Leb wohl, Du schnöder Alkohol

  • Zitat von Prinzessin?

    Also, halt die Ohren steif, probiere bei dir und auf deinem trockenen Weg zu bleiben und nimm nicht alles so persönlich. Ich trau mich das nur sagen, weil ichs genauso getan habe!!

    Liebe Grüße, Prinzessin?

    Natürlich darfst du das sagen...wer, wenn nicht Du ? :)
    Freut mich sehr, daß Du für Dich Fortschritte siehst...dann paßt der Weg...viel Glück weiterhin dabei...

    LG

    Andreas

  • Maria :

    Tja, in Randgruppen fühl ich mich einfach gut aufgehoben :)

    Nee, eigentlich schon lange nicht mehr in alkoholischer Gesellschaft...on tour gehe ich schon lange nicht mehr, dazu werd ich womöglich langsam zu alt, auch wenn mich die midlife-crisis doch noch etwas am Wickel zu haben scheint. Aber das wird, glaub ich zumindest, langsam besser :)
    Ich hab schlimmerweise auch und v.a. auf der Arbeit gesoffen...und das ist leider ne Sache, wo ich nicht so einfach sagen kann...weg damit wegen der Risikominimierung...kann ja schlecht bei mir selbst kündigen :)
    Aber auch da sind die Weichen gestellt...

    Euren Rat mit dem "step by step" hab ich angenommen und werd ihn umsetzen...Grabwerkzeuge wurden erstmal wieder in den Schuppen gebracht :)

    LG Andreas

  • Hallo schnuffig,

    Du hast ne ziemlich direkte und leicht kauzige Art, einem Deine Meinung zu vermitteln...aber ich mag das :)

    Bei mir hat die Narkose einigermassen gewirkt...insofern habe ich eine etwas andere Ausgangssituation als Du...
    Aber ich kann verstehen, wenn Du meine Gedanken eher als "Jammern auf hohem Niveau" empfindest...ich hab so das Gefühl, daß ich nicht einen Bruchteil von dem durchgemacht habe, was Du durchgemacht hast. Außerdem hab ich immer das Gefühl, als wäre ich einer der wenigen Alkoholiker, die eigentlich gar keinen echten Grund zum Saufen hatten...außer Stressbekämpfung.
    Du hast sicher recht...bei einem Kammerflimmern ist es erstmal sinnvoll, den Defibrilator zu holen, bevor man sich darum kümmert, warum das Flimmern überhaupt aufgetreten ist.

    LG Andreas

  • Hallo Andreas!

    Leicht kauzig ist nett :).
    Ich hätte dir auch von Teilen der 14 Jahre erzählen können, die ich jetzt schon nicht mehr 21 bin!
    Dann hättest du dir vielleicht gedacht, boah, so eitel und vergnügungssüchtig wie die war ich nie.
    Aber du hattest ja die Wurzeln angesprochen. Ich habe mir auch nicht gedacht, dass du auf hohem Niveau jammerst, sondern nur gehofft, dass du das was wichtig ist verstehst, damit hier nie was von einem Rückfall steht.

    LG

  • Hallo carpenter,

    Zitat

    Die komplett andere Alternative wäre, an diesem Wesenszug zu arbeiten...aber dann würde mir etwas verlorengehen ...

    ich probiere mittlerweile die Dinge einfach aus. Vielleicht gewinne ich ja mehr als verlorengeht !? Versuch macht kluch ...
    Wesenszüge an mir, die mir immer wieder unnötigen emotionalen Ärger verursachen, stelle ich durchaus auch in Frage, denn emotionaler Ärger schadet im wesentlichen mir.

    Ich frage mich viel öfter als früher, ob mein Selbstbild wirklich mir entspricht.

    LG Jürgen

  • Hallo Carpenter,

    Warum ich Alkoholiker bin, ist mir total egal, seit ich akzeptiert habe, daß ich einer bin und nicht mehr trinken möchte.
    Ich empfehle keinem Heroinabhängigen den unnötigen Umgang mit seinem Suchtmittel, also empfehle ich es auch keinem Alkoholiker.

