Ein Höckertier schleicht durch die Wüste...

  • Liebes Dromedar

    Also wenn deine Dorfbewohner sogar kapiert haben dass die

    Kinder deiner Freundin nicht von Dir sind wäre es ihnen doch

    zuzutrauen, dass sie raffen dass du nichts mehr trinkst.

    Ich jedenfalls erzähle das jedem der das wissen will oder nicht

    voller Stolz.

    lg

    der Poster

  • Hallo Höckertier,

    Zitat von D.Romedar

    Hier im Dorf wissen beispielsweise alle, dass wir ein Lesbenpärchen sind und die Kinder meiner Freundin NICHT von mir sind.
    Ich hätte kein Problem damit zuzugeben, wenn meine Eltern Geschwister wären oder ich Kennedy erschossen hätte...

    :shock::lol:

    So normal, wie der Fakt mit der Herkunft eurer Kindern für dich ist :wink: , wird auch der Fakt mit der Nichtsauferei irgendwann mal sein. Zumindest ist das bei mir so. Allerdings hätte ICH schon ein Problem damit, wenn ICH Kennedy erschossen hätte... Weißt du eigentlich, wann das war???  :shock:

    Ok, jetzt mal ernsthaft. :oops:
    Lass dir und ihnen doch Zeit! Wenn du weißt, was für dich richtig und gut is, reicht das doch vollkommen aus. Finde ich.

    LG Penta

  • Hallo Höckertier

    Zitat

    fehlt mir noch der humorvolle Umgang

    Wieso meinst du, daß du den als Voraussetzung brauchst?


    Mit der Zeit wird sich dein Blick öffnen für ein trockenes Umfeld.

    Jetzt siehst du "überall" Trinkende.

    Irgendwann siehst du die Nicht-Trinkenden und die Trockenen.

    Das was man ausstrahlt, zieht man auch an.

    Wenn du deine Trockenheit konsequent lebst, dann sortiert sich dein Umfeld entsprechend.


    LG, Linde

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Guten Morgen, ihr Lieben!

    Ich freue mich, dass ich hier zum Thema so viel feedback bekomme und möchte schnell zu einigen Aussagen Stellung nehmen. Habe allerdings nicht so viel Zeit -bitte verzeiht, wenn ich nicht besonders ausführlich werden kann...

    Zitat von Karsten

    Was ist mir wichtig?
    (...)
    So wie du das beschreibst, wäre ich auch nicht zufrieden, wenn ich immer "Angst" haben müsste, dass meine Vassade zusammenbricht und es doch einer rausbekommen könnte.
    (...)
    Irgendwie ist es ja wieder ein Versteckspiel.

    Mir ist es wichtig mein Leben dahingehend zu ändern, dass es ohne Alkohol erfüllt und abwechslungsreich ist. Und das verstecke ich nicht. Ich sage ja auch jedem, wenn er fragt, dass ich keinen Alkohol mehr trinke weil es in der Vergangenheit zu viel war -ist nicht gelogen.

    Wenn dann jemand (oder von mir aus auch alle) den Schluß daraus ziehen, dass ich Alkoholikerin bin, würde ich das auch nicht abstreiten.

    Mir fehlt allerdings der Mut diese Aussage selbst zu treffen.

    Trocken seit 03.08.2011

  • glück auf höckertier

    zu diesem thema gabs bei mir mal ne diskusion. zum nochmal nachlesen: https://beispiel.rocks/beispiel.rocks…p=436042#436042

    Zitat von D.Romedar

    Mir ist es wichtig mein Leben dahingehend zu ändern, dass es ohne Alkohol erfüllt und abwechslungsreich ist. Und das verstecke ich nicht.

    SUPER

    Zitat von D.Romedar

    Ich sage ja auch jedem, wenn er fragt, dass ich keinen Alkohol mehr trinke weil es in der Vergangenheit zu viel war -ist nicht gelogen.

    ich denke, es ist wichtig, dass klar rüberkommt wie ernst dir deine abstinenz ist. auf die worte kommts nicht an.


