstes Dein Beitrag in die Augen gesprungen.

    Besonders der folgende Satz hat mir gefallen

    Zitat

    Und so lese ich und lasse jede/r die Freiheit, so weit zu kommen, von sich selbst zu erzählen und dem, was sie für SICH tut. Das ist für mich energiesparend und die Anderen behalten die Freiheit, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen.

    Ich werde hin und wieder mal rein schauen, damit ich weiss, wo ich nie wieder hin will!

    Alles Liebe für Dich Ette... Zufriedenheit ist das Schönste was es gibt.
    Es gibt so wenig Menschen, die das von sich behaupten können - ich kann es - jetzt!

    Lieben Gruss
    Speedy

    lieben Gruß

    Speedy

    Jeder Weg beginnt mit dem ersten Schritt

  • Hallo,

    mal wieder Zeit für ein kleines up date.

    Ich habe viel zu tun zur Zeit. Neuer Arbeitsplatz, der nicht ganz ohne ist, Gruppenarbeit, Haushalt, Garten und Lernen für eine Dozententätigkeit im kommenden Frühjahr. Meine Tage sind ausgefüllt, mit Dingen, die mein Leben betreffen. MEIN Leben.... das wird mir immer wieder aufs neue bewusst. Als ich mit meinem damaligen Partner lebte, waren meine Tage gekennzeichnet und beeinflusst von SEINEM Leben. Ich hatte gar keine Zeit, mich mit mir und meinen eigenen Angelegenheiten auseinander zu setzen.

    Allerdings muss ich dazu auch sagen, dass ich gar nicht wirklich gewillt war, dies zu tun. Mein Leben schien nur Sinn zu haben, wenn ich mich um ihn und seine Belange kümmern konnte. Wie eine Glucke flatterte ich ständig um ihn herum und sagte ihm, was für ihn gut und richtig sei. Allerdings übersah ich dabei, dass meine Ansicht über bestimmte Dinge nur für mich richtig sein kann, nicht für einen anderen Menschen. Um dies zu erkennen, war ich jedoch zu sehr verstrickt in meine Co-Abhängigkeit. Das mich um ihn kümmern, bescherte mir jeden Tag den Thrill und die Aufregung, die mir mein Leben lebenswert und ausgefüllt erscheinen ließen. Dies ist auch mit ein Grund dafür, dass ich hier relativ wenig mehr schreibe. Schreiben heißt für mich, mich mit dem Leben der Anderen auseinander zu setzen. Ich habe aber ziemlich viel mit meinem eigenen Leben zu tun. Denn immer wieder entdecke ich an mir Verhaltensweisen, die mich an meine Co-Abhängigkeit erinnern. Kontrolle, machen wollen, Einfluss nehmen – nicht immer tut mir das gut. Deshalb halte ich mich zurück. Ich lese aber viel.

    Inzwischen ist mein Leben ziemlich unaufregend. Es fließt kontinuierlich. Nicht jeden Tag gut, aber zufriedenstellend. Mein Lieblingsbild dafür kennen einige von euch ja schon. Ein Fluss, der dahinströmt, manchmal schneller, manchmal gemächlich. Manchmal treiben graue Wolken über ihn und manchmal lassen Sonnenstrahlen Glücksmomente funkeln. Es ist kein reißender Wildbach mehr, der verwirbelt und unruhig für Aufregung sorgt. Mir ist es recht so, ich kann mich damit selber wieder spüren.

    Susanne : Danke, Käferschen, für die Nachfrage. Mir geht es gut. Ich hoffe dir, in deiner neuen Situation auch. Ich wünsche euch ganz viel Glück.

    LG
    Ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

  • Hallo und guten Morgen!

    Ups, da ist doch schon wieder ein Woche vorüber. Die Zeit scheint zu rasen. Vor allem, wenn diese Woche eine Urlaubswoche war. Etliches habe ich geschafft und manches ist liegen geblieben. Nachdenklich macht mich dann, wo ich meine Prioritäten setzte.

