Ein und Überschätzung.

  • Hallo zusammen,


    wenn ich lese das gerade frisch Trocken werdende, Risiken in einem trinkenden Umfeld einschätzen können, ist das wohl der Naivität der Krankheit gegenüber oder einem Wunsch überall dabei sein zu können, geschuldet. Bezieht sich jetzt nicht nur auf Florians Thread, das lese ich überall .


    Deswegen bitte ich Euch auch keine Diskussionen hier in diesem Thread über irgendwelche Personen (außer meiner Person ) zu führen


    Ich kann nur vorab die Risiken einschätzen, damit ich nicht vor Ort die Einschätzung vornehmen muss. Wer will denn in einem trinkenden Umfeld dann aufstehen und gehen ? Da herrscht Gruppendynamik, da spielt der Scham eine Rolle und vieles mehr.


    Sprüche wie

    Zitat

    „Wenn es zu viel wird kann ich ja gehen“ „Wenn die anfangen zu Saufen haue ich ab“ „Dort wird nur ganz wenig getrunken“ „Mir macht das nichts aus“ Mich triggert so was nicht „ Trinken ja nur begrenzt Wein , Bier und das macht doch nichts“

    kann doch nur jemand behaupten der kein Problem mit Alkohol hat aber doch kein Alkoholiker. Ich konnte es zumindest ganz am Anfang in der sensiblen Phase nicht.


    Würde mich freuen, wie es die „Frischen“ begründen und was da an Erfahrungen dagegen stehen.


    Gruß Hartmut

  • Lieber Hartmut,


    so weit komme ich erst gar nicht, denn für mich sind Situationen, wo in einer Gruppe getrunken wird, derzeit No-Go-Areas. Dies liegt daran, dass ich mich da nicht sicher fühlen würde, mich der Geruch von Alk ankotzt und ich dann besoffene oder angetrunkene Typen extrem ekelig und abstoßend finde, wahrscheinlich, weil ich mich in ihnen sehe.


    Der ganze Kontext in der Horde unter Männern zu saufen hat komplett seinen Reiz verloren und ist einer tiefen Abneigung gewichen. Saufen will ich eh nicht mehr, ob ich Männerhorden noch mal toll finde sei dahingestellt.


    Ich finde Deine Frage interessant, aber den Kontext auch irgendwie blödsinnig, denn meiner Meinung nach kann keiner, egal wie lange trocken, 100% garantieren, dass er in einem solchen Umfeld trocken bleibt, denn dafür sind die Versuchungen und Zwänge, die sich aus der Situation ergeben, zu groß. Beziehe das Wort "blödsinnig" bitte nicht auf Dich oder die Frage, sondern vielmehr auf die vollkommen vermessene Einschätzung mancher Leute solchen Situationen gegenüber, wenn es dann richtig läuft gepaart mit grandioser Selbstüberschätzung, bei Frischlingen gefüttert von Anfangseuphorie, bei länger Trockenen durch Arglosigkeit.


    Frisch Trockene können das aus mangelnder Erfahrung nicht, länger Trockene sind in der Gefahr, die Situation zu bagatellisieren und dann eben das eine Bier zu trinken. Und selbst dann, wenn die bei der ersten Situation nichts trinken, kann dann die Wachsamkeit beim zweiten Mal sinken, weil man sich einredet, dass es ja auch beim ersten Mal geklappt hat u.s.w. Kann auch drei oder viermal gutgehen... Auf Dauer aber sicher nicht....


    Es ist egal, ob man 2 Monate oder 20 Jahre trocken ist, es gibt keinen Grund, sich der Gefahr auszusetzen, einen Rückfall zu bekommen.


    Anderes Beispiel:
    Ich bin 100% gegen Atomkraft. Die Chance, dass ein AKW hochgeht, ist extremst gering. Aber wenn, dann ist alles vorbei, Restrisiko, das uns den Rest gibt...

  • Hallo Tom


    Zitat

    Ich finde Deine Frage interessant, aber den Kontext auch irgendwie blödsinnig, denn meiner Meinung nach kann keiner, egal wie lange trocken, 100% garantieren, dass er in einem solchen Umfeld trocken bleibt

    habe nichts davon geschrieben das es Langzeit Trockene es können.


    oder beziehst du deine Interpretation auf das?

    Zitat

    Ich konnte es zumindest ganz am Anfang in der sensiblen Phase nicht.


    Wenn , ja ?


    In der nassen Zeit war es normal mich mit Trinkenden Menschen zusammentun. Mir wurde es ja nicht gleich mit dem Wegstellen des Glases bewusst das dieses Gefahren waren.
    Ich wusste nur das ich nichts mehr Saufen wollte.


    Die ganzen fehlgesteuerten und sucht orientierten Abläufe des geschädigten Hirn konnte ich ja nicht ermessen. Am Anfang bist du näher am Glas. Je länger du trocken bist stellt sich, auch wenn nur gefühlt, eine gewisse Stabilität ein. Da kannst du es besser einschätzen.


    Zitat

    die Situation zu bagatellisieren und dann eben das eine Bier zu trinken.

    wenn du dich immer weiter mit deiner Krankheit beschäftigst, sie am Leben erhälst ohne sie zu leben, ist zwar Bagatellisierenmögli ch aber weitaus geringer als bei einem Frisch Trockenen. Es stellt sich auch in den Jahren eine ganz andere Lebensweise ein, die dich sicher schon im Vorfeld davon abhalten an solche Besäufnisse teil zu nehmen.


    Vielleicht hast ja auch was anderes gemeint.


