Hintertürchen geschlossen... Auf gehts nach vorne!

Willkommen in unserem Forum: Bitte stellt euch zuerst bitte kurz im Vorstellungsbereich vor, damit wir sehen können, wer sich unserer Onlineselbsthilfegruppe anschließen möchte. Unsere Onlineselbsthilfegruppe ist weiterhin in zwei Bereiche unterteilt. Einmal der offene Bereich und einmal der geschützter Bereich. Nach der Vorstellung könnt ihr dann für die offenen Bereiche freigeschaltet werden. Die geschützten Bereiche sind für Mitglieder gedacht, die sich hier langfristig und intensiv mit ihrem Leben auseinandersetzen möchten. Um aufgenommen zu werden, solltest du dich zuerst Vorstellen und später dich bewerben und um Aufnahme bitten. Der Austausch lebt von der Ernsthaftigkeit und der Aktivität, mit der die User ihr jeweiliges Problem angehen . Deshalb haben wir dieses Verfahren gewählt, wir werden dann im Team entscheiden. Wir wünschen euch einen guten und hilfreichen Austausch bei und mit uns.
  • Hallo Cadda,


    erst einmal meinen Glückwunsch zu 2 Monaten ohne Alkohol !!


    Zitat

    Aber ich hatte halt den Gedanken. Und das sogar in Situationen, die gar nicht so typisch mit dem Alkohol trinken verbunden waren. Ich hab den Gedanken dann wieder zu Ende gedacht. Wie es weitergehen würde. Furchtbar, da will ich nie wieder hin!


    .....
    Und wenn man dann weiterdenkt, dann weiß man, dass es nie und nimmer bei dem beschwipsten Gefühl bleiben würde, denn es würde darauf hinaus laufen, dass ich immer weiter trinke, auch am Abend, bis ich besoffen bin und nächsten Tag würde es mir so beschi***n gehen, dass ich dann vermutlich schon morgens wieder was drauf kippen würde.


    So habe ich es auch gehandhabt.
    Ich habe die Gedanken ans Wieder-Saufen zugelassen, und alles daraus resultierende...
    Habe dann die Sache auch gedanklich durchgespielt, aber ich kam nie wirklich bis zum Ende mit diesen Gedanken.
    Mir war immer schon nach ein paar Minuten klar, das ich dann wieder genau da wäre, wo ich nie wieder hin will.
    Ich habe nie daran geglaubt, das ich irgendwann vielleicht mal wieder "kontrolliert" trinken kann.
    So vermessen war und bin ich nicht, zu denken, ich könnte etwas, was bei keinem anderen Alkoholiker je funktioniert hat.


    Heute kommen diese Gedankengänge eigentlich gar nicht mehr auf.
    Zumindest erinnere ich mich gerade nicht, wann ich das letzte Mal so eine Vorstellung durchspielte.
    Ich trinke keinen Alkohol mehr und das ist für mich heutzutage das normalste auf der Welt.
    Und ich würde es nicht mal mehr wollen, selbst wenn ich kontrolliert trinken könnte.
    Wieviel Zeit ich mit Saufen verbrannt habe, darüber ärgere ich mich heute noch manchmal.
    Ich hätte in dieser Zeit so viel Schönes machen können, aber ich soff stattdessen und kurierte diverse Kater aus.
    Und das alles für einen flüchtigen Rausch.
    Och nöööö, lass ma... sowas will ich nicht mal im tiefsten Innersten mehr.


    Und Cadda, wir könnten auch nie wieder so "unbeschwert" trinken wie "früher". Das glaube ich zumindest ganz fest.
    Wir haben doch schon viel zu viel Leid durch den Alkohol erlebt.
    Und wenn man dann auch schon eine Zeit abstinent lebte, wie Du nun, dann wird man es wohl kaum "genießen" können,
    wenn man wieder die erste Pulle an den Hals setzt.
    Rückfälle können passieren, davor ist niemand 100% gefeit.
    Aber ich habe bisher nie gelesen (oder ich erinnere es zumindest nicht), das ein Rückfälliger den Rückfall genossen hat :?
    Von daher glaube ich, das dieser Zug eh für immer abgefahren ist.
    Macht nichts, es gibt sehr viel bessere und schönere Züge, in denen wir nun Platz nehmen dürfen :D
    Der Alk-Zug fuhr schon immer nur Richtung Abgrund für uns.


