pisces - Mein Freund hat ein Alkoholproblem

  • Hallo ihr Lieben,

    Ich habe seit Ende November einen neuen Partner. Angefangen zu Daten haben wir uns im Oktober aber es wurde recht schnell offiziell. Ich bin 25 und er ist 20. Hätte niemals gedacht, dass ich mich mal auf einen jüngeren einlasse aber es passt einfach…Davor war ich 3 Jahre Single, hatte eigentlich die Schnauze voll von Männern, hatte immer nur paar Dates, hier und da mal bisschen Sex aber ich wollte mich nur auf mich konzentrieren, doch dann kam er.
    Kennengelernt hab ich ihn auf einem Geburtstag von ner Freundin Anfang letzten Jahres. Da war er allerdings noch in einer Beziehung, tatsächlich hab ich aber da schon gemerkt dass die Chemie irgendwie da ist. Fand ihn da schon seeeehr anziehend, er ist auch total mein Typ, hätte ihn auch nicht auf so jung geschätzt sondern eher mein Alter.

    Wiedergesehen hab ich ihn dann im Oktober als wir mit gemeinsamen Freunden unterwegs waren. Single war er da auch schon wieder länger und wir haben uns sofort wieder extrem gut verstanden, sind den Abend auch im Bett gelandet und dachten beide es wird nur was einmaliges aber tatsächlich sind wir irgendwie aneinander kleben geblieben. Er trägt mich auf Händen. Er redet nicht nur, er zeigt es mir jeden Tag. Ich hab noch nie so viel Spaß mit einem Mann gehabt. Ich fühle mich mit ihm zu Hause. Er macht wirklich alles für mich, wir haben den selben Humor, den gleichen Sexdrive, er ist offen in seiner Kommunikation, kann über Gefühle reden und gibt mir so viel Liebe, dass ich manchmal gar nicht glauben kann dass er das ernst meint. Er hat eine Ausbildung, ist fleißig, geht jeden Tag arbeiten…alles super. Wäre da nicht sein Alkoholkonsum.

    Sein Vater ist trockener Alkoholiker. Er ist jetzt seit 2 Jahren trocken, nachdem ihm gesagt wurde wenn er jetzt nicht aufhört zu trinken wird er sterben. Leberzirrhose. Erst dann hielt er auf, hat seine Sucht allerdings verlagert und kifft nun "nur" noch. Und er ist auch noch jung. 46. Habe Fotos gesehen von ihm als er jung war. Bildhübscher Mann, wie sein Sohn. Ich hab ihn schon kennengelernt und er sieht komplett anders aus. Schrecklich. Viel älter als er eigentlich ist, aufgedunsen…mein Freund hat zu seiner Mutter sehr schlechten Kontakt. Die sind geschieden, als mein Freund 14 war ist er zu seiner Oma gezogen weil es zu Hause nicht mehr ging. Mittlerweile lebt er alleine.

    Seine ganze Familie väterlicherseits trinkt auch gerne und viel. Er ist so aufgewachsen dass Alkohol was normales ist. Er weiß aber, dass auch er ein Problem hat. Er war schon mal bei einer Beratungsstelle, ein Mal. Danach nie wieder. Außerdem hat er keine Unterstützung von seiner Familie. Da die selber alle trinken. Seine Oma auch. Das sind alles wirklich nette und ordentliche Leute aber der Alkoholkonsum ist immens, was ich an Weihnachten und auch an Silvester mitbekommen habe. Ich selber kenne es aus meiner Kindheit nicht. Klar mal Bier und Wein bei Feiern aber nicht in dem Ausmaß.

    Der Konsum von meinem Freund ist schon täglich würde ich sagen. Auch unter der Woche. Er sagt mir auch immer wenn er was trinkt. Feierabendbier ist Standard. Er wohnt fußläufig zu einer Kneipe, da ist er meistens immer…3 min Fußweg. Mit Glück bleibt es bei 2 Bier, er hat mich aber auch schon oft besoffen nachts unter der Woche angerufen und das obwohl er morgens um 7 auf der Arbeit sein muss. Was er dann auch macht. Er geht arbeiten, aber mit Restalkohol dann. Wenn er bei mir ist, trinkt er nicht und da braucht er es auch nicht. Wir waren schon öfter zusammen feiern und auch da hält es sich in Grenzen aber ich denke er reißt sich für mich zusammen. Alleine verliert er aber komplett die Kontrolle und ich fühle mich schon total verantwortlich für ihn und mache mir IMMER sorgen wenn ich weiß er macht alleine was.
    An seiner Weihnachtsfeier von der Firma zum Beispiel die Ende November war hat er mich auch nachts angerufen und ich hab ihn kaum mehr verstanden. Es waren minusgrade und er hat mir irgendwie mitteilen können dass er seine Schlüssel verloren hat und nicht mehr in seine Wohnung kommt. Hab ihm dann ein Taxi bestellt was ihn dann zu mir gefahren hat. Stellt euch mal vor, ich wäre nicht rangegangen….der war so arschvoll, er wär erfroren wenn er irgendwo eingepennt wäre.
    Am Donnerstagabend lag er besoffen in meinem Bett und schlief seit 22 Uhr. Er hatte die Woche Urlaub gehabt und eigentlich waren wir nicht verabredet weil ich auch viel um die Ohren hatte.

