Beiträge von Saphira

    Warum aber tut er mir leid. Er hat es doch verbockt. Sind meine Gefühle für ihn doch noch stärker als ich dachte oder woran liegt das.

    Ich kenne das auch. Gerade in den letzten Tagen hat mich das wieder stärker eingeholt. Davor war ich schon härter.

    Ich würde mal meinen, Cos sind ziemlich empathisch und gerne bereit selbst schlechter auszusteigen, wenn dafür dem Süchtigen etwas leichter gemacht wird. Unsere Ehemänner sind halt meist nicht nur furchtbar. Viele hatten auch jahrelang glückliche Beziehungen. Ich vergesse das nicht. Ich will auch nicht nur noch das Schlechte sehen, sonst verbitterte ich womöglich noch. Alkoholismus ist eine Krankheit, niemand wird mit Absicht und Wollen krank. Einen kranken Menschen lasse ich nicht so einfach im Stich, nur weil es unbequem mit ihm ist. Unsere Männer könnten sich aber jeden Tag dazu entscheiden ihre Erkrankung zu stoppen. Tun sie aber nicht. Zumindest nicht vehement genug. So wie sie anscheinend nicht aus ihrer Haut herauskönnen, können wir aus unserer Co-Haut auch nicht so schnell heraus, vor allem wenn du eigentlich eher unfreiwillig die Ehe verlässt. So ist das bei mir. Mein Kopf weiß, dass mich das kaputt und krank macht und im Unglück hält. Mein Herz wünscht sich dennoch das:

    Am liebsten hätte ich natürlich das alles gut wird, wir wieder zusammenleben und alles so bleibt wie es ist.

    Mein Herz wünscht sich aber auch glücklich zu sein und das kann es nicht, wenn sich nichts ändert.


    Es ist eine Gratwanderung zwischen Herz und Verstand:

    Es ist alles in allem unheimlich schwer wirklich hart zu bleiben.

    LG, Saphira

    Sunshine_33

    Bin ich und das sogar ganz klar - nur Hilfe sieht bei mir anderes aus als das was hier von Dir kommt. Du verurteilst und machst Druck und dann kommt wieder keiner will Dir was……..das tut keinem gut der Hilfe sucht…..

    Pamela, ich erwarte mir hier keine direkte Hilfe - es ist nämlich eine SELBSTHILFEgruppe. Den Weg müssen wir nämlich letztlich alle alleine und selber geben. Du hast ein Kind zur Welt gebracht. Du hattest wahrscheinlich eine Hebamme und vielleicht war dein Mann bei dir. Kriegen musstest du deine Tochter aber selbst. Den Geburtsschmerz musstest du alleine aushalten. Den konnte dir niemand abnehmen und die Kraft dein Kind aus deinem Körper zu pressen musstest du auch alleine aufbringen. Die Hebamme und dein Mann waren "nur" Begleiter auf diesem Weg.

    So sehe ich die Menschen hier. Sie rütteln wach, sie bohren in Wunden, sie bekräftigen und motivieren. Sie sagen manchmal, was du hören willst (Verständnis für deine Situation), manchmal aber auch, was du hören MUSST! Nur das bringt uns weiter!

    Es ist aber auch völlig in Ordnung dort zu bleiben, wo wir jetzt sind.

    Hallo Pamela71,

    diese Aussage von dir erschreckt mich. Mein Mann war auch betrunken oder angetrunken nie aggressiv. Aber mein Sohn hat mir erst die Tage gesagt das sein Verzicht auf Alkohol unmittelbar mit dem Erlebten bei meinem Mann zusammenhängt. Er hat wohl auch zu meinem Mann gesagt, er hätte ihm die Kindheit versaut.

    Mich hat das unheimlich getroffen da ich das ganze damals so nicht wahrgenommen habe. Ich würde alles tun um es rückgängig zu machen. Leider geht das nicht mehr. Ich kann das nur jetzt und für die Zukunft ändern. Mein Sohn hat bis heute keine Beziehung und war 2014 wegen depressiven Verstimmungen und Angstzuständen in Behandlung. Ob das auch mit dem Erlebten zusammenhängt weiß ich nicht.