    Gruß Hartmut

  • Hallo


    Zitat von Hartmut

    Wer will denn in einem trinkenden Umfeld dann aufstehen und gehen ? Da herrscht Gruppendynamik, da spielt der Scham eine Rolle und vieles mehr.


    Habe ich noch am Samstag gemacht. Ich war (bewusst) in einem trinkendem Umfeld, als die Trinkerei zu später Stunde Ueberhand nahm - in diesem Falle die Wahl eines Verdauungsschnaps/Likörs - habe ich mich verabschiedet und bin gegangen. Ohne Schamgefühle und ohne Zwang zur Gruppendynamik. Kann natürlich sein dass andere Alkoholiker in solch einer ähnlichen Situation eben Scham empfunden hätten oder einem Gruppenzwang nicht widerstehen hätten können, bei mir war das nicht der Fall. Ich kann da aber auch nur für mich sprechen, und da galt: Tun muss man eben auch tun.


    Gruss,


    Mario.

  • Hallo Mario


    Zitat

    Tun muss man eben auch tun.

    wenn du es dann noch tun kannst. Es geht einmal gut , zweimal, dreimal und dann? Hat es für dich nur was mit Willen zu tun?


    Meine Bewunderung hast du, nicht wegen dem nassen Umfeld, sondern das du es hier schreibst. Danke.


    Zitat

    Habe ich noch am Samstag gemacht. Ich war (bewusst) in einem trinkendem Umfeld,

    Wussten die das du Alkoholiker bist und gerade ganz am Anfang?
    Ich würde mich fragen. Wer zwingt mich denn dahin zu gehen? Doch nur ich selbst. Was will ich dort wenn ich weiß das es eine Gefahr für mich ist? Mich beweisen? Noch dazu zu gehören? Habe ich keine Alternativen ?


    Bin auf weitere Meldungen gespannt.


    Gruß Hartmut

  • Guten Abend Hartmut


    Es kommt darauf an, WO der Alkoholkranke früher gesoffen hat. Einem Gesellschaftssäufer ist eine solche Ansammlung in der trockenen Anfangsphase sicher nicht zu empfehlen. Aber Säufer wie ich, welche in den letzten Jahren alleine tranken, haben weniger Schwierigkeiten. Sicher nehme ich an keinen Saufpartys teil (nicht unbedingt für meinen Jahrgang geeignet :)) und meide Ansammlungen (Personalabend etc), aber ich treffe mich ab und zu privat und geschäftlich auch mit alkoholtrinkenden Menschen. Wohl bemerkt: keine Säufer. Und mich berührt dies überhaupt nicht, ob diese ihr Glas Wein zum Essen trinken.


    Lieber Gruss
    Ernest

  • Hartmut, ich empfinde es als keinerlei Verlust von Lebensqualität, dass ich nicht mehr mit den Jungs beim Fußball einen heben kann. Weder heute noch morgen noch in 10 Jahren wird mir das fehlen.


    Es ist so, dass ich unterscheide zwischen Gefahren, in die ich mich bewusst und warum auch immer begebe(n) könnte und Gefahren, die sich aus dem Alltag ergeben (werden).


    Letztere werde ich meistern dadurch, dass ich täglich den Gedanken festige, nicht mehr trinken zu wollen und deshalb auch nicht mehr zu müssen. Wird mit der Zeit immer besser und stärker, meine Stärke....

  • Hallo Ernest,


    Zitat

    Es kommt darauf an, WO der Alkoholkranke früher gesoffen hat.

    Nein, das ist egal. Ist ja kein anderer Alkohol in einen anderen Umfeld.
    Ich sitze da auch nur eine Handbreit weg. Die Sinneseindrücke mögen da mit eine Rolle spielen aber bei aufkommenden Saufdruck ist das wurscht.


    Es handelt sich nach wie vor um eine Sucht-Krankheit die nur auf Eis liegt. Hat ja seine Gründe warum man als Alkoholiker in der Nassen zeit es nicht kontrollieren konnte.


    Zitat

    Hartmut, ich empfinde es als keinerlei Verlust von Lebensqualität, dass ich nicht mehr mit den Jungs beim Fußball einen heben kann. Weder heute noch morgen noch in 10 Jahren wird mir das fehlen.

    Der erste Teil glaube ich dir der zweite ist reines Wunschdenken. Ich weiß heute auch nicht was ich in einem Jahr mache aber ich weiß, das ich heute alles dafür tun werde, das mein jetziger Zustand morgen bleibt.




    Gruß Hartmut

  • Hallo Hartmut


    Zitat von Hartmut

    wenn du es dann noch tun kannst. Es geht einmal gut , zweimal, dreimal und dann?


    Der von mir geschilderte Vorfall müsste das fünfte Mal seit meiner Abstinenz gewesen sein...


    Zitat von Hartmut

    Wussten die das du Alkoholiker bist und gerade ganz am Anfang?


    Ja, sie wussten es.


    Zitat von Hartmut

    Wer zwingt mich denn dahin zu gehen?


    Niemand hat mich dazu gezwungen, ich bin aus freien Stücken dorthin gegangen. Ich wollte am Anfang absagen, aber ich konnte dem Gastgeber seine (von sich aus vorgetragene) Idee, dass er ja keinen Alkohol servieren könnte, glücklicherweise wieder ausreden. Nur weil ich nicht mit Alkohol umgehen kann, muss sich jetzt nicht die ganze Welt um mich drehen.


    Zitat von Hartmut

    Was will ich dort wenn ich weiß das es eine Gefahr für mich ist?