    LG Sunshine

  • Zitat

    Und Cadda, wir könnten auch nie wieder so "unbeschwert" trinken wie "früher". Das glaube ich zumindest ganz fest.
    Wir haben doch schon viel zu viel Leid durch den Alkohol erlebt.


    stimmt. Ich spreche aus Erfahrung. Ich könnte und kann nie wieder trinken so wies früher mal war. Ich hatte zwei Rückfälle. Und obwohl ich mir nicht die Kante gegeben habe, weil nicht mehr da war, habe ich mich schlecht gefühlt. Wie ein Versager. Wenn ich einmal den Entschluss zu einem trockenem Leben gefasst habe und auch schon erfahren habe, dass ich erst ohne Alkohol ein richtiger Mensch bin, kann ich nie wieder so unbeschwert trinken, wie das vor 10 Jahren. Es würde immer einen bitteren Beigeschmack haben und ich wüsste, dass ich mein Leben zerstöre.


    LG - Calida

  • Der Alkoholismus kann schon auch wörtlich als Krankheit betrachtet werden.


    Wenn man sich mal einen typischen Saufabend ansieht, stellt man fest, dass der zu Beginn noch nüchterne und somit gesunde Mensch mit jedem weiteren Glas in einen krankhaften Zustand getrieben wird. Zu Beginn tritt dies mit kleinen Wahrnehmungsstörungen vielleicht nur wenig an die Oberfläche, mehr und mehr allerdings wird der sonst charmante, hilfsbereite und aufmerksame Mensch dann zu einem primitiven, egoistischen und desorientiertem Tier, das den eigenen IQ sicherlich halbiert hat.


    Die Krankheit geht am nächsten Tag weiter und äußert sich dazu noch in schweren körperlichen Ausfällen, seien es Gliederschmerzen oder Magenprobleme usw.


    Worauf es hinausläuft, ist klar: will man wirklich zurück in diesen vertierten und krankhaften Zustand, der zudem auch noch finanzielle und - dies ist nur eine Frage der Zeit - soziale Einbußen zur Folge hat?

  • Hallo!


    Es geht stetig voran. Gut gemacht.


    Und denke bitte an das blöde Suchtgedächtnis: Das Bedürfnis nach Alkohol stellt sich stets gerne dann ein, wenn Du in Situationen kommst, in denen Du dich früher mit Alkohol scheinbar "belohnt" hast.


    Diesen Automatismus gilt es zu überwinden, indem Du die jeweilige Situation nicht sogleich im Alkohol versenkst, sondern dich durch andere Aktivitäten wie Sport, Hand- und Heimwerken, dem Forum, Lesen.... ablenkst. Ich rate zu Beschäftigungen, die einem Freude bereiten, die man gerne macht.


    Nach einiger Zeit wirst Du merken: Situation A wird nicht zeitnah mit Alkohol begossen. Dadurch konterst Du das Suchtgedächtnis aus.


    Diese Vorgehensweise hat mir in der Anfangszeit, in der man noch etwas wackelig unterwegs ist, geholfen.


    Gruß
    Carl Friedrich

  • Guten Morgen!
    Jetzt wäre es schön, wenn ich das mit dem Zitieren schnallen würde :D
    Ich versuche trotzdem mal, auf alles einzugehen, ohne etwas zu verwechseln.


    Sunshine,
    ich glaube von Dir hab ich das auch. Die Sache, mit dem "zu Ende denken". Ich hab es hier mal gelesen und als ich das erste Mal dieses Gefühl hatte, da hab ich mich daran erinnert und habe es genau so gemacht. Das hat mir wirklich geholfen, danke nochmal dafür!
    Ich glaube auch nicht, dass man jemals wieder unbeschwert trinken könnte nach der "offiziellen Entscheidung" nie mehr trinken zu wollen.


