Anthurie - Eka sagt Hallo

  • In den letzten Tagen bin ich an mir selber verzweifelt.

    Kopf versus Gefühl; besser kann ich es nicht ausdrücken, verbunden mit der Frage, ob ich in letzter Zeit überhaupt was gelernt und verstanden habe.

    Vom Gefühl her "denke" ich, dass sich für mich überhaupt nichts zum Positiven verändert hat. Meine Muster sind in den letzten Tagen vermehrt getriggert worden von jemandem, der lügt und Menschen gegeneinander ausspielt.

    Mein Kopf hat sofort kapiert, was läuft und ich konnte gleich meine Grenzen setzen. Dieser Mensch ist als Konsequenz aus meinem Umfeld raus und das ist super.

    Also, im Prinzip alles gut und ich kann mir auf die Schulter klopfen.

    Jetzt mache ich mir aber selber Vorwürfe, dass ich nicht von Anfang an gecheckt habe, wie dieser Mensch tickt. Ist das zu fassen? Wenn ich bedenke, wie ich geprägt wurde und wie schwer es ist, da raus zu kommen, bin ich echt mit Lichtgeschwindigkeit durch das Problem durch und hab es gelöst. Ich glaube, dass ich zuviel von mir erwarte.

    Und beim Schreiben merke ich gerade, dass ich ein altbekanntes anderes Muster entdecke: Dass ich in der Praxis alles gleich sofort perfekt umsetzen muss, wenn ich vorher die Theorie verstanden habe. Dabei muss ich das doch gar nicht.

    Mich beruhigt es gerade, dass ich meinen Frust hier aufschreiben kann und sich dabei einige Knoten lösen.

  • Jetzt mache ich mir aber selber Vorwürfe, dass ich nicht von Anfang an gecheckt habe, wie dieser Mensch tickt. Ist das zu fassen?

    Hallo Anthurie,

    am Anfang lernt man sich ja erstmal genauer kennen. Und da zeigt sich jeder erstmal von der besten Seite. Und diese Seite hast Du zusehen bekommen.

    Wie ich herauslese, hast Du doch ganz schnell bemerkt, wie "der Hase" läuft.

    Mein Kompliment, dass Du auch konsequent den Kontakt abgebrochen hast!

    Ich wünsche Dir und allen Mitlesern ein schönes Wochenende

    LG Elly

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    Mancher wird erst mutig, wenn er keinen anderen Ausweg mehr sieht.

    - Trocken seit 06.01.2013 -

  • So, jetzt sind knapp drei Monate vergangen, in denen ich keine Angst mehr habe.


    In einem Deiner vorherigen Beiträge bin ich auf diesen Satz hier gestoßen. Darf ich fragen, worauf sich diese Angst bezog?


    Ich kenne diese Gefühle ebenfalls. Ich bin mittlerweile knapp über 40 und bis zum Versterben meines Vaters hatte ich Angst vor einem abendlichen Aufeinandertreffen (sein Trinkbeginn war zumeist gegen 16:30 Uhr). Weil ab diesem Zeitpunkt war er absolut unberechenbar und ich hatte stets diese Befürchtung, dass durch seine Worte (wenn er betrunken war, war er oft streitsüchtig und aggressiv) Verletzungen und Kränkungen zugefügt werden, die vielleicht nicht mehr so einfach zu reparieren sind.

    Viele Grüße

    Seb

  • Hallo Seb25, natürlich darfst Du fragen.

    Meine Angst war immer, dass ein Anruf kommt, dass meinem Vater was passiert ist.

    Auch wenn ich seit Jahren mein Leben habe, kreisten im Hintergrund die Gedanken, ob bei meinen Eltern wieder Chaos ist. Vor allem, was mein Vater tut oder nicht tut. Ich konnte das nicht abstellen; da hat es mir auch nix genützt, mir zu sagen, dass meine Eltern erwachsen und für sich selbst verantwortlich sind. Die Angst war immer da, egal wie ich mein Leben gelebt habe und egal, ob es mir gut ging oder nicht. Ich war nie entspannt.

