tom77, Hi aus München

  • Ich bin froh, dass es hier genauso und nicht anders gehandhabt und auf die Zwischentöne geachtet wird.

    In meiner ambulanten Reha ist deswegen z. B. mir, anscheinend nicht dem Suchtexperten mit der jahrelangen Erfahrung, aufgefallen, dass eine "Kollegin" sich bei den regelmäßigen Vorstellungsrunden (wenn wieder Neulinge in die Gruppe kamen) immer vorstellte als "xy, hab auch zu viel getrunken".

    Ich hab sie (MPU-Kandidatin, die für ihre Partnerin Alk einkauft )dann mal unter vier Augen darauf angesprochen: Nein, als Alkoholikerin sieht sie sich nicht, irgendwann möchte sie auch mal wieder "gepflegt" was trinken, auch wenn es ihr jetzt ohne Alkohol gerade viel besser geht als vorher, als sie noch "übertrieben" hat ...

    Genauso gab es "Kollegen", die sich jedes Mal vorstellten mit "bin auch wegen Alkohol hier". Das waren am Ende die gleichen, die bei einem Treffen außerhalb der Gruppe "Alk ohne Alk" bestellten und dazu grinsend meinten: Unser Therapeut siehts ja nicht...".

  • Flexibilität schadet dem Sinn nicht, es macht ihn manchmal menschlicher und zugänglicher

    Welche menschlichen Aspekte sind mit Sucht verbunden, und was ist humaner: eine Person aus der Sucht zu befreien und kontinuierlich zu betreuen, um Rückfälle zu verhindern, oder ihr zu ermöglichen, die Bedeutung der Abstinenz selbst zu erkennen?

    Nicht wir müssen zugänglicher sein, sondern der User der sich hier anmeldet.

    Dies ist eine Selbsthilfegruppe, keine Therapieeinrichtung oder Beratungsstelle. Der Fokus liegt auf der Eigenverantwortung des Users.

    Einige Erwartungen, die an Hilfeleistungen gestellt werden, erscheinen mir manchmal fragwürdig.

    In nassem Zustand zeigten die meisten Säufer ein rücksichtsloses Verhalten gegenüber sich selbst und ihrer Umwelt. Da war ich auch nicht so zimperlich. Bedeutet die Abstinenz nun eine vollständige Wandlung, Saulus zu Paulus?

    Und bei der ganzen Diskussion rund um die Sucht ging es nur um das Wort "Alkoholiker" nicht mehr und nicht weniger.

    Gruß Hartmut

    ------------------

    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Guten Morgen,

    ich habe ein halbes Jahr lang darauf rumgekaut, ob ich mich als Alkoholikerin bezeichne. Es zu tun, war für meine Entwicklung sehr wichtig, weil es ausschließt jemals wieder ‚normal‘ trinken zu können. Deswegen finde ich die strengen Regularien hier top!

  • Ne, ich bin noch sauber. War heute aber richtig schwer für mich.

    Solche Tage gibt es, dann ist es gut wenn du hier schreibst. Kennst du schon den Notfallkoffer? Da stehen lauter Dinge drin, die man tun kann wenn der Suchtdruck groß ist.

    Bei mir hilft da z.B. zitrone, hier schreiben und mit dem Hund raus gehen.

    Den Notfallkoffer findest du auf der Hauptseite des Forums.

    Ist es heute leichter?

  • Guten Morgen Hartmut, um das Thema abzuschließen; die Stigmatisierung des Wortes "Alkoholiker" ist für viele Betroffene ein Problem. Die Menschen sind zu verschieden.

    Hier in der Gruppe ist es das Einstiegswort. Das ist dann eben zu akzeptieren, wie andere Meinungen auch.

  • Guten Morgen Hartmut, um das Thema abzuschließen; die Stigmatisierung des Wortes "Alkoholiker" ist für viele Betroffene ein Problem. Die Menschen sind zu verschieden.

    Lässt dir keine Ruhe, nicht wahr? ;)

    Von welchen Menschen sprichst du denn? Sucht macht keinen Unterschied zwischen Menschen sie kann jeden treffen, unabhängig von Herkunft oder Charakter .

