Alkoholabhängige Freundin

  • Hallo zusammen,
    ich habe mich bereits vorgestellt und möchte nun in diesem Bereich meine Sorgen kund tun. Ich habe seit 3 Jahren eine Freundin die, seit wir uns kennen gelernt haben, trinkt... und zwar massiv. Sie hat währenddessen 2 Arbeitsstellen verloren und ist arbeitslos. Sie wird meines Erachtens auch unter diesen Umständen keiner Arbeit nachgehen können. Ich versuche Ihr, seit ich davon bemerkt habe, zu helfen. Doch Sie verleugnet Ihre Sucht. Auch wenn Sie dabei eine unverkennbare Fahne hat ( fast immer Wodka mit Orangensaft / getarnt in diesen Plastesaftflaschen ). Sie wird böse und schaltet sofort auf Konter und Selbstmitleid. " Ich bin ja sowieso an allem Schuld. Jeder macht mir nur Vorwürfe."


    Ich habe das Gefühl das Sie jeden negativen Gedanken, jede negative Situation als Grund sieht zu trinken. Wenn das so wäre müsste die ganze Menschheit trinken. Aber auch bei Feierlichkeiten ist Sie schon auf der Hinfahrt völlig betrunken ( Beispiel zum Schuleintritt meiner Nichte ).
    Jeder sieht es. Jeder macht sich Sorgen aber Sie blendet das Ganze irgendwie aus. Als wenn es normal wäre. Ich habe das Gefühl das es nicht mehr lange dauert bis Sie einen schweren gesundheitlichen Schaden hat, wenn der nicht schon da ist. Ich glaube auch nicht das etwas anderes als ein stationärer Entzug in Frage kommt. Ich habe auch ein Alkoholmessgerät gekauft ( 299Euro, also sehr genau ). Wir hatten uns vorgenommen jeden morgen / mittag / abend zusammen einen test zu machen. Ich habe Ihr versichert das ich Ihr nur helfen will. Sie sieht das immer als bloß stellen an, obwohl ich Ihr einfach nur zu 100prozent helfen will. Aber ich schaff es nicht. Sie hat manchmal früh um 7 Werte von 0,7promille. Mittags über 1,2 und manchmal abends über 2,5 promille. Sie ist 29 Jahre alt. dazu raucht Sie und das auch nicht zu wenig. Ich wundere mich das Ihre Gesundheit nicht schon vollkommen kolabiert ist. Ich würde das keine 2 Wochen überleben. Ich weiß nicht mehr was ich machen soll. Mein Freundeskreis hat sich stark von mir distanziert und meine Mutter sieht die ganze Situation auch äußerst kritisch. Was ich auch nachvollziehen kann. Ich liebe Sie und will auch für Sie da sein. Aber ich komm mir langsam immer mehr wie ein Depp vor. Ich bemerke sofort wenn Sie was getrunken hat. Sie ist nüchtern eine tolle Person. Aber die Person wird immer seltener. Ich danke das Ihr euch mein Problem durchgelesen habt und würde mich über Antworten freuen.

  • Update. Ich bin von der Arbeit heim. 17:00uhr. Sie hat nach alkohol gestunken und sie wollte mir weiß machen das meine Mutti ihr einen Sekt angeboten hat. 1. Hätte sie das bei ihr nie gemacht, weil sie das Problem kennt. 2. Wär man von einem Sekt nicht so sternhagel voll. Sie hat mich so angewidert. Vor ca. Einer Stunde ist sie komaähnlich auf dem Sofa eingeschlafen. Sie wollte eine Pilzsuppe zum abendbrot machen. Aber ich habe nichts drauf gegeben. Auch einen heulnervenzusammenbruch hatte sie gehabt. Weil sie ihr Auto abmelden muss. Was aber halb so schlimm ist. Keine 30 Minuten später hatte sie wieder diese euphorisch gute Laune. Ich hab inzwischen das Gefühl das sie hysterisch/ schizophren und psychotisch ist. Es ist alles so unberechenbar. Ich bin nun auch ins Bett und lese. Ich würde sie am liebsten zum stationären Entzug schleifen. Ich weiß nicht wie ihr Körper das noch mitmacht. Sie tut mir leid, ich liebe sie. Sie ist nüchtern tierlieb und einfühlsam. Sie ist auch schlau und man kann sich über tiefgründige Dinge unterhalten und Spaß haben. Betrunken ist sie streitsüchtig selbstmitleidig, verwirrt und motorisch nicht mehr im stande natürliche Gesichtsausdrücke zu machen. Ihr Lachen sieht total künstlich aus weil sie es nicht mehr hinbekommt ihre gesichtsmuskeln zu kontrollieren. Ich hasse sie für ihre Lügen und das sie den Alkohol der Realität und dem Leben und mich vorzieht. Dafür finde ich nur Ekel und Hass und Hilflosigkeit.

