Siri - Ein EKA sein – neu und ungewohnt

  • Hallo Siri,


    beim Lesen Deiner letzten Beiträge bin ich über Folgendes gestolpert:

    Ohne therapeutische Begleitung und ohne meinen Mann würde ich an eine rechtliche Betreuung übergeben.


    Aus eigener beruflicher Erfahrung (ich hatte einmal eine Zeitlang viel mit Personen, die an Formen von Schizophrenie leiden, zu tun) weiß ich, dass Angehörige mit der Übernahme der Betreuung nicht selten massiv überfordert sind. Es sind einfach zu viele Dinge zu regeln. Letztlich wurde regelmäßig die Übergabe an einen berufsmäßigen Betreuer empfohlen, der ja den ganzen Tag nichts anderes macht, als die komplexen Angelegenheiten der von ihm betreuten Personen zu regeln. Außerdem entgeht man als Angehöriger dem Gewissenskonflikt, wenn im Einzelfall unangenehme Entscheidungen zu treffen sind.


    Was ich sagen will: Es ist nicht schlimm, an einen Berufsbetreuer zu übergeben. Das dürfte sogar sehr viel öfter vorkommen, als man meint.


    Liebe Grüße

    Seb

  • Danke Dir Seb für Deinen Post. Es ist immer noch einiges zu regeln, aber ich komme damit mittlerweile zurecht, zumal es jetzt viel weniger wird, weil meine Mutter nun in einem Pflegeheim ist und dort rundum versorgt wird.

    Die Wohnung ist mittlerweile aufgelöst. Zur Zeit bin ich dabei, die ganze Werbepost, die nun per Postumleitung zu mir kommt, abzubestellen. Apropos Werbepost: Der Weinhändler hat sich auch nach x-maliger Bitte, die Adresse zu löschen, noch nicht abschütteln lassen. Er zieht alle Register, um meine Mutter als Kundin zu halten. Der weiß, dass er sich bei dementen Alkoholikern in Erinnerung halten muss, um seinen Stoff loszukriegen. Das hat mich wirklich wütend gemacht. Wenn es nicht bald aufhört, werde ich anwaltlich gegen ihn vorgehen, denn es ist ein Rechtsverstoß, wenn er der Bitte um Löschung der Adresse aus dem Kundenstamm nicht nachkommt (ich handle ja mit Vollmacht meiner Mutter). Abgesehen davon, erreicht die Post des Weinhändlers meine Mutter nicht.

    Außerdem entgeht man als Angehöriger dem Gewissenskonflikt, wenn im Einzelfall unangenehme Entscheidungen zu treffen sind.

    Die grundlegendsten unangenehmen Entscheidungen sind mittlerweile getroffen und umgesetzt. Ich weiß, dass ich zum Besten meiner Mutter handle. Sie ist in einem hervorragenden Heim untergebracht. Auch wenn sie über die Unterbringung im Heim öfter klagt und leider immer wieder vergisst, dass sie dem selbst zugestimmt hat, weiß ich, dass alles korrekt gelaufen und zu ihrem eigenen Wohl ist (da habe ich mich in Rücksprache mit dem Betreuungsgericht abgesichert). Ich habe keine Gewissenskonflikte und auch das tief verankerte schlechte Gewissen, das meine Mutter mir immer eingeredet hat, ist mittlerweile nicht mehr so leicht aktivierbar. Das merke ich bei meinen Besuchen im Heim immer wieder. Hier unterstützt aber auch das Pflegepersonal, indem sie mir rückmelden, dass das Verhalten meiner Mutter für Demenzkranke typisch sei und ich mir keine Sorgen zu machen berauche. Es klingt vielleicht krass, aber für mich ist die Demenz meiner Mutter eine Erleichterung.

    Liebe Grüße Siri

  • die größte Demütigung meines Lebens.

    Warum, Sare, was hat das mit Dir zu tun?

    Es ist tatsächlich erstaunlich, dass er jetzt eine Sucht "vergessen" hat, aber nicht die andere.

    Aber ziehst Du jetzt daraus den Schluss, dass er gar nicht "richtig" alkoholsüchtig war und jederzeit dir zuliebe hätte aufhören können?

  • Du fragst mich jetzt nicht allen Ernstes, was ein alkoholkranker Vater mit meinem Leben zu tun hat?

    Ich habe mich gefragt, wie das sein kann. Diese ganzen Jahre, diese Kindheit, diese Verzweiflung, diese Verletzungen die nie wieder gut zu machen sind, diese Hilflosigkeit, dieses Entsetzen, diese Enttäuschungen. Ich war kein Co, ich war ein Kind. Ich konnte nichts dafür.

    Und am Ende seines Lebens sitzt er da, fröhlich und nüchtern. Das ist wie ein Schlag mit der Keule. Gewesen.

  • Danke Euch Rennschnecke und Landliebe . Ich habe auch öfter an Euch gedacht und auch manchmal ins Forum geschaut. Ich möchte dem Alkoholismus Thema nicht mehr allzu viel Raum geben, auch wenn es natürlich nicht weg ist.

    Mir geht es gut. Meine Psychotherapie in der Gruppe hilft mir sehr. Sie ist oft hart. Und der regelmässige Reha Sport hat große Wirkung. Die Lebensfreude ist wieder da, wenn auch oft noch verhalten. Ich kehre mehr und mehr ins Leben zurück (auch beruflich). Was wirklich gut ist, ich bin mit mir ganz im Reinen und froh, so gehandelt zu haben, wie ich gehandelt habe, auch wenn es ein enormer Kraftakt war, meine Mutter in einem Pflegeheim unterzubringen.

    Meine Mutter wird im Heim gut versorgt und ich kann mich mittlerweile gut abgrenzen, was auch heisst, dass ich nicht allzu oft hingehe. Wenn ich zu oft komme, wird sie unverschämt und dann gehe ich sofort wieder. Weniger ist mehr. Das hilft auch den Pflegenden, denn meine Mutter wurde auch gegenüber den Pflegekräften ausfallend als ich zu Beginn häufiger zu ihr kam. Nun freut sie sich meist, wenn ich dann doch einmal komme.

    Als meine Mutter nach einigen Monaten im Heim das dortige Cafe entdeckt hat, hat sie wieder angefangen zu trinken. Das hat sich sofort negativ auf ihre Gesundheit ausgewirkt. Aber das treibt mich nicht mehr um. Ich habe es zur Kenntnis genommen, doch es belastet mich nicht. Wichtig ist nur, dass die Pflegenden mit ihr zurecht kommen. Und das ist der Fall, auch wenn sie es den Leuten dort nicht leicht macht. Es sind absolute Profis, die klare Kante zeigen, wenn nötig.

    Manchmal überwältigt mich die Trauer, wenn ich an die Auswirkungen des Alkoholismus meiner Mutter auf meine Kindheit und Jugend denke. Aber das geht vorüber und ich werde in solchen Momenten von meinem Umfeld und den Mitstreitern in der Gruppentherapie getragen. Insgesamt fühle ich erstmals in meinem Leben so etwas wie meine eigene innere Stärke.

    Liebe Grüße und alles Gute für Euch auf Eurem Weg

    Siri

  • Liebe Lanananana,

    ja, es liegt daran, dass die Therapie viel Kraft kostet wie auch die neuen Aufgaben in meinem Leben. Da ist es mir zu viel geworden, regelmässig im Forum zu schreiben.

    Auch Dir von Herzen alles Liebe.

    Siri

  • Aurora 17. September 2025 um 19:14

    Hat das Thema geschlossen.

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