BigSquirrel - Co-abhängig mit Ehefrau

  • Hallo zusammen,

    habe wohl eine übliche Geschichte. Bin seit einigen Jahren verheiratet und meine Partnerin ist alkoholabhängig. Sie trinkt unregelmäßig, dürften so 2-5 Weinflaschen pro Woche sein. Wenn, dann wird die Flasche relativ zügig getrunken, sodass sie danach kaum noch anwesend ist. Manchmal eskaliert es auch stärker, und sie betrinkt sich, dass sie kaum noch stehen kann oder teilweise auch einfach nicht mehr stehen kann.

    Wir haben zwei kleine Töchter zusammen. Die können das noch nicht realisieren, aber das dürfte in einigen Jahren soweit sein. Daher arbeite ich stark an diesem Thema um meinen Kindern eine halbwegs gute Zukunft zu ermöglichen.

    Wenn meine Frau getrunken hat, meide ich sämtlichen Kontakt und gehe ihr aktiv aus dem Weg. Ein Partnerleben haben wir schon seit 2 Jahren nicht mehr - teilen uns auch kein Bett.

    Ihr Umfeld weiß nur sehr bedingt davon. Es ist ihr heilig, dass da niemand auf falsche Gedanken kommt. Ich posaune nichts aktiv heraus - dazu bin ich zu loyal - lüge aber auch nicht und versuche mich nicht schützend vor sie zu stellen.

    Erhoffe mir durch dieses Forum einen Gedankenaustausch und wertvolle Impulse.

  • Hallo BigSquirrel,

    willkommen bei uns in der Selbsthilfegruppe!

    Leider ist es so, dass sich viele Geschichten der Angehörigen bei uns im Forum ähneln.

    Und es ist so, dass nur der Alkoholkranke die Sucht stoppen kann. Du kannst im Grunde nichts tun, nur dafür sorgen, dass es Dir besser geht.

    Für den Austausch mit den anderen Teilnehmern klicke den folgenden Link an:

    https://alkoholiker-forum.de/bewerben/

    Anklicken und kurz etwas dazu schreiben.

    Wir werden Dich dann freischalten und Dein Thema in "Erste Schritte für Angehörige" verschieben.

    LG Marie

    Wer nichts ändern will für den ist die Opferrolle die beste Strategie!

  • Du bist jetzt für die offenen Bereiche freigeschaltet, BigSquirrel.

    Und Du kannst überall schreiben, jedoch bitte nicht die ersten 4 Wochen bei den neuen Teilnehmern im Vorstellungsbereich. (Erkennbar an den orangeroten Namen)

    Ich wünsche Dir einen guten und hilfreichen Austausch.

    LG Marie

    Wer nichts ändern will für den ist die Opferrolle die beste Strategie!

  • Hallo Marie,

    vielen lieben Dank.

    Um zu ergänzen: Ich sage meiner Frau seit Jahren, dass sie ein Alkoholproblem hat. Sie hat über die Jahre diverse Gründe gefunden, warum das nicht so sei oder eigentlich ganz andere Gründe dahinter stehen. Das Spiel ging nun eben knapp 12 Jahre so (mit mal besseren und mal schlechteren Phasen, mit starker Tendenz zu schlechteren Phasen in den letzten 4 Jahren).

    Ich bin für mich an einem Punkt, dass ich für alles bereit bin inklusive Trennung. Habe da keine mentale Barriere mehr, mir wäre nur wichtig, dass wir für unsere Töchter einen guten Modus finden.

    Habe ihr, nachdem sie am Samstag mal wieder tief gebechert hat, am Sonntag von meinem Zustand berichtet. Dabei habe ich sie vor die Wahl gestellt: ich oder der Alkohol. Die Zigaretten find ich auch nicht super hilfreich, aber damit könnte ich leben. Eigentlich wollte ich am Sonntag Schluss machen, habe mich selbst aber innerlich dazu überredet, ihr eine letzte Chance zu geben.

    Insofern habe ich gesagt, dass mit uns Schluss ist oder sie hört ab sofort auf zu Trinken.

    Da steh ich nun, und bin überfragt, wie ich mit verschiedenen Situationen umgehen soll. Trinkt sie nie wieder, ist alles paletti. Doch wie wahrscheinlich ist das? Sie hängt sehr an mir, denk ich. Was mache ich wenn sei trinkt? Was wenn ich es selbst herausfinde und was wenn sie mir offen ehrlich darüber berichtet? Was kann überhaupt mein Erwartungswert sein? Was ist realistisch?

    Ich bin im Grunde für alles bereit. Von knallhart durchziehen und die Ehe beenden bis hin sie zu begleiten, wenn es einen glaubwürdigen Pfad aus dem Alkohol gibt.