  • hallo Bermuda,


    herzlich willkommen bei uns.


    Was soll ich sagen? Ich verstehe das du helfen willst, aber du kannst es nicht.
    Die 299-, € für das Alkoholgerät hättest du für dich anlegen können und dir damit etwas gönnen können.
    Zum einen bringt es weder dir noch ihr was, die Werte zu kennen, zum anderen finde ich das von deiner Seite übergriffig.
    Mir ist klar, das du es gut meinst, aber sowas geht gar nicht.

    Zitat

    Ich hasse sie für ihre Lügen und das sie den Alkohol der Realität und dem Leben und mich vorzieht. Dafür finde ich nur Ekel und Hass und Hilflosigkeit.


    Ich kenne alle diese Gefühle, aber es deine Hilflosigkeit, die du dir eingestehen mußt. Du kannst ihr nicht helfen, deine Freundin ist krank, süchtig nach Alkohol. Du erreichst sie nicht, und selbst wenn du sie zur Entgiftung bringst, wenn sie nicht will, wird sie entlassen wenn sie wieder nüchtern ist.


    Was kannst du denn für dich tun, damit es dir besser geht? Versuche mal deine Aufmerksamkeit auf dich zu lenken.



    lg Morgenrot

    Wer nicht hofft, wird nie dem Unverhofften begegnen. ( Julio Cortazar )

  • Danke für die Antwort Morgenrot,
    ich verstehe was du meinst. Mir ist das mit dem Alkoholtesten auch äußerst unangenehm und steigert die Aggression. Ich will Sie nicht Maßregeln aber Ihr irgendwie zeigen das sie ein Problem hat und das sie einsieht das sie krank ist. Ich habe mittlerweile mitbekommen das es ein Kampf gegen Windmühlen ist. Ich kämpfe diesen Kampf fast seit Anbeginn unserer Beziehung. Da wir zusammen wohnen ist es äußerst schwer Ihr zu drohen. Wir haben auch 3 Katzen. 2 von mir und sie hat einen Kater mitgebracht. Doch ich bin mittlerweile so am Ende das ich einfach nicht mehr kann. Diese Nacht habe ich kaum geschlafen. Arbeit ist sehr anstrengend und ich muss mich stark konzentrieren da ich auch Verantwortung habe. Ich sage mir jedes mal, " das war das letzte mal, wenn sie wieder besoffen ist wenn ich heim komme schmeiß ich sie raus. Aber ich komme geschafft heim und bringe es dann auch nicht übers Herz. Außerdem ist sie energiegeladen, durch den alkohol und super bereit für stress. Ich habe inzwischen auch manchmal beim Luft holen Herzschmerzen und merke das es mir Körperlich immer schlechter geht. Ich bin einfach an einem Punkt wo es so einfach nicht mehr weiter geht.


