lenvan - Angehörige von Alkoholiker

  • Guten Morgen lenvan,

    Wie viel Kontakt habt ihr denn im Alltag, du und deine Eltern bzw. dein Vater? Ihr lebt im gleichen Haus und teilt euch einen Eingangsraum. Gibt es ansonsten regelmäßig Treffen? Gehst du zu deinen Eltern in die Wohnung wegen möglicher Verpflichtungen? Überschreitet dein Vater Grenzen und steht alkoholisiert in deiner Wohnung?

    Ich möchte dich nicht ausfragen oder verhören, ich merke nur, dass ich mir deine Situation ganz konkret noch nicht vorstellen kann. Also salopp gesagt, wie sehr dir deine Eltern möglicherweise auf die Pelle rücken (oder eben auch nicht). Vielleicht helfen dir die konkreten Nachfragen ja auch etwas zu schreiben :)

  • Wie bekommst Du das denn trotz der getrennten Wohnungen so genau mit? Teilt Ihr Euch evtl. den Garten oder bestimmte Mahlzeiten, oder ist das Haus hellhörig, sodass Ihr mitbekommt, falls Deine Eltern deswegen streiten?

  • Ich wollte ihm jetzt sagen das es so nicht weitergeht. Mein Herz schlug bis zum Hals und ich weinte. Schaffte kein Wort.Wenn Er es schafft weniger zu trinken bei einem Gichtanfall, muss es doch auch möglich sein, ein Leben lang weniger zu trinken. Oder liege ich da falsch

  • Liebe Lenvan,

    es tut mir leid, dass es Dir offenbar so schlecht geht.

    Ja, für Dich persönlich wäre es wichtig, dass Du anderen Menschen sagen kannst, wenn Dich ewas stört - oder gelingt dir das nur bei deinen Eltern nicht?

    Hast Du schon mal an eine psychologische Beratung gedacht? Das offene Einstehen für die eigenen Interessen lässt sich wie vieles andere lernen, ich konnte das in jungen Jahren auch nur sehr begrenzt - und wenn, dann nur sehr aufgeregt und vorwurfsvoll.

    Aber selbst wenn Du es schon geübt und gelernt hättest: Gegenüber einem Süchtigen wäre es verlorene Liebesmüh, wie Dir schon von Alkoholikern wie mir sowie Angehörigen geschrieben wurde.

    Kannst Du denn mit dem, was Dir hier geschrieben wurde (gern noch mal lesen) irgendwas anfangen?

    Auch ich finde es schwierig, auf Dich einzugehen, wenn ich Deine Situation so gar nicht einschâtzen kann und wenn so wenig Reaktion auf die Beiträge hier kommt.

    Bitte nicht sls Vorwurf verstehen, sondern als Anregung, bei aller gebotenen Anonymität hier etwas mehr aus Deinem Schneckenhaus herauszukommen - für Dich und Deine Kinder.

  • Meine Eltern lassen mich wenn ich in meinem Bereich bin in Ruhe. Wenn ich von der Arbeit komme ist er immer draußen und sucht das Gespräch, ich sage ja oder nein oder nichts und gehe in meinen Bereich. Ja,wenn ich in den Garten gehe oder die Kinder kommt er schnell hinterher. Ganz schlimm ist es für mich, wenn mir die Nachbarn oder Verwandte erzählen, das mein Vater gestern bei ihnen war im Vollrausch. Oder gestern war ein Sommerfest in der Schule der 9 jährigen, sogar dort wird über ihn geredet. Ich weis nicht was ich dann sagen soll, wie ich die Kinder schützen soll

  • Mir ist nochwas eingefallen, falls ich ausziehe, werde ich ja trotzdem immer wieder mit dem konfrontiert weil mir Leute erzählen wo sie ihn gesehen haben. Oder ich sehe ihn selbst wo, oder wie kann ich mit dem fertig werden, meine Mutter allein zu lassen

  • Liebe Lenvan. Du hast mit deinem dich hier öffnen u mitteilen einen 1. Anfang gemacht.