    Deine Tochter leidet mit Sicherheit.

    LG

    Liebe Pamela,

    ein Mensch mit einer Sucht ist für andere emotional unerreichbar. Das allein reicht. Ein Kind eines solchen Elternteils wird Vater oder Mutter nie ganz spüren, wird sich nie ganz angenommen fühlen. Es wird in ihm immer etwas fehlen und eine Leere entstehen. Der betreffende Elternteil wird nie ganz erreichbar sein, nie ganz präsent, nie ganz im Leben. Dafür muss der süchtige Elternteil überhaupt nicht aggressiv sein. Aber für denjenigen, der zu erreichen versucht, ist das sehr frustrierend. Leider suchen sich solche Kinder später oft wieder Partner, die nicht ganz erreichbar sind....das können wiederum Süchtige sein, aber auch solche, die bereits in einer anderen Beziehung gebunden sind, Fernbeziehungen, Bindungsunfähige oder -unwillige, solche, die lieber mit ihrer Arbeit verheiratet sind usw. Die Folgen sind vielfältig und Leid ist fast vorprogrammiert.

    Unsere Verantwortung als coabhängige Partnerin unseren Kindern gegenüber ist riesig!

    Liebe Pamela,

    wenn du deinen Mann wirklich los werden willst, wird es ziemlich sicher nicht auf die sanfte Tour gehen. Es wird wohl auch nicht ohne gravierende Einschnitte gehen, aber manchmal sind es eher unsere eigenen Gedanken, die uns glauben lassen, dass es keinen Ausweg gibt.

    Mit meinem Mann war es nicht so lange so schlimm wie mit deinem..."nur" 1,5 Jahre. Das war aber für mich kaum zu ertragen. Ich habe mich gedanklich so oft im Kreis gedreht, weil ich keinen Ausweg sehen konnte. Soll ich dir was sagen? Manches ging im Rückblick gesehen ziemlich rasch. Ich bin ja noch gar nicht durch. Für mich war auch die Arbeit ein großes Thema. Ich war ja mit meiner Firma mit ihm gemeinsam in quasi gemeinsamen Firmenräumlichkeiten. Hätte ich nicht so lang gezaudert, hätte sich mein Auszug aus den gemeinsamen Firmenräumlichkeiten noch viel schneller vollziehen können. Jetzt hab ich es besser als vorher und meine Firma läuft weiter. Ein paar finanzielle Einbußen hatte ich, aber nur, weil ich mir eine psychische Pause gönnen musste.

    Es wird bestimmt auch einen Weg geben deinen Mann zum Auszug zu bewegen. Warst du schon mal beim Anwalt und hast dich beraten lassen, welche Möglichkeiten es da geben könnte? Es gibt auch kostenlose Rechtshotlines. Ich habe mich sowohl bei einer solchen als auch von meinem Anwalt beraten lassen. Er nimmt mir immer wieder Ängste und stärkt mich.

    Zu Aggressionen gehört nicht nur Geschlagenwerden!!! Anschreien, Beschimpfen, Demütigen, Erpressen...gilt als verbale Gewalt. Das ist ebenso strafbar wie körperliche Gewalt. Verbale Gewalt ist nur leider schwerer nachweisbar, weil man keine sichtbaren Blessuren davonträgt.

