Für die Eltern schämen

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  • Hallo ihr alle,

    ich muss mir heute etwas von der Seele schreiben. Eine enge Freundin der Familie hatte gestern Geburtstag und wir waren gemeinsam mit meinem Mann den Kindern und meinen Eltern unterwegs. Ich hatte den Eindruck, dass sie zu Beginn schon einen im Tee hatte. Nach 3 Gläsern Wein und vielleicht auch mehr,(sie hatte sich vorzeitig von der Gruppe gelöst und war in ein Restaurant vorgegangen) war es so schlimm, dass ihr ein Auge immer zuviel, sie immer leiser wurde und leicht lallte. Beim Rausgehen hatte sie so extreme Schlagseite, dass mein Papa sie festhalten musste mein Ältester hat sich kaputt gelacht. Die letzten Wochen liefen eigentlich besser, sie trank vermehrt erst zum Abend und ich war richtig optimistisch. Der Tag gestern hat mich auch emotional wieder ganz stark getroffen. Wir wohnen unter einem Dach.

    Ich wollte nie, dass meine Kinder das miterleben. Wie sieht ihr das? Reicht das Vorbild der Eltern aus um ihr Verhalten wieder gut zu machen? Warum macht mein Vater das so mit??? Ich kann die Situation nur sehr schlecht bis gar nicht ertragen. Ich finde ihr Verhalten grundsätzlich Nichtsein Ordnung nicht vor den Kindern und auch gegenüberdem Geburtstagskind absolut daneben. Es war mir peinlich, sie hat uns den Spaß an dem Tag wirklich geraubt.

    Über eure Sicht würde ich mich sehr freuen.

  • Hallo Sporty,


    ich kann verstehen, dass Dir das peinlich war und Du Dir Gedanken wegen Deiner Kinder machst. Was ich Dir raten würde ist, mit den Kindern darüber zu reden. Eine Person in meiner Familie trinkt auch recht viel. Meine Kinder merken das. Ich sage ihnen dann, dass das so nicht richtig ist. Dass wir aber daran nichts ändern können und es ihre Entscheidung ist. Aber dass es eben nicht "normal" ist. Gut, das wissen meine Kinder schon deshalb, weil sie ja meine Geschichte kennen und miterlebt haben. Aber wenn man einfach in ein paar Sätzen mal die Sache anspricht, kann das auf jeden Fall nicht schaden, sie ein bisschen mehr auf den Boden der Realität zu bringen. Dass es eben nicht so witzig ist, wie es in dem Moment vielleicht scheint, sondern eigentlich eine ganz traurige Sache ist.


    LG Cadda

  • Hallo Sporty!


    Ich kann sehr gut nachempfinden daß es dir peinlich war. Bei mir war es zwar der Ehemann der getrunken hat aber das ist ja auch eine nahestehende Person. Ich könnte jetzt von einigen Peinlichkeiten berichten, ich habe mich öfters in Grund und Boden geschämt es war aber auch viel Wut dabei wenn er bei einem Fest so betrunken war.


    Ich habe mir immer gedacht warum vermasselt er mir jetzt alles und nimmt weder auf die Kinder noch auf mich Rücksicht?

    Ich wollte nie, dass meine Kinder das miterleben. Wie sieht ihr das? Reicht das Vorbild der Eltern aus um ihr Verhalten wieder gut zu machen?

    Du mußt doch nichts wieder gutmachen du bist nicht für deine Mutter verantwortlich. Meine Kinder haben so wie ich einen ganz normalen Umgang mit Alkohol. Als sie jünger waren haben sie sich aber auch desöfteren geschämt wenn ihr Vater so betrunken war. Sie haben mir nie die Schuld für irgendetwas gegeben mich aber öfters gefragt warum ich so lange bei ihm geblieben bin.


    Ich glaube es wird wenig Sinn machen mit deiner Mutter zu reden, aber den Kindern würde ich schon den Standpunkt vertreten daß du es nicht gutheißt wenn die Oma trinkt aber das es eine Krankheit ist und sie es nicht schafft dagegen anzugehen.


    Ich war irgendwann soweit daß ich überhaupt nichts mehr feiern wollte aus Angst vor einer erneuten Blamage aber die Lösung war das auch nicht.


