Schritte für die nächsten Wochen

  • Guten Abend zusammen,

    heute war ein schöner Tag. Habe erst was für die Uni gemacht, dann gemütlich gefrühstückt, weiter für die Uni gearbeitet bis 16 Uhr und mir dann vor der Dämmerung noch einen Spaziergang gegönnt. Hab meine festen Winterschuhe aus dem Keller geholt und mal eingelaufen - und mir prompt eine Blase gelaufen :? . Aber egal... dann habe ich wieder angefangen Morrowind zu spielen. Ich hab zwar schon den Nachfolger Oblivion, aber irgendwie ist mir im Winter, wenn es gegen Weihnachten geht, eher danach. Keine Ahnung warum.

    Als mein Freund nach Hause gekommen ist haben wir dann die Xbox 360 am HD-Fernsehr meiner Eltern getestet. Ich sage nur :shock: :shock: :shock: . Kraaass...

    Daran ist auch eine sehr positive Entwicklung zu erkennen: Ich bin inzwischen in der Lage, meine früheren Verpeilanlässe gezielt als Belohnung einzusetzen. Z.B. daddeln: Früher habe ich stundenlang gedaddelt, obwohl ich eigentlich andere Sachen hätte tun MÜSSEN. Flucht vor der Realität. Natürlich hat das Spielen keinen richtigen Spaß gemacht, Stichwort Damokles-Schwert, aber aufhören konnte ich auch nicht - das hätte bedeutet, dass ich mich mit meinen Aufgaben, Problemen hätte auseinander setzen müssen. Gesoffen habe ich auch dabei, aber spätestens nach dem dritten Bier war dann schluss mit Spielen, weil ich das dann nicht mehr auf die Reihe gekriegt hab.
    Jetzt ist es viel entspannter, weil ich weiß, ich habe meine Tagesziele erreicht, jetzt DARF ich mit GENUSS spielen/lesen/fernsehen/Geschichten schreiben, ohne dass mir was im Nacken hängt.

    Parallel dazu hatte ich die letzten Wochen keinen Saufdruck mehr. Es geht voran!

    Ich werde noch ein wenig über die ganzen Threads reflektieren, die gerade aktuell sind. Da ist viel nachdenkenswertes dabei. Aber das habe ich ja gestern schon geschrieben ;) . Meine Überlegungen bisher sind noch nicht schreibreif.

    LG
    Plejaden

  • Hallo Plejaden,

    zu deiner Silvesterplanung noch einige Worte:

    Zitat

    Es wird alles darauf hinauslaufen, dass ich das Angebot des moderierten Chats hier wahrnehmen werde. Das sage ich wirklich mit Freude und ohne Verzichtsgedanken, denn Sylvester hab ich seit jeher am Liebsten daheim gefeiert.


    Hier können etliche bestätigen, welch Spaß wir letztes Jahr gemeinsam erlebt haben.
    Und sei dir gewiß, dass du einen nüchternen Neujahrsmorgen erleben wirst, der von seinen Gefühlen einzigartig ist, wenn sich viele noch mit den obligatorischen Entzugsschmerzen plagen.

    Gruß, Freund.

  • Hallo Plejaden,

    da kann ich Freund nur zustimmen.

    Es gehört für mich zu einem der schönsten Vorteile nüchtern zu sein: Morgens frisch und tatendurstig aus der Falle zu hüpfen (naja, meistens jedenfalls ;-)). Und das gilt natürlich insbesonders für den Neujahrsmorgen.

    Freu Dich drauf!

    Liebe Grüße

    pauly

    Es ist nicht leicht, das Glück in sich selbst zu finden,
    doch es ist unmöglich, es anderswo zu finden.

    Agnes Repplier

    Abstinent seit Oktober 2006

  • Guten Abend zusammen,

    puh, heute war ein mega-stressiger Tag. Hab aber einiges geschafft.
    Einen Prüfer habe ich heute auch für mich gewinnen können, fehlt nur noch Nummero zwei. Wie ich heute auch geklärt habe, habe ich Zeit bis Ende November um die Prüfungsunterlagen vollständig einzureichen.
    Dann haben mein Freund und ich das erste Möbelstück aus der Wohnung geschafft, wir nutzen die Zeit dafür, weil meine Eltern grad nicht da sind. Eben überkam mich kurz große Resignation, als ich das ganze Chaos hier gesehen habe. Ich bemerkte die alten Impulse, mich einfach inmitten des Durcheinanders hinzusetzen und einfach TV zu gucken. Aber ich habe dem Impuls widerstanden, den Fernseher ausgelassen und erstmal aufgeräumt. Jetzt kann ich mir WIRKLICH Ruhe gönnen.

