• Hallo Pancho,
    Deine 4 Schritte hören sich doch schon mal sehr gut an.
    Nix dran zu meckern :wink:
    Hierzu sag ich lieber nix: :lol:

    Zitat

    Und dann erst 4. und weitere Schritte: reale SHG, Sport, Partnersuche, etc.


    Könnte ja durchaus sein, das Du schon morgen eine supernette Frau beim Einkaufen kennenlernst? :shock:
    Oder sie läuft Dir einfach zwischen Schritt 3 und 4 beim "Jogghumpeln" übern Weg :lol:
    Verlieben kann man nicht planen, glaube ich.
    Es sei denn, man begibt sich in eine gewisse Partnerbörse, wo sich "alle 8 Minuten ein Single verliebt", da geht das natürlich... sagen sie zumindest :lol::lol:
    Und selbstverständlich ist die neue Partnerin in spe IMMER eine Mitte Zwanzigjähre wie aus dem Model-Bilderbuch,
    die nur im ihrem Unterrock darauf wartet, das ihr Traumprinz endlich auf dem weißen Schimmel dahergeritten kommt :lol:
    Und im Himmel is.... :wink:

    Zitat

    Meine Strategie ist momentan, mir zu sagen:
    Selbst wenn es diese tollen Stunden gab, selbst wenn mir diese tollen Stunden in Zukunft verloren gehen,
    ist der Gewinn durch die Trockenheit ungleich höher.

    Pancho, wir sind Alkoholiker.
    WENN wir trinken, können wir nicht aufhören, wenn wir es wollen.
    Das ist ja das charakteristische an unserer Krankheit.
    Diese Zeiten des Unbeschwertseins unter Alk gibt es für uns nicht mehr,
    WEIL wir eben nicht aufhören können.
    Da ist ein Schalter unwiederbringlich umgelegt, ob Du das so wahrhaben willst oder nicht, ist völlig egal.
    Du kannst daran nix mehr ändern.

    Ich habe dieses Realitäten ganz sachlich annehmen können.
    Bestimmte Dinge sind eben so, wie sie nun mal sind.
    Es gibt natürlich auch bei mir ein "früher", wo Alktrinken mal lustig war.
    Da war ich aber auch noch nicht abhängig (wenngleich ich da wahrscheinlich schon den Grundstein dazu legte)
    Da waren wir in der Clique, haben oft gebechert und dann irgendwelche witzigen Sachen gemacht, über die ich heute, auch mit viel Abstand, noch lachen kann.

    ABER... es gab auch die Zeit danach, wo nix mehr lustig war!
    Die Stunden, wo ich im Entzug zitterte, lieber sterben als leben wollte,
    wo ich nur daran denken konnte, wo bekomme ich wieder Alk her.
    Wo ich mich in Läden schämte, sie wechselte, damit es nciht so auffällt.
    DA war schon lange mein Hebel umgelegt und rein gar nix war mehr lustig am Saufen.

    Daran denke ich vor allem zurück und da will ich nie wieder hin !
    Ich erlaube mir, auch mal auf die lustigen Situationen zu schauen und drüber zu schmunzeln, aber das alles war VOR meinem wirklich abhängigen Saufen.
    Und ich weiss das.

    LG Sunshine

  • Hallo Sunshine,

    Zitat von Sunshine_33

    Könnte ja durchaus sein, das Du schon morgen eine supernette Frau beim Einkaufen kennenlernst? :shock:

    Da hätte ich natürlich nichts dagegen, wenn sich dieser Schritt dazwischen schiebt :wink:
    Will aber auch nicht aufgrund einer überzogenen Erwartungshaltung womöglich wieder in ein Loch fallen, weil dies und das nicht klappt.
    Also: Ich rechne nicht damit, heiße aber eine Überraschung dieser Art herzlich willkommen.

    Zwischenfrage: Wie bringt man mehrere Zitate in einem Post unter?

    Ich behelfe mir mal so:

    Zitat:

    > Pancho, wir sind Alkoholiker.
    WENN wir trinken, können wir nicht aufhören, wenn wir es wollen. <

    Das Problem ist, dass es durchaus bei mir (ist ja bei jedem anders) auch Situationen gab, in denen ich kontrolliert trinken konnte, in denen ein Schluck nicht zwangsweise zum Absturz führte.
    Und diese Situationen versucht dieses hinterlistige, durchtriebene Teufelchen mir als etwas zu verkaufen, das mir in Zukunft sehr fehlen wird.
    Dass ich mit meinem Entschluss mich einer Bereicherung meines Lebens versage.

    Dieser Gedanken kann ich mich nicht erwehren.
    Aber das gute ist: Ich weiß inzwischen um die abgrundtiefe Bösartigkeit und vor allem Tücke des Teufelchens, so dass diese Gedanken mir zwar lästig sind, mich aber nicht wanken lassen.

