Leb wohl, Du schnöder Alkohol

  • Andreas
    mach dich doch wegen dem Kaffee nicht verrückt. Ich habe immer schon gerne Kaffee getrunken, der "Konsum" ist bei meiner Therapie dennoch angestiegen und irgendwann ganz von selber ins normale gerutscht. Wenn er, an grauen müden Tagen wie gestern steigt, dann sehe ich auch kein Problem.

    Ich bin eigentlich kein Freund von dem Spruch da man ihn ganz falsch auslegen könnte oder als Ausrede nutzen könnte aber erst einmal "Hauptsache trocken"! LG Cora

    Gruß Cora

  • Hallo Andreas

    es wird nichts editiert was verfälscht, sondern nur das was nicht den Regeln entspricht.

    Du hast es ja gut erkannt das es im Offenen etwas strenger sein muss.

    Zitat

    Ich kann es nachvollziehen, daß hier im offenen Bereich aus diversen Gründen von Moderatorenseite her eingegriffen wird.

    Gruß Hartmut

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Moin Hartmut,

    verfälscht wird ein Inhalt mMn. dann, wenn man z.B. nur Teile eines Posts editiert bzw. löscht und dabei Fragmente zurückläßt, die, für sich alleine stehend, eine ganz andere Aussage haben.
    Dies war z.B. bei der Geschichte mit meinem Gedicht der Fall...da wäre es nett gewesen, wenn Du zumindest alles gelöscht hättest...so mußte man als neutraler Leser annehmen, das Gedicht wäre rein kritischer Natur gewesen...

    Das meinte ich mit Verfälschung, ohne jetzt diese alte Diskussion wieder aufleben lassen zu wollen...

    LG Andreas

  • Hallo Andreas,

    Zitat

    Das meinte ich mit Verfälschung, ohne jetzt diese alte Diskussion wieder aufleben lassen zu wollen...

    lass es doch mal stehen dann gibt es keine Diskussion.

    Halte dich doch mal an deine eigene Vorgaben :wink:

    Zitat

    Verstehen kann ich es zwar nicht immer, aber ich akzeptiere es zumindest. Ich sehe es als Herausforderung, mich auch hier zu disziplinieren.

    Gruß Hartmut

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Hallo Andreas

    ich komm grad mal vorbei, um nochmal zu sagen, daß Du mir einen großen Dienst mit Deiner Antwort in meinem Thread erwiesen hast. Warum ich's gerade von Dir so gut annehmen kann weiß ich nicht. - Vllt. gerade weil da so viel selbstkritische Ehrlichkeit dabei war.


    Tief in mir ist es so als hätte ich nun endlich das Ende des Tunnels erreicht und trete ins Freie.

    Irgendwie fühlt es sich zum ersten Mal wirklich frei an. So als wäre das Mitleid die letzte Fessel gewesen, der noch durchtrennt werden mußte.
    Danke für das scharfe Messer, das Du mir geliehen hast! Es gab in der Vergangenheit viele, die mir die Fessel immer wieder anlegten, in dem sie sagten: Ne so ist der nicht! Aber tief drinnen ahnte ich es war aber ziemlich allein mit dieser Ahnung.

    Liebe Grüße Nys

    PS
    Ich kannte diese perfekten Lügen, von Junkies, die ganze Geschichten erfinden, um an Geld zu kommen. Meinst Du man entwickelt als Suchtkranker generell eine besondere Art glaubhaft zu lügen? Ist es vllt. auch der Alk, der einen Alkoholiker selbst glauben läßt was er sagt? Um dann so überzeugend rüberzukommen, daß man immer total überwältigt ist von der Vorstellung die der da so bietet? Oder ist das eher eine ganz bewußte Art, sich wirkungsvoll davor zu schützen enttarnt zu werden? Ich weiß das sind krasse Fragen. Du mußt auch nicht darauf antworten. Ist mir nur heute noch so durch den (freien!) Kopf gegangen.