    Das ist es vermutlich auch, was den Schritt so wichtig macht, sich nicht nur selbst einzugestehen, Alkoholiker zu sein, sondern auch zumindest vor einem Arzt klar und offen mitzuteilen, dass man nie wieder etwas trinken möchte. Das besiegelt die Entscheidung sozusagen offiziell und man kann sich im Falle eines Rückfalls wirklich nichts mehr schön reden, so nach dem Motto "naja, ich hab mich ja auch gar nicht richtig festgelegt, dass ich NIE wieder was trinken möchte"


    Calida,
    das liest man ja jetzt auch an Deinem Beispiel. Dass selbst, wenn es nicht viel war oder bis zur Besinnungslosigkeit. Man hat mit einem Rückfall gegen seine eigene Regel bzw. gegen seinen eigenen Wunsch verstoßen und so was KANN man einfach nicht genießen.


    Hull,
    ja es ist erschreckend, was der Alkohol aus einem macht. Ich möchte mich nicht auf Video sehen, wie ich betrunken war. Das wäre einfach nur erschreckend. Seelisch und auch körperlich, wie man sich verändert. Dieses "Beschwipst sein", was einem erst noch gefällt, das ist ja nicht mal lange!! Das ist maximal ne Stunde und dann ist man voll und das KANN keiner schön finden. Man selbst nicht und auch andere nicht. Selbstzerstörung ist das. Was hat man sich da bloß über all die Jahre angetan.....


    Carl-Friedrich,
    danke für das, was Du schreibst. Man muss wirklich ganz doll aufpassen vor seinen eigenen Gedanken. Diese Suchtgedanken sind sicherlich nicht ohne. Klar, man konnte ja auch über viele Jahre diese Gedanken greifen, um weiter machen zu "dürfen" und Gründe zu haben.


    Im Moment belohne ich mich selbst ganz oft mit schönen Spaziergängen oder mit einer richtig "faulen Zeit", so wie jetzt. Laptop, Kaffee, Sofa, Wolldecke :)


    Wobei... Wofür belohne ich mich jetzt eigentlich gerade? Ich habe bisher noch nichts getan. Keine Gartenarbeit, kein Haushalt, gar nichts... Weil ich in den letzten Tagen viel geschafft habe und heute frei habe.


    Aaaaah, genau DA ist ein Grund, wofür ich mich sonst mit Alkohol belohnt hätte: Ich hab ja in den letzten Tagen schon so viel geschafft und außerdem hab ich heute schließlich frei... Dann kann man doch nachher mal was trinken...
    Tja, es gab wirklich IMMER einen Grund...


    Deshalb gibt es jetzt auch IMMER einen Grund, sich mit einem Kaffee gemütlich aufs Sofa zu legen und mich damit zu belohnen, dass ich die letzten Tage so fleissig war. Und wenn nachher die Sonne raus kommt, belohne ich mich gleich ein weiteres Mal mit einem Spaziergang und einem Eis in der Hand :)


    Ich weiß aber, was Du meinst, Carl-Friedrich. Es geht insbesondere um solche Dinge, wie Gartenarbeit oder irgendwie so etwas, wo das Suchtgedächtnis dann gleich schreit "jetzt hast Du Dir aber ....... das oder das ...... verdient". Da ist es dann hilfreich, wenn man eine Alternative parat hat. Ob das nun ein leckeres Stück Torte ist, ein Spaziergang, ein Buch lesen in der Badewanne (hallo Calida :lol: ) oder eben ein "langer Besuch auf dem Sofa mit Laptop, Kaffee und Wolldecke" :D

  • Hallo zusammen... Die ersten 10 Wochen sind geschafft. Ich guck bevor ich schreibe, immer nochmal nach, wie lange es jetzt genau ist :D
    So richtig wichtig finde ich das nämlich nicht. Viel wichtiger ist, wie es in einem drinnen aussieht.