    Ich baue darauf, dass sie sich auf Dauer verflüchtigen, je mehr positive Erlebnisse ich ohne Alk haben werde.

    Gruß Pancho

  • Hallo Pancho,

    Du schreibst:

    Zitat

    Das Problem ist, dass es durchaus bei mir (ist ja bei jedem anders) auch Situationen gab, in denen ich kontrolliert trinken konnte, in denen ein Schluck nicht zwangsweise zum Absturz führte.

    Also ich habe auch nicht jeden Tag/Abend bis zur Besinnungslosigkeit gesoffen :wink:
    So war es nicht, ich hatte ja noch meinen Job und alles. Da funktionierte ich noch sehr sehr lange.
    Aber es war kein wirklich freiwiliges Aufhören mehr, sondern ich hörte auf, damit ich am nächsten Morgen zur Arbeit gehen konnte, beispielsweise.
    Es hatte also einen Grund, warum ich "kontrolliert" soff, es war nicht so, das es irgendwann einfach "genug" war und ich ohne Verzichtsgedanken ins Bett ging.
    Verstehst Du, wie ich das meine?

    Ein Mensch, der nicht alkoholabhängig ist, reagiert da anders.
    Ihm ist es umwichtig, ob da noch ne halbe Pulle Wein steht oder peng.
    Der trinkt vielleicht ein Glas und stellt dann alles wieder weg, völlig ohne Verzichtsgedanken.
    Weil der Alk einfach nicht wichtig ist.

    Von daher habe ich so meine Probleme mit dem "kontrollierten Trinken" bei Alkoholikern, ich denke, das ist nur eine Phase auf dem typischen Weg abwärts, in der man noch meint, irgendwas unter Kontrolle zu haben.
    Dabei hat einem der Alk schon fest im Griff.

    Ich will Dir aber hier nichts einreden, was bei Dir nicht so ist oder war.
    Vielleicht war es ja wirklich bei Dir anders... kann ja sein.
    Ich warne halt nur davor, sich bei unserer Krankheit was schönzureden, indem man es verklärt oder so sieht, wie man es gern sehen möchte.

    Zitat

    Und diese Situationen versucht dieses hinterlistige, durchtriebene Teufelchen mir als etwas zu verkaufen, das mir in Zukunft sehr fehlen wird.
    Dass ich mit meinem Entschluss mich einer Bereicherung meines Lebens versage.


    Joah, das is typisch Suchtteufel-Gelaber :roll:

    Dazu auch hier nochmal ein link, den ich schon neulich einer Dame schickte:
    https://beispiel.rocks/beispiel.rocks…ftopic3948.html

    Lies mal rein, ich finde, es ist sehr treffend beschrieben von einem ehemaligen Forenmitglied :wink:

    LG Sunshine

  • Hallo Sunshine,

    Zitat von Sunshine_33

    Joah, das is typisch Suchtteufel-Gelaber :roll:

    Du hast mich jetzt ganz schön ins Grübeln gebracht, dafür schon mal vielen Dank!
    Bei der Gelegenheit auch noch mal ans ganze Forum Dank, weil es mich dazu drängt, mich ständig selbst zu hinterfragen.

    Da ich nicht ganz sicher bin, was du meinst (Zitat), stelle ich mal ein paar Fragen, die sich bei meiner Grübelei aufdrängten und auf die ich noch keine sichere Antwort weiß, aber gern Antworten finden möchte:

    Muss ich den Alkohol hassen und verachten, um erfolgreich den trockenen Weg gehen zu können?

    Sind meine Erinnerungen an das "gute Trinken" ein Zeichen dafür, dass ich noch nicht so weit bin?
    Auch wenn ich fest entschlossen bin, mich davon nicht abbringen zu lassen in meinem Entschluss?

    Sind Suchtteufel-Erklärungen der Versuch, sich aus der Verantwortung zu nehmen?

    Sind Suchtteufel und Alkohol Synonyme? Oder ist der Suchtteufel nur der Bote des Alkohols?

    Wäre die Welt eine bessere ohne Alkohol? (Ernst gemeinte Frage!)
    Für mich selbst: Ja klar! Aber prinzipiell?

    Mit dem "kontrollierten Trinken" sehe ich das genau so wie du.
    Ich konnte situationsgebunden "kontrolliert trinken", aber die Kontrolle hatte ich natürlich trotzdem schon lange verloren.

    Trotzdem sind diese Gedanken da.
    Das kann ich nicht einfach leugnen und muss mich damit auseinandersetzen.
    Den richtigen Ansatz versuche ich zu finden.

