• Hallo nochmal Lindi Hallo sunshine! Hallo Forum

    jetzt ist es spät geworden - aber immerhin ist ja noch Sonntag :)

    so jetzt versuch ich mich kurz zu fassen - keine Dritten zu erwähnen und trotzdem das Wichtigste zu erzählen.

    Das wird jetzt interessant. Mal sehen wie gut ich das hinbekomme.

    Beginnen wir mit Tag 3 meiner Forumsabstinenz ;)

    Am Mittwoch war ich dann den dritten Tag in Folge allein hier zuhaus mit meinen Gedanken, die ich entweder auf die Arbeit richtete oder eben für mich mit mir allein ausmachte... anstatt, wie sonst im Forum zu lesen und dort wieder auf andere Gedanken zu kommen - weil ich ja auch über andere nachdenke, mitfühle mitschreibe usw.

    Ich war also zum ersten Mal so richtig mit mir allein.
    Und nicht nur mit mir - sondern auch mit den Eindrücken der letzten Zeit und den Informationen über den derzeitigen Beziehungsstatus meines Ehemannes und den Dingen, die ich so erlebe.

    Dazu der Druck der Arbeit und das Gefühl reif für die Insel zu sein.

    eine Welle von Traurigkeit kam in mir hoch - als ich begriff, daß es mir nicht gelungen war, in meiner Ehe meinen Mann zum Co-Piloten meiner Flugstunden zu machen - die ich jetzt so vogelfrei und beglückend erlebe.

    Nichts hätte ich lieber gehabt, als das mit meinem Mann, den ich schätze und auch so lange geliebt habe - zu teilen. Jetzt fliegt mir alles zu, was ich mir mit ihm gewünscht hatte. Ich wünsche ihm, daß er es nun besser macht und gleichzeitig bin ich traurig, daß ich ihm keinen Flügelschlag wert war.

    So war's nix mit Arbeiten am Mittwoch. Aber es war Platz für weitreichende Erkenntnisse:

    Mit meiner Ablenkung im Forum, habe ich mich viel um die Schreiberei hier gedreht - und damit auch manchen Schmerz nicht hochkommen lassen. Es war endlich Platz für die Trauer, die noch gefehlt hat - über die Trennung.

    Gleichzeitig hab ich gemerkt, daß ich sofort dabei bin mir auf die umständlichste Art und Weise eine RIESEN.Brücke aus der Traurigkeit zu schaffen.

    Typisch Nys: Habe sofort versucht Urlaubspläne zu machen - und nach stundenlanger Suche festgestellt, daß mich das immer trauriger macht - weil ich garkeine Zeit für Urlaub habe - weil ich eigentlich garnicht weg will und weil ich es deutlich als einen unglücklichen Fluchtversuch wahrnahm.

    Also bin ich raus - unter Leute. Kaffeetrinken im Gartencenter und einen Herbst-Kranz fürs Wohnzimmer gekauft............ich forschte in mir, während des Kaffeetrinkens, was mir denn gut täte

    Ja die Wohnung "winterfest" machen - Gemütlichkeit, mit Räucherkräutern, mit Badezusätzen aus Melisse und Lavendel - vllt. etwas Ziegenmilch für die Haut.

    Das schöne war - daß ich bei Sonnenschein loszog - und kein Internet dabei hatte.

    So machte ich eine der schönsten Erfahrungen an diesem Tag: Der Weg ist das Ziel und die Menschen nach dem Weg fragen, kann glücklich machen! :)

    Ich fand einen, der für mich nach eine Geschäft für Rauchwerk go*gelte -
    und sich dabei unglaublich viel Mühe machte. Das tat irgendwie so richtig gut.

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    Ich ließ das Auto stehen und...

    Ich entdeckte, daß U-Bahn fahren meine Stadt von einer längst vergessenen Seite zeigt -und daß sich vieles getan hat. Ein vietnamesisches Restaurant zB - das ich unbedingt mal besuchen muß.

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    Ich traf auf Menschen, die auch keinen Urlaub machen, weil sie einen Kurztrip zu teuer finden und länger nicht weg können, weil sie auch selbständig sind und dazu noch einen Laden haben.


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    Ich bekam etwas geschenkt, das mich immer daran erinnern wird, daß man nur sagen muß, was man möchte - und zumindest jemand findet, der einem das wünscht und ersatzweise das schenkt, was er zu geben hat. (In diesem Fall war es ein Schlüsselanhänger)

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    Ich fand die lang-gesuchte Liebe auf den ersten Blick fürs Wohnzimmer: (es besteht aus Bootsplanken) und hat einen Holzrahmen :)

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    Als meine Odyssee endete, hatte ich alles was man zum Überleben in einer EinFrauWG im Winter benötigt: Eine neue Bettwäsche in Granatapfel Rot, einen Poncho, Rotbusch-Tee mit Zimt und Orange- einen Schlüsselanhänger als Erinnerung daran, daß ich immer wieder jemanden finden werde, der mir gutes wünscht - ein Sammelsurium aus Ölen, Kräutern und getrockneten Rosenknospen für ein behagliches Zuhause - eine CD zum Chillen und als Topping den günstigsten Strauß Calla in schwarzlila, den ich jemals gekauft habe. Und ein gepimptes Wohnzimmer.

    Dazu das Gefühl mein Urlaubsgeld (sponsored by Lohsteuerjahresausgleich) viel besser angelegt zu haben - als mit einem Kurztrip im Wellneshotel.

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    Und die Erkenntnis - daß ich meine Traurigkeit zuerst mit der greifbarsten Erleichterung
    dem Forum
    dann dem aufwändigsten kompliziertesten
    Urlaub
    und schließlich mit der typisch oralen Ersatzbefriedigung eines
    Kaufrausches

    wie eine typische Suchtpersönlichkeit bewältigt habe
    .
    Befriedung meines Gemütszustandes: Bitte sofort!
    Arbeitsblockade wegen Gefühlsdingen. Daran könnte man noch was verbessern.

    Nun ja - das Ergebnis sind ja keine unnütz und lustlos willkürlich gekaufen Dinge - sondern es war wirklich ein absolut schöner Tag mit vielen vielen netten Erlebnissen - Menschen - und der tatsächlich danach eingkehrten Zufriedenheit und einer nachhaltigen Freude.

    Richtig zufrieden bin ich aber erst heute - nachdem
    ich mir die Zweisamkeit gegönnt habe - die ich mir am Mittwoch strengstens untersagt habe.

    Ich will das nämlich nichtmehr. Einen anderen Menschen "anzapfen" wenn ich es gerade brauche, daß man mich betüdelt. Das ist nämlich der direkteste Weg zur vorläufigen Befriedung des Gemütszustandes und führt ziemlich schnell ins egoistische Anspruchsdenken, daß der andere gefälligst da zu sein hat, wenn man ihn braucht - oder schlimmer noch in die Abhängigkeit und Ausweglosigkeit, wenn das dem anderen einfach zu viel wird.

