77 Tage keinen Tropfen Alkohol...

  • ... und nun stehe ich nun ich armer Tor und bin so (er)nüchtern(d) wie nie zuvor.


    Hallo, ich bin Mario, 44 Jahre alt und ein Trunkenbold.


    Dem langjährigen Abstinenzler (und dadurch gelernten Hobbypsychologen) wird wohl mein kurioser erster Einführungssatz ins Auge stechen und sich fragen: Bemitleidet sich Mario etwa selbst?


    Um es kurz und knapp auszudrücken: Ja, auf meiner nun 77 Tage dauernden Achterbahnfahrt der Gefühle tue ich das momentan.


    Nach diversen Quartalabstürzen in den letzten halben Dutzend Jahren, deren Abstände immer kürzen wurden, stehe ich nun vor dem Scherbenhaufen meines im Suff, in kalten als auch warmen Entzügen und in Rückfällen zusammengeschustertes Lebens. Diese Tatsache, die gefühlsmässig schwer zu ertragen ist, lässt bei mir dann schon des öfteren Selbstmitleid aufkommen.


    Nachdem ich meine Frau (und ergo auch meine Tochter) und mein Haus verloren habe, stand als nächstes mein Job auf der Tod-Do Liste von meinem zertörerischem Lebenswandel und irgendwie habe ich mich dazu überwunden (oder wurde dazu gezwungen, wie man es nimmt) - mal wieder - die Notbremse zu ziehen.


    Der Alkoholzug steht jetzt erst einmal, seit 77 Tagen, mein labiler Gemützszustand hat ihn bis jetzt noch nicht wieder in Gang setzen wollen und können. Na ja, wenigstens etwas.


    Nachdem ich in den letzten Wochen viele Stunden als stiller Mitleser in diesem Forum verbracht habe und viele Leidens- als auch Erfolgsgeschichten gelesen habe, habe ich mir gedacht dass es vielleicht nicht schaden könnte sich hier anzumelden um sich in dieser virtuellen Selbsthilfegruppe austauschen zu können als auch vielleicht ein eigenes Tagebuch in Angriff nehmen zu können. Schreiben, soll ja ähnlich wie reden, die Seele erleichtern. Mal schauen ob dies auch bei mir der Fall ist.


    Ach ja, ein schönes und ein gesundes neues Jahr Euch Allen die hier mitlesen.


    Gruss,


    Mario

  • Hallo Mario


    Und wenn Du schreiben würdest "Ex-Trunkenbold"? Und somit eine Tatsache schaffen?
    Das mit den Gefühlen kann ich sehr gut nachvollziehen. Nicht lustig.


    Ich kann Dir nur empfehlen das Forum fleißig und regelmäßig durchzukämmen. Für andere Ratschläge bin ich selber noch zu wenig lange trocken :oops:
    Aber gut, dass Du hierher gefunden hast.


    Ich wünsche Dir viel Kraft und Mut
    Ernest

  • Hallo Ernest,


    vielen Dank für dein Post und Ermunterung.


    Ich denke für den Begriff mit Ex ist est wohl noch ein wenig früh, schliesslich sollte man nicht den Tag vor dem Abend loben. In meinem Fall oder besser ausgedrückt, in meiner bisherigen bescheidenen Zeitdauer der Trockenheit trifft dieses Sprichwort oft zu, da es dann oft Tage gibt habe wo nur das "Ueberleben" (ich nenne es mal so, und damit meine ich keinen Rückfall haben) wichtig ist und primäres Ziel ist den Tag trocken zu überstehen ist.


    Als Saufdruck würde ich dieses Gefühl aber nicht bezeichnen, es ist eher so dass ich an solchen Tagen eher den Sinn einer kompletten Abstinenz in Frage stelle.


    Ein Beispiel: ich hatte dieses Jahr das erste Mal ein trockenes Weihnachten und Sylvester seit fast 30 Jahren. Es müsste aber auch das besch.....ste Weihnachten und Sylvester seit fast 30 Jahren gewesen sein. Ich fühlte mich so einsam, voller Schuldgefühle garniert mit einer fetten Portion Selbstmitleid, wie selten zuvor in meinem Leben.


