orangeblau - Partner Alkoholiker oder bilde ich es mir nur ein

  • Ich habe eben deinen Faden quer gelesen und bin daran hängengeblieben. Ist von 2022.

    Das hier von heute:

    Du bist im gleichen Thema mit denselben kreisenden Gedanken, obwohl du heute, 4 Jahre später, ähnliche Antworten wie damals bekommst. Was genau erhoffst du dir??


    Wow danke!

    Das ist mir gar nicht aufgefallen, dass ich damals exakt die gleiche Reue hatte.

    Ist so wie ein nicht-wahr-haben-wollen der Realität oder eben wie vorher schon geschrieben Schuldgefühle mit meinem „Verdacht“ alles kaputt gemacht zu haben.

    Auch ein starkes Bedürfnis die Harmonie aufrecht zu erhalten, die heile Welt festzuhalten, an meiner Illusion der Perfekten Welt/Beziehung festzuhalten.
    Die Entdeckung dass der Partner/der Mann in den Mann sich verliebt hat so ein Problem hat, stellt natürlich alles auf den Kopf.


    Mein Exmann hat immer aggressiv reagiert, wenn ich meinen Verdacht angesprochen habe, der zweite Typ hat mit Rückzug reagiert.
    Beides zerstört natürlich meine Vorstellung und mein Wunsch nach Beziehung und echter Nähe und tut weh. Im Prinzip wünsche ich mir, dass man offen und ehrlich zu mir ist, auf Augenhöhe bleibt. Retten geht nicht, aber unterstützen würde ich gerne.

    2 Mal editiert, zuletzt von orangeblau (15. Mai 2026 um 00:08)

  • Ich würde also nicht sagen, dass es bei mir ein „Retten wollen“ ist, sondern eher ein „Nicht wahrhaben wollen“ und große Enttäuschung/großer Schmerz, dass man anscheinend kein Vertrauen zu mir hat und offen und ehrlich mit mir spricht.


    Als ich nämlich beim Exmann dann wirklich sicher war, dass meine Vorstellung von heiler Welt nicht ist und er absolut nicht bereit ist mir zu Vertrauen und ehrlich zu ihr zu sein, konnte ich mich trennen.

    Einmal editiert, zuletzt von orangeblau (15. Mai 2026 um 00:11)

  • Ich frage mich nur, ob genau das nicht oft auch das Co-Muster verstärkt. Dieses Bedürfnis, einem Alkoholiker helfen, ihn verstehen oder vielleicht sogar retten zu wollen. Ich habe über die Jahre zumindest oft den Eindruck bekommen, dass Co-Abhängige selten aus reiner Logik bleiben.

    Eher wegen Gefühl. Und Gefühl ist manchmal stärker als jeder Verstand, bis man irgendwann das eigene Muster erkennt. Oder sehe ich das zu einfach? Wenn ich das auf Alkoholiker übertrage, wirkt es für mich am Ende gar nicht so anders. Auch dort überlagern Gefühle, Illusionen und die Suchtmechanik oft die Realität. Beide Seiten hängen irgendwie in ihrem eigenen Muster fest. Der eine im Saufen, der andere im Retten.

    Und aus dem, was ich hier über viele Jahre gelesen und erlebt habe, sieht es für mich manchmal fast wie ein geschlossenes System aus. Der Alkoholiker dreht sich im Kreis seiner Sucht und der Co-Abhängige im Kreis seiner Gefühle. Und keiner kann den anderen dauerhaft retten.

    Deshalb wäre mein erster Gedanke oft. Erstmal bei sich selbst bleiben und die eigene Baustelle anschauen.


    Ich stimme zu, bin ein Gefühlsmensch gerade in Beziehungsdingen. Logisch betrachtet weiß ich, dass er nichts für mich ist, es 1000 Bessere gibt, aber das Gefühl sagt was anderes.


    Was ich nicht zutreffend finde, ist das „Retten wollen“, ich weiß, dass ich das nicht kann. Es ist eher ein Festhalten an der Illusion meiner perfekten Familie/Beziehung/Welt etc. die ich mir aufgebaut habe und es fällt mir schwer diese loszulassen.