    Am Anfang der Woche ging es mir ziemlich mies. Ich hatte wieder eine Anwandlung von „alle Welt hat mich verlassen“. Ich fühlte mich schrecklich einsam und abgelehnt. Dabei merkte ich, dass doch ein paar Menschen an mich denken. Aber ich halte es für mein persönliches Versagen, dass ich es in meinem biblischen Alter nicht geschafft habe, eine Beziehung halten zu können. Es fehlt mir ein Mensch, der mit mir leben mag. An Tagen, wie am Anfang der Woche, wird mir das ganz besonders bewusst. Ich bin dann so in dieser Trauer gefangen, die mich von einer Minute zur anderen anspringt, dass ich es nicht fertig bekomme, vor die Tür zu gehen. Verkrieche mich und will keinen Kontakt zur Außenwelt, obwohl es genau das ist, was ich mir wünsche. Verrückt.....

    Gott sei Dank hatten wir dann zwei, drei sonnige Tage, sodass ich mich doch aufraffen konnte. Und dann ging es los! Der Garten verlangt sein Recht. Abgeblühtes entfernen, Beete umgraben, Büsche beschneiden, Kompost verteilen, Grünzeug häckseln, um neuen Kompost anzusetzen. Letzte Rosen, die noch immer duften wie im Sommer und an denen ich mich freue. Arbeiten, bis der Arzt kommt ;-)! Wieder einmal keine Grenzen gefunden.

    Muskelkater im Rücken war die Folge. Wie ein alte Frau stieg ich morgens aus dem Bett und wenn ich in die Hocke ging, um etwas aus dem Küchenschrank zu holen, überlegte ich, was ich sonst noch erledigen könnte, wenn ich schon mal gebückt war.

    Aber die Malocherei hat mich aus meinem seelischen Loch gebracht, in das ich immer einmal wieder falle. Es ist nicht jeder Tag toll, denn ich erlebe. Mancher liegt wie ein Berg vor mir und will bewältigt werden. Vor allem wird mir dann immer wieder bewusst, dass ich alleine lebe. An vielen Tage empfinde ich das als angenehm. An manchen einfach nur als Last.

    Aber mir ist dabei bewusst geworden, dass ich auch Angst davor habe, vielleicht irgendwann wieder eine Beziehung zu haben. Auf zu viel müsste ich achten, um meine eigenen Grenzen nicht immer wieder aufzugeben. So, wie bei der Gartenarbeit würde es mir bestimmt auch in einer Beziehung gehen. Ich bin wohl noch lange nicht soweit, meine Abhängigkeit im Griff zu haben. Will schaffen, schaffen, schaffen, um Anerkennung zu erhalten. Es ist vertrackt..... Vor allem, wenn ich lese, dass es mir vor einer Woche noch ganz anders ging. Wieder einmal eine Gefühlsachterbahn. Hört das denn nie auf?

    LG
    Ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

  • Hallo Ette, ich denke, das alles liegt auch unheimlich am Wetter, auf jeden Fall bei mir ist dies der Fall! Ich kenne diese Gefühlsschwankungen nur allzugut. Im Sommer ging es mir super, ich war viel draußen, hatte frei, war viel unterwegs. Jetzt - wo sich das schlechte Wetter und der Regen häufen - falle ich auch in solche Löcher. Habe keine Lust, vor die Türe zu gehen, würde mich am liebsten verkriechen - kann es leider oft nicht wegen der Kinder... Habe schlechte Laune... usw. Winterdepression? Das Leben ist ein Auf und Ab, und man sollte dies einfach akzeptieren. Solange es auch wieder AUF geht, ist alles im Lot - denke ich!

    LG und ein schönes WE, Ayki.

  • Hallo liebe Ette,

    Zitat

    Wieder einmal eine Gefühlsachterbahn. Hört das denn nie auf?

    Die Achterbahn bestimmt :wink:


    Zitat

    Aber mir ist dabei bewusst geworden, dass ich auch Angst davor habe, vielleicht irgendwann wieder eine Beziehung zu haben. Auf zu viel müsste ich achten, um meine eigenen Grenzen nicht immer wieder aufzugeben. So, wie bei der Gartenarbeit würde es mir bestimmt auch in einer Beziehung gehen. Ich bin wohl noch lange nicht soweit, meine Abhängigkeit im Griff zu haben. Will schaffen, schaffen, schaffen, um Anerkennung zu erhalten.

