butterweich und steinhart zugleich

  • Hallo Ihr Lieben,

    dann hole ich den einfach mal wieder hoch, heute, an einem besonderen Tag.

    HWZ oder das Zerfallsgesetz frei nach Kalli aus seinen kleinen Atomen übersetzt, denn ich blendete mich lange selbst mit dem Gefühl der Liebe, welches ich hier immer wieder lese:

    N = No + 2-t/T

    N .... Zahl der gesunden Beziehungsstärke
    N0 ... Zahl der anfänglichen Beziehungsstärke
    t .... Zeit
    T .... Halbwertszeit
    (gut, dass Currlinger nicht mehr da ist, der würde mich jetzt bestimmt zerlegen, wobei, paar mehr Kerle könnten es hier schon sein)
    Beim Zerfallsgesetz geht es darum, wie sich die Zahl der noch unzerfallenen Gefühle einer Beziehung im Laufe der Zeit verringert.
    Für ein einzelnes Liebesgefühl kann man angeben, mit welcher Wahrscheinlichkeit es innerhalb eines gegebenen Zeitraumes "überlebt": Während einer Halbwertszeit (T) beträgt diese Wahrscheinlichkeit 50 %. In einem doppelt so langen Zeitraum (2 T) überlebt es nur noch mit 25 % Wahrscheinlichkeit (Hälfte von 50 %), in einem Zeitintervall von drei Halbwertszeiten (3 T) nur noch mit 12,5 % (Hälfte von 25 %) usw.
    Was man dagegen nicht vorhersagen kann, ist der Zeitpunkt, zu dem es zerfällt. Auch wenn beispielsweise die Wahrscheinlichkeit für einen Zerfall in der nächsten Sekunde 99 % beträgt, ist es dennoch möglich, wenn auch äußerst unwahrscheinlich, dass es erst nach Millionen von Jahren zerfällt.
    Meine HWZ, ist die Zerfallsgeschwindigkeit der gefühlten Liebe zu meiner Frau, ein exponentieller Prozess. Auch so etwas habe ich durch das Forum lernen dürfen und sehe mich noch im July 2006 in einem Buch über Beziehung und Liebe lesend und fragend: huch, dann hätten wir ja gar keine Liebe, aber sie ist doch da, bin ich denn doof?


    Heute vor drei Jahren, da war Ostermontag, es regnete wie heute, da war ich ziemlich fertig, überarbeitet, hatte seit Tagen Schmerzen in der Schulter bis in den Arm, komische Gedanken an meine Pumpe und unsere Ehe war gerade angespannt.

    Meine Frau stöhnte morgens auf dem Sofa rum und hätte da nicht ein geliebtes Buch achtlos, wie weggeschmissen, auf dem Boden gelegen, ich wäre vielleicht zu den Kindern, in die Firma, zur Mutter oder bei schönem Wetter Motorrad fahren, das wäre es gewesen. Die Liebe zu ihren Büchern hatte uns den Weg gezeigt.

    Sie hatte einen Infarkt. Gut, wir haben geraucht, getrunken, gefressen, gut und voll gelebt, aber es gab keine Anzeichen. Nicht bei ihr, eine bildhübsche, strahlende, hochintelligente, stolze, schlanke Frau mit 36er Modellfigur bekommt einfach so mit 43 Jahren einen Infarkt?

    Was hatte ich mich blöde und hilflos angestellt, laufe zum Kühlschrank und hole Eisklümpchen und lege ihr die auf die Brust. Wahrscheinlich habe ich meine Frau so geschockt, dass sie nur noch Notarzt sagte. Dann ging es schnell zur Sache, Notruf, binnen 5 Minuten waren sie da. Es dauerte auch nicht lange, bis sie fragte warum ich so lang bis ins Krankenhaus gebraucht hätte. Es dauerte aber noch länger, bis mich so 2 Jahre später eine Kollegin fragte, wie dumm ich denn sei, jemanden Jahre auf Händen zu tragen und dann zu erwarten, von heute auf morgen könne der Andere begreifen dass sich etwas geändert habe, da hatte ich noch was länger dran zu denken.

    Kurz nach dem Infarkt landete ich aufgelöst hier im Forum und dachte: Du bist nicht alleine, fühlte mich aufgehoben und geborgen, begann zu lesen, später zu schreiben. Verlustängste, Veränderungsängste, Rotz und Wasser begleiteten mich durch das Forum, ließen mich ausziehen, trennen, trocken werden, Süchte hinter den Süchten erkennen, Druck machen, sie wurde trocken, es neu versuchen, ausziehen, einziehen, fortziehen, zurückziehen, frei ziehen, was für eine Zubbelei. Aus einem: „den letzten Weg gehen wir gemeinsam“, denn ich wusste damals nicht wie ich ohne meine Frau hätte leben können, entwickelte sich etwas ganz anderes als ich es mir bis dahin hätte vorstellen können. Ich war nicht finanziell von ihr abhängig, nur meine Gefühle waren stärker als alles andere, ich hatte mich abgegeben, ihr übergeben.

    Halbwertzeit. Wir hatten drei wunderbare Jahre, mit Höhen und Tiefen, mit Genüssen, Freuden, Spaß, Pleiten, Pech und Pannen, eine wonnige gute Lebenszeit. Wir haben jetzt wieder 3 Jahre um, eine lehrreiche, voller Veränderungen und Entwicklungen geprägte Zeit.
    Heute habe ich spontan einen alten Freund angerufen und wir haben 1 Std. gequatscht. Er meinte damals, ich hätte nichts Prägendes mit meiner Frau erlebt. Die ersten 3 Jahre waren für mich prägender als die 20 Jahre davor. Die letzten drei Jahre war ich dann in einer Prägemaschine und ich finde, es hat sich gelohnt.

    Halbwertzeit, hm, für mich ist da eine Vollwertzeit draus geworden.

    Ich möchte heute einfach mal dem Forumsbetreiber, seinen fleißigen Helfern und den kommenden, gegangenen und anwesenden Schreibern danken, dass ich diese Zeit hier erfahren durfte, eine prägende Zeit und das hört gar nicht mehr auf. Schön, dass ich hier sein darf.

    Der Rest von mir steht ja hier in der Offenen später auch in der Geschlossenen. Vielleicht noch, dass ich heute immer noch meiner Frau dankbar bin, da ich erst durch sie überhaupt meinen Krams erleben durfte. Ich bin dankbarer Alkoholiker, Co-Abhängiger und mit sonstigen Mehrfachsüchten ausgestattet. Ich muss da keine Scham mehr haben darüber zu reden, schließlich bin ich heute gesünder als die Meisten anderen, zumal mein Krams weiter abnimmt, ein exponentieller Prozess.

    Es hieß mal:
    Angst fressen Seele auf, nö, Vollwert frisst Halbwert, so gefällt mir das heute besser, ich lebe mit weniger aus dem Vollen, das ist es mir wert.