    Es hat bei uns zum Glück nur wenige Abende gegeben, in denen unsere Kinder ihren Papa richtig betrunken erlebt haben. Diese gab es "nur" in der ersten Jahreshälfte diesen Jahres. In solchen Momenten hat er mich beschimpft und auch mal angeschrien. Er hat auch Schimpfwörter verwendet. Leider neben unseren Kindern. Ich fand das schrecklich für sie, obwohl es sich nur um einzelne Momente gehandelt hat, was das aber keinesfalls beschönigt. Einmal ist er ziemlich ausgerastet und hat mich gefühlt minutenlang angeschrien. Unser Sohn (10) war daneben. Ich habe meinen Mann gebeten aufzuhören und auf unseren Sohn verwiesen. Das hat ihn nicht interessiert, also habe ich die Polizei gerufen. Ich bin nicht stolz darauf, dass es so weit gekommen ist. Aber ich bereue es nicht. Ich bereue es höchstens nicht schon früher härter gehandelt zu haben. Kinder leiden unbeschreiblich unter solchen Szenen. Sie leiden auch wahnsinnig unter der Trennung der Eltern. Aber sie halten vieles für normal, weil sie es gar nicht anders kennen. Du hast schon öfters geschrieben, dass dein Mann seit 30 Jahren trinkt. Deine Tochter kennt ihn nicht anders. Kinder glauben uns alles. Wir erklären ihnen, wenn sie klein sind, dass das ein Tisch und das Bett und das der Ofen ist. Sie glauben uns. Sie zweifeln nicht an uns. Sie "wissen" auch nicht, dass es in anderen Familien anders ist als zu Hause. Deine Tochter hält aus, was du aushältst. Denn das hat sie 26 Jahre beobachtet. Später einmal, wenn sie Mutter ist, wird sie möglicherweise ihren Kindern vorleben, was ihr als Kind vorgelebt wäre.

    Ich kann dich trotz allem gut verstehen, dass dir dein Mann auch leid tut. Ja, er hat eine Krankheit und er hat bestimmt eine Geschichte, wie es zu dieser Krankheit kam. Niemand wird absichtlich krank. Gerade in den letzten Tagen spüre ich wieder viel Mitleid mit meinem Mann - ja Mitleid, ich weiß - ist nicht gut. Ich sehe in ihm den kleinen, traurigen Jungen, der er war, der so sehr die Liebe seiner Eltern gebraucht hätte, aber nicht bekommen hat. Er war so einsam. Er kann nichts für seine Kindheit, wohl aber für seine Gegenwart und Zukunft. Mein Mann und ich waren viele Jahre sehr glücklich. Er war mein absoluter Traummann, meine große Liebe, mein Fels in der Brandung. Mein Liebe und mein Ja-Sagen von der Hochzeit hätte für ein ganzes Leben gereicht. Er wäre mir nicht zu langweilig geworden, mir gefällt an ihm nach wie vor dasselbe, das mir schon immer gefallen hat. Mir tut es leid, dass er sich selbst so im Weg steht, weil ich weiß, dass er es gerne anders hätte, er aber aus seiner Haut wie es aussieht nicht herauskann. Er beschert aber gerade unseren Kindern eine beschissene Kindheit. Das liegt in seiner Verantwortung. Die muss er selber tragen, auch wenn er sie nicht nimmt. Mitleid hat noch niemanden in seine Kraft gebracht, auch nicht meinen Mann und deinen genauso nicht. Ich weiß nicht, ob es für unsere Männer noch Hoffnung gibt. Es sieht aber sicher schlecht für sie aus, wenn wir sie nicht zur vollen Verantwortung für ihre Taten ziehen.

    Als es vor 1,5-2 Jahren mit meinem Mann so schwierig wurde, war mein Plan erst auch, ich mache was für mich, nur weil es ihm schlecht geht, muss es mir deswegen nicht schlecht gehen. Ich habe alles Mögliche versucht, damit ich glücklich bin. Habe vieles gemacht, das mir gut getan hat. Ich habs auch tatsächlich geschafft mich immer wieder unabhängig von ihm glücklich zu fühlen und "mein" Leben zu leben. Alles, was ich gemacht habe, war für mich wichtig um den Kopf über Wasser zu halten und um meinen Kindern eine gute Mama zu sein. Gelöst habe ich mich dadurch von ihm aber nur mäßig...da hab ich mir wohl selbst etwas vorgemacht. Nun getrennt zu sein, ist noch mal eine gaaaaanz andere Hausnummer!