    Auch ich hatte Angst davor eine neue Beziehung einzugehen,aber ich will und möchte auch nicht ewig alleine bleiben,ferner habe ich von Ängsten losgelassen was altes anbelangt um neues überhaupt zulassen zu können.

    Dieses war nicht einfach für mich,aber jetzt ernte ich die schönen Gefühle des zulassens.

    Dein Vergleich mit der Gartenarbeit ist gar nicht soweit hergeholt Ette,denn eine Beziehung ist Arbeit,Arbeit an sich selbst.

    Manchmal tut es auch weh,aber Mensch Ette,dafür sind wir Menschen mit Gefühlen und Emotionen das darf es auch!!

    Ich glaube wir streben in unserem Leben immer auch ein wenig nach Anerkennung,ich sehe dieses als völlig normal für mich,ist irgendwie wie Benzin im Tank :wink:

    Ich muss auch auf so vieles achten wenn ich alleine lebe,aber dann kam immer auch irgendwie das Gefühl in mir hoch wie schön es doch wäre jetzt eine Partnerin an meiner Seite zu haben die bei mir ist,mit der ich reden kann,lachen,weinen,und andersherum.

    Ist dies nicht auch eine schöne Art der Anerkennung?
    Wenn man/Frau sich liebt,und jeder die Bedürfnisse des anderen respektiert und achtet dann macht die Gartenarbeit auch Spass,auch wenn Sie so manches mal zu Muskelkater führt :wink:

    Aber ständig in gebückter Haltung auf den Boden schauend verursacht nicht nur Muskelkater in den Beinen,denn irgendwann kommt man/Frau aus dieser gebückten Haltung nicht mehr hoch wenn niemand da ist der einem hilft!

    Lass Dir helfen und trau dich :wink:

    Ich wünsche dir Gartenarbeit zu zweit!!!

    Lieben Gruß,Andi

  • Guten Morgen, liebe Ette,
    nicht ohne Grund gibt es ab Oktober - dem ersten Nebel - schwerer Termine bei Psychotherapeuten. Dieses "Dunkle" das fehlende Sonnenlicht einfach sagt unserem Körper dass uns etwas fehlt.

    Ist es nicht normal, liebe Ette, wenn man auch die glücklichen Seiten einer Partnerschaft kennt, sich nach einer zu sehnen? Ich denke schon, auch wenn ich selber es nicht für denkbar halten würde eine zu führen.

    Ja, zuweilen fühlt man/frau sich einsam. Ich komischerweise dann, wenn es so scheint, als habe sich alles gegen mich verschworen (auto kommt nicht mehr durch den Tüv, Gehalt unter Sozialsatz und ein anderes notwendig, kalt und der Kamin total dicht, der Regen der letzten Tage hat die Wohnzimmerwand durchfeuchtet und noch einige andere netten Extras) Rund eine Woche später trocknet die Wohnzimmerwand ab weil eine liebe Seele für einen Spotpreis Kaminofen und Kamin gesäubert hat. Ein Auto mit noch ein paar Monaten TÜV bekomme ich für 200 Euro (noch nicht gesehen von mir aber von Kollegen, auf die ich vertrauen kann). Die Fahrt zu meiner Mutter, die mir nicht mehr möglich war ohne TÜV, unterstütz eine Freundin als Fahrer.

    So, eine Woche später fühlte ich mich schon nicht mehr einsam. Im Gegenteil - ganz, ganz viel menschliche Hilfe einfach nur so. Und ein Teil der Probleme zumindest entschärft.

    Ja, liebe Ette, in solchen Momenten ist die Achterbahn auf Höchststufe und Kurven, warum sollen wir da nicht mal traurig sein und in Loch fallen? Darf uns nicht mal die Kraft ausgehen wenn der Berg zu hoch ist??? Wichtig ist doch nur sich wieder auf zu rappeln und die Chancen einer Besserung wahrzunehmen.

