aennie - Es ist wie es ist

  • Es sind immer so Phasen bei mir.

    Ich war nun noch zum Sport. Das ist eine nette kleine gemischte Truppe. Es wird gefrotzelt und viel gelacht. Das hat mich nun doch noch aufgemuntert, obwohl ich heute Mittag noch überlegte zu schwänzen.

    Ich behaupte ja immer, ich bin lieber für mich, aber immer nur ich, nee, das ist auch nichts.

    Für nächste Woche habe ich mich in einem kleinem Studio zum Gerätetraining angemeldet. Und dann brauche ich noch irgendwas, wo ich in Gespräche komme.

    Meine Therapeutin merkte auch schon an, daß ich mich wohl so zurückziehe, weil ich gar nicht richtig weiß, wie ich mit anderen umgehen soll. Im zwischenmenschlichen hapert es da total bei mir, das stimmt so. Jeder kommt bei mir in irgendeine Schublade, die ich meistens nie wieder aufmache. Schade, schade.

    Aber das gehen wir nun an und ich freue mich schon drauf. Sie hat mir viel Mut gemacht, daß wir das zusammen hinbekommen.

    Also doch schon was da, worauf ich mich freue 🙂

    Danke für Deine Nachfrage Rennschnecke

    -Es ist nie zu spät für einen neuen Anfang-

  • Nun bin ich gerade ein wenig nachdenklich geworden bzgl dessen, daß ich mir während meiner Saufzeiten gerne die Geschichten trockener Alkoholiker anhörte.

    Die hatten heftige Biographien, da war ich natürlich weit von entfernt. Um mein Alkoholproblem wusste ich, aber die Bezeichnung Alkoholikerin hätte ich mir nicht gegeben. Alkoholtrinkerin, ja, aber nicht Alkoholikerin. Nicht um besser dazustehen, Für mich passte der Titel nicht. Der passte erst (so dachte ich damals) erst, wenn jemand eine Entgiftung, Entwöhnung und Therapie machen muss.

    Ja, wenn er sie machen muss. Von den ganzen Graustufen wusste ich gar nichts.

    Die die ständig besoffen waren für mich auch keine Alkoholiker, habe ich nie so tituliert. Alkoholiker waren immer nur die, die in eine Therapie gingen.

    Nun weiss ich es besser.

    ...ging mir gerade so durch den Kopf


    Alles gut ansonsten bei mir.

    Mir ist am WE nun aufgefallen, daß ich Langeweile nicht mehr negativ bewerte. Ich sage zwar noch, man ist das langweilig, aber belasse es dann als Zustand. Entweder überlege ich mir etwas um ihn zu ändern oder es ist dann eben mal langweilig. Dann döse ich halt mal nur so rum :lol:

    LG

    -Es ist nie zu spät für einen neuen Anfang-

  • Vergleichen sollte man sich nie!

    Gut, dass Du erkannt hast, dass Du Alkoholikerin bist.

    Und Du lebst jetzt danach, das ist ein grosser Schritt, aenni!

    Weiter so! :thumbup:

    LG Elly

    ---------------------------------------------------------------------------------------

    Mancher wird erst mutig, wenn er keinen anderen Ausweg mehr sieht.

    - Trocken seit 06.01.2013 -

  • Liebe Aennie,

    ich lese bei dir bisher nur still mit. Und ich freue mich richtig darüber, was du gestern geschrieben hast.

    Gleichzeitig erinnert mich das an mich und wie es mir schon einmal ging in meiner ersten längeren trockenen Phase. Als ich gerade durch die trockene Normalität mir irgendwann nicht mehr vorstellen konnte, wirklich süchtig zu sein. Es fühlte sich so leicht an, nicht mehr zu trinken; da war der diffuse Gedanke, oder eigentlich war es ein Gefühl, dass es dann doch auch leicht sein muss, nur gelegentlich zu trinken, nicht weit.

    Damit mir das nicht wieder passiert, bin ich hier im Forum.

    Viele Grüße

    Thalia

  • Liebe Thalia1913

    Danke für Deine Worte.

    Ich bin Alkoholikerin, alkoholsüchtig. Das habe ich spätestens nach jedem meiner Rückfälle kapiert. Die Sucht, die so unkontrollierbar für mich aus dem Nichts mich mehrmals einholte. Das war die letze Bestätigung, daß ich es bin. Wäre ich nicht süchtig, hätte ich den gierigen Suchtteufel ja nicht in mir.

    Es fühlte sich so leicht an, nicht mehr zu trinken; da war der diffuse Gedanke, oder eigentlich war es ein Gefühl, dass es dann doch auch leicht sein muss, nur gelegentlich zu trinken, nicht weit.