    Wenn du wirklich etwas machen willst, das dein Leben verändert, wird es in ein paar Wochen nicht einfach sein als jetzt gleich. Der erste Schritt ist der schwerste und ich kann dir sagen, es ist sauschwer und sehr schmerzhaft.

    Meine Oma ist mit meinem Opa noch immer zusammen, sie sind beide über 90. Er ist in etwa so, wie du deinen Mann beschreibst. Meine Oma ist immer geblieben, obwohl sie später viel Hilfe von ihren erwachsenen Kindern gehabt hätte. Sie ist inzwischen schwer herzkrank. Meine Mama hat mir erst kürzlich gesagt, sie wäre so froh gewesen, wenn sich ihre Mutter getrennt hätte...auch noch als sie bereits erwachsen war. Kinder sorgen sich immer irgendwie um die Eltern.

    Warte nicht darauf, dass sich dein Mann verändert oder irgendwas kapiert. Das hat er in den letzten 30 Jahren nicht geschafft. Glaube auch nicht, nur weil du jetzt an dir einiges verändert hast, dass das ihn zur Heilung bringt. Dafür hast du noch viel zu wenig geändert. Du hast noch nichts geändert, das dir richtig weh tun würde. Das berührt ihn nicht. Dein Einsatz ist zu gering. Es braucht mindestens ein "All in"!

    LG, Saphira

    Mir ging es in der schlimmsten Phase auch wie euch, ich war hart, abweisend und abstoßend. Aber weil er trank!!!


    Und nicht er trinkt weil ich abweisend war.

    Ganz genau!!!

    Liebe Eldamalu, das war auch bei uns so.

    Zuerst war da der Alkohol und dann kam erst meine Distanz. Mein Mann hat immer wieder mal - nach einem Streit darüber - mit dem Alkohol aufgehört. Es hielt immer für mehrere Wochen (so 2-3 Monate etwa) an. In der Zeit ging es uns immer mit Ausnahme der letzten 2 Jahre sehr viel besser bis sehr gut. Angefangen hat der neuerliche Alkoholgenuss immer gleich. Wir haben etwas Schönes unternommen, z.B. waren wir essen o.ä. und beim Bestellen lauteten seine beschwichtigenden Worte immer: "Heute bestell ich mir ausnahmsweise zur Feier des Tages einen Aperol." Aus diesem Ausnahmsweise würde schnell wieder ein Tagtäglich. Seine Launen gingen schnell wieder in den Keller, mein Leben mit ihm wurde anstrengender, weil er für mich zum Energieräuber wurde. Mich hat es mit jeder Wiederholung mehr enttäuscht und daraufhin erst habe ich mich distanziert, wurde kühler und abweisender. Anfangs habe ich seinen Versprechungen, er trinkt nichts mehr noch geglaubt und ich konnte ihn schnell wieder nahe an mich heranlassen. Ich hab es mir doch so gewünscht, dass wieder alles schön ist. Irgendwann nach der xten Wiederholung des Spektakels wurde mein Vertrauen weniger, bis es ganz weg war.

    Yankee1974 - ich habe kürzlich irgendwo hier geschrieben, dass ich mich mittlerweile selbst so fühle, als hätte ich einen Entzug hinter mir. Mir werden immer mehr Muster bewusst, wo ich überall auf rohen Eiern gelaufen bin, um meinen Mann nicht zu fordern. Ich war viel zu oft mitleidig und habe ihn in vielen Bereichen vor den Konsequenzen geschützt. Lieber ging es mir schlecht, bevor ich von ihm Verantwortung für sein Handeln gefordert hätte. Das sehe ich mittlerweile anders. Er glaubt jetzt noch immer, ich tanze weiterhin nach seiner Pfeife. Ich stehe jetzt wieder viel mehr für das ein, was ich will, was ich brauche und mache die Dinge so, wie sie mir gefallen. Mein Glück war zum Teil tatsächlich davon abhängig, wie er drauf war.

    Liebe Lanananana,

    hast du es schon mal mit EMDR versucht? Das kommt aus der Traumatherapie.

