Beiträge von achelias

    Hallo Kiki.

    ein Krankheitsbild kann sich nicht verändern, wenn es nicht aktiv behandelt wird. Man kann die Krankheit verzögern oder bekämpfen.

    Hier können ach so viele gefühlvolle Menschen ihr Verständnis ausdrücken, ihr Mitgefühl, ändern wird das an deiner Situation absolut nichts. Du mußt etwas tun, handeln, sonst wird sich nichts ändern.

    Entweder arrangierst dich mit der jetzigen Situation, hälts es aus und akzeptierst es wie es ist, hörst auf zu leiden, zu jammern oder du tust etwas dagegen.

    Du mußt dich entscheiden zwischen Leben und Tod (mal aus medizinischer Sicht gesehen) oder du wählst halbtot bzw. halblebend – palliative Begleitung sozusagen.


    Oder du hoffst weiterhin, betend auf ein Wunder.

    Du suchst immer wieder Wege (oder Ausreden) bestimmte Sachen nicht zu tun! Ähnlich dem Alkoholiker.

    Ja, es ist kein leichter Weg.

    Was macht man nur gegen diese Wut?

    Gegenfrage: Was macht man gegen ein Krebsgeschwür, das einem schon jahrelang begleitet und mittlerweile ein Teil von einem geworden ist?

    Ein Alkoholiker ist krank. So lange er trinkt, heftig krank. Im nüchternen Zustand, kommt Einsicht etc, pp. .

    Immer wieder fragte/ frage ich mich, warum ist das so? Bei mir (bin seit einem Jahr trocken) erkläre es mir so: Eindeutig ein Defizit zwischen der Realität (so wie es ist) und dem wie ich es mir wünschte/ sein könnte. Unzufriedenheit mit der eigenen Person. Innere Einsamkeit würde es treffen. Über die Ursachen zu forschen ist ein anderes Thema.

    Es fand immer ein innerer Kampf statt. Dem zu entfliehen war einfach – trinken und schon war alles nicht mehr so schlimm. Der Konsum stieg über die Jahre merklich, „das Problem“ verstärkte sich, anstatt abzunehmen. Nach der Arbeit, am Wochenende - war es sehr einfach, zu trinken. Es stellte ich eine gewisse Zufriedenheit ein, das Problem war weg, für den Moment zumindest. Tagsüber wurde ich (meine Gedanken) abgelenkt durch die Arbeit oder andere Aufgaben. Mir fehlte es immer an Anerkennung, zumindest bildete ich es mir ein.

    Auch ich hoffte immer, beschönigte – ähnlich wie ein Co-Abhängiger - , das wird schon … irgendwann … . Pustekuchen! Nichts veränderte sich, es wurde immer schlimmer.

    Ich trennte mich von mir, von dem Teil der soff.

    Suchtverlagerung?

    Ich bin rückfällig geworden. Nach 3 Tagen der Abstinenz, musste ich heute wieder Schokolade und Kuchen kaufen. Kaum war ich zu Haus, wurde die erste Tafel „vernichtet“, ebenso hatten 500g Jogurt keine Chance. Sofort verordnete ich mir kontrollierten Süßigkeitsverzehr!

    Ich muß mich wohl therapieren, wenn das zur Sucht wird.

    An den Alkoholregalen konnte ich lächelnd vorüberziehen.

    ...

    Ich weiß, es ist die Krankheit..

    Und mit Liebe, hat seine neue Wahl auch nichts zu tun. Mich schockiert nur, das ich ersetzbar war, nach allem was wir zusammen erlebt haben...

    Liebe Nannie,

    mach` Dir nichts vor. Der Alkoholiker liebt seinen Alkohol in erster Linie und alles was ihn in seiner Scheinwelt nicht behindert. Da sind neue Co-Abhängige sehr willkommen!

    Es ist wie bei Kindern, will die Mama das Lieblingsspielzeug wegnehmen, ist sie böse. Die Person die das Spielzeug wiedergibt lieb. Dabei ist es egal wer das Spielzeug wiedergibt. Hauptsache Spielzeug.

