• Mein Mann ist noch für 6 Wochen auf LZT, der Weg bis dahin war lang und schwer. Gespickt von Selbstzweifeln, Vertrauensbrüchen und Ängsten, Selbstbetrug und Oscarreife, schauspielerische Leistungen von uns beiden an den Rest der Welt. Ich liebte meinen Mann aufrichtig und von ganzem Herzen, er ist ein sehr herzlicher, hilfsbereiter und gütiger Mensch. Zum Alkohol griff er wenn etwas schief gelaufen war oder wenn etwas höchst Erfreuliches passierte- also immer wenn es sehr emotional wurde...Durch gesundheitliche Probleme, die sich anbahnten aber nicht berücksichtigt wurden, auf mich wurde leider nicht gehört, kam der 1.Herzinfarkt und 2 Bandscheibenvorfälle...Langzeitkrank, Verlust des Selbstbewusstsein, Selbstmitleid, Existenzangst, Alkohol, Alkohol, Alkohol!!!!

    Soooo oft versuchte ich ihm Mut zu machen- gemeinsam sind wir stark, es gibt immer einen Weg usw, usw. Er hat nicht mitgemacht, oder konnte es nicht mehr...? Ich wollte mit ihm zur Suchtberatung, Psychologen- er schafft das alleine, meinte er. Die Lügen wurden mehr, ich war alleine...so oft

    Es ist viel in mir kaputt gegangen und ich weiß nicht ob die Gefühle die ich noch habe ausreichen für den Erhalt unserer Ehe. Ich merke wie gut es mir tut, dass ich mich nur mal auf mich konzentrieten kann. Ich weiß, dass ich diese furchtbare Zeit seines Trinkens NICHT nochmal durchleben will...ich weiß nicht ob ich es schaffen kann nochmal Vertrauen zu fassen. Aber ich will es versuchen, doch ich werde mich nicht mehr verbiegen :!:

  • Guten Morgen ESMI,

    Herzlich willkommen hier bei uns.

    Es ist gut, dass Du so entschlossen bist, etwas zu verändern. Du bist jetzt allein, kannst Dich auf Dicv allein konzentrieren und merkst, wie schön und befreiend das sein kann und das ist auch gut so.

    Es ist viel passiert. Ob er trocken bleibt, weißt Du nicht. Und selbst wenn, kann es sein, dass Du viel passiert ist. Auch das ist möglich und gibt es nicht selten.

    Wichtig ist, dass Du Deinen Weg findest, der Dich glücklich macht.

    Wenn Du Dich hier gern regelmäßig austauschen möchtest, kannst Du Dich für den offenen Bereich bewerben. Ich sende Dir mal den link.

    LG Cadda

    https://alkoholiker-forum.de/bewerben/

  • Hallo nochmal,

    ich habe Dich für den offenen Bereich freigeschaltet und Dein Thema direkt dorthin verschoben. Hier geht es für Dich nun weiter :)

    Wie ist es denn konkret? Weiß Dein Partner, dass Du die Zweifel hast, ob es trotz eventueller Nüchternheit mit Euch weitergeht?

    LG Cadda

  • Vielen Dank für die Freischaltung!!

    Mit dieser Frage hast Du mich voll erwischt.

    Ich habe meinem Mann nichts von meinen Zweifeln erzählt, weil ich mir manchmal meiner selbst nicht sicher bin....

    Ich höre zu wenn er von seiner LZT erzählt, ich hinterfrage und ermutige und ab und zu sage ich, dass er in erster Linie ALLES für SICH-nicht für UNS machen muss....es ist soviel passiert, diese vielen dunklen Täler und schwarzen Gedanken....irgendwann, hat man auch keine Tränen mehr und ist soooo leer.

    ABER wir wissen ja, dass Alkoholismus eine Krankheit ist....mein Mann hat sich ihr gestellt, er spricht nun über seine Gefühle!!!!! Das ist so unglaublich!!! Er fühlt sich seit er drüber offen reden kann befreit und dadurch motiviert

    Wie kann ich dann von meinen Zweifeln sprechen. Das bringe ich nicht übers Herz.

    Morgen ist Angehörigenseminar, vielleicht spreche ich da mein Problem an

    Am liebsten würde ich es herausschreien, mich mal so richtig auskotzen, vielleicht könnte ich dann wieder weinen und fühlte mich besser....ich bin ein großer Befürworter von Gesprächen. Sie sind das A und O im Zwischenmenschlichen...doch ich halte mich zurück weil ich nicht weiß ob ich es darf. Auf der anderen Seite merk ich aber, dass es raus will.....

  • Ich höre zu wenn er von seiner LZT erzählt, ich hinterfrage und ermutige und ab und zu sage ich, dass er in erster Linie ALLES für SICH-nicht für UNS machen muss....

    Aber genau so ist es ja auch.


    Alles Andere wird die Zeit dann zeigen. Gefühle verändern sich durch Umstände. Ich finde es verständlich aus Deiner Sicht gesehen.

  • hallo Esmi,

    Morgen ist Angehörigenseminar, vielleicht spreche ich da mein Problem an

    dafür ist ein solches Angehörigenseminar da.