    Traumatische Erfahrungen können, nachdem EMDR (das sind bestimmte, gelenkte Augenbewegungen) angewendet wurde, leichter empfunden werden. Außerdem sind durch deine alten (unerwünschten) Denkmuster im Gehirn quasi Autobahnen entstanden, die immer und immer wieder "befahren" werden. Nach EMDR-Behandlungen können leichter und sehr schnell neue Denkmuster und somit neue, positivere Glaubenssätze entstehen. Meditation und Affirmationen sind zwar auch toll, mit EMDR geht es wesentlich schneller, mit Affirmationen kann hinterher noch unterstützt werden. EMDR ist eine kurzzeittherapeutische Intervention, d.h. du brauchst nicht 100e Sitzungen wie bei der Psychoanalyse.

    LG, Saphira

    Druck? Welcher Druck?? Er ist so oft gekommen und gegangen wie er wollte, ich hab irgendwann gar nichts mehr dazu gesagt. Ich hab ihm nie Druck gemacht :(

    Oh je, das kenne ich auch. Ich würde sagen, sein Gefühl von Druck hat nichts mit dir zu tun. Sein Leben drückt!

    Das kann aber nur er lösen. Einfacher ist es für ihn dir die Verantwortung für seinen Druck zuzuschieben. Würde er das nicht machen, müsste er selbst in die Gänge kommen.

    Es ist hart zu akzeptieren, dass du nichts machen kannst. Du kannst die Situation nur für dich und deine Kinder annehmen und daraus das Beste machen.

    Bekommst du von irgendwo her Unterstützung - z.B. psychologische Beratung, Suchtberatung etc, Freunde, Familie...?

    Ich weiß, dein Mann verletzt dich sehr - vielleicht brauchst du genau das um dich lösen zu können.😔

    GLG, Saphira

    Ich glaube auch, dass ich den Entschluss schon gefasst habe, mir aber die Kraft fehlt um zum Anwalt zu gehen.

    Hallo liebe BombayStreet, willkommen im Forum!

    Als ich vor ein paar Wochen das erste Mal beim Anwalt gesessen bin, war mir das auch schrecklich peinlich. Er hat mich beruhigt, dass er erstens Schweigepflicht hat und zweitens regelmäßig solche Geschichten hört und es für ihn sozusagen Alltag ist.

    Eigentlich schiebe ich es raus, weil ich mir nicht sicher bin was ich schlimmer finde. Meinen Partner oder das was mir da alles bevorstehen würde.

    Dieses Argument kann ich verstehen und auf die Schnelle konnte ich keine Entscheidung zwischen den beiden Möglichkeiten treffen, nach ein paar Sekunden des Nachdenkens aber schon: es ist schlimmer nichts zu machen und eine unbefriedigende Situation hinzunehmen und dabei selbst immer unglücklicher zu werden.

    Mein Problem dabei ist, dass er gerne davon redet was ich alles verändern könnte und sollte und was ich in seiner nassen Zeit alles falsch gemacht habe.

    Du kannst ändern, was du willst, wenn er nicht dazu bereit ist sich selbst zu verändern, wird sich nichts ändern. Es kann sich jeder nur selber verändern!

    Mein Herz hängt eigentlich an einer Person, die ich schon lange nicht mehr in ihm sehe.

    Dieses Problem teilst du mit sehr vielen hier, ebenso die finanzielle Abhängigkeit.

    Mein Anwalt sagte zu mir beim ersten Treffen, aus finanziellen Gründen muss heute niemand mehr in einer unglücklichen Ehe bleiben.

    LG, Saphira

    Liebe Eldamalu,

    gar nichts hier klingt verwirrend.

    Du kennst es aus deinen 20iger Jahren wie es ist, alleinerziehend zu sein. Du warst damals noch sehr jung und bestimmt oft überfordert. Wahrscheinlich hättest du es dir damals ganz anders gewünscht. Du warst dann jahrelang alleinerziehende Mama, warst wahrscheinlich trotzdem glücklich und stolz auf deine Kinder, aber eben allein. Das schönste am Glück ist doch, wenn man es teilen kann.