    Die Erkenntnis, süchtig zu sein, bestimmt meinen Umgang mit der physischen Existenz / Anwesenheit meines Suchtmittels.
    Diese Handlungsmaxime (= meine Grundbausteine) trenne ich komplett von meiner Persönlichkeit, meinen Gefühlen etc. ab, sie gelten immer, ohne Ausnahme.
    Damit kann ich locker 98% meines Alltags abdecken.

    Dennoch läßt sich in unserer Gesellschaft der Kontakt zu Alkohol schlechter vermeiden als der Kontakt zu Heroin. Nachdem ich gelernt habe, sehr sorgfältig auf meine Gefühle und Gedanken zu horchen und alle Arroganz und vermeintliche Stärke abzulegen, kann ich allen Situationen mit Alkohol begegnen, die mich nicht aus meiner Mitte bringen.

    Die Frage warum ich getrunken habe, spielt lediglich für die Beurteilung von Rückfallgefahren in den verbleibenden 2% der Lebenssituationen eine Rolle.
    Trank ich aus Trauer, Schmerz oder Euphorie / Leichtsinn, dann sollte ich diese Gefühle von der Anwesenheit von Alkohol und von Gedanken an Alkohol abtrennen.
    Das erfordert dauerhaftes kognitives Verhaltenstraining, Erarbeitung, Durchführung und Verinnerlichung von Handlungsalternativen.

    LG Jürgen

  • Guten Morgen, Forum

    Wünsch Euch einen schönen Sonntag...trotz der Kälte draussen...

    juergenbausf :

    Interessante Herangehensweise...sich gar nicht damit zu beschäftigen, warum man Alkoholiker ist...ich kann mir vorstellen, daß man sich da auch ne Menge Kraft sparen kann...graben strengt ja schließlich auch ganz schön an :)

    Ich weiß nicht, ob ich das komplett ausblenden kann bzw. will...aber ich hab mir seit gestern vorgenommen, diese Analyse zumindest erstmal auf später zu verschieben und mich nur mit dem Trockenwerden an sich zu beschäftigen.

    Ich weiß, daß bei mir Stress ein auslösender Faktor ist...also muß ich daran arbeiten, weniger Stress zu haben, ruhiger zu werden, runterzufahren...glücklicherweise ist das etwas, was einem generell gut tut...somit ist das in dem Moment wohl eine win-win-Situation.
    Ich hab meinen Alltag so ein bißchen hinterfragt, genau darauf geachtet, wann ich Momente habe, in denen ich an Alkohol denke bzw. vorher Alkohol konsumiert habe...das sind z.T. ganz simple Sachen wie z.B. Wände streichen. Glücklicherweise entsteht in diesen Situationen (noch) kein Saufdruck, sondern es ist ein kurzer Moment des Erkennens, des Wahrnehmens und so schnell dieser Gedanke an Alkohol da war, so schnell ist er auch wieder weg...das geht in Bruchteilen von Sekunden vor sich. Nachdem ich hier gelernt habe, daß der Saufdruck oft später auftritt, hab ich auch darauf geachtet.
    Ich hatte bis jetzt nicht einen Moment, wo ich mich wirklich zusammenreißen mußte, nicht zu trinken.
    Woran ich momentan arbeiten will, ist so eine Art Strukturierung des Alltags...ganz einfache Rituale...so wie es Correns z.B. macht...zur selben Zeit und möglichst früh aufstehen, beizeiten ins Bett gehen. Die Ruhe früh um 5 (kein Verkehr, Ruhe im Haus, keine Ablenkungen) tut mir ebenfalls gut. Ich denke, daß mir diese Strukturierung meines Lebens bisher so ein wenig gefehlt hat...und das sorgt mMn. in gewisser Hinsicht auch für eine geistige Unaufgeräumtheit.

    Dank Dir für Deine Anmerkungen.