    So hab ich mich vorerst mal selbst versorgt- mit Erfolg - und hab jetzt auch etwas Vorrat für weitere Wellness-Stunden an trüben Tagen

    und mir völlig ohne Erwartungen die Samstag-Nacht um die Ohren geschlagen- und viel mehr davon gehabt, als wenn ich am Mittwoch flügel-lahm und bedürftig einen Nestling abgegeben hätte.

    Heute bin ich zwar auch flügel-lahm - aber vom Fliegen.

    Liebe Grüße
    Nys

  • Hallo Nys,

    war in den letzten Tagen so frustriert, das ich nach dem Duschen am liebsten wieder ins Bett gegangen wäre. Habe dann beim Duschen im Radio folgenden Sinnspruch gehört: Um Klarzusehen genügt ein Wechsel der Blickrichtung. Ich finde das passt gut zu Deinem besonderen Tag.

    Ich lese immer gerne bei Dir, Du hast die Gabe manche Dinge einfach schön verpackt auszudrücken.

    Ich stand allerdings unter der Dusche und habe dann nach dem umdrehen vor meine gekachelte Wand in der Dusche geschaut. Irgendwie war ich dann mit dieser neuen Blickrichtung nicht so ganz zufrieden. Was tun? Ich wollte diesen Spruch nicht einfach so vergehen lassen und ihn dann vermutlich vergessen.

    Dann kam mal wieder einer von diesen typischen Wortbeiträgen im Radio, die mit dem Sinnspruch "Amerikanische Wissenschaftler haben festgestellt,..." anfangen. In diesem Moment schaltet mein Gehirn meist in den Leerlauf, denn es folgen dann nur noch sinnfreie Beiträge bzw. nutzloses Wissen der besonderen Art. Es ging um Unterschiede, in der Art wie wie Europäer und Amerika mit Augenkontakt von Fremden umgehen. Grob zusammengefasst ging es um folgende Aussage: Während Amerikaner nach zwei Sekunden Augenkontakt die fremde Person anlächeln, senken wir Europäer (hier wurden besondern die Deutschen erwähnt) die Augen. Da ich privat und beruflich in Amerika war, konnte ich zumindestens den ersten Teil der Aussage bestätigen, bei dem zweiten war mir nicht so wohl. Schauen wir wirklich bei Fremden weg?

    Jetzt, wußte ich es. Das war mein Wechsel der Blickrichtung. Ich würde heute einfach ganz bewußt darauf achten wie ich mich verhalten werde. Und was soll ich sagen, für meinen Teil stimmt es. Augenkontakt von Fremden ist uns nach ein bis zwei Sekunden unangenehm und wir schauen ganz automatisch weg oder brechen selber den Blickkontakt ab.

    Allerdings war das noch nicht ganz die neue erhoffte Blickrichtung. Also habe ich das Experiment verschärft. Ich habe einfach gelächelt, wenn ich angesehen wurde. Es war gar nicht so einfach. Ich glaube auch das mein Lächeln teilweise ganz schön schief oder gekünstelt ausgesehen hat. Machte aber nix. Ich habe bei einigen Leuten festgestellt, das diese nachdem ich sie angelächelt hatte, diese ganz krampfhaft überlegt haben, woher sie mich kennen, denn wie gesagt Fremde schauen weg (sagen zumindestens amerikanische Wissenschaftler).

    Abends rief ich einen guten Bekannten an und erzählte von meinem Tag und meinem Gefühl, das die Leute irgendwie anders mit mir umgegangen sind. Ich fühlte mich einfach besser, vielleicht auch nur weil ich aus mir heraus gelächelt habe. Mein Bekannter, hatte es nach 5 Minuten geschaft, alle meine positiven Erinnerungen an diesen Tag einfach auszulöschen und mit seinen negativen Gedanken und Sichtweisen zu überschreiben. Ich hätte ko**** können. Ich fühlte mich schlechter als vorher.

    Ich habe ganz bewußt Bekannter geschrieben, denn ich schätze ihn sehr, komme aber mit seiner Lebenseinstellung ("Das Leben ist eine Aneinanderreihung von unbedeutenden Ereignissen") einfach nicht mehr klar. Ich halte diese Einstellung nicht für eine tiefere Einsicht, sondern für höchst depressives Verhalten und dringend behandlungswürdig.

    Jetzt wußte ich was mir gut würde.

    Gruß

  • Hallo Co2013

    es ist noch einfacher zu lächeln, wenn Du jemanden etwas fragen mußt - dann schauen die auch nicht so verdutzt. Das war der Vorteil meiner Odyssee.

    Zitat

    Jetzt wußte ich was mir gut (tun?) würde.

    so schnell geht einem das Licht auf, wenn man mal die Blickrichtung wechselt :)
    das hast Du morgens begonnen und abends richtig gemacht!

    egal was einem der andere bedeutet - es ist nur stimmig im Zusammenhang: Was bedeutet dieser Mensch für mich UND was bedeutet es wenn er in meinem Leben rumgeistert?

    Ich lasse zB derzeit keine Bekanntschaften (so nenne ich das jetzt mal)
    bei mir zuhause rein.

    Das ist mein Rückzugsgebiet. Wer dort landet, ist auch in meinem Leben. Da liegt die Meßlatte inzwischen ziemlich hoch! Ich glaub da schafft man es noch leichter in mein Herz als durch meine Haustür.

    Die Erkenntnis des Tages noch zum Schluß:
    Ich spiele keine Spiele - aber ich habe klare Regeln - wer sich nicht im klaren ist, welchen Einsatz er bringen will - kommt in die Zuschauer-Reihe.

    so - es ist Zeit für granatapfel-rote Bettwäsche :)
    Euch allen eine schöne Woche
    Liebe Grüße
    Nys

  • Jetzt weiß ich endlich, woher seit ca. 1 Woche so ein
    undefnierbar mulmiges Gefühl kommt. Zunächst habe ich es auf die nahende Erkältung geschoben.

    Heute Nacht habe ich wild durcheinander von alten Beziehungen geträumt. Beim Aufwachen war mir klar, daß ich durch meine Aufarbeitung hier - sämtliche Bezugspersonen sowie meine bisherigen Partner - mit einer neuen Zuordnung belegt habe.

    Mein PC Programm würde sagen:
    Keine Datensicherung, die hier zurückgesichert werden kann!

    Die Datei-Struktur -die Root - alles ist neu sortiert,
    alle Dateien sind noch da - aber unter Eigenschaften steht ein anderes Programm, mit dem sie geöffnet werden.....