    Dieser Post sollte einfach nochmal ein DANKE sein.

  • noch ein Nachtrag zum obigen Post:

    Es ist wirklich nicht wichtig auf diese Frage zu antworten. Hartmut meinte ich würde mich da wieder zu sehr um das Verstehen von Suchtkranken drehen. Also bitte vergiß den "PS" einfach!

    Ich muß nicht verstehen warum das so war. Es war so und es ist keine bohrende Frage warum.
    Vergeben habe ich ihm schon lange.
    Wichtig war die Erkenntnis, daß ich das Opfer war und nicht er. Man hat mir ja auch schon unterstellt XY anstelle meines Vaters "gestraft" zu haben.
    Bittere Gedanken vergehen mit der Zeit - nur mit Selbstvorwürfen hätte ich schlecht leben können.

  • Hallo Andreas,
    deine Befürchtungen sind unbegründet.
    Im geschlossenen Teil geht es um teils sehr persönliche Dinge, man erzählt mehr von sich.
    Die editiert niemand herum.
    Man bekommt Reaktionen auf das Geschriebene,
    Unterstützung und vielleicht auch mal kritische Bemerkungen.
    Dir ne gute Woche,
    es soll wettermäßig ja schon wieder besser sein.

    LG Frank

  • Hallo Andreas,

    ich wollte Dir einmal schreiben wie ich es mit den anderen Suchtmitteln sehe. Ich glaube, ich weiß nicht ob es bei allen Alkoholikern so ist, bei mir war es jedenfalls so, dass ich mich mit dem Alkohol immer bis zur Bewusstlosigkeit abschiessen musste. Es gibt dafür einen richtigen Namen der das beschreibt.

    Nachdem nun Schluß ist mit dem elenden Saufen, habe ich festgestellt, eigentlich früher auch schon, nur jetzt halt bewusster, dass ich mit keinem Sucht oder Genußmittel so richtig normal umgehen kann. Weil wir schon einmal beim Thema Kaffee waren, nur deshalb. Zigaretten und Lebensmittel würden auch gehen.

    Ich habe sehr lange Zeit gebraucht um von diesen Trichter weg zu kommen dass ich irgendwiee anders drauf sein muß. Ich habe immer gedacht es fehlt irgendwie etwas (Alk?) wenn ich nicht einen Kaffee in der Hand und ne Kippe im Mund hatte.

    Ich saß dabei auch wie beim Saufen immer vorm Rechner und es viel mir sehr schwer das zu ändern. Aber vor ungefähr einem Monat habe ich angefangen nur noch auf dem Balkon zu rauchen und auch nur noch frühs einen oder zwei Kaffee zu trinken, ohne Rechner, außerdem erst nachdem ich eine Banane gegessen habe.

    Und was soll ich sagen, dadurch dass dieser zusätzliche "Anreiz" für mich weggefallen ist, komme ich langsam dazu, endlich meinen Sport zu machen, weil ich nicht mehr so lange vorm Rechner sitze. Mein Zigarettenkonsum hat sich von 30-40 Zigaretten am Tag auf ungefähr 10-20 gesenkt. Höchsten, eher 15 ;)

    Wie gesagt am Anfang war es schwer aber jetzt nach einem Monat bin ich auch viel ruhiger geworden und fühle mich viel besser. Ich glaube einige von uns (oder alle?)müssen schon sehr aufpassen wie sie mit Sucht- und Genußmitteln umgehen.


    lg Maik

  • Achso eins noch: Ich glaube nicht dass wenn man dem Alkohol aus dem Weg geht, gefahr läuft einer anderen Sucht zu erliegen. Diese Gefahr wird immer da sein, wenn man nicht aufpasst und sein Leben ändert. Im Gegenteil, ich bin mir bewusst, und das war auch eine traurige aber wahre Erkenntnis, dass ich nicht Teil der normalen Gesellschaft sein werde.