    Und den von dir verlinkten Brief würde ich unterschreiben, das ist wunderbar auf den Punkt gebracht.
    Aber worin besteht der Unterschied zum "Suchtteufel-Gelaber"?
    Im Begriff?
    Hier "Suchtteufel", da "Alkohol"?

    Gruß Pancho

  • Hallo Pancho,
    ich kann nur aus meiner Sicht antworten, das sind ja nur meine persönlichen Meinungen und Gedanken.

    Zitat

    Muss ich den Alkohol hassen und verachten, um erfolgreich den trockenen Weg gehen zu können?

    Das ist unterschiedlich, ich muss nicht den Alkohol hassen oder verachten.
    Er ist für mich nur noch eine chemische Substanz, die ich nie mehr konsumieren möchte.
    Wenn es andere tun, bitte... das ist ihr Ding.
    Mich hat diese Droge krank gemacht.

    Zitat

    Sind meine Erinnerungen an das "gute Trinken" ein Zeichen dafür, dass ich noch nicht so weit bin?
    Auch wenn ich fest entschlossen bin, mich davon nicht abbringen zu lassen in meinem Entschluss?

    Nein, ich denke nicht, das die "guten" Erinnerungen ein Zeichen dafür sind.
    Wir haben doch alle auch diese Erinnerungen, oder?
    Die muss man doch gar nicht verleugnen.
    Mit der Zeit habe ich aber immer mehr gesehen, das die Erinnerungen gar nichht nur gut waren. :wink:
    Man verklärt ja auch einiges mit der Zeit und so sieht die Vergangenheit oftmals besser aus als sie wirklich war.
    Das ist auch eine Art Überlebensmechanismus von Menschen, also völlig normal. Und auch oft hilfreich.
    Für uns aber eben nicht immer... :wink:

    Zitat

    Sind Suchtteufel und Alkohol Synonyme? Oder ist der Suchtteufel nur der Bote des Alkohols?

    Suchtteufel oder Alkteufel oder wie auch immer sind für mich nur Worte.
    Der andere weiß aber meist schon recht genau, was damit beschrieben wird. :wink:

    Zitat

    Sind Suchtteufel-Erklärungen der Versuch, sich aus der Verantwortung zu nehmen?

    Ich habe mich nie aus der Verantwortung genommen für mein Tun.
    Es gibt aber auch Fakten, die da wären:
    Ich bin suchterkrankt.
    Vieles, was ich im akuten, nassen Zustand meiner Krankheit tat, hätte ich trocken nicht getan.
    Diese Krankheit hat damals auch mein Wesen verändert.
    Das macht nun mal der Alkohol mit seinem Substanzen.
    Selbst das Gesetz bestraft ja Menschen unter Alkoholeinfluss oftmals milder wegen "Unzurechnungsfähigkeit".
    Man ist unter Alk oftmals wirklich nicht mehr man selbst.
    Und dafür kann man dann auch kaum Verantwortung übernehmen.
    Wie nun jeder persönlich damit umgeht, ist sicher unterschiedlich.
    Ich fühle mich jedenfalls nicht schuldig, ich bin nicht vorsätzlich oder aus Bösartigkeit Alkoholkrank geworden.

    Für mein jetziges Leben kann ich jederzeit Verantwortung übernehmen.
    Für das, was in der nassen Phase meiner Krankheit geschah, nicht immer.

    Zitat

    Wäre die Welt eine bessere ohne Alkohol? (Ernst gemeinte Frage!)
    Für mich selbst: Ja klar! Aber prinzipiell?

    Hm, kann ich nicht beantworten.
    Das ist mir im Grunde auch egal.
    Was andere Menschen tun, können und dürfen sie selbst entscheiden, solange es nicht gegen das Gesetz verstößt.
    Und Alkohol ist nun mal hierzulande eine gesetzlch erlaubte Droge.
    Ich glaube nicht, das die Welt besser wäre ohne Alk.
    Ärger, Streitigkeiten bis hin zum Krieg... das gäbe es sicher auch ohne Alk.

    Zitat

    Trotzdem sind diese Gedanken da.
    Das kann ich nicht einfach leugnen und muss mich damit auseinandersetzen.
    Den richtigen Ansatz versuche ich zu finden.

    Du darfst Dich doch auch gern damit auseinander setzen, hier muss niemand was verleugnen.
    Im Gegenteil, sehr viele werden sich in Deinen Gedankengängen wieder erkennen.
    Sie sind außerdem ein Teil der Trockenheitsarbeit, also wichtig !
    Wir schreiben hier ja immer: Nur nicht mehr trinken reicht nicht!
    Tut es auch meist nicht.
    Sondern dazu gehört auch die Auseinandersetzung mit dem allem, wie Du es ja auch gerade tust.
    Ehrlich reflektieren, Erkennen, Auseinandersetzen... das ist für mich ein ganz wichtiger Teil der Trockenheitsarbeit.
    Aber auch Konsequenz und Mut zur Veränderung.

