Trudy - Loslassen ist so schwer

  • Hallo, ich habe mich Weihnachten von meinem alkoholkranken Mann getrennt und bin ausgezogen. Seit dem quält mich das schlechte Gewissen ihn mit seiner Sucht allein gelassen zu haben und was passieren könnte, wenn ich nicht mehr da bin. Er selbst erkennt sein Problem nicht. Es ist mir unglaublich schwer gefallen zu gehen, aber bleiben ging auch nicht. Alkohol und Saufkumpels haben nicht nur sein, sondern inzwischen auch mein Leben bestimmt. Aus meiner großen Liebe ist ein Mensch geworden, den ich nicht mehr leiden konnte. Ich glaube, dass es richtig für mich war zu gehen, die Umstände haben mich kaputt gemacht, aber ich habe auch ein unglaublich schlechtes Gewissen ihn alleine zu lassen. Mir wurde heute gesagt, dass es stark war den Schritt zu gehen, aber für mich fühlt es sich wie Schwäche oder Versagen an. Ich habe meinen alkoholkranken Mann verlassen, weil ich nicht fähig bin, ihm da raus zu helfen oder es auszuhalten. Wie geht ihr mit solchen Gefühlen um ?

  • Hallo Trudy,

    herzlich willkommen in unserer Selbsthilfegruppe.

    Ich glaube, dass es richtig für mich war zu gehen, die Umstände haben mich kaputt gemacht, aber ich habe auch ein unglaublich schlechtes Gewissen ihn alleine zu lassen.

    Es war sicher die richtige Entscheidung, und du solltest auch kein schlechtes Gewissen haben. Du warst mutig und bist diesen Schritt gegangen.
    Auch wenn du geblieben wärst, du hättest nichts ausrichten können. Du kannst hm nicht helfen, alleine dieses Wissen hat mich sehr traurig gemacht. Du mußt nichts aushalten.

    Wenn du dich hier austauschen willst, klicke unten auf den Lunk, schreib noch einen kurzen Satz dazu. Wir schalten dich dann für den Austausch frei.

    https://alkoholiker-forum.de/bewerben/

    lg Morgenrot

    Wer nicht hofft, wird nie dem Unverhofften begegnen. ( Julio Cortazar )

  • Vielen Dank für Deine lieben Worte.

    Ich glaube dieses Forum kann mir wirklich eine große Unterstützung sein.

    Toll, dass es sowas gibt.

    Werde jetzt erstmal zur Arbeit, das lenkt ab.

    Hab einen schönen Tag

  • Du bist jetzt für die offenen Bereiche freigeschaltet, Trudy.

    Und Du kannst überall schreiben, jedoch bitte nicht die ersten 4 Wochen bei den neuen Teilnehmern im Vorstellungsbereich. (Erkennbar an den orangeroten Namen)

    Ich wünsche Dir einen guten und hilfreichen Austausch.

    LG Marie

    Wer nichts ändern will für den ist die Opferrolle die beste Strategie!

  • Ich habe in den letzten Tagen hier sehr viel gelesen und das alles hat mir unglaublich viele Denkanstöße gegeben.

    Ich konnte mit dem Begriff Co nichts anfangen, wurde von einer lieben und mutigen Bekannten darauf gebracht.

    In euren Beiträgen zu lesen hat mir das sehr verständlich gemacht. Viele Beiträge hätten von mir sein können. Mein Verhalten ist der Sucht meines Mannes sehr ähnlich. Vieles hat keinen Sinn gemacht, unglaublich viel Kraft und Nerven gekostet und uns beiden außer Stress nichts gebracht.

    Trennung und Auszug habe ich bereits hinter mich gebracht. Jetzt komme ich langsam zur Ruhe und fange an, dass alles zu verarbeiten. Dank Eurer Beiträge und Erfahrungen kann ich im Nachhinein viele Situationen aus einem ganz anderen Blickwinkel betrachten.