    Mir geht es ähnlich wie Stern und vielen anderen, meine Gier nach Schokolade und ähnlichen Süßigkeiten nahm zu, eigenartiger Weise entdeckte ich auch Naturjogurt (ohne Zucker) für mich, 2 x 500g Becher täglich sind kein Problem für mich. Ich muß mich schon zügeln, daß es nicht mehr wird!

    Wenn ich alles aufgefuttert habe, entsteht so etwas wie Sauf Zucker-/Schokoladenessdruck!

    "Irgendwie" versucht der Körper seinen jahrelangen antrainierten Kalorienbedarf ( vorher Alkohol ) zu befriedigen, Glückshormone zu produzieren.

    achelias

    Danke für deinen Bericht! Auto fahren tun wir nicht, also aus der Richtung kann nichts kommen. Vielleicht deckt ein normaler Bluttest bestimmte Werte gar nicht ab,

    Hallo MD,

    bei einem "0815"-Bluttest sind die Leberwerte immer dabei. Das mit dem Fahrerlaubnisentzug erwähnte ich nur - als Bild für den berühmten Schuss vor`m Bug und (!) für die Uneinsichtigkeit (Dummheit?) des Alkoholikers.

    Wann man die Reißleine zieht, ist keine Frage des Alters, eher eine Frage der Erkenntnis. Aber vielleicht ist es ja wirklich so, daß man erst heftig auf die Fres*e fallen muß, um zu lernen/ zu begreifen, was man durch sein Saufen alles anrichtet.

    Ja aber ich glaube ihm schon das er es will aber er es einfach nicht schafft oder ihm die Sache noch nicht wichtig genug ist weil ja grundsätzlich alles gut läuft.

    .

    Du bist ja kein flauschiges Kaninchen, das sich zusammenkauert, die Ohren über die Augen zieht und alles hilflos über sich hinweg rauschen lässt.

    Wenn die Sache noch nicht wichtig genug ist - ist etwas warten eine gute Idee.

    Ich wünsche Dir ein dickes Fell.

    Viele Grüße

    Gibt es eigentlich auch für Alkoholiker Stadien, die vor der Erkenntnis kommen? Dieses widersprüchliche Verhalten und sein eigenes schlechtes Gewissen, wenn er doch wieder trinkt, obwohl er am Tag zuvor vor Panik fast zum Krankenhaus ist, weil er sich vielleicht schon ein Organ kaputt gesoffen hat. Ist das immerhin schon ein Schritt weiter als „Ich trinke und da ist nichts dabei. Alles harmlos.“ Ging es vielleicht wem ähnlich? Falls jemand mitliest, der da eine eigene Erfahrung oder Wissen teilen kann.

    (Bin mir bewusst, dass die Frage auf der Hoffnung beruht, dass wenigstens ein Prozess angestoßen wurde bei ihm. Der Ausgang ist offen und nicht jeder findet die Erkenntnis. Aber hier sind so viele, die sie gefunden haben!)

    Hallo M.D.,

    ich fürchte Männer sind die besten Schönreder/ Verdränger in Bezug auf Alkohol .... und sooooo dumm:

    Bei mir war`s so: Ich wusste schon immer, daß ich zu viel trank und auch zu oft, Angst hatte ich nie, ich war ja nie ernsthaft krank und funktionierte. Am Abend mal was trinken … na so schlimm ist das ja nicht, aus Anfangs 2...3 Bieren (a 0,5 l) wurden irgend wann 3... 5 pro Tag/ Abend, manchmal kam auch Schnaps dazu, da konnte ich prima einschlafen.

    Ich konnte immer trinken und fahren trennen, sieht man mal vom Restalkohol am nächsten Morgen ab. Ich trainierte mir über Jahre (!!!) eine Alkoholresistenz/ Trinkfestigkeit an.

    Dann, ich war ca. 33, eingeladen zur Geburtstagsfeier, mit dem Auto hin, wollte nur ein Bier trinken und dann fahren. Es wurden mehr Bier, ich wollte das Auto stehen lassen, da konnte ich natürlich auch beim Schnapstrinken mitmachen – kurzum: völliger Kontrollverlust – Fahrerlaubnis weg = MPU mit einjährigem Abstinenznachweis. Das bewirkte ein Umdenken … alle 2 Monate Kontrolle der Blutwerte

    und diese waren schon sehr hoch. Innerhalb dieses alkoholfreien Jahres konnte ich sehr gut beobachten, wie der GGT, CDT, y-GT Wert sanken, sich normalisierten, obwohl mein Hausarzt zuvor auch sagte: die Blutwerte seien in Ordnung. Führerschein wiederbekommen, wieder mit trinken begonnen, 12 Jahre später - Führerschein wieder weg.