    LG Sunshine

  • Guten Morgen!

    @Sunshine
    Vielen Dank für deine Mühe mit meinen teilweise dussligen Fragen, so kommen sie mir jetzt nicht mal 24 Stunden später vor.

    Du schriebst:

    Zitat

    Man verklärt ja auch einiges mit der Zeit und so sieht die Vergangenheit oftmals besser aus als sie wirklich war.

    Ja. Diesbezüglich hatte ich gestern auch noch mal ein Aha-Erlebnis.
    Ich habe gestern von Daniel Schreiber "Nüchtern. Über das Trinken und das Glück" angefangen zu lesen.
    Fast jeder Absatz darin lässt mich erst mal schlucken, das Lesen unterbrechen und reflektieren.
    Er schreibt z.B.

    Zitate aus Daniel Richter, "Nüchtern. Über das Trinken und das Glück":

    "... dass man bei all dem, was einem früher Spaß gemacht hat, eigentlich gar nichts mehr empfindet."

    Und:

    "Eigentlich möchte man mit niemandem reden, der nicht auch trinkt, möchte nicht ins Kino, nicht ins Konzert, nicht ins Theater gehen, möchte keine Ausstellung sehen, kein Buch lesen, sondern nur noch trinken."

    Und:

    "Und irgendwann kommt es schließlich zu diesen erschütternden Momenten reiner Dunkelheit, reiner Pathologie, die wieder abzuschütteln enorme Kraft verlangt."

    Dabei ist mir klar geworden, dass mein Leben vor allem in den letzten Jahren aus nichts anderem als den zitierten Zuständen bestand.
    Und in den letzten zwei Jahren gab es nicht mehr nur Momente reiner Dunkelheit, sondern höchstens Momente, in denen die reine Dunkelheit kurz von Dunkelgrau unterbrochen wurde und ganz selten ein wenig Licht..

    Die Momente "guten Trinkens", an die ich mich zu erinnern glaube, waren vor allem Momente, in denen ich mit meiner Familie zusammen war.
    In der Regel trifft sich die ganze Familie im Sommer und zu Weihnachten auf dem Hof meines Vaters.
    Vor diesen Treffen stand bei mir immer ein Entzug an.
    Und dann konnte ich in dieser Zeit "kontrolliert" trinken.
    Weil ich nicht das Bedürfnis hatte, mich zu berauschen.
    Und weil ich darauf achtete, nur ein, zwei Bier oder ein, zwei Gläser Wein zu trinken. (Weil der Kontrollverlust sonst vielleicht doch gekommen wäre)
    Und es ging mir gut, weil es ein sehr gutes Miteinander gibt in meiner Familie.

    Diese Momente waren überhaupt keine Momente "guten Trinkens", es waren einfach gute Momente.
    Trotz des Glases Wein.
    Weil der Alkohol in diesem Moment nichts kaputt machen konnte.
    Und ich das Glas Wein wahrscheinlich nur getrunken habe, um nicht durch "Nichttrinken" aufzufallen.
    Es hat aber keine Wirkung gehabt auf den Moment, mit einer Tasse Tee hätte sich überhaupt nichts geändert.

    Und kaum zurückgekehrt nach Hause, ging ja auch alles wieder los.

    Das alles schließt vielleicht nicht aus, dass es nicht doch auch mal tolle berauschte Abende gegeben hat.
    Die liegen aber schon weiter zurück.
    Und sie sind vollkommen irrelevant.
    Weil einem tollen berauschten Abend viele dunkle Jahre gegenüber stehen.
    Und weil ich für einen tollen berauschten Abend nicht die Chance aufs Spiel setze, die Dunkelheit hinter mir zu lassen.

    Gruß Pancho

  • Hallo Pancho,

    Zitat

    "Nüchtern. Über das Trinken und das Glück"

    ich kenne das Buch und habe es auch schon weiterverschenkt.

    Es ist in der Tat klasse, ziemlich eindringlich und authentisch.

    Zitat

    Diese Momente waren überhaupt keine Momente "guten Trinkens", es waren einfach gute Momente.
    Trotz des Glases Wein.
    Weil der Alkohol in diesem Moment nichts kaputt machen konnte.

    Wunderbar beschrieben, man müsste diesen Text direkt in´s Buch mit aufnehmen. ;)

    Ich würde mich freuen, wenn du in einem, zwei, drei .....Jahren genau so schwärmen könntest wie ich, als ich vor kurzem so fröhlich und ein bisschen albern unterwegs war, dass meine Tochter mich fragte, ob ich etwa betrunken sei......? ( War eher ein Spassfrage )

    Ja, sagte ich vom Leben und vom Glück, das ich empfinde.