    Loslassen ist sehr schwierig für mich, immer schon.
    Ich finde das oft sogar sehr erschreckend wie andere das so schnell können. Ich „hänge“ an den Menschen in meinem Leben und will sie in der Regel behalten. Dafür nehme ich auch ne Menge auf mich, übergehe gerne eigene Grenzen und Kapazitäten, hauptsache ich verliere die Person nicht, bin sehr loyal und zuverlässig, einmal im Herzen, immer im Herzen. Ich würde sagen auf mich kann man immer zählen, oft auch wenn es mir schon lange nicht mehr gut damit geht.


    2 Mal editiert, zuletzt von orangeblau (14. Mai 2026 um 23:50)

  • Ich „hänge“ an den Menschen in meinem Leben und will sie in der Regel behalten. Dafür nehme ich auch ne Menge auf mich, übergehe gerne eigene Grenzen und Kapazitäten, hauptsache ich verliere die Person nicht, bin sehr loyal und zuverlässig, einmal im Herzen, immer im Herzen. Ich würde sagen auf mich kann man immer zählen, oft auch wenn es mir schon lange nicht mehr gut damit geht.

    Dieser Absatz erdrückt mich schon fast beim Lesen, wenn ich Dein Partner wäre.

    Du bist genauso süchtig, wie der Alkoholiker nach seinem Stoff.
    Was musst Du erlebt haben, damit Du immer wieder dasselbe tust?

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    LG Tabsi, abstinent seit 27.04.2024

  • Dieser Absatz erdrückt mich schon fast beim Lesen, wenn ich Dein Partner wäre.

    Du bist genauso süchtig, wie der Alkoholiker nach seinem Stoff.
    Was musst Du erlebt haben, damit Du immer wieder dasselbe tust?


    Absicht ist es keine. Ich bin nicht bewusst so. Für mich waren es bisher immer positive Eigenschaften. Ich leide aber selbst darunter. Ich merke, dass ich an mir arbeiten will damit es mir nicht wieder passiert.

    Das ist wohl mein Muster.

  • Bin EKA. Allerdings schon über 30 Jahre trocken.

    Hab vermutlich in meiner Kindheit zu sehr verinnerlicht, dass sich alle um den Alkoholiker dreht, auch die ersten Jahre nach dem Entzug ist der Alloholiker sehr mit sich selbst beschäftigt, trocken zu bleiben, als Kind bloß keinen Stress verursachen, immer achtsam sein, immer brav sein, bloß keinen Rückfall provozieren, ständig Angst dass sie wieder krank werden könnte…Ich denke ihr versteht was ich meine. Das wichtigste war, dass sie trocken bleibt. Familienpriorität.

    Es kommt definitiv aus meiner Meinung Kindheit. Wird mir immer bewusster.

    Ihr habt ja keine Ahnung wie schockiert ich war, als ich damals entdeckt habe, dass mein Exmann ein Alkoholproblem hat. Im Nachhinein hatte er von Anfang an keinen gesunden Umgang. mir ist das jahrelang nicht aufgefallen, nicht mal drüber nachgedacht. War wie ein Deja-vu.


    Und nun eben schon wieder, aber immerhin habe ich nicht Jahre gebraucht um es „zu sehen“ sondern nur Monate….

    5 Mal editiert, zuletzt von orangeblau (15. Mai 2026 um 08:50)

  • Ich denke schon, dass ich als Kind unbeabsichtigt emotional stark vernachlässigt wurde. Meine Bedürfnisse standen nicht an erster Stelle. Rollentausch.

    Ich glaube, ich darf lernen mich und mein Wohl an erste Stelle zu setzen und dass ich mich nicht aufopfern muss um geliebt zu werden.

  • Forenleitung
    3. März 2009 um 11:52

    Hallo orangeblau,

    es macht etwas mit einem Kind, wenn es in einer Alkoholikerfamilie aufwächst. Viele werden später selbst suchtkrank oder werden co-abhängig - einfach weil sie das tief verinnerlichte Muster weiterführen.

    Aber als Erwachsene hat man die Chance sich aus dem kranken Muster raus zu entwickeln. Es geht, auch wenn es sich manchmal "falsch" anfühlt. Es ist nicht falsch sich abzugrenzen, es fühlt sich nur unbekannt und beängstigend an.

