Was ist für euch ein Co-Rückfall?

  • Hallo,

    wie definiert ihr einen Co-Rückfall?

    Und wie habt ihr es geschafft, wieder da rauszukommen?


    Liebe Grüße, Linde

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Ein Co-Rückfall, liebe Linde, ist für mich die Tatsache, dass ich meinem Gegenüber mehr Wichtigkeit zugesestehe als mir. Das plötzlich meine Erdung verloren geht und ein Mensch sind wieder in meinem Mittelpunkt befindet, wo eigentlich nur ich selber sein sollte.

    Ich bin gerade dabei rauszukommen weil ich bemerkt habe dass sich viel zu viele Gedanken um das Leben eines anderen Menschen drehen.

    Ich reduziere den Kontakt (erscheint mein Suchtmittel auf der Bildfläche ist nämlich wieder der nächste Rückschritt programiert), stelle die Gefühle (Flugzeuge im Bauch) meinem Kopf gegenüber und erinnere mich stündlich daran dass es notwendig ist mich zu erden.

    Fakt ist bei mir persönlich: auch wenn ich keine Alkoholiker mehr anziehe so ziehen sich Menschen angezogen, die einen Helfer haben wollen. Diese Rolle kenne ich, will sie aber nicht mehr ausfüllen. Somit bin ich wieder gezwungen mich zu distanzieren und zwar weit weit weit.

    Lieben Gruß von Dagmar

  • Hallo Linde,

    einen Co-Rückfall hatte ich vor zwei Wochen. Mein Ex-Freund hat sich nach langer Zeit telefonisch gemeldet und ich bin ans Telefon gegangen. Obwohl ich mich während des Telefonats unwohl gefühlt habe, konnte ich das nicht zum Ausdruck bringen und habe fast eine Stunde still gehalten und mir seine Gelalle angehört inkl. Versuche seinerseits, mir ein schlechtes Gewissen wg. Beendigung der Beziehung meinserseits zu machen. Im Gespräch folgten auch Vorwürfe, dass ich mich nicht melde. Seit dem Telefonat ist er gedanklich wieder präsent. Um nicht darin zu verfallen, die Vergangenheit Co-schöner zu malen, mache ich mir Erlebtes (unbefriedigendes Miteinander, Streits, Stress, Lügen u. Chaos) wieder bewusst. Das hilft mir, zu mir zu kommen und bei mir zu bleiben.