    schöne trockenzeit

    :D
    matthias

    trocken seit 25.4.1987 - glücklich liiert - 7 Kinder - 17 Enkel

  • Hallo D.Romedar, Karsten und alle zusammen,
    dieses Risko sehe ich auch bzw. konnte es bei einem Bekannten - der das Trockensein lebte, aber nicht speziell kommunizierte, dass er trockener Alkoholiker ist- hautnah miterleben.
    Da die Aussage: ´Ich trink einfach nicht mehr, weils zuviel war"- nicht auf eine Krankheit/Sucht hinweist, haben die Umherstehenden/mit ihm im Umkreis Lebenden ihm bei jeder Gelegenheit ein Bier vor die Nase gesetzt, gestichelt, gehetzt etc...der Höhepunkt war dann, dass heimlich Cognac in die Cola geschüttet wurde....
    Gut - es gibt mit Sicherheit auch solche Ignoranten und Spinner, die dies tun würden, obwohl die Info da ist, dass ein krankhaftes Alkoholproblem vorliegt - in der Regel aber nehmen die Leutchen schon mehr Rücksicht auf eine solche Situation, wenn diese klar kommuniziert wurde.
    Auch bei Einladungen zum Essen, Kuchen oder Saucen...wenn man "nur" auf den Alk verzichten möchte, weils zuviel war, dann hat man doch kein Problem mit der Schwarzwälder Kirschtorte der netten Nachbarin, die immer gerne einen Extraschuss Kirschwässerle hineingegossen hat? Was will man dann darauf antworten..dass man(n)/frau gerade auf Diät ist?
    Konnte mein Bekannter schlecht sagen, der sehr schlank und eher sportlich durchs Leben wanderte...Nach all diesen Erfahrungen hat er sich dann doch geoutet und es ist ruhiger geworden um ihn mittlerweile....
    Viel Glück für Dich Höckertier und für alle anderen auch,
    Hanna

  • Hallo allerseits,

    ich ging mit dieser Sache ziemlich schnell relativ offen um.
    Für mich war es sehr schwer, den Fakt, was ich bin und was ich will, überhaupt klar zu kriegen.
    Es irgendwo zu sagen, is für mich nochmal ne andere Hausnummer, als es einfach nur zu wissen. Das kann ich ziemlich gut verstehen. Für mich war klar, dass ich es auch sagen kann, als ich für mich wusste, dass ich es sehr ernst meine.

    Wäre ich mir nicht klar darüber gewesen, hätten mich wohl Ablehnungen oder Unverständnis in meiner Umgebung sehr belastet und vielleicht sogar negativ beeinflusst.
    Ich denke, hier hat jeder sein Tempo. Aber an diesem Punkt führt halt kein Weg vorbei, wenn jemand ernsthaft abstinent leben möchte. Irgendwann will es einfach raus, weil dann die Abstinenz das Wichtigste wird. So war es zumindest bei mir.

    LG Penta

  • Ihl Lieben,

    es hat sich sehr viel getan...
    Eigentlich geht es in diesem Forum ja ausschließlich um die Alkoholsucht und ihre Begleiterscheinungen. Das Thema Outing werde ich bei der nächsten Gelegenheit aber in Angriff nehmen müssen, denn das letzte WE hat mir gezeigt, dass dieses letzte Hintertürchen doch sehr gefährlich werden kann.

    Ich weiss nicht genau, wie ich anfangen soll und wo momentan die Hauptlast liegt. Wie wichtig bin ich eigentlich???

    edit - bitte keine Familiengeschichten von hier Unbeteiligten - edit

    So ein Gefühl kannte ich bisher nicht und dabei denke ich mir: "Wen interressieren schon DEINE Gefühle?!"
    Ist an dem Vorwurf überhaupt was dran? ..janeinjaneinjanein...?
    Wie will man sich da sicher sein?
    Ich kenne den Mann von gemeinsamen Familienfesten, aber man kann den Menschen ja immer nur vor den Kopf gucken.

    Jedenfalls (auch wenn es mir jetzt relativ unwichtig erscheint) habe ich nichts getrunken -war aber in so großer Versuchung!!!
    Es wäre so einfach gewesen, sich ein paar Flaschen Wein aus der Nachbarschaft zu organisieren und mein Wille diese fiesen Gedanken wegzusaufen war da.

    Hätte meine Freundin da nur einen Ton gesagt, wäre ich SOFORT rüber gegangen. Zum Glück bin ich jetzt erst mal auf der Arbeit.

    Oh mann... Ich schreibe völlig konfus. Tut mir leid!