    LG Marie

    Wer nichts ändern will für den ist die Opferrolle die beste Strategie!

  • Liebe Marie,

    lieben Dank für deine Rückmeldung. Es tut gut zu hören, dass man nicht alleine mit dem Problem ist. Ich überlege immer wieder mit meiner Familie auszuziehen, aber richtig den Kontakt abbrechen kann man als Kind ja sowieso nicht. Oder was meinst du? Bleibt man nicht immer verantwortlich??? Mit dem Grossen reden wir immer mal wieder darüber die kleinen sind erst 5 und 7 mit denen haben wir noch nicht gesprochen. Die haben aber auch noch nicht nachgefragt. Was wäre denn das richtige Alter?

    LG

  • Liebe Speranza,


    danke ich hab das auch direkt gesagt, an meiner Stimmung hat er auch direkt gemerkt, dass ich das nicht witzig fand.

    Wie geht man aber selbst damit um? Ich weiß dass es ihr Problem ist und das ich ihr nicht helfen kann. Aber mich lässt das dann nicht mehr los und kreist ständig durch meinen Kopf. Ich kann nicht mehr schlafen und bin dann gar nicht mehr fokussiert weder auf die Arbeit noch auf meine Familie. Mich zieht das immer runter 😔

  • Meine Kinder waren damals in dem Alter, wie von Dir beschrieben, als sie miterleben mussten, wie ICH selbst öfter mal so drauf war, wie von Dir beschrieben. Die haben - wie sich hinterher in Gesprächen herausstellte - schon sehr, sehr früh geschnallt, dass es am Alkohol lag und wer alt genug ist, den Zustand zu wahrzunehmen, der ist auch alt genug, zumindest gesagt zu bekommen "Es gibt Menschen, die leider krank vom Alkohol werden und die benehmen sich dann so, weil sie viel zu viel getrunken haben. Das ist leider ganz schön traurig und nicht normal."

    Ich finde, das kann man immer mit auf den Weg geben. Wenn Kinder dann älter sind, kann man ja auch immer noch weiter ausholen.


    Dass Dich das runterzieht, das verstehe ich total. Aber leider kannst Du - wie Du ja selbst auch schon gesagt hast - ihr nicht helfen :(

    Mich würde das aber auch traurig machen. Gerade wenn es die eigene Familie betrifft, dann leidet man irgendwie ja doch mit. Abgrenzung wäre da natürlich am wichtigsten, aber das ist leichter gesagt, als getan.


    Cadda

  • Hallo Sporty!


    Ich überlege immer wieder mit meiner Familie auszuziehen, aber richtig den Kontakt abbrechen kann man als Kind ja sowieso nicht.

    Rein theoretisch geht das Ausziehen schon aber wenn dein Mann das nicht möchte ist es schwierig durchzuführen. Kontakt abbrechen geht auch als Kind, meine Kinder haben ein ganzes Jahr nicht mehr mit meinem Mann gesprochen aber es war einfach mal notwendig daß sie sich so distanziert haben.

    Sie haben ja auch unter seinen Peinlichkeiten gelitten die sie bei Feiern ja auch miterlebt haben, er war auch immer sehr streitlustig wenn er getrunken hat.


    Nun ist die Konstellation bei dir wieder ganz anders es geht um die Eltern. Ich hatte vom 18. Lebensjahr bis zum Tod meines Vaters nur noch oberflächlichen Kontakt es ging aber nicht um Alkohol sondern um andere Dinge. Manchmal muß man sich so distanzieren um sich selber zu schützen und sein Seelenheil wieder zu erlangen.


    Du bist deinen Eltern nicht ständig verpflichtet besonders wenn sie trinken ist das eine schwerwiegende Sache mit der man sich kaum arrangieren kann. Du stehst ja ständig unter Spannung und das ist weder für dich noch für deine eigene Familie gut. Vielleicht schaffst du es aber mit der Zeit dich innerlich zu distanzieren und dir immer wieder zu sagen daß du nichts dafür kannst.


    LG Marie

    Wer nichts ändern will für den ist die Opferrolle die beste Strategie!