    Ich sehe meine gesamte Vergangenheit mit anderen Augen. Das hat viel bei mir bewirkt - aber manchmal ist es auch unheimlich. Ich kam ja immer aus der Vergangenheit, die ich so und so bewertete - die Bewertung war früher immer gleich und alle Personen darin hatten ihren festen Platz. Jetzt habe ich so viel verstanden, daß die Personen eine ganz andere Rolle belegen. Ich sehe meine Familie, meine erste und die weiteren Liebesbeziehungen aus einer ganz anderen "ich"-Perspektive.

    Das ist einerseits gut. Bisher kam "ich" in der Betrachtung der Vergangenheit nämlich kaum vor. Die anderen Figuren waren immer viel überwältigender.

    Jetzt nehme ich mich wahr und jede Erinnerung sieht dadurch anders aus. Es ist komisch. So habe ich es ja nie gesehen. Es ist als ob die vertrauten Erinnerungen, aus denen ich auch teilweise lebte - jetzt die Erinnerungen einer mir noch nicht bekannten Nys sind.

    Sie sieht und fühlt anders bei den gleichen vertrauten Szenen.

    Ich liege noch immer mit etwas Fieber im Bett.....

    muß das erst mal sacken lassen. Manchmal habe ich Angst. Die Welt sieht so ungewohnt anders aus und ich habe alle Brücken in die Vergangenheit abgerissen.

    Der Weg nach vorn ist neu und ich bin mir selber neu. Es geht mal wieder nicht schnell genug mit der Neu-Orientierung es ist nur alles neu und unbekannt.

  • Es kann sein, daß ich jetzt ein bißchen durcheinander schreibe - aber ich möcht es grad mal so zulassen. So wie es kommt. Ich möcht es nicht für mich allein aufschreiben - weil ich glaube, daß es nicht nur mir allein so geht/ging. Es ist ein Rückblick, ein einfacher - und ein Einblick in teilweise noch bestehende Rest-Bestände in mir. Es ist alles nicht dramatisch - aber es ist mir manchmal ein bißchen unheimlich.


    Ich glaube, ich war als Kind ziemlich gestört.
    Es ist niemandem aufgefallen. Es konnte nicht auffallen. Ich war ja fröhlich. Ich war nicht unbedingt folgsam, was das heimgehen anbetraf. So vergaß ich oft die Uhrzeit und mich selbst. Ansonsten war ich wirklich brav. Wohlerzogen mit allen Manieren bei Tisch und im Umgang mit Erwachsenen.

    Aber ich wußte nicht so recht wer ich bin und wo ich eigentlich hingehöre. Das war mir natürlich nicht bewußt. Ich war immer das, was mir andere gespiegelt haben. Ich habe früh gelernt, wie ich mich verhalten muß, um ein positives Bild von mir gespiegelt zu bekommen.

    So war ich gut in der Schule. Hab getan, was von mir erwartet wurde. War auch provokant in der Teenager Zeit - aber durch die Abgrenzung von anderen - verbarg ich nur, vor allem vor mir selbst - daß ich tatsächlich anders war. Eigentlich nur deshalb anders, weil ich meine Definition von mir selbst hauptsächlich von außen bezog. Das Elternhaus besser gesagt, die Ansprüche der Mutter waren mehr so eine Schablone - in die ich mich einzufügen und gleichzeitig selber zu entfalten suchte. Der Raum für Entfaltung war eng.
    Unbegrenzt dagegen waren die Träume.

    Es gab seltsame Widersprüche in dem, was mir andere zurückspiegelten. Für die einen war ich einfach nur ganz toll und ihr Sonnenschein. Für meine Mutter war ich zu dick, zu umständlich, zu langsam und sowieso irgendwie peinlich (so kam es mir vor) - wenn ich gute Noten hatte, dann wurde aber damit vor anderen von ihr geprahlt. Meine Lehrer waren zufrieden bis begeistert und meine Mitschüler dachten glaub alle, daß ich einen Knall hab.

    Die ersten Kontakte zu älteren Jungs liefen über die Kirche. Es gab viel Veranstaltungen bei denen sich theologisch diskutieren lies. So habe ich die erste Beziehung als eine ziemlich religös geprägte Beziehung erlebt, die andererseits eigentlich nur aus intimer Zweisamkeit ohne Leben drum rum bestand. Es gab viel Druck von außen. Unsere Beziehung wurde von beiden Elternhäusern nicht gern gesehen. Ich hatte die falsche Kirche und war zu jung (16) - er war meinen Eltern zu alt (21) und ständig hatten alle Angst, ich könnte schwanger werden.

    Als diese Beziehung nach 6 Mon vorbei war, spiegelte mir die gemeinsam erlebte Zeit den Eindruck - ich sei nur fürs Petting dagewesen. Andererseits sehe ich heute - was für eine anstrengende Person ich damals war. Grauenhaft! Der Druck von außen, die fehlende wirkliche Identität mit mir selbst und die Kleinbürgerwelt, die meine Zukunftspläne beinflußte. Dann auch der Wunsch endlich irgendwo hinzugehören und gleichzeitig mußte der arme Kerl dafür herhalten, das alles zu erfüllen.

    Natürlich habe ich mich dann weiterentwickelt. Bin auch recht unabhängig mit meiner S**ualität umgegangen. Habe mich in andere Gesellschaftsschichten begeben. Aber eines hat sich lange nicht geändert. Und manches ist heute noch da.
    Ich bin anfällig dafür, wenn mir jemand spiegelt, was er an mir faszinierend findet. Ich bin anfällig für Auf- und Abwertung von außen. Vor allem aber für Aufwertung.

    Ich kann mich erinnern, daß ich als 5Jährige auf einem Volksfest ewig lang bei einem fremden betrunkenen Mann saß und total happy war, weil der mich so toll fand.

    Ich glaube mit dieser Eigenschaft ziehe ich automatisch Menschen an, die dazu neigen jemanden regelrecht zu vergöttern. Ich passe ja auch prima für die Rückspiegelung. Ich ahne quasi hellseherisch, was ich einem anderen an Selbstbild zurückspiegeln muß, damit derjenige sich gut fühlt.

    Die feinen Antennen für das richtige Verhalten, damit es paßt, wurden mir mit der schmerzhaften Ablehnung durch meine Mutter sozusagen eingeimpft.

    Ich kann mich wie ein Chamäleon bewegen und dabei ohne weiteres Zutun die Farbe wechseln. (Also jetzt nicht meine Überzeugung) aber das Auftreten.

    Wer hinter den ganzen Schauspielerinnen bin ich?
    Ich denke ich bin mir wesentlich näher gekommen. Ich bin ja auch nicht ein Fähnchen im Wind - also nicht falsch verstehen. Aber ich bin einfach nur ich.....
    das ist noch ziemlich neu.