    Wenn du magst, schau mal oben den Thread durch, den wir EKA zusammengetragen haben. Er ist eine Art Textsammlung, und beim Lesen sind mir immer wieder Kronleuchter aufgegangen.

    Liebe Grüße, Linde

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Forenleitung
    3. März 2009 um 11:52

    Hallo orangeblau,

    es macht etwas mit einem Kind, wenn es in einer Alkoholikerfamilie aufwächst. Viele werden später selbst suchtkrank oder werden co-abhängig - einfach weil sie das tief verinnerlichte Muster weiterführen.

    Aber als Erwachsene hat man die Chance sich aus dem kranken Muster raus zu entwickeln. Es geht, auch wenn es sich manchmal "falsch" anfühlt. Es ist nicht falsch sich abzugrenzen, es fühlt sich nur unbekannt und beängstigend an.

    Wenn du magst, schau mal oben den Thread durch, den wir EKA zusammengetragen haben. Er ist eine Art Textsammlung, und beim Lesen sind mir immer wieder Kronleuchter aufgegangen.

    Liebe Grüße, Linde


    Dankeschön.
    Werde ich mir durchlesen.

    Ich möchte unbedingt aus meinem Muster raus.


    Das interessante ist, dass meine beiden Männer auch aus Alkoholiker-Familien kommen, also beide ebenfalls EKA. Es gab so viele Parallelen in den Familiengeschichten, man hat sich auf eine besondere Art verstanden und verbunden gefühlt. Ich denke schon, dass es den Männern da ähnlich ging.

    Beide wurden nun mal eben Alkoholiker und ich Co-Alkoholikerin. So erschreckend wie krass uns Mennschen die Kindheit prägt.

  • man hat sich auf eine besondere Art verstanden und verbunden gefühlt.

    Du hast dich auf eine besondere Art verstanden und verbunden gefühlt, oder? Verbunden mit dem suchtkranken System, aus dem du gekommen bist.

    Loyalität zur Familie ist tief verankert und hat ja ihre Berechtigung. Verstörend ist es aber, wenn Kinder in einem kranken Umfeld aufwachsen und als Erwachsene Loyalität zu einem Suchtkranken aufrechterhalten, selbst wenn sie darunter kaputt gehen.

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Du hast dich auf eine besondere Art verstanden und verbunden gefühlt, oder? Verbunden mit dem suchtkranken System, aus dem du gekommen bist.

    Loyalität zur Familie ist tief verankert und hat ja ihre Berechtigung. Verstörend ist es aber, wenn Kinder in einem kranken Umfeld aufwachsen und als Erwachsene Loyalität zu einem Suchtkranken aufrechterhalten, selbst wenn sie darunter kaputt gehen.


    Genauso ist es, leider.

    Ich gehe ja nicht raus und suche mir gezielt einen Alkoholiker. Das passiert unbewusst. Ich fühle mich hingezogen, eine Verbindung, ein Verständnis zu diesen Menschen, bevor ich überhaupt von den Problemen weiß.
    Als würde das Unterbewusstsein es schon vor meinem Bewusstsein wissen. Sei es Aussehen, Blick, Art ich weiß nicht was es ist.

    Wenn es mir dann bewusst geworden ist beide Male ein riesen Schock.

  • Du hast ja die Fähigkeit, das kranke Muster zu erkennen. Das kannst du künftig für dich nutzen. Es ist wie ein eingebautes Alarmsystem: Achtung, Abstand halten!

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Du hast ja die Fähigkeit, das kranke Muster zu erkennen. Das kannst du künftig für dich nutzen. Es ist wie ein eingebautes Alarmsystem: Achtung, Abstand halten!


    Genau.
    Vielleicht habe ich es ein zweites Mal gebraucht um meinen eigenen Anteil zu erkennen….Sehr schmerzhafte Erkenntnis, schäme mich auch sehr….


    Erstmal sowieso Fokus nur auf mich und grundsätzlich Abstand zu allen. Habe mittlerweile selbst Angst vor meinem Muster und dass es mir wieder passieren könnte, deswegen erstmal nur volle Konzentration auf mich und gar keine Männer.

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