    Würde mich über ein paar Gedanken und Impulse von der Gruppe hier freuen. :) Möchte die nächsten Schritte bewusst bewerten können.

  • Hallo BigSquirrel!

    Um zu ergänzen: Ich sage meiner Frau seit Jahren, dass sie ein Alkoholproblem hat. Sie hat über die Jahre diverse Gründe gefunden, warum das nicht so sei oder eigentlich ganz andere Gründe dahinter stehen.

    Leider ist es so daß du noch so viel reden kannst wenn der Trinkende nicht einsieht ein Alkoholproblem zu haben. Erst wenn sie selbst überzeugt ist daß mit ihrem Konsum absolut etwas schiefläuft und sie davon loskommen möchte kommt Bewegung in die Sache.

    Dabei habe ich sie vor die Wahl gestellt: ich oder der Alkohol.

    Bestimmt hast du schon oft solche Gespräche geführt und es ging weiter wie die letzten Jahre. Du solltest aber nie etwas androhen was du nicht bereit bist umzusetzen, du machst dich unglaubwürdig.

    Da steh ich nun, und bin überfragt, wie ich mit verschiedenen Situationen umgehen soll. Trinkt sie nie wieder, ist alles paletti.

    Das glaube ich eher nicht.

    Was mache ich wenn sei trinkt?

    Dann müsstest du das machen was du ihr angedroht hast.

    Was wenn ich es selbst herausfinde und was wenn sie mir offen ehrlich darüber berichtet?

    Dann weisst du das sie trinkt und müsstest handeln wenn sie dich ernst nehmen sollte.

    Ich bin im Grunde für alles bereit. Von knallhart durchziehen und die Ehe beenden bis hin sie zu begleiten, wenn es einen glaubwürdigen Pfad aus dem Alkohol gibt.

    Es hängt nur von ihr ab wie der Weg weitergeht, du kannst nur dafür sorgen dass es dir selber besser geht. Sie muß sich auch selber um eine Entgiftung kümmern und diesen Weg gehen, sie muß es wollen. Alles was unter Druck passiert klappt nicht. Steht sie dahinter oder sieht sie überhaupt ein Problem?

    Natürlich kannst du ihr noch eine Chance geben aber irgendwann reibst du dich förmlich an diesen Thema auf und das Leben dreht sich nur noch um den Alkohol. Vor allen Dingen haben deine Töchter etwas Besseres verdient als jahrelang dem Trinken der Mutter zuzusehen. Bei vielen Kindern hinterlässt das Narben fürs Leben.

    LG Marie

    Wer nichts ändern will für den ist die Opferrolle die beste Strategie!

  • Danke.

    Ich habe noch nie mit dem Ende unserer Beziehung gedroht oder anderweitig gedroht. Ich habe lediglich gesagt, dass ich mich weiter von ihr entferne, je mehr sie trinkt mit der letztlichen Konsequenz, dass uns irgendwann nichts mehr zusammehält.

    Das hat sie nicht wirklich bewegt und so haben wir uns immer weiter entfremdet über die letzten zwei Jahre.

    Diese "Drohung" der Trennung habe ich zum ersten mal ausgesprochen und bin auch bereit, diese nun auszuführen. Das ist in Ordnung, wenn auch sehr traurig.

    Jedoch bin ich mir unschlüssig, ob ich sowas überhaupt erwarten kann. Kann ich erwarten, dass sie von 100 auf 0 bremst und abstinent lebt nun? Ist sowas realistisch? Oder fordere ich "übermenschliches"?

    Wenn es möglich ist, und es viele schon geschafft haben, dann ist das mein Erwartungslevel und dann sei es so, wenn sie zwar zustimmt aber dennoch (noch heimlicher) weiter trinkt. Dann gehen wir als Paar getrennte Weg, auch wenn wir als Eltern immer verbunden bleiben werden.

  • Hallo BigSquirrel!

    Das hat sie nicht wirklich bewegt und so haben wir uns immer weiter entfremdet über die letzten zwei Jahre.

    Das ist leider häufig so Alkohol zerstört auf Dauer jede Beziehung, es ist unmöglich mit einem Trinker glücklich zusammen zu leben.

    Jedoch bin ich mir unschlüssig, ob ich sowas überhaupt erwarten kann. Kann ich erwarten, dass sie von 100 auf 0 bremst und abstinent lebt nun?

    Es liegt nicht in deiner Macht, nur sie kann das Ruder herumreissen. Es ist durchaus möglich von 100 auf 0 zu kommen, wenn der Süchtige das aus tiefstem Herzen will. Sonst bleibt es bei einigen eher halbherzigen Versuchen um den Partner ruhig zu stellen und das Ganze hinauszuzögern.

    Sucht ist eine sehr schwere Erkrankung die aber zum Stillstand gebracht werden kann.