    Meine Freunde treffen. Das hilft mir im Moment mehr bei dem Versuch trocken zu werden als alleine zu Hause zu hocken oder krampfhaft nach einem neuen Freundeskreis zu suchen. Bei diesen Alternativen sehe ich für mich im Moment eine weitaus grössere Gefahr. Dies schliesst natürlich nicht aus dass ich das nächste Mal die Situation neu bewerten werde und mir möglicherweise eine andere Alternative suche. Dass ich einmal falsch bewerte ist natürlich auch im Bereich des Möglichen.


    Das wird dann die Zeit zeigen...


    Gruss,


    Mario.

  • Zitat von Hartmut

    Nein, das ist egal. Ist ja kein anderer Alkohol in einen anderen Umfeld.


    Für mich war die Umgebung das einzige, das über den Alkoholmissbrauch entschieden hat. Ich habe z. B. nie alleine oder daheim getrunken, hingegen, sobald ich auf einer Veranstaltung war, sofort Alkohol besorgt - kostete es, was es wollte.


    Habe auch jetzt, nach knapp einem Jahr Nüchternheit, zu Hause nie die Idee, Alkohol zu besorgen. Diverse Veranstaltungen werde ich dagegen nie wieder besuchen.

  • Hallo Hartmut,


    wenn überhaupt, kann ich mein Risko einschätzen.
    Und das war anfangs recht wackelig, weil ich mich gern überschätzte.
    Das bedeutet, dass ich nicht immer fehlerlos war in der Einschätzung meines Risikos. Es hat ne Weile gedauert, bis mir klar war, dass jedes alkohollastige Umfeld ein Risiko für mich bedeuteten kann.
    Bei irgendwelchen Zweifeln war Sicherheit mein Kriterium und meine Orientierung. Und ich habe oft gezweifelt. Aber es hat irgendwie funktioniert.


    Heute steht die Sicherheit nicht mehr im Vordergrund, wenn ich entscheide, wohin ich gehe oder woran ich teilnehme.
    Mein Leben ist weitestgehend alkfrei. Die wenigen Aktivitäten, bei denen Alk konsumiert wird, besuche ich fast immer in Begleitung von Leuten, die auch keinen Alkohol trinken. Lange halte ich es in einem alkoholgeschwängerten Umfeld nicht aus.
    Ich denke nicht, dass ich mich damit überschätze.


    Gruß, Penta

  • Hallo Hartmut,


    genau "mein" Thema... :)


    Ich hab mich schon öfters mit genau diesem Thema auseinander gesetzt, habe es auch schon einmal in meinem Thread angesprochen. Einfach aus dem Grunde, dass ich das Gefühl hatte bzw. habe, dass ich alles richtig mache, was die Grundbausteine angeht und bei dieser einen Sache war ich immer verunsichert. Ich hab von Anfang an mein Zuhause alkoholfrei, habe meine Familie und Freunde eingeweiht und gehe auch bei Bekannten offen damit um, wenn die Situation es so bringt. Wenn bei mir Besuch ist, wie z. B. im Dezember, als mein Sohn Geb. hatte, dann gibt es hier keinen Alkohol in meiner Wohnung und fertig. Das hat sich auch von Anfang an von selbst verstanden, meinen Leuten musste ich das nicht mal mitteilen, das war von vorne herein von selbst klar.


    Wenn nun aber irgendwo auf einem Geburtstag einer Freundin eingeladen wird und da mehrere Leute aus verschiedenen Richtungen zu Besuch sind, dann ist mir vorher also klar, dass es da auch Leute geben wird, die Wein oder Bier oder sonst was trinken. Also hab ich mir immer vorher Gedanken gemacht, was da auf mich zukommen könnte und habe dann je nach Veranstaltung entschieden, ob ich da hingehe oder nicht.


    Beispiel: Ich habe an einem Abend Bescheid bekommen, dass man sich zum Bratwurst essen und Bier trinken an Ort XY trifft, ob ich nicht auch Lust hätte. Bei dieser Truppe war mir klar, worauf dieses Treffen hinaus läuft und dass man die Bratwurst auch hätte weg lassen können, das war nur, um dem Kind einen Namen zu geben... Ich bin nicht hingegangen.


    An einem anderen Abend war der Geburstag einer Freundin, die überwiegend Frauen eingeladen hatte, mit denen ich früher gar nicht mal gern etwas zu tun hatte. Ich hatte mit denen zwangsläufig zu tun, da meine beste Freundin und Schwester wiederum mit denen zu tun hatte. Klar, die mochten sich von Anfang an, da weder meine Schwester, noch meine Freundin ein Alkoholproblem haben. Ich fand die anderen Frauen immer mehr als langweilig. Im Nachhinein gesehen, waren sie mir zu spießig, weil sie vermutlich nicht genug gesoffen haben. Sie haben sich ewig an ihrem Glas festgehalten, während ich schon die erste Pulle leer hatte. So kam es mir vor... Ich bin meistens nicht mitgegangen, sondern lieber zu der Truppe mit "Bratwurst und Bier".


    Jedenfalls bin ich an diesem besagten Abend zu dem Geburstag meiner Freundin mitgegangen und es war ein super toller Abend. Diese anderen Frauen waren auch da, haben sich halt wieder ewig an ihrem Glas Wein aufgehalten und mir wurden andere Getränke hingestellt. Wusste ja jeder Bescheid, dass ich nichts mehr trinke. Man hat sich wahnsinnig gut mit mir unterhalten, das kann man auch. Konnte man schon immer, leider nur bis zu einem gewissen Pegel. Ich hab richtig gemerkt, wie klasse das ankam, dass ich nichts mehr trinke, eben weil ich nicht irgendwann abgestürzt bin. Mir wurden im Nachhinein auch Komplimente gemacht, wie sehr ich mich zum Vorteil verändert habe. Dadurch wurde mir im Nachhinein auch öfter mal Bescheid gesagt, wenn ein Treffen stattfand.