    Natürlich ziehe ich immernoch Menschen an, die ebenfalls auf der Suche nach ihrem ICH sind. Inzwischen ist mir der nähere Umgang mit ihnen aber ein bißchen zu anstrengend geworden.

    Es wird ruhiger, wenn man so selektiert.
    Es bleibt die Tatsache, daß ich aufgrund meiner Vorgeschichte eine traumatische Zeit als Säugling erlebt habe

    Erfreulich ist, daß die daraus lebenslang vorhandene Sehnsucht nach Symbiose (das ist inzw. wissenschaftlich belegt

  • ....

    heute für mich nicht mehr so permanent und schmerzhaft spürbar ist, wie es noch zu Beginn dieses Jahres war.

    da hat sich so viel in mir getan. Am wichtigsten war die Erkenntnis, daß es diese Symbiose niemals mit einem anderen Menschen geben kann.

    Und die Erkenntnis, daß ich sie nichtmehr zum Überleben brauche.

    Es zeigt sich immernoch als schwierig, wenn ich mich auf menschliche Nähe einlasse, daß ich dabei nicht wieder in diese Sehnsucht zurückfalle. Aber dazu ist es gut, daß ich derzeit keine Beziehung eingehe.

    Ich gehöre nicht zu den Menschen, die eine Beziehung dann abbrechen, wenn es zu symbiotisch wird. Ich gehöre nicht zu denen, die zuerst eine Idealisierung und dann eine Anti-phase in der Beziehung veranstalten.

    Aber ich neige in Beziehungen dazu, den anderen bestimmen zu lassen, als was er mich sieht. Vor allem dann, wenn er mich zu beginn idealisiert.

    Ich schaue hin und ich sehe mich selbst.
    Daran gibt es nichts zu idealisieren. Es ist gut so wie es ist. Mehr nicht. Ich bin ich. Das muß erstmal reichen. Ich bin gespannt, wann ich mal jemand treffe, der mich so wahrnimmt, wie ich mich selbst wahrnehme.

    Mein Ehemann kam der Sache schon ziemlich nahe. Nur gab es ihn nicht - es gab eigentlich keine Beziehung. Er spiegelte sich in seinem Erfolg. Sein Blick lag entweder ausschließlich auf seiner Betrachtung und Selbstkritik oder auf seinen eigenen Zielen. Es gab sozusagen keinen Blickkontakt. Er nahm mich wahr - aber nur so am Rande.

    Das ist es dann auch nicht. Es sollte schon einen Auslöser beim anderen geben, wenn man sich in die augen sieht - oder nicht?

    Ich hatte noch keine Beziehung, die Nähe und Distanz in Einklang brachte. Ich habe auch ein bißchen Angst davor, daß ich das nicht "kann". Nähe ganz nah - oder Distanz das kann ich beides - aber in einer Beziehung ganz beim Ich bleiben, ohne es vom anderen bewertet zu bekommen - ohne verehrt - ohne gebraucht - ohne vereinnahmt zu werden und gleichzeitig auch ohne unbehelligt nebenher zu existieren.......... puh - ich glaub das wird spannend.

  • Liebe Nys
    Was du beschreibst ist garnicht ungewöhnlich oder etwas besonderes.
    Das Gro der Menschen ist und handelt so, bis im Laufe des Lebens igendwann sowas wie Bilanz gezogen wird ,es wird zurückgeschaut,festgestellt etc und dann schaut man auf sich ,,ungeschminkt,, erkennt seine Schwächen und Stärken uvm .
    Das ist eine wichtige Stelle denn nun gilt es sich so anzunehmen wie man ist,ein Hauch von ,,Weisheit,, umgibt einen dann oder eher die Ahnung von Wirklichkeit und echtem Selbstbewußtsein(sich elbst nahe sein).
    Manche Menschen schaffen das aufgrund ihres Alters(die Zurückschau) manche brauchen das große Drama dazu oder Schicksalschläge etc und bei manchen passiert das still und leise.Bei einigen passiert auch garnichts.
    Auch die Grenzen des Lebens (z.B. Kinderwunsch in einem späteren Alter/Todesfälle) bringen (oder zwingen ) einem zum Nachdenken /Hinschauen.
    Ab jetzt hast du nun für dich die wunderbare Möglichkeit eine Basis für dein weiteres Leben zu schaffen die realistisch und echt ist.
    Schluß mit der ,,Schauspielerei,, und mit Laiendarstellern die überwiegend zweckgebunden in deinem Leben waren,die brauchst du nun nichtmehr.
    LG R..

  • nein - ich nehme es nicht an, wenn mich jemand abfällig behandelt....... eines war immer vorhanden: Eine gewisse Art Stolz, der seine Grenzen hatte, die nicht verletzt werden durften.

    Aber ich empfinde es als Abwertung, wenn ich entbehrlich bin. Da ist noch eine Restwurzel des Übels.

    Also wenn heut einer sagt: Ich werde dich vermissen, --und morgen fehle ich ihm dann doch nicht,--- dann kränkt mich das

    Dann empfinde ich das als nicht eingehaltenes Versprechen. Das ist nicht gut!

    Meine Bedeutung im Leben eines Anderen ist damit immer noch ein Baustein für mein Selbstbewußtsein. so ein Quatsch!

    was hat das eine mit dem anderen zu tun?

    Vermissen ist auch so was, wie viel Abhängigkeit ist Vermissen? Wieviel Vermissen ist noch gesund? Es ist alles irgendwie in eine andere Bewertung bei mir gerutscht. Ich habe tatsächlich ein bißchen Angst, neue Maßstäbe auszuprobieren und gleichzeitig eine höllische Angst, wieder automatisch in eine Chamäleon-rolle zu verfallen. Auch Nähe und distanz kann man spielen und damit die perfekte Besetzung für die Inszenierung eines anderen abgeben.

  • Hallo Nys

    Ich auch nicht (was die Weisheit betrifft...lach)
    Ich bin ja ein gutes Stück älter als du und lerne auch noch ständig dazu und in guter Krebsmanier(Sternzeichen) gehe ich auch gern mal seitlich /rückwärts oder gar im Kreis.
    Ich mag es nicht das man dann an mir rumzerrt oder schiebt,ich brauche meine Zeit um Erkenntnisse umzusetzten und das ist auch ok so.
    Ich habe seit ich mich hier angemeldet habe soviel in mir verändert ,aber mein Grundwesen das wird immer bleiben.
    Ich sehe das so wie beim Edelstein schleifen,da entstehen neue Facetten er wird klarer und schöner dadurch.
    In diesem Sinn wünsch ich dir einen sonnigen Tag
    Lg R..