    Da denkt man sich (oder denken ich mir) dann schon: Ist das jetzt deine Zukunft? Na dann Prost...


    Diese Achterbahnfahrt der Gefühle ist schon anstrengend. Honecker hätte mir auf jeden Fall nicht "Vorwärts immer, Rückwärts nimmer" zugerufen. :lol:


    Gruss,


    Mario

  • Mario, jetzt hab ich aber ganz dringend das Bedürfnis, Dir etwas zu schreiben, wo ich Deinen letzten Beitrag gelesen habe.


    Du hast das Gefühl. dass es das schlechteste Weihnachten und Silvester seit Jahren war, obwohl es das erste nüchterne Weihnachten und Silvester seit Jahren war. Das liegt mit Sicherheit aber nicht daran, dass Du jetzt nüchtern bist. Sondern einfach, dass Du Dich jetzt - wo Du nüchtern bist - vermutlich mit Deinen Gefühlen auseinander setzen "musst". Natürlich ist es einfach, sich ordentlich einen anzutrinken. Ist ja dann auch immer gleich alles gar nicht mehr so schlimm und man sieht es teilweise lockerer.


    Ich kenne das auch. Ich habe viele Dinge einfach besser ertragen, wenn ich was getrunken habe. War ja zunächst lustig und angenehm, einen Schwips zu haben. Bei dem blieb es nur nie...


    Ich lasse jetzt, wo ich nichts mehr trinke und das ist ebenfalls noch nicht so lange der Fall, wieder Gedanken zu bzw. muss sie automatisch zulassen. Natürlich kommt da auch eine Traurigkeit zum Vorschein, die vorher unterdrückt wurde.


    Sei Dir sicher, das wird mit der Zeit besser werden. Du bist ja nicht umsonst hier. Also kannst Du ja mit dem Trinken nicht zufrieden gewesen sein, sonst hätte Dich der Weg ja nicht hier her gebracht. Weißt Du, was ich damit sagen will? Natürlich hättest Du Dir das Weihnachtsfest und Silvester auch "schön saufen" können. Aber was wäre danach gewesen? Die Unzufriedenheit hätte Dich ja garantiert eingeholt.


    Ex-Trunkenbold... Das bist Du. Denn Du kannst ja nicht davon ausgehen, was WÄRE WENN ich wieder einen Rückfall habe. Du WILLST ja nicht wieder trinken und trinkst ja auch gerade nicht. Also benutze für Dich mal gern das Wort EX-Trunkenbold...


    Wenn ich auf der Arbeit die Firma wechsele, sage ich doch auch, in meiner EHEMALIGEN Firma. Und sage nicht weiterhin in meiner Firma, nur weil ich vielleicht mal wieder irgendwann "aus Versehen" dort arbeite :-D


    Und wenn ich mich von meinem Freund trenne, ist es auch mein EX-Freund. Nur weil es theoretisch sein könnte, dass ich irgendwann in meinem Leben nochmal wieder mit ihm zusammen kommen KÖNNTE, ist es aber aktuell ja gerade trotzdem mein Ex-Freund und nicht mehr mein Freund ;-)


    Schön bescheuert, die Beispiele... Sorry :-D


    Du bist ein Ex-Trunkenbold und bleibst das gefälligst auch, denn es gibt wirklich überhaupt gar keinen Grund, das jemals wieder zu ändern.


    Auch wenn Dir das mit Deiner Frau und Deinem Kind zu schaffen macht. Du kannst die Zeit nicht zurück drehen. Und es wird garantiert nicht besser, wenn Du weiter trinkst. Selbst wenn Du nicht wieder trinkst, wird es vielleicht nicht besser, aber auch nicht schlechter. Wenn Du wieder trinkst, wird es garantiert schlechter.


    Außerdem: Wo sich eine Tür schließt, da öffnet sich auch eine neue Tür. Auch wenn Du die Tür jetzt noch nicht siehst, ist sie irgendwo.


