Wie mit Rückfälligen umgegangen wird, weiß ich noch nicht, das muß ich dann mal beobachten, noch habe ich ja keinen Rückfall mitbekommen. Mich beschleicht in einem Fall aber schon eine traurige Befürchtung ...
Ich bin seit 2015 hier dabei und mehrere Rückfälle (nicht bei mir selbst) beobachten können. Hier wurde niemand verdammt, niedergemacht oder verbal auf ihn eingeprügelt.
Wichtig ist es, zunächst den Rückfall zu stoppen und dann die Gründe für ihn zu klären. Die können vielschichtig sein. Etwas klarer werden die Worte, wenn der Rückfällige versucht, seine Situation zu beschwichtigen und zu bagatellisieren: Nervig ist die dämliche Ausrede, ein Rückfall gehöre halt irgendwie automatisch zur Krankheit dazu. Dem ist nicht so, auch wenn es viele erwischt. Die besagte Ausrede dient gerne dazu, gleich den nächsten Rückfall vorweg anzukündigen.
Als gemeinsames und verbindendes Element konnte ich bislang bei Rückfälligen beobachten, dass viele von ihnen nicht rückhaltlos hinter ihrer Entscheidung zur Abstinenz standen, sondern sich geheim vorbehielten, irgendwann doch wieder moderat trinken zu können. So lange die Einsicht nicht vorhanden ist, dass Sucht eine Einbahnstraße ist, auf der es kein zurück in ein früheres Stadium gibt, wird es schwer mit der Abstinenz. Durch diesen dämlichen Gedanken wird das blendend funktionierende Suchtgedächnts dauerhaft am Köcheln gehalten und es erreicht bei sich bietender Gelegenheit schnell wieder volle Betriebstemperatur.
Was ich hier im Forum beobachten konnte, ist die Scham von Rückfälligen. Sie melden sich zum Teil nicht zeitnah, sondern tauchen erst mal eine ganze Weile ab, wurschteln so vor sich hin und melden sich dann mit erheblicher Verzögerung. Einige sind auch ganz abgetaucht, ob wegen eines Rückfalls oder aus sonstigen Gründen, das weiß ich nicht, habe aber so eine komische Vermutung.
Zum Thema Angehörige: In deren threads tummele ich mich nicht. Ich habe keine Beziehung zu ihnen. Ich funke auf anderen Frequenzen als sie. Daher lasse ich es gleich sein, es sei denn sie schreiben mal im Teil der Ex-Trinker. Aber auch da halte ich mich weitgehend zurück. Es scheint mir rein subjektiv so zu sein, dass hier schreibende Angehörige "verletzt" auftreten und Streicheleinheiten sowie ein Pflaster für ihre geschundene Psyche suchen. Und genau damit kann und werde ich nicht dienen können.
Gruß
Carl Friedrich