    Genau diese Truppe sind auch diejenigen, mit denen ich ab und zu Sport mache. Hab ich damals auch keinen Bock mehr drauf gehabt. Sport? Nö, ich hab mich lieber mit den anderen zum Saufen getroffen.


    Ich könnte nun noch einige dieser Beispiele nennen. Vom Adventsbasar im Dorf, was mir vorher auch zu blöd war, bis Klönen nach einem Fußballspiel oder sonst was. Mach ich aber nicht, weil ich denke, es ist angekommen, was ich meine. Für mich kommt es einfach auf die Veranstaltung an.


    Ich weiß, dass ich noch nicht so lange Zeit auf Alkohol verzichte und gerade deshalb mache ich mir auch große Gedanken darüber, ob das alles so richtig ist. Nein, ich habe mir vor ein paar Wochen noch Gedanken darüber gemacht. Inzwischen bin ich der Meinung, dass es ok ist, wie ich es mache.


    Ich mache es mir nicht einfach, was meine Alkoholkrankheit angeht. Dass es nicht reicht, nichts mehr zu trinken, das weiß ich. Es müssen Veränderungen stattfinden. Ich bin mir auch nicht zu bequem, diese Veränderungen herbei zu führen. Aber diese sozialen Kontakte, in der Form, wie ich sie beschrieben habe, die tun mir gut. Das ganze Drum herum tut mir mehr gut, als dass es mir schadet, dass da mitunter mal ein Glas Wein auf dem Tisch steht.


    Wie gesagt, wenn das nicht der Fall wäre und ich merke, dass es für mich schlecht ist, würde ich auch darauf verzichten. Ich bin mir absolut nicht zu schade, etwas zu verändern. Mein Entschluss, dass ich bald aufhören werde, zu trinken, steht schon lange fest. Mit diesem Wissen bin ich bereits Anfang letzten Jahres bei meinem Partner ausgezogen und wohne mit meinen Kindern in meinem eigenen Zuhause.


    Ich habe mir gewünscht, diese Beziehung retten zu können, was mir nicht gelungen ist. Ich habe mich jedoch nicht getrennt, weil die Liebe weg war, sondern einfach aus dem Grunde, weil der Alkohol im Leben meines damaligen Partners eine sehr große Rolle gespielt hat. Das passte nicht mehr zu meinem Leben ohne Alkohol. Ich kann mit absoluter Sicherheit sagen, dass ich meine Trockenheit damals über die Liebe gestellt habe, denn die war definitiv noch vorhanden. Mein Verstand und mein Gefühl haben mir aber gesagt, dass es so nichts wird. Entweder oder.


    Ich habe das erwähnt, um zu zeigen, dass ich da ziemlich konseqent bin. Und ich denke, es wäre um einiges leichter, konsequent gewisse Veranstaltungen zu vermeiden, als eine Beziehung zu beenden.


    Ich sage diese Treffen also nicht ab, weil ich es mir schön rede oder mir zu bequem bin, etwas zu verändern. Sondern schlicht und ergreifend deshalb, weil sie mir gut tun und nicht schaden.


    Ich bin in meiner Meinung da jedoch nicht eingefahren. Sollte ich einmal merken, dass ich vielleicht erst im Nachhinein mit meinen Gedanken mehr um das Thema Alkohol kreise, dann bin ich auch bereit, ganz klar zu sagen, dass ich vorerst nicht mehr erscheinen werde. Aber das ist zur Zeit einfach absolut nicht der Fall und ich höre sehr gut in mich hinein.


    So, da hab ich jetzt mal beschrieben, wie ich zur Zeit damit umgehe. Nichts ist in Stein gemeißelt. Aber im Moment handhabe ich es so.

  • Hallo Hartmut,


    Ich habe gemerkt, dass ich am Anfang wohl nicht deutlich und klar genug war, das NIE WIEDER zu betonen. Zum einen weil mir am Anfang noch nicht mal selbst über diesen endgültigen Entschluss bewust war, zum anderen eben weil mir die Grundbausteine nicht bekannt waren. Ich habe diese Forum erst später entdeckt und mir zuvor keine externe yhilfe gesucht. Da ich mich aber als Alkoholikerin bekenne und nie wieder trinken möchte, muss ich jetzt natürlich meine Hausaufgaben nachholen. Und bin auch fleissig dabei, so dass ich in Situationen, die mich triggern könnten, nicht mehr gerate.
    Allerdings habe ich trotz dem entgegengesetzten Rat von einigen von Euch für einen Urlaub mit meinem Sohn entschieden. Allerdings kein Hotel, sondern ein Kinder und Familiencampingplatz mit Selbstverpflegung. Habe mich für eine Strandhütte entschieden und habe mir davor echt Gedanken gemacht, ob die Situation gefährlich werden könnte. Obwohl ich noch weitere 2 Zimmer zu Verfügung habe, nehme ich keinen meiner alten trinkenden Freunde mit. Bevor ich mich in Gefahr bringe, bleiben die Zimmer lieber leer stehen:)
    Ich versuche, ähnlich wie Cadda, eben die Situationen im Vorfeld durchzuspielen und abzuwägen, ob es gefährlich werden könnte oder nicht. Habe hier nicht so viele Freunde mit denen ich mich zum Trinken treffen könnte und meine Nachbarin hat es lediglich einmal nach meinem Start hier versucht. Mit ihr werde ich aber definitiv nochmal konkret darüber sprechen, dass bei mir eben ein alsolut alkoholfreier Raum ist.

