Bergdohle - Fliege, mein Vogel

  • Hallo erstmal und Danke für dieses Forum. Ich bin 58 Jahre alt und vor ca.7 Jahren habe ich gemerkt, dass mein Mann ein Alkonholproblem hat. Aufgewachsen in einer Familie in der Alkohol überhaupt keine Rolle gespielt hat, habe ich das Problem lange nicht erkannt und sein Verhalten als Anzeichen für Burn-Out, Depression oder chronische Erschöpfung gedeutet, da er zu dem Zeitpunkt schon durch seine Arbeit ziemlich am Limit war. Man hat ihn in der Arbeit wirklich ausgepresst. Wenn ich so zurückdenke extistiert das Alkohol-Problem wohl schon länger, aber ich habe die Zeichen nicht erkannt. Ich habe alles am Anfang falsch gemacht, was man wohl so als Co-Abhängiger macht: Alkoholkontrolle, Heulen, Bitten, Drohen (ohne Konsequenzen natürlich), Drama (Selbstverletzung) und auch immer wieder an Selbstmord gedacht, da ich nicht wusste was da geschah und einfach nur unglücklich war und dachte, dass muss ich nun für den Rest meines Lebens aushalten. Anmerkung: Mein Mann ist nicht gewalttätig. Ich lese schon länger in diesem Forum und hab viele Erkenntnisse gewonnen. Dinge erscheinen glasklar....bei anderen. Nur wenn ich auf meine Situation blicke, dann ist der Blick verschwommen und es stellen sich mir Fragen über Fragen....und ich hoffe hier Antworten und Erklärungen zu finden, da hier in diesem Forum ja alle vertreten sind...von Co's und nassen und trockenen Alkoholikern. Ich will mich gleich vorweg entschuldigen dafür, dass ich keine prompte Antworterin bin......bitte nicht böse sein. Ich habe entweder keine Zeit im Forum zu sein oder will auch einfach gerade mit niemanden in irgendeiner Form kommunizieren. Bin jemand, der sich gerne in sich selbst verkriecht, wenn es ihm schlecht geht.

  • hallo bergdohle

    schön das du den mut gefunden hast dich anzumelden. und hier muß auch niemand irgend ein limit erfüllen. gut im geschützten bereich erwarten wir da schon das da mal alle paar wochen ein piep kommt, aber ansonsten ist es dein ding wie schnell und auf was du antwortest. du bist ja für dich selbst hier. du willst einen ausweg aus deinem dilemma finden. und wie schnell du da was umsetzt liegt ja einzig bei dir selbst.

    da du ja schon fleißig mitliest hast du sicher schon ne ahnung wie es hier zugeht. ich wünsch dir nen guten austausch, von mir wirst du eher weniger hören, ich bin alki und co ist nicht so meine welt. außer das wir, wenn es um alk geht nicht richtig ticken haben wir ja doch andere probleme zu lösen. aber man liest sich-

    Alkohol ist ein prima lösungsmittel es löst familien arbeitsverhältnisse freundeskreise und hirnzellen auf.
    trocken seit 18.10.2001

  • Willkommen bei uns im Forum,

    Bin ein bisserl überfordert wie das jetzt weitergeht

    Das bekommen wir hin ;)

    Nun ähneln sich viele Geschichten und ich bin mir sicher, dass du nach der Freischaltung auch die Hilfe bekommst, die du suchst. Dazu schicke ich dir mal einen Link, drauf drücken und kurz um Freischaltung bitten und der nächste freie Moderator wird dich an die richtige Stelle verschieben.

    https://alkoholiker-forum.de/bewerben/

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Nun bist du freigeschaltet und an die richtige Stelle verschoben worden, sodass du dich überall austauschen kannst. Bitte schreibe jedoch in den ersten vier Wochen nicht im Vorstellungsbereich.

    Ich wünsche dir einen hilfreichen Austausch.