    Das loslassen fällt mir nach all den Jahren noch unglaublich schwer. Aber ich habe nicht nur sein Problem erkannt, sondern glücklicherweise auch mein eigenes.

    Auf seins habe ich bedauerlicherweise keinen Einfluss, aber auf meines sehr wohl. Da fange ich jetzt erstmal an.

  • Guten Morgen,

    ich habe in den letzten Tagen sehr viel bei Euch gelesen und konnte mich dadurch selbst viel besser objektiv sehen.

    Mich mit mir selbst auseinander zu setzten war unglaublich schwer, aber auch irgendwie befreiend.

    Ich habe mir selbst die falschen Fragen gestellt. Immer wieder habe ich mich gefragt warum er mir und sich das alles antut. Jetzt frage ich mich, warum ich mir das alles angetan habe. Wie konnte ich so lange zulassen, dass so mit mir umgegangen wird. Warum habe ich mich selbst nicht geschützt ? Warum war mir sein " Wohlbefinden" wichtiger als meins ?

    Ich denke nicht mehr so viel darüber nach, wie es ihm wohl geht oder ob er es schaffen wird. Ich denke lieber darüber nach, was ich tun kann, um nicht wieder in so eine Lage zu geraten.

    Das alles möchte ich niemals wieder in meinem Leben durchmachen. Ich kann das Verhalten von anderen nicht ändern, aber ich muss keine Situation aushalten, in der ich nicht sein will. Ich bin auch erwachsen und treffe die Entscheidungen für mein Leben selbst.

    Er hat entschieden zu trinken und fühlt sich anscheinend damit wohl, wenn ich damit nicht klar komme und mich damit nicht wohl fühle, kann ich gehen. Ich habe eine Wahl...

    Nur der Abstand und Eure Fäden helfen mir die Scheuklappen abzulegen und wieder klar zu sehen.

    Danke, dass ihr Eure Lebensgeschichten teilt.

    Habt einen schönen Tag und denkt an Euch

  • Liebe Trudy,

    du siehst das ganz genau richtig! Du kannst andere und ihr Verhalten nicht ändern, du kannst nur dein Verhalten ändern! Das hast du wirklich gut erkannt. Du brauchst kein schlechtes Gewissen zu haben. Dein Ex ist erwachsen und für sich und sein Leben selbst verantwortlich. Wenn er saufen will, kann er saufen, wenn er wirklich aufhören und sein Leben ändern und hart an sich arbeiten wollte, könnte er das tun. Es gibt genug Hilfsangebote, die er in Anspruch nehmen könnte.

    Ich wünsche dir sehr, dass du weiter zur Ruhe kommen und Kraft tanken kannst.

  • Hallo Panama,

    Ich danke Dir für Deine lieben Worte.

    Die Erkenntnis, dass nicht nur er ein Problem hat, sondern ich ein ebenso großes hilft mir sehr weiter. Auch mein Verhalten hat etwas selbst zerstörerisches. Und auch ich musste erst selbst darauf kommen, um wirklich etwas zu ändern. Da haben alle guten Ratschläge von außen auch nicht gefruchtet.

    Vielleicht sind sich die Probleme von Cos und Alkoholabhängigen da sehr ähnlich.

    Beratungsresistent, bis man selbst drauf kommt =O

    Einsicht ist ja bekanntlich der erste Weg zur Besserung :)

  • Guten Morgen Sonnenschein ,

    das ist ein sehr schöner Satz, der viel Wahrheit beinhaltet.

    Vielen Dank dafür. Die Kraft kann ich auch gut gebrauchen. Es gibt Tage, da falle ich in alte Verhaltensmuster zurück und Sorge mich fürchterlich.

    Manches bleibt einfach so unverständlich.

    Es gibt aber auch viele gute Momente und die versuche ich einfach zu steigern.

    Es wir wohl noch einige Zeit brauchen, alles zu verarbeiten.

    Das lesen in der Gruppe tut mir gut und bin sehr froh, hier zu sein.