    LG

    Trocken seit 03.08.2011

  • Liebes Höckertier,
    eine schlimme Nachricht, eine schreckliche Situation und dann so "nah"..meist hört man davon zwar in den Medien, aber alles erscheint eher weit weg...und dann: Plötzlich solch ein Vorwurf innerhalb der Familie sozusagen. Einfach fürchterlich !!
    Bezogen auf Deinen Drang, das Ganze wegzuspülen: Ich denke, gerade in Frustsituationen ist der Drang besonders groß .. und wenn Du es dann geschafft hast, dem zu widerstehen, kannst Du für Dich einen ganz tollen Erfolg verbuchen !!!
    Alles Liebe,
    Hanna

  • liebe dromedar,

    es geht hier nicht um den missbrauch deiner freundin? es geht hier um eine familiengeschichte bei der familie deiner freundin?

    vorab ein gedanke von mir, der mir in den kopf kam. wie kommt es, das du dich in frage stellst wenn du hörst, das irgendwer den du kennst,etwas tut was echt fies und gemein ist, dich soweit bringt das du solche gedanken hast:

    Zitat

    Jedenfalls (auch wenn es mir jetzt relativ unwichtig erscheint) habe ich nichts getrunken -war aber in so großer Versuchung!!!
    Es wäre so einfach gewesen, sich ein paar Flaschen Wein aus der Nachbarschaft zu organisieren und mein Wille diese fiesen Gedanken wegzusaufen war da.

    der mann hat dir nichts gemacht. wiso lässt du das dann so an dich ran?

    und dan dies hier:

    Zitat

    Hätte meine Freundin da nur einen Ton gesagt, wäre ich SOFORT rüber gegangen. Zum Glück bin ich jetzt erst mal auf der Arbeit.

    du bist doch für dich selbst verantwortlich!

    weisst du, es ist oft so, das alkoholiker IMMER gründe suchen sich zu besaufen. gründe gibt es so viele. der missbrauch in anderen familien, die freundin, die dich annimiert zu saufen. pass da bitte mehr AUF DICH auf und lass sowas nicht an dich ran, du bist schneller wieder dabei zu saufen wenn du dich dafon nicht distancierst!!!!!und verlass dich da nicht auf deine freundin, ich finde es nicht fair von dir, das du die verantwortung deiner freundin überlässt, das sie auf dich aufpassen soll. sie ist sicher nicht immer und überall dabei, um dich dafon abzuhalten. du fängst sonst etwas an, was ungesund ist. schau DU NACH DIR und BLEIB BEI DIR!

    das ist auch nicht böse gemeint, das soll dir helfen, das du genau dahin schaust.im moment bist du zwar nicht trinkende alkoholikerin, doch das systhem läuft ja auch weiter, wenn du nichts trinkst. versuch dich aus diesen suchtgedanken zu lösen. es gibt keinen grund zu saufen, niemals, vor allem nicht für andere oder wegen anderen. saufen tust du schlussendlich dann wieder für dich selbst. ja und wenn du das so nicht mehr willst, dann hör auf damit und schau das du für dich trocken wirst, nicht für deine freundin, für DICH!

    schön das du da dann trotzdem durchgehalten hast!zeigt es auf, das du einen willen hast aufzuhören. :lol:

    alles liebe melanie

  • Liebe D.romedar,

    wegen des Edit habe ich jetzt keine so genaue Ahnung, was los ist - aber ich kanns mir ungefähr zusammen reimen.

    Von außen drauf gesehen, ist es viel einfacher, das jetzt zu durchschauen. Klar tut der Alk nun so, als sei er Retter in der Not oder der große Tröster. Aber, das ist jetzt Spekulation - bestimmt kennst du das doch im Grunde auch, so die *wirkliche* Verzweiflung in die man kommen kann, wenn man in schlimmen Situationen dann auf einmal auch noch besoffen ist... und damit im Grunde schutzlos. Dazu das bestimmt ungute Gefühl, welches sich beim jetzt saufen einstellen würde... Und, da dir deine Freundin wichtig zu sein scheint - was meinst du, würde sich durch den Rückfall die Lage auch für sie eher verbessern oder verschlimmern?

    Lg
    Flo

  • Ihr Lieben!!!

    Es geht mir gut -so gut es eben gehen kann. Die Sorgen wegen einer himmelschreienden Ungerechtigkeit haben mich die letzte Zeit nur extrem auf Trab gehalten.

    Ich kann hier ja nicht mehr dazu schreiben, als dass es ein Ereignis gab, welches mich wirklich an das Gute im Menschen zweifeln lässt. Die Verarbeitung dieser Erfahrung und der ganze organisatorische Anhang liessen kaum Raum für Suchtgedanken. Nur der erste Tag war schlimm.