    Es fällt leichter schrieb ich, nicht daß es sich leicht anfühlt. Und damit meine ich, daß ich mir jetzt nicht mehr den ganzen Tag Gedanken mache, wo ich nun wieder aufpassen muss. Ich hatte ja überall Trigger gesehen und vermutet. Wie z.B, ich vor ein paar Wochen noch absichtlich mit schlechter Launegesicht aus dem Haus bin, weil ich der Meinung war mein Suchthirn dreht bei guter Laune wieder durch und bekommt Durst. Den Zahn hat mir dorothea Gottseidank gezogen ( schmunzel immer noch über ihr benutztes Wort "Kokolores").

    Was aber nicht heisst, dass ich unvorsichtig werde. Nein, nein. Risikominimierung steht bei mir an erster Stelle.

    Irgendwann mal wieder trinken? Nein, möchte ich nicht. Absolut nicht. Habe ich nicht vor und auch nicht geplant.

    Nach mehreren Rückfällen sagte ich mal " Na gut, dann bin ich eben die mit den Rückfällen", um mich selbst nicht so zu geisseln, weils wieder dazu kam, nicht um bewusst eine Hintertür offen zu halten. Na klar hat die verseuchte Gehirnhäfte sich tierisch über diese Aussage gefreut, wie ich dann irgendwann kapierte.

    Und solche "Erleuchtungen" kommen mir oft, wenn ich hier lese oder manchmal auch mitwirke. Vieles durchdenke ich für mich alleine, manchmal schreibe ich etwas, was ich banal in dem Moment fand. Und fast immer kommen dann Antworten, die mich anders denken lassen. Von einer anderen Perspektive aus. Und das ist gut so. Selbst verhedder ich mich oft in meiner eigenen Welt, wie sicher viele andere auch.

    Ja und deshalb bin und bleibe ich hier, weil für mich gibt es noch viel zu lernen.

    Danke

    -Es ist nie zu spät für einen neuen Anfang-

  • Hallo Aennie,

    in einem Punkt bin ich nicht ganz bei dir. ;) Du schreibst, dass du noch viel lernen musst. Ich denke, du weißt inzwischen schon eine ganze Menge über deine Sucht.

    Du bist schließlich nicht erst seit gestern dabei. Gerade durch deine Rückfälle hast du Erfahrungen gesammelt, die vielen anderen erspart geblieben sind.

    Es ist am Ende keine Wissenschaft, mit der eigenen Sucht umzugehen. Entscheidend ist eher, das Erkannte im Alltag umzusetzen und dauerhaft am Ball zu bleiben.

    Durch deine Offenheit zeigst du hier ja auch ungeschönt, wie so ein Weg mit allen Höhen, Tiefen, Irrwegen und Erkenntnissen aussehen kann. Davon können auch andere etwas mitnehmen, gerade diejenigen, die still mitlesen. Das macht auch nicht jeder.

    Das heißt natürlich nicht, dass man irgendwann fertig ist oder sich zurücklehnen kann.:whistling:

    Aber ich finde schon, dass du weiter bist, als du dir manchmal selbst zugestehst.

    Und wenn ich deine Beiträge der letzten Zeit lese, sehe ich keine Frau, die auf der Stelle tritt, sondern eine, die ihre Sucht heute deutlich klarer erkennt als noch vor Monaten. Allein das ist schon eine ganze Menge wert.

    Bleib einfach dran. Nicht perfekt, sondern konsequent. Der Rest kommt oft Schritt für Schritt von ganz allein.

    Also mach weiter so

    Gruß Hartmut

    ------------------

    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • die mit den Rückfällen

    "Der mit dem Wolf tanzt", "Lächelt viel". Ich mag die Namen, die sich die Indianer gegeben haben.
    Sie sind immer beschreibend, aber nie wertend.

    Ich lese dich seit Anfang an und da haben auch mal Türen geknallt und wenn ich dich heute lese, dann lese ich da eine Entwicklung, mit Selbstakzeptanz und Reflektion.
    Für mich war das ein Schlüssel hin zu einer stabilen Abstinenz. Ein Prozess, der auch ganz schön mühsam sein kann, aber die Aha-Momente, bei denen ich mich immer ein Stück besser kennen gelernt habe und besser einzuschätzen wusste, haben mir gezeigt, dass ich auf dem richtigen Weg bin.

    Auch wenn es mal nicht so läuft, lass dich nicht irritieren und gehe deinen Weg.

    -------------------------------------------------------
          - abstinent seit 6.01.2024 -

Unserer Selbsthilfegruppe beitreten!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!