    Es macht mir immer mehr Spaß die Dinge anzupacken anstatt sie zu verpeilen, weil ich es geschafft hab, Arbeit mit der darauf folgenden Belohnung zu verknüpfenn. Was noch besser ist: Da ich vorher nie wirklich gearbeitet habe, ist dieses System nicht mit Alkohol verbunden. Alkohol habe ich immer getrunken, wenn ich was verpeilt hatte. Daher tendiert mein Saufdruck im Augenblick gegen null.

    Ich möchte noch einen Gedanken weiterführen, den ich in einem anderen Thread begonnen hatte. Ich hatte dort geschrieben, dass ich mir immer besser vorstellen kann, für meine Art zu leben und für meine Krankheit einzustehen. Das ist ein entscheidender Schritt für mich. Ich wurde bisher immer bevormundet, sogar darin, was ich fühlen sollte. ANDERE wollten mir erzählen, was ich zu fühlen hatte, und das sogar ziemlich häufig und vor allem ungefragt. Bestes Beispiel sind meine Eltern, von wegen "Ach soviel hast du doch gar nicht getrunken, so schlimm war das gar nicht..." Ich habe mir da jetzt eine Killer-Antwort zurecht gelegt: "Woher willst du das wissen?" (Lass mal hören... :twisted: ).
    Fest steht: ich möchte mich nicht mehr rechtfertigen. Nicht mehr erklären, verständlich machen, oder nur noch denen, die es hören und verstehen wollen.
    Ich merke, wie ich langsam integer werde. Dass ich allmählich zu dem Menschen werde, der ich schon lange sein wollte. Wie sich ein Puzzleteil ins andere fügt. Die Abstinenz war ein Meilenstein auf dem Weg dorthin.

    pauly und Freund: Ja, ich freue mich auch schon auf den klaren Neujahrsmorgen. Als Kind war ich gerne schon immer ganz früh los, um die Hölzer von den Raketen zu sammeln. Ich mochte die Stimmung, die geherrscht hat - die Welt so kalt und still, kurz vor dem Erwachen nach der lauten, aufregenden Nacht. Wirklich unbeschreiblich.
    Ich glaube, diese Tradition möchte ich wieder aufleben lassen. Ob ich dabei auch Hölzchen sammele... mal sehen ;) .

    LG
    Plejaden

  • Hallo Plejaden,

    Zitat

    Dass ich allmählich zu dem Menschen werde, der ich schon lange sein wollte. Wie sich ein Puzzleteil ins andere fügt. Die Abstinenz war ein Meilenstein auf dem Weg dorthin.

    Sehr schön!!!
    :idea:
    LG kommal

    unterwegs...

  • Hallo,

    heute musste ich den ersten Fleiß-Dämpfer einstecken. Ich habe in den letzten Wochen die Erfahrung gemacht, dass alles viel entspannter ist, wenn ich es nur früh genug anpacke und konsequent dranbleibe. Nun, in diesem Fall war das nicht so. Ich habe die Aufgabe (Referat bis morgen 14 Uhr) sofort angepackt, konsequent daran gearbeitet... und musste trotzdem bis grad eben daran rumtüfteln, weil es einfach zu viel war :roll: . Also, nächste Lektion: Die eigenen Grenzen einschätzen, wissen, wieviel man in welcher Zeit schafft. Da ich bisher immer verpeilt habe, habe ich kein Gefühl dafür wie lange ich für Sachen brauche wenn ich mich reinhänge. Es gibt noch viel zu lernen...

    Heute hatte ich zum ersten Mal seit Wochen wieder einen "Alkoholblitzer". Bei dem Gedanken, es morgen abend erstmal geschafft und dann einen Tag frei zu haben, hat sich Suchti sofort gemeldet "Dann gönnst du dir ein Bier." Belohnungsdenken, auf das gute Gefühl eins draufsetzen. Habe sofort erwidert "Morrowind spielen". Das löste sofort genauso starke Vorfreude-Gefühle aus, und der Alkohol war vergessen - vorerst.

    Es ist keine Belohnung, mich zu benebeln und zu betäuben. Es ist keine Belohnung, morgens mit einem dicken Kopf und hundeelend aufzuwachen.