    Es geht mir nach wie vor sehr gut. Ich bin unglaublich froh, denn die Albträume sind nur noch sehr selten. Das ist vermutlich ein Zeichen dafür, dass man sich nicht mehr ganz so sehr damit beschäftigt. Also das Thema beschäftigt mich natürlich immer noch ständig und ich denke oft darüber nach. Aber man gewöhnt sich so ganz langsam aber sicher daran, dass es ein Normalzustand ist, einen klaren Kopf zu haben und keinen Alkohol mehr zu trinken.


    Ich manchmal erstaunt, wie viel Zeit man doch eigentlich hat. Was hat man doch bloß viel Zeit mit dem Saufen verdödelt! Man hat so viel Zeit mit saufen verbracht. Da hat man ja nebenbei manchmal noch telefoniert, geschrieben, Haushalt gemacht oder sonst was. Aber irgendwann, wenn nicht nur ein Glimmer vorhanden war, hat man natürlich nichts mehr gebacken bekommen. Das Trinken an sich war schon ein Zeiträuber. Aber die Zeit NACH dem Trinken, hat ja fast NOCH mehr Zeit geraubt. Wie oft lag man einfach nur im Bett und war fix und fertig... Die Kinder haben die Sachen, die sie allein erledigen können, oft wirklich allein erledigt. Das machen sie jetzt auch noch, aber ich bin DABEI. Ich bekomme viel mehr mit, dadurch macht alles viel mehr Spaß und hat auch einen viel besseren Ablauf. Ich schäme mich wirklich, wenn ich an die Zeit zurück denke, wo ich einfach nichts auf die Reihe bekommen habe, weil ich gerade einen Kater hatte. Widerlich!!!


    Ich merke jetzt, wie sehr die Kinder aufblühen. Wie sie sich freuen, dass ich bei so vielen Sachen einfach nicht nur anwesend bin, sondern wirklich DABEI. Jetzt, wo ich sehe, wie sie sich verhalten, merke ich erst so richtig, wie der Unterschied zu vorher ist. Ich würde so gern die Zeit zurück drehen. Das ist im Moment wirklich etwas, was mich unendlich traurig macht. Ich hab so viel verpasst, weil ich einfach keinen Elan hatte. Ich hab so viel falsch gemacht, das ich heulen könnte.
    Aber es hilft nichts. Ich kann die Zeit nicht zurückdrehen und die Vergangenheit kann ich nicht mehr nachträglich ändern. Aber die Zukunft kann ich mit gestalten und anders machen, besser machen!


    Man sagt ja immer, es gibt an jeder Sache etwas Positives. Wobei ich daran nicht ganz glaube, denn ich hab genügend negative Sachen erlebt, bei denen mir nichts positives einfällt.
    Bei der Sache mit dem Alkohol würde mir einfallen:
    Man ist in der Lage, eine unglaubliche Freude darüber zu empfinden, dass man nun diesen trockenen Weg geht. Es macht einem wirklich bewusst, wie schön das Leben sein kann.


    Was hat sich noch verändert? Ich merke, dass ich ETWAS, aber auch wirklich nur ETWAS geduldiger werde. Ich bin ein wirklich ungeduldiger Mensch. Mir platzt wirklich schnell der Kragen, wenn die Kinder Mist machen. Bei Kleinigkeiten könnt ich schnell ausflippen. Bei gravierenden Dingen leider nicht. Da ist meine Schmerzgrenze oft viel zu langsam erreicht. Ich tu mich schwer mit Entscheidungen und Veränderungen im großen Ausmaß, da bin ich leider geduldig wie sonst was.


    Aber was die kleinen Dinge im Leben angeht, bin ich schnell außer Rand und Band :oops:
    Das hat mich oft gestört, dass ich bei den Kindern z. B. zu schnell genervt bin und das wurde durch die schlechte, körperliche Verfassung durch den Alkohol, natürlich noch verstärkt. Das bessert sich langsam, das merke ich. Ich fühle mich körperlich gut, auch durch den Sport und dass ich wieder mein Normalgewicht erreicht habe und vor allem auch durch meine Psyche. Dadurch bin ich ausgeglichener und kann somit auch etwas mehr Geduld an den Tag legen. Das ist aber dennoch ausbaufähig. Ich arbeite daran 8)

  • Herzlichen Glückwunsch Cadda,


    auf dass aus 10 Wochen 10 Monate werden.
    Und dann aus 10 Monaten 10 Jahre.
    Das hört sich nach einem riesigen Berg an.
    Aber Dranbleiben ist eigentlich einfach.
    Leider ist Nicht-Dranbleiben genauso einfach.
    Ich wünsche Dir viel Erfolg beim Dranbleiben.