    Und durch diese neue Tür willst Du doch nüchtern gehen, damit diese sich nicht auch irgendwann zwangsläufig wieder schließt, oder????

  • Also für die letzten beiden Zeilen, die mir gerade in den Sinn kamen, bedanke ich mich gerade bei mir selbst :-D


    Denn sie passen auch in meine Lebenssituation eigentlich perfekt.


    Genau so etwas ist auch schön an diesem Forum!! Ich wollte DIR eigentlich Mut machen und einen Ratschlag mit diesen Gedanken geben. Dabei passen sie auch genau auf MICH. Und schon ist vielleicht ja sogar 2 Leuten geholfen. Mir und mit Glück auch Dir... :-)

  • Hallo Mario,


    das sich die nasse Alkoholiker Karieren ähneln ist ein Produkt der Krankheit. Mir ging es auch so.


    Wenn ich an meine Anfänge zurückdenke war es verdammt schwer die negativen Gefühle, die der „kranken“ Sucht dienten, zu differenzieren, was der gesunde Menschen Verstand vorgibt. Was mir geholfen hatte war eine Struktur reinzubringen . Auch wider den Gedanken oder aufkommenden Gefühlen durch zuziehen . Mit der Zeit relativierte sich vieles und ich begann zu leben.


    Mein Werkzeug waren die Grundbausteine ohne wenn und aber umzusetzen .


    Wie sieht es bei dir aus ? Du schreibst 77 Tage . Hört sich für mich mehr nach "Durchhalteparolen " als ein System an . Wie sieht dein alkoholfreies Umfeld aus ? Kennst du die Grundbausteine ?


    Gruß Hartmut

  • Hallo Cadda,


    vielen Dank für dein Post, dein Mutmachen und deine Ratschläge. :D


    Dass ich die Festtage jetzt nicht so dolle fand lag in der Tat nicht an meiner Nüchternheit, sondern daran dass ich mich total einsam fühlte und es übrigens auch war weil ich an diesen Tagen kein Risiko eingehen wollte und den Familientreffen fern geblieben bin. Siehe Grundbausteine.


    Ich kann mir da geeignetere Tage vorstellen um sich mit seinen Gefühlen auseinander setzten "zu müssen" was im Grunde ja eine logische Konsequenz war wenn man sich quasi sozial isoliert.


    Zum Thema Ex-Trunkenbold: Ich finde die "was wäre wenn" Frage darf ich halt eben (aktuell) nicht ignorieren, ich bin nicht so überheblich die Möglichkeit eines Rückfalls komplett auszuschliessen. Meines Erachtens wäre das fatal. Alleine schon weil man sich dann auch vorher keine Gedanken über die Konsequenzen als auch über Notfallszenarien, die in diesem Fall greifen müssten, gemacht hätte.


    Dein Spruch mit den Türen gefällt mir, ich hoffe bloss dass ich demnächst meinen Schlüsselbund wiederfinde. :-)


    Hallo Hartmut,


    auch dir ein grosses Danke für dein Post. :D


    Durchhalteparolen? Natürlich sind sie das. Wenn es so einfach wäre eine Sucht ohne Durchhalteparolen zu bekämpfen würde es dieses Forum ja wohl nicht geben. ;) Ich könnte natürlich mir und euch etwas vorspielen und einen auf neue, aufgeräumte und umgekrempelte Supidupiheilewelt machen, würde sich aber dann eher wie Satire lesen. Zudem wäre es ein Widerspruch zu einem der diversen Grundbausteine ("sein Suchtproblem vor sich selbst nicht mehr zu verschleiern, alles nur halb so schlimm zu reden, ...") die ich einsetzen möchte um mit meiner Sucht zu leben.


    Zum Thema System: Die Erkennbarkeit eines Systems liegt aber immer im Auge des Betrachters, für den biederen Buchhalter ist der spontane Entwickler oder Erfinder immer noch ein Chaot ohne erkennbares System. ;-)


    Ja, die Grundbausteine kannte und kenne ich und es ist eine gute Idee sie hier immer zusammengefasst griffbereit zu finden. Eine der Grundbausteine ist ja z.b. das alkoholfreie Umfeld nach dem du mich gefragt hast.