    Wenn es möglich ist, und es viele schon geschafft haben,

    Da muss ich dich enttäuschen es schaffen nur wenige aus der Sucht auszusteigen. Aber schau dich ruhig hier um es gibt so viele Berichte von anderen Mitgliedern.

    LG Marie

    Wer nichts ändern will für den ist die Opferrolle die beste Strategie!

  • Erst wenn sie selbst überzeugt ist daß mit ihrem Konsum absolut etwas schiefläuft und sie davon loskommen möchte

    Hier hat es Marie bereits geschrieben.

    Ich kenne bisher keinen Alkoholiker, der trocken geworden ist, weil er dazu gezwungen worden ist.

    Wenn die wirkliche Einsicht fehlt, ist das ein ewiger Kampf. Ich bin selbst Alkoholiker und kann mir nicht vorstellen, dass das jemand auf Dauer durchhält. Aus dem Grund würde ich mich an Deiner Stelle schon mal mit dem Gedanken anfreunden, dass sie früher oder später weiter trinken wird.

    Also, nach vorne blicken und Dir schon mal überlegen, wie Du dann weiter vorgehen willst.

    Wo ich hingehe, dort bin ich.

  • Hey BigSquirrel,

    ich gebe mal kurz meinen Senf dazu.

    Von 100 auf 0 am besten unter ärztlicher Aufsicht. Kalter Entzug ist sehr gefährlich.

    Aber das muss deine Frau auch wollen, für sich selbst.

    „Die Guten sind die gleichen Leute wie die Bösen. Es sind alles nur Menschen, die vor sich hinleben.“

  • Hallo zusammen,

    danke für eure Impulse, die haben mir geholfen.

    Ich hatte das Gespräch mit meiner Frau gesucht und ihr das Ultimatum gestellt. Ich oder der Alkohol. Da sie keine tägliche Trinkerin ist, habe ich keine Gefahr bzgl. kaltem Entzug gesehen. Wir hatten ein langes Gespräch und sie ist da auch reflektiert und versteht meinen Standpunkt. Für mich ging es nur noch alkoholfrei sowie mit Therapie weiter. Beidem stimmte sie zu.

    Bzgl. Therapie hat sie scheinbar ihrer alten Psyhologin geschrieben, die sie auch gerne wieder empfangen wird im Juni, wenn ich das richtig verstanden habe.

    Mit dem Alkohol war dann tatsächlich auch erstmal Schluss - bis heute. Oder vermutlich gestern (da war ich unterwegs und kann es nur vermuten). Tja, waren tatsächlich nochmal sehr schöne drei Wochen zusammen, in der ich ihre Nähe mehr und mehr genossen habe. Endlich wieder ohne die ständigen Gedanken ob sie was getrunken hat oder noch heute wird. Dieses ganze irrsinnige Gedankenkarussel war weg.

    Sie liegt gerade im Schlafzimmer ihren Rausch ausschlafen.

    Nun muss ich wohl morgen meinem Ultimatum folgen und entsprechend handeln. Wär auch zu schön gewesen, wenn das tatsächlich geklappt hätte.

    Freue mich über weitere Impulse, die mir helfen, hier für alle Beteiligten sinnvoll zu navigieren. Danke euch allen.

  • Hallo BigSquirrel!

    Wir hatten ein langes Gespräch und sie ist da auch reflektiert und versteht meinen Standpunkt. Für mich ging es nur noch alkoholfrei sowie mit Therapie weiter. Beidem stimmte sie zu.

    Es geht beides einmal alkoholkrank zu sein und sich einsichtig zu zeigen. Viele Alkoholiker versprechen das Blaue vom Himmel und handeln doch nicht indem sie die nötigen Schritte einleiten und ihre Sucht angehen. Mein Mann war auch anfangs Quartalstrinker, er hat auch Trinkpausen gemacht und alles mögliche versprochen um dann wieder richtig zuzuschlagen. Ich glaube daß sie guten Willens war aber die Sucht war doch stärker.

    Bzgl. Therapie hat sie scheinbar ihrer alten Psyhologin geschrieben, die sie auch gerne wieder empfangen wird im Juni, wenn ich das richtig verstanden habe.

    Besser wäre es gewesen sie wäre zu ihrem Arzt gegangen und hätte ihm ihr Problem geschildert oder sie hätte eine Beratungsstelle für Suchtkranke aufgesucht um ganz speziell Hilfe zu bekommen. Beratungsstellen gibt es z.B. bei der Caritas in vielen Städten.

    Wie schon öfters geschrieben wenn der Suchtkranke nicht selber richtig davon überzeugt davon ist daß mit seinem Konsum etwas nicht stimmt wird sich nichts ändern auch wenn du es noch so möchtest oder forderst.

    LG Marie

    Wer nichts ändern will für den ist die Opferrolle die beste Strategie!

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