    Melinak, der Mann hat mir wirklich nichts getan -aber ICH hätte mich auch wehren können, anstatt im Nachhinein nur noch die Scherben aufzsammeln...
    Hm, doch ich verstehe was du meinst. Ich versuche ja immer gut auf mich zu achten -aber kennst du das Gefühl, die eigene Existenz im Vergleich zur Erde und ihren Katastrophen, als so völlig unscheinbar und unwichtig zu erleben? Kann es gerade nicht anders in Worte fassen.
    Meine Freundin muss normalerweise auch nicht auf mich aufpassen. Dennoch war ich froh, in diesem schwachen Moment nicht alleine zu sein. Es ist ein Geben und Nehmen.

    Entschuldigt, dass ich mich so lange nicht bei euch gemeldet habe. Hatte auch abends -wenn kurz Zeit zum Atmen war- ein schlechtes Gewissen wegen... ach, wegen allem.

    Bin traurig, aber Alkohol ist momentan das Letzte woran ich denke!

    FloS -ich hoffe, Du bist auch noch auf dem richtigen Weg!!! Werde die Tage vielleicht mal wieder etwas häufiger hier lesen und schreiben können.

    Vielen Dank und LG,
    das Höckertier

    Trocken seit 03.08.2011

  • Hallo Höckertier,

    schön, dass du wieder von dir hören lässt.
    Nach deinem letzten Posting und der darauf folgenden Stille dachte ich, du hättest evtl die Kurve nicht bekommen. Gut, dass das anders ist! Auch wenn grade alles bei dir offenbar nicht toll aussieht - die Tatsache, dass du dabei als letztes an den Alk denken würdest ist doch ein gutes Zeichen.

    Ob ich auf dem richtigen Weg bin - keine Ahnung! Ich kann das nur hoffen. Trocken bin ich aber immer noch :)

  • Hello again.

    Die, die schon länger hier in der Gruppe sind, werden sich vielleicht noch an mich erinnern. Das Höckertier, das durch die Wüste schleicht.

    Ich beschritt mit Anfang 30 den ersten ernsthaften Versuch, nach 14 Jahren Alkoholmissbrauch, diesem Gift den Kampf anzusagen. Ich lebte damals noch in einem kleinen Dorf, wo das Bier"CHEN" zum guten Ton und der Frühschoppen zur Nachbarschaftspflege gehörte. Außerdem war ich damals schon im Schichtdienst und niemand wunderte sich, wenn ich dann morgens um 7 mit einem Glas Wein im Vorgarten stand.

    Als ich den Entschluss fasste den Alkohol aufzugeben und mich hier anmeldete, war ich voller Elan. Ich hatte mir vorgenommen standhaft zu bleiben und dachte, das Dorfleben und die dazugehörigen Feierlichkeiten, wären der größte Risikofaktor für meine Abstinenz. Was ich vollkommen außer Acht ließ, war jedoch mein privates Umfeld. Dazu kann ich später gerne mehr schreiben, falls es jemanden interessiert. Nur soviel: der Umgang mit mir nahestehenden Menschen war es letztendlich, der meine Gefühlswelt aus der Bahn warf. Ich wurde schwach, woran niemand Schuld war, außer ich selbst. Ich fühlte mich als Opfer, dass auf alles verzichten muss, während andere sich einfach wegballern können. Ich fiel schon nach 2 oder 3 Monaten in alte Muster zurück, trank um zu vergessen, um meine Wut zu unterdrücken und hörte dann auch auf, hier zu schreiben. Ich empfand den Ton manchmal auch zu hart für mich. Ich konnte mit Fragen und Aussagen, die einem den Spiegel vorhalten, nicht gut umgehen.

    Nach meinem letzten Absturz an meinem Geburtstag 2011 zog ich die Reißleine. Diesmal richtig. Ich trennte mich, nach 10 Jahren Beziehung, zog in eine Großstadt und wollte mich anfangs in eine WG einmieten, um nicht ganz alleine zu sein.