  • Hey sunshine :)

    schön, daß Du bei mir reinschaust!
    Weißt, ich lieg seit 3 Tagen flach und hab so viel erlebt in der letzten Zeit. (ja ja) kann da nur sagen: Gut, daß mich so ein Virus mal kurz ausgeknockt hat :)

    Ich kann es nicht so gut hier beschreiben. Weißt ja Dritte und das im Offenen! - das EINFACH leben - Betonung auf Einfach (nix kompliziert) das gelingt noch nicht so richtig. Ich bin ein Magnet für's Chaos ;)

    Aber wenigstens kann ich jetzt schon die Energie rein oder raus nehmen und Tränchen weinen und eine Stunde später über mich selbst den Kopf schütteln. Lächelnd oder schockiert _ ganz egal- hauptsache unabhängig!
    LG Nys

  • Danke liebe Sunshine!

    so ganz bin ich noch nicht fit - aber es wird schon.

    Viel Zeit zum Nachdenken
    Viel Stille
    Stille ist gut. Stille üben, - ich kann auch in Stille arbeiten :)
    Tränen. Vllt. wegen der Tage
    Es tut immer gut wenn sie fließen - dann bin ich sehr nahe bei mir. Dann habe ich meist etwas verstanden oder wiedererkannt.

    Angst war heut auch schon. Seit die Stille da ist, ist die Angst weg.

    Identität. Definition meiner Identität.
    Habe ich mich über meine Ehe definiert? Über meinen Job?

    Keine Definition mehr, die paßt. Dennoch bin ich mit mir identisch.

    Ich beobachte mich selbst, bei Haushaltsarbeiten, beim Haustür-Aufschließen, beim Sein.

    Ich komme mir nicht sehr bekannt vor. Das ist das komische daran. Das Zielstrebige ist gerade verschwunden, das mich immer ausgemacht hat. Ich war immer unterwegs - immer irgendwo hin.

    Jetzt bin ich einfach nur da. Alleinsein ist nicht komisch. Ist mir auch sehr vertraut. Komisch ist, daß da niemand mehr heimkommt. Auch wenn mein Ex-Mann oft zu Besuch kommt, wegen der Tiere.
    Ich kann nicht sagen, daß ich jemals wirklich mit ihm zu zweit war.

    Aber jetzt ist auch sonst alles anders.

    Ein abgehauenes Mädchen............ das wollte ich als Kind immer sein. :) Habe mich extra nicht gekämmt und die verwaschensten Pullis angezogen, damit ich möglichst verwildert aussehe.

    Jetzt bin ich ein abgehauenes Mädchen mit 40.
    Nicht verwildert, sondern normal - es ist nicht so, daß ich darauf stolz wäre. Bißchen so wie Pipi Langstrumpf mit Affe und Pferd in der Villa Kunterbunt.

    Habe alles hinter mir gelassen. Klar - Mama gibt es noch. Auch sie kommt auf Besuch. Aber die Mutter-Tochter-Bindung ist nicht unser Verhältnis. Mein Vertrauen hält sich in Grenzen. Ich fühle mich für sie verantwortlich. Ich wäge jedes Wort ab, das ich ihr erzähle. Sie gehört dazu - aber nicht zu mir.

    Ich sehe den Herbst und ich bin müde. Ich schlafe schon wieder so viel.

    Was ich über die ersten 6 Monate eines Säuglings gelesen habe, hat mir erklärt, warum ich das Gefühl kenne, mich aufzulösen und mit Gegenständen oder der Umgebung zu verschmelzen. Wenn in dieser Zeit keine menschliche Person beim Säugling ist. Wenn er noch kein Individium ist - dann findet die Symbiose
    die er sonst mit der Mutter eingeht, mit der "Welt" statt. Es bleibt eine lebenslange Sehnsucht nach Symbiose - die bei Erfüllung mit Todesangst verbunden ist: Weil die Symbiose mit der Mutter getrennt wurde und das Verlassensein vom Säugling mit Todesangst erlebt wird. Ein Grund weshalb BL-Patienten oft und immer wieder die Trennung inszenieren.

    Todesangst kenne ich nicht. Inszenierte Trennungen - zumindest n icht von mir selbst.
    Undefinierbare Angst kommt in den letzten Tagen öfter mal vor. Aber ich habe als Säugling bestimmt auch nicht bewußt gedacht, daß ich Todesangst hatte - 4 Wochen lang allein, nur mit Gegenständen.

    Ich weiß noch nicht, ob ich den Wunsch nach Symbiose dann unterdrücken werden kann, wenn ich mich mal bei jemand geborgen fühle. Ich weiß nur, daß
    ich ein Leben lang acht geben muß. Gerade dann, wenn es sich besonders schön, besonders gut anfühlt.
    Es ist mein Suchtstoff. Hellge hat bei Renate geschrieben: Sucht sucht Sucht und findet.
    Genau so ist das. In einem anderen Artikel lese ich:
    B.-Liner suchen sozusagen mit der Nabelschnur nach einem passenden Gegenstück zum andocken. Also nach jemand, der auch noch mit Rest-Nabelschnur rumläuft. - Ein guter Vergleich.

    3 mal dürft ihr raten, was mir in die Arme lief? Ohne zu suchen. Und warum bin's dann gerade ich?
    Nicht nur ein bißchen ärmer als er - dafür um einiges mehr an Jahren und schlechten Erfahrungen. Daß sein Alkoholkonsum das absolute Ausschlußkriterium für mich ist............... hab ich grade so noch rausgebracht. So manches andere an ihm ist nämlich genau so, wie meine Sucht das gern hätte. 8) Ich bin ein bißchen erschrocken. Wie schnell das altvertraute Gefühl - eines Vampir-Weibchens in mir aufkommt, - wenn das richtige Gegenstück auf mich trifft. Mit Liebe hat das nur gefühlt was zu tun.
    Es ist gegenseitige Defizit-Befriedigung.


    Ich habe mich heute damit getröstet, daß mir im Himmel mal nichts mehr fehlen wird - und daß mich dieses Defizit hier im Leben, wenigstens im Sinne von Nietzsche weiterbringt: Der Mensch wächst am Leid. Es gilt den Menschen zu überwinden.

    Ich bin froh, daß ich das Gefühl von Liebe und diese komische Sucht inzwischen auseinanderhalten kann. Diese Sucht hat auch nichts mit Einsamkeit zu tun. Ich fühle mich nämlich nicht allein. Schon garnicht einsam. Auch nicht verlassen.

    Es ist eher so - als ob es mich irgendwo hinzieht. Zu so einer Art Erfüllung. Von der ich aber genau weiß, daß sie nicht erfüllt werden darf, weil es mein Untergang wäre. Es ist wie mit den Lemmingen, wenn es sie in den Abgrund zieht. Aber ich bin ein Mensch. Ich werd es überwinden.