    Viele Punkte aus diesem Baustein habe ich übernommen respektive werde ich übernehmen, einige aber nicht. Gehen wir mal die diversen Punkte dieses Bausteins durch.


    In diesen 77 trockenfreien Tagen habe ich unter anderem meine alte Wohnung (die ich Gott sei Dank noch hatte) renoviert, neu gestrichen und neu eingrichtet (anders als vorher) und bin zurück in diese Wohnung gezogen. Alkoholreste, bis auf 2 Flaschen Sekt, gab es keine zum mitnehmen da ich den ganzen Vorrat, sprich den ganzen Weinkeller und die komplette Alkoholbar vorher komplett leergesoffen hat. Die 2 Flaschen Sekt waren über bevor ich meinen Arzt (wieder einmal :roll:) aufsuchte (seitdem habe ich nichts mehr getrunken), ich habe sie beim Umzug mitgenommen und stehen seitdem in meinem alten, neuen Kühlschrank. Hier sind wir übrigens wieder beim Auge des Betrachters: für den einen mag das ein Hintertürchen sein, für mich persönlich ist es ein Kainsmal, eine Warnung die mich jeden Tag an meinen Tiefpunkt erinnern soll, ein Tiefpunkt, den ich körperlich als auch psychisch nie mehr erleben will. Ansonsten kommt mir aber kein Alkohol mehr in die Wohnung.


    Verschiedene Plätze, an denen ich Alkohol getrunken habe, versuche ich zu meiden, soweit es geht und ich es will (siehe "Zählt nur die Priorität, die ein jeder sich für die eigene Trockenheit setzt." aus den Bausteinen). Bei mir sind es aktuell Familientreffen und -feiern wo der erweiterte Kreis dabei ist, meine persönlichen Stammkneipen und Sauffeste, als auch die Bars und Restaurants aus meinem Arbeitsumfeld die ich aktuell vermeide. Die Räumlichkeiten meiner engsten Familienmitglieder als auch die guter Freunde, die bisher in meine Sucht eingeweiht sind, werde ich aber nicht aus meinem Leben verbannen. Und mit meinen Arbeitskollegen muss ich übrigens auch in den selben Büros weiterarbeiten sofern ich meinen Job behalten will. Und das will ich momentan, aktuell habe ich genug andere Baustellen.


    Ich hoffe ich habe dir geholfen dir ein Bild diesem Baustein zu machen. Es ist natürlich nicht auszuschliessen dass sich dies noch weiter ändern kann. Das wird die Zeit und mein Werdegang zeigen.


    Gruss,


    Mario.

  • Natürlich sollst Du die Gefahr eines Rückfalles nicht aus den Augen verlieren, da hast Du Recht. Aber denk positiv und gehe doch einfach davon aus, dass Du es schaffen wirst. Bleib ein Ex-Trunkenbold :-)


    Ich bin ehrlich, den Sekt zur Warnung würde ich abschaffen. Du hast schon vieles in die richtige Richtung getan und wer so konsequent ist und Weihnachten zu Hause bleibt und Saufverananstaltungen meidet, der kann auch so konsequent sein und den letzten Alkohol aus SEINEM Bereich verbannen.


    Stell Dir als Warnung da lieber eine Flasche Selter hin, wo Du drauf schreibst „Ich stehe hier nicht umsonst rum“ :-D


    Dass Du die „Saufveranstaltungen“ meidest und Weihnachten lieber allein, anstatt mit trinkenden Leuten verbringst, finde ich schon mal gut.


    Ansonsten möchte ich mich bei dem Thema gern zurück halten, da ich mir selbst noch meine Gedanken dazu mache. Ich habe darüber mal in meinem Tagebuch geschrieben....


    Lass Dich auf die Dinge ein, die Du hier liest. Und glaub an Dich selbst. Dann findest Du auch Deinen Schlüssel ;-)

  • Hallo Mario,


    finde es schon mal gut das du die Grundbausteine nicht im Vorfeld ausschließt. Und Teile schon übernommen hast. Jedoch haben sie aber nur in Ihrer Komplexität Ihren Sinn .