    LG Andreas

  • Hallo Andreas, genau so ist das bei mir auch, es bekommt finde ich auch mit zunehmender Trockenheit eine Art leichterer Eigendynamik, die immer weniger anstrengend ist. Ich kann es vergleichen mit früheren Trinsituationen und anschauen, wie ich es heute statt dessen mache. Viel Druck fällt dann weg. Ich will vieles von selber gar nicht mehr so angehen wie zu Alkzeiten und erkenne auch schneller was mir einfach nicht gut tut. Ich achte viel genauer auf mich und freue mich auch daran, wenn ich Erfolg sehe, ist auch nicht mehr immer so hart erkämpft wie in der Abfangszeit, sondern selbstverständlicher daraus resultierend, dass ich mich triggernden Situationen gar nicht mehr aussetzen will. Geduld ist wiedermal das Zauberwort und kleine Rituale schaffe ich mir auch, das stabilisiert mich. Ich bin übrigens im geschlossenen Bereich, deswegen hast Du mich vielleicht nicht gefunden, kann ich Dir nur empfehlen, ich fühl mich sehr wohl hier..Lieben Gruß am Sonntagmorgen und nen guten Tag Consuela

  • hallo Carpenter,

    jetzt spiel hier mal nicht die beleidigte "Tussi"
    Ich erinnere mich daran als ich nach einem Jahr zufriedener Abstinenz ( UND: Einem Jahr beinahe ohne Computer, hatte ihn einfach ausgeschaltet....)
    hier auftauchte und komplett " fertiggemacht " wurde.
    Ich wusste garnicht was "die" alle von mir wollen
    Nach einem weiteren Jahr war ich erst dazu fähig, Kritik anzunehmen.

    Ich bin immer noch hier.
    Und ich kann schon tippen: Auch wenn mir, bis heute, manche Beiträge stinken:
    Ich habe gelernt, keine Ansprüche zu stellen an das www.
    Hauptsach, ich komm weiter.

    Beste Grüße

  • Hallo mutig,

    inwiefern beleidigte Tussi ? Wie kommst Du denn darauf ? Ich teil aus und steck auch wieder ein...da hab ich kein Problem mit.
    Im Gegenteil, Gegenwind wirft mich nicht um, sondern stärkt auf Dauer meine Wadenmuskulatur :)

    Hallo Forum,

    es gibt eigentlich nix neues zu berichten, außer daß ich gestern doch auch etwas geschockt war, daß unsere Prinzessin so arg mit dem Saufdruck zu kämpfen hatte. Nachdem die Prinzessin ja bisher auch so locker und flockig durch ihre Abstinenz gehuscht ist wie ich, war das auch an mich ein klares Signal, mein Notfallköfferchen nochmal durchzusehen, ob auch ja nix fehlt.

    Prinzessin? :

    An dieser Stelle nochmal liebe Grüße...Du hattest gestern glaub ich genug Zuspruch im Geschlossenen, ich wollt mich deshalb nicht auch noch im Offenen einklinken. Ich freu mich riesig für Dich, daß Du diese erste problematische Situation gemeistert hast.

    LG Andreas

  • die Co-Anteile hatte ich auch erst lange später verstanden.

    Kümmere dich um dich
    und nicht um die Prinzessin auf der Erbse.

  • Schließt sich das tatsächlich aus ? Kann ich mich nicht gleichzeitig nur um mich kümmern und gleichzeitig Anteil nehmen an der Situation anderer ?
    Ich hab da noch so ein wenig Probleme mit diesen ganzen "Ich schau nur noch auf mich", "andere sind mir egal" - Sprüche...ich finde das gerade bei einem Alkoholiker unangebracht, denn im Grunde hat der ja jahrelang nix anderes gemacht wie nur auf sich zu schauen, während sich diejenigen, die durch seine Sucht mehr oder minder ebenfalls betroffen waren, jede Menge Gedanken wegen dem Alkoholiker gemacht haben.

    Nee, Trocken werden heißt für mich ganz sicher nicht, automatisch zum absoluten Egoisten zu werden...abgesehen davon sind es genau diese Dinge, die mich veranlaßt haben, mich hier anzumelden...Erfahrungen mit Suchtdruck z.B...das sind konkrete Situationen, konkrete Fälle und nicht irgendwelche in irgendeinem Suchtwälzer konstruierte
    Begebenheiten.

    LG Andreas

    P.S.:

    Bei den 1000 Scheiben auch ein paar brauchbare Sachen dabei ? :)

  • Hallo Karsten,

    so hatte ich das im Grunde auch verstanden. Ich nehme an, mutig meinte auch eher, man solle darauf achten, sich nicht zu sehr auf die Probleme anderer zu fixieren und dabei die eigenen zu vergessen bzw. zu verdrängen. Und damit kann ich auch konkret was anfangen.

