Familiensucht-Eine unendliche Geschichte-Jetzt meine Schwester

Willkommen in unserem Forum : Bitte stellt euch zuerst bitte kurz im Vorstellungsbereich vor, damit wir sehen können, wer sich unter Onlineselbsthilfegruppe anschließen möchte. Unsere Onlineselbsthilfegruppe ist weiterhin in zwei Bereiche unterteilt. Einmal der offene Bereich und einmal der geschützter Bereich. Nach der Vorstellung könnt ihr dann für die offenen Bereiche freigeschaltet werden. Die geschützten Bereiche sind für Mitglieder gedacht, die sich hier langfristig und intensiv mit ihrem Leben auseinandersetzen möchten. Um aufgenommen zu werden, solltest du dich zuerst Vorstellen und später hier dich bewerben und um Aufnahme bitten. Der Austausch lebt von der Ernsthaftigkeit und der Aktivität mit der die User ihr jeweiliges Problem angehen . Deshalb haben wir dieses Verfahren gewählt, wir werden dann im Team entscheiden. Wir wünschen euch einen guten und hilfreichen Austausch bei und mit uns.
  • Hallo,
    ich bin Toivo aus dem Ruhrpott. 42 Jahre alt. Ich war über 10 Jahre schwer Heroinabhängig, mittlerweile bin ich seit fast 15 Jahren vom Heroin weg und seit 6 Jahren komplett clean.
    Mein Leben läuft in total normalen Bahnen und ich habe mit dem damaligen Umfeld auch gar nichts mehr zu tun.
    Mein Freundeskreis und meine Partnerschaft wissen von meiner Vergangenheit, haben aber selber gar keine Berührungspunkte zu Drogen.



    In meiner Drogen und Obdachlosen-Zeit hatte ich nur 3 mal Kontakt zu meiner Schwester.
    Man muss dazu sagen, meine Schwester ist meine einzige und wichtigste leibliche Verwandte und wir haben als Säuglinge/Kinder eine sehr schwere Zeit zusammen durch gestanden. Unsere Eltern waren beide Süchtig und wir wurden ihnen weggenommen. Was für uns aber nicht besser war.


    Mit meinem Abtauchen in meiner Jugend wollte ich meiner Schwester ersparen viel von meiner Sucht mitzuerleben. Ob das so gut war, keine Ahnung. So das nur kurz zu mir.



    Jetzt haben wir seit mehren Jahren wieder Kontakt der mit der Zeit auch wieder sehr innig und intensiv wurde. Mir fiel relativ schnell der Alkoholkonsum auf, der bei ihnen an der Tagesordnung ist. Auch in ihrem ganzen Umfeld.
    Ich habe in Sachen Alkoholkonsum in Deutschland allerdings auch eine krasse Meinung, wird mir immer gesagt. Ich selber bin was Alkohol angeht sehr vorsichtig.
    Es gibt immer wieder Monate, mal 3, mal 6+, wo ich mir selber eine Alkoholpause auferlege um zu gucken, ob mich Abstinenz stört. Das würde für mich zur Folge haben, das ich den Rest meines Lebens keinen mehr trinken würde. Fände ich auch nicht schlimm. Trinke eh nur 2,3 Mal im Jahr kleine Mengen.


    Unsere Mutter, die auch Drogenabhängig war und clean wurde, ist zum Schluss an Leberzierrose gestorben durch Suchtverlagerung zum Alkohol. Ganz viele, leider der überwiegende Teil von Substituierten wird zum Alkoholiker. Darum habe ich immer wieder mein Trinkverhalten hinterfragt und bin dort sehr achtsam mit mir.


    Am Wochenende war dann nicht mehr zu übersehen, das meine Schwester Alkoholikerin ist. Sie sagt, sie trinkt zur Entspannung. Oder wenn sie schlecht drauf ist. Na ja ich habe Heroin auch nur zur Entspannung genommen ;)


    Man würde wohl sagen, sie hatte am Wochenende einen kompletten Absturz!!



    Die letzten Tage waren für mich sehr schwer, weil ich mit dem Aussprechen der Tatsache es irgendwie auch real gemacht habe. Mir ist aber sehr schnell klar geworden, ich kann meiner Schwester nicht helfen. Außer sie möchte es. Sie kann sich nur selber helfen und sich professionelle Hilfe suchen. Worin ich sie natürlich unterstützen würde.
    Da ihr Mann aber schon seit 20 Jahren Alkoholiker ist und sie sich niemals trennen würde, sehe ich da wenig Hoffnung. Auch das ganze Umfeld ist dem Trinken doch sehr zugetan.