    Für mich waren die Grundbausteine auch mal ein Selbstbedienungsladen und was mir nicht so in den Kram passte hatte ich eben nicht übernommen . Bis zu dem Tag als ich einen massiven Rückfall hatte ( aus heutiger Sicht war es eher eine Beendigung der Trinkpause). Hatte auch wie du noch Alkohol im Hause , weil ich der Annahme war willentlich dagegen zu steuern falls Sucht druck aufkommen würde. Die Annahme war aber nichts anderes als nasses Denken. Seit dem Zeitpunkt halte ich nichts mehr von Konfrontationstherapie.


    Eigentlich hätte ich es auch wissen müssen . Die Jahre zuvor ,die unzählige Versuche aufzuhören haben eben immer das gleiche Schema gehabt . Alkohol griffbereit zu haben.


    Dieses "Kainsmal " ist für mich eine Hintertür egal wie du das benennst. Ist mir bekannt aus dem Buch Allens Carr "Endlich ohne Alkohol". Sucht sucht sich im Hirn eben andere Wege als Normaldenkende. Nicht Alkoholiker stellen sich ja auch kein Suff aus irgendwelchen Gründen in den Schrank.


    Schmeiße die Scheiße weg und gut ist ;-)


    Dann halte mal weiter durch bis es kein Durchhalten mehr benötigst.



    Gruß Hartmut

  • Hallo Hartmut Hallo Mario
    Hat sich der Rückfall damals angekündigt oder war er eher schleichend so wie bei mir das ich naiver weise glaubte kontroliert Trinken zu können was auch ein paar Jahre funktioniert hat.Wie lange hat es bis zur nächsten Abstinenz bei Dir gedauert?Ich habe meinen Alkohol( Bier und Schnaps) ja bereits aus der Garage entsorgt bis auf Sekt und Wein( habe ich nicht getrunken) meiner Frau.Konnte mich leider nicht durchsetzen die Reste auch noch zu entsorgen..Steht allerdings in der tiefsten Ecke der Garage.Weiß leider nicht ob das so richtig ist.
    LG Sven

  • Hallo Cadda,


    danke für dein Antwort.


    Ich werde mir den Rat von dir (und auch den von Hartmut) über den Sekt noch einmal zu Herzen nehmen und darüber nachdenken. Zudem werde ich mal meinen Coach (Facharzt für Psychiatrie) darauf ansprechen und mir auch seine Meinung dazu holen. Ihn und meinen Hausarzt sehe ich übrigens aktuell abwechselnd im Wochenrythmus (Grundbaustein 2. - Arztbesuch).


    Deine Meinung zum Ausgehen habe ich gelesen und diese entspricht auch in etwa wie ich vorgehen will. Treffen des Saufens wegen werde ich in der Tat nicht mehr aufsuchen, zu Hause werde ich auch nichts mehr ausschenken aber meine Familie und gute Freunde werde ich trotzdem weiter besuchen, Alkohol hin, Alkohol her. Ich werde jetzt auch nicht alles komplett verändern und mein ganzes soziales Umfeld kappen.


    Zudem ich momentan noch eh jede Situation einzeln bewerte und abwäge. Bei Weihnachten und Sylvester habe ich dies auch getan, der Sentimentalfaktor war aber in diesen beiden Fällen für mich nicht berechenbar, also habe ich mich entschlossen diese Feiertage lieber alleine zu verbringen. Gut möglich dass ich dies bei einem Geburtstag oder bei zukünftigen Weihnachten anders bewerten und anders entscheiden werde... Das Wochenende vor den Feiertagen war ich z.B. bei guten Freunden zu einem Abendessen.


    Hallo Hartmut,


    auch dir Danke für deine Antwort.