    Und nun wieder seit einem Jahr trocken ...

    Hallo Nele,

    als ich deine Geschichte las, wurde ich bitter an meine Kindheit erinnert: Vater Hauptverdiener, trank ähnliche Mengen wie dein Mann, anfangs, Mama Geringverdiener zwei kleine Kinder (meine Schwester und ich). Die Mama schmiss den ganzen Haushalt, incl. Kinder und damaliges Wochenendgrundstück. Klar gab es Konflikte, die Mama schützte die Familie so gut sie konnte, wenn das Geld mal nicht reichte, half die Oma aus. Wir Kinder wurden von Vatersseite wenig beachtet, oft gab es Mecker, oft hatte ich Tränen in den Augen, selbst mit 16 noch. Es war ein Nebeneinanderherleben.

    Meine Eltern ließen sich nach 24 Jahren scheiden, mein Vater lernte eine jünger Frau kennen (hielt alkoholbedingt ca. 3 Jahre). Die Mama benötigte ca. ein Jahr bis sie sich von der Trennung „erholte“ und sie sagte danach : „das war das Beste was passieren konnte, warum habe ich mich nicht früher scheiden lassen … „

    Ich würde Dir wirklich so sehr wünschen, dass Du Dir bewusst machst, dass es für einen Alkoholiker kein kontrolliertes Trinken gibt (kein Schnaps, nur 2 Mal die Woche oder oder oder). Wenn ein Alkoholiker kontrolliert trinken könnte, wäre er kein Alkoholiker.

    Dem schließe ich mich uneingeschränkt an! Danke, Cadda.

    MfG, ein Alkoholiker

    achelias :

    ... wie wahr und mit jedem Glas wird es mehr, Überheblichkeit, Großkotzigkeit, Gemeinheit, Ignoranz...

    ... vielleicht hab ich es überlesen, was hat deinen Tiefpunkt - der dich zum Ändern bewogen hat - ausgemacht?

    Hallo Anita,

    ich möchte es anders formulieren, in einer alkoholfreien (-ärmeren) Phase (ich begann langsam immer weniger zu trinken), hatte ich ein (gedankliches) Hoch, ich bemerkte meine eigene Armseligkeit, bemerkte was ich alles zerstörte im Suff, ich erinnerte mich daran, daß ich eigentlich (!) ein recht intelligenter Mensch sei und es doch möglich sein muß, aus eigener Kraft mit dem Saufen aufzuhören.

    Ich tat es, ich hörte auf, anfangs noch etwas „wackelig“ in der Entscheidung, doch von Tag zu Tag fiel es mir leichter.

    Ich war immer ein unsicherer Mensch, auf der Suche nach Anerkennung und leicht zu verletzen ( ich vermute Mal der Grundstein wurde in meiner Kindheit gelegt – Vater Alkoholiker, Mutter mit Sicherheit coabhängig). Der Alkohol machte mich immer wieder „stark“, wohlwissend verdrängte ich die Abhängigkeit, über Jahrzehnte. Mit Mitte 50 hatte ich gänzlich die Nase voll (von mir!).

    Einen Tiefpunkt erreichte ich erst während der Zeit meiner Abstinenz, als mir erschreckend bewußt wurde, was ich alles zerstörte.

    ... , aber Alkoholiker leben wohl wirklich in ihrer eigenen Welt. Ich weiß nicht, ob sie noch realisieren, wie sie Menschen verletzten, die sie mögen/lieben. Und wenn sie es realisieren, dann trinken sie diese Gefühl weg.

    Alkoholiker leben in ihrer eigenen Welt!

    In ihren klaren Momenten sind sie einsichtig, manchmal bis hin zu weinerlich … es tut ihnen alles so leid, sie wollen sich ändern. Diese Einsicht, ist aber schwer erträglich und schmerzt ungemein - Alkohol kann da Abhilfe schaffen und tut es mit Erfolg, kaum ist der nötige Pegel erreicht, befindet man sich wieder in seiner Welt und alles passt. Man selbst ist nie Schuld, es sind immer (!) die Anderen, die die Schuld tragen. Immer. Seine eigene Schwäche, Unfähigkeit „spült“ er mit Alk weg, immer öfter.