    ganz liebe Grüße
    BermudaB

  • Hallo Bermuda,
    ich hatte nie einen alkoholkranken Partner, aber eine alkoholkranke Mutter. Die Hilflosigkeit macht was mit einem. Das schwankte bei mir von Trauer, Wut, Aktionismus, Depression.... und mündete in eigenem Suchtverhalten und diversen Krankheiten. Partner kann man verlassen, Mutter bleibt Mutter. Ich habe über die Jahrzehnte meinen Frieden damit geschlossen, daß ich nicht die Suchterkrankung bei jemand anderem stoppen kann, aber sehr wohl mein eigenes Leben in die Hand nehmen kann.
    Bitte lass das mit deinen Herzschmerzen abklären. Ich sah z. B. topfit aus, hatte aber einen irrwitzig hohen Blutdruck.
    Es ist schwer einzusehen, daß man eine Suchterkrankung eines Angehörigen "von außen" nicht beeinflussen oder gar stoppen kann. Die Menschen brauchen ihren eigenen Tiefpunkt, der zum Wendepunkt werden kann... Aber das muß aus ihnen selbst heraus kommen. Aber manche trinken sich einfach zu Tode, so schlimm das ist.
    Suchterkrankungen sind eine harte Nuss. Putzsucht, Eßsucht, Spielsucht...... die Bandbreite ist groß. Man kann die Suchterkrankung zum Stillstand bringen, wenn man dazu bereit ist und sein ganzes Leben dafür umkrempelt.
    Wenn man allerdings mit einem suchtkranken Angehörigen zu tun hat, der absolut nicht aufhören will, dann kann man nur Abstand halten. Mit dem äußeren kommt der innere Abstand. Wenn man jahrelang um den Suchtkranken kreist, geht man mit ihm unter.
    Für mich war das damals furchtbar, aber ich habe etliche Jahre den Kontakt zu meiner Mutter/Eltern einschlafen lassen, bis ich innerlich stabil war. Sie führt ihr Leben, es ist ihre Verantwortung.


    Wie gesagt, bitte schau auf dich. Bei mir haben auch irgendwann schlimme körperliche Symptome angefangen. Wir haben nur ein Leben.
    Viele liebe Grüße, Linde

  • Vielen Dank für die Antwort,
    ich bin sehr dankbar über jede Hilfe und Erfahrung. Ich habe inzwischen die Erkenntnis das ich es nicht mehr schaffen kann. Ich bin nur noch ausgebrannt und fertig. Alles was ich will ist meine Ruhe und einen geregelten Tag. Aber mit einem Alkoholiker ist man immer mit neuen negativen Überraschungen konfrontiert, mit denen man den Feierabend und Freizeit klar kommen muss und das kann ich nicht mehr. Dazu dieser Bauchschmerz beim Gedanken daran was wohl heute wieder auf einen zukommt. Sie macht auch im Rausch ständig Probleme aus Dingen, die keine sind weil sie zu lapidar und unrelevant sind. Ich weiß nicht wie ich mich aus dieser Situation befreien kann, meinen Frieden finden kann.

  • Herzlich willkommen, Bermuda,


    Zitat

    Ich weiß nicht wie ich mich aus dieser Situation befreien kann, meinen Frieden finden kann.

    Bei mir half nur ein Auszug aus dem Haus nach über 20 Jahren Ehe. Damit hatte ich erst einmal räumlichen Abstand geschaffen und konnte an meinem inneren Abstand arbeiten. Die Entscheidung ist mir damals wahnsinnig schwer gefallen, weil sich innerlich alles dagegen sträubte, aber es war der richtige Weg. Es musste mir erst mal klar werden, dass ich gegen die Sucht nichts ausrichten kann, sondern dass mein Mann von sich aus den Ausstieg finden musste.


    Ich wünsche Dir Kraft und Geduld für Deinen Weg.
    sonnige Grüße
    Lütte

    Suche nicht nach Fehlern, suche nach Lösungen.

    (Henry Ford)

  • Vielen Dank für die Worte,
    es gibt mir hier sehr viel Kraft sein zu dürfen. Das glaube ich dir das es nicht leicht war. Wenn ich derjenige wär der gehen würde, ich wäre wohl schon weg. Ich weiß es nicht. Aber sie ist zu mir gezogen. Samt einigen Möbeln. Ich müsste sie vor die Tür setzen. Das ist nicht so einfach und ich liebe sie ja auch und will ihr auch nicht weh tun, auch wenn sie mich täglich mit ihrer Krankheit weiter kaputt macht. Diese Liebe ist inzwischen eine Strafe und eine Last. Sie hat auch noch eine Wohnung aus der sie hergezogen ist. Aber die sieht inzwischen völlig verwahrlost aus. Ich habe auch angst um ihren Kater, sie würde sich wahrscheinlich nicht mehr um ihn kümmern. Das bräche mir das Herz da ich unglaublich Tierlieb bin und den Kleinen auch sehr lieb habe.