  • Hallo


    danke für die Antworten,


    es ist ja nicht so das ich gleich am Anfang alles im Sinne der Grundbausteine oder mit den Erfahrungen der LZT alles „Richtig“ gemacht hatte. Es gibt kein Richtig oder Falsch . Es gibt nur Nass oder Trocken für mich. Entweder am Glas oder im Kopf. Und das ausschließlich nur für mich.


    Kam auch mit nassen Umfeld zusammen, war der Gruppendynamik unterworfen oder kam auf Meetings mit dem üblichen Sektempfang in Verbindung. Musste im Gegensatz zu anderen Erfahrungen, jedoch danach leiden. Sei es mit anfänglichen Saufdruck, der sich nach Tagen einstellte und mit der Erkenntnis das dieser Tanz auf dem Drahtseil mich wieder näher ans Saufen brachte. Die Grundbausteine zu gehen war am Anfang ein Nachahmen. Die Überzeug und das Verinnerlichen mit dem Verstehen kam erst mit der Zeit dazu.


    Wie Penta schreibt, konnte ich (wenn überhaupt ) nur im Rahmen meines damaligen Denkens mich selbst einschätzen. Das dann aus den resultierenden Erfahrungen ein Überschätzen war. Ich bewundere die Alkoholiker die sagen „Es macht mir nichts aus“ . Das kann ich heute auch nach den Jahren immer noch nicht behaupten. Ich musste erst lernen das die eigene Wünsche (Urlaube, Partys, sonstige Aktivitäten) nie ein Aufweichen meines alkoholfreien Umfeld beinhalten darf. Kompromisse sind da immer ein Schritt zurück.


    Meine damalige Außendarstellung/Wirkung war mir wichtiger als meine innere Bestätigung. Das wiederum nur meinem EGO diente, jedoch nie meiner Selbsthilfe.


    Was ist eigentlich Selbsthilfe ? Sicherlich nicht eine Bestätigung bei Anderen zu finden das der eigene Weg der Richtige ist , sondern vielmehr das der eigene Weg eventuell noch Lücken enthält. Wenn ich Kritik an anderen Wege ausübe hat sie nur wert , wenn ich bereit bin auch selbstkritisch mit mir umzugehen. Trocken werde /sein ist kein Wettbewerb , es ist das eigene Überleben


    Gruß Hartmut

  • Guten Morgen,


    dieses Thema der eigenen Einschätzung beschäftigt mich gerade, da ich hier immer wieder lese, dass es frisch Abstinenten garnichts ausmacht, mit Alkohol konfrontiert zu werden. Bei mir ist das aber nicht so; mich stört es sehr und ich fühle mich extrem unwohl in solchen Situationen und würde niemals auf die Idee kommen, mich bewusst solchen Gegebenheiten auszusetzen.


    Oft hört man dann, dass man ja nur zu Hause getrunken hat und es einen darum nicht triggert, wenn auf Veranstaltungen oder ähnlichem Leute Alkohol trinken. Aber Alkohol ist doch Alkohol.Vor einigen Tagen kam ich völlig unvorbereitet in eine Situation, in der Alkohol getrunken wurde. Ich war erschrocken, wie sehr mich das gestört und auch getriggert hat. Es wurde Bier getrunken und obwohl Bier nie mein Getränk war, hat es trotzdem viel in mir ausgelöst.


    Ich frage mich einfach, warum die Empfindungen und Selbsteinschätzungen so unterschiedlich sind. Wie ist oder war das bei euch zu Beginn der Trockenheit?