    Lest, schreibt und habt Mut etwas zu Verändern, es ist Euer leben, ihr habt nur eines.

    LG Kaltblut

    Sie standen dar und fragten sich warum und nur einer meinte: warum nicht.

  • Hallo, Kaltblut,

    da du schon lange hier schreibst, habe ich deine Geschichte nicht verfolgt, aber deine Zusammenfassung hat mich schwer beeindruckt. Ich freue mich für dich, dass du diesen Weg so mutig und konsequent gegangen bist und deine Erfahrungen mit uns teilst.

    Weiterhin alles Gute! Ja, und ich finde auch, dass dieses Forum hier ein Segen ist!!

    Oiseau

  • Zitat

    Vielleicht noch, dass ich heute immer noch meiner Frau dankbar bin, da ich erst durch sie überhaupt meinen Krams erleben durfte. Ich bin dankbarer Alkoholiker, Co-Abhängiger und mit sonstigen Mehrfachsüchten ausgestattet. Ich muss da keine Scham mehr haben darüber zu reden, schließlich bin ich heute gesünder als die Meisten anderen, zumal mein Krams weiter abnimmt, ein exponentieller Prozess.

    Hallo Kaltblut,

    ich weiss jetzt nicht genau, wieso und wofür Du Deiner Frau dankbar bist.

    Kannst Du nach eurem Eheuntergang noch an die Liebe glauben?

    Ich bin nicht dankbar in einer suchtkranken Familie aufgewachsen zu sein.

    Was für ein Potenzial könnte ich heute haben, wenn mich liebevolle Eltern gewollt, geliebt, gefordert und gefördert hätten. OK, sind Phantasien von mir. Dennoch weiss ich, dass in den Kinderjahren das Selbstwertgefühl und die Liebesfähigkeit (Empathie) geprägt wird. Wie ich die Welt oder mich sehen kann, mit Vertrauen und Zuversicht ihr oder mir zu begegnen oder im Misstrauen mir selbst oder anderen Menschen gegenüber und Angst vor dem Tag und was uns alles so geschehen kann, zu haben.

    Wieviel Zeit brauchen wir, um Selbstliebe und Vertrauen in uns selbst und andere Menschen zu entwickeln, das wäre doch selbstverständlich, wenn schon im Mutterleib, Kinder geachtet und geliebt würden. Und Väter ihren ganzen Schutz und ihre Verantwortung für ihre Kinder übernehmen und Zeit ihnen schenken könnten.

    Wir hätten weniger suchtkranke Menschen, davon bin ich überzeugt, was suchen wir denn als Süchtige, nach Liebe und Anerkennung, die uns leider in unserer Kindheit nicht geschenkt und vorgelebt werden konnte.

    Einen grossen Schritt zur Gesundung wäre es,da stimme ich Dir zu, ohne Scham über Süchte oder Vergangenheit in einer Suchtfamilie sprechen zu können. (Süchtige sind Versager, so fühle ich mich manchmal.) Übernehme ich hier Gefühle von meinen Eltern?

    Das fällt mir heute noch schwer, habe immer noch ein dumpfes Gefühl dabei, meine Eltern zu verraten.

    Klar wäre ich gerne stolz auf meine Eltern, ich kann es leider nicht sein.

    Auch das sollte ich akzeptieren.

    Wie haben Eure Kinder diese Zeit verkraftet?

    Alles Liebe Weitsicht

  • Hallo Ihr Lieben,

    schreiben und lesen haben heilende Wirkung und helfen Veränderungen herbeizuführen, darauf kommt es an.

    Wozu ich meiner Frau dankbar bin? Ohne die Krankheit meiner Frau wäre ich nicht hier gelandet. Erfahrungen hier im Forum, dazu der Therapeut und die reale SHG haben mich erkennen lassen, was in meiner Birne alles falsch lief. Das war mein Ding, aber der Auslöser war das Erkennen der Symptome durch und mit meiner Frau und die Ursachen zu finden. Dafür bin ich ihr dankbar, für die wunderbaren schönen Jahre natürlich auch. Ich denke einmal, daß mir durch meine geänderte Lebensführung mehr Jahre geschenkt werden, als vorher mit verquertem, selbst zerstörendem Hirn.

    Klar glaube ich an die Liebe. Sie ist für mich heute etwas anderes als damals. Ich glaube an die grundlose Liebe. Ich kann mir nicht vorstellen, daß ich mich nochmals so abgeben werde wie damals. Wenn sich zwei Menschen auf einer Augenhöhe begegnen, glaube ich fest daran, daß sich etwas Grundloses prächtig entwickeln kann. Dabei wird mein Alter keine Rolle spielen. Das kann morgen oder mit 82 Jahren sein.

    Unsere Kinder? Der liebe Gott wollte uns kein Kind mehr schenken, das hat er gut gemacht. Meine Jungs waren glücklich wenn ich strahlte, ich strahlte ja oft. Sie lebten ja nicht mit uns, schaden werden sie nicht genommen haben. Ob sie Schaden durch mein Verhalten während ihrer Kindheit genommen haben wird sich zeigen. Die Tochter meiner Frau hat Schaden genommen, was aus ihr wird kann ich Dir nicht mehr sagen.

    Weitsicht, ich weiß nicht wer welche Gefühle von wem übernimmt, aber ich weiß, dass ich mir an meinen Hintern packen kann, ich bin für mich da. Jeder kann aus ihm unbekannten Gründen von heute auf morgen irgendetwas bekommen und hat keine Ahnung, was er dagegen tun kann. Wir sind hier als Alkoholiker und Coabhängige, das sind kleine Päckchen vom Ganzen, viele haben ganze Frachtzentren im Gepäck. Wer ist denn der Süchtige, der der offensichtlich säuft oder co ist oder der, der aufgrund jahrelanger Ernährungsverblödung Mittel zur Lebenserleichterung verschrieben bekommt und an der verschriebenen Tablette hängt?

    Da sind wir wieder beim Anfang. Ich bin meiner Frau dankbar, dass ich durch ihre Krankheit viel über die Zusammenhänge gelernt habe, die mir heute meine Leben verbessern und bestimmt verlängern werden.

    LG Kaltblut

    Sie standen dar und fragten sich warum und nur einer meinte: warum nicht.

  • Guten Morgen, Kaltblut!

    Ach, es tut so gut, mal wieder deine frische, unkomplzierte Art zu lesen.
    Aber fast hätte ich doch wieder Schwitzehände bekommen, als ich die Formel sah :oops: !
    Na, diese habe ich kapiert.

    Dankbarkeit gegenüber der Krankheit!
    Du hast recht. Wenn das nicht gewesen wäre, hätte ich mich auch nie in diese Richtung verändert.
    Ich wäre nie die geworden, auf die ich jetzt stolz bin.
    Ich hätte das Forum nicht gesucht und gefunden, wäre nie, nie, niemals zu einer Therapie gekommen, hätte vielleicht nie das bisschen Selbstbewusstsein erlangt, das mir jetzt so gut tut.
    Meine Kinder - lieben mich. Sie haben schon immer zu mir gehalten, jetzt spüren sie die Veränderungen. Alles "entspannt" sich.
    Ich denke schon, dass sie ihre eigenen Wege gut schaffen werden.