    Als mein Mann zur LZT war, kam auch meine Tochter mit zum Angehörigenseminar. Wir konnten da vieles los werden, vieles war für meinen Mann nicht leicht, aber sein Therapeut war dabei. Wir fanden es für uns wichtig, das wir in der Ich - Form blieben, und meinen Mann nicht mit Vorwürfen zugeschüttet haben.

    Wenn ihr im Gespräch darauf kommen solltet, bleib bei dir, deinen Erfahrungen und auch Verletzungen, erzähle wie es dir gegangen ist.

    Vielleicht kannst du dir Stichpunkte aufschreiben, die dir wichtig sind.


    lg Morgenrot

    Wer nicht hofft, wird nie dem Unverhofften begegnen. ( Julio Cortazar )

  • Es geht darum, dass du bei dir bleibst, also nicht, „…du hast mir dieses oder jenes angetan…“, sondern, „…ich bin verletzt, wütend, traurig…“.

    Ist in der GFK ( Gewaltfreie Kommunikation ) ein wichtiger Baustein und heißt „ICH-Botschaft“

    P.S.: Ich hoffe, es ist okay, wenn ich da etwas zu sage ?

  • ähm, du bist nicht zufällig meine Frau? Jedenfalls ergeht es ihr mit mir offensichtlich exakt so wie dir mit deinem Mann. Ich habe ihr sofort zum Beginn unserer Beziehung gesagt, dass ich alkoholabhängig bin, wusste damals aber nicht, dass es immer noch eine Steigerung in Sachen Sucht gibt. Ich hätte es natürlich wissen müssen. Und so quält sie sich seit 17 Jahren von einem Rückfall, von einer Lüge, von einer verlogenen Selbsterkenntnis und von einem nicht auch nur im Ansatz erfüllten Versprechen zum Nächsten. Sie sagt, sie ist verheiratet und absolut allein und einsam. Ich bin gerade bei meinem X-ten Versuch, wirklich für immer abstinent zu sein, habe meiner Frau aber empfohlen, dass wir uns ihr zu liebe trennen sollten. Sie will es nicht und das ist fast schon übermenschlich kraftvoll. Natürlich haben wir auch das Thema suchtförderndes Verhalten (oder eben wie so oft genannt Co-Abhängigkeit) besprochen und sie ist auch nach Ansicht meines Therapeuten gut davon entfernt. Aber es fällt mir schwer, ihr noch einigermaßen aufrichtig in die Augen schauen zu können. Jetzt bin ich seit unglaublichen (zwinker) 18 Tagen nüchtern und festen Willens, es diesmal für den Rest meines Lebens zu schaffen. Mit allem, was dazu gehört. Meine Frau sagt, zu Recht, schauen wir mal. Was will ich damit sagen? Never trust a junkie und gehe auf maximale Distanz, wenn eine Trennung (noch) nicht in Betracht kommt. Zeige immer die kalte Schulter. Gebe ihm zu verstehen, dass es ganz locker ohne ihn geht. Lass dich auf keine Diskussionen oder Unterhaltungen zum Thema Sucht ein, weil, es ist nicht dein Thema. Wenn er es schafft, dann merkt er es von alleine. Wenn nicht, dann ist es halt vorbei. So jedenfalls die Aussage meiner Frau. Keine einfache Entscheidung, aber irgendwann alternativlos, leider oder vielmehr richtig. LG

  • ähm, du bist nicht zufällig meine Frau?

    Dann wären zumindest nun alle Dinge offen angesprochen ;)

    Also ich denke aber, dass es nicht so ganz vergleichbar ist, denn so wie ich ESMI verstanden habe, sind ihre Gefühle und Zweifel, ob die Beziehung noch zu retten, unabhängig davon, ob ihr Partner es nun schafft mit dem Trinken aufzuhören oder nicht.

    Oftmals ist in Beziehungen ja auch im Vorwege schon so viel kaputt gegangen, dass die Gefühle und somit die Beziehung so sehr darunter gelitten hat, dass es leider zu spät ist oder auch aus noch anderen Gründen nicht mehr zu retten.

    Manchmal ist es sogar so, dass Co-Abhängige diese "Aufgabe" zu retten benötigen und dann - wenn der Partner trocken wird - selbst eine Leere fühlen. Klingt merkwürdig, aber auch das gibt es.

    Was nicht heißen soll, dass das hier der Fall ist. Manchmal ist es einfach auch "nur" das, was alles im Vorwege passiert ist.

    LG Cadda

  • Hallo Brettman,

    was für ein Name.....woher?

    ESMI bedeutet----> Einen Scheiß Muss Ich....tolles Buch, handelt von auferlegten Zwängen und wie man sich davon befreien kann...in der Theorie alles soooo einfach....

    Nein, ich bin nicht Deine Frau

    Ich denk mal, dass sich die Gefühlswelten der suchtkranken Partner sehr ähneln, machen wir doch so ziemlich das Gleiche durch- Hin und Her , Auf und Ab, Hoffnung, Enttäuschung, Hilflosigkeit, Wut, Trauer uvm.