    Kein Feierabendbier mit Kollegen, kein Bier mit Freunden neben dem Lagenfeuer am Strand. Deshalb werde ich mein Leben jetzt versuchen von Anfang an so auszurichten, dass mir diese Sachen erst gar nicht fehlen. Also mir andere Sachen suchen um zu entspannen oder zu chillen. Aber wie das richtig funktionieren soll und wie ich das mit meinem Freundeskreis in Einklang bringen soll, da fehlt mir bis jetzt auch noch der Horizont, aber ich hoffe dass sich das mit der Zeit irgendwie ergibt, wenn ich neue Wege gehe und vielleicht neue Menchen kennenlerne.

    Ganz schön schwer diese Einsicht.


    lg Maik

  • Hallo Maik,

    Kaffee hab ich schon recht viel getrunken, als ich noch gesoffen hab...ich denke nicht, daß sich mein Kaffeekonsum durch die Abstinenz gesteigert hat, eher schon die Tatsache, daß der Kaffee zuhause im Büro halt schnell mal gemacht ist...wenn ich wieder draußen bin, geht der Konsum automatisch zurück. Mein Zigarettenkonsum hat sich sogar verringert und an Deine Mengen bin ich sowieso nicht rangekommen :)
    Die Sache mit dem Abschießen stimmt schon eher...da war es tatsächlich zum Schluß einmal die Woche so, daß ich mich verbarrikadiert hab und dann solange gesoffen hab, bis nix mehr reinging. Der Tag danach war dann meistens komplett gelaufen.
    Meine Lauferei ist mir sehr wichtig, weil sie mir beim Abschalten hilft...Laufen und Saufen verträgt sich nicht, deshalb bin ich, auch verletzungsbedingt, fast ein dreiviertel Jahr nicht mehr gelaufen...auch das hab ich geändert, ich lauf jetzt wieder regelmäßig und merke, was mir da gefehlt hat. Überhaupt realisiere ich immer mehr, daß mich der Alkohol davon abgehalten hat, die Dinge in der Art und Weise zu tun, wie ich sie gerne machen würde....ob nun Arbeit, Sport oder Gitarrenspielen. Alleine diese Tatsache ist für mich inzwischen Motivation, auch weiterhin nix zu trinken.
    Kneipen hab ich schon in den letzten Jahren nur noch sporadisch besucht, diese Besuche fallen halt jetzt komplett weg...für mich also keine besondere Herausforderung.

    So blöd es auch klingen mag:

    Ich habe nicht das Gefühl, auf Alkohol verzichten zu müssen...es ist eher ein Gefühl in die Richtung "Man, bist Du dämlich, daß Du das erst jetzt raffst, wieviel von Deinem Leben Du alkoholisiert verplempert hast."

    Das ist bei mir so eine Art Bilanz ziehen...und die Bilanz fällt verherrend aus :)

    Zeit, die Bilanz auszugleichen....

    LG und schöne Zeit

    Andreas

  • Hallo Carpenter,

    jetzt reicht's aber. Bzgl. Deines Posts von heute muss ich doch mal wieder aus der Versenkung auftauchen. Hab beim Lesen tatsächlich gedacht, da schreibt jemand über mich. So viele Ähnlichkeiten...
    Zum Beispiel der Sport. Darauf musste auch ich verletzungsbedingt (Knie-OP) längere Zeit verzichten. Jetzt habe ich wieder mit dem Laufen begonnen, gemäßigtes Schwimmen und Radfahren geht wieder und mein Rücken fordert sowieso regelmäßige Beachtung. Wie hat mir dieser Ausgleich zum Bürosessel gefehlt! Wo ich doch mein ganzes Leben bisher immer sportlich unterwegs war. Ich war auch noch mit Promille laufen, hab meine Schwimm-Kids "mit Fahne" trainiert oder bin mit der Flasche Whisky in der Sporttasche ins Fitnessstudio marschiert. Aber es kostete in den letzten Monaten enorm viel Kraft und Überwindung. Und Ausreden fanden sich immer öfter, um zu trinken statt zu sporteln.

