Einerseits hat er eine Willenskrankheit, andererseits muss er aber den Willen zur dauerhaften Abstinenz entwickeln können. Da habe ich irgendwie "Quadratur des Kreises" im Kopf.....?
Der Alkoholiker hat ein glänzend funktionierendes Suchtgedächtnis ausgebildet, das nur z.T. vom Willen beherrschbar ist. Es ist leider in einem Teil des Hirns angesiedelt, in dem die Automatismen wie Laufen, Radfahren, Schwimmen ... abgespeichert sind. Allein mit dem eigenen Willen kommt der Kranke zumeist (es gibt immer Ausnahmen von der Regel) nicht weg von der Flasche. Ohne den Willen läuft jedoch gar nichts. Der vorhandene Ausstiegswille bedarf zusätzlich der Unterstützung von außen z.B. durch eine Therapie, analoge oder digitale SHG wie diesem Forum hier, Fachliteratur und I-Net Recherechen.
Sinn und Zweck der angeführten äußeren Befeuerung des eigenen Ausstiegswillens ist es auch, sich das Problem des Suchtgedächtnisses zu veranschaulichen, um bei aufkommendem Suchtdruck gegensteuern zu können.
Ferner sollte der Ausstiegswillige rückhaltlos zu seinem Entschluss stehen. Dieser darf nicht unter einem Trinkvorbehalt stehen, dass evt. später, nach einer Zeitspanne, doch noch mal was mit dem Stoff ginge.
Dazu tritt die regelmäßige Wiederholung, von manchen gerne als Trockenarbeit bezeichnet. Ich vergleiche mein abstinentes Leben gerne mit einem Sportler, der seine Form nur halten oder verbessern kann, wenn er regelmäßig trainiert. Ich muss immer wieder konstatieren, dass der sehr erfahrene Suchtmediziner recht hatte, als er mir am Ende meine Therapie mit auf den Weg gab: "Den ersten Schritt in Richtung Rückfall macht man, wenn man sich nicht mehr regelmäßig mit seinem Problem befasst". Wie das Befassen aussieht, bleibt jedem selbst überlassen. Da muss jeder seinen eigenen Weg finden.