    Um 18 Uhr am Donnerstag hat er mich angerufen und da hab ich schon gehört dass er voll ist und er meinte er geht noch kurz auf ein Bier in die Bar bei ihm ums Eck. Da hab ich schon die Krise gekriegt und meinte er soll nach Hause gehen….um halb 8 schrieb mir n Pärchen mit dem wir befreundet sind, dass sie ihn besoffen in der Bar aufgegabelt haben, die waren auch grad in der Stadt und sind dran vorbei gelaufen und haben ihn da sitzen sehen…ich hab gesagt sie sollen ihn zu mir fahren. Haben sie auch gemacht, und er war komplett im Eimer. Ich musste ihn ausziehen weil er das selber nicht mehr konnte. Ihr denkt euch wahrscheinlich warum ich das mitmache und wieso ich ihn nicht schon längst abgeschossen habe, aber er ist so ein Herzensmensch 😞 Wenn er betrunken ist, ist er genauso liebevoll zu mir wie nüchtern. Wäre er irgendwie aggressiv oder laut, wär das ja was ganz anderes….

    Ich würde ihm so gerne helfen. Er ist noch so jung und hat einen Charakter aus Gold. Wirklich. Aber ich merke wie ich mir das schönrede. Ich hab das Gefühl er braucht einfach jemanden der ihm Halt gibt weil er den so sonst nicht hat. Wahrscheinlich bin ich schon auf dem Weg Co-Abhängig zu werden. Ich weiß auch nicht. Es ist alles noch so frisch aber ich hab mich noch nie mit einem Menschen so wohl gefühlt 😞 hat jemand Erfahrungen oder einen Ratschlag?

  • Hallo Pisces,

    mein Ratschlag?

    Trenne dich, bevor du dich noch tiefer rein verstrickst. Schon nach 4 Wochen (!) ist klar, daß Alkohol in seinem Leben einen riesigen Stellenwert hat.

    Du hast hier einen Roman über ihn geschrieben. Merkst du, wie wenig du bei dir bist und wie sehr du nur noch um seinen Konsum kreist? So gehts auch Frauen, die 20 Jahre an der Seite ihres Alkoholikers dahin vegetieren...

    Es ist so traurig. Herzensmensch hin oder her, aber Beziehung sollte doch anders sein, nicht wahr?

    Du wirst hier keine Tipps bekommen, wie du ihn zum Aufhören bewegen oder sonst wie helfen kannst. Denn wenn ein Mensch trinken will, dann wird ihn nichts und niemand davon abhalten.

    Du kannst aber lernen dich abzugrenzen und dich selber wieder in den Mittelpunkt zu stellen.

    Bitte klicke als nächstes diesen Link an, schreibe einen Satz, danach schalten wir dich fürs Forum frei.

    https://alkoholiker-forum.de/bewerben/

    Viele liebe Grüße, Linde

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Du bist jetzt für die offenen Bereiche freigeschaltet, Pisces.

    Und Du kannst überall schreiben, jedoch bitte nicht die ersten 4 Wochen bei den neuen Teilnehmern im Vorstellungsbereich. (Erkennbar an den orangeroten Namen)

    Ich wünsche Dir einen guten und hilfreichen Austausch.

    LG Elly

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    Mancher wird erst mutig, wenn er keinen anderen Ausweg mehr sieht.

    - Trocken seit 06.01.2013 -

  • Hallo Pisces,

    Ich hab dich gelesen und du hast mich soo sehr an mich erinnert, als ich meinen Mann damals kennen lernte.

    Dein Text hätte eins zu eins von mir sein können.

    Bei uns ging anfangs auch alles so schnell, und obwohl wir beide eigentlich nichts ernstes wollten klebten wir vom 1. Tag an aneinander, ich wurde auch auf Händen getragen und mit Liebe überschüttet wie ich es nie zuvor erlebt hatte. Es passte einfach alles. Bis auf den Alkohol, damals hatte ich auch schnell das Gefühl, das er ein Alkohol Problem hatte.

    Aber ich hab es immer wieder beiseite geschoben, denn alles andere war ja so schön.