    Dank dir, lieber Kaltblütiger, für deine Schreibereien. Die haben mir ein gutes Stück auf dem Weg bis hierher geholfen!

    Ich wünsche dir einen schönen Sonntag mit all dem, was dir Spaß macht,
    liebe Grüße, Gotti.

    Wende dein Gesicht der Sonne zu, dann fallen die Schatten hinter dich.

  • Liebes kaltblut,

    Zitat

    Wir sind hier als Alkoholiker und Coabhängige, das sind kleine Päckchen vom Ganzen, viele haben ganze Frachtzentren im Gepäck. Wer ist denn der Süchtige, der der offensichtlich säuft oder co ist oder der, der aufgrund jahrelanger Ernährungsverblödung Mittel zur Lebenserleichterung verschrieben bekommt und an der verschriebenen Tablette hängt?

    Auch ich danke Dir für diese Worte.
    Als ich gestern die Worte von Weitsicht las, habe ich lange nachgedacht, warum wir dankbar sein können.hmmm, und heut nacht fühlte ich dann den für mich wichtigen Gedanken:

    Ich konnte durch die Erkenntnis, daß ich ein Kind einer kranken, süchtigen Familie bin, mir immer wieder abhängige Menschen an meine Seite holte, selbst süchtig wurde, dieses Forum finden, an mir ganz hart Arbeiten. Aber nicht das Forum allein war es, das meine Dankbarkeit hervorrief. Nein, das Resultat, daß ich durch diese harte Arbeit an mir endlich die Opferstellung aufgeben konnte, ein armes, ungeliebtes Kind zu sein, das ist es, was bei mir die Dankbarkeit fühlen läßt.

    Und dazu passen Deine Worte, die mich an einige Zeilen meines verstorbenen Vaters erinnern. Dieser schrieb mir, als ich 13 Jahre alt war , einen Brief, in dem er meine schwere Asthmaerkrankung *nur* als den Gipfel, den *unwichtigen*Teil eines Ganzen beschrieb. Damals verstand ich dies nicht, denn ich sah es nur, daß ich anscheinend nicht für wichtig erachtet wurde. Heute versteh ich, was er mir sagen wollte.

    Die Opferrolle zu verlassen, als Kind nicht geliebt worden zu sein( ist tragisch in der Konsequenz für uns alle), das ist es, was auch wiedeer etwas freier macht. Dazu schreibst Du so schön:

    Zitat

    ich weiß nicht wer welche Gefühle von wem übernimmt, aber ich weiß, dass ich mir an meinen Hintern packen kann, ich bin für mich da. Jeder kann aus ihm unbekannten Gründen von heute auf morgen irgendetwas bekommen und hat keine Ahnung, was er dagegen tun kann.


    Nur darauf kommt es doch an, im JETZT und HIER leben zu lernen.Klappt nicht immer, aber immer öfter.

    Lieben Gruß

    S.Käferchen

  • Hallo Backmaus,

    und sonst kann ich Dir so beantworten: es hat etwas gedauert bis ich akzeptierte, dass die Einhaltung gewisser Regeln und Verhaltensweisen, wie z. B. die Wahrung der Anonymität, Grundlage für die erfolgreiche Bearbeitung der Krankheit ist. Hier auf diesen Seiten steht eine Menge über mich, eigentlich viel zu viel, mir hat es geholfen schneller und effektiver zu verarbeiten und anzunehmen wie es ist.

    Ansonsten bin ich ein ganz normaler Kerl, wie die Meisten. Mein ganz normaler Tag sieht so aus, dass wenn ich arbeite, bin ich mit Leib und Seele und wenn ich keine Arbeit habe, dann noch mehr. Ein Sonntag wie heute, beginnt um 6h mit 1Stunden lesen und der Klärung der einen oder anderen Frage, wie z. B. heute, warum wir Hybridsaatgut züchten, aus dem einmal erntbare Früchte mit schönem Aussehen und geringem Nährwert entstehen, die aber für die Neuaussaat nicht verwertbar sind, also Einmalabfüllwegwerfkrams, entgegen jeglicher Naturgesetzte. Der Hintergrund liegt in der Saatgutkontrolle, sonst könnte ja jeder Gartenbesitzer sich sein eigenes Zeugs in Massen anbauen, womöglich noch andere versorgen, hallo, wo gibt es denn so was. Die totale Fresskontrolle, nicht nur, dass sie mir in die Tonnen gucken, demnächst guckt auch noch einer in die Töpfe meine Fensterbank, wie die Fleischkontrolle, vielleicht gibt es auch schon die Menschkontrolle.

    Dann meist eine Stunde oder so 10-12km laufen, einer kurzen Erholungszeit am PC einem Vollwertfrühstück und einer eiskalten Bestrahlung unter der Dusche folgt Bodyschrupping.

    Beim Anziehen fiel mir die Knieverstärkung mit Cevlareinlage ein, die voriges Jahr um die Zeit, da psychosomatische Geistesverstopfungen das Knie oft weg brechen ließen. Heute habe ich dann schon mal die Lammschulter angesetzt, die braucht auf meine Art so 8-10 Stunden bei knappen 100°C im Ofen und dann bin ich gemütlich zu Mutter, Schwesterherz und Nichte gefahren, um neben einem Sonntagsschwätzchen die gestern ausprobierte exotische Fruchtmischung mit hoher Agar-Agar Standfestigkeit auszuprobieren. Da das Wetter noch nicht genau abgeklärt war, habe ich den PKW dem Krad vorgezogen und einen höchst interessanten Bericht über rheumatische Erkrankungen auf CD gelauscht. Als ich zurück war, haben meine Kleine und ich auf dem Hof mit kindlichem Spaß einen Tanz im Flugsamen gemacht. Dann sind wir was losgedüst. Nachdem die Abendessenvorbereitungen abgeschlossen waren, habe ich mir ein gutes Stündchen Sonne im wild umher fliegenden Pollen gegönnt, Frau Holle lässt grüßen, ich sehe aus wie gefedert, nicht nur der Zauber tat gut, auch dass ich dieses Jahr mitten in dem Pollen sitze und nicht darauf reagiere, dazu habe ich die fleißigen Hummeln beobachtet und das prächtige brummen verfolgt.

    Gleich bereite ich noch was vor, denn die Gäste erwartet ein üppiger lustiger Salat, eine butterweiche Lammschulter die in einem Pfund verschiedener Kräuter, Avocado, Papaya und den üblichen Gemüsezutaten gegart ist, frischen Spinat und Brenneselgemüse sowie einer Mischung aus Bulgur und Nacktgerste. Zum Abschluss zwei Scheiben der steifen Fruchtmischung mit Sahne und einer Birnbaumblüte.