    Wünsche einen schönen Tag

    Viele liebe Grüße Trudy☀️

  • Guten Abend,

    ich denke es ist mal wieder an der Zeit zu schreiben wie die letzten Tage so gewesen sind.

    Dieses Forum ist zu meiner täglichen Gewohnheit geworden, ebenso wie meine Sprachapp, in welcher ich täglich fleißig Spanisch lerne. Wenn ich in mich in meinen Gedanken verhedder hilft mir das sehr, da raus zu kommen und mich abzulenken. Mit Büchern oder Filmen ging das nicht, da schweiften die Gedanken immer wieder ab.

    Wenn mir unterwegs nervige Gedanken kommen, rufe ich mir die Vokabeln nochmal auf und kann dadurch den Kreislauf beenden.

    Ansonsten gehe ich unglaublich viel spazieren.

    In meinem Leben hat sich in den letzten Monaten so unglaublich viel verändert. Ich habe auf einmal unglaublich viel Zeit. Zeit war damals immer Mangelware. Es gab immer so viel zu erledigen, dass für mich kaum Zeit war.

    An vielen Tagen gelingt es mir ganz gut die freie Zeit zu nutzen. An einigen Tagen fehlt mir aber auch ganz doll ein Alltag. Vorher habe ich einfach funktioniert, jetzt habe ich Zeit darüber nachzudenken, was ich machen möchte und das ist manchmal garnicht so einfach zu beantworten :/

    Klingt komisch, ist aber tatsächlich so...

    Wahrscheinlich muss ich mich selbst erstmal wieder neu kennenlernen.

    Es gibt auch viele tolle Momente. Ich lade wieder Freundinnen zu mir nach Hause ein. Vorher habe wir uns immer außerhalb getroffen. Wenn es jetzt an der Tür klingelt, sind es nur noch Menschen, die ich sehen möchte oder die liebe Nachbarin, die mich mit selbst gebackenen Kuchen verwöhnt.

    In meinem "alten" Leben bin ich nicht mehr zur Tür gegangen, weil da nur die Saufkumpanen klingelten. Ich habe die Klingel und die Leute regelrecht verabscheut, weil ich wusste was darauf folgt.

    Ich habe einen wirklich grausamen Klingelton, aber wenn es jetzt klingelt bekomme ich keine Panik mehr, sondern gehe lächelnd zur Tür :)

    Die Entscheidung zu gehen war unglaublich schwer und auch ich habe viel zu lange dazu gebraucht, aber es war richtig.

    Viele liebe Grüße

    Trudy

  • Hallo Trudy,

    An vielen Tagen gelingt es mir ganz gut die freie Zeit zu nutzen. An einigen Tagen fehlt mir aber auch ganz doll ein Alltag. Vorher habe ich einfach funktioniert, jetzt habe ich Zeit darüber nachzudenken, was ich machen möchte und das ist manchmal garnicht so einfach zu beantworten :/

    Klingt komisch, ist aber tatsächlich so...

    Das habe ich damals nach meiner Trennung auch ähnlich erlebt. Plötzlich war es ruhig um mich rum und der einzige Mensch um den ich mich kümmern musste war ich.

    Das war komisch. Das war gut auf der einen Seite aber auch irgendwie ungewohnt. Und ich hab mich manchmal auch verloren gefühlt.

    Und das ist ja tatsächlich oft so. Ich zumindest hatte mich in all den Jahren verloren. " Was haben sie denn für Hobbies", wurde ich mal gefragt. Ohhhh, uuuuppssss... Das wusste ich garnicht. Da musste ich überlegen und war plötzlich ganz traurig.

    Wahrscheinlich muss ich mich selbst erstmal wieder neu kennenlernen.

    Ja, das ist so. Und das ist auch spannend.

    Ich wusste dann auf einmal, dass ich so gerne mal eine Oper sehen wollte und da konnte ich anknüpfen. Und seither habe ich schon etliche gesehen. Am Freitag gibt es auch wieder eine.