    Ganz liebe Grüße,
    Bermuda und danke für euere Empathie und das ich hier sein darf

  • Mal ganz hart gesagt, dann setz sie vor die Tür. Es ist dein Leben, dass da den Bach runter geht. Ich stand damals vor der Wahl zu bleiben und langsam unter zu gehen oder mein Leben in den Hand zu nehmen und für mich zu sorgen. Es hat bei mir ein Weilchen gedauert bis ich es wirklich geschnallt hatte, aber jeder ist für sein Leben selbst verantwortlich. Ich wollte ihm damals auch helfen und ihn retten. Ich bin auf der Suche nach Hilfe für ihn hier gelandet. Und es war für mich unvorstellbar, ihn einfach so "im Stich zu lassen". Es war das Beste, was ich tun konnte - für ihn und für mich. Zur Not behalte doch den Kater, wenn sie sich nicht kümmert, aber lass dich mit dem Tier nicht erpressen. Die Süchtigen wissen nur zu gut (meines Erachtens nach intuitiv), welche Knöpfe sie drücken müssen, damit ihre Co's funktionieren. Es war eine wirklich harte Zeit damals, denn mein Weggang hat ihn nicht glücklich gemacht und er hat alles versucht, mich zurück zu holen. Da heißt es mal wirklich kämpfen und hart bleiben. Überlege Dir mal, was Du Deinem besten Freund raten würdest, der Dir eben Deine Geschichte erzählt würde.


    Es geht um Dich
    sonnige Grüße
    Lütte

    Suche nicht nach Fehlern, suche nach Lösungen.

    (Henry Ford)

  • Danke Lütte,
    ich denke das in jedem Mensch ein gewisser Schutzmechanismus steckt. Ich merke wie mir mein Körper eindeutige Signale sendet das es unnormal ist was ich da mein Leben nenne. Es fühlt sich auch alles nicht richtig an. Wenn ich sie in Schutz nehme oder Ihr verzeihe. Ich tue damit meinem Umfeld und mir selber weh. Auch meiner Freundin, nur das sie das nicht merkt, weil sie ja krank ist. Ich werde sehen was die Tage bringen. Eines steht für mich fest, es muss sich etwas grundlegend ändern. Ich halte euch auf dem Laufenden. Und schön das es dieses Forum mit Menschen gibt die einen verstehen oder ähnliches erlebt haben. Man fühlt sich irgendwie sicher und bestärkt.


    Ganz liebe Grüße,
    Bermuda

  • Hallo Bermuda,
    ich lese das immer wieder hier, daß Hund oder Katze, einmal sogar ein im Garten des Suchtkranken stehendes großes Trampolin in solche wichtigen Lebensentscheidungen reingenommen werden. Damit die Kinder weiter Trampolin hüpfen konnten, wurden sie von der co-abhängigen Mutter nicht aus der Situation mit dem trinkenden und prügelnden Vater rausgenommen. Ich weiß, das ist ein krasses Beispiel. Ich bin auch tierlieb. Aber schau, was jetzt WIRKLICH dran ist. Der Rest findet sich!!
    Lieber Gruß, Linde

  • P.S. Wenn du sie bittest auszuziehen und das auch durchziehst, dann kann ihr Tiefpunkt zu ihrem Wendepunkt werden. Nicht daß du das machen solltest, um eben dies zu "erreichen", das wäre co-abhängiges Verhalten deinerseits.
    Du solltest die Entscheidung, welche auch immer, für DICH treffen und dann dazu stehen. Nichts "androhen", was du nicht auch durchziehst, denn sonst weiß sie, daß sie dich immer wieder zum Einlenken bringt - und schwupps bist du in der Co- Falle.
    Pack es an, für dich.
    Wie gesagt, der Rest findet sich.
    Ich weiß von mir, daß es sehr viel Energie freisetzt, wenn man sich endlich für was entschieden hat und es durchzieht. Da ist plötzlich wie von Zauberhand reichlich Power in einem drin. Die war vorher aber auch schon da, sie war nur gebunden an den Suchtkranken. Die Kraft kannst du für DICH nutzen.