    Was meine langsam erscheinende Integrität angeht, da fiel mir heute auf dem Nachhauseweg ein Lied ein, das ich eine zeitlang gerne gehört habe. Das Lied heißt "The Dream within" von Lara Fabien, ich gebe lieber keine Texte daraus wieder, wegen Urheberrecht. Auf jeden Fall habe ich es früher immer gerne gehört, irgendwie weiß ich jetzt warum.

    So, ich werde mir jetzt noch ein, zwei gemütliche Stunden machen und dann ins Bett gehen. Morgen um 7 Uhr ist die Nacht vorbei...

    LG
    Plejaden

  • Juchuh, endlich ein paar Tage frei! Heute habe ich mein Referat gehalten und es ist gut gelaufen! Jetzt habe ich mir erstmal bis Montag frei verordnet, werde mich mehr um den Haushalt kümmern, mal das lesen, was ICH will, meine Gestaltung am Computer weiter machen, solange ICH will... Werde trotzdem versuchen, einen halbwegs geregelten Tagesablauf. Das muss ja nun auch sein.

    Werde heute abend nochmal reinschauen, bis denne :) . Meine Gedanken hängen noch ziemlich am Referatsthema, ich muss mich erst noch ein wenig runterkriegen...

  • So, da bin ich nochmal. Ich bin jetzt etwas gesammelter und kann ein Thema angehen, das heute in meinem Kopf aufgetaucht ist.

    Irgendwie hat sich Suchti nun doch zurück geschlichen, wenn auch nicht in Form von Saufdruck. Mein Bauchgefühl (Suchti?) sagt mir heute den ganzen Tag, dass ich ja bald wieder was trinken könne, ich habe es ja jetzt wieder unter Kontrolle. Das könne ja nicht ewig so weitergehen. Schließlich sei es normal Alkohol zu trinken, alle anderen tun es, also könne ich es doch auch wieder tun.

    Mein Kopf ist natürlich dagegen. Es ist trotzdem seltsam, das solche Gedanken heute auftauchen. Ich denke, das hängt mit dem freien Tag morgen zusammen, normalerweise hätte ich mir dann heute die Kante gegeben, mein "Trinkplan" hätte das zugelassen. Wenn ich es mir recht überlege, dann bin ich mir fast sicher.

    Ich sage mir auf jeden Fall schon den ganzen Tag: Doch, es wird ewig so weitergehen. Es ist normal KEINEN Alkohol zu trinken, denn Alkohol ist ein Gift. Und es ist nicht normal, sich selbst zu vergiften. Mal ganz davon abgesehen: Es gibt für mich keine Normalität im Umgang mit dem Alkohol mehr. Ich habe den Point of no return überschritten. Alkohol und normal schließen sich bei mir aus. Entweder gibt es den Absturz, Peinlichkeit, Schuldgefühle (wenn ich mich nicht stoppe) oder Frustration und Enttäuschung (wenn ich mich stoppe).

    Ich möchte es nochmal schreiben: Ein Leben ohne Alkohol bedeutet für mich ein klares, selbstbestimmtes Leben, ein Leben, das ich mir seit Jahren gewünscht habe, ein Leben ohne Gewissensbisse und Verzweiflung. Soviel Gewinn, indem ich nur eines weglasse. Konkurrenzlos.

    Bis morgen!
    Plejaden

  • Hallo zusammen,

    gestern habe ich mich nicht gemeldet, weil ich mir einen computerfreien Tag gegönnt habe. Keine Hausarbeiten, keine Referate, kein Internet... Musste mal sein. Aber nun bin ich wieder da.

    Diese seltsamen Gefühle, den Alkohol betreffend, die ich gestern hatte, sind heute nicht mehr da. Aber ich bin jetzt ein Stück schlauer - vor außergewöhnlichen Feiertagen muss ich wohl auf der Hut sein. Den Wochenrhythmus mit Wochenende scheine ich ja inzwischen gut im Griff zu haben, aber außerplanmäßige Feiertage scheinen ein Problem zu sein. Gut zu wissen, nächstes Mal bin ich vorgewarnt. Auch (oder gerade?) weil der nächste Feiertag Weihnachten sein wird.

