Herr Gesangverein - Vorstellung

  • Hallo! Als erwachsenes Kind eines alkoholkranken Elternteils würde ich mich gern mit anderen Betroffenen austauschen. Mein Vater, um den es hier gehen soll, war kürzlich im Krankenhaus und befindet sich zurzeit in Kurzzeitpflege. Ich mache mir große Sorgen, dass er bei einer Rückkehr in seine gewohnte Umgebung wieder rückfällig wird.

  • Ich kann ja mal ein bisschen weiterschreiben, bis ich hier freigeschaltet werde. Mein Vater trinkt vermutlich schon sein ganzes Leben, ich selbst habe erst relativ spät, mit Anfang 20, von seiner Erkrankung erfahren, da meine Eltern schon früh getrennt waren und er seinen Lebensmittelpunkt woanders hatte. Als er wieder näher in unsere Umgebung zog, begannen die harten Lehrjahre, die man als Co-abhängiges Familienmitglied durchläuft. Das ist nun auch schon wieder zwanzig Jahre her.

    Seit ein paar Monaten merke ich, dass mein Vater bei seiner Alltagsgestaltung zunehmend hilfloser wirkt, es gab in diesem Jahr schon zwei alkoholbedingte Stürze. Der letzte war so gefährlich, dass ich den Notarzt rufen musste. Jetzt, wo es ihm im Rahmen der Kurzzeitpflege wieder besser zu gehen scheint, hoffe ich natürlich auf einen Sinneswandel. Ich befürchte aber, dass er -allen Beteuerungen zum Trotz, nichts mehr trinken zu wollen- irgendwann doch wieder rückfällig wird.

    Ich habe bislang nie offen mit ihm über dieses Thema gesprochen, ich merke aber, dass er sich selbst immer wieder was vormacht. Er sucht dann die Flucht nach vorn und verharmlost seinen problematischen Konsum. Er habe mich ja noch nie geschlagen (Na immerhin: Danke, Papa!) oder er beschränke sich doch nur auf eine Sorte Alkohol.

    Mich würde mal interessieren, ob es hier ähnlich gelagerte Fälle gibt, wo ein alkoholkrankes Familienmitglied am Scheideweg stand und sich vielleicht sogar für einen Weg der Heilung entschieden hat. Ein wenig Hoffnung hat ja noch niemandem geschadet.😉

    Ich selbst merke jedenfalls, dass ich keine Kraft mehr habe, meinen Vater noch länger auf diesem Weg zu begleiten. Und mir graut vor der Vorstellung, was da noch alles auf mich zukommen könnte.

  • Es wird sich gleich jemand bei dir melden. Schreib gerne weiter, wenn dir danach ist :)

    Ist noch früh am Sonntag, das Forum wacht grade erst auf...

    Über mich - Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt. – Mahatma Gandhi

  • Hallo Herr Gesangverein,

    Willkommen hier im Forum.

    Mein Vater, um den es hier gehen soll,

    Es sollte um dich gehen. Als EKA ist der Fokus sehr aufs alkoholkranke Elternteil gerichtet, bis hin zur Co-Abhängigkeit. Aber beim jahrelangen Hoffen und Warten auf die Einsicht beim Alkoholiker, geht das eigene Leben vor die Hunde. Daher immer mal den Fokus wieder neu auf sich selbt richten.

    Viele Alkoholiker saufen sich zu Tode, leider ist das so. Alles Reden bringt nichts. Ich habe diese Hoffen- und Reden-Phase auch durch, ich glaube, so gut wie jedes EKA hat das. Aber inzwischen halte ich mich komplett raus.

    https://alkoholiker-forum.de/bewerben/

    Bitte folge diesem Link und schreibe einen Satz. Danach wirst du für die Teilnahme freigeschaltet.

    Viele Grüße, Linde

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Linde66 Vielen, lieben Dank für die Rückmeldung. Dein Beitrag im EKA-Forum zum Thema "Kontaktabbruch oder Kontakt ruhen lassen" bringt es erschreckend genau auf den Punkt.