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Danke für die Freischaltung. Mein Titel lautet Fragen über Fragen, weil ich viele habe. Ich verstehe z.B. viele meiner Handlungsweisen nicht und denke oft ich bin doch total krank im Kopf. Ist das normal immer so zwischen extremen Gefühlen zu schwanken als Co? Ist mein Mann mal paar Tage weg (bei seinen Eltern), wie vor kurzem, dann genieße ich erst die Ruhe und dann bekomme ich langsam Panik...Panik davor, dass er nicht mehr wiederkommt. Und kaum ist er wieder da und steht schwankend vor mir (eindeutig angetrunken), dann merke ich, wie ich psychisch auf Talfahrt gehe und auch körperlich fängt es mir an schlecht zu gehen (Übelkeit, Magen zieht sich zusammen). ..und ich denke mir: Nix wie weg vom dem Mann. Warum nur kann ich das nicht durchziehen? In solchen Momenten verachte ich mich selber und denke mir: Wie erbärmlich ich doch bin. Und oft fühle ich mich auch schlecht wegen meiner Gedanken. Mein Mann und ich kennen uns seit 30 Jahren, davon 26 verheiratet (2 erwachsene Söhne) und wir hatten viele gute Jahre....bis ich vor 6 Jahren realisiert habe, dass er ein Alkoholproblem hat. Und nun denke ich so Gedanken wie " Nix wie weg von dem Mann"...der Mann, dem ich viele gute und schöne Jahre zu verdanken habe. Für den die Familie immer das Wichtigste war...so wichtig, dass er seine Probleme im Job mit sich selbst ausgemacht hat und zur Beruhigung angefangen hat zu trinken. Und dann habe ich oft das Gefühl ich habe nicht das Recht zu gehen, auch wenn sich meine Gefühle in den letzten Jahren zu ihm sehr verändert haben. Ich fühle mich undankbar und egoistisch. Ich habe ihn schon oft gebeten das Problem professionell anzugehen und er will dann immer von mir wissen, ob es noch eine gemeinsame Zukunft für uns gibt. Und das kann ich ihm beim besten Willen nicht sagen, weil ich es nicht weiß, nach allem, was so vorgefallen ist. Und somit schließt sich der Kreis und er sieht keinen Grund etwas zu ändern und ich habe das Gefühl es ist meine Schuld.

  • Hallo Bergdohle,

    ein herzliches Willkommen auch von mir. Gut, dass du dich hier gemeldet hast.

    ich habe das Gefühl es ist meine Schuld.

    Nein, es ist nicht deine Schuld. Du hast keine Schuld am Trinken deines Mannes.

    Du hast im letzten Beitrag den Kreislauf des Coabhängigen sehr gut beschrieben, ich habe mich damals gefühlt, als jonglierte ich auf rohen Eiern. Immer alles recht machen zu wollen, nur keine Gründe fürs Trinken setzen. Das zermürbt, und kann auch bei den Angehörigen zu vielerlei Symptomen führen.

    Und dann habe ich oft das Gefühl ich habe nicht das Recht zu gehen, auch wenn sich meine Gefühle in den letzten Jahren zu ihm sehr verändert haben. Ich fühle mich undankbar und egoistisch.

    Dein Mann trinkt, dir geht es damit schlecht, dass sind gute Gründe um an dich zu denken, und dir darüber klar zu werden, was du für dich willst. Wir als Angehörige wissen dass oft nicht mehr, weil wir es verlernt haben, auf uns zu schauen.


    lg Morgenrot

    Wer nicht hofft, wird nie dem Unverhofften begegnen. ( Julio Cortazar )

  • der Mann, dem ich viele gute und schöne Jahre zu verdanken habe. Für den die Familie imm

    Ja so waren auch lange Zeit meine Gedanken , auch ich bin lange verheiratet, habe erwachsene Kinder. Durch das lesen hier im Forum, durch besuchen einer selbsthilfegruppedurfte ich viel lernen. Es wurde mir bewußt welch großen Anteil ,fast der größte an die gute und schöne Jahre mir zu verdanken war. Bei uns war der Alkohol auch erst am Schluß als die Kinder schon außer Haus wohnten das Problem .