    Dann fiel mir heute Mittag noch eine Sache ein, über die ich sinniert habe. Im März (also bevor ich aufgehört habe Alkohol zu trinken) war ich mit meinem Freund in einer Disko. Ich wollte ja aus meinem selbstgeschaufelten SozPhobie-Loch heraus, da dachte ich, ich müsse auf diese Weise unter Leute gehen. Es ging noch ein befreundetes Pärchen mit, man muss mir wohl angesehen haben, dass ich mich total unwohl gefühlt habe, denn der Typ meinte irgendwann zu mir: "Hier, ich geb dir nen Bier aus, dann wirst du lockerer." Ich hab es abgelehnt, weil die SozPhobie es mir "verboten" hat etwas zu trinken.
    Heute denke ich nochmal darüber nach und komme zu dem Schluss - ich habe gar kein Verlangen mehr, an so einen Ort zu gehen. Es wird erwartet, dass man sich besäuft. Ich müsste etwas trinken, weil ich mich dort dermaßen unwohl fühle, dass ich es anders kaum aushalte.
    Wieso sollte ich mir in meiner Freizeit, der Zeit meiner Erholung, so etwas antun? Ich will das nicht mehr, deswegen ist meine Diskozeit vorbei. Bevor sie richtig angefangen hat. Zum Glück.

    Schönen Abend noch und eine gute Nacht!
    Plejaden

  • So, heute war wieder ein guter Tag. Morgens früh raus, gemütlich mit meinem Freund gefrühstückt, zwei Stunden für die Uni gearbeitet, danach zum ersten Mal seit Jahren joggen gewesen. Puh, das war schon ein anderes Kaliber als walken. Zum Glück habe ich mich gerade durch das Walken darauf vorbereitet... ist ingesamt aber gut gelaufen, im wahrsten Sinne des Wortes. War nach 45 Min. fertig, davon 18 Min. laufen/gehen im Zwei-Minuten-Takt. Danach habe ich mich geduscht und mir lecker Essen gekocht, anschließend ein bisschen gedaddelt.

    Irgendwie machen mir Aufgaben inzwischen viel mehr Spaß, einfach aufgrund der Tatsache, dass danach ein gutes Gefühl eintritt. Ich habe gestern in einem anderen Thread von Lust-Orientiertheit gelesen - das hatte ich auch, ich habe die letzten Jahre echt immer nur das gemacht, worauf ich Lust hatte, und habe alles andere einfach gar nicht gemacht. Wie das endete, habe ich ja schon öfters erwähnt.
    Klar, mir macht Uni-PC-Arbeit, aufräumen, putzen etc. immer noch keinen Spaß, aber inzwischen ist das alles wesentlich enger mit dem "guten Gefühl danach" verknüpft, so dass ich diese unangenehmen Aufgaben allein deshalb mache. Es geht in die richtige Richtung.

    Ich habe mir auch wegen eines anderen Sachverhalts Gedanken gemacht - ich hatte bisher immer das (fast unbewusste) Gefühl, ich sei alkoholtrinkenden Menschen gegenüber im Nachteil. Im Nachteil in dem Sinne, dass ich eine Spaßbremse bin, mir nichts gönne, als trauriger Tropf in der Ecke herumsitze etc. Woher kommt das? Heute ist mir aufgefallen, dass es kein Wunder ist: Ich habe es selbst erlebt, unter Alkoholeinfluss erlebt man seine Gefühle, sich selbst viel extremer. Man freut sich extremer, man hat extremer Spaß, gleichzeitig sind auch alle negativen Gefühle extremer. Extrem ist in diesem Zusammenhang durchaus negativ im Sinne von "Kontrollverlust" gemeint.
    Da die alkoholisierten Menschen also alles, ihre ganze Umwelt viel extremer wahrnehmen, und sich auch extremer benehmen, kann jemand der nicht betrunken ist nur irgendwie fad erscheinen. Blaß. Leblos. Sie denken also tatsächlich völlig ernsthaft und aufrichtig, dass sie mir etwas etwas Gutes tun, indem sie mich überreden Alkohol zu trinken.

    Letztendlich führt dies alles jedoch nur wieder zu dem bekannten Schluss - unter alkoholisierten Menschen habe ich nichts zu suchen. Dort ist Alkohol greifbar, und somit eine Gefahr. Weiterhin werde ich nicht verstanden - wegen der extremen Gefühle - und man gibt sich auch keine Mühe mich zu verstehen, und wenn doch, dann in penetranter Art und Weise - extrem eben.

    LG
    Plejaden

    P.S.: Ja ja, ich weiß - ich bin wieder zu empathisch. Andere Menschen verstehen zu wollen ist so eine Art Hobby. Vielleicht hätte ich Psychologie studieren sollen.

  • Heute war ein sehr ruhiger Tag. Morgens wurden Brötchen geholt, gemütlich gefrühstückt, danach habe ich ein bisschen geputzt und aufgeräumt und anschließend gedaddelt.

