Vorstellung - 15 Tagen Nüchternheit

  • Hallo Jonas!

    Ja, es muss einer sein, der von sich selbst wirklich denkt, dass er zart besaitet ist, das ganz fest glaubt, obwohl er es natürlich nicht ist, denn wäre er es, würde es höchstens für Notwehr reichen. Nie aber für eine Gewalttat.

    Ich hätte es akzeptiert, wenn er mit dem Besenstiel gegen die Decke geklopft hätte.

    LG

  • hallo schnuffig

    es sind grade die zart besaitetetn die, wenn denn ihr maß voll ist, richtig ausrasten. alle anderen machen sich ja eher luft. ausnahmen bestätigen die regel.

    doro

    Alkohol ist ein prima lösungsmittel es löst familien arbeitsverhältnisse freundeskreise und hirnzellen auf.
    trocken seit 18.10.2001

  • Hallo Dorothea!

    So im Sinne von: Er ist ja so sensibel, nur gelegentlich wenn ihm alles zu viel wird, schlägt er eben zu?
    Er ist so einfühlsam nur wenn er ganz viel Stress hat, tickt er aus?
    Diese Denkweise halte ich für fatal. Menschen, die sowas tun, sind schon lange bevor sie auf ihre Opfer treffen gebrochen.
    Deswegen ist es ja auch egal, wie Mann/Frau sich verhält, denn der Grund warum er/sie zuschlägt, liegt woanders.
    Nicht beim Chef, der Frau, den Kindern. Sondern da, worüber er nicht redet oder abblockt. Sich seine Stimme verändert wenn er darauf angesprochen wird.
    Er stellt sich seinem Schmerz nicht, deswegen kann er ihn anderen zufügen.
    Meistens in der selben Art wie er ihm mal zugefügt wurde, nur anders inszeniert. Aber Ablauf und Muster bleiben gleich.
    Ein zart besaiteter, also empfindsamer, sensibler Mensch hat Zugang zu seinem Schmerz.
    Der wird nie so Sachen sagen müssen, wie "mir ist die Hand ausgerutscht", "es ist passiert" und es tut mir ja so leid, ich werde es bis zum nächsten Mal nicht wieder tun. Weil er es gar nicht tut.

    LG

  • hallo schnuffig

    ich meine nicht menschen die ihre unfähigkeit schmerz zu verarbeiten mit "hand ausrutschen" abtun, verteidigen oder was auch immer. ich meine hier menschen die dann amok laufen. und hier gehören dann schon andere fakten in die liste als schmerz nicht verarbeiten können. da gehen jahre wenn nicht jahrzehnte demütigungen unterdrückungen und all sowas voraus. weil die "hand ausrutsch"typen sich nämlich immer sensible einfühlsame menschen als opfer für ihre spielchen suchen. und wenn dann die auslösenden faktoren stimmen.... dann ist es nicht mit hand ausrutschen getan.

    doro

    sorry jonas das ich schon wieder deinen thread benutze.

    Alkohol ist ein prima lösungsmittel es löst familien arbeitsverhältnisse freundeskreise und hirnzellen auf.
    trocken seit 18.10.2001

  • Zitat von dorothea

    sorry jonas das ich schon wieder deinen thread benutze.

    Guten Morgen Dorothea,

    aber gerne doch. Ich habe zwei Stunden an meinem Krimi gearbeitet, jetzt schau ich mal bei diesem vorbei. Du hast Recht, allzu stille Wasser sind nicht immer tief; tückisch können sie aber sein. Unauffällig, still, scheu, immer freundlich and plötzlich ->Amoklauf und Massenmord. Das passiert bei einem "gemäßigten Choleriker" selten.