    Kurz bevor mein Vater in die Pflege kam, hab ich drüber nachgedacht, wie ich den Kontakt zu meinen Eltern gestalten will oder ob ich ihn zeitweise unterbreche. Denn meine Eltern hätten keine Entscheidung getroffen, um etwas zum Positiven zu ändern. Die Entscheidung wurde durch andere Erkrankungen abgenommen. Das hat mich schonmal sehr entlastet, also emotional, aber zu wissen, dass sonst alles beim Alten geblieben wäre, macht mich gerade etwas fertig.

    Das, was Du beschrieben hast über Deinen Vater und die Angst vor der Unberechenbarkeit, das kenne ich auch zu gut. Ebenso die Kränkungen, die Abwertungen, das nicht ernst genommen werden und vor Allem das allein gelassen werden. Das sitzt tief.

    Ich wünsche einen ruhigen Sonntag.

  • Ich weiß, dass sich Das Befreiendste der letzten Monate war für mich die Erkenntnis (also nicht vom Kopf her, der wusste das schon ewig, aber der Bauch brauchte Zeit), dass ich mich nicht den Verhaltensweisen anderer Menschen ausliefern muss. Denn das Gefühl des Ausgeliefertseins hab ich seit Kindheit an, kombiniert mit dem Gefühl, das aushalten zu müssen und nichts ändern zu können bzw zu dürfen. Ich nenne diesen Zustand mein "persönliches Grauen", in den ich mich auch jahrelang aufgrund meiner Prägung selber hinein begeben habe (da grüßt die Co- Abhängigkeit).

    … Wie hast du das geschafft?

    Einmal editiert, zuletzt von Linde66 (16. April 2025 um 11:08) aus folgendem Grund: Bitte unter dem Zitat schreiben, damit klar ist, wer von euch was geschrieben hat, danke.

  • Indem ich angefangen habe, Grenzen zu setzen und diese auch zu halten. Und gelernt habe, die Reaktionen meiner Mitmenschen auszuhalten.

    Dem Ganzen ging voraus, dass ich viele Dinge erstmal für mich selbst erkennen und für mich Schlüsse daraus ziehen musste, um mein persönliches Werte- und Handlungsgerüst aufzubauen. Als das stabil(er) war, konnte ich das nach außen vertreten und so war nach langer Zeit das Gefühl des Ausgeliefertseins passé.

    Frage meinerseits an EKA' s:

    Ich bin seit einer Woche tiefenentspannt und sehr gelassen. Ich komm damit nicht klar. Einerseits ist das angenehm, weil ich ja keine Angst mehr zu haben brauche und mein System das anfängt zu kapieren; anderseits ist dieser Zustand so befremdlich für mich, dass mein Hirn in den alten vertrauten (aber stressigen) Zustand zurück will. Letzteres ist keine Option und, glaub ich, auch nicht mehr möglich.

    Kennt das jemand? Wie lange dauert das? Geht das auch wieder weg bzw gewöhnt man sich dran?

    Im Grunde genommen kenne ich die Antworten darauf schon, aber ich könnte gerade Zuspruch und Erfahrungen von anderen Betroffenen gebrauchen. Das ist so neu und ungewohnt, dass ich mich hilflos fühle.

  • hallo Anthurie,

    ich bin zwar kein EKA, aber ich weiß, was du meinst.

    Das "andere" vielleicht bessere ist uns so fremd, dass ich nicht wußte, wie ich damit umgehen kann. Mir ist da eine besondere Situation vor Augen. Es ging um eine entstehende Partnerschaft, die ich aber nicht eingehen konnte, weil mir alles so fremd war. Ich kannte es ja anders. Sich das einzugestehen tut sehr weh.Das ist schon ewig her, aber ich habe sofort daran denken müssen, als ich deine Zeilen las.