    Was ich ganz genau so empfinde (und absolut nicht blöd finde):

    Zitat

    Ich habe nicht das Gefühl, auf Alkohol verzichten zu müssen.


    Ich bin dankbar - gerade nach einigen Posts in diesem Forum - bisher noch kein einziges Mal unter Saufdruck gelitten zu haben. Allein die Beantwortung der Frage "Was würde Alkohol jetzt besser machen?" reicht oft schon.
    Warum wir nicht schon viel früher auf diesen Trichter gekommen sind? Keine Ahnung. Die Suche nach einer Antwort ist m.E. ebenso vergeudete Energie wie die Überlegung, wieviel von meinem Leben ich schon verplempert habe. Wir hatten die Hoffnung auf eine bessere Vergangenheit aufgegeben. Ist eh nicht mehr zu ändern. Doch es liegt (hoffentlich) noch so viel Zukunft vor uns. Und Du hattest die Erleuchtung immerhin vier Jahr früher als ich :wink:.

    Was mich interessieren würde: Du scheinst ja arbeitsmäßig einige Zeit im häuslichen Büro zu verbringen. Und Du schreibst, dass Kneipen für Dich eher auch kein Thema waren. Heißt, Du hast viel zu Hause getrunken? Machst Du da jetzt etwas anders?
    Denn bei mir ist's ähnlich. Seit kurzem arbeite ich komplett zu Hause. Und hier habe ich fast immer getrunken. Es wäre rein organisatorisch ein Leichtes, mir im Keller wieder einen Vorrat anzulegen und gleich nach dem Frühstück, wenn die Kids in der Schule sind, zur Flasche zu greifen.
    Wie "damals" an den Wochenenden. Manchmal waren die ersten Schlucke auch gleichzeitig mein Frühstück... Rückblickend finde ich diese Erinnerungen - jetzt, wo ich sie aufschreibe - einfach nur widerlich, abstoßend. Nein, das möchte ich nie mehr erleben. Nichts scheint mir heute ferner, als wieder all diese Heimlichkeiten aufflammen zu lassen. Als in den ewigen Kreislauf von Beschaffen, Trinken, Entsorgen zurückzukehren.
    Heute wimmelt es in meinem Keller nur so vor Sprudeln, Säften, Schorlen...

    Btw: Heute fanden die letzten Weizenbier-Gläser, die ich beim Entrümpeln noch fand, ihre letzte Ruhestätte auf dem Wertstoffhof :).

    So, lieber Carpenter (der mich immer an Bob Dylan denken lässt), jetzt reicht's für heute.

    Denn man weiterhin alles Gute auf Deiner Reise und bis neulich
    der Schorsch

    Suche nach Erfolg, nicht nach Perfektion. Vergiss nie dein Recht, dich zu irren, weil du dann die Fähigkeit verlieren wirst, Neues zu lernen und in deinem Leben vorwärts zu gehen. Erinnere dich daran, dass sich hinter Perfektionismus immer Angst verbirgt.

  • Moin Forum,

    silberkralle und Nys:

    Dank Euch für Eure Einträge...selbiges wünsch ich Euch natürlich auch :)

    Georg :