    Gruß Kopfmensch

  • Danke auch Dir übrigens für Deine bisherige Begleitung hier, die ich zunächst völlig unpassend, dann empörend, dann sehr nützlich und ernüchternd empfand. :)
    Zu Deiner Frage:
    Ich mag es im Leben nicht von Rückfällen zu sprechen. Ich empfinde dieses Wort als etwas viel zu Negatives. Vor allem, wenn man doch auf dem (richtigen) Weg ist.
    Ich rede von einem Lernprozess. Zu jedem Lernen gehört ein Wiederholen, ein in sich inne halten, ein sich hinterfragen und nochmals hinter die Bücher gehen. Es gehört auch ein Fehlinterpretieren, Missverstehen, ein falscher Rückschluss, ein falscher Lösungsansatz/-weg....
    Ein Rückfall in diesem Sinne ist ein (Stolper-)Stein auf dem Weg zum Ziel. Oft ein kleiner (oder sehr grosser) Hinweis, wo es noch happert. Was man IMMER noch nicht begriffen und kapiert hat. Wo man NOCHMALS hinter die Bücher muss. Wo man WIEDER in sich inne halten und voller Demut sich eingestehen muss: Nicht bestanden! Hinsetzen, üben, lernen, besser machen!
    In einer Beziehung zu einem suchtkranken Menschen?! Was ist da eine "Co - Rückfall"?!
    Heute bei mir z.B.: Ihm eindeutig die Türe zu weisen und ihm aus meiner Sicht, meine Verletzungen, Grenzen, Gefühle mitzugeben und unmissverständlich klar zu machen, dass man dieses nie wieder will und zulässt und gleichzeitig ihn in Gedanken in Arm nehmend, anflehend....in seine Augen sehend und die Hoffnung schürrend, er würde begreifen, tatsächlich begreifen, was er sich und anderen Menschen an Leib, Seele und Geist antut. Was er, wir verpassen....verlieren... Welche Träume wir beide und er für sein Leben hinschmeisst, verkauft, eintauscht für eine Flüssigkeit, die stärker ist als jede zwischenmenschliche Emotion, Bindung, jede Berührung, Umarmung, jedes Wort. Das tut so weh. Furchtbar weh. Und das ist ein Rückfall: zu meinen, er müsse begreifen, wie weh dies tut und was es mit irgendjemanden oder auch nur ihm selber tut. Er müsse doch voller Reue und Demut und in absoluter Einsicht DEN WEG erkennen (von mir für uns gezeichneten, erträumten...). Denn auch wenn es unsere Träume und Gefühle waren, so ist er nicht verpflichtet diese leben zu wollen, können oder vor irgendetwas zu stellen. Auch nicht vor Alkohol. Es ist alleine seine Entscheidung. Er muss gar nichts. Nichts verstehen. Nichts annehmen und schon gar nicht meinen Schmerz ertragen oder mitnehmen.
    Und ich muss auch nicht. Nicht hinsehen. Nicht damit leben. Bei aller tiefstempfundener Liebe im Herzen, muss ich keine Hand ausstrecken, seinen Kopf nicht halten, seinen Körper nicht umarmen, kein Halt sein, keine Zuflucht.... Ich kann ihn lieben und mich trotzdem genauso lieben und vor Schmerz und ungesundem Miteinander schützen. Und wenn ich zwischen ihm und mir entscheiden muss, dann muss ich in diesem Fall seine Hand loslassen und ihn gehen lassen. Wohin es ihn auch führt. Dann muss er alleine seinen Weg und ich meinen. Wie sehr es auch weh tut.
    Lernprozess: Ich bin mir wichtig und nehme meine Enttäuschung und meine Hilflosigkeit, meine Schlaflosigkeit, meine Antriebslosigkeit und Überforderung ernst. Suche die Ursache, suche mir Hilfe und sorge dafür, dass ich wieder auf die Beine komme. Denn mein Leben ist wertvoll und schön. Dieses Kapitel habe ich verstanden und bin dran ihn zu gehen, so weh es auch manchmal tut und viele Konsequenzen dieser Weg auch bedeuten mag. Lernprozess: Ich bin verantwortlich für mein Glück, meine Gedanken, meine Gefühle und übernehme Verantwortung für mein Handeln. Ich zeige meinen Weg und meine Grenzen und akzeptieren den anderen seine Gedanken, Gefühle, Grenzen und seinen Weg - egal, wohin er führt und was ich davon halte. Kapitel immer noch nicht begriffen: Hinsetzen, über die Bücher gehen, Repetieren und lernen bis zum Umfallen und beim nächsten Mal: besser machen!

    Liebe Grüsse
    freigeist

  • Hallo Ihr Lieben,

    manchmal kamen mir hier Worte hoch, deren Bedeutung plötzlich in einem anderen Licht vor mir standen. Wenn mir etwas besonders die Luft nimmt, dann weiß ich heute, es stimmt etwas nicht bei mir und darf nachsehen was das ist. Wenn mein gegenüber wissenschaftlich belegt 100%ig falsch liegt, dann hat er ein Recht dazu, genauso wie zu saufen oder sonst was anzustellen, wenn ich damit nicht klar komme, dann liegt das an und in mir.

    Das fühlt sich dann schon mal doof an, denn nur weil ich scheinbar cofrei bin und ein trockenes Leben führe bin ich ja nicht geheilt.

    Mit hilft dann alles abzubrechen und wenn es nur für Minuten ist, ins Heute zurückzukommen, ins jetzt, zu ordnen, nicht zu bewerten, loszulassen und grundloses Tun.

    Klar geht das nicht auf Fingerschnipp, aber ich weiß ja heute, dass der Rucksack ganz schnell leer wird, wenn ich mich an die paar einfachen Abläufe halte.