    Ich würde dir wünschen, dass du es annehmen kannst, und dich mit den neuen Möglichkeiten anfreunden kannst.

    lg Morgrnrot

    Wer nicht hofft, wird nie dem Unverhofften begegnen. ( Julio Cortazar )

  • Hallo Anthurie,

    ich kann‘s total nachvollziehen. Als mein Vater gestorben ist, kam nach dem anfänglichen Schock auch recht schnell ein Gefühl der Erleichterung. Das konnte ich zu Beginn überhaupt nicht einordnen und habe mich deswegen furchtbar schlecht gefühlt. Ich habe mir immer gedacht, was ist denn mit mir eigentlich los, dass ich keine Trauer empfinden kann? Ich war immer so empatisch - und jetzt bin ich gefühlskalt?


    Heute ist mir klar, dass zu dieser Zeit eine jahrelange Anspannung von mir abgefallen sein muss. Ich muss hier glaube ich nicht mehr beschreiben, was es heißt in einer suchtbelasteten Familie aufzuwachsen. Die Antennen laufen immer auf Hochtouren, man ist ständig dabei, Situationen einzuschätzen und die für sich richtigen Schlüsse zu ziehen, Konflikte zu deeskalieren usw. Wenn das einmal wegfällt, ist das erst einmal seltsam. Da öffnet sich ein Raum, den man so nicht kennt, in dem die eigenen Bedürfnisse, Wünsche und Träume liegen. Und weil man Angst vor dem hat, was da so alles liegen könnte und weil der Funktionier-Modus über Jahre hinweg eingeübt wurde, will der Kopf erst einmal in diesen zurück.


    Bei mir hat sich dann allerdings schnell eine große Unbeschwertheit eingestellt und ich fand es ganz toll, dass ich mich und meine eigene Familie an die erste Stelle setzten darf. Für die letztgenannte Erkenntnis haben mit die vielen Geschichten hier, gerade im Co-Bereich, und der viele Zuspruch von den lieben Menschen hier sehr geholfen.


    Heute ist es so, dass ich schon auf dem Weg ins nächste „Level“ bin und es mir immer besser gelingt, Grenzen zu setzen. Das betrifft vor allem Verhaltensweisen anderer, die mir nicht gut tun, die ich aber früher des lieben Friedens Willen sämtlich ertragen habe.


    Gib Dir einfach Zeit, es ist ein Prozess. Aber wenn Du jetzt schon soweit bist, dass Du Entspannung und Gelassenheit empfinden kannst, bist Du schon ein großes Stück des Weges gegangen. Ich wünsche Dir wie Morgenrot , dass Du es annehmen und die neue Unbeschwertheit ohne schlechtes Gewissen genießen kannst.


    Liebe Grüße

  • Danke für die Erklärung, das klingt sehr gut und schlüssig, da stehe ich noch ganz am Anfang und hoffe auch, dass ich mir mein eigenes Wertegerüst aufbauen und verteidigen kann. Zumindest habe ich mir mal aufgeschrieben, was ich mir für Beziehungen und Freundschaften wünsche und was ich nicht mehr will-(unabhängig von irgendwelchen realen Personen), das ist vielleicht schon mal ein Anfang davon. Leider falle ich noch sehr oft in meine „alten Muster“ zurück und stecke zurück, passe mich an, um ja nicht diese Person zu verlieren (starke Verlustangst) oder aus Angst vor Aggression. Ich habe mit Hilfe des Therapeuten erarbeitet, woran das liegt, aber ich kriege es noch nicht hin, meine Werte/Grenzen zu verteidigen, die Angst ist leider noch stärker. Es ist wahrscheinlich einfach noch ein langer Weg, aber vielleicht nicht hoffnungslos. Dass du das geschafft hast, gibt mir tatsächlich etwas mehr Hoffnung. Ich glaube schon daran, dass sich das Gehirn gewissermaßen noch umstrukturieren lässt 🙃🙂

    Zu deiner Frage:

    Das kenne ich auch ein wenig, nur in einer anderen Situation und vielleicht hast du das auch anders gemeint… im März diesen Jahres ging es mir nach meiner Depression wieder besser… der Zustand war total angenehm, aber ich hab ihm nicht getraut… nach dem Motto, geht es mir wirklich besser?
    Ein ganz anderer Fall für dieses … „Ich mag lieber das, was ich kenne bzw. das andere ist befremdlich“… bei mir ist es so und ich hab auch gelesen, dass es wohl anderen auch so geht… dass ich mich nicht so zu den sehr lieben, netten Männern hingezogen fühle, obwohl ich eigentlich nichts lieber hätte, als eine liebevolle, funktionierende, sichere Beziehung…

  • P.S.: ob man sich dran gewöhnt… schwer zu sagen, aber mir hilft es zumindest, dass ich langsam die Zusammenhänge verstehe zwischen dem was in der Kindheit war und meinem heutigen Ich… einfach das Bewusstsein darüber… darauf kann man dann aufbauen und auch Methoden entwickeln, aus diesen alten Mustern auszusteigen denke ich…

  • Vielen Dank Morgenrot und Seb25 für Eure Einschätzung und Erfahrungsberichte. Das hilft mir sehr weiter und beruhigt mich ein ganzes Stück. Zu lesen, wie es Euch ergangen ist, läßt mich diesen Zustand leichter aushalten. Denn ein Aushalten und vorsichtig Vertrauen darin aufzubauen, dass sich ein neues Lebensgefühl breit macht, ist es ja.

    Schmetterling85 :

    Danke auch Dir für Deine Antwort. Auch Deine Zeilen helfen mir enorm weiter und ich finde es gut, dass Du es aus Deiner Sicht geschrieben hast.

    Denn gemeinsam ist beiden Zuständen ja (unabhängig von der Ursache), dass kein Vertrauen ins Leichte da ist.

    An dem Punkt, an dem Du gerade bist, war ich auch und ich komme immer wieder in Situationen, in denen es mir wieder so geht.

    Hab Geduld mit Dir, so schwer es für Dich auch sein mag. Ich hatte Zeiten, da habe ich nicht dran geglaubt, dass es besser wird und ich hab quasi diesen Glauben ignoriert und einfach weiter gemacht. Irgendwann wurde es besser. Es dauert, auch wenn es schön wäre, wenn mit einem Fingerschnippen alles gut würde. Funktioniert nur leider nicht.

    Ich finde es gut, dass Du einen Therapeuten hast, mit dem Du Stück für Stück alles aufdröseln und bearbeiten kannst. Und Du hast schon herausgefunden, woher Deine Muster und Dein Verhalten kommen. Das ist toll! Der "Rest" ist dranbleiben, üben, lernen. Ganz wichtig (für mich, aber ich geb das gern weiter): Zwischendurch Pausen machen, damit man sich erholen kann. Der ganze Mist, der einem das Leben schwer macht, ist dann trotzdem da, aber ihn für die Pausenzeit auf die Ruhebank zu schicken, hilft enorm.

    Heute hab ich Grenzen setzen und halten bei der Person gemacht, die mich mit ihrem Verhalten in meinen Schlamassel rein gebracht hat: Bei meinem Vater.

    Einen Moment habe ich gespürt, wie egal ihm alles zu sein scheint, solange nicht alles nach seinem Kopf geht. Das fühlte sich so vernichtend an. Mein "Grauen" war sofort wieder da und gleichzeitig das Wissen, dass ich das nicht aushalten muss, sondern kontern darf.

    Überflüssig zu erwähnen, dass ich ein leicht schlechtes Gewissen hatte...? Jetzt bin ich erschöpft. Und merke gerade wieder einmal, dass es ja eh egal ist, was ich tue oder nicht tue- mein Vater ist wie er ist. Da kann ich auch weiter mein Leben leben.

    Er hat ja eh nur soviel Macht über mich, wie ich zulasse. Von daher...