    Beim Essen ist dann noch hier und da was zu klären, denn meine Genstrukturen und die meiner 1. Frau haben sich hier und dort auf die Kinder übertragen, ist ja nicht schlecht, aber so wie ich an mir arbeiten kann, können meine Jungs vielleicht schon 30 Jahre früher vollwertiger Leben. Eines ist gewiss: unseren Erbschrott haben sie bereits in den Genen, da können sie nur vorbeugen, aber an ihrem Hirnschrott, den sie von uns und der Umwelt übernommen haben, können sie etwas tun, wenn sie wissen.

    Damit so etwas ungestört aufschreiben kann, natürlich mehr als hier, nachlesen und nacharbeiten kann, wenn es nicht so rund in mir ist, bin ich auch in der geschlossenen Abteilung.

    Ach übrigens, vor 2 oder 3 Jahren, da habe ich die Kinder Sonntags schon mal immer öfter angerufen und erklärt, dass ich nicht könne, nicht mitfahren kann, erkältet bin, überarbeitet, noch zu tun habe, denn mit Restalkohol wäre ich nie auf ein Motorrad, der konnte sich damals Sonntags schon bis Mittags breit machen.

    LG Kaltblut , aus einem ganz normalen Sonntag.

    @käferchen: danke für Deine Worte

    Sie standen dar und fragten sich warum und nur einer meinte: warum nicht.

  • Zitat

    schreiben und lesen haben heilende Wirkung und helfen Veränderungen herbeizuführen, darauf kommt es an.

    Stimmt, das durfte ich hier schon feststellen.

    Zitat

    Wozu ich meiner Frau dankbar bin? Ohne die Krankheit meiner Frau wäre ich nicht hier gelandet. Erfahrungen hier im Forum, dazu der Therapeut und die reale SHG haben mich erkennen lassen, was in meiner Birne alles falsch lief. Das war mein Ding, aber der Auslöser war das Erkennen der Symptome durch und mit meiner Frau und die Ursachen zu finden. Dafür bin ich ihr dankbar, für die wunderbaren schönen Jahre natürlich auch.

    Kaltblut, ich finde es gut, dass Du nicht nur Symtome kurieren wolltest, sondern mit Hilfe Deiner Frau die Ursachen für Dein Denken und Fühlen, gefunden hast. Dafür kannst Du dankbar sein, jetzt verstehe ich Deine Aussage besser, danke Dir.


    Zitat

    Klar glaube ich an die Liebe. Sie ist für mich heute etwas anderes als damals. Ich glaube an die grundlose Liebe. Ich kann mir nicht vorstellen, daß ich mich nochmals so abgeben werde wie damals. Wenn sich zwei Menschen auf einer Augenhöhe begegnen, glaube ich fest daran, daß sich etwas Grundloses prächtig entwickeln kann. Dabei wird mein Alter keine Rolle spielen. Das kann morgen oder mit 82 Jahren sein.

    Das freut mich, dass Du den Glauben an die Liebe nicht verloren hast. ja es gibt sie die bedingungslose Liebe, Alter spielt dabei wirklich keine Rolle.


    Zitat


    Unsere Kinder? Der liebe Gott wollte uns kein Kind mehr schenken, das hat er gut gemacht. Meine Jungs waren glücklich wenn ich strahlte, ich strahlte ja oft. Sie lebten ja nicht mit uns, schaden werden sie nicht genommen haben. Ob sie Schaden durch mein Verhalten während ihrer Kindheit genommen haben wird sich zeigen. Die Tochter meiner Frau hat Schaden genommen, was aus ihr wird kann ich Dir nicht mehr sagen.

    Wir bekamen neun Jahre keine Kinder, erst als ich mich der Liebe (hier meine ich die bedingungslose Liebe), öffnen konnte, ihr vertrauen, wurde ich 4 Wochen später schwanger. Der liebe Gott ist es nicht gewesen, dass ich nicht schwanger werden durfte, sondern eher meine Kindheit in einer Suchtfamilie, gerade wenn die Mutter Alkoholikerin ist, ist es für Töchter schwer ihre Weiblichkeit und ihren Körper zu akzeptieren. Durch die Aufarbeitung meiner Kindheit mit einem Therapeuten kam ich mir, meinem Selbstwert und meinem Frau-Sein näher. ZU diesem Drama kam bei mir noch die religiöse Aufarbeitung dazu, (Trauma für mich gewesen). Hier konnte ich viel von Eugen Drewermanns Aussagen und Auslegungen profitieren und heilen.

    Letzte Woche habe ich in der Psychologie-Heute, Mai-Ausgabe, einen Artikel gelesen, dass Frauen nicht schwanger werden können oder Fehlgeburten erleiden, da ihr Körper sich weigert, obwohl sie sich vom Kopf her nichts mehr, als ein Kind wünschen, oftmals ist ein generationenübergreifendes Trauma mit ausschlaggebend dafür. Im EKA-Bereich haben wir dieses Thema ausführlicher behandelt. Zwei Generationen sich rückwärts anzusehen schadet nicht, hilft mir nur besser meine verinnerlichten Verhaltensweisen zu sortieren und gegebenfalls rauszuschmeissen, da sie nicht mein Eigenes sind. Sie eher meiner Selbstliebe schaden als dem mitmenschlichem und einfühlsamen Leben behilflich sind.


    Zitat

    Weitsicht, ich weiß nicht wer welche Gefühle von wem übernimmt, aber ich weiß, dass ich mir an meinen Hintern packen kann, ich bin für mich da. Jeder kann aus ihm unbekannten Gründen von heute auf morgen irgendetwas bekommen und hat keine Ahnung, was er dagegen tun kann. Wir sind hier als Alkoholiker und Coabhängige, das sind kleine Päckchen vom Ganzen, viele haben ganze Frachtzentren im Gepäck. Wer ist denn der Süchtige, der der offensichtlich säuft oder co ist

    Liebes Kaltblut, das weiss ich, dass ich Selbstverantwortung für mich übernehmen sollte. Als EKA haben wir viel zu früh Verantwortung übernehmen müssen, um unsere trinkenden Elternteile zu schonen und damit die Familie so einigermassen funktionieren konnte.

    Ich wusste früh, dass ich anders war, als andere Kinder, obwohl es damals üblich war, dass Kinder körperlichem (Schläge) und emotionalem Missbrauch von Eltern, Lehrer und Pfarrer ausgesetzt waren.

    Hier diesen Kreis von Gewalt in der Familie, Schule und Kirche zu stoppen, bin ich den Menschen in den 70- er Jahren sehr, sehr dankbar, die auf die Strasse gingen und auf diese Missstände aufmerksam machten.

    Erst durch diese Menschen konnte unsere Nazi-Vergangenheit aufgearbeitet und hingesehen werden, was der Krieg und die damalige Diktatur mit den Menschen unmenschliches anrichtete. Es sind unsere Eltern- und Grosseltern gewesen, die ihre erlebten Traumas an uns und unsere Kinder, auch unbewusst weitergeben.