    LG
    Carmen

  • Hallo, liebe Carmen, liebes Forum,


    Carmen, du liest dich ja fleissig durchs Forum, es ist schön, dass ich immer wieder auf dich treffe, obwohl manche Threads schon älter sind, wie der hier von Hartmut.
    Ja, es ist sehr unterschiedlich, wie die Menschen empfinden, aber das ist ja nicht nur bei der Abhängigkeit so, sondern im kompletten Leben, in wirklich allen Bereichen, es würde zu weit führen da jetzt Beispiele zu nennen, aber es gibt tausende.
    Ich habs ja schon mal geschrieben und ich bleibe auch dabei (war ja auch schon mal 2 Jahre trocken vor kurzem), mich triggert es null, wenn ich sehe, dass irgendwo getrunken wird. Ich trinke nicht und fertig.
    Ich würde jetzt nicht zu Saufveranstaltungen gehen, aber das ist eh kein Thema, denn dafür bin ich zu alt und wüsste auch nicht wohin.
    Aber wenn im Urlaub, Hotel oder Restaurant, im Biergarten, Veranstaltungen getrunken wird ist mir das komplett schnuppe. Ich nehme es zwar wahr, dass an jedem Eck und zu jeder Tageszeit getrunken wird, sogar auf den Berghütten, aber ich geniesse es dann umso mehr, dass ich es nicht tun muss und gut is es.
    Mein Stolperstein liegt allerdings auch auf meinem Weg, ich bin ein Schönwetter Trinker, das heisst ich trinke nicht aus Frust oder wenn esw mir schlecht geht, sondern wenn alles tippi toppi ist, Belohnung etc, aber dann auch zuhause und alleine.
    Ich hab mir noch nie in Gesellschaft oder ausserhalb die Kante gegeben und damit hängtes wohl auch zusammen, dass mich das nicht tangiert, wenn um mich rum getrunken wird.
    Wobei sich mir die Frage stellt, was ist denn überhaupt ein trinkendes Umfeld.
    Wenn ich mit meinen Kolleginnen und Chefin einmal im Jahr auf Wellness fahre und die sich einen Drink zum Auftakt des WE gönnen sehe ich das nicht als trinkendes Umfeld.
    Ausserdem wissen die alle , dass ich Alkohol nicht mag und für mich wird da erst gar nix mitbestellt. Da bin ich gerne Aussenseiter....
    Auch wenn jetzt wieder von anderen Seiten kommt, die bereitet ja schon einen Rückfall samt Entschuldigung vor, etc. pp, es ist nun mal so und ich sage auch nichts anderes, nur weil es bei vielen eben ander ist.
    Alkohol ist für mich neutral, ich glaube Call Friedrich sieht es eben so, er steht einfach nur rum und tut mir nichts, er denkt nicht , redet nicht mit mir, ist genauso unschuldig wie ein Regenschirm (blödes Beispiel, aber ihr wisst schon, was ich meine)
    Alles nur in meinem Kopf, da gilt es , dass jeder seine Festplatte überschreiben muss, und zwar auf seine eigene Weise.
    Dert eine meidet alles was mit Alkohol zu tun hat, das ist auch völlig in Ordnung, der andere geht auf Konfrontation, da kenne ich selbe mehrere, wo es hervorragend funktioniert hat.
    Wie man es macht ist doch egal, Hauptsache es haut hin.
    Mich nervt es, wenn andere glauben, nur der eigen Weg ist das einzig Wahre.
    Ich finde, du machst dein Ding sehr gut, bleib auf deinem Weg, ich bleibe auf meinem.
    Werde sicher bald freigeschalten für den geschlossenen Bereich unf freu mich drauf, bin gespannt, was da anders ist als hier.
    So, jetzt mache ich mich dann mal gemütlich fertig für die Arbeit, heute bis 20 Uhr, vorher noch meinen schwer arbeitenden Mann im Home Office versorgen, bin froh, wenn er wieder mal ins Büro fahren kann, er allerdings geniesst es zuhause zu arbeiten.
    Siehst du, hier ist es auch so, was den einen tierisch nervt, findet ein anderer toll. Fällt mir grad auf beim Schreiben.


    Wünsche allen einen schönen Tag


    LG Lia

  • Hallo Lia


    mal in meinen Worten ;-)


    irgendwo habe ich gelesen das du dir gar nicht sicher bist ob du ein Leben lang trocken sein möchtest? Heißt im Umkehrschluss für mich, es ist egal was ich mache, ich habe ja eh wieder vor zu Saufen. Desweiteren habe die Sucht noch nicht für mich akzeptiert. Ich bin nicht krank. Solange diese Einsicht und das Ausmaß einer tödlich verlaufenden Krankheit fehlt ist es ein Trinkpause. Nicht mehr und nicht weniger.


    Zitat

    ch habs ja schon mal geschrieben und ich bleibe auch dabei (war ja auch schon mal 2 Jahre trocken vor kurzem), mich triggert es null, wenn ich sehe, dass irgendwo getrunken wird. Ich trinke nicht und fertig.

    Nein du warst nicht trocken. Es war eine Trinkpause. Nun sitzt du immer mit einer Handbreit bei Glas in einem nassen Umfeld. Was ist eigentlich triggern für dich? (rhetorische Frage). Triggern ist nicht linear, es ist ein wechselnder Zustand. Heut macht es mir nichts, morgen nervt es und übermorgen ist es mir egal. Prost.


    Sucht ist auch keine Empfindung Sache Es ist eine chronisch verlaufende Krankheit. Im Vorbeilaufen und sich etwas aussuchen was gerade passt ist der falsche Ansatz.
    Frage dich mal genau ob du dich als Alkoholiker siehst und für wen du trocken sein willst. Wenn du deine Trocken- Geh- Versuche an Erwartungen anderer heftest oder für deinen eingeschlagen Weg nur Bestätigung suchst, dann wird es sehr bedenklich. Ich wünsche es dir das du den Weg findest.


    ps, ich war lange außer Gefecht gesetzt und habe auch noch nicht alles von dir gelesen. Entschuldige wenn ich etwas Wichtiges überlesen habe. Aber ich schaue, wenn du es auch möchtest, hin und wieder bei dir rein. Und bei Allem. Es geht hier nicht um Recht oder Unrecht. Richtig oder falsch, es geht um dein Leben.
    Gruß Hartmut

  • Hallo Lia, hallo Hartmut


    danke für Eure Beiträge. Ich habe zwei Fragen an Dich, Hartmut.


    Woran liegt es Deines Erachtens, dass es manchen ( frisch) trockenen Alkoholikern nichts ausmacht von trinkenden Menschen umgeben zu sein und anderen wiederum schon. Ist es Selbstüberschätzung, eine falsche Wahrnehmung, Leichtsinn oder wirklich das wahre Empfinden? Ich habe nämlich nicht das Gefühl, dass die Leute, die hier berichten, dass es ihnen nichts ausmacht mit Alkohol konfrontiert zu werden, die Unwahrheit sagen. Da würde mich mal die Meinung eines LZTs interessieren.