    Im Moment mache ich mir wieder Gedanken bezüglich des Thread-Titels. Was sind meine Schritte für die nächsten Wochen? Klar, weiter nach einer Wohnung suchen. Dann möchte ich Donnerstag zu einer Info-Veranstaltung einer SHG des Kreuzbundes. Ich möchte erst eine reale SHG besuchen um mich entgültig zu entscheiden, ob ich das Forum hier als SHG nutzen möchte oder eine reale SHG mir eher liegt.
    Ansonsten habe ich jetzt einige Freiheiten bezüglich der Tagesplanung. Ich habe die meisten Altlasten aufgearbeitet, und habe jetzt wesentlich weitere Terminräume. Ich möchte als grobe Planung versuchen, mir die Wochenenden künftig von Uni-Arbeit freizuhalten wenn es geht, und dafür mehr unter der Woche zu tun. Dann möchte ich noch zwei kleine Bausteine einfügen, nämlich regelmäßige Rückengymnastik und das AT. Es wird wohl ein bisschen frickelig und einige Konsequenz erfordern, das regelmäßig in meinen Tagesplan einzubauen, aber ich bin da zuversichtlich. Schritt für Schritt.

    Dann sind mir gerade im Chat noch einige Denkanstöße gegeben worden. Ich möchte in Zukunft konsequenter und offener mit meiner Alkoholkrankheit umgehen. Das hatte ich zwar schon vorher einmal gesagt, aber in den letzten Tagen ist der Entschluss dazu noch fester geworden. Das beziehe ich auf mein Leben allgemein, aber akut vor allem auf die anstehenden Weihnachtstage und Sylvester. Ich habe das Gefühl, die Bereitschaft zu Konsequenz steigt in dem Maße, wie ich bereit bin meine Krankheit anzunehmen. Das scheint irgendwie gekoppelt zu sein.

    So, ich werde den Abend noch gemütlich ausklingen lassen. Eine schöne Woche wünsche ich!

    LG
    Plejaden

  • Weisst Du worum ich Dich echt beneide Plejaden ????

    Du hast immer irgendwas zu erzählen ... Ich wüßte gar nicht was ich da alles schreiben sollte ... :roll: Na ja ich werde auf jeden Fall mal weiterlesen und Deine Geschichte verfolgen :wink:

  • Zitat

    Ich habe das Gefühl, die Bereitschaft zu Konsequenz steigt in dem Maße, wie ich bereit bin meine Krankheit anzunehmen. Das scheint irgendwie gekoppelt zu sein.

    gut geschlußfolgert plej. ja klar, wenn du die krankheit annehmen kannst, dann weißt, daß es um dein leben geht. und dann kannst auch für dich die nötigen konsequenzen ziehen ohne wenn und aber. schritte gehen, die dein leben wieder lebenswert machen ohne alkohol und abhängig von tun und gesagtem der anderen. und du wirst stück für stück verstehen, was auch die länger trockenen erzählen aus ihren erfahrungen. manches hört sich knall hart an. aber unsere krankheit ist knallhart und gnadenlos. und man sollte konsequentes handeln nicht mit knallhart verwecheseln.

    gruß panther

    Kompromisse bedeuten ein Rückfall riskieren
    (vor dem trink - Rückfall geht ein Verhaltensrückfall vorraus)
    nicht Trinkende seid 04.03.07

  • Hallo zusammen,

    hab heute zwar nicht soviel geschafft gekriegt, wie ich mir vorgenommen hatte, aber immerhin habe ich zwei Stunden etwas zu meinem Prüfungsthema gelesen. Irgendwie ist der Montag immer verkorkst bei mir :roll: . Jetzt gucke ich für den Rest des Abends Snooker und trinke dabei einen leckeren Yogi-Schoko-Tee...

    Apropos TV: Das habe ich inzwischen in den Griff gekriegt. Ich gucke inzwischen nur noch gezielt Sendungen, die ich schauen möchte, zappen tue ich nicht mehr. Wenn ich keine Lust auf TV habe lasse ich auch Sendungen sausen, die ich gerne gucken würde und mache lieber das worauf ich Lust habe. TV ist in der Priorität um einige Dutzend Plätze nach unten gerutscht.

    Dann habe ich mir noch Gedanken darum gemacht, dass am Donnerstag meien Eltern wieder kommen werden. Das war früher auch eine Saufgelegenheit, ob man es nun glaubt oder nicht: Ich bin runter gestürmt wenn sie kamen, habe mit stoisch erzwungener Geduld ihren Abenteuern gelauscht, bis dann endlich der erlösende Satz verlautbart wurde: "Auf die gute Heimkehr trinken wir ein Weinchen!"
    Dieser Gefahr bin ich auch diesmal wieder ausgesetzt. Ich werde gehen und sie begrüßen und dann verschwinden noch BEVOR zum Alkfassen geblasen wird. Von ihren Abenteuern können sie mir auch Freitag morgen beim Frühstück erzählen, das wird eine trockenere Angelegenheit...