  • ich hatte gerade Mittagspause und bin heim. Sie war betrunken. Ich habe es Ihr sofort angesehen. Der Test zeigte 1,5promille....... Leute ich kann nicht mehr. Ich habe sie vor die Wahl gestellt das sie nun wieder zu sich zieht oder einen stationären Entzug macht. Ich weiß nicht was auf mich zukommt. Wie sie das nun verarbeitet. Ich bin völlig aufgeregt. Wie vor einer wichtigen Prüfung und man muss warten bis man dran kommt. Wird sie ausrasten, tut sie sich oder jemandem was an. Wird sie die Wohnung verwüsten ? Ich bin auf alles gefasst. Ich habe angst. Ich will einfach nur noch Ruhe und einen geregelten Alltag. Sie hat alles verleugnet. Dann hat sie gesagt das ich sie unter Druck setze. Aber ich habe mir das Ganze auch sehr lange angesehen und sie lügt und lügt und schiebt alles weg. Als wenn ich der Süchtige wäre.
    Wünscht mir Kraft, es ist gerade alles dunkel um mich

  • Gut, dass Du eine klare Ansage gemacht hast. Wichtig wäre noch ein Termin und dann musst Du konsequent sein. Sie ist erwachsen und für sich und ihr Leben selbst verantwortlich. Das hat bei mir lange gebraucht, bis mein Herz das verstanden hat. Aber von dem Zeitpunkt an war es leichter für mich.


    Viel Kraft und Geduld für Dich
    sonnige Grüße
    Lütte

    Suche nicht nach Fehlern, suche nach Lösungen.

    (Henry Ford)

  • Hallo Bermuda,


    ich lese seit einigen Tagen bei Dir mit und Deine Situation erinnert mich sehr stark an meine, mit dem Unterschied, dass ich die Alkoholikerin bin und mein Partner der Coabhängige ist. Mein Partner hat jahrelang auf mich eingeredet, kontrolliert, gedrängt, dass ich mit dem Trinken aufhöre, oft mit Trennung und Konsequenzen gedroht, die er dann wieder zurückzog und und. Es half alles nichts. Erst als ich einsah, dass ich krank bin, Hilfe brauche und keinen Alkohol mehr trinken darf, fing ich an Schritte einzuleiten.



    Dann hat sie gesagt das ich sie unter Druck setze. Aber ich habe mir das Ganze auch sehr lange angesehen und sie lügt und lügt und schiebt alles weg. Als wenn ich der Süchtige wäre.


    So war es auch bei mir, als ich noch keine Einsicht hatte. Du kämpfst gegen Windmühlen und verschleuderst deine Kräfte. Ich sehe auch aktuell wenig Hoffnung bei euch, da Deine Freundin ja garnichts verändern möchte. Und selbst wenn dann irgendwann die Einsicht ihrerseits da ist ( was übrigens noch Jahre dauern kann oder im schlimmsten Fall nie) , hast Du ja noch lange nicht die Garantie, dass sie trocken wird und bleibt. Die meisten Süchtigen brauchen mehrere Anläufe und Versuche, um trocken zu werden und auch zu bleiben, begleitet von Rückfällen, Entgiftungen, Klinikaufenthalten, Höhen und Tiefen usw. . Da musst Du dir natürlich auch die Frage stellen, ob Du Dir so Deine Zukunft vorstellst.


    Mein Partner hatte übrigens auch psychosomatische Störungen wegen meiner Trinkerei. Das habe ich schon oft bei den Coabhängigen gelesen und ist mit Sicherheit als deutliches Warnsignal zu sehen. Da Deine Freundin null Einsicht hat, hast Du leider nur zwei Möglichkeiten: Entweder Du entfernst Dich von ihr und schützt Dich oder Du machst das Drama weiter mit und wirst dabei selbst immer kränker. Ich wünsche Dir viel Kraft.


    LG von Carmen, die seit Jahren versucht, trocken zu bleiben.

