Estragon - Scham und Schuldgefühle

  • Mir hat auch geholfen, dass ich diese verlotterten Katertage, die ich dachte zum Entspannen zu brauchen, manchmal nachspiele.

    Ich bleibe einfach im Bett, habe keinen Kater aber eben mal einen Lümmeltag- ich brauche die Ausrede Kater ja nicht- für wen?

    Liebe AnnaBlume , das hast Du so gut beschrieben! Ich hab ja manchmal mir selbst gegenüber ein schlechtes Gewissen wenn ich lange rumlümmle, aber so wie Du es schreibst ist es total sinnvoll! Schätze, ich werde nächstes Mal kein schlechtes Gewissen haben 😊

    ☯ 𝒞𝒶𝓇𝓅𝑒 𝒹𝒾𝑒𝓂. 𝒞𝒶𝓇𝓅𝑒 𝓃𝑜𝒸𝓉𝑒𝓂. 𝒞𝒶𝓇𝓅𝑒 𝑜𝓂𝓃𝒾𝒶. ☯

  • Hallo Morgaine,

    ich gehe recht offen mit dem Thema um, aber auch nur sehr gezielt. Ich habe einem Freund meinen restlichen Alkohol und meine Weingläser geschenkt, dem habe ich es erzählt und dann einem Freund der selber Polytox ist, aber nichts mehr nimmt. Der hat recht viel Erfahrung mit dem "nüchtern" werden und leben. Der hat mir gut weitergeholfen.
    Also diejenigen, denen ich es erzählt habe waren ganz positiv. Aber ich habe auch nicht das Bedürfnis es jedem zu erzählen, aber ich wünscht wirklich wie wären in Deutschland etwas weiter offen über das Problem Alkoholismus zu reden. Es ist doch zu stigmatisiert hier und das ist nicht hilfreich.

    Aber ich habe wirklich gute Freunde, die das verstehen und die das ganz positiv aufgenommen haben

    Hallo Estragon,
    das freut mich, dass Du da ein verständnisvolles Umfeld hast!

    Ja, das mit der Stigmatisierung ist so eine Sache... nachdem ich Deine Antwort gelesen habe, ist mir klar geworden, dass ich mich daran schon gewöhnt habe, weil ich aus anderen Gründen schon Stigmatisierung erfahren habe...
    Das Nicht-Wahrhaben-Wollen in einer Gesellschaft und das Stigmatisieren sind Schutzmechanismen des Systems um sich zu erhalten - das ist nicht schön und macht es nicht besser, aber mit dieser Erklärung habe ich für mich Frieden damit geschlossen.
    Allerdings habe ich zum Beispiel auch keinen Arbeitgeber, wo Alkoholismus ein Thema sein könnte, das macht es für mich einfacher...
    Ich finde jedenfalls, wir sollten uns davon nicht beeindrucken lassen und stattdessen stolz auf uns sein!

    Liebe Grüße
    Morgaine

    per aspera ad astra (nach Seneca) - durch das Dunkel zu den Sternen

  • Hi Estragon und herzlich willkommen!

    Vielleicht schaffst du es irgendwann, deinen Titel zu ändern. Scham und Schuldgefühle hatte ich auch. Aber je länger ich nüchtern lebe, desto mehr verblasst alles. Es lohnt sich wirklich. Ich blicke jetzt, nach über 4 Jahren zurück und bin einfach glücklich, diese Zeit hinter mir gelassen zu haben und zufrieden darüber, wie was für ein Mensch ich ohne Alkohol bin.

    Lieber Gruß,

    Hera

    Freiheit begann für mich dort, wo die Ausreden endeten.

    Abstinent seit 2022

  • Hallo allerseits,

    vielen Dank für die Nachrichten. Ich habe sie alle aufmerksam gelesen. Und Trinken ist auf jeden Fall keine Option.

    Ich hatte jetzt am Wochenende schon zwei echte Herausforderungen für mich, muss ich sagen. Das erste war ein 50 Jähriger Geburtstag von einem Freund. Sehr groß gefeiert und Alkohol so viel man wollte. Und natürlich waren auch viele meiner Freunde wieder sehr betrunken. Ich wollte dann irgendwann gehen und die anderen wollten noch weiterziehen. Es war nicht so einfach für mich dem Gruppendruck nicht nachzugeben. Ich wurde als Spaßbremse hingestellt. Aber ich bin dann gegangen (und meine engeren Freunde dann auch, wobei die natürlich noch hätten bleiben können, was ich denen auch gesagt habe).