    Vaan : Mh ich hab immer was zu erzählen, weil ich mir angewöhnt habe mich und mein Leben sehr bewusst zu reflektieren. Das sollte mir früher mal helfen, ein Gespräch am Laufen zu halten (hatte in Gesprächen große Angst vor Redepausen -> Soziale Phobie). Jetzt brauche ich diese Krücke nicht mehr, finde es aber auch so ganz praktisch.

    panther : Ja, ich muss mir immer wieder klar machen, dass die Krankheit knallhart und gnadenlos ist. Wenn ich sie nicht stoppe, saufe ich mich tot. Ich habe die Krankheit zwar zu einem sehr frühen Zeitpunkt zum Stoppen gebracht, aber nichts destotrotz ist mein Weg vorgezeichnet, sollte ich wieder anfangen zu trinken. Mein erster Rückfall kann mein letzter sein, mit einer Entgültigkeit, die sich nicht um meine Einwände schert.

    Ich habe in meinem Leben bisher allgemein Probleme gehabt für mich einzustehen, Grenzen zu ziehen, mir eine eigene Meinung zu erlauben. Ich lasse mich leicht von anderen überrumpeln und "brainwashen", wie ich es nenne. Das hat immer Züge von Selbstzerstörung, ich habe ALLES getan um anderen Menschen zu gefallen. Näher möchte ich hier im offenen Bereich nicht darauf eingehen.
    Wenn ich wirklich zufrieden leben will, dann muss ich das abstellen. Ich merke, dass dieses zerstörerische Verhalten keineswegs überwunden ist. Es hat etwas damit zu tun, dass ich mir selbst vertrauen kann, dass ich das Vertrauen darauf haben kann, mich selbst zu beschützen. Durch die Abstinenz habe ich einen Schritt dorthin getan. Jetzt muss ich mich weiter beschützen, vor Meinungen und Urteilen (Verurteilungen) von Menschen, die keine Ahnung von mir haben.


    LG
    Plejaden

    P.S. Den Spruch sollte ich mir in Zukunft mal an die Stirn tackern: Wenn man keine Ahnung hat - einfach mal die Klappe halten :mrgreen: .

  • Hallo Plejaden,

    schön, dass es bei Dir so beständig vorwärts geht. Gerade beim Thema TV finde ich es schön, dass Du Deinen Konsum jetzt viel gezielter betreibst. Wobei Snooker :roll: ??? Das hab ich ja nur geschaut, wenn ich wirklich hackebreit war, aber das ist natürlich auch eine Frage des Geschmackes bzw. der Interessen. Da darf ja jeder seine eigenen Weg gehen :D .

    Das Thema 'Grenzen ziehen' -so meine Meinung- ist tatsächlich ein sehr wichtiges, zumal es bei Dir ja auch schon das ein oder andere mal im Thread angeklungen ist! Ob nun Aufgaben, die an Dich herangetragen werden, oder Meinungen und Urteile, die auf Dich einströmen, bei all dem ist es wichtig, dass Du Dich selbst mit Deinen Fähigkeiten und Sichtweisen sicher einschätzen kannst. Ansonsten wirst Du ein Spielball der Einflüsse der Dich umgebenden Menschen - und das muss ja nicht sein! Dieses 'sich-selbst-kennen' ist sicher ein Schlüssel für ein zufriedenes Leben und somit auch Bestandteil einer gefestigten Trockenheit! (den Satz schreib ich mir auch selbst hinter die Ohren :wink: ).

    Liebe Grüße

    J.