    Ich hatte kein Selbstwertgefühl,sehr wenig Selbstliebe ,ich wurde so erzogen nur für andere da zu sein. Das wird mir hier durch das lesen so vieler geschichten bewußt,habe schon vielmehr Liebe für mich und auch das Selbstwertgefühl steigt. Beim lesen hier merke ich auch wo ich doch noch coabhängig reagiere weil ich geliebt sein will ,bin aber auch dankbar schon viele Schritte gegangen zu sein.

  • Hallo Bergdohle,

    In solchen Momenten verachte ich mich selber und denke mir: Wie erbärmlich ich doch bin.

    Und oft fühle ich mich auch schlecht wegen meiner Gedanken.

    Ich kenne es ja ähnlich, aus meiner ersten Ehe. Aber inzwischen weiß ich, dass Verachtung für einen selbst das falsche Gefühl ist. Na klar, erstmal widerspricht es dem eigenen Wertegefühl. Verachtung ist ja schon eine heftige, starke Emotion. Und dass du, ich damals, sowas für uns selbst fühlen reißt uns nochmal tiefer in die Wertlosigkeit und Hilflosigkeit.

    In deiner Situation hast du Gefühle, die mal so und mal so sind. Das ist " normal" in Suchtbeziehungen. Oft wird es vom Abhängigen auch herausgefordert, da werden Versprechungen gemacht, die aufgrund der Abhängigkeitserkrankung nicht eingehalten werden können. Da werden dir deine Wahrnehmungen abgesprochen. All sowas.

    Irgendwann ist dein Leben an der Seite des Partners nur noch eine Art Verpflichtung, selbst wenn er früher fürsorglich war, immer da war, kann er es nicht mehr sein. Die Sucht verhindert das. Und dass die Sucht das verhindert kann nur der Abhängige selbst stoppen. Das ist ja das Ding. Da ist eine Erkrankung, die stillstehen kann wenn der Betroffene dafür sorgt und bereit ist.

    Das muss aus ihm selbst kommen, niemand kann ihn zwingen. Und dann ist es auch das gute Recht des Partners zu sagen, sooo möchte ich das nicht mehr. Es passt nicht mehr. Wir hatten zusammen gute Zeiten aber es hat sich geändert. Und es besteht erstmal keine Aussicht, dass es besser wird.

    Also ziehe ich als Coabhängige die Konsequenz daraus, mich zu lösen weil ich eine andere Vorstellung davon habe, wie mein Leben weitergeht. Und das ist mein gutes Recht. Er nimmt sich sein Recht auf seinen Rausch, mal so gesagt, ich nehme mir mein Recht, da rauszugehen. Denn das Zusammenleben ist keine Lebensfreude, keine Bereicherung, kein Nehmen und Geben mehr.

    Ich hab mich nach 26 Jahren getrennt. Das war schwer und es ging nicht innerhalb von 2 Wochen. Aber es war das Beste. Denn meine Gesundheit hatte schon ziemlich gelitten. Hab Mut, du darfst das auch.