    Man schaut zu wie der geliebte Partner verfällt. So schmerzlich.... ;(

    Ich glaube, dass ich einen Fehler gemacht habe, zu lange zugeschaut habe und es somit passiert ist, dass soviel in mir kaputt gegangen ist, vielleicht wäre es für meinen Mann auch besser gewesen, HÄTTE ich früher STOP gesagt.....da ist sooooo viel was mich abgehalten hat- eigentlich die ganze Palette durch-Angst vor'm Alleinsein, ich bin schon alt, bin 60 geworden, habe meinen ersten Mann durch einen Unfall verloren und stand mit meinen, damals noch kleine Jungs, ALLEINE da. Das war eine sehr harte Zeit, die mir a er zeigte, wieviel Kraft man entwickeln kann, WENN man MUSS....Ich wollte aber nicht mehr müssen. So viele Gedanken, Erlebnisse und Gegebenheiten die eine große Rolle spielen bei so schweren, weitreichenden Entscheidungen. Ich bin lange Karussell gefahren. Ich habe noch 2 Familienmitglieder die meiner Meinung nach Suchtkrank sind und habe das auch angesprochen....es tut mir leid, dass ich hier so rumheule, doch es tut mal gut. Dauert alles schon so lange. Ich habe mich dazu entschlossen zu leben, es ist nur sehr schwer das durchzuziehen wenn man die Menschen die man liebt nicht mitnehmen kann. Das holt mich immer wieder ein.

    Ich erkläre mich meinen Lieben ohne Vorwürfe, nur mit den Ausführungen wie es mir geht und was ich fühle, was ich WILL und was NICHT. Das ist nicht das erste Mal aber das letzte Mal.Der Rest wird sich zeigen. Ich habe Angst aber ich weiß, dass ich kaputt gehe wenn ich es nicht mache. ?(

  • … Brettman entstammt aus dem Tim Burton Film "Batman". Wer bist du? Ich bin Batman und daraus wurde dann Brettman. So einfach, so vielleicht nicht witzig.

    Du heulst nicht rum, sondern entlastest dich von negativen Emotionen. Richtig und wichtig. Das Erlebte mit abhängigen Partnern ist auch kaum in vernünftige Worte zu fassen. Insbesondere die Ängste in Verbindung mit der sich stets nicht erfüllenden Hoffnung sind immer wiederkehrende Gedanken, die das eigene Leben blockieren; nein, zum Teil sogar lahmlegen. Es darf nicht sein, dass die Sucht eines anderen einen solchen Einfluss auf das eigene Wirken ausübt. Der Süchtige ist der ultimative Egoist. Und das darf auch keine Erkenntnis des Süchtigen sein (wie jetzt hier in meinem Fall), sondern muss von dir als Bettoffene verinnerlicht werden.

    Ich finanziere unser gemeinsames Leben und könnte behaupten, dass meine Frau ein stückweit finanziell von mir abhängig ist. Ich würde ihr aber auch nach einer Trennung weiterhin alles zur Verfügung stellen. Sie kann das Haus, die Autos, die Einrichtung, das Geld und alles haben. Das wäre das letzte Stück Ehre, was ich vielleicht noch verspüre. Sie hat aber Angst, dass ich mich dann erst recht totsaufe, aber das muss nicht ihr Problem sein, weil ich auch mit ihr auf dem besten Weg genau dorthin war. Die Sucht greift einfach umfassend durch.

    Was will ich damit sagen? Wenn es gute Gründe gibt, die Beziehung (und damit meine ich nicht die Ehe, sondern die Liebe) zu retten, dann nur noch nach deinen Regeln. Keine Kompromisse, keine Ängste, keine Alternativen. Wenn das für eine Zeit X gut geht, dann findet man vielleicht/hoffentlich wieder (gemeinsam) Zueinander und küsst sich wie frisch verliebte Teenager. Aber nur ohne aktive Sucht. Denn das ist die Atombombe eines menschlichen Lebens und zerstört insofern einfach alles. Vertrau mir, ich bin süchtig. LG

    PS: Ansonsten musst du natürlich einen Scheiß😂

  • Hallo ESMI

    ich mag deinen Namen 😁

    Vielleicht ist das Gespräch genau der richtige Zeitpunkt. Ihr seid nicht allein, er in einem geschützten Rahmen, wo er im Anschluss seine Gedanken oder Gefühle mit jemandem teilen kann. Auch wenn Suchtdruck auftritt.

    Das nur mal als Gedanke von mir.

    Ansonsten wünsche ich dir für das Gespräch morgen viel Kraft.

    Lieben Gruß

    Hope

  • Danke Hope, ich dachte aber zuerst auch an irgendwas mit Hoffnung....war aber so gar nicht in "zarter" Stimmung.....

    Hoffe sehr, dass ich morgen meine Klappe aufkrieg, die richtigen Worte finde und mich "wohlfühle". Hier kann ich schreiben, ist etwas leichter für mich. Es ist absolutes Neuland und ich fange jetzt erst wieder an meinen Empfindungen wieder Glauben zu schenken.....

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