  • Puh, jetzt ist meine Tiefenentspanntheit weg und ich bin seit einer Woche sehr schnell von null auf hundertachtzig. Mich nerven Menschen.

    Der dahinter liegende Mechanismus ist, dass mein Unbewusstes nicht mehr in die alten Muster zurück will und auch nicht mehr dahin zurück kann. Auch, wenn mich etwas triggert, was mich bis vor Kurzem in meinen alten Zustand katapultiert hat- das funktioniert nicht mehr. Etwas Vertrautes (das mir jahrelang scheinbar geholfen hat)ist verschwunden. Auch wenn das Vertraute langfristig nicht gut für mich war.

    Gleichzeitig merke ich, dass meine neuen Muster (die mir definitiv ein gutes Leben ermöglichen) noch nicht automatisiert sind. Die springen also noch nicht von allein an, wenn ich getriggert werde.

    Ich falle in solchen Momenten sozusagen in ein Loch, aus dem ich erst wieder rauskomme, wenn ich mein Hirn einschalte, das dann das Kommando übernimmt. Und bis mein Hirn im Arbeitsmodus ist, bin ich wütend, gereizt, genervt.

    Ich finde das so anstrengend. Ich weiß, dass es vorbei gehen wird. Trotzdem. Ich will einfach mal jammern.

  • Kann das irgendwie gerade nachvollziehen, was du schreibst. Vom Kopf her schon wissen, man will die alten Muster nicht mehr und dass man die neuen schon kennt und eigentlich anwenden kann/möchte, dass es aber einfach noch sehr anstrengend ist, das durchzusetzen. Meinst du das so in etwa?
    Welche Muster sind das z.B. bei dir?

  • Ja, genauso, wie Du es geschrieben hast, meine ich es. Du hast das treffend zusammen gefasst.

    Ein Beispiel von gestern: Ich bekam eine Nachricht, die meinen Vater betraf und sofort hatte ich mein übliches Beklemmungsgefühl. Mit dem Inhalt der Nachricht hatte es nichts zu tun (inhaltlich ging es um eine Bestätigung bezüglich einer Sache, die wir vor einiger Zeit besprochen hatten, also keine Gefahr). Im zweiten Moment (der erste war die Beklemmung) sprang mein ungesund ausgeprägtes Verantwortungsgefühl an. Und gleichzeitig hab ich gemerkt, dass dieses Gefühl für diese Situation völlig unpassend war. Und zack- da war sie wieder, diese Situation, in der das Alte aus dem Kasten sprang wie ein Teufel; das Hirn Meldung machte, dass diese Reaktion alt und unpassend ist und ich aber nicht schnell genug ins neue Muster umschalten konnte.

    Neues Muster heißt: Es gibt Leute, die sich kümmern und die machen das gut und werden dafür bezahlt. Ich bin da raus aus der Nummer.

    Nachdem ich eine Nacht drüber geschlafen hatte (das kann ich zum Glück gut), ging es wieder.

    Jetzt wechseln sich Aggressivität und Entspanntheit ab. Ist eine seltsame Mischung, aber da die Entspanntheit seit heut Morgen dazu gekommen ist, seh ich das als Verbesserung.

    Wie kommst Du mit dem Zustand zurecht "alt versus neu"? Hast Du für Dich hilfreiche Strategien?

  • Bin zur Zeit in einer Verhaltenstherapie und arbeite an den neuen Mustern.
    Es ist echt ähnlich, wie du es beschreibst, ich musste gerade schmunzeln beim Lesen, obwohl es eigentlich nicht lustig ist.

    Mein altes Muster ist vor allem/unter anderem : Unsicherheit, klein machen, anpassen, der „Gefahr“ oder dem Konflikt aus dem Weg gehen.

    Der neue Weg ist nicht einfach, aber ich fühle mich wesentlich stärker und merke, wie gut es tut. Die Angst aushalten, stark sein, auf meine eigenen Bedürnisse achten, Grenzen setzen. Wenn ich in mein altes Muster zurückfalle, dann merke ich es (mal rechtzeitig, mal zu spät). Aber ich verurteile mich dafür nicht mehr so hart, sondern versuche es dann mit selbstmitgefühl.