    Viele Grüße
    Correns

  • Danke Correns, ja ich werde dran bleiben!!


    Ich hatte heute das erste „richtige“ Gespräch bei der Suchtberatung. Ich war ein bisschen stolz hinterher. Die Dame sagte mir nämlich, dass ich das toll mache und sich bisher alles sehr gut anhört. Damit meinte sie z.B., dass sie es sehr positiv fand, dass ich direkt in den ersten Sätzen gesagt habe, dass ich Alkoholikerin bin. Sie meinte, viele würden in den ersten Terninen noch vieles „schön reden“ und es gehöre eine Menge dazu, dies so sicher auszusprechen.


    Ja, ich muss sagen: Danke!!! Dass ich im Kopf soweit bin, das hab ich Euch zu verdanken. Dieses Forum hat mich im Vorfeld unglaublich sortiert und mir Klarheit verschafft.


    Auch viele Dinge, die von der Dame kurz angesprochen wurden (Suchtdruck/Suchtgedächtnis/Belohnungs-Denken und so weiter) waren mir nicht unbekannt und somit konnte ich bei manchen Sachen gleich verstehen, worauf sie hinaus will oder was sie meint.


    Demnächst sehe ich mir die Gruppe an und in der nächsten Woche habe ich nochmal einen Termin bei der Dame (heute war ich in der offenen Sprechstunde). Meine Anträge für die ambulante Therapie habe ich bereits da gelassen.


    Ich freue mich :)

  • Hallo Cadda


    Hab ich Dich richtig verstanden, dass Du nach 10 Wochen die erste Suchtberatung besuchtest? Und auch die erste reale SHG? Und was waren denn Deine Beweggründe nach 10 Wochen?


    Ich frage dies, da ich diesbezüglich immer noch unschlüssig bin.
    bzw. noch keine Schritte eingeleitet habe.


    Danke für eine kurze Antwort.


    Ich wünsche Dir einen schönen Adventsabend.
    Ernest

  • Hallo Ernest,


    ja, also ich habe meinem Arzt von meinem Alkoholproblem erzählt und gleichzeitig gesagt, dass ich gern eine Therapie machen würde. Im Grunde genommen habe ich schon länger vor einigen Dingen in meinem Leben die Augen verschlossen und ich denke, es könnte nicht schaden, das etwas aufzuarbeiten. Anders herum denke ich aber auch, das das Hauptproblem, dass ich einige Sachen nicht richtig verarbeitet habe, der Alkohol war. Immer wenn ich traurig war, hab ich sofort erst Recht zur Flasche gegriffen.


    Ich hab dann beim vorgeschlagenen Therapeuten keinen Termin bekommen, bin dann zeitgleich zu einer Suchtberatung, da war dann Urlaubsvertretung, dann wusste ich nicht so recht, in welchen Ort und irgendwann hatte ich dann eine nette Dame am Telefon, die aber auch vor ihrem Urlaub stand. Naja, bis ich dann die ausgefüllten Unterlagen vom Arzt und von der Krankenversicherung zurück hatte, ist ein wenig Zeit vergangen und ich war auch nicht gerade wahnsinnig flott, da ich das alles jetzt nicht so eilig empfunden habe.


    Die ambulante Therapie (stationär möchte ich auf keinen Fall) wurde noch nicht bewilligt, wird sie aber sicherlich. Zur Suchtberaterin durfte ich aber direkt kommen und ich war jetzt insgesamt zwei Mal da und es soll erstmal alle zwei Wochen so laufen. Wenn dann alles andere genehmigt ist, dann kann ich auch an Gruppengesprächen teilnehmen.