    Ich selber kann erst mal nur mich schützen. Mich selber stabil halten und mir als Angehöriger Hilfe suchen.
    Das habe ich auch sofort gemacht.
    Die alte Suchtberatung habe ich nach einem Telefonat gefragt und ich suche mir, sobald die Situation es zulässt, eine Selbsthilfegruppe um zu schauen, ob mir das hilft.
    Da wird es heute auch noch ein Telefonat geben, was mir echt schwerer fällt als gedacht. Mittlerweile habe ich aber Angerufen und warte auf Rückruf.


    Übernächste Woche sehe ich meine Schwester alleine. Darum habe ich sie gebeten.
    Nur was dann?


    Mir ist klar das alles was sie dann sagt, ein paar Tage später eh nicht mehr gilt. Das gab es bei anderen Themen jetzt schon paar Mal. Sie hat auch mit schweren Depressionen zu kämpfen.
    Ich möchte ihr aber sagen, dass ich weiß, dass sie ein Alkoholproblem hat. Dass wenn sie mich betrunken anruft, ich auflege.
    Das Thema hatte ich mit meiner Mutter durch. Und das ich keinen Alkohol mittrinken werde. Weil am beim letzten Treffen sollte ich eigentlich nur das, als ich das nicht tat kam von allen Seiten, ich solle mich nicht so anstellen.


    Das mit dem Anrufen ist eher Schutz für mich, das hat mich damals sehr belastet. Nein, ich bin absolut nicht rückfallgefährdet aber ich möchte mich trotzdem ganz klar abgrenzen.
    Denn Kontakt zu meiner Schwester werde ich nicht abbrechen. Aber ich werde auch nicht daneben sitzen, wenn sie sich besäuft.


    Ob das der richtige Weg ist keine Ahnung. Trotz langer Suchtgeschichte habe ich keinen Plan.
    Ich habe auch irgendwie keine gezielte Frage an euch.
    Obwohl doch, mache ich es richtig? Was soll ich beim nächsten Treffen tun oder eher nicht tun?


    Wohin kann ich mich als Angehörige vielleicht noch wenden. Was hilft einem als Angehöriger.


    Danke fürs Lesen. LG Toivo

  • Hallo Toivo,


    du hast schon sehr viel Schlimmes hinter Dir, umso großartiger ist es, dass Du dich aus deiner Abhängigkeit befreien konntest.
    Ich finde, dass Du alles richtig machst und die Situation sehr gut einschätzt.


    Das Du mit deiner Schwester nochmal ein Gespräch unter vier Augen bezüglich Ihres Alkoholismus führen willst, finde ich auch gut. Wenn Sie einsichtig ist und etwas ändern möchte, kannst du ihr ja auch sagen, dass du bereit wärest, sie zum Arzt und zur Suchtberatung etc. zu begleiten. Natürlich nur, wenn du dich stabil genug fühlst und dich das nicht zu sehr belastet. Schwierig ist natürlich ihr Umfeld. Das macht den Ausstieg umso schwerer.


    Wenn du sie bei dem bevorstehenden Gespräch mit deinen Worten nichts erreichen kannst, würde ich mich an deiner Stelle wieder abgrenzen, damit du dir nicht schadest. Aber einen Versuch ist es wert.


    LG
    Carmen


  • Wohin kann ich mich als Angehörige vielleicht noch wenden. Was hilft einem als Angehöriger.


    Du kannst dich hier mit Betroffenen austauschen und es gibt ja auch reale Selbsthilfegruppen für Angehörige. Ich warte übrigens auch schon den ganzen Tag auf den Rückruf von der Suchthilfe. Die können dir mit Sicherheit auch sagen, was es für Möglichkeiten gibt.

  • Hallo Carmen,
    danke für deine Antwort.