    Und obwohl ich in letzter Zeit auch einige Probleme habe und die allgemeine Weltlage mir natürlich zusätzlich Sorgen macht, kann ich das direkte Glück ( trocken ) am Leben zu sein, jeden Tag ganz intensiv spüren.

    Liebe Grüße

    Slowly

  • Hei Pancho,

    Zitat

    Diese Momente waren überhaupt keine Momente "guten Trinkens", es waren einfach gute Momente.
    Trotz des Glases Wein.
    Weil der Alkohol in diesem Moment nichts kaputt machen konnte.
    Und ich das Glas Wein wahrscheinlich nur getrunken habe, um nicht durch "Nichttrinken" aufzufallen.
    Es hat aber keine Wirkung gehabt auf den Moment, mit einer Tasse Tee hätte sich überhaupt nichts geändert.


    mit dieser Feststellung sprichst du mir tief aus dem Herzen. Nur ich brauchte dafür wesentlich viel, viel länger als du, um das feststellen zu dürfen.

    Lieben Gruß
    Nobby :wink:

    Ps: Es gibt niemals dusselige Fragen. :!:

  • Hallo Slowly,

    Zitat

    kann ich das direkte Glück ( trocken ) am Leben zu sein, jeden Tag ganz intensiv spüren.

    Ich freue mich für dich und hoffe ganz fest für mich (und arbeite darauf hin), dass ich irgendwann dasselbe sagen kann.

    Hallo Nobby,

    du meinst, du hast auch nach dem Trockenwerden noch lange gebraucht für diese Feststellung?
    Weil, 25 Jahre dauerte es ja bei mir auch.


    Mir ist gestern nach dem Abschicken des Posts auch aufgefallen, dass mir meine Gedankengänge ein wenig ein Schnippchen geschlagen und mich fortgeführt haben von dem, womit ich mich eigentlich auseinandersetzen wollte.
    Das macht aber nichts, weil ich so das Thema "ein, zwei Gläser" nun auch für mich bearbeitet habe.
    Aber eigentlich ging es ja bei den Gedanken zum "guten Trinken" für mich vor allem um den "guten Rausch".
    Jene Situationen also, in denen man mittels Alkohol einen Zustand erreicht, in dem einem tatsächlich alles möglich scheint, in dem man auf einer Welle surft.
    Der aber immer nur einen schmalen Grat oder den nächsten Schluck vom Absturz entfernt war.
    Und darum auch nicht steuerbar.
    Und darum selten.

    Mir hat es geholfen, mal eine Rechnung anzustellen.
    Diese hat ergeben, dass das Verhältnis von solchen Tagen (deren Anzahl ich nur schätzen kann) zu den anderen, den normalen, den dunklen, denen mit Abstürzen, Depressionen, Suizidgedanken, in meiner Trinkerzeit bei 1 zu 437,5 liegt.
    Für einen guten Tag gab es also 437,5 schlechte.

    Auf ein vielleicht schlechtes Beispiel übertragen:
    Da steht eine Riesenschüssel vor einem mit , ähm, tausenden Schokoladeneiern.
    Alle verdorben und nur jedes 437. ist gut.
    Würde man da, mit diesem Wissen, einfach immer weiter reingreifen?
    In der Hoffnung, irgendwann ein gutes zu erwischen?
    Bei aller Liebe zu Schokoladeneiern?
    Ich hab jedenfalls keine Lust mehr drauf!

    Gruß Pancho

  • Hallo Pancho,

    Zitat

    du meinst, du hast auch nach dem Trockenwerden noch lange gebraucht für diese Feststellung?


    Ja das habe ich. Gute und schöne Momente oder auch Erlebnisse wollte ich immer Toppen. Dieses Toppen bestand bei mir immer in dem einen Glas Alkohol. Nur blieb es nie dabei weil ich süchtig bin. Es dauerte eine ganze Weile bis ich die schönen und guten Momente ohne Alkohol annehmen konnte. Heute weiß ich wie verrückt diese Gefühle waren.
    Alkohol macht keine schönen Momente, sondern nur das nüchterne Erleben.

    Lieben Gruß
    Nobby :wink:

  • Guter Thread mit interessanten Gedankengängen, Pancho. Ich stehe auch (wieder) am Anfang, habe es in der Vergangenheit schon öfter versucht und doch immer wieder falsche Gründe gefunden, um es erneut "kontrolliert" zu versuchen.