    Aber es liegt auch an mir als Alkoholiker, ob ich die gesellschaftliche Stigmatisierung mittrage oder ihr aktiv etwas entgegensetze. Der erste Schritt raus aus dem Stigma beginnt mit meinem eigenen Verhalten. Solange ich mich selbst nur umschreibe und die Wahrheit ausklammere, bleibt das Stigma bestehen. Denn wenn wir als Betroffene nicht den Mut haben, klar hinzuschauen und unsere Krankheit als solche zu benennen, wird sie gesellschaftlich auch nicht als Krankheit anerkannt.

    Wenn ich nicht einmal in einem Forum, das extra für Alkoholiker geschaffen wurde, die Kraft habe, klar zu mir zu stehen dann läuft etwas schief. Denn hier sollte es keine Rolle spielen, wer ich bin, sondern was ich bereit bin, ehrlich zu teilen.

    Wenn ich stattdessen ausweiche und herumdruckse, mache ich genau das, was draußen passiert: Ich füttere das Stigma weiter. Nicht durch meine Krankheit sondern durch mein Schweigen.

    Gruß Hartmut

    ------------------

    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Möchte mich mal AnnaBlume anschließen, denn der Thread gehört tom77 .

    Wenn du dich weiter austauschen möchtest, dann gerne. Es geht um deine Sucht, nicht um Begrifflichkeiten, und deshalb hast du dich hier angemeldet .

    Den Notfallkoffer findest du auf der Hauptseite des Forums.

    Ist es heute leichter?

    Gruß Hartmut

    ------------------

    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Hartmut, ich geb dir doch in ganz vielen Aspekten Recht. Vielleicht hab ich schon nach den vielen Jahren Nüchternheit vergessen, wie hart der Kampf am Anfang ist. Das dieser nur mit absoluter Ehrlichkeit und Klarheit und Eingeständnis zu sich selber aufzunehmen ist.

    Bin vielleicht zu milde geworden. Ich hab immer viel Mitleid mit anderen. Der "Holzhammer" war noch nie beim Ding.

  • Guten Morgen tom77 , eigentlich wollte ich mit dir über dein Fitnessprogramm plaudern denn ich bin gerade auch sehr intensiv am trainieren und dachte vielleicht brauchst du ein paar Tipps oder kannst mir welche geben. Jetzt lese ich aber das du uns schon wieder verlassen willst, ich möchte jetzt nicht auch noch meinen Senf dazu beitragen ob und wieso man das "Wort" sagen muss/sollte, mir persönlich wäre es genauso gegangen wie Lena wenn meine gesundheitlichen Probleme nicht so massiv zu Tage getreten wären aber an dem Morgen war es mir klar wenn ich jetzt weiter rummeiere war es das mit mir. Es hat mir geholfen (das Wort) meine Krankheit anzugehen, etwas zu verändern, denn Alkoholprobleme hatte ich davor schon etliche Jahre/Dekaden immer mit der Ausrede in ein paar Jahren aufzuhören oder besser gesagt, auf ein normales Maß zu reduzieren, was sehr gut geklappt hat wie du siehst...ich würde mich auf jedenfall darüber freuen wenn ihr beide nochmal darüber nachdenkt das Forum nicht zu verlassen.

    Sorry, jetzt hab ich ja doch etwas Senf dazugegeben....

    LG R/no

  • AnnaBlume   Hartmut Gras drüber, sind ja nicht meine Regeln.

    Ich war gestern bei meinen Eltern, das ist für mich immer recht schlimm. Zum einen sind beide gesundheitlich angeschlagen.

    Dann mach ich das nur meiner Mum zu liebe, zu meinem Vater hatte ich eigtl. mit 18 Jahren den Kontakt abgebrochen.

    Das alles wühlt mich in Summe immer sehr auf. Saufdruck inklusive, wenn ich aus der Tür raus bin.

  • Ich möchte hierzu nochmal etwas in die Gruppe schreiben. Ich bin jetzt seit 16 Jahren lebertransplantiert, seitdem EU-Rentner. Ausser meiner Familie und engsten Freunden weiss niemand warum. 70 % aller Transplantationen erfolgen wegen Alkohol. Die Spendenbereitschaft in Deutschland ist sehr begrenzt, absoluter Organmangel.

    Ich habe einmal am Anfang in einer Runde erzählt, dass ich Alkoholikerin bin und deshalb bei Leberversagen eine neue Leber bekommen habe.

    Entzetzen, verhaltenes Bodenschauen. Was? Deswegen hast du ein solch kostbares Organ bekommen, weil du getrunken hast? Ist das denn überhaupt rechtens.

    Ja aber Alkoholismus ist eine Krankheit.