    Am nächsten Tag hatte ich dann eine etwas schwierigere Situation. Wir hatten einen Brettspielnachmittag bei mir und Abends waren wir noch essen.
    Und von 5 Leuten waren 3 wirklich sehr betrunken. Ich mag denen auch nicht verbieten zu trinken, aber ich muss auf mich selber aufpassen. Auf jeden Fall wollte ich dann so um 22 Uhr nach Hause und da gab es dann im Restaurant schon fast sowas wie einen kleinen Konflikt, weil ich gehen wollte. Mir wurde dann gesagt "Wir haben ja noch gar nicht ausgetrunken" und es wurde noch mehr Bier bestellt. Ich bin dann geblieben, was mich ehrlich gesagt ärgert im Nachhinein. Ich hätte einfach gehen sollen. Ich muss wirklich lernen Grenzen zu setzen, das fällt mir noch recht Schwer. Aber zumindest habe ich nichts getrunken und bin Stolz auf mich und fühle mich mir jedem Tag besser. Aber ich habe für mich innerlich auch beschlossen das, sollten Freundschaften darunter leiden, dann ist es das Wert. Meine Gesundheit kommt an erster Stelle.

    Ich finde diesen "sozialen" Aspekt des Trinkens richtig nervig. Ich muss mir wirklich mehr Freunde suchen die auch "nüchtern" Spaß haben können.

  • Ich muss wirklich lernen Grenzen zu setzen,

    Vor allem Dir selbst. In der ersten Zeit ist es extrem wichtig genau das zu meiden, was Du erlebt hast.
    Du kannst Deinen Freunden (denen ein Trinkkumpane sehr wichtig erscheint) das Trinken nicht verbieten. Aber Du kannst weg bleiben.

    da gab es dann im Restaurant schon fast sowas wie einen kleinen Konflikt, weil ich gehen wollte.

    "Ich will jetzt gehen". Fertig. Da gibt es nichts zu diskutieren. Richtige Freunde nehmen Rücksicht auf das was ein Freund möchte. Und wenn es hier einen Konflikt gibt, stimmt da etwas nicht.

    Nur nicht trinken reicht nicht.

    Ich lebe ein glückliches und trockenes Leben. Dafür habe ich meine (Trink-) Freunde in den Wind geschossen.
    Dabei bleiben dann automatisch die Menschen übrig denen etwas an Dir liegt.

    Wo ich hingehe, dort bin ich dann.

  • Lies Dir noch mal genau die Grundbausteine durch, Estragon. Das ist gelebte Forenerfahrung.

    Du musst andern nicht beim Saufen zugucken. Du musst Dich auch nicht als Fahrer für Saufwillige zur Verfügung stellen und/oder diskutieren, wenn Du nach Hause möchtest - egal, warum.

    Ich habe hier mal gelesen:

    "Meine Abstinenz ist nicht verhandelbar."

    Sei es Dir wert, nimm Dich wichtig!

  • Hallo Estragon,

    wir empfehlen gerade im ersten Jahr nicht ohne Grund, Trinkveranstaltungen, alte Saufplätze und Saufkumpanen möglichst zu meiden.

    Und natürlich bist du jetzt plötzlich die Spaßbremse. Was denn sonst? Du spielst inzwischen in einer anderen Liga. Während die anderen weitertrinken wollen, stehst du auf und gehst. Damit hältst du dem einen oder anderen ganz nebenbei einen Spiegel vor. Nicht jeder möchte beim nächsten Bier unbedingt über sein eigenes Trinkverhalten nachdenken.

    Ich würde deshalb gar nicht so viel darüber nachdenken, ob richtige Freunde dich früher gehen lassen oder genügend Rücksicht nehmen.

    Die entscheidende Frage wäre für mich: Muss ich da überhaupt hin? Du hast jetzt an zwei Tagen erlebt, dass du zwischen ordentlich besoffenen Leuten sitzen und nichts saufen kannst.

    Schön. Probe bestanden? Nö. Das ist Kampf mit der Sucht. Aber wozu braucht es diese Probe überhaupt? Dieses „Ich muss doch irgendwann lernen, damit umzugehen“ oder „Ich muss ausprobieren, ob das schon geht“ haben vor uns schon genügend Alkoholiker versucht. Du bist gerade mal ein paar Tage ohne Alkohol. Da würde ich der Sucht noch nicht unbedingt ein Praktikum im betreuten Saufen anderer Leute anbieten.

    Bei vielen geht so etwas eine ganze Weile gut. Bis es einmal nicht mehr gutgeht. Mit der Sucht würde ich weder verhandeln noch Belastungstests veranstalten.

    Gerade am Anfang sind solche Situationen für viele schlicht unnötig.

    Ich kann mir vorstellen, dass das als sogenannter Quartalstrinker manchmal sogar schwieriger einzuordnen ist als für jemanden, der täglich gesoffen hat. Drei oder vier Wochen nichts zu saufen war bei dir schließlich nichts Ungewöhnliches.

    Nur am Ende bleibt das Ergebnis dasselbe. Wenn du angefangen hast, konntest du nicht zuverlässig aufhören. Ob vorher drei Stunden, drei Tage oder drei Wochen nichts getrunken wurde, ändert daran herzlich wenig.

    Man muss nicht herausfinden, wie viel Risiko man verträgt. Man kann auch lernen, auf welches Risiko man ganz verzichten kann.

    Dir alles Gute

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

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