    LG Andreas

  • Hallo Carpenter, du schriebst (bei Jonas aber ich finde es angemessener dir hier meine Gedanken dazu zu schreiben):

    " Risikovermeidung ist ganz sicher der richtige Weg...aber blockiert
    man damit nicht in gewisser Weise eine Aufarbeitung der eigenen
    Sucht ?
    Vielleicht ist auch das eine Erkenntnis, die erst nach längerer
    Trockenheit kommt...aber ich hab dabei immer das Gefühl, als würde
    man dem Alkohol lediglich aus dem Weg gehen...also das Suchtmittel
    meiden...was aber, wenn ich grundsätzlich eine Suchtveranlagung
    habe...laufe ich durch diese Risikominimierungstaktik nicht Gefahr,
    zwar dem Alkohol aus dem Weg zu gehen, mich aber peu à peu einem
    anderen Suchtmittel zu nähern ?"

    Eine Aufarbeitung der eigenen Sucht kann ja - das ist logisch - nur gelingen wenn man erstmal nüchtern ist. Nicht mehr trinkt. Bei klarem Kopf ist: sonst gehts nicht mit der Aufarbeitung.

    Risikominimierung sorgt für gute Chancen einen klaren Kopf bewahren zu können. Sie ist nicht die Aufarbeitung selbst. Sie ist abe eine (die wichtigste) Vorraussetzung) dafür daß man sich überhaupt mit einigen Erfolgsaussichten an eine Aufarbeitung heranmachen kann.

    Hast du das Gefühl dich "einem anderen Rauschmittel zu nähern", wenn du dem Alkohol aus dem Weg gehst? Gibt es da das Gefühl "OK Alkohol ist Verderben aber nur nüchtern ist auch zuwenig"? Jedenfalls klingst du ein bißchen so... mir war ja früher auch Rausch als Ideologie und cooler Daseinszustand immer wichtig (THC, bei mir!!) und ich kann das gut nachvollziehen...

    Entweder du lernst (oder kannst) die Klarheit schätzen. Oder ich empfehle dir - wenn das nicht so sein sollte -, tiefer zu gucken: warum kann ich mich nicht einfa erleichtert und wohl fühlen ohne Rauschmittel?

    Für dieses Tiefer-Gucken bietet sich vor allem eine ambulante Therapie an. Du gingst dann 2 mal die Woche hin, einmal in Form von Einzelgespräch, einmal in einer Gruppe, und hast einen idealen Rahmen deine Fragen auf eine konstruktive Weise klären zu können.

    Aber 2 dringende Ratschläge (eines gebrannten Kindss sozusagen das kann ich dir versichern):

    1. Versuchs nicht allein. Das wird nix.

    2. Stell die "Grundbausteine" nicht infrage. Damit machst du dir nur alles bislang erreichte, dein Fundament, kaputt.

    Du gehst doch einen guten Weg. Geh ihn nicht hal Carpenter, halbe Wege sind keine Wege.

    LG (und Silberkrallische "kraftpäckel") von Frank

  • Hallo Frank,

    ich hab nur bei Jonas geschrieben, weil es dort eben zur Sprache kam. Es ist mir sogar sehr recht, daß Du hier drauf eingehst.