    Fragt sich nur, wie ich das für mich umsetzen kann, jetzt, wo mein Vater den ersten richtigen Schuss vor den Bug bekommen hat. Ist er überhaupt noch zur Einsicht fähig? Ist er geläutert, oder wird sein Denken auch weiterhin vom Alkohol beherrscht? Was soll nach der Kurzzeitpflege passieren? Wer kümmert sich um ihn, wenn ich mich jetzt oder auf absehbare Zeit zurückziehe? Im Krankenhaus hat man auch nicht die nötigen "Antennen" für alkoholkranke Patienten, sonst hätte man ihn vielleicht auch woanders unterbringen können.

    Irgendwie stehen wir wohl beide gerade an einem entscheidenden Punkt.

  • Linde66 16. November 2025 um 09:31

    Hat den Titel des Themas von „Vorstellung“ zu „Herr Gesangverein - Vorstellung“ geändert.
  • Du bist jetzt für den Erfahrungsaustausch im Forum freigeschaltet und kannst überall schreiben, nur bitte die ersten 4 Wochen nicht im Vorstellungsbereich bei den neuen Usern mit den orangeroten Namen.

    Ich wünsche dir, daß du mit der Zeit Antworten auf deine Fragen findest.

    Viele Grüße, Linde

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Guten Morgen Herr Gesangsverein (der Name gefällt mir!),

    willkommen hier im Forum. Dass Du hierher gefunden hast, ist gut.

    Was Deinen Vater angeht: Du kannst echt nichts machen, um ihn umzustimmen. Entweder trifft er die Entscheidung, ein Leben ohne Alkohol zu führen oder auch nicht. Als Kind bist Du da machtlos; Du kannst ihn nicht beeinflussen.

    Da ist eine sehr harte Sache, aber wichtig ist es, dass Du Dich als Kind abgrenzt und Dein Leben lebst. Ich hätte es auch gern, dass mein Vater aufhören würde. Tut er aber nicht. Da er im Heim ist, ist er da quasi unter Aufsicht und die Sorge, die Du hast, hab ich nicht.

    Eins bleibt aber: Diese Ambivalenz der Gefühle und Gedanken. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es leichter ist, damit umzugehen, wenn ich ein stabiles Umfeld habe und mein Leben nach meinen Vorstellungen gestalte.

    Lies Dich hier durch, lass die Dinge sacken und schreib hier, wenn der Schuh drückt. Diese Situation haben sich EKA' s nicht ausgesucht, aber es ist unsere Verantwortung, das eigene Leben gut zu leben. Richte den Fokus auf Dich, nicht auf Deinen Vater.

    Alles andere liegt nicht in unserer Macht.

  • Hallo Herr Gesangsverein,

    schön, dass du hier bist :)

    Du hast nach Erfahrungen gefragt, wenn die alkoholabhängigen Betroffenen am Scheideweg standen. Mein Vater hatte so einen "Schuss vor den Bug", akute Bauchspeicheldrüsenentzündung mit Aussage der Ärzte "Wir wissen nicht, ob er das neue Jahr noch erlebt" (das war ca. Mitte Dezember, wenn ich mich recht erinnere). Meinen Vater hat das nicht langfristig vom Alkohol weggebracht, er hat sich entschieden weiterzutrinken (wenn auch mit Trinkpausen dazwischen). Die Jahre danach waren für mich anstrengend, auch wenn ich nicht sonderlich nahe an ihm dran war und eine gesetzliche Betreuerin sich um seine Angelegenheiten gekümmert haben. Seine betrunkenen Anrufe und mein braves Zuhören haben gereicht, um Spuren bei mir zu hinterlassen.

    Ich kann es auch nur bekräftigen, was schon geschrieben wurde: du und dein Leben sind wichtig. Mir hat ein vorübergehender Kontaktabbruch zu meinem Vater sehr gut getan. Ich habe diesen Abstand dringend gebraucht. Ich kann mir aber auch gut vorstellen, dass nicht immer leicht umzusetzen ist, wenn man räumlich nahe am Elternteil dran ist.

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