    Bei Gelegenheit muss ich mir übrigens eine Eselsbrücke für deinen Namen einfallen lassen, ich tippe ständig "Hartmund" und muss es dann korrigieren. ;)


    Die Umschreibung der Grundbausteine als Selbstbedienungsladen finde ich übrigens sprachlich sehr gelungen. Man kann sich das wählen was man braucht, was einem wissentlich Gutes tut und was man sich zudem auch finanziell leisten kann. Zudem ist der Laden immer offen, man kann immer dorthin zurück kehren um sich Nachschub zu holen als auch sich mit neuen Wünsche eindecken wenn man seinen Geschmack geändert hat oder sich neue finanzielle Möglichkeiten ergeben haben.


    Zitat von Hartmut

    Nicht Alkoholiker stellen sich ja auch kein Suff aus irgendwelchen Gründen in den Schrank.


    ... und schreiben auch nicht in Alkoholikerforen. :wink:


    Allen Carr hatte ich übrigens seit zwei Nichtraucherseminaren, die mir nix gebracht haben, nicht mehr als Ratgeber auf dem Schirm. Nachdem ich die letzten nüchternen Wochen "Lieber schlau als blau" und "Nüchtern: Über das Trinken und das Glück" gelesen habe, hat mir Amazon zwar immer sein Buch "vorgeschlagen", ich habe aber mir stattdessen am Montag "Alk: Fast ein medizinisches Sachbuch" bestellt.


    Gut möglich dass ich dann doch einmal in "Endlich ohne Alkohol!" reinschnuppere.


    Da fällt mir auf, hat es seinen Grund dass Literatur über Alkoholprobleme nicht in den Grundbausteinen steht?


    Hallo Sven


    danke. Ich wünsche dir auch eine zufriedene Trockenheit als auch eine zufriedene Forumszeit.


    Gruss und euch allen ein schönes Wochenende. :)


    Mario

  • Hallo Mario,


    Zitat

    aber meine Familie und gute Freunde werde ich trotzdem weiter besuchen, Alkohol hin, Alkohol her.


    du solltest doch deiner Familie und Freunden so wichtig sein dass sie nicht trinken wenn du bei ihnen bist.


    Oder sind sie selbst Alkoholiker und können deshalb nicht auf Alkohol verzichten :?:


    LG Martin

  • Hallo Martin,


    Zitat von Martin


    du solltest doch deiner Familie und Freunden so wichtig sein dass sie nicht trinken wenn du bei ihnen bist.


    Das haben sie sogar gemacht. Dem habe ich aber schnellstens ein Riegel vorgeschoben und sie gebeten dies zu unterlassen. Das möchte ich nämlich nicht, und erst recht nicht wenn noch andere Personen vor Ort sind. Ich habe schon genug Menschen, als ich besoffen war, geschadet. Da muss sich jetzt nicht auch noch im trockenen Zustand die ganze Welt (wieder einmal) um uns Alkoholiker drehen, und das nur weil wir ihn früheren Jahren nicht imstande waren, es welchen Gründen auch immer, unsere Grenzen zu ziehen.


    Zitat von Martin


    Oder sind sie selbst Alkoholiker und können deshalb nicht auf Alkohol verzichten


    An solchen Hobbyarzt-Ferndiagnosen, basierend auf Kaffeesatzleserei, werde ich mich jetzt nicht beteiligen. :roll:


    Gruss,


    Mario

  • Hallo Mario,


    ich wollte dir nur einen Tip geben, wenn du ihn nicht annimmst ist es deine Entscheidung.


    Ich bin schon lange trocken, trotz einiger Tiefschläge, das wird wohl einen Grund haben :!:


    Den :roll: darfst du aber behalten.


    LG Martin


  • Hallo Mario!


    Welche Diagnose? Ich sehe keine, nur eine gestellte Frage.


    Und den User Martin im Bereich des "Kaffeesatzlesers" zu verorten, ist schon sehr befremdlich.


    Lies doch mal seine threads von vorne bis hinten. Da kannst auch Du noch sehr viel lernen.


    Gruß
    Carl Friedrich

  • Hallo Mario,


    Zitat

    Da fällt mir auf, hat es seinen Grund dass Literatur über Alkoholprobleme nicht in den Grundbausteinen steht?


