Berliner - Vorstellung

  • Mein Ziel ist es, dass sie ihr Alkoholproblem endlich als das erkennt, was es ist

    Tja, mit diesem Ziel mühen sich hier viele Cos Jahre um Jahre vergeblich ab.

    Ich fürchte ein realistisches Ziel wäre, dass DU selbst erkennst, "was es ist". Nämlich vermutlich hoffnungslos, solange sie weiter trinken will. Bei manchen gibt es eine winzige kleine Chance, wenn der Partner sich trennt. Bei vielen nicht. Jedenfalls kann ich mir nicht vorstellen, dass jemand trocken geredet werden kann.

    Was hat dich denn damals selbst überzeugt aufzuhören?

  • Was hat dich denn damals selbst überzeugt aufzuhören?

    Ich wusste natürlich, dass ich Alkoholiker bin. So viel Intellekt hatte ich schon. Was mich wahnsinnig gemacht hat in den klaren Momenten, war der Kontrollverlust. Und eines Morgens habe ich beschlossen, dass es vorbei ist. Rückblickend muss ich allerdings sagen, dass kein Entzug psychisch so belastend war wie der vom Alk. Rückblickend muss ich allerdings auch sagen, dass das völlig verrückt gewesen ist, dass ohne ärztliche Begleitung zu machen.

  • Ich kenne eure Haltung dazu weitestgehend, aber ich möchte mal wissen, wie ihr als Co das zur Sprache bringt oder gebracht habt

    Warum holt sich die Co hier im Forum Hilfe? Weil Reden allein nichts bringt. Das Thema anzusprechen ändert am Verhalten nichts. Ich gehe davon aus, dass deine Partnerin längst weiß, dass sein Trinkverhalten nicht normal ist. Das kennst du ja selbst nur zu gut.

    Die entscheidende Frage ist also. Warum glaubst du, dass es bei ihr anders laufen sollte? Sucht folgt immer demselben Muster. Nur weil es diesmal deine Partnerin ist, gelten keine anderen Regeln.

    Auch wenn es eher unwahrscheinlich ist, geht es nur, indem man klare Ansagen macht, Änderungen einfordert, einen Zeitpunkt festlegt, Konsequenzen benennt und diese auch durchzieht, wenn nichts passiert.

    Jedes Nachgeben ist ein Freibrief zum Weitermachen. Wer aber schon tief in der Sucht drinsteckt, reagiert nicht auf Zureden, Bitten oder Hoffen, sondern muss selbst an den Punkt kommen.

    Alles andere ist ein endloser Kreislauf ,immer gleich, immer wieder.

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Tja, mit diesem Ziel mühen sich hier viele Cos Jahre um Jahre vergeblich ab.

    Sie das erkennen zu lassen, kann schon ein Ziel sein, das sich erreichen lässt. Indem du Konsequenzen ziehst, diese umsetzst, Drohungen wahr machst usw. Nur das Ziel, sie aus der Sucht zu holen, das klappt vermutlich nicht.

  • Hallo Berliner, jeder, welcher sich mit dem Thema Alkoholsucht auskennt, also auch wir beide, als bekennende trockene Alkoholiker, weis doch, das bei einem Alkoholiker mit Druck oder gutgemeinten Worten, sogut wie nie etwas zu erreichen ist. Auf klare Ansagen von dir, müssen auch Konsequenzen folgen. Ohne Krankheitseinsicht des/der Betroffenen wird das nichts. Gruß Bono

  • Hi zusammen,

    ohne verallgemeinern zu wollen: Gibt es eigentlich Unterschiede des Alkoholismus bei Männern und Frauen? Gemessen an den sozialen Normen, an gesellschaftlicher Akzeptanz vom Alkohol im Allgemeinen und an den unterschiedlichen durchschnittlichen physiologischen Grundlagen müsste es doch schon Unterschiede geben.