  • Hallo Sporty,

    meine Frage wäre, hast Du Deine Mutter mal konkret auf ihre Sauferei angesprochen und sie wissen lassen, wie das für Euch ist?

    Falls nicht, würde ich das nachholen.

    Und nicht einfach nur dazu schweigen.

    Ich würde ihr sehr klar machen, das ich weiß, was vor sich geht.

    Und evtl. auch daraus die Konsequenzen ziehen werde.

    Aber nur, wenn ich das auch wirklich vorhabe.


    Das ist im Grunde das Einzige, was Du noch tun kannst, mehr fällt mir zumindest gerade nicht ein.

    Ob es zu einem Sinneswandel führt, keine Ahnung, ich sehe da leider wenig Chancen.

    Aber eine kleine Hoffnung bleibt auch bei mir immer, das jemand vielleicht doch noch wach wird, besonders wenn`s anfängt, weh zu tun, also wirklich ein Leidensdruck entsteht.

    Denn solange ihr wegschaut, ihr aus dem Weg geht, solange toleriert ihr ja auch ihre Sucht und sie kann in Ruhe weiter saufen.

    Und genau DAS will ein abhängig Saufender!


    In einer SHG habe ich übrigens mal folgendes gehört von einer Betroffenen:

    Sie und ihr Mann soffen oft mit Nachbarn, Freunden etc., es war für sie völlig normal, jeden Tag ab Nachmittags Korn oder Wodka mit Limo zu trinken in diverser Gesellschaft.

    Alkoholiker?? Aber Nein, WIR doch nicht!

    Diverse Abstürze folgten, inkl. Stürze in der Wohnung, viele Peinlichkeiten, das übliche Alkie-Geschehen halt.

    Aber Alkoholiker, Nein, das sind wir sicher nicht, wir haben ein Leben lang gearbeitet, sind in Rente und genießen nun unser Leben.

    So, dann bekam die Tochter ein Baby, und die frischgebackene Oma freute sich so sehr über ihr Enkelkind, aber ihre Tochter teilte ihr mit, das sie das Baby nur in ihren Anwesenheit sehen dürfe und sie es ihr auch nicht zur Betreuung, selbst nicht für kurze Zeit, überlassen wird.

    Denn sie habe einfach Angst um ihr Baby, das sie es im Suff fallen lässt oder anderen Schlimmes.

    Sie sagte ihrer Mum aber auch, das sie mit ihr zur hiesigen SHG gehen als Begleitung mitgehen würde, falls sie sich allein zu sehr schämt.

    Die nahm dieses Angebot dann schweren Herzens an, hauptsächlich erstmal aus Liebe zu ihrem Enkelkind.

    Und merkte dann schnell, das sie in der SHG genau richtig ist.

    Ihr Mann gesellte sich bald dazu, und als ich die Dame kennenlernen durfte, war sie schon Anfang 80 und ihr Mann lebte da leider nicht mehr.

    Aber sie haben Beide den Absprung von der Sucht geschafft, und durften so natürlich auch das Enkelkind oft bei sich haben.

    Die haben also wirklich aufgrund äußeren Drucks und Liebe zum Enkelkind die Sauferei aufgegeben.

    Und haben natürlich auch selbst enorm davon profitiert, nicht mehr zu saufen.


    Sporty, Du fragst:

    Zitat

    Ich überlege immer wieder mit meiner Familie auszuziehen, aber richtig den Kontakt abbrechen kann man als Kind ja sowieso nicht. Oder was meinst du? Bleibt man nicht immer verantwortlich???

    Wenn es nur irgendwie möglich ist, auch mit Einbußen, würde ich zusehen, das ich da ausziehe!

    Denn erwiesenermaßen spielt das soziale Umfeld eine große Rolle auf den späteren Alkoholksonsum und auch beim Abgleiten in die Sucht.

    Kinder von Alkoholikern haben ein viel höheres Risiko, auch selbst daran zu erkranken, man kann das auch hier im Forum oftmals nachlesen.

    Inwieweit sich das auf Enkelkinder auswirkt, weiß ich nicht, aber ich denke, es ist egal, saufendes Umfeld ist saufendes Umfeld...und ihr wohnt schließlich auch noch unter einem Dach, was noch erschwerend hinzu kommt.