    Die zweite Frage wäre, ab wann man trocken ist. Woran merkt man das oder ist der Weg in die Trockenheit genauso schleichend wie der Weg in die Alkoholsucht?


    Die Fragen gelten auch an alle anderen Leser.


    LG
    Carmen

  • Hallo alle zusammen,


    ich kann jetzt nur von MEINEN Empfindungen schreiben. Es gibt Tage, an denen denke ich gar nicht an Alkohol. Dann gibt es Tage, an denen ich zeitweise an Alkohol denke. Mal gelingt es mir schnell, die Gedanken wieder loszuwerden. Manchmal will ich sie auch gar nicht loswerden und denke bewusst drüber nach. Wenn ich aber Lust auf Alkohol verspüre, werde ich sie dennoch wieder los, die Gedanken. Wie schon mehrfach erwähnt, indem ich den "Gedanken zu Ende denke". Meine Gefühle sind also teilweise von der jeweiligen Tagesform abhängig.


    Das führt dazu, dass ich Situationen unterschiedlich empfinde. Ich nehme jetzt mal einen Geburtstag, Silvester, Osterbrunch oder sonstiges....
    meiner Schwiegermutter im Haus unten in ihrer eigenen Wohnung als Beispiel. Es gab Tage, an denen war ich von der Laune her so drauf, dass ich gar nicht erst runter gegangen bin, weil ich merkte, dass ich keine Lust habe, Leute in Feierstimmung zu sehen. Dann gab es Tage, an denen ich unten war und es hat mich null komma null interessiert, ob da jemand etwas alkoholisches trinkt, weil ich mich z. B. so nett mit einer Bekannten unterhalten habe und wir so viel zu lachen hatten, dass ich gar nicht drauf geachtet habe und es mir auch völlig egal war.
    Dann gab es Tage, an denen war ich dort unten und es hat mir gut gefallen und irgendwann merkte ich "nö, ich hab da keine Lust drauf, zu sehen, wie jemand sich Sekt einschenkt" und bin direkt wieder hochgegangen. An manchen Tagen habe ich "gesehen", wie sich jemand etwas einschenkt und an manchen Tagen habe ich es nicht "gesehen", weil ich gar nicht drauf geachtet habe.


    Als weiteres Beispiel nehme ich jetzt mal meine Arbeit. Ich packe beispielsweise Ware aus, darunter auch 3 Kartons Wein, die ins Regal müssen. Es gibt Tage, da stelle ich die Flasche ins Regal und bin gedanklich schon mit den nächsten Dingen befasst und es geht so nebenbei, dass ich die Flasche in der Situation auch gar nicht richtig "sehe". Dann gibt es Tage, an denen packe ich den Wein aus und denke bewusst daran, wie froh ich bin, dass ich dieses ätzende Zeug nicht mehr saufen muss. Und an anderen Tage denke ich "ach, jetzt ne Pulle Wein und ein wenig angeduselt sein, wie war das noch gleich im Sommer, wenn man da so auf der Terrasse saß?", dann denke ich den Gedanken zu Ende und schon juckt mich der Wein nicht mehr.


    Es gibt doch unzählige Situationen, die vergleichbare Gedanken auslösen. Werbung, eine Kneipe, an der ich vorbeifahren muss, das Einkaufsregal, das ich vielleicht von Weitem beim Einkaufen sehe. Ich muss damit umgehen können und das kann ich auch. Je nachdem, wie meine Verfassung ist, läuft es wie oben beschrieben ab.


    Es gibt Tage, an denen hab ich so große Lust auf einen Geburtstag z. B. von einer meiner Freundinnen zu gehen, weil ich mich freue, dort mit meinen Leuten zu sprechen und zu lachen. Da hält mich dann auch nichts davon ab, auch nicht das Wissen, dass da der Ein- oder Andere vielleicht etwas alkoholisches trinkt. Was ich jedoch überhaupt nicht mehr wollen würde und das hab ich auch ganz schnell abgelegt, sind solche Treffen, wo vielleicht wie früher 4 Leute am Stehtisch sitzen und saufen. Mit solchen Dingen und auch mit den Personen, die das gemacht haben, habe ich nichts mehr zu tun und ich würde auch niemals auf die Idee kommen, dort nochmal wieder hinzufahren. Sie würden auch nie auf die Idee kommen, mich anzurufen, weil sie wissen, dass ich nichts mehr trinke. Mit den Säufern besteht kein Kontakt mehr. Aber meine Freunde, meine RICHTIGEN Freunde haben kein Alkoholproblem, sie trinken nur gelegentlich, wenn überhaupt und das ist mir egal. Es ist mir einfach egal, das muss ich mir nicht einreden.


    Genau so egal, wie es mir eben manchmal ist, wenn ich durch die Gegend fahre mit dem Auto und z. B. an Himmelfahrt betrunkene Leute sehe. Dann gibt es wieder Tage, an denen ist es mir NICHT egal. Dann fahre ich Himmelfahrt, Ostern, Muttertag oder wann auch immer durch die Gegend, sehe betrunkene Leute bei bester Laune und denke "ist das bescheuert, dass ich das nicht kann". Gedanken zu Ende denken... Fertig!