    Es ist aber wie mit jeder Sucht. Ablenkung ist gut. Zuviel Ablenkung macht leichtsinnig. Macht einen glauben, man hätte alles im Griff. Läßt einen mit der Gefahr spielen. Läßt einen glauben, das sei jederzeit kontrollierbar.
    Dazu nur noch mal so viel:
    Ich bin ein bißchen erschrocken. Wie schnell das altvertraute Gefühl - eines Vampir-Weibchens in mir aufkommt, - wenn das richtige Gegenstück auf mich trifft.

    Ausblenden der Wirklichkeit.
    Ein Symptom bei Beziehungs-Sucht. Jow. geht easy - vor allem wenn es im Bett Sterne regnet 8) Für die Sucht ist man bereit zu lügen. Vor allem sich selbst zu belügen. Und man sagt sich: So ein paar Dates mit abgesprochenen Grenzen können nicht schaden ;) - mal high (on emotions) sein, dann wieder nüchtern sein. Geht nicht! Geht definitiv nicht. Abstinenz ist angesagt. Zumindest bei den Gegenstücken mit Vampir-Geschmack.

    Gut daß ich krank geworden bin. Nothalt sozusagen. Ich bin ausgestiegen.
    Gerade noch rechtzeitig.

  • Hallo Nys,
    *puh*..... ein ganz schoen dichter Text! Und ich bin auch nicht sicher, ob ich alles verstanden habe..... nur, pass bissl auf mit den Etiketten. Ob Du (oder wer Anderes) nun BL-Syndrom hat oder wie oder was, waere im Zweifelsfalle der Einschaetzung kompetenter Leutchen zu ueberlassen.
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    *oh*, das Spiel mit den Kometen, die einen Schweif an gluehenden Funken herabregnen lassen ..... endlich, endlich SEIN.....sich im Innersten erkannt und angenommen fuehlen, Aufloesung, Aufgabe.....SEIN, SEIN......und gemeinsam im Feuer vergehen..... nichts SEIN, nicht anderes SEIN wollen, als Brennstoff fuer Kometen....*OMG*.
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    Doch leider hat diese Vission des Gluecks einen Preis. Einen sehr hohen Preis.
    Ganz so weit wie Du (beinah) bin ich zwar nicht gegangen, doch trotzdem hat es mich alles gekostet.
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    Jetzt, mit 15 Jahren Abstand, kann ich zwar nicht sagen "das wuerde mir heute nicht mehr passieren" .... im Gegenteil, ich bin mir sicher, es wuerde mir heute genauso wieder passieren. Weil die "Vision" zu truegerisch ist, zu schoen, um wahr zu sein. Und wahr ist es ja dann auch meist nicht. Wahr ist was Anderes. Wahr ist das, an dem ich bis heute herumzuknapsen habe.
    Vernichtung. Materiell. Vom Selbstbild (nicht Selbstwert, das ist noch so lala intakt)...den Traeumen, der Sehnsucht nach "fliegen".
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    Ob das nun zwingend was mit "Suchtpersoenlichkeiten" zu tun hat? Ich fuerchte schon. Allerdings muss es nicht unbedingt eine stoffliche Sucht sein, die uns da anspringen laesst.
    Da passt eher Dein Vergleich mit dem Gegenstueck, das ebenfalls mit einer Rest-Nabelschnur herumlaeuft......
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    Und nun kommt die gute Nachricht: ich denke, ich habe Jemand gefunden, der genau diese "Tiefe" hat, das Ozeanische ... sich aber aufgrund langjahriger Aufarbeitung seiner Geschichte durchaus selbst bewusst ist, was ihn zu mir und mich zu ihm treibt....wir sind uns Beide dessen bewusst .... und sagen: Ja, das ist so .... komm her. Lass es uns versuchen. Wenn nicht mit Dir, mit wem dann?
    Bloss lass uns gut aufpassen Jeder auf sich, Du auf mich, ich auf Dich...

    Experiment laeuft noch, insofern kann ich Dir keine Ergebnisse mitteilen. Bloss: Ja, genau so soll es sich anfuehlen! Und mit weniger werde ich mich auch nicht mehr begnuegen.
    Gruesse, Lindi

  • P.S. nachtraegliche Reflexion ....

    Ich hatte grad gestern ein bisschen im Netz gegooglt .... nach meiner ehem. Freundin. Ich weiss auch nicht, was ich mir davon "erhofft" hatte. Einfach mal wieder was von ihr "hoeren", wissen, ob sie ihren Typen (wegen dem sie mir die Freundschaft gekuendigt hatte, weil er mich nicht leiden konnte....andere Geschichte) nun geheiratet hat, oder nicht (- edit, bitte keine Details über Dritte, Linde - , insofern ein Leichtes, das rauszufinden) .... habe neuere Fotos von ihr gefunden..... und kann es einfach nicht verstehen. Dass Jemand, der mir innerlich so nah war, so "untrennbar" zu mir gehoerte, dies einfach wegwirft, jaja, war ne schoene Zeit...blabla.... ich habe kein Beduerfnis, diese Freundschaft wieder aufzunehmen, es ginge nicht mehr. Nicht mit dieser fast kindlichen Naivitaet....und trotzdem hatte ich die Nacht ueber schwere Traeume......
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    Die sprichwoertliche "andere Haelfte" ....verloren.... oder war es gar nie so, wie ich dachte? Bin ich mit meinem Beduerfnis, mich ganz zu verschenken mal wieder aufgesessen? Abgeprallt an den oberflaechlichen Konventionen? Dem "Oh, wie nett, Dich zu treffen, wir muessen unbedingt mal wieder telefonieren blabla....whatever......?
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    Zurueck bleibe ich und denke mir: wenn ich mich nicht ganz verschenken darf, dann tu ichs gar nicht. Kein bisschen. Ganz oder gar nicht.
    Und Allein ists auch ganz gemuetlich, muss ich sagen. Vorausgesetzt, da gibt es fellige Gesellschaft. Das muss sein. Ob Hund oder Katz....am Besten Beides :P
    Lindi

  • Hi Lindi :)

    oh nein Ettiketten hab ich weder mir noch sonst wem in meinem Text ankleben wollen.

    Ich habe nur B L erwähnt, weil ich diese Informationen in Zusammenhang mit dieser Krankheit gelesen habe und ohne den Zusammenhang auch nicht so klar wäre - daß dieses Bedürfnis nach Symbiose und das traumatische Defizit eine durchaus ernstzunehmende Sache sind.

    Ich habe ursächliches für mein Defizit gefunden. Eine Krankheit suche ich nicht und bin froh, wenn ich wenigstens einigermaßen gesund bin. Ich will auch niemand eine Krankheit andichten - deshalb spreche ich ausschließlich von gemeinsamen Defiziten oder von Erklärungen, die mir das eine oder andere Verhalten etwas verstandesmäßig zugänglicher machen. S' gibt ja echt Dinge da denkst Du das gibts doch nicht!