    Und NEIN, man ist nicht ein Leben lang für andere "verantwortlich"!

    Das wäre ja furchtbar. Erwachsene Menschen sind für sich selbst verantwortlich. AUCH wenn sie saufen.

    Es zwingt uns doch niemand dazu! Nur die eigene Sucht.

    Und es gibt ausreichend Hilfsangebote, diese Krankheit zu stoppen.

    Bei der Sucht handelt es sich eben NICHT um eine Krebserkrankung, sondern um eine Krankheit, die man selsbt (mit Hilfe von außen) stoppen kann!


    Wenn ihr der Sauferei nicht mehr täglich ausgesetzt seid (auch wenn ihr Euch dann zurück zieht) müst ihr Euch das Elend auch nicht mehr unmittelbar mit anschauen.

    Den Kindern tuts mit Sicherheit überhaupt nicht gut, sowas miterleben zu müssen.

    Abgrenzung ist hier einfach besser, das bedeutet ja noch nicht einen völligen Kontaktabbruch.


    Falls ihr Euch entscheidet, auszuziehen, würde ich auch der Mutter den konkreten Grund dafür nennen.

    Sie darf sich dann gern selbst ihre eigenen Gedanken dazu machen...oder eben auch nicht.

    Drohen würde ich allerdings nicht mit einem Auszug, denn was man sagt, sollte man dann auch einhalten (können).

    Alles andere macht nur sehr unglaubwürdig.


    Das mal so von mir dazu, als trockene Alkoholikerin.

    LG Sunshine

  • Ich danke euch allen sehr für eure Meinungen. Ja ich habe meine Mutter schon sehr oft darauf angesprochen. Ich habe sie 2 mal angetroffen, als sie sich härtere Getränke zum Mittag genehmigt hat. Sie hat mich eiskalt angelogen und als ich sie bloßgestellt habe hat sie nur gelacht wie schlau ich doch sei. Wir haben Flaschen in Verstecken gefunden, so schlecht versteckt, dass meine Kinder sie hätten sehen können. Alles alles habe ich versucht bin zur Diakonie und wollte sie bitten mit mir dahin zu gehen. War ein Riesen Streit. Jetzt gehe ich seit 2 Monaten alleine zu einer SHG die tut mir sehr gut, macht mir aber oft auch Angst vor dem was da noch kommen kann. Mein Mann würde mit ausziehen, wenn es mir weiterhin so schlecht geht oder die sich die Aktion von gestern häuft. Meine Mama sagt manchmal selbst dass sie eine Kur machen will, sie weiß dass sie ein Alkoholproblem hat sie will aber nicht auf ihren Wein verzichten. Ich hatte mal versucht meinen Vater um Unterstützung zu bitten aber der will auch nicht auf seinen Schnaps abends verzichten. Seit einiger Zeit ist mir klar, dass auch er Alkoholabhängig ist aber ein anderes Trinkmuster verfolgt.

  • Zitat

    Jetzt gehe ich seit 2 Monaten alleine zu einer SHG die tut mir sehr gut

    Hallo Sporty,

    da geht der Weg lang. DU gehst zur SHG, zusätzlich hier die online-SHG. Du machst was für dich! :thumbup:

    Meine Mutter musste erst sehr, sehr schwer erkranken, bis sie aufhören konnte zu trinken.

    Als EK (= erwachsenes Kind alkoholkranker Eltern) hilft nur, wenn man sich abnabelt und sein eigenes Leben lebt. Das klingt egoistisch, ist es aber nicht. Sie könnten sich ja beim Hausarzt outen, eine Entgiftung machen usw. usw. Tun sie aber nicht.

    Kinder werden erwachsen, Kinder ziehen zuhause aus. Das ist ein völlig normaler Prozeß. Dir darf es gut gehen. Du darfst da raus. Du darfst dir mit deinem Mann eine schöne Wohnung suchen, wo ihr euer Leben leben könnt.

    Abstand tut gut. Man hat als EK keine Schuld, keinen Einfluß, keine Verantwortung, was die Eltern angeht.