    Du hast mich falsch verstanden...ich fürchte, ich hab mich nicht präzise genug ausgedrückt.
    Ich sprach nicht vom hier und jetzt, sondern von der Zukunft...ja, ich weiß ja, ich soll mich erstmal aufs Trockenwerden konzentrieren...mach ich auch...aber manche Fragen tauchen aus dem Nichts auf (manchmal auch nach einem Post der anderen User) und gehen dann nicht mehr aus dem Kopf.
    Das sind dann aber eher so generelle Ansätze...und glaub mir, ich weiß die Klarheit zu schätzen...seh ich z.B. grade bei der Büroarbeit...da ist ne Menge liegengeblieben während der letzten Monate und jetzt geh ich da frisch und froh ran und räum einen Stapel nach dem anderen weg. Nee, die Klarheit laß ich mir nicht mehr nehmen :)
    Andere Rauschmittel...was meinst Du damit ? Nikotin hab ich reduziert, Kaffeekonsum ist nach wie vor zu hoch...aber das ist auch schon alles und wird ganz sicher auch noch angepackt...aber nicht jetzt...jetzt will ich erstmal trocken bleiben.
    Das Tiefer gucken, wie Du es ausdrückst, kommt ganz sicher noch. Aber auch das muß warten...und wer weiß...vielleicht geht es mir auch so, daß ich letztendlich gar nicht mehr den Wunsch habe, tiefer zu gucken, sondern einfach zufrieden bin, wie es läuft...kann ich mir gut vorstellen.
    Was mich an dem Post von Doro irritiert hat, ist die Tatsache, daß sie nach all den Jahren immer noch ein mulmiges Gefühl hat, in ihre ehemalige Kneipe zu gehen...d.h., irgendwo lauert dann die Sucht immer noch rum und man traut sich irgendwie selber nicht über den Weg...ist das so ? Oder hat das dann eher mit der vielzitierten Wachsamkeit zu tun ?

    Danke für Deine Zeilen, Frank. Deine Posts sind immer hilfreich für mich.

    LG Andreas

    (Kraftpäckel...ist so ne Reiki-Nummer, stimmts ? :-))

  • Zitat

    Was mich an dem Post von Doro irritiert hat, ist die Tatsache, daß sie nach all den Jahren immer noch ein mulmiges Gefühl hat, in ihre ehemalige Kneipe zu gehen...d.h., irgendwo lauert dann die Sucht immer noch rum und man traut sich irgendwie selber nicht über den Weg...ist das so ?

    Nachdem ich trocken wurde hatte ich generell keine Lusten mehr, in reine "Trinkkneipen" zu gehen. Ich fühle mich dort einfach unwohl, sinnloses Gequatsche etc... nicht mehr meine Welt. Dieses Gefühl von Unwohlsein hatte ich auch während meiner Rückfälle. Solange ich das, was um mich herum war, nicht ausblenden konnte und das ging gar nicht mehr fühlte ich mich in dieser Umgebung einfach schlecht. Auch wieder was für den Koffer, er füllt sich tatsächlich langsam!

    Cora

    Gruß Cora

  • Moin Forum,

    wieder eine Woche rum, ohne dem schnöden Alkohol zu Hand zu reichen. Während ich anfänglich noch in Tagen und Wochen gerechnet habe, komme ich langsam dazu, es als Normalität zu sehen. Eine Anfrage von einem Bekannten zu einer dreitägigen Reise in die Schweiz habe ich aus vorbeugenden Gründen abgesagt...das ist mir noch zu früh und würde mich in ein fremdes Umfeld führen...ich fühle mich zwar sehr stabil, traue dem Frieden aber nicht...siehe Prinzessin...ich erwarte praktisch, daß der Sauftdruck in den nächsten Wochen an meiner Tür klingelt...und ich bin gewappnet.
    Ich fahre nebenbei noch eine andere Strategie...Leute, die ich selten sehe, aber mit denen ich gerne mal ne Stunde gequatscht habe, wollen mich immer mal wieder zu einem Bier einladen...denen sag ich dann, daß wir gerne reden können ich aber meinerseits keinen Alkohol mehr trinke...je nach Gesprächsverlauf bzw. auf Nachfragen reagiere ich mit Offenheit, spreche davon, Alkoholiker zu sein...die Reaktionen reichen von (was, Du doch nicht bis find ich eine gute Entscheidung). Negative Reaktionen sind wirklich selten und ich merke immer mehr, daß ein Großteil meiner Freunde und Bekannten Verständnis aufbringt. Nicht auszuschließen, daß viele davon sowieso der Meinung waren, daß ich Alkoholiker bin...der Vorteil ist dabei der Schneeballeffekt, den ich bewußt ausnutze...immer mehr Menschen wissen von meiner Alkoholkrankheit, ohne daß ich es in endlosen Gesprächen erklären muß.
    Ich kann ehrlich sagen, daß ich keinerlei Problem damit habe, wem auch immer zu sagen, daß ich Alkoholiker bin...und das gibt mir zusätzliches Selbstvertrauen, Sicherheit auch im öffentlichen Leben und zusätzlich das Gefühl, daß ich durch meine Krankheit nicht ausgegrenzt werde...ich habe momentan auch nicht den Drang, andere Menschen, die mMn. selbst Alkoholiker sind, zu bekehren...davor hatte ich ehrlich gesagt Angst...zu einem militanten trockenen Alkoholiker zu werden, dessen Mission die Bekehrung und Rettung des alkoholkranken Umfelds ist...das wäre irgendwie auch geradezu lächerlich nach meiner recht kurzen Trockenheit bzw. Abstinenz. Wer mich darauf anspricht, bekommt meine Meinung zu hören, ansonsten bleib ich bei mir.
    Die Idee, sich zunächst mal gar nicht tiefer zu graben, gefällt mir sehr gut und nimmt mir etwas Druck...ich muß nicht unbedingt wissen, warum ich getrunken habe...ich muß nur wissen, daß ich nie mehr trinken werde...never surrender...ein Grundsatz aus meiner Jugend, den ich über die Jahre durch Bequemlichkeit, Angepasstheit und einer gewissen Feigheit verwässert und vergessen hatte...nun ist er wieder da...die Trockenheit wird mit allem verteidigt, was ich zu bieten habe...komischerweise scheint der Angriff (noch) auszubleiben.
    Gestern abend hatte ich ne schwierige Phase...ich hatte einiges aufzuarbeiten, mußte mir einiges eingestehen und es waren unheimlich viele unangenehme Dinge dabei...ich kann nicht sagen, daß ich es abhaken konnte...aber es war gut so, wie es gelaufen ist und auch hier hatte ich keinerlei Bedürfnis, mich zuzudröhnen, um der Wahrheit aus dem Weg zu gehen.