    Deine Mutter u auch dein Vater sind für sich selbst verantwortlich u diese womöglich gefühlt übernommene Verantwortung darfst/solltest du gerne symbolisch Ihnen zurückgeben. Du bist nicht seine Pressestelle oder Vermittlerin mit den Dorfbewohnern. Das stelle ich mir sehr belastend für dich u deine kleine Familie vor. Da darfst du das nächste Mal ruhig ein Stop setzen.
    Es ist immer einfacher über jemanden zu reden als mit jemanden.

    Ich wünsche dir die Kraft, dass du dich da besser abgrenzen kannst. Das geht nicht von heute auf Morgen aber Stückle für Stückle. LG Simsalabim

  • Dieses Forum nennt sich ja nicht umsonst SELBSThilfeforum.

    Da können andere Betroffene bei Deiner Selbsthilfe allenfalls unterstützen und aufgrund eigener bzw. Lebenserfahrung Anregungen für eine andere Betrachtungs-/Herangehensweise geben, die Dir helfen kann, Dich auf Deinen eigenen Weg zu machen.

    Das habe ich versucht und versuche es auch gern weiter - wenn ich tatsächlich online (und nicht nur dauerangemeldet) bin und zu der jeweiligen Aussage/Frage etwas beitragen kann. Und wenn nicht ich, dann bestimmt andere.

    Aber: Niemand hat einen Zauberstab oder kann Dich an die Hand nehmen und Dein Problem für Dich aus der Welt schaffen, auch kein Psychologe.

    Auch wenn es sich jetzt verrückt anhören mag: Die Zauberkraft liegt in Dir, wenn vielleicht auch sehr verschüttet. Der Austausch und das Lesen hier können Dir helfen, diese Kraft in Dir zu finden und zu beleben.

    Solche Veränderungen brauchen Zeit, weil sie tiefsitzende Prägungen in uns betreffen. "Was sollen denn die Leute denken?", "Ich kann doch nicht einfach sagen, dass ich das nicht gutfinde/will, nachher hasst der mich...", usw.) Sich das genauer anzuschauen, kamn schwierig und manchmal auch schmerzhaft sein.

    Dabei kann neben diesem für mich unendlich wertvollen Selbsthilfeforum eine Psychotherapie helfen. Ich brauchte auch mehrere Versuche, bis ich die für mich richtige Person zum richtigen Zeitpunkt fand. Es kommt auch auf die Fachrichtung und den Draht zur Therapeutin an. Um das zu klären, sind die Vorbesprechungen da.

    Eine verhaltenstherapeutische Ausrichtung in in der Therapie hilft z. B., nicht nur zu verstehen, wie bestimmte Muster entstanden sind, sondern auch, sie zumindest in Teilen zu überschreiben und neue Verhaltensweisen einzuüben, damit Du besser damit leben kannst.

    Ich habe auch ewig gebraucht, bis es mich relativ kaltgelassen hat, was die Leute in meinem Heimatkaff über mich denken und reden - im Zweifelsfall immer das Schlechteste. Dazu musste ich allerdings damals in eine größere Stadt ziehen, mittendrin hätte ich es nicht geschafft.

    Aber: Manche Änderungen können nicht auf Therapieplatz und -erfolg warten, gerade, wenn auch Kinder betroffen sind, die keine Wahl haben.

    Deshalb möchte ich Dir dringend ans Herz legen, hier dranzubleiben und Dich mit den Fragen und Antworten zu beschäftigen, die Du hier erhältst, egal, von wem. Und hier auch bei anderen EKAs, also erwachsenen Kindern von Alkoholikern, mitlesen.

    Irgendwann lockert sich dann der Knoten in Dir, und Du kannst freier denken und handeln - bleib dran!

    Zu Deinen konkreten Fragen:

    Du kannst Deine Kinder nicht davor bewahren, dass andere Leute über sein Verhalten reden und sie/euch ggf. Darauf ansprechen.

    Aber Du kannst ihnen helfen, es einzuordnen und Euch abzugrenzen, indem Du Dich hier zur Funktionsweise von Sucht schlaumachst und kindgerecht mit ihnen darüber sprichst.

    Ihr seid weder schuld noch verantwortlich für ihn, noch steht es überhaupt in Eurer Macht, irgendwas an seinem Verhalten zu ändern.