    Naja aber trotzdem, da hast du ja Schwein gehabt. Na fang nur ja nicht wieder an zu saufen, es ist ja quasi ein Mensch für dich gestorben.

    So sieht es aus. Deshalb sage ich nie mehr den Grund für meine Transplantation.

    Hier in der Gruppe wird man verstanden.

    Draußen ist es anders. Das Verständnis der Menschen ist leider sehr begrenzt. Nur mal so zum Nachdenken.

  • Liebe Mods,

    so langsam sprengen wir Toms Faden, aber diese Fragen beschäftigen nun mal immer wieder viele Leute hier, gerade Neulinge.

    Wie wäre es damit, es in eigenen Faden auszulagern, zum Beispiel "Umgang mit der Sucht - im Forum und in der Welt da draußen"?

  • Ich möchte nicht ausgelagert werden. Das sollen sich man recht viele durchlesen.

    Du hast doch deinen eigenen Thread, schreib es doch dort hinein. Dieser hier gehört Tom, und es geht hier um seine Sucht,.

    Gruß Hartmut

    ------------------

    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Das alles wühlt mich in Summe immer sehr auf. Saufdruck inklusive, wenn ich aus der Tür raus bin.

    Kannst du dir, falls du nicht auf Besuche bei deinen Eltern verzichten magst, vielleicht etwas Spannungslösendes für danach vornehmen?
    Gleich einen lieben Freund zum schwätzen treffen (natürlich keiner der Alkohol trinkt- klar!) Oder gleich ins Fitnessstudio oder auf die akkupunkturmatte?
    Es geht darum solche Momente anders zu handeln als du es früher gemacht hast (besaufen). Man spricht da von Muster überschreiben.
    Z.B. nach einem stressigen Tag trinke ich kein Bier sondern belohne mich mit einem Eis. Wenn ich wütend bin, trinke ich keinen Schnaps sonder verhaue den Sandsack usw.
    So eröffnen sich nach und nach Wege, die Spannung auch ohne Alkohol abzubauen- und das auch noch viel nachhaltiger. Weil in der Regel kommt die Spannung nach vollsuff und Kater ja krass zurück (war zumindest bei mir so). Hast du da Ideen für dich?

  • Guten Morgen AnnaBlume 🐥🐥

    Akupressurmatte hab ich mir gestern bestellt.

    Die für Fortgeschrittene und Masochisten🤪

    Ich muss dann in‘s machen kommen und nicht verkopfen.

    Couch sitzen = ganz schlecht.

    TV glotzen = ganz schlecht.

    Also nein. Da hab ich meine Routinen noch nicht am Start.

    Wie macht ihr das so? Habt ihr nen Zettel im Geldbeutel? Macht ihr das intuitiv?

    Was mir tatsächlich hilft ist putzen, strechen und to-do listen schreiben.

    Problem ist, wenn‘s mir richtig schlecht geht schaff ich es nicht mehr, den Schalter umzulegen. Oft siech‘ ich dann vor mich hin, und hoffe das bald abends ist😬 das ist natürlich vernab jedweder Lebensqualität.

  • Was mir tatsächlich hilft ist putzen, strechen und to-do listen schreiben

    Das ist doch schon ein super Anfang. Ziel ist es eine Art ‚Automatismus‘ zu entwickeln. Suchtdruck- Zack Zitrone. Elternbesuch- danach sofort putzen und laut Musik hören. Oder so ähnlich. Irgendwann geht es von alleine. Putzen find ich voll gut- da ist danach ja auch noch die Wohnung sauber und man fühlt sich gut dabei. Das nehme ich mit!

  • Putzen find ich voll gut- da ist danach ja auch noch die Wohnung sauber und man fühlt sich gut dabei. Das nehme ich mit!

    Ich auch, erhöht auch den Zufriedenheitsfaktor.

    Gymnastik und Tanzen hat mir auch immer geholfen. Und ich habe tatsächlich sehr viel Eis gegessen. Badewanne war bzw. ist auch immer ne gute Idee.

    Ganz auf die Schnelle bei Suchtdruck hilft auch Pfefferkörner zu kauen. Die Schärfe lenkt direkt ab. Gartenarbeit ist auch noch ne schöne Ablenkung.

    ————

    🦋 Heute trinke ich nicht, heute lasse ich das 1. Glas stehen 🦋 abstinent seit 16.05.2024 🦋

Unserer Selbsthilfegruppe beitreten!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!