    Was ist, ist - was nicht ist, ist möglich! ///// 17.07.07

  • Heute war ein gut gefüllter Tag. Morgens früh zur Uni, habe zwei Stunden in der Bibliothek gelesen, dann zwei Stunden gearbeitet, Mittag gegessen, danach nach Hause. Hatte hier dann eine Stunde "Aufenthalt", bevor ich zu einem Arzttermin los musste. Von dort aus bin ich gleich joggen gegangen. Und, siehe da - es funktionierte besser als beim letzten Mal. Bisher hat sich jede Minute des monatelangen Walking-Vortrainings bewährt, ich habe was Herz (Puls) und Lunge angeht keine Probleme, ich kann sogar fast bis zum Ende der Laufeinheiten durch die Nase atmen. Und es war sogar zuerst super-schönes Wetter, ich habe jede Minute genossen, auch wenn es 200 m nach dem Wendepunkt angefangen hat zu regnen wie blöde.
    Zu Hause bin ich dann sofort unter die warme Dusche und danach in Decke eingewickelt auf die Couch. Hab noch ein bisschen Morrowind gespielt, bis mir das Spiel wieder abgestürzt ist. Immerhin, der Fehler ist reproduzierbar. Ein Trost.

    JoeDoe :

    Zitat

    Ansonsten wirst Du ein Spielball der Einflüsse der Dich umgebenden Menschen


    Tatsächlich bin ich das bisher immer gewesen. Mein ganzes Leben lang. Eigentlich konnte jeder mit mir machen was er wollte, mir einreden was er wollte. Beispiel (abstrakt): Ich weiß, dass es rote und grüne Äpfel gibt. Ganz klar. Ich rede mit jemandem darüber und der sagt "Hä, was? Es gibt doch nur gelbe Äpfel, und sonst nichts!" Darauf ich sofort: "Ja, natürlich, stimmt! Das mit den grünen und roten Äpfeln habe ich auch nur mal so gehört..." Das SAGE ich dann nicht nur sondern GLAUBE es in diesem Moment auch. Innerer Monolog: Wie konntest du nur so blöd sein und denken, es gäbe rote und grüne Äpfel? Es gibt nur gelbe, er hat Recht!
    Bin ich einmal aus der Situation raus, der Typ weg und ich wieder alleine, lichtet sich der Nebel wieder und ich merke, dass ich mir wieder was habe einreden lassen. Das meine ich mit "brainwashed".

    Das hat sehr weitreichende Konsequenzen, ich habe Schuldgefühle und werde auch nicht ernst genommen, weil ich mich benehme wie das berühmte Fähnchen im Wind. Es kratzt an meiner Integrität, weil selbst meine fundamentalsten Gedanken und Meinungen davon betroffen sind.

    Ach ja: ich finde Snooker am Abend einfach sehr beruhigend. Das grüne Tuch, die Ruhe, die wohlüberlegten Züge... gut um mich auf den Schlaf vorzubereiten ;) . Ein Fernseh-Betthupferl sozusagen.

    Zuletzt: Gerade habe ich aufgrund eines Threads wieder über Verzichtsgedanken nachgedacht. Ich bin inzwischen zu der Überzeugung gekommen, dass der Spaß ("Die anderen haben Spaß und ich nicht") nur ein vorgeschobener Grund ist. In Wirklichkeit will mein Körper, mein Suchtgedächtnis nur an Alkohol kommen, egal wie. Ich merke das immer wieder, wenn ich durch meine Eltern mit Alkoholkonsum konfrontiert werde: Oberflächlich macht es mir nichts aus, aber tief unten brodelt es fürchterlich. Ich kann ehrlich nicht verstehen, wie sich Leute freiwillig immer wieder Alkohol konsumierenden Menschen aussetzen und meinen, es mache ihnen nichts aus. Für mich waren die letzten zwei Wochen (meine Eltern sind in Urlaub) die schönsten seit Monaten. Ich habe bemerkt, wie sehr ich mich weiterentwickelt habe, weil ich nicht ständig mit herumstehenden (offenen und frei verfügbaren) Weinflaschen und Bierpullen konfrontiert werde. Wie entspannend es war, nicht immer "Nein, nicht trinken, nicht trinken..." denken zu müssen. Wie ich so überhaupt auf die wahren Gründe hinter meinen Verzichtsgedanken kommen konnte.


    LG
    Plejaden

    PS: Ist schon wieder lang geworden. Sorry :roll: .

  • Noch was dazu, das ist mir gerade vor einer Sekunde auch klar geworden (Schoki holen hilft beim Nachdenken): Wenn ich meine Eltern, meist wenn ich Essen holen gehe, beim Trinken sehe, denke ich natürlich nicht daran meinem Vater seine Pulle vor der Nase wegzureißen und sie in einem Zug leer zu trinken. Aber ich merke, wie ich mich sofort anfange damit zu beschäftigen, gedanklich. "Ach, er trinkt wieder, was trinkt er denn, aha XY trinkt er, die wievielte Flasche es wohl für heute ist? Und Mutter trinkt Rotwein, diesmal aus dem schönen Glas, der riecht aber ziemlich sauer, aber wenn sie meint, ihr schmeckt das, ICH trinke ja zum Glück nichts mehr..." Und die Gedanken gehen weiter, wenn ich schon längst wieder oben in meinem sicheren Reich bin. Der Alkohol ist wieder in meinen Gedanken!