    Mensch es hört sich bei Dir echt gut an! Und ja - natürlich hab ich da auch schon dran gedacht: Jemand der das alles bereits aufgearbeitet hat - könnte besser passen, als jemand der das garnicht jemals gehabt hat.... :)

    Ich drück Euch ganz fest die Daumen!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

    Und was das mit Sucht angeht - Suchtpersönlichkeit und so. Ich schreib das ja hier nicht, weil ich mich damit in eine Sonderstellung bringen will. Oh wie dramatisch oh wie krank! Nein. Ich denk es geht ganz ganz vielen so oder so ähnlich - und weil es so verbreitet ist, hab ich ja auch immer gedacht, daß ich nur irgendwie Pech habe. Hab nie nachgeschaut, nie einen Ansatz gefunden woher dieser Schmerz in mir kommt, der nur dann aufhört, wenn es sich so und so anfühlt. Und habe immer geglaubt es sei meine unglaublich wundervolle Gefühlswelt die so einzigartig ist, daß ich eben viel tiefer empfinde und mich viel mehr hingeben kann, als andere. Alter Schmarrn!

    Natürlich ist die Gefühlswelt eines Säuglings was tolles. Nicht umsonst fahren alle Mütter der Welt darauf ab. Blöd is halt, wenn der Ozean irgendwann flacher wird - und glaub mir - auch bei noch so großer seelischer Übereinstimmung wird Dein Partner andere Bedürfnisse haben als Du.

    Das schlimme an der Symbiose ist ja, daß man verschmilzt oder es glaubt und in Wirklichkeit passiert das garnicht. In Wirklichkeit sind beide getrennte Wesen. Der Scheinzustand wird wie eine Droge benötigt und immer dann eingefordert, wenn andere Dinge anstehen. ZB die Auseinandersetzung mit aktuellem Alltagskram.

    Es gibt viele viele Paare, bei denen es automatisch gut geht. Ich bin zu oft gescheitert, um an automatisch zu glauben. Ich habe sogar Angst vor diesem Verlorengehen im Augenaufschlag des anderen. Weil ich mich dann verändere. Das merke ich. Ich bin dann nichtmehr wirklich unabhängig, nicht mehr wirklich frei. Es ist wie mit einem Alkoholiker, der nicht aufhören kann zu trinken. Und trinkt und trinkt, obwohl er längst nicht mehr weitertrinken will, aber so lange bis er besinnungslos ist muß weitergetrunken werden. So lasse ich mich ein, --- ein bißchen ein, -- ein bißchen mehr ein, --- ganz ein-------bis ich mich so weit eingelassen habe, daß der andere sich zu recht fragt, ob es mich als Person allein überhaupt noch gibt.

    Natürlich kann ich das dosieren. Ich bin nicht dumm!
    Ich bin so schlau, daß ich mich selber austricksen kann. Ich kann auch gut schauspielern und das auch vor dem eigenen inneren Spiegel.

    Aber ich schreib es hier ehrlich rein. So wie es aussieht, wenn ich superstreng auf mich schaue. Wenn ich gnadenlos seziere. Vielleicht hilft es auch noch jemand im www der sich fragt, warum es nie tief genug gehen kann mit der Liebe - und warum es immer so tief am Boden endet.

  • *hm* ..... nun, zum Besseren Verstaendnis fuer Dich....ich bin "die Andere Seite" ....und "er" mehr oder weniger Du ...auch aus mehr oder weniger denselben Gruenden .....vielleicht deshalb konnte ich manches was Du schriebst besser verstehen.....und vielleicht (auch) deshalb hat sich hier dieser spezielle Draht zwischen uns ergeben, ohne dass wir das gesucht oder gewollt haetten :P
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    Ich neige nicht so sehr dazu, mich voellig aufzugeben, noch mehr zu wollen, und noch mehr....jedenfalls nicht im "praktischen". Oh nein.
    Ich bin mir mit meinen fast fuenfzig Jahren schon darueber bewusst, was zu mir gehoert, und nur allein zu mir. Ganz allein fuer mich! Und wuerde das auch nicht aufgeben. Jedenfalls nicht "fuer" Jemand anderes Und ich wuerde es auf lange Sicht beim Gegenueber "verachten" wenn er das taete....ich brauche ein gegenueber, mit dem ich mich (manchmal) im Urknall treffen kann, keinen Satelliten in meiner Umlaufbahn!

    Sinngemaess hat "er" mal dazu gesagt, das er die Chance auf ein Ich haben muss, damit es die Moeglichkeit eines Wir ueberhaupt geben kann.

    Das ist in der Praxis nicht immer romantisch, teilweise sogar manchmal schroff ..... aber ohne das ginge es nicht!

    Die Schwierigkeit liegt in der Dosierung .... und es ist auch nicht immer bequem. Bequem waere das, was Du (und ich) so lange hatten. Alltag. Berechenbarkeit. Nie wirklich weg sein, aber auch nie wirklich da sein.
    Manchmal frage ich mich, ob ich die Staerke fuer ein solches Abenteuer (noch) habe......
    Wohlgemerkt, das alles hat nichts damit zu tun, dass ich zweifeln wuerde. Und umgekehrt auch nicht. Sonst haetten uns die 1 1/2 Jahre Fern-Mail-Beziehung schon laengst zerbroeselt ....oder haetten der Konfrontation mit der Realitaet nicht standgehalten. Was erstaunlicherweise nicht der Fall war :P
    Es bleibt also spannend .... und unsicher. Zu verlieren gibt es viel, zu gewinnen aber auch ..... ALLES!
    Und dafuer ist es voellig unerheblich, ob wir die selben Hobbys haben (haben wir nicht, btw) oder jeden Abend gemeinsam Ferngucken eindoeseln.....es gibt Dinge, die tiefer gehn. Viel tiefer.

    Und Gefuehlsbuchhalter, egal ob maennlich oder weiblich, brauch ich nicht!
    LG, Lindi

  • Liebe Nys, liebe Lindi,

    mir hat sich beim Lesen Eurer Beiträge eine Frage gestellt, die mich seither sehr beschäftigt, da sie auch mich/mein Beziehungsverhalten stark betrifft: warum ist es bei unseren Tieren gerade der Alltag, der tägliche Umgang, das tägliche "Dasein", worauf wir um keinen Preis verzichten wollen - und warum funktioniert es gerade in der Paarbeziehung nicht?

    Bitte jetzt nicht falsch verstehen - ich möchte die Beziehung mit einem Tier nicht mit der zu einem Menschen vergleichen (ein Tier kann sich gegen unserer Projektionen nicht wehren ... usw.).
    Mir geht es - sagen wir - um die emotionale Qualität des Beisammenseins. Erwartungshaltung, Sein-(lassen-)können, .... usw.