    Sehr vieles, was Du hier schreibst, kommt mir sehr bekannt vor. Es geht nicht und Punkt! Niemals, nicht in diesem und nicht im nächsten Leben!

    Ich will nun aber auch gar nicht mehr "kontroliert", "positiv" oder "gut" Trinken, selbst wenn mir eine Fee garantieren würde, dass ich es könnte und dadurch definitiv nicht rückfällig werden würde!

    Für mich und auch für meine Kids, denen ich mein Laster vielleicht auch genetisch schon etwas mitgegeben habe... Die sollen in ein paar Jahren gefälligst einen Papa sehen, der schlimmstenfalls Cola trinkt!

  • Hallo Pancho,

    :lol::lol::lol:

    Da würde ich für mich selbst die Hand nicht ins´Feuer legen.

    Meine Einstellung zum (Nicht)trinken ist inzwischen wie Alkoholkrank schrieb:

    Zitat

    Ich will nun aber auch gar nicht mehr "kontroliert", "positiv" oder "gut" Trinken, selbst wenn mir eine Fee garantieren würde, dass ich es könnte und dadurch definitiv nicht rückfällig werden würde!

    Diese "Welle" von der du schriebst, die kannst du ja vielleicht auch durch andere Dinge erreichen, was beflügelt dich denn, was macht dir Freude, was wolltest du immer schon einmal ausprobieren ..... ?

    Denn dann, so könnte ich mir vorstellen, brauchst du solch lustige Schokoeiervergleiche gar nicht mehr. ;)

    Liebe Grüße

    Slowly

  • Hallo Nobby, hallo Alkoholkrank,

    bei mir war es ja auch nicht so, dass die Erkenntnis, alkoholkrank zu sein, dazu führte, dass ich die Konsequenzen zog.
    Die Vermutung, alkoholkrank zu sein, hegte ich schon vor 20 Jahren.
    Aber ich dachte etwas, dass ihr vielleicht ähnlich gedacht habt und wahrscheinlich die meisten anderen Suchtkranken auch:
    Ich bin anders.
    Ich bin der EINE, für den die Regeln nicht gelten.
    Der trotz Suchtproblem mit dem Alkohol umgehen kann.
    Weil man doch: Gut mal eine Woche ohne Alk auskommt, bei diesem und jenem Essen nur ein Glas Wein getrunken hat, schon lange keinen Absturz mehr hatte, ... (beliebig erweiterbar)

    Blödsinn, natürlich.
    Uns so absurd, wenn ich mir überlege, wie oft ich eigentlich gegen meinen Willen und wie ferngesteuert zum Supermarkt / zum Späti / zur Tanke gelaufen bin.

    Ich denke, es hat alles immer nur damit zu tun:
    Der inneren Abwehr gegen die einzige logische Konsequenz: Nie wieder.

    Darauf bauen all die Selbsttäuschungen, Ausreden und Tricks:
    Man will einfach weitertrinken.

    Gruß Pancho

  • Hallo Slowly,

    du schriebst:

    Zitat

    Diese "Welle" von der du schriebst, die kannst du ja vielleicht auch durch andere Dinge erreichen, was beflügelt dich denn, was macht dir Freude, was wolltest du immer schon einmal ausprobieren ..... ?

    Das ist etwas, worauf ich mich sehr freue.
    Die vielen Interessen, die es mal gab, wieder neu zu beleben.
    Mir damit viele kleine, Glücksmomente zu schaffen und dadurch auch dann insgesamt zufrieden sein, wenn sich "das große Glück" nicht einstellen sollte.
    Was ich damit sagen will:
    Ich erwarte nicht, glücklich zu werden, das kann ich mir im Moment gar nicht vorstellen. (Falls ich doch irgendwann mal sagen sollte: Ich bin glücklich. Um so besser!)
    Aber man kann ja versuchen, durch die vielen kleinen Glücksmomente sich dem Idealzustand anzunähern.

    Und ich muss lernen, mich den Ängsten und Unsicherheiten, die ich damals als junger Erwachsener mit Alk überspielen wollte, zu stellen.
    Das sehe ich als größte Herausforderung für die Zukunft.

    Gruß Pancho

  • Hallo Pancho,
    Du schriebst:

    Zitat

    Ich denke, es hat alles immer nur damit zu tun:
    Der inneren Abwehr gegen die einzige logische Konsequenz: Nie wieder.


    Ja, das mag bei vielen wohl so sein.
    Besonders am Anfang der Abstinenz.
    Es kommt vielleicht auch drauf an, wie weit man schon "unten" war?
    Für mich gab es gar nicht mal sooo erschreckendes am "nie wieder"-Gedanken,
    nur die schon erwähnten Gedanken, nun nicht mehr so "lustig sein zu können wie früher", was sich aber recht schnell als kompletter Irrtum herausstellte.