    Wenn meine Schwester Hilfe möchte, würde ich sie begleiten. Ich mache das auch ehrenamtlich bei Süchtigen, obwohl natürlich meine Schwester emotional nochmal näher ist und ich da noch mehr auf mich achten würde. Was und ob es mir damit gut geht.
    Aber, wie beim Ehrenamt, sage ich auch bei meiner Schwester, sollte ich eine Sekunde Suchtdruck, Rückfallgedanken haben, es mir damit nicht gut gehe, drehe ich mich um, gehe nach Hause und kümmer mich nur um mich.


    Ich werde nicht dahin zurück gehen, wo ich war. Nämlich ganz unten. Und ich lasse mich auch durch niemanden dahin bringen. Da ist bei mir wirklich Egoismus, allerdings finde ich den gesund und wichtig für mich.


    Der Rückruf kam vorhin auch noch. Wenn Corona "vorbei" ist kann ich mir eine Selbsthilfegruppe angucken, ob sie mir zusagt. Aber auch jetzt schon bleibe ich mit dem Leiter in Kontakt und kann mich bei ihm melden und austauschen. Das hilft, weil ich auch nicht alles bei meinem Mann abladen möchte. Er ist in der Hinsicht "Jungfrau" keine Drogen, auch kein Alkohol/Zigaretten oder so.


    Ja, ich lese mich hier schon fleißig durch das Forum.
    Ich drücke dir die Daumen das der Rückruf bald kommt.

  • Gerne!


    Man merkt richtig, dass du sehr viel an dir gearbeitet hast und genau weißt, was man tun muss, um sich selbst zu schützen. Find ich echt klasse! Mein Partner hat auch keinerlei Suchterfahrung oder ausreichend Verständnis dafür, darum tausche ich mich lieber hier im Forum aus. Die Suchthilfe hat noch nicht angerufen; ich melde mich da einfach morgen früh wieder.


    LG
    Carmen

  • Hallo Toivo & Willkommen im Forum! :D


    - Selbstschutz zuerst
    - Hilfe anbieten
    - konsequent jegliche Suffbegleitung ablehnen (& dies auch unmissverständlich ansagen!)
    - Selbsthilfe für dich selbst organisieren
    - Rücksprache mit Profis zu dem Thema


    Alles richtig gemacht. ;)

    Die Mühen der Gebirge liegen hinter uns.
    Vor uns liegen die Mühen der Ebenen. (Bert Brecht) 8)

  • Hallo Carmen und Dante,
    ja das hört sich doch gut an. Dann bin ich auf dem richtigen Weg.


    Es ist auch gut sich hier im Forum austauschen zu können und durch das Lesen anderer Beiträge auch viel zu erfahren.


    Wünsche euch ein schönes Wochenende

  • Hallo Carmen, nein leider nicht.
    Ich falle gerade aus, wegen Bandscheibenvorfall, Hüftproblemen und dazu noch eine Sehnenscheidenentzündung, die meinen Arm lahm legt.


    Leider heißt das, dass ich erst übernächste Woche mit ihr sprechen kann. Da sie dann die Arbeitsschicht so hat das ich sie wirklich in Ruhe und alleine sprechen kann.

  • Dankeschön.
    Ja, zZ. ist es auch noch schmerzhaft aber das geht auch wieder weg.
    Bin nur gerade, da durch auch 4 Mal die Woche bei der Pysio. 2 für Bandscheibe, 2 für Hüfte.
    Somit voll beschäftigt ;)


    Ich werde auf jeden Fall berichten, wie es gelaufen ist.
    Lese mich gerade durch das Forum. Bei manchen Beiträgen würde ich auch gerne antworten aber oft sind es dann welche von 2017 oder so.
    Ob da noch Antwort sinnvoll ist?


    LG
    Janita

  • Gerne! Ich antworte auch manchmal auf einen älteren Beitrag. Manchmal erhält man keine Antwort, weil das Mitglied nicht mehr aktiv ist, aber Dein Beitrag kann ja auch für die aktuellen Mitglieder interessant sein.


    LG
    Carmen

  • Hallo ihr Lieben,
    bei mir gibt es etwas neues.
    Es ist zwar nichts mit meiner Schwester, ich finde aber es gehört hier trotzdem hin und irgendwie freue ich mich, diesen Entschluss gefasst zu haben.


    Habe ja schon geschrieben, dass ich nur sehr selten was trinke und die letzten Jahre habe ich immer mehr Abneigung gegen den Alkoholkonsum in der "normalen" Gesellschaft bekommen. Seit ich mitbekommen habe, dass meine Schwester Alkoholikerin ist habe ich allerdings eine immer größere...mhh eigentlich mittlerweile eine immer größere Wut auf Alkohol und den gesellschaftlichen Umgang damit.