    Ich für mich sehe mich auf einem stabilen und sehr guten Weg.

    Ich wünsche Euch allen ein schönes und trockenes Wochenende.

    LG Andreas

  • Hallo Andreas,
    steht dein Vorhaben noch, zu uns in den geschlossenen Teil zu kommen?
    Ich wuerde es Dir, zumindest Probeweise, sehr empfehlen.
    Dir ein schönes Wochenende,

    LG Frank

  • Hallo Andreas,

    ich finde dass hört sich alles schon sehr gut an bei Dir. Vielleicht schaffst Du es ja demnächst noch Deinen Kaffeekonsum etwas einzuschränken.

    Mir ist das auch sehr schwer gefallen. Habe bis zu zwei Kannen am Tag getrunken und sehr viel Süßkram. Jetzt trinke ich höchstens noch drei Tassen, aber eher ein, zwei und das nur Morgens.

    Ich muß sagen: Die Ruhe und Gelassenheit die ich dadurch gewonnen habe, helfen mir sehr auf meinem Weg. Mittlerweile stört mich bloß noch jede Dritte Fliege an der Wand ;)


    Dir auch ein schönes Wochenende, lg Maik

  • claro :

    Ehrlich gesagt bin ich mir nicht sicher...grundsätzlich würd ich schon gerne auch in die Geschlossene eintreten, allerdings habe ich die Befürchtung, daß auch da editiert und gestrichen wird...und darauf hab ich, ehrlich gesagt, keine Lust.
    Ich kann es nachvollziehen, daß hier im offenen Bereich aus diversen Gründen von Moderatorenseite her eingegriffen wird. Verstehen kann ich es zwar nicht immer, aber ich akzeptiere es zumindest. Ich sehe es als Herausforderung, mich auch hier zu disziplinieren.
    In der Geschlossenen würde ich es allerdings nicht akzeptieren können, wenn die Mods an meinen Posts rumeditieren...wie gesagt, es geht mir dabei darum, daß Inhalte nicht verfälscht werden...dann wäre das ne überlegenswerte Sache.

    Contemplation :

    Tja, das mit dem Kaffee klappt nicht so wirklich...aber ich kann auch nicht behaupten, daß ich da mit einem besonderen Enthusiasmus rangehe...erstmal die Trockenheit auf feste Fundamente stellen, dann kann man weitermauern :)

    LG Andreas

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