    Ich KANN gar nicht dafür sorgen, dem Alkohol gedanklich nicht mehr zu begegnen. Meine größte Vorfreude auf Alkohol war nicht auf einer Veranstaltung, zu Hause oder in der Kneipe. Nein, die war z. B. auf der Rückfahrt von der Arbeit nach Hause im Auto bei schönem Wetter und guter Musik. Das kann ich nicht vermeiden! Da muss ich durch und damit muss ich umgehen können. Mit Geburstagsfesten muss ich nicht umgehen können, das weiß ich selbst. Aber wie bescheuert ist das denn, wenn ich auf etwas verzichte, worauf ich in dem Moment Lust habe (Treffen mit Freunden, Tanzen oder was auch immer), obwohl ich weiß, dass ich dort Spaß dran habe und es mich nach meinem Empfinden gerade wirklich nicht stört?? Ich höre in mich hinein. Ich sage z. B. nie fest zu. Denn wenn ich in mich hineinhöre und merke, dass es mich heute stören würde, dann gehe ich nicht hin. Fertig und beschlossen. Mache ich einfach nicht. Ich achte auf mich. Ich bin selbst reflektiert ohne Ende. Deshalb ist das in Ordnung für MICH.


    Was für mich aber gar nicht in Frage kommen würde, wäre ein Partner, der in meinem Zuhause trinkt. Was für mich ebenfalls nicht in Frage kommen würde, wäre, dass es überhaupt Alkohol bei mir in meiner Wohnung gibt. Denn dann habe ich eben nicht mehr die Möglichkeit, in mich hineinzuhören und die Situation einzuschätzen. Wenn ein Geburtstag stattfindet, weiß ich, wie es mir geht, worauf ich mich freuen würde oder was mich stressen würde. Wenn ich einen Partner hätte, der neben mir trinkt, dann kann ich das nicht beeinflussen. Dann bin ich einer Situation ausgesetzt. Das empfinde ich als sehr, sehr großen Unterschied.


    Ich würde auch niemals zu einem Geburtstag fahren und mich mitnehmen lassen. Ich fahre IMMER selbst, damit ich IMMER selbst entscheiden kann, wann ich nach Hause fahre. Es ist schon vorgekommen, dass ich mich nach einer Stunde wieder verabschiedet habe.
    Und es ist auch schon vorgekommen, dass meine Leute, die mit mir mitgefahren sind, gern nach Hause wollten, weil sie genug getanzt und gelacht hatten und ich hatte absolut NULL Bock nach Hause, weil ich mich gerade so gut amüsiert habe. Dann mussten die halt leider noch bis nachts mit mir dort bleiben. Auch das gibt es.


    Ich muss jedoch zugeben, dass es alles mit der Zeit, seit dem ich trocken bin (ja, inzwischen fühle ich mich trocken) weniger geworden ist. Ich genieße immer mehr die Ruhe zu Hause. Es kommt seltener vor, wo ich Lust habe, loszugehen. Es verändert einen alles mit der Zeit. Ich bin faul geworden. Und ich genieße es immer mehr, dass ich morgens gegen halb sieben am Wochenende ausgeschlafen bin und morgens meine Zeit für mich habe. Aber das mache ich nicht, also das öfter Zuhause bleiben, weil ich mich bewusst zurückziehe, sondern einfach, weil es mir immer besser gefällt, es ruhig zu haben. Das ist immer so phasenweise. Manchmal hab ich dann auch auf einmal abends Lust, mal unter Leute zu kommen, aber eher seltener wie gesagt.


    Zusammenfassend muss ich sagen, dass ich denke, dass es eben viel damit zusammenhängt, wie es innerlich in einem aussieht. Ob man sich was vor macht oder ob man wirklich selbstreflektiert seine Empfindungen prüft.


    Warum ich mich trocken fühle, kann ich gar nicht richtig beschreiben. Weil ich einfach das Gefühl habe, das mein Denken trocken ist.


    So, das waren meine Gedanken dazu :-)

  • Hallo Carmen,


    Zitat

    Woran liegt es Deines Erachtens, dass es manchen ( frisch) trockenen Alkoholikern nichts ausmacht von trinkenden Menschen umgeben zu sein und anderen wiederum schon

    Ich frage mich das nicht, warum es bei dem einen klappt,die Wahrheit sagt oder nicht. Das hat ja nichts mit mit meinen Empfindungen und meinen Weg zu tun. Wenn ich auf meine Erfahrungen oder Selbstversuche als noch "starker Held" zurückblicke,war es mir auch nicht möglich. Wenn ich das mit den Erfahrungen der Langjährigen trocken Alkoholiker vergleiche auch nicht.


    Ich erzähle dir mal mein vorletzten Versuch bevor ich den Weg der Grundbausteine gegangen bin. Nun war ich ganz am Anfang sehr sensibel und alle Sinne waren auf Alkohol ausgerichtet. Ich wollte auch nicht als Looser bei den Anderen gelten. Ich wollte es offensiv verheimlichen, da es ein Stigma für mich war. Warum sollte andere sich nach mir richten, war meine "Allround- Ausrede". Da war schon hier angemeldet .Ich suchte mir auch diejenigen aus, die eine ohne Änderungen Weg gingen. Ich ahmte nach und fühlte mich bestätigt. Nach 12 Wochen war von mir nicht mehr viel übrig. Rückfall vom Feinsten der fast mein Tod bedeutete. Da war mir klar Es geht nicht mit Willen allein .


    Zitat

    Woran merkt man das oder ist der Weg in die Trockenheit genauso schleichend wie der Weg in die Alkoholsucht?

    Gute Frage. Nun da scheiden sich die Geister. Ich muss ja erstmal die Grundvoraussetzungen schaffen.


    1.Erkenntnis Alkoholiker 2.Kapitulation vom Alkohol 3. Lebenslange Abstinenz anstreben. Alles andere sind für mich erstmal Trinkpausen.



    Gruß Hartmut

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