    Also ich hab das von Anfang an in meinem Kopf gehabt, für mich gehört es irgendwie dazu. Weniger wegen der Gruppengespräche, sondern eher wegen der Einzelgespräche. Es hilft mir auch. Also ich bin die beiden Male sehr gestärkt aus den Gesprächen gegangen. Allerdings erklärt sie mir sehr viele Dinge, die ich hier über die letzten Jahre schon gelesen habe. Ich bin oft - dank dieser Gruppe hier - mit meinen Gedanken schon voraus, wenn sie mir etwas erklärt. Ich merke dann schon, wenn sie anfängt, worauf sie hinaus will. Da merke ich immer, wie viel mir diese Gruppe bringt.


    Ich hab jetzt irgendwie weit ausgeholt. So richtig beantworten kann ich Deine Frage nicht :)
    Warum? Ich hab irgendwie gesagt "Es kann ja nur helfen, nicht schaden" :D

  • Danke.
    Ich werde vermutlich ausschließlich dieses Forum-Füllhorn beanspruchen. So viele Lebensweisheiten, Tipps und gute Gedanken.
    Nach 10 Wochen Abstinenz - hoffentlich trifft dieser Zeitpunkt auch ein - kann ich nochmals über eine Therapie nachdenken.
    lg
    Ernest

  • Guten Morgen alle zusammen am Nikolaus...
    ganz ohne Kater. Sonst habe ich einen Abend vorher immer die Gelegenheit genutzt, es mir mit Wein „gemütlich“ zu machen. Man musste ja schließlich eh lange wach bleiben, um Nikolaus zu spielen, indem man die Schuhe der Kinder befüllt. Die Vorbereitungen konnte man sich schließlich auch „nett“ machen... Das alles, um am nächsten Morgen, wenn die Kindee sich freuen, einen Kater zu haben oder womöglich kaum geschlafen- und noch Restalkohol zu haben.
    Was für ein Jammer um die schöne Zeit!!!


    Gestern bin ich einfach früh schlafen gegangen und hab mir den Wecker gestellt, um alles vorzubereiten. Heute Morgen waren schon alle Lichterketten und Kerzen an, als die Kinder zu ihrer Fensterbank freudestrahlend hin sind und das Frühstück war schon fertig und Weihnschtsmusik lief. Viel, viel schöner!!!!!


    Na gut, gestritten und gemeckert werden musste später trotzdem noch, da will ich mal ehrlich sein :)
    Alles andere wäre auch zu viel Harmonie gewesen :D


    Aber: Es war alles viel toller, den Nikolaus Morgen nüchtern und mit klarem Kopf zu erleben.


    Ernest noch einmal: Achte am besten genau auf Dich. Du wirst schon mit der Zeit für Dich entscheiden können, was Dir gut tut und was nicht.

  • Hi Cadda,
    so wars bei mir auch. Alles musste ich mit Wein schöner machen. Nur dass es nie schön war. Ich war dann oft so dicht, dass ich mich gewundert hab, den Kindern noch das richtige in den Stiefel zu packen.
    Und trotzdem gings weiter - der nächste Anlass zum gemütlich Trinken war dann Weihnachten.....
    Mir gehts wie Dir. Ich freue mich, heute alles wirklich erleben zu dürfen.
    LG - Calida

  • Ich muss mir wirklich angewöhnen, nur noch über den PC zu schreiben. Ich wollte hier gerade ein Update schreiben und sehe, dass mein letzter Beitag wieder mal gar nicht raus ging, den ich von der Arbeit aus in meiner Kaffeepause abgeschickt hatte. Ich hab da ganz schrecklichen Empfang. Oder ich miss kontrollieren, ob er wirklich raus ist....


    Ja Dante, man war sich wirklich nicht zu schade. Immer hat man einen Grund gefunden. Fürchterlich.... Wobei ich es auch schon in dem Moment manchmal so empfunden habe. Ich hab so manches mal gedacht „Tja Cadda, da hast Du ja wieder einen Anlass gefunden. Das muss aufhören“.