    schnuffig
    Also mit dem Besen an die Decke. Gut. Ich habe mit der Nachbarin ein leidenschaftliches Verhältnis. Wir lesen zusammen Georges Bataille, wenn ihr XY nicht bei ihr ist. An diesem Abend spielt sie die schlechte laute Musik ihres XY. Ich klopfe mit dem Besen an die Decke, sie erschrickt, stolpert unglücklich, schlägt mit dem Kopf an die Tischkante und stirbt. Ihr Notebook ist noch angeschaltet, die Polizei findet einen Brief an ihren Notar. Sie wollte ihr Testament ändern und mich als Alleinerben einsetzen. Die Spurensicherung findet nur die Fingerabdrücke ihres XY, der sich auch Hoffnungen auf das Erbe gemacht hat. XY behauptet, zum Tatzeitpunkt in einer Entzugsklinik gewesen zu sein. Niemand dort kann seine Anwesenheit sicher bestätigen. Hauptkommissar Hartmut geht von einem Gewaltverbrechen aus. Nur Kommissaranwärterin schnuffig hat ihre Zweifel. Sie hört noch einmal das schlechte laute Musikstück. In diesem Songtext ist eine Botschaft versteckt, sagt sie zu Hauptkommissar Hartmut. Der grinst väterlich, denn er weiß aus langer Erfahrung, dass Anwärterinnen oft eine blühende Phantasie haben. Schnuffig lässt sich nicht beirren. Sie schreibt den Text auf und stellt die Wörter immer wieder um. Oh mein Gott, flüstert sie plötzlich. Sie stürzt die Treppe hinunter und klingelt an meiner Tür.

    LG Jonas

  • Zitat von c2h5oh

    In diesem Songtext ist eine Botschaft versteckt

    Moin Jonas,

    Deine Posts erhellen mir immer wieder aufs Neue den Tag, wenn ich das mal so ausdrücken darf. Dafür möchte ich mich mal ganz herzlich bei Dir bedanken. Ich bin überzeugt davon, daß Dein Kriminalroman richtig gut wird...hast Du schon mal drüber nachgedacht, ihn später als ebook zu veröffentlichen ?

    Wünsch Dir ein schönes WE

    Lieben Gruß

    Andreas

  • Zitat von Carpenter

    [quote='c2h5oh'] .hast Du schon mal drüber nachgedacht, ihn später als ebook zu veröffentlichen ?

    Guten Morgen Carpenter,

    da warte ich mal ab, was meine "Auftraggeber" zum fertigen Manuskript sagen. Sie spielen natürlich ihren Part im Roman, das ist Ehrensache, schon weil sie mich mit wertvollen Tipps versorgen. Ich schreibe strengen Whodunnit, und ich laborierte an einem kleinen Problem in der Binnenerzählung mehrere Tage. Meine Lösung dieses Problems erschien mir zu konstruiert. Jeder Kriminalroman ist natürlich sehr konstruiert, dem Leser/Zuschauer muss die Handlung aber möglich und vor allem wirklichkeitsnah erscheinen. Das ist die Kunst dieser strengen Literaturform. Dann erlöste mich eine Tochter durch einen schönen Einfall. Natürlich hat das Lektorat dann auch noch ein paar Wörtchen mitzureden.

    LG Jonas

  • Hallo Jonas,

    da bietet sich ja fast ein locked room mystery an :)

    Ich lese recht viel und sehr gerne, hatte aber tatsächlich das Problem, daß ich unter Alkoholeinfluß nicht mehr so konzentriert gelesen und sogar ganze Passagen übersprungen habe...ist es Dir da ähnlich gegangen ?
    Für mich ist das ein weiterer Grund, um dauerhaft trocken zu bleiben.

    LG Andreas

  • Zitat von Carpenter

    (...) hatte aber tatsächlich das Problem, daß ich unter Alkoholeinfluß nicht mehr so konzentriert gelesen und sogar ganze Passagen übersprungen habe...ist es Dir da ähnlich gegangen ?

    Hallo Carpenter,

    nein, leider(!) nicht. Bei (Asperger-)Autisten wirkt Alkohol meistens anders. Wir werden noch konzentrierter und fokussierter. Kontrollverlust verabscheuen wir, Enthemmung ist nicht möglich. Ich habe sehr kontrolliert jeden Tag genau dieselbe Menge (objektive ein zu große) in genau demselben Zeitraum getrunken. Nach der Abendmahlzeit zog ich mich zur Lektüre zurück. Meine Aufgabe bestand vor allem darin, diese Routine durch eine andere zu ersetzen. Das habe ich getan.

    LG Jonas
    Ein Locked-Room-Krimi à la Christie wird's nicht werden.