    Oder ist das zu verkopft? Ich bin ein bisschen irritiert, dass sich hier im Co-Forum so viel mehr Frauen als Männer befinden. Mir ist bekannt, dass es wohl mehr Männer als Frauen unter den Alkoholiker:innen gibt, aber das Missverhältnis kann doch SO groß nicht sein, oder?

    Woher kommt das? Habt ihr eine Idee?

    Liebe Grüße vom Berliner

  • So wie ich es im Kopf habe, gibt es statistisch etwa doppelt so viele süchtige Männer wie Frauen, die Dunkelziffer einmal außen vor gelassen. Frauen holen sich dagegen mehr Hilfe, wenn es um Co‑Abhängigkeit geht.

    Männer deutlich weniger, da schlagen die alten Rollenbilder durch: stark sein, nicht über Gefühle reden, bloß keine Schwäche zeigen. Am Ende bleibt das Gefühl der Machtlosigkeit, die eigene Frau „nicht im Griff zu haben“, und genau das wird lieber verschwiegen und im stillen Kämmerlein ausgemacht.

    Schau dir die Alkoholiker an, wie lange sie allein herumdoktern, bevor sie sich hier melden und da sind sie nach meiner Erfahrung schon ziemlich weit unten. Im Gegensatz dazu melden sich hier Frauen bereits, wenn sie nur den Verdacht haben, ob ihr Trinkverhalten mit einer Flasche Wein pro Woche schon Alkoholismus bedeutet.

    Um es etwas überspitzt zu formulieren. Männer kommen erst, wenn sie fast am Boden liegen, Frauen schon, wenn sie den Schatten sehen.

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Hallo Berliner.

    Ich sehe das genauso. Ein mit mir befreundeter Psychiater hat mir das mal als für jede Sucht und viele psychische Erkrankungen symptomatisch beschrieben. In seinem klinischen Alltag außerhalb des forensischen Bereuchs (d.h. wenn Patienten freiwillig Hilfe beanspruchen) seien Frauen immer überrepräsentiert, auch wenn sich das nicht mit den tatsächlichen Fallzahlen decke. Der Grund hierfür sei darin zu suchen, dass Frauen eher um Hilfe bitten als es das männliche Ego und Selbstbild erlaube. Aber genau das hat ja auch Hartmut beschrieben…

    Bestimmt gibt es dafür auch andere Faktoren, denn nichts ist monokausal, aber da müsstest Du einen Fachmann fragen.

  • Verstehen hilft mir immer. Je mehr Details, je tiefer das Verständnis, desto besser ...

    Letztendlich kannst du noch so viel Verstehen. Habe ich auch versucht. Das, was ich am Ende verstanden habe, war, dass ich für mich und meine Kinder verantwortlich bin und rein gar nichts ändern kann. Dass mein Ex-Mann trocken werden soll, war mein Wunsch, aber nicht seiner. Er hat in den 2 Jahren seit der Trennung auch immer noch nicht seinen Tiefpunkt erreicht. Jammert (über seine Einsamkeit) und unternimmt irgendwelche halbherzigen Versuche, um mir zwischendurch zu erzählen, dass er ja weniger trinke. Mich tangiert das persönlich recht wenig, aber ich finde es für die Kinder schwierig.

  • zwischendurch zu erzählen, dass er ja weniger trinke. Mich tangiert das persönlich recht wenig, aber ich finde es für die Kinder schwierig.

    Die Kinder sind immer die Leidtragenden.Sie können sich leider nicht wehren und leiden.Das Schlimmste ist, wenn die Kinder als Druckmittel gegen den Partner/Partnerin missbraucht werden.

    Du hast es richtig gemacht und räumliche Distanz zum nassen Vater/Partner geschaffen. Sein Verhalten ist, wie du es beschreibst, typisches Alkoholikerverhalten. Ohne ernsthafte Krankheitseinsicht wird sich bei ihm nichts ändern.

    Die Trennung ist der beste Schutz für deine Kinder. Sie werden es verstehen, wenn sie erwachsen werden.

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