  • Guten Morgen liebes Forum,
    guten morgen lütte linde und carmen. Ich danke euch, Ihr bestärkt mich und öffnet mir immer mehr die Augen. Eure Erfahrung hilft emmens beim Einschätzen der Situation. Gestern abend waren wir mit der Familie Abendessen. Es war wie in einem schlechten Film. Sie hat getan als wenn nichts wäre und auch danach. Als wenn ich nichts gesagt hätte. Ihr nicht gesagt hätte das sie nur noch diese 2 Optionen hätte. Ich konnte beim Essen keine Szene machen, ich bin direkt nach der Arbeit hin. Und abends vor dem Schlafen hatte ich keine Energie mehr. Nun sitz ich genau wieder da. Ich bin sowas von enttäuscht von mir und bin sauer das Sie meine Äußerung komplett wegschiebt und ignoriert. Das schlimme dabei ist das ich inzwischen mit sovielen Persönlichkeiten von ihr lebe. Manisch ist gar kein Ausdruck. Die ganze Palette. Mein Vertrauen ist auch am Ende weil sie mich fast nur noch anlügt. Auch was ihre Arbeitssuche angeht. Ich habe das Gefühl das sie sich einfach nur besaufen will und im suff bisschen den alltag sorgenfrei erleben will und dabei alle ihre Emotionen und Launen ausleben kann. Ich bin mir sicher das sie heute oder spätestens morgen wieder was trinkt. Dann werde ich meine 7 Sachen nehmen und gehen und wieder kommen wenn sie weg ist. Gut das ich im Haus mit meiner Familie ( mehrere Generationen lebe, die unterstützen mich ). Ich fühle mich gerade geistig wie in einer Achterbahn. Ich weiß nicht was als nächstes passiert.
    Danke das ich hier sein kann, ihr seid stark und das gibt mir Hoffnung und Kraft,


    liebe Grüße Bermuda

  • Hallo Bermuda,
    wieso bist du enttäuscht von dir? Du hast doch gesagt, was du wolltest. Das mußt du nicht 93 mal wiederholen...
    Jetzt ist sie dran.
    Kann aber sein, daß es ihr nichts ausmacht, wenn du kurzzeitig zu deiner Familie ziehst, denn dann kann sie in aller Ruhe in deiner Wohnung weitertrinken.
    Liebe Grüße, Linde

  • Hallo Bermuda,


    ein großer Punkt ist die Konsequenz.
    Es ist ganz wichtig, und das gilt für uns COs allgemein, nur das anzukündigen was du auch durchhalten kannst.
    Ich kenne manche, das ist das bis zum Schloss austauschen an der Wohnungstür gegangen.
    Bei dem Essen hatte sie ja "eigentlich" nichts mehr zu suchen. Du mußt nicht gute Miene zu ihrem Spiel machen, sonst machst du dich unglaubwürdig.



    lg Morgenrot

    Wer nicht hofft, wird nie dem Unverhofften begegnen. ( Julio Cortazar )

  • Hallo Bermuda,


    Zitat

    Ich habe das Gefühl das sie sich einfach nur besaufen will und im suff bisschen den alltag sorgenfrei erleben will und dabei alle ihre Emotionen und Launen ausleben kann.

    Das darf sie auch, es ist ihr Leben. So oder ähnlich hat mir das hier mal jemand geschrieben vor 8 Jahren, als ich so wie Du hier ankam. Ich hab das damals nicht verstanden, heute denke ich genau so. Wir Co's denken ja manchmal, dass wir wissen, wie der andere tickt und was gut für ihn ist. Dabei bin ich schon ein paar Kreise gelaufen, weil ich meinen Mann "bekehren" wollte und all das getan habe, was ein guter Co so tut. Und dabei bin ich an meine Grenzen gestoßen und habe sie auch teilweise überschritten. Als ich dann auszog und begonnen habe, meine Energie in mich zu stecken, ging es mir gesundheitlich auch wieder besser. Ich möchte nicht, dass mir jemand vorschreibt, wie ich zu leben habe und ich habe nicht das Recht, es meinem Partner vorzuschreiben. Aus eigener Erfahrung kann ich Dir nur raten, wirklich konsequent zu sein. Also droh ihr nur was an, was Du dann auch durchziehst. Ansonsten durchschaut sie dich ganz schnell und zieht alle Register um Dich in der Spur zu halten.


    Ganz viel Kraft und Geduld für Dich
    sonnige Grüße
    Lütte

    Suche nicht nach Fehlern, suche nach Lösungen.

    (Henry Ford)

  • Ja es ist so verdammt schwer, wenn man sensibel und empathisch ist und vor dieser Herausforderung steht. Ich gebe mein Bestes Standhaft zu sein und ihr bei mir keinen Freiraum für Ihre Sucht zu lassen. Ich werde sehen was der Abend heute bringt. Ich halte euch auf dem Laufenden und würde mich freuen, wenn ihr mir weiter so zur Seite steht. Danke nochmal dafür und auch für die klare Ansage von Morgenrot. Ich werde mir auch nichts mehr schön reden. Denn was Anderes ist es nicht.


    Liebe Grüße Bermuda

Jetzt mitmachen!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!