  • Zitat von Tocco54

    Hallo Jonas
    Mal ein anderes Thema,wenns Dir Recht ist.Mir fällt auch im realen Leben auf,dass um ein berechtigtes Argument an den Adressaten zu bringen zuerst mit Abwertung und Unterstellung einer vorherigen Meinung oder eines Ratschlags gearbeitet wird und dann erst seine eigene Sichtweise dargelegt wird.Das scheint mir ein weit verbreitetes Phänomen.Funktioniert die Psyche so?

    Hallo Tocco54,

    die big five beschreiben ja Grundcharaktere. Bei allen Typologien, ob Riemanns Grundformen der Angst, Jellineks Trinker-Typologie u.a. muss man m.E. immer daran denken, dass kein Typus in Reinform erscheint. Das wird oft besonders in der Populärliteratur gerne unterschlagen.
    Zu deiner Frage: ich gehe davon aus, dass sich dieses Verhalten evolutionsbiologisch weit zurück verfolgen lässt. Bevor sich Tiere zum eigentlichen Kampf stellen, wird der Gegner eingeschüchtert, es wird ihm gezeigt, dass er unterlegen ist. Aufplustern, den eigenen Körper "vergrößern", Zähne fletschen u.a. Erst dann heißt's hic Rhodos hic salta, "Hosen runter", zeig, was du kannst. Der Boxsport kennt das Ritual des Anstarrens, damit soll die eigene Überlegenheit vor dem eigentlichen Kampf demonstriert werden. Prügeleien geht oft auch ein Imponiergehabe voraus. Differenziertere bedienen sich zu gleichem Zweck(!) der Mittel der Rhetorik. Indem wir zunächst einen Ratschlag erteilen, demonstrieren wir (Ratgeber-)Kompetenz in der (auch unbewussten ängstlichen) Annahme, die eigene vielleicht nicht plausible, schlecht begründbare Sichtweise würde dann weniger kritisch aufgenommen, denn schließlich haben wir schon gezeigt, wie gut wir uns auskennen.

    LG Jonas

  • Hallo alle,

    kommen nun die User zur Konsultation hier in diesen Thread, um beim Forums-Psychoanalytiker eine Stunde zu nehmen? :roll: Man liefert ein Stichwort und Jonas schreibt eine wissenschaftliche Abhandlung...

    Was läuft hier??

    Gruß, Linde

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Hallo !

    Zitat von Tocco54

    Mal ein anderes Thema,wenns Dir Recht ist.

    Besser ist es, wenn es beim Thema Alkoholismus bleibt. Noch besser um Alkoholismus im persönlichen Leben und nicht um theoretische Fragestellungen und Abhandlungen. Erfahrungsaustausch ist das Zauberwort :wink:.

    Ich finde entsprechend, Deine Frage, Tocco, gehört hier ebensowenig rein, wie Deine Antwort, Jonas. Oder geht es etwa um Euern Alkoholismus und ich habe das nur nicht erkannt ? Wenn dem so sein sollte, wäre es schön, wenn Ihr das ein wenig verdeutlichen könntet.

    Grüße
    Tina

  • Zitat von Linde66

    Hallo alle,

    kommen nun die User zur Konsultation hier in diesen Thread, um beim Forums-Psychoanalytiker eine Stunde zu nehmen? :roll: Man liefert ein Stichwort und Jonas schreibt eine wissenschaftliche Abhandlung...

    Was läuft hier??

    Gruß, Linde

    Edit .. Hartmut

    Nun, Jonas, sag, wie gehts Dir heut,
    hast Du Dein posten schon bereut ?