    So war ich auch mal so drauf. Mein Konsum begann ebenfalls schleichend, zum Schluß war ich täglich besoffen. Mir war alles egal, mega-euphorisch, ich konnte, wußte alles und mir ist alles gelungen (scheinbar). Fahren ohne Führerschein, mal einfach so im Geschäft was klauen, Schwarzfahren in der Straßenbahn (ohne jegliche Not), es war alles dabei.

    Ich lebte in einer völlig anderen Welt und war beratungsresistent!!! Ein Außenstehender kann dagegen nichts machen, außer leiden und sich den Mund fusselig reden. Traurig, aber wahr.

    Liebe Nannie,

    sei froh, daß er gegangen ist und du ihn nicht rausschmeißen musst. Eine gescheiterte Beziehung ist sehr tragisch, das Leben mit einem Alkoholiker endet im Horror.

    Okay aber ist den der einzigste Ausweg eine Trennung? Was nützen Gespräche und was genau kann man dem Partner sagen? Ich habe ihn nie gedrengt aufzuhören oder so. Aber zb heute hatten wir eine Situation ich kam von der arbeit seine eltern sind gerade zu besuch und ich habe ihm gesagt das ich morgen früh wieder arbeiten muss und er meinte naja dann muss ich wohl oben trinken. Das einzigste was ihm in diesem Kontext durch den Kopf ging war trinken und das ist öfter so

    Der einzige Weg ist, nicht mehr trinken! Sprich das bei deinem Partner an. Du wirst wohl wissen, was dich stört - genau das sagst du ihm. Dränge ihn nicht, äußere deine Meinung, das muss doch wohl möglich sein.

    ... Jeder nimmt seine Gegenwart individuell war. Was für dich hart ist, sind für mich vielleicht Peanuts.

    Entscheidest du, wie meine Nüsse aussehen?

    ...

    Lieber Erik,

    verzeih` bitte, du sicher recht, ... jeder hat seine Nüsse selbst in der Hand.

    Und so soll es auch bleiben, jeder entscheidet selbst, wie er mit sich oder seinem trinkenden Partner umgeht. Natürlich mag es vermessen klingen, wenn viele "propagieren" es gäbe nur eine Alternative - die Abstinenz. Es sind ja nur Erfahrungswerte. Ich glaube das ist auch der Sinn einer Selbsthilfegruppe, der Austausch.

    Viel Glück

    ...

    Er hat’s nicht geschafft, ist immer wieder rückfällig geworden, meine Mutter, meine kleine Schwester und ich haben fürchterlich darunter gelitten und wurden für unser Leben schwer geprägt. Immer und immer wieder haben wir ihn unterstützt… .

    Ich bin übrigens selbst abhängig geworden und hab die Abhängigkeit von Innen kennengelernt… Seit über 14 Monaten bin ich trocken, weil ICH das so wollte und ich tue alles dafür, dass das so bleibt. Ich nähere mich gerade der 50.

    Hallo AufderSuche,

    es ist erschreckend, wie sich die Geschichten ähneln. Auch ich, schwergebeuteltes Kind eines Alkoholikers, wurde selbst zum Alkoholiker und bin erst seit ca. 1 Jahr trocken, ich musste Mitte 50 werden, bis ich es begriff.

    An dieser Stelle möchte mich bei allen bedanken, die von ihren Erfahrungen immer und immer wieder berichten.

    DANKE.

    Zitat

    Ich möchte einfach nicht aufgeben ich denke immer man muss doch für einen da sein wenn man ein Problem hat.

    Hallo Teresa,

    das ist ein sehr guter Vorsatz! Doch es muß das Problem gelöst werden und nicht verzögert.

    Vom Alkohol und den daraus resultierenden Folgen kommt man nur los, wenn man (ihn) nicht mehr trinkt. Ja, es ist eine Krankheit, man kann sie nur stoppen, wenn die Ursache, die Gründe beseitigt werden. Willst du mit der Krankheit leben oder ...?