    Mir kam seit 2,3 Monaten immer öfter der Gedanken, gar nichts mehr trinken ist doch cool. Wirklich zu sagen, ich werde Alkoholfrei auch die 2,3 mal im Jahr ein Glas Wein lasse ich weg.
    Ich habe die letzten Wochen gemerkt, der Gedanke gefällt mir immer mehr.


    Gestern lief ich die 5 Kilometer von meiner Bandscheiben- Pysio zurück nach Hause und habe ständig Schrauben auf dem Boden liegen sehen.
    Irgendwann dachte ich mir, was will mir den damit gesagt werden, das die mir gerade auch so auffallen.


    Mhh vllt irgendwas feste machen. und da kam mir der Gedanke, Alkoholfrei leben feste machen.


    Anti-Alkoholiker werden stimmt ja nicht, war ich ja nie. Mir hat dieser Gedanke aber so gut gefallen das ich, durch die Schrauben ( ;) ) jetzt es feste gemacht habe. Ich werde Alkoholfrei leben und es fühlt sich toll an, diese Entscheidung getroffen zu haben.


    Das wollte ich nur kurz erzählen *hihi*
    Jetzt gehe ich wieder Kerzen gießen, ein neues Hobby von mir :D


    Wünsche euch allen einen schönen Tag und bleibt gesund.

  • Toivo, du setzt einem in Erstaunen. :lol:
    1. Du rennst nach der Bandschreiben-Physio 5 (!) km nach Hause. :shock:
    2. Du siehst eine Schraube nach der anderen auf dem Weg liegen. (Ich habe noch nie eine Schraube auf einem Weg liegen sehen...) und das bringt dich auf neue Gedanken.
    3. Kerzen gießen, super, tolles Hobby!


    Der Kopf wird frei, wenn man in Bewegung kommt.
    Lieber Gruß, Linde

  • Hallo Linde
    mhh wenn ich dir jetzt sage, dass ich gestern 13 Kilometer gelaufen bin.......und das bei mir wenig ist...
    Ich wäre Ende des Monats eigentlich den Mammutmarsch in Berlin gelaufen, 100KM in 24 Stunden. Den Hike at Home (das war die Corona Alternative) bin ich nur in den eigenen 4 Wänden gelaufen, In 56 qm 100KM in 24 Stunden und 46 Minuten inkl. Pause.gerechnet. Und da hatte ich den Bandscheibenvorfall wohl schon.


    Hatte zwar schon Rückenschmerzen aber so ging beim Laufen echt, sonst hätte ich das ja nicht gemacht. Gesundheit geht vor.


    Ich denke dann beim Laufen sehr viel nach oder ich gucke einfach in der Gegend herum. Was dann zu so Sachen, wie den Schrauben führt.
    Und wenn mir was ständig an einem Tag passiert, begegnet, überlege ich mir, ob das was aussagen soll.


    An Gott oder so glaube ich nicht aber seit dem ich das mache, hat sich vieles echt super gefügt und mir Erkenntnisse gebracht, die es ohne dieses denken, nicht gegeben hätte.


    Also mache ich es einfach weiter ;)
    Und wenn da so tolle Entschlüsse raus kommen, ist alles gut :)


    Wünsche dir einen schönen Tag

  • Uau, Toivo, ich möchte dir gerne Herzlich gratulieren für deinen Weg in die Sucht Freiheit, für die 100 km in 56 qm und zu deiner Entscheidung den Alkohol ganz weg zu lassen, obwohl du nicht musst.
    Dass mit deiner Schwester tut mir sehr leid und ich hoffe, dass sie und ihr Mann, das Elend erkennen können, in das sie treiben.
    Du weisst es gut, dass du dich schützen musst in allererster Stelle. Als Angehörige mit eigener Suchtgeschichte ist man wahrscheinlich noch stärker gefährdet, nehme ich an, weil du ja weisst was es bedeutet und helfen möchtest. Es ist so schwer emotional, mitzusehen und nicht viel machen können.


    Ich wünsche dir gute Besserung und einen schönen Tag. Und ziehe gleich auch los, meine Runde im Regen zu machen.
    Dana

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