    Und das war er die letzten zwei Wochen nicht mehr.

    So einfach ist das.

  • Hallo,

    ich hatte heute einen anstrengenden Tag in der Uni, bis 18 Uhr plus eine Stunde Heimfahrt. Immerhin habe ich fast geschafft das eine Buch durchzuarbeiten und ich mache bei der Arbeit gerade etwas, was mich auch im Studium sehr viel weiter bringt.
    Dann habe ich meine Aktion "lieber alte Geräte reparieren, anstatt für teuer Geld neue zu kaufen, weil zuviel Angst sich mit Problem zu beschäftigen" fortgesetzt. Nachdem ich ja letztens mein iBook wieder reaktiviert habe (was sich tausendfach ausgezahlt hat) war jetzt mein MiniDisc-Player dran. Der Akku ist seit zwei Jahren (!!) zum Teufel, und ich habe es bisher nicht geschafft, mich damit auseinander zu setzen. Gestern habe ich mich noch hingesetzt und geschaut, was da zu machen ist und, siehe da - ich musste nur nen popeligen AA-Akku kaufen und jetzt funzt das Ding wieder. Unglaublich :roll: .

    Dann hatte ich im Bus heute eine unglaubliche Erkenntnis. Ich habe mich wieder mit dem Thema Rückfall auseinander gesetzt. Es folgt ein innerer Monolog, macht euch keine Sorgen um meine geistige Gesundheit, sowas scheint normal zu sein (ääääh... ja.). Ich habe über eine Aussage nachgedacht, die ich vor ein paar Tagen hier getätigt habe - dass ich keinen Rückfall brauche, um auf den geraden Weg zu kommen. Da meldete sich Suchti plötzlich, Verzichtsgedanken kamen: Ich könne es doch mal probieren, einfach ausprobieren, bestimmt ist jetzt alles wieder in Ordnung. Darauf habe ich dagegen gehalten, nein, das wolle ich nicht, auf keinen Fall. Darauf hat Suchti zu einem Killerspruch angesetzt: Was denn sei, wenn wirklich alles in Ordnung sei? Wie ich das herausfinden wolle, wenn ich nichts mehr trinken würde? Wenn das alles umsonst sei, und die Abstinenz völlig unnötig? Wie gesagt. Killerspruch. Der hat gesessen. Ich habe geschwankt, wirklich.
    Doch dann kam mir eine Erkenntnis, von ganz tief unten. Kennt ihr das Gefühl? Wenn ihr merkt, dass ihr genau das richtige tut und denkt, etwas, das gut und wahr ist und völlig im Einklang mit dem ist, was ihr glaubt und fühlt ? Das war so ein Gedanke. Er sagte schlicht: Ich will ohne Alkohol leben. Weil es ein Traum von mir ist, den ich seit Jahren geträumt habe. Und nun ist dieser Traum wahr geworden.

    Danach war Suchti still. Es war eine Befreiung.

    Mehr dazu morgen, sonst wirds wieder zu lang :roll: .

    LG
    Plejaden (immer noch ein bisschen erschüttert)

  • Hallo Plejaden,

    schön, dass Du Erfolgserlebnisse hast. Aaaaaaber...

    Zitat

    Da meldete sich Suchti plötzlich

    findest Du den Namen nicht doch etwas beschönigend, verniedlichend? Bin sicher, Du findest einen passenderen.

    Ich wünsch Dir weiter viel Erfolg und freu mich immer über deine aussagefähigen Posts.

    LG kommal

    unterwegs...

  • Huhu Plejaden,

    ha, gut gegeben! Egal wie Du das Dingens in Deinem Kopf nun nennst, ich glaube, es ist einfach wichtig, diesen inneren Monolog (oder Dialog, je nachdem, wie zwiespältig man sich mit diesem Suchtkobold nun fühlt) weiterzuführen. Auch wenn dieses Dingsda mal gerade den Schnabel hält.

    Und daß Du gestern plötzlich dieses Gefühl hattest, einfach nur das Richtige zu tun und zu denken, ist sicher ein gutes Zeichen.

    Hab seit gestern über das, was Du da geschrieben hast, nachgegrübelt, aber mehr ist dabei nicht herausgekommen... :)

    Viele Grüße
    Zeppeline

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