    Als ich meinen Mann kennenlernte, ihn heiratete und noch zwei gemeinsame Kinder bekam, war ich auch einfach so glücklich, da ich das Gefühl bekam ‚angekommen‘ zu sein. Ich war nicht mehr alleinerziehend, ich war verheiratet. Ich lebte nicht mehr alleine, nein, ich hatte eine ‚komplette‘, klassische Familie und immer wenn sagte ich bin verheiratet oder es irgendwo auf einem Formular angab, war ich so stolz.

    Ich fühle jedes einzelne Wort so mit.

    Ich bin mit meinem Mann auch vor genau 12 Jahren zusammengekommen und es hat sich viele Jahre so angekommen angefühlt. Ich war so unglaublich gern verheiratet mit ihm. Er wäre mir als Partner nicht zu langweilig geworden. Es gibt keine inneren Fragen a la "Was hab ich nur an ihm gefunden?" Ich sehe das noch immer. Ich sehe vieles aber leider nur noch, wenn ich in die Vergangenheit zurückschauen. Die Hülle ist noch so, wie sie war, durch den Alkohol und die Depressionen hat sich sein Wesen so verändert, dass er zum Energieräuber für die Kinder und mich wurde. Trotzdem blitzen immer wieder vertraute, schöne Eigenschaften auf, die mich zweifeln lassen (haben), ob ich nicht doch übertreibe.

    Mit dem Alkohol und den Depressionen wurde es aber immer schlimmer. Mein Mann hat wie deiner keine Einsicht. Helfen können wir ihnen nicht. Sie können sich nur selbst helfen. Du hast weiter oben geschrieben, dass du dich von ihm auch distanziert hast. Ist doch klar. Ich habe das auch. Ich habe mit der Zeit immer mehr mein Herz ihm gegenüber verschlossen. Das hat meinen Mann auch verletzt. Es hat ihn an seinen großen Kindheitsschmerz erinnert. Aber was hätte ich machen sollen? Je mehr und öfter er trank, umso unausgeglichener und anstrengender wurde er, meine Bitten damit aufzuhören und sich um seine Launen zu kümmern, Verantwortung dafür zu übernehmen, hat er ausgeschlagen. Wie sollte ich da weiter mit offenem Herzen durch die Gegend rennen und ihm jeden Wunsch von den Augen ablesen? Irgendwann tut das einfach zu weh. Es war ja nicht so, dass ich das nur mit mir ausgemacht hätte, nein, ich habe oft das Gespräch gesucht. Er hat es einfach ignoriert und seinen Schmerz mit Alkohol, Sport und Wegbleiben von der Familie bekämpft.

    Wenn sich einer ändert, ändert sich das gesamte System. Genau das ist passiert...bei dir und bei mir.

    Wenn sich in dem Fall die Männer wie unreife Jugendliche aufführen, rutschen sie in die Kindposition und wir hüpfen (freiwillig😬) in die Elternposition. Für Eltern ist das eigene Kind als potentieller Partner total unattraktiv. Unsere Männer wundert das aber. Erwachsen wäre es gewesen für das eigene Verhalten die Verantwortung zu übernehmen. Es reicht nicht, wenn das nur eine/r macht.

    Das ist alles einfach oft zuviel für mich. Mein familiärer Status, meine gefühlte Sicherheit, meine große Familie - alles ist binnen

    weniger Wochen weg, und nun sitze ich hier und fühle mich so, als sei alles nur ein Traum gewesen und ich war nie etwas anderes als alleinerziehend mit zwei Kindern. :(

    Ich verstehe das so gut. Durch die vorausgegangene Geschichte tut es dir wahrscheinlich doppelt so weh. Denn der alte Schmerz bricht zusätzlich noch mal auf.