    Tja, schon seltsam, wie sich manche Geschichten hier gleichen...ich sags ja immer, jeder Mensch ist anders, aber Parallelen gibts immer...wobei ich tatsächlich in vielerlei Hinsicht das Gefühl habe, anders als die meisten anderen Menschen zu sein.
    Aber auch bei uns Beiden finden sich doch Unterschiede. Zuhause hab ich nur bei meinen "Abschüssen" gesoffen. Klar, mal ein, zwei Bier beim Fuppesgucken, ein, zwei Bier beim Kochen...das war schon normal...aber am WE z.B. hab ich fast nie was getrunken, weil ich wußte, daß es meiner Frau nicht passt. Das hab ich dann unter der Woche auf Arbeit und in meiner Werkstatt aufgeholt so nach dem Motto: "Ich muß in der Werkstatt noch das und das aufräumen". Aufzuräumen waren dann v.a. Bierflaschen, die ich während des Aufräumens konsumiert habe...genaugenommen bin ich immer irgendwie angesoffen nach Hause gekommen und hab dann zuhause nichts mehr bzw. nur selten konsumiert. Das war eine gewaltige Belastung für die Familie...meine Frau hat das häufig angesprochen und kritisiert...dann hab ich, wie fast jeder Alkoholiker, erstmal weniger konsumiert bzw. ne Trinkpause eingelegt, gewartet, bis sie sich beruhigt hatte und dann weitergesoffen, als wäre nix gewesen...ich hab bis vor kurzem einfach nicht verstanden, warum ich hätte aufhören sollen. Nun ist der Groschen, auch dank meiner Frau, die sich einfach nicht damit abgefunden hat, daß ich Alkoholiker bin, gefallen.
    Tja, und wie steuert man dagegen ? Nun, ich hab in der Firma ein Alkoholverbot ausgesprochen (dafür rollt man mir jetzt zwar nicht gerade den roten Teppich aus, aber es wird akzeptiert...das reicht mir zunächst einmal), Werkstattbesuche wurden minimiert und selbstverständlich ist dort auch kein Alkohol mehr anzutreffen.
    Im Büro trank ich nur dann, wenn ich mich abschoß...und dieses Abschießen kam immer nach Streitereien, Diskussionen zuhause...nun versuche ich, Streitereien gleich auszudiskutieren, gar nicht mehr so viel anstauen zu lassen, daß es irgendwann mal zuviel werden könnte...genaugenommen rumpelt es dann mal gewaltig und ist in wenigen Minuten wie ein reinigendes Gewitter wieder verzogen. Vor meiner Trockenheit hab ich Diskussionen gemieden, mir meinen Sprit geschnappt und mich zugeschüttet...ich wollte einfach nicht mehr diskutieren...das hab ich jetzt komplett gedreht...ich versuche, Dinge sofort, noch an Ort und Stelle anzusprechen, zu klären oder notfalls auf einen geeigneten, späteren Zeitpunkt zu verschieben...allerdings mit klarer Terminierung.
    Diese Dinge scheinen mir wichtiger zu sein, als im Supermarkt einen Bogen um Schnapsregale zu machen. Es ist im Prinzip so eine Mischung aus Risikominimierung und dem Versuch, Situationen, die den Alkoholkonsum begünstigt haben, gar nicht erst entstehen zu lassen. Dazu gehört auch, daß ich versuche, meinen Stressfaktor zu senken.

    Und irgendwie hilfts :)

    LG Andreas

  • Hallo Andreas

    daß Du den Streitgesprächen jetzt nicht mehr aus dem Weg gehst, sondern Dinge ausdiskutierst ist in meinen Augen eine enorme Leistung.

    Da gehört eine ordentliche Portion Selbstüberwindung und viel Energie dazu. Sicherlich ist Deine Frau dankbar, daß sie jetzt mit dem jew. Streit-Thema nicht mehr allein zurückgelassen wird und gewinnt daduch auch neues Vertrauen in Dich. Auch wenn man nicht immer einer Meinung sein kann: Allein, daß der andere sich dem Thema stellt und seine Meinung sagt, ist 10mal besser, als nicht streiten zu können, weil der andere abtaucht und man mit dem ganzen Groll allein zurückbleibt.

    Ich könnte mir vorstellen, daß Du Dich damit jetzt einfach auch besser fühlst, wenn Du Dir auf diese Art beweist, daß Du Dich unangenehmen Dingen stellen kannst ohne trinken zu müssen.