    Rückfall ist für mich heute nicht mehr was es war, das wäre Endstadium, denn wenn es ausbricht und zu spät ist, ist ja schon viel passiert. Rückfall hat für mich auch wenig mit den Krankheiten zu tun. Rückfall beginnt bei mir im Gestern, im Morgen, bei Durcheinander, wenn ich die Naturgesetze vergesse, wenn ich beginne zu bewerten, nicht mehr bei mir bin, Gründe und Schubser brauche, wenn Rechtfertigungen mein Handeln bestimmen. Ich brauche Stress, um Leistung zu bringen, ich muss mal wieder richtig Gas geben, damit ich fit bin, ich brauche Abenteuer, damit ich Bestätigung finde, ich sitze auf meinen vier Buchstaben und bekomme nichts gebacken, sind für mich heute Anzeichen, dass ich nicht im Gleichgewicht bin und darf dann nachsehen was da nicht stimmt. Mir hilft das ganz gut.

    LG Kaltblut

    Sie standen dar und fragten sich warum und nur einer meinte: warum nicht.

  • hallo zusammen,

    erst einmal möchte ich darüber schreiben welche einstellung ich zu dem wort rückfall habe. ein rückfall ist fürs erste einmal ein nicht zu bewertender zustand. es ist etwas was jedem einmal passieren kann. es jann jedem einmal passieren das er zurrückfällt in alte verhaltensmuster, das leben läuft ja weiter und ich habe fest gestellt ich komme wieder und wieder mal in die selben situationen, die emmozional die gleichen gefühle in mir auslösen. ich seh das als etwas normales an und erkenne meine rückfälle sofort(inzwischen)

    ich erlebe mich bei einem rückfall emmozional so wie ich das immer gespürt hatte(dafür ist es wichtig sich fühlen zu können), ich handle bei einem rückfall so wie ich das immer machte.(gewohnheit)

    da kann ich heute ansetzen und mir bewusst machen, das dieses gewohnte immer so zuhandeln eben mein co ist, das mich dazu bringt und anderst handeln wie ich es gewohnt war. das bringt mich wieder ein eine andere situation.

    ich spüre heute sehr früh wenn das co in mir anfängt sich zu melden. heute will ich diese gefühle nicht mehr, habe erfahren das das nicht gesund ist darum kann ich handeln. dann handel ich ganz anderst als zu der zeit wo ich mir darüber nicht im klaren war und dachte es sei gesund das so zu tun. heute weiss ich das das für mich schädlich ist, mir nicht gut tut. (bewusst werden über mein handeln)

    es kommt schon früh, dieses spüren , darum handel ich sehr früh und komme so in eine situation, in welcher ich mir nicht schade. ich bin mir bewusst darüber das ich das co mein lebenlang habe, deine suchtkrankheit kann ich soweit stopen aber nicht heilen. darum ist das sich selbst wahr nehmen im heute hier und jetzt auch sehr wichtig.

    also für mich beginnt der rückfall immer dann, wenn ich innerhalb einer situation spüre, das mein handeln nicht mit dem übereinstimmt was ich für mich selbst möchte und was mir nicht gut tut.wenn äussere einflüsse wichtiger werden als meine inneren bedürfnisse und ich mich nicht durchsetzen kann. ein rückfall beginnt bei mir dann, wenn ich mich selbst verläugne um für andere da zu sein. dann wenn ich eben nicht bei mir bin sondern irgendwo anderst.

    es ist schwerstarbeit für mich gewesen und ich tu mir heute noch in manchen situationen schwer das so konsequent durchzusetzen. bei mir zu beleiben, für mich zu sorgen, mir nicht zu schaden in meinem handeln und für mich einzustehen und durchzusetzen was mich betrifft ohne wenn und aber!

    lieben gruß melanie

  • Hallo Linde

    Ich persönlich (für mich) finde meine übertriebene Emphatie als Co-Rückfall. Also Zustand wo ich anfange, das Leben des anderen zu leben. Ich übernehme die Gefühle den anderen, deren Sorgen, Ängste usw, manchmal sogar viel intensiver als die betroffene Person selbst. das hat auch mit Grenzen, oder besser gesagt mit fehlenden Grenzen zu tun.
    Mitllerweile erkenne ich es aber sofort und versuche es zu unterbinden, indem ich mir nochmal und nochmal die Grenze zwischen meinem Leben und dem Leben der anderen festsetze.
    Es ist immer noch eine Kopfsache, also noch nicht verankert bei mir, aber immerhin bin ich dem Gefühl nicht mehr schutzlos ausgeliefert.