    Das war es sogar recht lange, 6 Jahre lang. Aber alkohol war immer Thema, aber die guten Seiten und Zeiten uberwogen noch deutlich. Nur wurde das problem leider in den letzten Jahren größer, so groß, dass ich mir eingestehen musste, dass er nicht "nur ein alkoholproblem" hat (inzwischen weiß ich gar nicht mehr was das überhaupt bedeuten soll..) sondern tatsächlich süchtig war, und alle Unterstützung und liebe die ich ihm schenken wollte gar nichts daran ändern konnte. Das mit Rest Alkohol arbeiten etc, was ich auch kannte funktionierte irgendwann nicht mehr, und sein ganzes Wesen veränderte sich. Von meinem aufmerksamen, liebevollem Mann ging einiges verloren.

    Nach jeder einzelnen Alkohol Eskapade, nach jedem Streit über Alkohol, jeder Diskussion, jeder blöden Situation, dachte ich mir: ich würde das ja alles gar nicht mit machen, wenn nicht auch x und y wäre.

    Anfangs waren x und y die schönen Zeiten, das Vertrauen und die Liebe zwischen uns,...

    Später dann, als das nur noch Erinnerungen am eine längst vergangene Zeit waren, war x und y für mich gemeinsame Verantwortung, finanzielle Abhängigkeit, die kinder,..

    Wir haben geheiratet und 2 Kinder bekommen, das Jahr in dem meine 2. Tochter geboren wurde war meine persönliche Hölle. Und ich bin noch fast 1 Jahr unter für mich inzwischen schrecklichen Bedingungen geblieben. Ich machte mir solche Sorgen um ihn, dass ich mein eigenes Leid, und das meiner Kinder, kaum wahrnehmen konnte.

    Erst nachdem ich mich getrennt habe, ausgezogen bin und Abstand gewonnen habe, habe ich gemerkt wie sehr ich eigentlich am Ende war.

    Das ist viel von mir erzählt, dein Text war für mich wie eine Zeitreise in die Vergangenheit.

    Ihr seid noch nicht sehr lange zusammen, wenn du dich hier durch liest merkst du sicher schnell, wie sehr sich die Geschichten ähneln. Das lesen könnte für dich wie eine Zeitreise in die Zukunft sein, jenachdem wie du dich entscheidest.

    Wieso fühlst du dich eigentlich so verantwortlich für ihn? Auch wenn er noch jung ist, ihr seid erst seit kurzem zusammen, vorher kam er doch in solchen situationen auch irgendwie zurecht? Ich habe spät erst gelernt wie fatal es sein kann einem Alkoholiker das saufen bequem zu machen

  • Hallo Pisces,

    was glaubst du, wie viele (vor allem) Frauen, den gleichen Text hier schreiben wie du.

    Besonders fallen mir bei fast allen folgende Aussagen auf:

    "Er ist ja eigentlich so toll, er ist mein Seelenverwandter, nüchtern ist er der liebste Mensch, er ist so ein toller Vater für unser Kind, er hat den besten Charakter und er ist der liebevollste Partner den man sich wünschen kann."

    Wenn ich an meine Trinkerzeit zurückdenke, ich war das damals für meine Partner auch. Ich habe diese Worte tatsächlich sehr oft zu hören bekommen von meinen Freunden. Ich war ja sooo verständnisvoll für alles und sooo lieb etc. ICH war die Seelenverwandte. Aber das war damals nicht ich. Das war mein nasses Ich, welches nicht alleine sein wollte, welche es den Partnern recht machen um ja nicht alleine zu sein. Je länger wir zusammen waren, desto schlimmer wurde ich dann zu meinen Partnern, aber das war dann damit begründet, dass sie mir irgendwann das Saufen madig machen wollten.

    Ich sage nicht, dass dein Partner genauso ist. Aber es ist schon auffällig, dass die Aussagen der Co-Abhängigen sich in Bezug auf den Charakter ihres Alkoholikers so ähneln. Und das macht es für die Co´s auch so schwer sich zu trennen.

    Weil er ja nüchtern so toll ist.

    Aber du wirst ihn eben nur nüchtern nicht bekommen, so lange er das selber nicht möchte. Es gibt ihn nur als Alkoholiker. Und diese Seiten an ihm klingen für mich sehr anstrengend. Und das wird nicht besser, sondern noch schlimmer. Auch für dich. Denn du wirst emotional mit ihm unter gehen.

    Ich würde dir lieber was angenehmeres schreiben. Aber so etwas kannst du hier leider immer wieder lesen. Besser und gesünder wäre es für dich, wenn du ihn in Liebe gehen lässt und ihm die Verantwortung für sein Leben zurück gibst. Im Moment übernimmst du nämlich leider ganz viel davon.

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