    Kannst zurecht stolz drauf sein. Ich glaube in so kurzer Zeit schafft das nicht jeder.

    LG Nys

    PS: Mein Mann geht auch Laufen und spielt Gitarre und Baß. Mit Band ist nichts mehr wg. der Arbeit - und auch für die wenige gemeinsame Zeit wäre es verheerend. Die Zeiten in denen ich am Wochenende Kabelkoffer geschleppt habe sind Gott sei dank vorbei :wink:

  • Hallo Nys,

    freut mich zu hören, daß Dein Mann auch gerne Gitarre spielt...das ist eine schöne Art, entspannen zu können...und die Tatsache, daß man sich nur selten die Zeit nimmt, sich auszuklinken, um in Ruhe zu spielen, zeigt, daß man öfter mal vom Gas gehen sollte.
    Tja, es gibt für mich keinen Grund, Stolz auf irgendwas zu sein. Ich würde eher sagen, so langsam verhalte ich mich so, wie man es von einem normalen Menschen erwarten sollte. Das Leben auf der Überholspur ist zwar reizvoll, aber auf Dauer unheimlich anstrengend. Wenn man das kapiert, dann setzt man eben den Blinker und wechselt auch mal auf die mittlere Fahrspur und läßt andere Autos einfach an sich vorbeiziehen.
    Dankbarkeit von Seiten meiner Frau wäre kaum angebracht...schließlich hat sie jahrelang auf diese Normalität verzichten müssen...aber es ist so eine Art Einpendeln, die großen Schwankungen nach oben und unten werden weniger. Klingt zwar etwas esoterisch, aber man sieht seine eigene Mitte wieder deutlicher...
    Ich mach mir nix vor...es hilft nix, etwas in kurzer Zeit zu schaffen, es muß auch langfristig Bestand haben...das gilt sowohl für die Abstinenz als auch für die Art und Weise, wie man mit Problemen umgeht und Diskussionen führt.

    Schön, daß Du Dich mal gemeldet hast...und schön, daß Du und Dein Mann jetzt ne Basis gefunden habt, quasi neu anzufangen...dabei wünsch ich Dir alles Gute.

    LG Andreas

  • Hallo, du schreibst:

    " ..aber es ist so eine Art Einpendeln, die großen
    Schwankungen nach oben und unten werden weniger. Klingt zwar
    etwas esoterisch, aber man sieht seine eigene Mitte wieder
    deutlicher..."


    Klingt nicht esoterisch. Klingt gesund.

    (Ich bin Buddhist und das ist eine Religion {die nix esoterisches an sich hat, nebenbei} , im der es um etwas geht was in dieser Tradition der "mittlere Weg" genannt wird: d.h. daß es gesund ist die Exteme zu meiden).

    Wenn dieses Denken bei dir ankommt ist das aus meiner Sicht ein Zeichen dafür daß du in Einklang kommst mit Gesetzmäßigkeiten die dem Menschen immer guttun. Klarheit und ein Jenseits-der-Extreme-Leben zieht eine Art Geborgenheit innerhalb der wechselhaften Umstände des Lebens nach sich. Das schafft eine tiefe innere Befriedigung die kein Rausch je haben könnte.

    So nun bin ich der der etwas "esoterisch" klingt :) es aber nicht ist...

    Da kannst dir ruhig ein bißchen zu gratulieren zu der Mitte die besser ist als Hochs und Tiefs...

    LG

  • Guten Morgen Andreas

    Auch in meiner Ehe waren es 10 lange Jahre, in denen ich zurückgesteckt habe. So etwas sitzt tief. Zu verletzend war es gewesen, 10 Jahre um eine glückliche Beziehung zu kämpfen und meinen Mann nie wirklich erreichen zu können.
    Da wird man auch sehr hart innerlich - es hatte ihn ja auch nicht erweicht, wenn ich Briefe an ihn schrieb oder heulend auf dem Hausflur zusammengebrochen bin, weil ich seine Zurückweisungen einfach nichtmehr ertragen konnte.