    Ich bin früh ausgezogen damals und jahrzehntelang weg gewesen. Irgendwann war ich so in MEINEM Leben angekommen, daß ich meiner Mutter wieder begegnen konnte. Die Lebensentscheidungen der Eltern gehen uns Kinder nichts an. Aber wir dürfen den Abstand verändern, wenns uns damit besser geht.


    Liebe Grüße, Linde

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Danke Linde,

    Wow bin jetzt erstmal etwas erschlagen von deinen Worten. Ich glaub innerlich weiß ich das schon länger. Wir wohnen in einem schönen großen 2 Familienhaus mit Riesen Garten und guten Anbindungen und vielen Freunden. Ich fühle mich schlecht alle hier rauszureißen, weil es mir nicht gut geht. Meinen Eltern gehört das alles hier und sie würden niemals mehr ein Wort mit mir sprechen. Ich würde meinen Kindern nicht nur das zuhause sondern auch die Großeltern nehmen. Grundsätzlich hätten aber weder mein noch ich Probleme uns zu verkleinern. Ich weiß Gesundheit ist unbezahlbar, aber auch meine Mama war schwer krank und hat überlebt und bringt sich nun nach und nach selbst um. Ich bin in den letzten Jahren sehr viel stärker geworden hab mich emotional abgenabelt dachte ich oder bin zumindest abgestumpft. Der Alkohol hat meine Eltern sehr verändert, ich erkenne beide nicht mehr wirklich und empfinde auch keine Nähe mehr zu ihnen. In der letzten Zeit hat es auch wirklich wieder gut geklappt, ich hab früher schon nach Wohnungen gesucht und das hab ich jetzt wirklich schon länger nicht mehr getan. Und dann ist mit einem Mal alles wieder wie vorher oder schlimmer irgendwie drehen wir uns im Kreis. Mein Mann meint ich mache mir auch weiterhin Sorgen, auch wenn sie nicht nebenan wohnen und wer weiß wie es mir geht wenn sie mit mir nichts mehr zu tun haben wollen. Vor allem für die Kinder wäre das sehr traurig.

  • Ich habe heute mit meinem Mann und meinen Eltern gesprochen. Meiner Mutter tut es sehr leid, ihr ist es sehr sehr unangenehm und sie kann sich nicht erklären wie das passieren konnte. Wir haben vereinbart, dass sie ab dem Nachmittag nicht mehr zu uns kommt. Das Wochenende verbringen wir abgesehen von Frühstück ( wir bekommen das Familienbesuch) getrennt. Nächste Woche fahren sie dann in den Urlaub und wir einige Tage später auch. Wenn wir alle wieder zurück sind werden wir sehen wie es weitergeht. Ihr und auch meinem Vater ist klar, dass wir verhindern müssen, dass das noch mal passiert. Eine Erkenntnis, das man nicht alleine seine Gewohnheiten ändern kann ist leider noch nicht eingetreten, grundsätzlich besteht aber Wunsch das eigene Verhalten zu verbessern. Ich bin sehr gespannt. Wa sagt ihr dazu???

  • Hallo Sporty, ich sage Dir aus eigener Erfahrung dazu:


    Ich glaube Dir Deiner Mutter aufs Wort, dass sie unter keinen Umständen möchte, dass das noch einmal vorkommt. Sie wird ganz, ganz sicher alles dafür tun, dass sie sich zukünftig zusammenreißt oder weniger trinkt.


    Problem: Wenn ein Alkoholiker das könnte, wäre er kein Alkoholiker....


    Ich habe Jahre lang versucht, gehofft, versprochen... und ich meinte es zu 10000 Prozent ehrlich. Aber es funktioniert nicht. Zumindest nicht auf Dauer.


    Dennoch finde ich es sehr gut, dass ihr mit offenen Karten gespielt habt und das Thema direkt angesprochen habt. So ist Deine Mutter gezwungen, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen.