    Nur eines ist jetzt anders. Jetzt bist du älter und reifer, du hast Erfahrung und du hast es schon einmal aus diesem Jammertal heraus geschafft. Dein jetziger Mann ist trotzdem anders wie der Vater deiner großen Kids. Auch wenn du jetzt noch nicht um die Kurve sehen kannst, wie das weitergeht, kann es diesmal ganz anders laufen. Denn du bist anders. Du kannst jetzt bewusstere Entscheidungen treffen als noch vor 15 oder 20 Jahren.

    Ich schätze, du hoffst, dass dein Mann zurückkommt und ihr alles gemeinsam in Ordnung bringt. Was ich mir hier aus dem Forum von den meisten "Erfolgsgeschichten" herausgeholt habe, ist, dass die Beziehung zwischen nassem Alkoliker und Co zu Ende gehen musste, damit, falls es gewünscht war, eine neue, andere entstehen konnte. Soweit ich das überblicken konnte, war das nirgends nach 2, 3 Monaten erledigt, sondern dauerte Jahre. Veränderung geht manchmal schnell, oft aber ist es ein langer und langsamer Prozess. Solange noch Schmerz in uns ist, wissen wir doch noch gar nicht, wie wir die Sache in einem halben Jahr sehen und fühlen.

    Ich sende dir eine Umarmung,

    Saphira

    Ich war im Alltag auch oft alleine, auch oft abends, aber es ist ein großer Unterschied, dass mein Mann einfach gar nicht mehr kommt.

    Das kann ich sehr gut nachempfinden. Im letzten Jahr war es mit meinem Mann auch nur noch mühsam und ich war eigentlich froh, wenn er nicht da war oder später heimgekommen ist. Aber unbewusst war da trotzdem noch das Gefühl "ich hab einen Mann, ich hab eine "normale" Familie, es könnte ja auch wieder besser/anders werden".

    Durch die räumliche Trennung hat sich das Gefühl etwas verändert. Seit nun Anwälte involviert sind, ist die Trennung bzw die Schwere der Situation noch deutlicher geworden. Das zwingt, sich noch mehr mit einer neuen/anderen Zukunft auseinanderzusetzen. Es wird realer, dass wir getrennt sind. In den ersten zweioder drei Wochen nach der räumlichen Trennung habe ich aufgeatmet, weil ein gewisser Stresspegel (Stimmungsschwankungen des Mannes) weggefallen ist. Diese Erleichterung ist aber bald verflogen und es hat sich anderer Stress breit gemacht.

    Du hast genau wie ich viele Jahre mit deinem Mann gelebt und soweit ich mich erinnere, hattet ihr auch gute Zeiten. Wir haben beide noch nicht so große Kinder. Auch die Kinder leiden. Ich glaube nicht, dass sich so schnell ein Glücklichsein breit machen kann. Es muss vieles verarbeitet werden.

    Ich nehme z.B. psychologische Hilfe in Anspruch. Mir hilft auch Sport ein bisschen, momentan kann ich aber noch keinen ausüben. Kommt aber wieder. Ich weiß, was mir grundsätzlich in einer solchen Situation helfen würde: Meditation, Freundinnendates, Sport, Lesen, mir Gutes tun wie Massagen etc.

    Da sich bei mir durch den ganzen Stress eine Depression entwickelt hat, muss ich momentan noch langsamer machen und von Tag zu Tag leben. Irgendwann kommt der Rest wieder. Ich glaube, diese Phase des Nichts - so würde ich das gerade bezeichnen - muss durchlebt und angenommen werden. Wir dürfen Geduld haben.

    Hallo Pamela,

    als ich hier ankam, war ich so froh, dass ich nun viele Erklärungen für das Verhalten meines Mannes bekam. In der ersten Zeit erweckte das in mir das Gefühl, dass wir nun einen Schritt weitergekommen wären. Was für ein Blödsinn! Ich hatte zwar Erklärungen, aber geändert im Sinne von verbessert hatte sich nichts, bis heute nicht.

    Meine Gedanken drehten sich zu 99% um meinen Mann, um die möglichen Auslöser für sein Verhalten, wie irre und verletzend das alles war und ist, wie hilflos ich bin usw. Ich habe schon längere Zeit, bevor ich hier herkam, einiges für mich gemacht, anders hätte ich die Situation mit ihm gar nicht ertragen. Aber für mein gutes Leben bin ich nicht losgegangen. Ich habe gehofft und mir 1 Mio Gedanken um ihn gemacht.