    Denn er ist offenbar süchtig - das ist keine Charakterschwäche, sondern eine schwere und unheilbare psychische Krankheit. Kein Mensch auf der Welt kann ihm helfen, wenn er selbst die Sucht nicht stoppen will (weil sie ihm einredet, dass ein Leben ohne Alk sinnlos ist.)

    Du bist auch nicht seine Erziehungsberechtigte oder gesetzliche Betreuerin - und auch die dürfte und könnte ihn nicht daran hindern, besoffen bei anderen zu klingeln.

    Es geht also immer wieder darum, Grenzen zu setzen und für Dich und Deine Kinder einzustehen.

    Das schreibt sich so einfach, ich weiß....Aber auch Du kannst es lernen.

  • Hallo lenvan,

    ich finde es gut, dass du dich Stück für Stück weiter hier öffnest. Das ist wichtig und mutig und du bekommst Antworten. Denn du wirst hier ernst genommen. Weil du es wert bist.

    Rennschnecke hat dir in ihrem Beitrag viele Dinge geschrieben, die nachdenkenswert sind und hilfreich sein können. Für dich.

    Und diesen Gedanken

    Du bist nicht seine Pressestelle oder Vermittlerin mit den Dorfbewohnern.

    finde ich auch ganz wichtig. Du darfst da ein " Stopp" sagen, sagen, dass du weißt, was mit deinem Vater los ist, dass du diese Infos nicht brauchst weil du nicht verantwortlich bist. Ich weiß, dass das sehr schwer ist zu sagen. Vielleicht kannst du dich auch einfach wegdrehen und weggehen. Auch DAS ist eine Grenze, die du dann setzt.

    Und ganz ehrlich,

    Ganz schlimm ist es für mich, wenn mir die Nachbarn oder Verwandte erzählen, das mein Vater gestern bei ihnen war im Vollrausch.

    warum erzählen sie dir das? Sie müssen ihn doch nicht reinlassen. Dafür bist doch DU nicht verantwortlich sondern diese Leute selbst. Da wird dir was zugeschoben, das weder deine Verantwortung ist noch das du ändern kannst. Das müssen die schon selbst machen.

    Das sind jetzt alles Denkanstöße. Vielleicht machen sie dir Mut, langsam selbstbewusster zu werden.

    Was sagt eigentlich der Vater deiner Kinder zu der ganzen Situation?

    Liebe Grüße Aurora

    Glücklichsein ist eine Entscheidung

  • Der Vater der Kinder sagt mit meinem Vater reden bringt nichts. Würde er auch nicht machen. Er wird auch angesprochen und sagt es mir weiter. Was mich noch mehr belastet und mir das Gefühl gibt, ich muss das ändern

  • Mir hat nur geholfen wegzuziehen. Ich fand einen Arbeitsplatz ca. 30 km entfernt und habe dort Jahrzehnte gelebt. Ansonsten wäre ich kaputtgegangen.

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Ich denke auch, dass die vernünftigste Lösung eine räumliche Trennung wäre. Er ist Abhängig und daran kannst du nichts ändern. Vielleicht ist der Schritt noch zu groß, aber innerlich kannst du schon Schritte in die Distanz gehen.

    Mir hilft es manchmal, Dinge die ich für mich klar haben will, vor dem Spiegel laut auszusprechen. ‚Ich bin nicht für ihn verantwortlich‘ oder so.
    Vielleicht hilft es auch im Kopf durchzudenken, mit welchen baulichen Maßnahmen die Wohnung vermietbar wäre, damit du dir eine eigene Wohnung leisten kannst (mit Abstand!).

  • Was mich noch mehr belastet und mir das Gefühl gibt, ich muss das ändern

    Du bist nicht verantwortlich für das Verhalten deines Vaters. Du bist nicht schuld daran.

    Und es liegt nicht in deiner Macht sein Verhalten zu verändern.

    Was in deiner Macht liegt, ist für dich und deine Kinder zu sorgen.

  • Genau: Können sie in der Gesamtsituation unbeschwert aufwachsen, (draußen) spielen, Freunde einladen? Ihre Meinung und ihre Bedürfnisse äußern?

    Was lernen sie an Beispiel Eurer Familie über den Umgang mit Alk, mit Konflikten und eben auch mit dem Gerede der Leute?

    Wie gesagt: Das sind Anregungen, keine Vorwürfe...

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