Hallo liebe Gruppe,
jetzt ist es wieder eine Weile her ...
Mir wird hier ja manches mal der "Kopf gewaschen" - das finde ich auch gut so. Trotzdem komme ich mir dann unfähig vor und durch mein eigenes Auf-der-Stelle-Treten mag ich dann hier gar nicht mehr schreiben. Aber ich mach einfach mal weiter, wie gesagt, als eine Art Tagebuch ... damit es bei mir vielleicht irgendwann, beim Durchlesen des ganzen Prozesses, Klick macht. Sonst verwischen diese ganzen Sachen so in der Erinnerung ...
Also Stand ist, dass ich den Flug nach Thailand zunächst storniert habe. Denn er hat mich ja ausdrücklich ausgeladen.
Zwischen uns war erstmal Sendepause, dann fing er wieder an mich zu kontaktieren, ob ich denn nun komme oder nicht. Denn irgendwie hat er erwartet, dass ich in ihn hinein schauen kann und erkenne "Du sagst zwar, dass ich auf keinen Fall kommen soll, wünscht es dir eigentlich aber doch".
Er hatte die Aussage weder zurück genommen, noch sich irgendwie dafür entschuldigt ... war dann aber sauer, dass ich storniert hatte.
Zudem warf er mir noch vor, dass ich bezüglich seines betrunkenen Anrufes nur einen Streit vom Zaun brechen wollte, um die Reise absagen zu können. Er wäre doch bei dem (angetrunkenen) Telefonat super sweet gewesen und hätte nur liebe Sachen gesagt. Und er hätte mir doch danach versprochen, dass er nichts trinkt so lange ich mit ihm in Thailand bin.
Also war ich die Böse, die voller Berechnung und grundlos Auseinandersetzungen beginnt, um die Reise nicht antreten zu müssen (warum auch immer).
Als wir irgendwann wieder in der Lage waren, normal miteinander zu reden, ohne gegenseitige Anschuldigungen, erklärte er mir noch Folgendes: Meine Sicht auf Alkohol und Sucht im Allgemeinen sei geprägt durch das 12 Schritte Programm (dass ich als Liebes-und Beziehungssüchtige zeitweise verfolge) und durch dieses Forum hier. Und in beiden Gruppen würden nunmal extreme Ansichten herrschen, die nicht viel Raum lassen für andere Sichtweisen der Realität, die es aber nunmal genauso gäbe. Er erzählte von einer Alkoholabhängigen Tante, die dadurch fast gestorben wäre. Nach der Diagnose vom Arzt hörte sich auf mit Alkohol bis auf ein Glas Sherry an Silvester, ihr restliches Leben lang. Und es gäbe viele solcher Beispiele, von Leuten die sehr wohl kontrolliert trinken könnten.
Er würde einfach gerne Alkohol trinken, er sei auf keinen Fall abhängig ... sondern es ist einfach eine Frage der Realitätswahrnehmung/Definition/des Umfeldes ...
Da wurde mir auf einmal - man glaubt es kaum - nach 10 Jahren klar, dass er sich nie nie nie ändern wird. Ich bin 10 Jahre lang einer Illusion hinterher gelaufen. Dem Bild, das ICH mir von ihm gemacht hatte, wie er sein KÖNNTE, wenn er doch nur so und so WÄRE. Ich habe gesehen, dass das alles in ihm schlummert, es muss nur HERAUS und dabei kann ICH helfen. Irgendwie fiel es mir da wie Schuppen von den Augen, muss man sich mal vorstellen, nach 10 Jahren. Das ist fast schon aberwitzig, wenn es nicht so traurig wäre.
Gerade von diesem Hang zur Illusion bei den Cos habe ich hier in den letzten Tagen/Wochen öfter gelesen.
Komischer Weise hat das jetzt nicht dazu geführt, dass ich sofort den Schlussstrich gezogen habe. Eher dazu, dass ich ihn jetzt viel mehr so sehe, wie er wirklich ist. Ohne Wunschdenken. Ich nehme ihn jetzt so wie er ist.
Und so werde ich ihn in Thailand besuchen. Um zu schauen, was das für ein Gefühl ist, auf dieser etwas anderen Ebene Zeit mit ihm zu verbringen. Am Sonntag fliege ich deshalb nach Koh Samui und dann weiter nach Koh Panghan.
(Wenn ich mir das alles durchlese ... voll das bekloppte Chaos)