    Die Erleichterung über das "nie wieder müssen" war sehr viel größer, dafür hätte ich sogar das "nicht mehr so lustig sein können" in Kauf genommen.
    Musste ich aber gar nicht, weil ich ohne Stoff genauso lustig (und zwar ganz "echt", ohne chenmische Droge im Blut) sein kann.
    Aber das wußte ich ganz am Anfang meiner Abstinenz eben auch noch nicht.

    Damit möchte ich nochmal das Thema Geduld und Zeit ansprechen.
    Beides BRAUCHEN wir einfach, um wieder zu gesunden !
    Unsere Krankheit ist nicht heilbar, ich weiß, ich spreche aber trotzdem einfach mal von einer Art "gesunden"
    Und selbst wenn sie heilbar wäre, ich würde trotzdem nicht mehr trinken wollen.
    Mit der Zeit werden sich auch die Gedanken immer weiter ändern und man kann einige frühere Gedankenengänge nicht mehr wirklich nachvollziehen.
    Auch mir geht es so, ich hab n ziemlich gutes Gedächtnis :wink: und weiß noch viele Gedankengänge, die ich am Anfang meiner Abstinenz hatte.
    Da hat sich mit der Zeit noch einiges getan (ich rede hier von Monaten und JAHREN, nicht von Tagen oder Wochen).
    Und diese Zeit darf und muss man sich auch mal zugestehen.
    Mal ganz abgesehen davon, das wir uns ja eh immer weiter entwickeln, die meissten zumindest :lol:

    Und auch für das innerliche Heilen brauchen wir Zeit.
    Viele von uns haben ein regelrechtes Alkoholtrauma aus der nassen Zeit, mich eingeschlossen.
    Die Ausmaße sieht man oftmals gar nicht gleich am Anfang der Abstinenz, die treten erst viel später hervor, so war das bei mir zumindest.
    Das muss auch erstmal wieder heilen (soweit das überhaupt möglich ist) und hier hilft dann auch wirklich nur die Zeit.
    Und auch der Austausch mit anderen, die das gleiche oder ähnliches erlebt haben, um das alles verarbeiten zu können.

    Ich will damit nur sagen, gebe Dir auch Zeit. :wink:
    Es geht alles seinen Gang, wenn Du trocken bleiben kannst... oder ich bringe gleich mal wieder meinen Lieblingsspruch (nicht von mir) an:
    "Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man dran zieht" :wink:

    LG Sunshine

  • Hallo Pancho,

    Zitat

    Ich erwarte nicht, glücklich zu werden, das kann ich mir im Moment gar nicht vorstellen.

    glücklich sein ist doch relativ.

    Es gibt Menschen die glücklich sein könnten aber an allem was negatives finden

    und es gibt Menschen mit denen ich nicht tauschen möchte, sie sind aber glücklich :!:

    Ich finde, wenn wir nur noch glücklich wären, 24 Stunden/Tag, könnten wir es bald nicht mehr schätzen :idea:

    LG Martin
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  • Hallo Pancho,

    Zitat

    Es wird wohl noch eine Weile dauern, bis es nicht mehr wie ein leicht beschleunigtes Humpeln aussieht.

    Läufst du schon oder humpelst du noch ? :lol:

    Ich musste gerade wieder schmunzeln, als ich deinen Bericht über die Begegnung mit den Wildchweinen las.

    Sowas meinte ich auch mit Glück, nix Großes muss das doch sein.
    Einfach die kleinen Dinge, die uns berühren, täglich mit offenen Augen und Herz wahrzunehmen und zu schätzen.

    Das ist doch schon das Glück. :)

    Zitat

    Und ich muss lernen, mich den Ängsten und Unsicherheiten, die ich damals als junger Erwachsener mit Alk überspielen wollte, zu stellen.
    Das sehe ich als größte Herausforderung für die Zukunft.

    Das ist sicher die schwerste aber auch die schönste Aufgabe, besonders da wir da ein Leben lang was von haben. ;)

    Wie geht es dir heute ?

    Liebe Grüße

    Slowly

  • Hallo sunshine,

    ich lach´mich schlapp.

    "Sorry" für offtopic Pancho aber sie hat halt so recht. :)

    Dir einen schönen Sonntag.

    Slowly

  • Guten Morgen!

    @Sunshine

    Du schriebst:

    Zitat

    Es kommt vielleicht auch drauf an, wie weit man schon "unten" war?

    Da hab ich neulich auch drüber nachgedacht.
    Je mehr schlimmes man erlebt hat, um so größer ist wahrscheinlich die Motivation, trocken zu bleiben.
    Andererseits sind bei einem "nicht so schlimmen" Fall bestimmte Dinge wie Suchtgedächtnis vielleicht noch nicht so ausgeprägt.
    Egal eigentlich, schön, wenn es letztlich beide Fälle schaffen.
    Und seinen eigenen Weg muss man sowieso finden.