    Jetzt bin ich froh, daß er sich geändert hat. Es wäre aber nicht hilfreich, wenn er sich im Nachhinein selbstzermürbende Vorwürfe machen würde.

    Wir sind uns einig, daß es nie wieder so werden darf, wie in der Zeit vor XY. Und trotzdem haben wir es nicht immer leicht mit dem Neubeginn. Die alten Muster sind schnell wieder da. Man hat Druck durch die Arbeit, steht vor Entscheidungen, die ausdiskutiert werden müssen - und schon entsteht wieder Distanz. Durch die Zurückweisung, die ich früher von ihm erfahren habe - ist es beinahe schon ein Automatismus, daß ich diese Distanz wahrnehme und nicht auf ihn zugehe, sondern mich zurückziehe. (Gefahr, daß ich an XY denke, der neben dem Hobby auch die Sehnsucht nach Nähe mit mir teilte.) Es kostet mich Überwindung und Mut, um es wieder optimistisch anzugehen und meinem Mann damit die Chance zu geben, auch sein Muster der Abschottung hinter sich zu lassen. Es ist für ihn wichtig, daß ich es ausdrücke, wenn mir Geborgenheit und Nähe fehlt. Zum Glück ist er jetzt auch bereit - dann auf mich einzugehen.

    Was ich damit sagen will: Es ist nicht nur Dein Neuanfang und Deine Arbeit. Auch Deine Frau wird Muster aufgebaut haben, die es jetzt wieder zu ändern gilt. Vllt. kann Euch eine Paartherapie helfen, die auf eine neue Wahrnehmung ausgerichtet ist und in der Deine Frau ihren Frust der vergangenen Zeit aufarbeiten und zurücklassen kann. Auch sich selbst zu vergeben ist wichtig, um den langen Weg erfolgreich zu meistern, den Du Dir vorgenommen hast. Mir haben bei der Aufarbeitung von Verbitterung die Sitzungen bei meinem Heilpraktiker sehr geholfen. (Also auch ein bißchen esoterisch?) Jedenfalls haben wir da so Personen-Aufstellungen mit Hilfe von Kissen gemacht. Es war erstaunlich, welche Dinge dabei aus dem Unterbewußtsein aufgetaucht sind - und wie ich meine Mutter z.B. plötzlich als ganz zart und verletzlich begriffen habe. Das hat mich von viel Groll befreit.

    Einen Gedanken will ich dazu noch bei Dir lassen:
    Es war alles notwendig was Du getan hast, um heute da anzukommen, wo Du jetzt stehst. Du mußtest diesen Deinen Weg gehen, um der zu werden, der Du heute bist und so zu denken, wie Du heute denkst. Also kein Grund sich zu schämen und viele Gründe die positive Entwicklung weiterzuführen.

    LG Nys

  • Hallo Andreas,

    dieser Satz von dir gefällt mir sehr:

    Zitat

    aber es ist so eine Art Einpendeln, die großen Schwankungen nach oben und unten werden weniger. Klingt zwar etwas esoterisch, aber man sieht seine eigene Mitte wieder deutlicher...

    Ich empfinde es im Moment genauso und es gibt mir ein Gefühl von mehr Sicherheit.

    Klar können wir nichts von dem was wir getan haben ungeschehen machen und manches wird man uns vielleicht verzeihen, aber nie vergessen.
    Trotz allem, glaube ich , dass wir das Recht haben ein wenig stolz auf uns zu sein. Es erfordert doch eine Menge Kraft und ein ständiges "in sich gehen", aus diesem Teufelskreis auszubrechen!

    Hochmut oder Arroganz sind hier natürlich nicht angebracht, aber mehr Selbswertgefühl ist mMn ganz wichtig auf diesem Weg!

    Ganz liebe Grüße
    Carmelita

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