    Weil Literatur mich nicht trocken werden lassen und nur zur meiner Information dienen. Es sind die Erfahrungen von Langzeit-Trockene die mich trocken werden ließ. Musste es ja nur nachahmen.


    Ich halte von Literatur die von Nichtalkoholiker geschrieben wurden auch nicht zielführend. Genauso wenig von Therapeuten die sich es angelesen haben. Erfahrungen sind für mich durch nichts zu ersetzen.


    Gruß Hartmut

  • Hallo Hartmut,


    danke für dein Post.


    Erst schreibst du


    Zitat von Hartmut

    Dieses "Kainsmal " ist für mich eine Hintertür egal wie du das benennst. Ist mir bekannt aus dem Buch Allens Carr "Endlich ohne Alkohol". Sucht sucht sich im Hirn eben andere Wege als Normaldenkende. Nicht Alkoholiker stellen sich ja auch kein Suff aus irgendwelchen Gründen in den Schrank.


    und dann


    Zitat von Hartmut

    Hallo Mario,
    Ich halte von Literatur die von Nichtalkoholiker geschrieben wurden auch nicht zielführend.


    Also doch keine Hintertür? Oder wie soll ich deinen Verweis auf Allen Carr verstehen?


    Zitat von Hartmut

    Genauso wenig von Therapeuten die sich es angelesen haben. Erfahrungen sind für mich durch nichts zu ersetzen.


    Heisst dies im Umkehrschluss für dich dass aerztliche Therapien nur Sinn machen wenn die Therapeuten trockene Alkoholiker sind? Wenn ja, waere dies eine heftige Aussage denn damit wuerdest du ja auf einen Schlag den Grossteil der Therapeuten als auch Therapieeinrichtungen, die Alkoholiker therapieren, das Existensrecht absprechen. Oder zumindest keinem der Alkoholkranken ist, dazu raten diese aufzusuchen.


    Oder meinst du mit “Erfahrungen” dass man sich eher ältere Therapeuten mit langjähriger Praxis aufsuchen sollte?


    Gruss,


    Mario.

  • Hallo Mario,


    ich bin zwar nicht Hartmut, ich schreib mal wie ich das sehe.


    Ein "Nichtalkoholiker" kennt nicht die Gefühle die ein Alkoholiker hat wenn der Pegel sinkt,


    er Stoff besorgen muss oder das Leergut entsorgt..................


    Wie soll so jemand dir gute Ratschläge geben wenn er es nicht selbst erlebt hat ?


    Du brauchst für fast alles eine Ausbildung mit praktischen Teil, bei der Sucht soll das unnötig sein ?


    LG Martin

  • Hallo Mario,


    war eventuell missverständlich.

    Zitat

    Dieses "Kainsmal " ist für mich eine Hintertür egal wie du das benennst. Ist mir bekannt aus dem Buch Allens Carr "Endlich ohne Alkohol"

    Kainsmal war ja auf den Sekt bezogen, soweit ich das verstanden habe. Allen Carr hat ähnliche Methoden beschrieben und ich wollte ganz am Anfang nach diesem Buch trocken werden. Das war bevor ich hier im dem Forum aufschlug. Scheiterte weil es auf Konfrontation ging. Deswegen sind Alkoholika für mich im nahen Umfeld eine Hintertür. Ich halte von Diesem und ähnlichen Bücher nichts. Carr war kein Alkoholiker und sowas halte ich eben für gefährlich.


    Es gibt Therapeuten die selbst Alkoholiker waren und zu denen würde ich (wenn überhaupt) gehen, da sie aus einer Erfahrung heraus therapieren könnten. Aus eigener Erfahrung bin ich etwas gespalten was Therapeuten betrifft aber das muss jeder für sich selbst ausmachen. Ich spreche ja hier nur für mich.


    Ich kann deswegen deinen Umkehrschluss auch nicht nachvollziehen da ich ja nichts abspreche. Raten kann ich nur , alles dafür zu tun, um die Krankheit zu stoppen. Wie , das muss der Einzelne für sich selbst entscheiden. Ich wurde es durch die Grundbausteine.


    Gruß Hartmut

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