    Auch bei mir ist nicht jeder Tag gleich - auch bei mir mag es mal Tränen geben. Aber auch Momente wie jetzt, wo der Kaminofen wohlige Wärme verströmt, die Katzen davor liegen, Duftöle winterlichen Duft verströmen und ich selber mit mir im reinen bin. Ich denke, da sieht es bei Dir nicht anders aus als bei mir: einfach mal ein Tief mitnehmen um dann zu spüren wie es ist wieder langsam hochzukommen.

    Und Ette: wer sagt Dir oder mir denn, dass es nicht doch einmal die Partnerschaft gibt, die glücklich macht und dauerhaft ist? Ich für mich muss sagen, ich habe bisher Partnerschaften aufgenommen weil ich alleine von Problemen überrannt war. Nunmehr beginne ich diese alleine zu lösen und somit hat ein eventueller Partner eine komplett andere Stellung bei mir - und ich somit ein anderes Auswahlverfahren.... vielleicht ein gesünderes.

    Alles Liebe wünscht Dir - von Achterbahn zu Looping
    Dagmar

  • Liebe Ette,

    Zitat


    Aber mir ist dabei bewusst geworden, dass ich auch Angst davor habe, vielleicht irgendwann wieder eine Beziehung zu haben. Auf zu viel müsste ich achten, um meine eigenen Grenzen nicht immer wieder aufzugeben. So, wie bei der Gartenarbeit würde es mir bestimmt auch in einer Beziehung gehen. Ich bin wohl noch lange nicht soweit, meine Abhängigkeit im Griff zu haben. Will schaffen, schaffen, schaffen, um Anerkennung zu erhalten. Es ist vertrackt..... Vor allem, wenn ich lese, dass es mir vor einer Woche noch ganz anders ging. Wieder einmal eine Gefühlsachterbahn.

    Ohne ins Wasser zu springen kann nicht schwimmen gelernt werden :wink:

    Vertraue dir, das nach jedem Tief ein Hoch kommt und dies auch gemeinsam bewältigt werden kann.

    Lieben Gruß und ein Drücker
    Nicole

  • Hallo Ette!

    Gefühlsachterbahnen hören niemals auf, weil wir Menschen eben Gefühle haben.
    Es gibt immer wieder Tage an denen ich so ruhig und ausgeglichen bin, da bringt mich nichts in traurige Stimmungen. Und dann gibt es Tage, da bin ich sehr nahe am Wasser gebaut, da könnte ich bei jedem auch nur annähernd falschen Wort heulen.
    Das hat aber nicht immer mit dem Wetter zu tun. Ich sitze auch mal bei Sonnenschein dumm rum.
    Manchmal hilft es mir, dann mit jemanden zu telefonieren. Etwas zu lesen, eine Kerze anzuzünden, etwas Süßes zu mir zu nehmen. Manchmal klimpere ich auf der Gitarre, gehe mit dem Hund ein Stück.
    Es ist eben so.
    Und dann gibt es Tage, da kann ich auch Bäume ausreissen! Da wird eben alles mögliche in Haus und Garten bewältigt, bis zum Umfallen. Was solls? Diese Tage muss man nutzen! Eben, wenn dann wieder ein "Fauler" dazwischen kommt.
    Beziehungen. Ich denke, wenn du den richtigen triffst, dann ist alles andere egal. Dann wird es schon laufen. Ich glaube nicht, dass du davor Angst, Zweifel haben solltest. Ich denke "schwimmen" kannst du schon!

    Liebe Grüße von Gotti.

    Wende dein Gesicht der Sonne zu, dann fallen die Schatten hinter dich.

  • Hallo all ihr Schreiber und Schreiberinnen hier.

    Ich wünsche allen eine frohe und gesegnete Weihnacht. Mit wenig Stress und viel Freude und Zufriedenheit.

    Ganz liebe Grüße

    Ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

Unserer Selbsthilfegruppe beitreten!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!