    Kaltblut ist etwas viel geworden, ich komme auf Deinen ersten Satz zurück: Schreiben und lesen haben heilende Wirkung und helfen Veränderungen herbeizuführen, darauf kommt es an.


    So ist es und ich danke Karsten und seinem Team, dass wir hier die Möglichkeit haben, uns über die Folgeschäden von Süchten in Familien, auszutauschen, Gleichgesinnte hier antreffen können, sowie Menschen die ähnliches in ihrer Kindheit erleiden mussten, da sie Kinder und hilflos waren.

    Alles Liebe Weitsicht

    PS schreibe noch an Käferchen und gehe wieder in meinen Bereich zurück.

  • Zitat

    Als ich gestern die Worte von Weitsicht las, habe ich lange nachgedacht, warum wir dankbar sein können.hmmm, und heut nacht fühlte ich dann den für mich wichtigen Gedanken:

    Ich konnte durch die Erkenntnis, daß ich ein Kind einer kranken, süchtigen Familie bin, mir immer wieder abhängige Menschen an meine Seite holte, selbst süchtig wurde, dieses Forum finden, an mir ganz hart Arbeiten. Aber nicht das Forum allein war es, das meine Dankbarkeit hervorrief. Nein, das Resultat, daß ich durch diese harte Arbeit an mir endlich die Opferstellung aufgeben konnte, ein armes, ungeliebtes Kind zu sein, das ist es, was bei mir die Dankbarkeit fühlen läßt.

    Liebes Käferchen,

    diese Aussage verstehe ich nicht.

    Na klar waren wir EKA`s arme oft ungeliebte Kinder, die körperlichen und emotionalem Missbrauch ausgesetzt waren. Wieso kann ich das nicht EINDEUTIG HÖREN. Wenn Selbstliebe bei unseren Eltern vorhanden gewesen wäre, hätten sie sich mit Alkohol oder Tabletten nicht betäuben müssen.

    Wenn Dein Selbstwert und Deine Selbstliebe in Deiner Kindheit gefördert und Dir von Deinen Eltern vorgelebt worden wäre, hättest Du Dir keine suchtkranken Männer ausgesucht, um diese von ihrer Sucht retten zu wollen.

    Ich sollte sehen dürfen, dass ich ein Opfer meiner Eltern, Lehrer und Pfarrer gewesen bin, da sie sich ihr Opfer-Sein nicht ansehen wollten (4.Gebot) und ihre erfahrene Erziehung und ihre Ängste (vor Gott) an uns Kinder lieber weitergaben, anstatt sich ihre Eltern und deren Erziehung mal genauer anzusehen.

    Wer Opfer gewesen ist, wird meist zum Täter, deswegen bin ich dankbar, dass ich rechtzeitig mit meinem Therapeuten wach wurde und merken durfte, was mir an Unrecht so alles geschah.

    Brauchte aus diesen Gründen, meine Erziehung, meinen Kindern nicht weiterzugeben. Besonders wenn nichts aufgearbeitet wurde, gibt Frau/Mann in Stress-Situationen an Kinder weiter (eigenen körperlichen und emotionalen Missbrauch, liebloses Verhalten), obwohl sie es vom Kopf her nicht wollen.

    Und wenn ich ihnen wirklich mal Unrecht antat, konnte ich es erkennen, oder meine Kinder machten mich darauf aufmerksam, eine Entschuldigung meinerseits fiel mir hier nicht schwer, natürlich mit dem Versprechen mich in ZUkunft, bewusster in Situationen die auch mal brenzlig werden konnten, zu verhalten.

    Dankbar bin ich Menschen, die die Folgeschäden für Kinder in Suchtfamilien aufgezeigt haben, damit wir EKA`s unser Denken und Fühlen besser verstehen konnten/können.

    Endlich anfangen dürfen meinen Selbstwert und Selbstliebe mit oder ohne Therapeuten (kommt auf die Erlebnisse an) finden zu können und zu leben. Denn bei EKA`s sitzt vieles tief und im Unbewussten, da sie sich früh von ihren Gefühlen trennen mussten, um diese Sch...... zu überstehen.


    Zitat


    Nur darauf kommt es doch an, im JETZT und HIER leben zu lernen.Klappt nicht immer, aber immer öfter.

    Liebes Käferchen,

    dazu gehörte für mich, mir meine Vergangenheit (Erziehung: Elternhaus und Kirche)ansehen zu wollen, die eigenen Wurzeln zu sehen, woher ich komme und was mich geprägt hat, um loslassen zu können, um mich selbstbewusst und aufrecht dem Himmel entgegenwachsen lassen zu können.

    Am wachsen bin ich täglich, bin nicht alleine, fühle mich mit meiner Spiritualität und Meditationen gut begleitet. Ansonsten hätte meine Angstneurose nicht ausheilen können.

    Diese Arbeit an mir selbst, war Schwerstarbeit, ist es teilweise heute noch, deswegen bin ich dankbar für die Menschen hier im Forum, die offen ihre Geschichte mit mir teilen.

    Bin dankbar Karsten und den Moderatoren, die diesen Austausch, erst ermöglichen.


    Alles Liebe Weitsicht

  • Liebe Weitsicht,

    um nur ganz kurz noch in kaltbluts Thread zu antworten, werde ich diese Antwort von Dir mal zu Dir kopieren und dort antworten, ja?

    Lieben Gruß

    S.Käferchen

  • Hallo Weitsicht,

    schön, dass es Dich gibt und hier so viel kraftvolle Zeilen zusammengetragen wurden, danke. Bei Euch großen Kinderchen muss ich erstmal paar Gänge runterschalten, was bei Euch alles steht ist ja nicht so einfach zu lesen, zu verarbeiten und aufzunehmen, da lese ich gerne langsam und vieles mehrfach, da kann ich nicht einfach mal drüber zu huschen, was in einem ganzen Leben entstanden ist.

    Zurück zum Danke. Warum ich meiner Frau noch dankbar bin. Ich bin mir heute keinem belastendem, körperlichen Missbrauch bewusst, auch keinem seelischen, als Individuum wurde ich mit allen Dingen ausgestattet um zu leben, als Kind, bis heute als Kerl. Klar habe ich mal den Arsch versohlt bekommen, wurde bestraft oder sollte ins Internat abgeschoben werden, dass sehe ich nicht mehr als belastend an. Großmutter hatte die bei meinen älteren Nachkriegsgeschwistern eingesetzten Züchtigungsinstrumente schon lange entsorgt. Das was nicht stimmte wurde aufgearbeitet, hier.