    Ich habe - um ehrlich zu sein - die Fragen, was ich denn will, gar nicht richtig verstanden. Diese Fragen sind zu mir gar nicht richtig durchgedrungen. Es ist mir sehr schlecht gegangen. Inzwischen fühlt es sich so an, als hätte ich "entgiftet", als hätte ich einen Entzug hinter mir (ich glaube zumindest, dass es sich so anfühlen würde). Das fühlte sich alles total unfreiwillig und gegen meinen Willen an. Ich glaube, man muss als Co tatsächlich auch einen Entschluss fassen.

    Seit ich mir eingestehen durfte, dass ich von den hohen Belastungen und Sorgen durch meinen Mann, selbst eine Depression entwickelt habe und mich niemand retten wird, ist mein Denken nun endlich bei mir. Ich denke zwar nach wie vor viel an die neue Situation, es ist noch viel zu regeln. Aber ich frage mich nicht mehr, wie es meinem Mann geht, warum er nichts ändert, wo bei ihm Ursachen liegen usw, sondern es geht nun ENDLICH um mich und meine Kinder und mein Leben.

    Dich zum tausendsten Mal zu fragen, wie viele Gehirnzellen dein Mann noch hat, bringt dich keinen Millimeter weiter. Es hält dich dort, wo du jetzt bist und da gefällt es dir nicht. Es wird wahrscheinlich nicht ohne unangenehme, teure, schwere, vielleicht auch ungewollte Schritte gehen. Die Entscheidung, wohin du gehst, liegt tatsächlich nur bei dir.

    Kein Mensch der Welt, auch nicht mein Mann bzw VOR ALLEM nicht mein Mann hat das Recht mich so zu behandeln, dass ich krank werde. Ja, ich habe es auch zugelassen, dass es passiert, weil ich nicht früher gegangen bin. Es liegt in meiner Verantwortung, dass nun mein Schmerz und meine Coabhängigkeit heilen. Es wird mich niemand retten und dich auch nicht🤗

    Genau so ist es, als Partner ist man irgendwie immer unter Spannung, ist er heute normal, hat er wieder getrunken, gibt es wieder Streit usw.. Genau das und die Hilflosigkeit ist das Schwierige daran. Und das macht auf Dauer krank.

    Genau so ist es! Ich wusste im letzten Jahr nach einer besseren Phase, dass der Zeitpunkt, zu dem es wieder umschlägt und mühsam wird, immer näher rückt. Das war ein sehr frustrierende Gefühl.

    Man braucht keine Diagnose, doch braucht man Menschen, die seine Erfahrungen teilen. Erst dann versteht man die Spirale und weiß, wo man für sich und ggf. für ein Kind ansetzen kann, um sich zu befreien und das Leben wieder genießen zu können.

    Das hilft auch mir sehr. Denn in meinem realen Umfeld fühle ich mich allein mit der Problematik, also es gibt niemanden, von dem ich weiß, dass er/sie dasselbe erlebt oder erlebt hat.

    und es sei mir verziehen, dass ich zwischenzeitlich wütend und ärgerlich auf den Alkohol bin, weil er das angerichtet hat, was ich und ganz viele weitere Betroffene erleben mussten..

    Alle Gefühle sind erlaubt, denn so sind wir nun mal. Ich glaube, ich war auf den Alk nie wütend - das ist nur eine Flüssigkeit, die man trinken kann oder nicht. Aber ich war und bin immer wieder sehr wütend auf meinen Mann, der stur nichts gegen sein Problem tut und uns damit viel angetan hat.

    Und beim Beenden dieses Gedankengangs weiß ich natürlich, dass der Mensch, der den Alkohol zu sich nimmt, die Entscheidung trifft. Jedes Mal wieder.

    Genau....und wir sind zu lange geblieben.😔