    "Belshazzar" von Händel, von der Oper hab ich vorher noch nie gehört. Bin mal gespannt.

    Liebe Grüße Aurora

    Glücklichsein ist eine Entscheidung

  • Hallo Aurora,

    ich habe auch schon einige Veranstaltungen besucht, um herauszufinden wie ich in Zukunft meine neu gewonnene Zeit verbringen möchte.

    Eine Vorstellung von den Shaolin Mönchen fand ich sehr beeindruckend. Was die mit mentaler Stärke alles erreichen können, hat mich sehr fasziniert. Einer von den Mönchen sagte, der größte Feind des Menschen wäre seine eigene Angst. Ich habe einige Tage darüber nachgedacht und glaube, da ist viel wahres dran.

    Angst ist ja nicht nur ein Schutz vor Gefahren, Angst bedeutet auch Stillstand. Und selbst kleine Ängste zu überwinden, kann schon viel bewirken.

    Ich werde mir auf jeden Fall noch ganz viele tolle ansehen und mir nach und nach einen schönen Alltag zurecht basteln.

    Ich wünsche Dir mega viel Freude am Freitag bei Deiner Oper. Toll, dass Du etwas gefunden hast, was Du gerne magst.

    Viele liebe Grüße

    Trudy

  • Hallo Trudy,

    Einer von den Mönchen sagte, der größte Feind des Menschen wäre seine eigene Angst. Ich habe einige Tage darüber nachgedacht und glaube, da ist viel wahres dran.

    oh ja, das kann ich bestätigen. Angst hat mich viele Jahre festgehalten, in meiner ersten Ehe mit dem Abhängigen. Und durch verschiedene Schicksalsschläge ist sie ein fester Bestandteil von mir geworden.

    Inzwischen kann ich sie schon immer öfter zur Ruhe bringen. Ich akzeptiere sie immer mehr als Bestandteil meines Lebens.

    Angst lähmt und macht unfrei. Und das meiste spielt sich im Kopf ab, ist irrational. Meine Angst spielte und spielt sich so gut wie immer in Zukunftsdingen ab. Also dort, wo es ungewiss ist und nicht kontrollierbar. Deshalb ist es wichtig, im Jetzt zu bleiben. Heute geht es mir gut.

    Das einzige, was ich für meine nahe Zukunft derzeit konkret weiß ist, dass mein Mann und ich am Freitag in die Oper gehen.

    Shaolin Mönche, wow, das interessiert mich auch, ich kann mir gut vorstellen, dass das faszinierend ist.

    Liebe Grüße Aurora

    Glücklichsein ist eine Entscheidung

  • Liebe Aurora,

    bei mir waren es auch viele Ängste. Nicht immer große, sondern auch ganz viele kleine.

    Ich habe beschlossen mutiger zu werden, jeden Tag ein kleines bisschen mehr und wenn ich damit mal auf die Nase falle, ist das auch ok.

    Wenn meinen Kindern irgendwas nicht gelingen wollte, habe ich sie daran erinnert, wie sie laufen gelernt haben. Sie sind so oft gefallen, aber immer wieder aufgestanden und haben es hoch motiviert aufs neue versucht, bis es geklappt hat. Sie waren so unendlich stolz auf jeden kleinen Schritt <3 Ich werde mal meine eigenen Ratschläge auf mich anwenden und gucken was passiert.

    Das nicht alles von heute auf morgen klappt, habe ich inzwischen eingesehen und das ist auch ok. In meine Co Abhängigkeit bin ich langsam gerutscht und schleiche mich auch langsam wieder raus. Das wichtigste für mich ist, die Fehler nicht zu wiederholen.

    Wünsche allen einen friedlichen und stressfreien Tag

    Viele liebe Grüße

    Euer Mini Mönch Trudy

Unserer Selbsthilfegruppe beitreten!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!