    Vielleicht hätte ich schon vor 10 oder 20 Jahren auf das Forum stoßen sollen, aber das gab es ja da noch nicht und ich war noch nicht bereit dazu. Ich lebe im Paradies. Während meiner Lebenszeit gab es keinen Krieg, keine Not, keinen Zwang, keine Unterdrückung die ich nicht selbst erzeugt habe und ich durfte mich entwickeln wie ich dachte dass es gut sei für mich. Dabei lief verschiedenes falsch, körperlich, geistig, seelisch, wie bei anderen auch, trotzdem bin ich mit 50 an einem heilenden Punkt angelangt, ich für mich und ich tue mir gut, immer besser. Wenn ich heute zurückblicke, dann darf ich für mich durchaus festhalten, dass viel Sabber- und Laberzeit verging, bis ich mir selbst den Mund abputzen konnte und das Lätzchen beiseite legte.

    Wir sind 5 Kinder, mit Wurfschüben, dass wir eigentlich Einzelkinder in einer großen Familie sind. Eigentlich gut bis besser gestellte Kinder, einer sogar was mehr wert, das ist mir am Allerwertesten. Alle haben wir einen weg, fünf Cos, drei Alkoholiker und die Mehrfachsüchte kenne ich von den Geschwistern jetzt nicht alle so genau. Ich kenne kaum suchfreie Menschen, dafür aber viele die nicht wissen wie sie am Tropf der verquerten Gedanken, Mittel und Gewohnheiten hängen.

    In dem Maße wie die Muster erkennbar, die Strukturen, die Symptome und Ursachen sichtbar werden, kann ich erlernen damit umzugehen und beginnen zu leben, anders umzugehen mit mir, anders zu leben mit mir, anders mit meinem Umfeld, meinen Kindern, meiner Familie, meinen Freunden und meinem Job, vielleicht auch mit einer Partnerin.
    Manche Menschen haben fast alles gemacht und erlebt, aber ihr Schlabberlätzchen nie abgelegt. Ich möchte noch viel mitnehmen und noch einiges weitergeben. Ich habe ja gerade erst angefangen zu lernen und mitzunehmen, ist doch klasse, mein Leben, für mich. Ich bin meiner Mutter und meinem Vater dankbar, dass sie mich gezeugt haben, ich wäre sonst nicht hier und würde mich nicht über die klasse Texte und Antworten in Deinem Thread freuen.

    Meiner Frau bleibe ich auch dankbar, denn wir wussten nicht was wir taten. Nichts was in meiner Ehe passierte geschah mit bewusster Boshaftigkeit und das was böse war, haben wir nicht anders gewusst. Es hilft mir nicht wirklich zu wissen wer Opfer und Täter ist, es ist heute nicht mehr wichtig.

    Den Rest kann ich richten oder die Natur macht es einfach so.
    Als ich hier anfing zu schreiben. Da habe ich gelegentlich mal gekotzt, gekribbelt oder überreizt den PC ausgemacht, weil ich akzeptieren musste, dass auch mit mir etwas viel nicht stimmte. Es ist besser geworden. Heute darf ich einige Muster erkennen, durchbrechen, verarbeiten, ändern, bei mir, in meiner Familie, bei meinen Geschwistern, meinen Kids, in meinem Job, bei meinen Freunden und Bekannten, ich für mich.

    Manchmal weiß ich noch nicht was ich mit den vielen neuen Eindrücken anfangen soll, wie ich reagieren und agieren soll, dabei hilft mir wieder Mutter Natur, ich bin ein Teil von ihr. Mir ist heute Augenhöhe wichtig. Als ich noch mehr mit meinen Testosteronschüben dachte, da hätte ich das nicht bedenken können. Heute geht das. Mit meiner Frau ging das nicht mehr. Dabei war es unwichtig wer auf dem hohen Ross saß. Wir haben aneinander vorbei gesehen. Manche Menschen haben mit mir jetzt Probleme, es sind ihre, nicht meine, dann gehen sie halt aus meinem Leben, denn sie gehören dann nicht dahin.

    Zitat von Weitsicht

    VERSUCHE NICHT ETWAS BEI "ANDEREN" IN ORDNUNG ZU BRINGEN, SONDERN SEI EINFACH DA !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

    Als ich schon eine Weile hier war, konnte ich mit Egoismus nicht viel anfangen und irgendwann war auch meine Frau nicht nur egoistisch, sie hatte für mich eine narzisstische Persönlichkeitsstörung. Für mich- und das war anmaßendes Unrecht. Heute gibt es sogar Menschen, die halten mich für egoistisch bis hin zu narzisstisch gestört, denn sie akzeptieren nicht das andere ein Recht darauf haben sich zum Anderssein zu entwickeln, hm, dabei fühle ich mich gesund und munter wie ein Karpfen im Teich. Wie auch immer, heute kann ich gut ohne andere leben, mich. Ich kann diese Menschen nicht bedauern oder belehren oder um Verständnis bitten, sie sind zu diesem Zeitpunkt eben anders und passen nicht zu mir.

    Warum ich ihr dankbar bin, hm, vielleicht hab ich etwas dazu beigetragen, dass sie trocken wurde, vielleicht haben wir in unserer gemeinsamen Zeit auch viel Mist gebaut, in dem sie mich unbewußt als absicherndes Auffangbecken für ihre verkorksten Jahre benutze und ich sie als mein Mülleimer für unbefriedigte Gefühle, wir hatten uns gesucht und gefunden. Tatsache bleibt für mich, dass die Umstrukturierung meiner Denke ohne die gemeinsam gemachten Erfahrungen nicht vorstellbar ist, also ich bin dankbar hautnah von meiner Ehefrau instinktiv darauf gestoßen worden zu sein.

    Du könntest es auch so bezeichnen: ich hab sie aus dem Mist gezogen, damit sie mich aus dem Mist holte. Heute kann ich ihr die Dinge verzeihen, die sie mir nicht angetan hat. Ich habe auch oft gehofft, dass sie mir einmal dankt oder sich entschuldigt oder an Märchen geglaubt. Heute fühle ich, dass alles dazu gehörte, dass unser unpässliches Verhalten mir half nicht rückfällig zu werden. Alles Andere hätte nur zu einem vorzeitigen Aufquellen alter unbehandelter Gefühle geführt. Heute kann ich gut damit leben, wenn andere mich für anders halten und Probleme mit mir haben, das sind jetzt deren, nicht mehr meine.

    ..und da sind meine 2 erwachsenen Jungs, zu denen auch in angespannten Situationen ein gutes Verhältnis besteht, denn ich bin da, ich muss nichts in Ordnung bringen.

    ..und gelegentlich lache ich in mich hinein, wenn ich lese: meine Co ist weg, ich bin geheilt. Ich gebe meine Co-Abhängigkeit heute nicht mehr ab, wir mögen uns, denn nur wenn wir uns vertrauensvoll im Auge behalten, verlernen wir nicht das eine vom anderen zu unterscheiden.

    LG Kaltblut

    NS: Co-Abhängigkeit, ist für mich ein missbrauchtes Wort. Der Co-Abhängige versteckt sich oft hinter dem breiten Mäntelchen seiner Abhängigkeiten und stopft sich unentwegt die Taschen mit Gründen voll.