    LG Grazia

    Da, wo du nur eine Spur im Sand siehst, da habe ich dich getragen...

  • liebe grazia,

    empatie ist die fähigkeit sich in den anderen reinzuversetzen und sich in die situation die er berichtet rein zu fühlen, mich dabei aber von ihm abzugrenzen . sich dann mit dem anderen darüber auszutauschen. ein neuer begriff für einfühlsam sein oder einfühlungsvermögen .

    das was du beschrieben hast ist mitgefühl oder mitleid haben mit dem anderen.das läuft dann auf einer gefühlsebene ab wo ich plötzlich seine gefühle zu meinen gefühlen mache und dann versuch ich zu helfen.

    der unterscheid hier ist ja, bei empatie bin ich beim anderen und bleibe beim andere und grenze meine eigene gefühlswelt von der des anderen ab.ich kann mich dann in den anderern reinversetzen, mache aber seine gefühlsregungen nicht zu meinen, obwohl ich das nachempfinden kann wie der andere sich gerade fühlt grenze ich mich dann wiederum vom problem des anderen ab.

    es ist schwierig grenzen zu setzen und coabhängige reagieren nicht mit empatie sondern mit mitgefühl und mitleid auf das was der andere von sich preis gibt.

    empatie ist und bleibt empatie und mitgefühl und mitleid auch. das kannst du nicht miteinander vergleichen. entweder du reagierst auf den anderen mit empatie oder du reagierst mit mitleid.

    wir cos können lernen, wir können anfangen unsere fähigkeit sich in den anderen reinzuversetzen von mitgefühl und mitleid in richtung empatie zu lenken. durch grenzsetzung und das lernen, das das problem des partners nicht mein problem ist. wir können enpatie lernen. wenn wir empatie gelernt haben, dann können wir auch da mit dem anderen umgehen und haben keinen rückfall mehr.

    rückfälle passieren dann, wenn wir meinen epatisch zu handeln dies mit mitgefühl oder mitleid verwechseln.schwierig das zu erkennen. :wink:

    lieben gruß melanie

  • Hallo Melanie

    Empathie bedeutet Mitleid und Mitgefühl und natürlich die fähigkeit sich in andere Menschen reinzuversetzen. Wie bei allen gefühlen und Emotionen gibt auch hier eine schwere Form die mehr Schadet als Nutzt. Die heisst dann Symbiose.
    Wobei Grenzen da sehr fließend sind und schwer zu erkennen.
    Für mich heisst es dann, wenn ich mich soweit in andere reinversetze, dass die Gefühle des anderen stärker sind als meine eigene Gefühle, dann ist es gefährlich. Da kommt der Co-Punkt : sich für den anderen aufgeben.
    Da die Empathie teils angeboren ist, habe ich so den Verdacht, dass es underes Co-sein begünstigt.

    Ist aber nur meine persönliche Meinung

    Liebe Grüße
    Grazia

    Da, wo du nur eine Spur im Sand siehst, da habe ich dich getragen...

  • Hallo und danke für eure Rückmeldungen! :)


    Was tun, wenn man merkt, uuups, da läuft was schräg?

    Habt ihr Strategien entwickelt, wie man einen Co-Rückfall unterbrechen kann?

    Lieber Gruß, Linde

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Hallo Linde

    Ja ,natürlich habe ich den erste Hilfe Kasten.

    Ich versuch dann mir die Gedanken zu sortieren um klar die Realität zu sehen. Und dann gehe ich in mich und frag mich selber was ich wirklich will.
    Und dann mache ich das, einfach Augen zu und durch. Es ist unheimlich schwer, deswegen wenn ich mich entschieden habe, versuche ich nicht mehr viel nachzudenken, weil mich dann Zweifel packen und ich Hintertürchen und Ausreden suche und das ist gar nicht gut.

    LG Grazia

    Da, wo du nur eine Spur im Sand siehst, da habe ich dich getragen...

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