    LG Cadda

  • Danke Cadda,


    für deine Sicht. Sie ist heute ausgegangen und hat mir geschrieben, wie leid es ihr tut und dass sie nicht möchte, dass es mir so schlecht wegen ihr geht. Ich solle ihr den Ausrutscher verzeihen. Ich hab ihr geantwortet, dass ich ihr glaube und das ebensowenig möchte und ich es versuchen werde zu verzeihen. Allerdings ist ihr Ausrutscher ja nur einer von vielen und die Einsicht sich Hilfe zu holen, ist nicht da. Solange muss ich mich wohl auf weitere Ausrutscher einstellen oder ich lass hier alles platzen und nimm reiss aus mit meiner Familie. In der SHG hat mal eine gesagt solange ich noch ein schlechtes Gewissen über die Folgen aller habe, ginge es mir noch nicht schlecht genug. Dabei fühle ich mich wirklich absolut am Maximum.

  • Hallo Sporty,

    "Ausrutscher" klingt verharmlosend, denn Alkoholismus ist nicht harmlos.

    Und es geht auch nicht darum, etwas Vergangenes zu verzeihen, sondern zu verhindern, daß sowas nochmal vorkommt. Und wie schon geschrieben: Absichtserklärungen eines Alkoholikers sind solange nichts wert, bis er eine Entgiftung macht und sein Leben komplett umkrempelt.

    Sicher meint es sie ernst, aber "einfach so" aufhören wird nicht funktionieren.

    Aber Respekt, daß du es angesprochen und klare Regeln gefunden hast!

    Liebe Grüße, Linde

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Liebe Linde,


    du hast völlig recht. Zumal sie auch gar nicht aufhören will. Sie hatte tatsächlich ihr Trinkverhalten für eine kurze Zeit verändert und war tagsüber später voll. Letztlich läuft sie nicht jeden Tag betrunken durch‘s Haus, aber ab den späten Vormittag fängt sie leider schon an... 🤷🏼‍♀️ Wir drehen uns im Kreis und wenn ich hier mich so durchlese was andere alles miterlebt haben. Macht mir die Zukunft Angst. Ich fühle mich hier auch nicht mehr Zuhause und ich weiß nicht wie man seine Gefühle in den Griff bekommt. Der Rest der Familie scheint das alles nicht so zu stören wie mich. Ich habe gestern noch Kontakt zu einer Psychologin aufgenommen und zwei engen Freundinnen berichtet, was am Wochenende geschehen ist. Sie können meinen Kummer nachvollziehen, aber nicht verstehen, warum ich darüber nachdenke auszuziehen. Dann würde ich alles kaputt machen. 😳

  • Hä?? DU würdest alles kaputtmachen, wenn du ausziehst??

    Was soll das denn bitte?

    Schöne heile Welt aufrechterhalten und die Kinder lernen nebenbei selber, wie man suchtkrank oder co-abhängig wird?? Supi.


    Meine Mutter hat zeitlebens getrunken und erst mit ca. 75 J. nach einer schlimmen OP aufgehört.

    Ich habe schon als ca. 8jähriges Kind mitbekommen, daß sie trinkt.

    Selber habe ich co-abhängiges Verhalten erlernt. Das geschieht automatisch, denn als Kind kann man sich nicht von den Bezugspersonen abgrenzen. Man verinnerlicht, was einem vorgelebt wird.

    Vor allem, wenn keiner mit einem darüber redet...


    Ich selber bin keine Alkoholikerin geworden, habe aber eine Eßsucht ausgebildet.

    Außerdem bin ich wie von Zauberhand immer in Beziehungen mit Süchtigen gelandet, mit diversen Süchten in diversen Stadien der "Trockenlegung" dieser Süchte...

    Seit Jahren lebe ich alleine, weil ich keinen Bock mehr auf den Mist habe. Die "guten" Männers scheinen alle vergeben zu sein und die anderen rauchen, saufen, gamen, kaufen, glotzen............... usw. usw.


    Für dich fühlt sich das aktuell vielleicht an, wie der Versuch der Quadratur des Kreises. Es allen recht machen, alle Entwicklungen vorhersehen wollen, sich für die Befindlichkeiten aller verantwortlich fühlen........

    Funktioniert nicht. Ist auch nicht dein Job.

    Eigentlich ist es ganz einfach.

    Du fühlst dich da nicht mehr zuhause.

    Dich stört es.

    Da geht der Weg lang.