    Calida, von Nikolaus bis Weihnachten hat es nicht mal gedauert. Zwischendrin noch „gemütlich“ Kekse backen, „gemütlich“ Geschenke einpacken, „gemütlich“ Tannenbaum schmücken usw. Wenn ich daran denke, wie UNGEMÜTLICH die Tage danach waren, wird mir schlecht.


    Ich habe nun 3 Monate geschafft und es geht mir wirklich gut! Ja gut, ich hab zur Zeit Sorgen und bin zeitweise traurig, aber umso erleichterter bin ich, dass ich nüchtern bin. Sonst hätte ich im Suff wohl schon so manches Mal ein Verhalten an den Tag gelegt, was ich bereut hätte. Ich bin froh, dass ich klare Gedanken bewahre. Frustsaufen wäre wohl auch öfters angesagt gewesen. Nun stehe ich blöde Tage gut durch, indem ich etwas Gutes für mich mache. Es mir wirklich gemütlich mache zu Hause auf dem Sofa. Wenn ich traurig bin, lenke ich mich ab, unternehme etwas schönes mit den Kindern. Wenn es zu doof ist, gehe ich abends einfach früh zu Bett. Manchmal schon um acht und morgens sieht die Welt oft wieder ganz anders aus.


    Hier sind ja noch einige nach mir ins Forum gekommen. Das freut mich und ich nehme mir die nächsten Tage mal die Zeit und Ruhe etwas mehr im Forum zu schreiben.


    Morgen habe ich wieder ein Gespräch bei der Suchtberatung. Am Wochenende muss ich arbeiten. Nach Weihnachten wird es ruhiger was das Arbeiten angeht.


    Ich wünsche allen einen schönen Restabend :)

  • Hallo Cadda


    Gratulation zu Deinen 3 Monaten.
    Es tut mir leid, dass Du Sorgen hast und darob traurig bist. Die Weihnachtszeit möchte eine heile Welt vorgaukeln und die Erkenntnis des Trugbildes kann schon ein Tiefschlag sein. Und immer der Gedanke, dass ALLE anderen Familien AUSNAHMSLOS glücklich sind, nur ich nicht....


    Ja, ich habe die Waldspaziergänge wieder schätzen gelernt. Du kannst jetzt zwar meinen ich spinne (ich streite dies auch nicht ab), aber unter den Bäumen zu laufen gibt mir ein behagliches, liebliches Gefühl. Und ich fühle mich im Wald auch nicht allein.


    Etwas ganz anderes: Ich lese manchmal halblaut (das Alter...). Und bei Deinem Nik-Namen stottere ich immer. Wie muss ich diesen aussprechen? Kadda? Tschadda? Zadda? Sadda? :)


    Ich wünsche Dir einen aufgestellten 3. Adventssonntag.


    Lieber Gruss
    Ernest

  • Hallo Ernest,
    man spricht es ganz "bodenständig und rustikal" aus: Kadda :D
    Ja, ich bin auch nicht wirklich angetan über die Traurigkeit. Aber das hat eigentlich weniger mit der Weihnachtszeit zu tun. Ist eine Beziehungsangelegenheit und ich wäre so oder so in diesem Thema zwangsläufig drin. Ob nun die emotionale Zeit ist oder nicht. Ob nüchtern oder trocken. Es ist nicht seit gestern so... Aber es fällt mir nüchtern natürlich alles viel leichter, klare Gedanken zu der Sache zu fassen. Das bedeutet aber auch automatisch, dass man nicht mehr alles von sich schiebt, sondern, dass man sich auch noch realistischer mit der Sache befasst.


    Trotzdem geht es mir andererseits auch gut. Denn bis auf diese Sache, gibt es noch viele Sachen, die mich wiederum glücklich machen. Seit dem ich nicht mehr trinke, klappt vieles andere einfach besser und das ist natürlich auch total toll.


    Ich wünsche auch einen schönen 3. Advent. Ich werde meinen auf der Arbeit verbringen. Aber das ist nicht schlimm, ich freu mich sogar ein wenig drauf, weil es um die Weihnachtszeit dort eigentlich immer Spaß macht.

Jetzt mitmachen!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!