    Also zu deiner Frage… meine „Strategie“ ist dabei, es versuchen zu beobachten/mitzubekommen, wenn ich ins alte Muster falle. Es sich bewusst sein, im besten Fall draus lernen. Selbstmitgefühl statt Selbstverurteilung.

    Und immer wieder aufstehen, Krone richten, wieder versuchen den neuen Weg zu gehen.

  • Hallo Anthurie,

    ich kann Deine Gefühle total nachvollziehen. Aber sei nicht zu streng mit Dir selbst. Es sind über Jahre und vielleicht Jahrzehnte eingeübte Verhaltensweisen und gerade dieses Verantwortungsgefühl, von dem Du schreibst, kommt ja nicht bewusst auf. Es ist Dein Unterbewusstsein, dass Dir einst gesagt hat, hier läuft etwas falsch, Du musst jetzt da einschreiten. Und als Kind macht man das ja auch, weil es scheinbar die einzige Möglichkeit ist, Ruhe zu bekommen.


    Was ich sagen will: Solche Verhaltensweisen verändert man nicht einfach mal schnell in ein paar Monaten. Es braucht dafür Mut nach innen und Hilfe von außen (deswegen bist Du ja auch hier). Und natürlich jede Menge Geduld!


    Liebe Grüße

  • So, gestern war ich meinen Vater im Krankenhaus besuchen und habe während des Besuches im Krankenzimmer auf einen Schlag drei Alkoholiker um mich herum gehabt (Mitpatienten und einmal Besuch und nein, es ist ein stinknormales Krankenhaus, Abteilung Chirurgie). Ich fand es so übel- das Aussehen, die Verhaltensweisen, dieses großspurige Getue, die Art des Redens...wenn man einen kennt, kennt man alle.

    Dass ich meinen Vater besuche, wenn er im Krankenhaus ist, habe ich für mich so entschieden. Da ist er nüchtern und auf einer (wenn auch oberflächigen) Ebene können wir für einige Zeit zusammensitzen und reden. Da ich von meinem Vater nichts mehr erwarte, habe ich Abstand und aus diesem Abstand heraus kann ich mit der Situation recht gut umgehen. Das hab ich mir auch hart erarbeitet und gestern habe ich auch gemerkt, dass jegliches ungesundes Verantwortungsgefühl ggü meinem Vater verschwunden ist. Ich glaub, ich habe einen riesigen Schritt nach vorn gemacht.

    In letzter Zeit fallen mir immer wieder Begebenheiten aus meiner Kindheit ein, in denen mein Vater betrunken war und null Verantwortung übernommen hat. Dieses Gefühl des Ausgeliefertseins ist immer wieder so übel. Zum Glück fühlt es sich nicht mehr so vernichtend an; ich merke, dass ich mich immer besser selber reguliere.

    Meine Ambivalenz bezüglich alter und neuer Muster ist immer noch da. Irgendetwas ändert sich da zwar in Richtung Besserung, aber so richtig greifbar ist es noch nicht für mich. Ich denke dann immer an die Worte von Dir, Seb25 - Zeit lassen. Dann geht's wieder. :wink:

    Nach dem Besuch gestern ist mir glaub ich richtig klar geworden, dass ich völlig machtlos bin. Das ist ein weiterer Schritt in die Akzeptanz. So ein bisschen Hoffnung auf Einsicht schwang ja doch immer mit, auch wenn der Kopf wusste, dass das vergebliche Hoffnung ist.

    So aufwühlend (auch im Vorfeld) mein Besuch gestern war, so sehr hat er mir eine neue Klarheit verschafft und das ist gut so.

    Gleichzeitig prasseln wieder tausend Erkenntnisse auf einmal auf mich ein und ich werde wieder ein Stück klarer. Nicht sehr angenehm, aber gut und wichtig.

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