    Hey, vielleicht findet ihr eine schöne Wohnung, ein schönes Haus, und plötzlich atmet ihr auf und fragt euch, warum ihr nicht schon viel früher ausgezogen seid.

    LG, Linde

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Liebe Linde,


    ich danke dir wirklich sehr für deine klaren Worte. Solange wir als Eltern gute Vorbilder bleiben, wird den Kindern schon nichts geschehen muss ich mir immer wieder anhören, sogar von meinem Mann. Aber selbst der hat mich heute vor meinen Eltern verteidigt und sich mal auf meine Seite gestellt. Eine traurige Mama ist aber auch sicherlich nicht gut für meine Jungs. Mit dem Großen rede ich offen und ehrlich. Mit den kleinen aber nicht. Ich bin aber sicher so wie du auch sagst, dass sie das alles schon mitbekommen und wenn es nur die Spannungen sind. Ich hab schon so oft nach einem neuen Zuhause gesucht, aber wieder einen Rückschritt gemacht. Jetzt läuft die Zeit ab. Vielleicht bekommt sie die Erleuchtung in ihrem Urlaub. Wir werden auf jeden Fall zeitnah einen Termin mit der Bank machen um unseren Spielraum abzuklären. Es ist sehr schade, dass dein Lebensweg so verlaufen ist. Bleib zuversichtlich, dass der Richtige schon auf dich wartet.

    Ganz liebe Grüsse

  • Hallo Sporty,

    Deine Mutter hat Null Leidensdruck.

    Bisschen was versprechen reicht immer noch aus....und dann aber wieder hoch die Tassen!

    Im Urlaub die Erleuchtung kriegen?

    Im Urlaub habe ich immer gesoffen. Und wohl auch mehr als sonst, weil ich ja auspennen konnte und keine großen Pflichten hatte.

    Nö, da passiert nix.


    Und die Peinlichkeiten, die man im Suff veranstaltet...verwachsen sich auch wieder.

    Ihr spielt seit vielen Jahren alle mit, und wenn DU nichts änderst daran, geht das auch noch viele Jahre so weiter.

    Wahrscheinlich, bis sie sich totgesoffen hat. Oder Beide, denn der Vater trinkt ja auch.


    Du findest gerade viele Ausreden, warum ihr doch nicht gehen könnt.

    Legst es Dir auch so zurecht, das es passt, das ihr doch bleiben müsst.

    Na dann geht es eben weiter so.

    Ich denke allerdings, das Deine eigene Lebensqualität schon enorm drunter leidet.

    Ich fände den Preis viel zu hoch, würde lieber nach einer schönen Wohnung Ausschau halten oder was finanziell so drin wäre...

    und dann würde ich gehen.

    Denn mir wird niemand die vergurkten Jahre wieder geben können...aber die Zukunft kann ich selbst gestalten.

    Bleibt ihr, dann findet Euch mit dem Gesaufe der Eltern halt ab, und gut isses.

    Du/Ihr entscheidet selbst über Euer Leben.

    Leider hängen auch Kinder mit dran, die dem allem auch ausgesetzt sind...und das macht mich immer todtraurig.

    Wenn nicht mal die eigenen Kinder wichtig genug sind, um dem Budenzauber ein Ende zu setzen, na dann Gute Nacht! ?(


    LG Sunshine

  • Liebe Sunshine,


    Du hast schon recht. Eigentlich suche ich nur nach einer Legitimation zum Ausziehen. Verstehe mich bitte nicht falsch ich bin hier tatsächlich die Einzige, die das so sieht wie du. Alle spielen es hier herunter außer mir. Daher kommen meine Selbstzweifel. Mein Vater trinkt immer erst zum Abend und zieht sich dann mit meiner Mutter zurück. Mir ist selbst lange nicht aufgefallen, dass er ebenfalls Alkoholiker ist. Ich will meine Kinder auf jeden Fall beschützen. Ich war bisher aber der Meinung, dass ein Wohnungswechsel und der Verlust der Grosseltern ( ich schätze meine Eltern so ein, dass sie keinen Kontakt mehr zu uns haben wollen) auch nicht gut wären. Ich suche schon wieder nach Ausreden, erwischt. Daher wirklich Danke für die klare Ansage.

    LG

    Sporty

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