    Zitat

    "Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man dran zieht"

    Ich zieh doch gar nicht
    :wink:


    Martin

    Du schriebst:

    Zitat

    Ich finde, wenn wir nur noch glücklich wären, 24 Stunden/Tag, könnten wir es bald nicht mehr schätzen

    Da ist was dran.
    Mich beschleicht ja auch nicht selten der Verdacht, dass die Leute, die nach außen hin immer glücklich wirken, die alles immer super unter einen Hut bekommen und denen scheinbar alles gelingt, dass die auch ihr Päckchen zu tragen haben. :wink:
    Krisen gehören zum Leben, es kommt darauf an, wie man mit ihnen umgeht.
    Und das ist wahrscheinlich nicht des Alkoholikers größtes Talent :wink:
    Für mich wie wohl für die meisten gilt (nicht nur auf Alkoholiker bezogen):
    Das Glück kommt in der Regel nicht mal eben bei einem vorbei und sagt: "Hier bin ich, stehe zur Verfügung!"
    Sondern es verlangt von einem, dass man zu ihm hingeht, und da liegen dann umgefallene Bäume auf dem Weg, die man überklettern muss, Fallstricke lauern auf einen, finstere Gestalten stehen am Wegesrand und flüstern dir verführerisch vermeintliche Abkürzungen ins Ohr.
    Na ja, das ist vermutlich nichts neues, aber es hilft, sich das immer wieder bewusst zu machen.

    Und nun noch zu meinem Tag gestern:
    Auf der Fahrt von meinem Vater nach Hause im Bus kam zum ersten Mal seit meinem Entschluss der Gedanke, sich was zu trinken zu besorgen.
    Sorgte für eine erhöhte Speichelproduktion.
    Lag vielleicht daran, dass das früher das übliche Ritual war, wenn ich von einem Familientreffen wieder nach Hause kam:
    Auf dem Nachhauseweg von Bahn und Bus mich einzudecken.
    Dauerte aber höchstens zwei Minuten und wurde in keiner Sekunde von mir ernst genommen.
    Ich bin sehr glücklich darüber, das sagen zu können:
    Ich habe im Moment nicht das geringste Bedürfnis zu trinken.

    Zuhause dann die erfreuliche Nachricht:
    In Rekordgeschwindigkeit (ich hatte frühestens in 6 - 8 Wochen damit gerechnet) wurde mein Therapieantrag bewilligt.
    Am 3.12. geht es los.
    Ein bißchen Angst ist noch da, vor Gruppensituationen, aber die Freude auf den nächsten Schritt überwiegt.

    Gruß Pancho

  • Hallo Panche!

    Der Busvorfall: Klarer Fall von Suchtdruck aufgrund des einwandfrei funktionierenden Suchtgedächtnisses. Kenne ich von mir. In bestimmten Situationen, die früher von Alkoholkonsum begleitet waren, meldet sich genau diese Erinnerung.

    Am plausibelsten ist immer noch der Vergleich mit einer Software, die langsam überschrieben werden muss.

    Du hast dieser Situation erfolgreich getrotzt. Das zeigt, Du bist auf einem guten Weg. Weiter so.

    Die nächsten Heimfahrten werden wahrscheinlich schon einfacher verlaufen und irgendwann verbindet Dein Gedächtnis die Fahrt nicht mehr automatisch mit Alkohol. Das heißt aber nicht, dass es sich nicht plötzlich bei einer Fahrt doch wieder meldet. Das ist halt das heimtückische an unserer Krankheit. Das Suchtverlangen kann jederzeit, auch nach Jahren, von Neuem wieder aufflackern.

    Wichtig ist an so einer Situation, dass Dein Zuhause alkoholfrei ist. Sonst besteht, die Gefahr, dass Du schmachtend nach Hause kommst und meinst, doch mal ein Schlückchen probieren zu können. Und der Heimweg von Bushalte/Bahnhof sollte nicht unbedingt genau an Läden vorbeiführen, die Stoff verkaufen. Notfalls einen Umweg laufen oder wenn es gar nicht anders geht die Straßenseite wechseln. Ist auch das nicht möglich, dann Tunnelblick und schnurstracks mit Tempo an den Verkaufsstellen vorbei nach Hause.

    Jede erfolgreiche Abwehr stärkt Deine Widerstandskräfte. Du gewinnst halt an Routine und um so leichter wird die zukünftige Abwehr evt. Attacken, so meine bisherige Erfahrung.

    Gruß Carl Friedrich

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