    LG Andreas

  • Guten Morgen Forum,

    mir geht es gut. Ich konnte in den ruhigen Frühmorgenstunden meinen Roman ganz gut weitertreiben. Weiterhin arbeite ich an meiner Abstinenz. Ich untersuche, was ein möglicher Suchtdruck bei mir auslösen könnte. Ich bin oral-süchtig und kann deshalb keine Vorlust, keine Vorfreude empfinden. Ich bin gierig und muss alles sofort haben. Wenn die Gesunden sagen, Vorfreude sei die schönste Vorfreude, gilt das für mich nicht. Ich bin ein Säugling, der schreit, weil er seine Milch sofort haben will. Ich bestelle online einen Gegenstand. Es ist kein Wasser, das ich sofort brauche um nicht zu verdursten, auch kein Essen, das ich sofort brauche um nicht zu verhungern. Es ist nichts Primäres. Aber für mich wird es zum Primären. In zwei langen Tagen soll der Gegenstand geliefert werden, den ich haben will, aber nicht zum Überleben brauche. Ich bin unruhig, das Warten auf den Gegenstand, den ich nicht brauche, wird mir lang. Ich denke fast nur noch an den Gegenstand, den ich nicht brauche. Aber ich biń süchtig, der Gegenstand wird zur Milch, die ich sofort haben will. Die Auslieferung verzögert sich um eine Woche, ich fühle Enttäuschung, ich möchte die Bestellung rückgängig machen und mir den Gegenstand, den ich nicht brauche, woanders besorgen. Ich bin ein Säugling, der sein Suchtmittel, das er nicht braucht, sofort haben will. Aber ich bin ja kein Säugling, denke ich plötzlich. Ich habe Laufen gelernt, und meine Mutter ist der Kaufladen in der Nähe. Ich habe sogar schicke Kreditkarten und bin ein sehr geachteter Mann, ich brauche meine Mutter nicht, ich kann sofort losgehen und mir meine Milch, die ich nicht brauche, sofort selber kaufen. Ich brauche nicht mehr zu schreien. Ich kann mir schon die Schuhe selbst anziehen und sofort losgehen und mir sofort Bier kaufen, das ich nicht brauche, das ich trinken kann, aber nicht zu trinken brauche, das ich nicht brauche, nie mehr brauche.
    Ich arbeite auch daran, Vorlust, Vorfreude genießen zu können. Da ich nicht mehr trinke, Trunk- und Kaufsucht aber eng benachbart sind, übe ich, mich am Warten auf eine Lieferung selbst zu erfreuen.

    LG jonas

  • Hallo Jonas,

    hast Du schon mal daran gedacht, Dich an ein Autismus-Zentrum zu wenden ? Sicher ist Alkoholismus dort nicht das tägliche Thema, aber vielleicht ist es möglich, in enger Zusammenarbeit mit einer Suchtberatungsstelle, einen für Dich bestmöglichen Weg zu finden.

    Emotionen anzutrainieren erscheint mit nahezu unmöglich. Wie wäre es, wenn Du statt dessen verstärkt mit Plänen arbeitest ? Um bei Deinem Beispiel zu bleiben: Du planst die Anschaffung eines Gegenstandes und vermerkst Dir in Deinem Kalender, großzügig terminiert, wann er kommt. Vielleicht drei Tage nach dem vorraus. Lieferdatum, damit es auch klappt. Kommt er eher, bleibt das Paket dennoch zu, es ist ja noch nicht dran. Damit trennst Du Bestellung und tatsächlichen Erhalt in zwei verschiedene Aktionen.

    Ich weiß nicht, ob es geht, es ist nur eine Idee und vielleicht ein paar Gedanken wert. Wenn nicht, dann nicht :wink:.

    Grüße
    Tina

  • Zitat von Tina

    Hallo Jonas,

    hast Du schon mal daran gedacht, Dich an ein Autismus-Zentrum zu wenden ? Sicher ist Alkoholimus dort nicht das tägliche Thema, aber vielleicht ist es möglich, in enger Zusammenarbeit mit einer Suchtberatungsstelle, einen für Dich bestmöglichen Weg zu finden.

    Hallo Tina,

    ich tausche mich auch in einer onlineSHG für Asperger-Autisten aus. Darüber hinaus tausche ich mich mit einem Bekannten aus. Danke für deine Anregung.

    LG Jonas

  • Hallo Jonas,

    Zitat von c2h5oh

    ich tausche mich auch in einer onlineSHG für Asperger-Autisten aus. Darüber hinaus tausche ich mich mit einem Bekannten aus.


    Das ist gut !

    Gibt es dort denn Verständnis, Unterstützung und auch tiefergehendes Wissen bzgl. einer Verknüpfung Asperger/ Alkoholsucht ?

    Grüße
    Tina

  • Zitat von Tina

    Gibt es dort denn Verständnis, Unterstützung und auch tiefergehendes Wissen bzgl. einer Verknüpfung Asperger/ Alkoholsucht ?

    Grüße
    Tina

    Hallo Tina,
    ja danke, dieses Verständnis gibt es dort.

    LG Jonas

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