    Sie standen dar und fragten sich warum und nur einer meinte: warum nicht.

  • Zitat von kaltblut

    NS: Co-Abhängigkeit, ist für mich ein missbrauchtes Wort. Der Co-Abhängige versteckt sich oft hinter dem breiten Mäntelchen seiner Abhängigkeiten und stopft sich unentwegt die Taschen mit Gründen voll.

    Das finde ich interessant! Magst Du mehr dazu schreiben? Würde mich interessieren... :)

    LG vom Möhrchen
    Ps.: War heut beim Theatersport, war aber lahm.

    Das Leben ist Widerspruch: Das eine ist und das andere auch.

  • Hallo Kaltblut,

    ich bin zwar Alkoholikerin, doch da ich einige der Co-Abhängigen im Chat kennengelernt habe, lese ich ab zu und auch hier.

    Nun versuche ich ja, diese Probleme und vor allem die Bearbeitung derselben auch zu verstehen, doch das gelang mir bis jetzt bei nicht allzu vielen hier.

    Nun habe ich folgende Aussage von Dir gelesen

    Zitat

    Co-Abhängigkeit, ist für mich ein missbrauchtes Wort. Der Co-Abhängige versteckt sich oft hinter dem breiten Mäntelchen seiner Abhängigkeiten und stopft sich unentwegt die Taschen mit Gründen voll.

    Nun wird mir so einiges klarer.

    Liebe Grüsse
    Alpenrose

    P.S. Sollte vielleicht noch dazu sagen, dass ich persönlich Dinge, die ich angehe, sehr konsequent umzusetzen versuche.

  • Hallo!

    Zitat

    Es hilft mir nicht wirklich zu wissen wer Opfer und Täter ist, es ist heute nicht mehr wichtig.

    Ganz genau! Das hilft weiter!So kannst Du Deinen Weg weiter gehen.

    Ich finde es sehr,sehr gut wie Du alles aufarbeitest.
    Danke,dass Du uns daran teilhaben lässt!

    Liebe Grüsse
    Yvonne

    ichbinda123

  • Guten Morgen!

    Danke, auch von mir, für deinen letzten Beitrag.
    In manchen Sätzen kann ich mich schon finden :
    "anders mit mir umzugehen, mit anderen, meinem Umfeld, meinen Kindern, meiner Familie, meinen Freunden, meinem Job,...."
    In manchem bin ich leider noch teilweise entfernt:
    "das Schlabberlätzchen" habe ich, denke ich, noch umhängen.
    Vielleicht angepappt vom Sabber?

    Aber einen Teil deiner Gelassenheit fühle ich auch schon in mir.
    Darüber bin ich sehr froh und dir auch dankbar, denn dein Vorbild zieht sich für mich hier durchs Forum.

    Alles Gute für dich und deinen Weg und liebe Grüße, Gotti.

    Wende dein Gesicht der Sonne zu, dann fallen die Schatten hinter dich.

  • Klingt vielleicht jetzt ein bisschen verwirrt, aber "als Co- abhängige habe ich noch ganz schön viel Ramsch in meinen Taschen".
    Muss dringend wieder ausräumen. :wink:
    Nächste Wo. gehts wieder zur Thera!

    Wende dein Gesicht der Sonne zu, dann fallen die Schatten hinter dich.

  • Hallo Kaltblüter,

    ich mache mir schon seit einer Weile Gedanken über den Begriff "Co-Abhängikeit".

    Ich sehe die Gefahr, sich selbst allzu leichtfertig den Stempel "Co" zack auf's Hirn zu brennen und damit all seine Unzulänglichkeiten zu rechtfertigen.
    Ich hab da ein Problem?
    Kein Wunder, ich bin ja CO.
    Damit komm ich nicht klar?
    Muss ich auch nicht, ich bin ja Co.
    K.O.-Schlag, immer schön auf's eigene Hirn.
    In meinem TB beschrieb ich gestern ein typsches Verhalten meines Mannes, das während dessen Nass-Phase stattfand und dazu meine eigene typische Reaktion.
    Und mein Schluss-Urteil war:
    Co-Abhängig.
    Lobanshee hat mich mit einer nüchternen Bemerkung wieder zurechtgerückt. Sie schrieb sinngemäss:
    Das nennt man co-abhängig? Ich nenne es normal.

    Äh, stimmt eigentlich.

    Vielleicht ist so manche Reaktion, so manches Verhalten Angehöriger garnicht so krank? Sondern natürlich???
    Weil das Nervenkostüm mit der Zeit einfach drastisch ins Wackeln gerät...
    Natürlicherweise.

    Co-Abhängigkeit ist eine Krankheit. Klar. Aber nicht jedes verquere Verhalten, nicht jede verzweifelte Reaktion, nicht alles ist co-abhängig.
    Ein Leben mit einem trinkenden Partner macht krank.
    Auch ein gesunder Menasch kann sich meiner Meinung nach in einen Suchtkranken Menschen verlieben. Er wird sich halt schneller lösen, als ein co-Abhängiger Mensch.
    Aber wenn ich mir die Taschen mit Gründen volllade, wie du es so schön beschreibst, und mir diesen Stempel aufs Hirn brenne, mach ich mir das Leben viel schwerer, als nötig.
    Jeder hat zu jeder Zeit, die Möglichkeit sich zu ändern. Schritt für Schritt. Der eine schneller, der andere langsamer.
    Keiner muss ein Leben lang mit diesem Stempel auf dem Hirn rumlaufen.

    Nur, wenn man sich nicht irgendwann befreit, geht man unter. Wird man kränker. Bleibt man krank.
    Um sich zu lösen, braucht es (ich zitiere ein ehemaliges Forenmitglied):

    Hinschauen.
    Erkennen.
    Umsetzen.

    Nicht mehr und nicht weniger.

    Lebenslanges Rumeiern, mit Taschen voller Gründen, mit dem Stempel "Co-Abhängig, weil...." auf'm Hirn bringt einen nicht weiter.

    Ich hab das Gefühl, dass ich mit dem Voranschreiten des Absturzes meines Mannes immer gesünder geworden bin!!! Mein Selbsterhalteungstrieb hat so laut geschrien, dass die Buchstaben auf dem Hirn ganz shön durcheinanderpurzelten.
    Ich war fertig, am Ende, ausgezehrt, mit den Nerven am Ende.
    Aber die innere Thelma hat laut geschrien:

    STOPP!!!

    Hinschauen.
    Erkennen.
    Umsetzen.

    Mein Hirngewurstel loslassen!
    Gründe wegwerfen.
    Tun.
    Leben.

    Es ist nicht so schwer.
    Schwer macht man es sich durch den Stempel.