    Keine Ahnung, ob ich das verständlich ausdrücke :?:
    Vielleicht wisst Ihr, was ich meine - ansonsten versuche ich es noch einmal anders zu formulieren.

    Viele liebe Grüße
    Lea

    If you know where you stand
    then you know where to land ...

  • guten Morgen Lindi

    hallo Lea!


    Lindi
    *lächel* - Du meinst echt das Gegenstück zu sein?
    meine Gegenstücke mit Vampir-Geschmack sind genauso selbstvergessen und gleichzeitig fordernd wie ich.

    Wieder muß ich mit diesem etwas blöden Bild vom Säugling anfangen. Hast Du mal gesehen wie wütend und garstig so ein Winzling werden kann, wenn er nicht bekommt was er möchte? Von selbstloser Hingabe und Aufopferung kann man da nur beim "Muttertier" sprechen. Die Beziehung mit so einer Person wie mir, ist also nicht unbedingt davon geprägt, daß ich bei meiner (nennen wir es jetzt mal) Auflösung vergessen würde was meins ist. Es geht eher um Identität - die sich plötzlich über diese angebliche WinWin Situation definiert. Es ist, als ob ein Bettler plötzlich am Tischlein-DeckDich sitzt. Und sich deshalb jetzt wie ein König vorkommt.

    Und meine Gegenstücke haben blöderweise genau den selben Antrieb. Indentifizieren sich über mich oder das was ich ihnen zurückspiegle.

    Wohlbemerkt, - wie Du auch schon sagst - das Risiko beginnt nicht in ganz normalen Beziehungen - sondern in denen in denen es sich auf eine bestimmte Art besonders gut anfühlt. Wenn der andere die grenzenlose Nähe ebenso sucht und in mir findet.

    Es ist doch verwunderlich. Da weiß ich 100%ig daß ich jemanden nicht liebe. Auch nicht verliebt bin. Trotzdem gibt es zwischen uns Signale, die alle Schranken/Realitäten ausblenden - und das ganz ohne den Hintergrund von S**Entzug. Wir haben beide auch andere Partner. Aber anscheinend ist es mit den anderen nicht so intensiv. Das sagen wir beide. Und ich für mich merke, wie ich schon wieder nicht mehr ganz richtig ticke. Anders kann ich das nicht beschreiben. Ich bin weder eifersüchtig noch habe ich das Gefühl besitzen zu wollen. Ich habe schon garkeine Lust mich aufzuopfern und das mit seinem Alkoholkonsum ist eine traurige Parodie des Lebens. ABER - guckst Du: Ich muß Gefühlsbuchhalter sein und komischerweise gelingt mir das bei allen nur nicht bei ihm. Und das ganz ohne Liebe!!! Es ist nur
    der Umstand nicht aufhören zu können, sich nach einem Dauerzustand dieser gefühlten Symbiose zu sehnen. Und ruck zuck wird aus einer rational und kopfgesteuerten Nys - eine, die bereit ist alles zu riskieren.

    Ich habe ein Problem mit Nähe - so wie ein Alkoholiker mit dem einen Glas - das der Gesunde so locker trinken kann ohne daß er außer Kontrolle gerät.

    Ich bin ziemlich ratlos darüber. Im Prinzip würde das bedeuten NIE wieder zuzulassen, daß ein gleichgeartetes Gegenstück mit mir Nähe teilt. Wolhlbemerkt: Das suchtmachende Gegenstück. Es gibt andere Männer, bei denen bleibe ich völlig normal. Und es muß ja nicht gleich wieder ein emotionaler Kühlschrank sein. Ich denke über Therapie nach. Ich bin an einem Punkt an dem mir immer wieder die Tränen kommen, wenn ich darüber nachdenke, was ich mir sehnlichst wünsche - und dabei feststelle, daß es eigentlich eine Sucht ist.

    Was Deine Konstellation mit Deinem Freund angeht. Hey Lindi! es ist doch bei jedem wieder anders. Ich wünsch Dir sooo sooo sehr, daß Du alles gewinnst und überhaupt nichts verlierst. Es kann gut gehen. Bestimmt. Das einzige was mich an Deinen Aussagen etwas vorsichtig werden läßt, ist dieses "ganz" oder "garnicht" - dieses "alles" oder "nichts". Das schraubt die Erwartungshaltung unglaublich hoch. Man gibt es sich natürlich niemals zu. Die richtige Dosierung - hätte ich noch lange geglaubt an den Tag legen zu können, wenn ich jetzt nicht 3 Tage Zeit gehabt hätte, mein Verhalten und mich zu analysieren. Auch da ist es wie bei anderen Süchten. Die Selbstüberschätzung lauert und macht einen glauben, das hätte man alles verstanden und deshalb im Griff.

    Aber wie gesagt: Es ist bei so Beziehungs-Geschichten ja noch viel vielschichtiger als in stoffgebundenen Süchten oder Mißbrauch von Genußmitteln. Nur das Geticke im Kopf ist gleich.

    Lea
    mit meinen Tieren ist keine Symbiose möglich. Bei ihnen ist ganz klar: Ich bin Chefe und ihre Zuneigung hängt davon ab, ob ich Chefe bleibe. Natürlich ist da ein ganz ganz enger Bezug. Und es tut gut, sie um mich zu haben. Aber es bleibt die Distanz des Anführers zum Rudel. Ohne Distanz keine Kontrolle.

    Ich habe mich nie für Siegried und Roy interessiert, weil ich das nicht mag: Großkatzen in einer Bühnenshow.

    Jetzt kam dieser Tage eine Sendung über die Beiden und ihr Leben mit den Tigern. Das habe ich mir angesehen - weil mich die Beziehung insbes. von Roy zu den Tigern interessiert hat. Vllt. habe ich mir es eingebildet - aber ich sah in ihm auch einen Menschen, der sich aus der Beziehung zu seinen Tieren indentifiziert. Und das ist nicht gut. Das löst Grenzen auf, die wichtig sind. Grenzen, die Tiere ganz von selbst wieder einfordern. Zumindest wenn es hirarchisch lebende Tiere sind.

    Wir werden nirgends mehr eine Symbiose zur Findung unserer Identität eingehen können. Wir können nur die eigene Identität ausbauen. Warum fehlt es einem Mann kurz vor der Rente an Identität? Warum fehlt es einem jungen Kerl aus einer wohlhabenden Familiendynastie an Identität? Warum suche ich anscheinend immer noch meine Identität. Ich dachte doch ich hätte eine?

    Das sind so viele Fragen. Ich denke wirklich, für die Fähigkeit eine Beziehung erfolgreich eingehen zu können, sollte ich diese Fragen erstmal beantworten.

    LG Nys

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