    Ich weiß noch genau wie das Vorstellungsgespräch bei den beiden Studenten verlief. Sie haben die Aussage, dass ich Alkolikerin bin und trocken leben will, zwar anerkennend aufgenommen, dann aber direkt gefragt, wie ich denn damit klarkommen würde, wenn sie Alkohol in ihren Zimmern konsumieren würden oder mal was zu feiern hätten. Ich wollte noch sagen, dass ich mich sowieso die erste Zeit sehr zurückziehen würde und wahrscheinlich den Gemeinschaftsraum (bzw. Wohnzimmer) meiden werde. Doch während ich Luft holte, hörte ich eine innere Stimme in mir, die sagte: "Bist du eigentlich bescheuert? Du brauchst doch einen absolut trockenen Rückzugsort! Keine Parties im Nebenzimmer und Alkoholfahnen deiner Mitbewohnerinnen. Das ist ein Risiko."

    Ich stand direkt auf, bedankte mich freundlich und verabschiedete mich. Ohne mit der Wimper zu zucken.

    Also schlief ich erstmal in meinem Auto. Zum Glück war Sommer. Ich hatte mich noch am gleichen Tag, als ich in der Stadt ankam, in einer günstigen Fitnessstudio-Kette angemeldet, so dass ich dort täglich duschen konnte. Das war zwar praktisch und günstig, aber mit der Einsamkeit hatte ich doch schon zu kämpfen und ich habe mich quasi von Fastfood und Softdrinks ernährt. Die Gedanken kreisten jede Nacht durch meinen Kopf.

    Ich war immer froh, wenn ich auf der Arbeit war und jemanden zum Quatschen hatte. Zwar nur oberflächlich, aber besser als nichts. Meine beste Freundin war damals erst kurz vorher verstorben und meine Eltern... naja, bei denen steht der Alkohol noch heute im Mittelpunkt -also auch keine Option für tiefgründige Gespräche.

    Die Treffen der AA waren quasi meine Highlights des Tages. Hier traf ich auch Menschen, die heute meine engsten Freunde sind.

    Nach ein paar Wochen konnte ich endlich in eine kleine Wohnung am Stadtrand ziehen. Endlich wieder ein eigenes Reich! Ich habe das ordentlich gefeiert, in dem ich mir einen Online-Angelkurs gegönnt habe. So habe ich mich erstmals so richtig auf andere Gedanken bringen können. Ich lernte. Für den Angelschein, viel über Ernährung und Fitness, die biochemischen Zusammenhänge im Körper. Ich stellte meine Ernährung komplett um und die Erfolge waren schnell sichtbar. Und noch etwas änderte sich radikal: ich war glücklich.

    Ich nahm wahr, dass ich nur noch selten Suchtdruck verspürte. Aber irgendwann wurde mir auch klar, dass ich ja auf NICHTS verzichte.

    Nicht zu trinken ist kein Verzicht. Man verzichtet ja auch nicht darauf, sich einen Arm abzuschneiden.

    Ich will damit sagen (und deswegen die provokant anmutende Überschrft) ich verzichte auf gar nichts. Dieser Begriff ist für mich so grundlegend falsch.

    Ich habe dieses Jahr geheiratet. Meine Frau hatte nie ein Problem mit Alkohol und trinkt aber trotzdem nie. Gar nichts. Nicht nur mir zuliebe, sondern weil er ihr von Anfang an egal war.

    Mein Leben läuft nun, nach anfänglichen Stolperstrecken, in gerader Spur. Alkohol spielt in meinem Leben keine Rolle mehr. Er ist wie ein alter unangenehmer Bekannter, der auf der anderen Straßenseite vorbeiläuft und wo man einfach auf den Boden schaut um ihn nicht zu grüßen.

    Ich verzichte nicht auf ihn. Ich will einfach nichts mehr mit ihm zu tun haben.

    Trocken seit 03.08.2011

  • Servus Höckertier.

    Ich hab deinen alten Thread komplett zusammengesetzt von damals bis heute. Wenn du eine andere Überschrift willst, sag Bescheid, dann bleibt das Ganze übersichtlich.

    Schön, wieder was von dir zu hören.

    Was treibt dich jetzt wieder hierher?

    Gruß Hartmut

    ------------------

    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Hi Hartmut.

    Danke. Es ist merkwürdig noch einmal zu lesen, was man früher geschrieben hat. Die Empfindungen kann ich heute nicht mehr so gut nachvollziehen.

    Um ehrlich zu sein, bin ich hier, weil ich jemanden suche, von dem ich hoffe, dass er noch lebt. Der letzte Kontakt war vor 15 Jahren in meiner SHG. Aus irgendeinem Grund denke ich wieder oft an ihn und sorge mich.

    Ich wollte hier nicht einfach nur still mitlesen, sondern auch etwas zurückgeben.

    Trocken seit 03.08.2011

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