    Meine Gedanken zum Thema

    LG

    Thelma

  • Das finde ich sehr gut das das Thema hier mal richtig diskutiert wird. Hatte vor einiger Zeit auch mal versucht da was anzustoßen. Meiner Meinung nach ist der Begriff fast Inflationär. Für mich hat sich das Cosein auf hauptsächlich einen wichtigen Satz reduziert: Cosein heißt sich von anderen Abhängig zu machen (auch im fühlen). Die Liste ist natürlich länger... das meiste konnte ich raltiv schnell "korrigieren". Doch gibt es eben auch alte Muster die Mensch nicht eindeutig zuordnen kann aber gut unter den Begriff Co passen (dieses überkümmern und Kontrollieren z.B.) ... Ich mochte da für mich persönlich den Begriff Beziehungsabhängig lieber, doch so richtig trifft dieses es auch nicht.
    Manchmal ist es wichtig Namen für die Dinge zu finden um Sie zu fassen... und das ist wichtig wenn Mensch mit einem Abhängigen lebt. Denn wenn ich die Dinge zu fassen bekomme kann ich Sie auch loslassen. Benennen, sich zu eigen machen ist für mich eine wichtige Vorraussetzung um loszulassen.
    So heiligt vielleicht auch das Mittel die Wahl...oder wie heißt es?

    Liebe Grüße und einen schönen Tag wünscht das Frischgemüse :wink:

    Das Leben ist Widerspruch: Das eine ist und das andere auch.

  • Hi Raspel-Karolin,

    gerne: inflationär, das ist ein passender Begriff, so wie Neurodermitis oder Allergie für anderes, jeder scheint sich heute zu holen was er braucht. Obwohl viele Menschen wissen was sie zu tun haben, was ihnen gut tut, was ihnen hilft, ziehen sie es vor nichts zu verändern und suchen Gründe für die Gründe der Gründe, die eventuell und vielleicht mit der Ursache verknüpft sind, aber nichts ändern. Die Änderung liegt in mir, nur in mir, nicht im Außen, nicht in Gründen, nicht bei meinen Eltern, obwohl auf sie vieles zurückzuführen ist, nicht bei meiner Frau, obwohl ich wegen ihr hier landete.

    Natürlich tut es weh, wenn ich hier ankomme, endlich Menschen treffe die mich verstehen, die wie ich fühlen, endlich meinen Frust loswerden darf, um festzustellen das weder der Alkoholkranke noch die Gründe, Symptome und Ursachen, etwas dafür können, sondern nur ich.

    Im Heute leben, heißt nicht im Müll des Gestern, nicht im vernebelten Morgen. Nicht bewerten heißt keine Gründe suchen, d. h.: jetzt grundloses Tun.

    Daran arbeite ich jetzt. Es ist richtig, dass es eine Zeit gab, wo ich nicht wusste und später nicht wahrhaben wollte, dass nur ich es bin, dem diese Erkenntnisse weh tun und nichts ändern konnte, ne, nichts ändern können wollte. Dafür durfte ich viele Ehrenrunden machen. Es gibt viele Menschen, auch hier, die es vorziehen Ehrenrunden zu drehen, einige bis in die Kiste. Dann wird ihr weites, voll gestopftes Mäntelchen über dem Sarg ausgebreitet und sie wundern sich, dass keiner den Schlabbersack tragen will.

    Als ich gestern zum Jahrescheck beim Arzt war und gleich an Rezeption saß, durfte ich an diesem wundersamen Erlebnis teilhaben, wie die Patienten reihenweise antrabten und sich wie im Discounter verhielten: verschreiben sie mir das und dieses, ich brauche was gegen und für und über, ein Päckchen Gesundheit, ein wenig gegen die Krankheit. Alles mit einer Selbstverständlichkeit- und Gelassenheit, als wäre es ein Stück angeborener Alltag.

    Ich bin nicht Co-Abhängig auf die Welt gekommen, meine Mutter hatte auch keinen Schabau in der Muttermilch, ich wurde nicht zur Kinderarbeit verpflichtet, bekam keinen Tabak ins Essen, wurde nicht gemästet oder verdörrt, lebte weder im Fernseher, noch war eine Spielkonsole(editS:Käferchen :wink: ) in meinem Bett, geschweige ein PC im Kinderwagen. Es ist mein Kopf er sich in Gedanken lullt, mein Arsch der auf einem Sessel klebt und sich nicht bewegt, mein Körper, der sich voll sabbert und vor sich hin gammelt und bereitwillig sein Hirn öffnet um sich zu müllen zu lassen. Es ist doch interessant, dass es unzählige Krankheiten gibt, eine nach der anderen oder viele zusammen, aber kein Mensch kann Gesundheiten haben. Ich trage meine Gesundheiten jetzt offen in mir. Ups, ob das jetzt Ärger gibt, vielleicht ist der Name „Gesundheiten“ ja geschützt, damit ihn keiner benutzen darf.

    In dem Maße, wie ich bei mir entmülle, weglasse, loslasse, werde ich frei für Veränderungen.

    Spediert: jetzt unbewertet grundlos leben.

    Alpenrose : hihi, mir wurde anfangs gesagt: du kannst einen Alkoholiker nicht verstehen. Ich bin Alkoholiker, dankbar dass ich das herausgefunden habe und dass ich es bin, sonst hätte ich mich nie verstehen können. Ich reiche mir, die anderen muss ich nicht mehr verstehen, zumal wir für mich abgesehen vom Feintuning und Gründe suchen gleich sind. Als Alkoholiker gibt es eine klare Linie: nicht saufen sonst tot. Bei Coabhängigen ist das oft anders: erst mehrere Tode sterben bevor es vorbei ist. Danke, dass Du mal vorbeischaust.

    Gotti : schön Dich zu lesen. Wenn ich in der SHG, hier in der Geschlossenen und Offenen oder im Leben die Menschen betrachte, dann sind die, die konsequent verändern und weglassen die, die ein zufriedenes, meist gesundes Leben führen. Thera ist gut, die Monats- oder Quartalsbesuche möchte ich nicht mehr missen, das ist eine feste Einrichtung geworden.

    @Thelma: da triffst Du einen Nagel im Kopf, Lobanshee weiß was sie sagt und es tut gut bei Euch zu lesen. Es tut gut die Normalitäten zu verschieben, denn wer will schon unnormal sein und mit Stempel rum laufen. Die Allgemeinheit legt die Normalität fest. Meine ist das nicht mehr, meine finde ich in der Natur. Da wächst jede Menge Unkraut und- das gehört dazu, ich muss es ja nicht essen, aber es hat seinen Platz im Garten, da kann ich noch so viel zupfen und sprühen und brennen und vergenen. Eigentlich bin ich Unkraut für die Gesellschaft, denn ich arbeite an meiner Gesundheit, an meinen Gesundheiten, die es so gar nicht gibt. Das ist gar nicht so schwer, genau wie Du schreibst: wir machen es so schwer.


    LG Kaltblut

    Sie standen dar und fragten sich warum und nur einer meinte: warum nicht.

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