    Liebe Grüße Aurora

    Glücklichsein ist eine Entscheidung

  • Hey danke für all die positiven und mutmachenden Rückmeldungen. Ich bin so froh, dass man hier versteht wovon ich rede. Ich habe eine ganz liebe Freundin (sie hat mir sogar ihren Hausschlüssel gegeben, so das ich jederzeit in ihr Haus kann, wenn ich mal Ruhe brauche vor dem Wahnsinn zu Hause) und sie sagt immer " Trenn dich doch endlich". Sie versteht einfach nicht in was für einem seltsamen Geflecht aus Gefühlen und Handlungsmustern man als Co gefangen ist und dass das alles nicht so einfach ist. Deswegen bin ich sehr dankbar dafür hier sein zu können. Ich habe vieles in diesem Forum schon durchs Lesen gelernt. Nämlich, dass ich mir nicht etwas einbilde, sondern mittlerweise weiß ich, dass mein Mann Alkohoiker ist. Und ich habe gelernt, dass das Wichtigste ist, sich einfach mal auf den Weg zu machen, egal wie klein die Schritte sind. Meine persönlichen kleinen Schritte sind Grenzen setzen, die mir wichtig sind. Jetzt hätte wieder eine Frage (eine von vielen): Mein Mann wirft mir in regelmäßigen Abständen vor, dass ich einen Freund habe (eine der Grenzen war auch, dass ich keinen Sex mehr mit ihm wollte und getrennte Schlafzimmer durchgesetzt habe). Am Anfang habe ich mich heftigst gegen diesen "Freund" Vorwurf verteidigt und das Ganze ist immer in einem riesen Streit eskaliert mit Beleidigungen seitens meines Mannes unter der Gürtellinie. Mittlerweile reagiere ich darauf nicht mehr oder sage nur "wenn Du meinst". Ich habe und hatte übrigens keinen Freund! Warum nur kommt das immer wieder aufs Tapet? Glaubt er das wirklich oder will er nur eine Reaktion provozieren? Ich will das einfach einordnen können. Hat da jemand schon eine ähnliche Erfahrung gemacht?

  • Äh Aurora...eigentlich wollte ich nur den folgenden Text von Dir zitieren und darauf antworten: "Ich hab mich nach 26 Jahren getrennt. Das war schwer und es ging nicht innerhalb von 2 Wochen". Aber irgendwie hab ich da was falsch gemacht....sorry. Kapier noch nicht, wie das mit dem Zitieren geht.

    Zu Deinem Text: Respekt...Trennung nach 26 Jahren. Ich empfinde nach, wie schwer das gewesen sein muss.

  • Hallo Bergdohle,

    ich hab's mal geändert.

    Wenn du was zitieren möchtest musst du markieren, was im Zitat stehen soll. Dann erscheint " Zirat speichern/ Zitat einfügen". Du klickst " Zitat speichern" an und unten am rechten Rand siehst du ein blaues Kästchen " Ein Zitat". Wenn du da draufgehst öffnet sich ein neues Fenster mit dem Text, den du zitieren willst.

    Wenn es nur ein Zitat ist dann " alle Zitate einfügen". Hast du mehrere dann machst du an das gewünschte ein Häkchen und " markierte einfügen"..

    Ich hoffe, es ist verständlich, ich bin nicht so gut im Erklären.

    Ja, es war schwer mich zu trennen. Aber das, was ich alles erlebt hatte war noch viel schwerer...

    Liebe Grüße Aurora

    Glücklichsein ist eine Entscheidung

  • Hallo Bergdohle,

    Mein Mann wirft mir in regelmäßigen Abständen vor, dass ich einen Freund habe (eine der Grenzen war auch, dass ich keinen Sex mehr mit ihm wollte und getrennte Schlafzimmer durchgesetzt habe). Am Anfang habe ich mich heftigst gegen diesen "Freund" Vorwurf verteidigt und das Ganze ist immer in einem riesen Streit eskaliert mit Beleidigungen seitens meines Mannes unter der Gürtellinie. Mittlerweile reagiere ich darauf nicht mehr oder sage nur "wenn Du meinst".

    könnte 1:1 von mir sein. Ichhabe mich auch zuerst verteidigt, nur hat es bei mir nicht lange angehalten. Es war mir irgendwann einfach zu blöd, jedesmal wieder darauf zu antworten. Ich wußte, dass ich keinen Freund habe, also brauche ich mich nicht ständig wiederholen.


    lg Morgenrot

    Wer nicht hofft, wird nie dem Unverhofften begegnen. ( Julio Cortazar )

  • Hab es schon wieder nicht geschafft zu zitieren. Deshalb schreibe ich jetzt so. Die Antwort von Morgenrot gefällt mir: "Ich wußte, dass ich keinen Freund habe, also brauche ich mich nicht ständig wiederholen."

    Das ist taff und richtig! Das werde ich mir merken, danke.

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