Sonnenblume1972 - Gefangen in Hilflosigkeit

  • Hallo zusammen,

    ich habe nun endlich (an)erkannt, dass mein Mann Alkoholiker ist.

    Ich habe den Gedanken lange verdrängt, hatte ich doch die Hoffnung, dass es nicht so ist. Ich weiss, dass ich ihn zu keiner Therapie drängen kann (mein Ex war übrigens spielsüchtig) und ich habe auch schon Erfahrung mit Co-Abhängigkeit. Trotz der Erfahrung mit meinem Ex fühle ich mich aktuell in Hilflosigkeit gefangen. Seit Tagen habe ich das Gefühl, dass mir ein Stein im Magen liegt (Freitag war der letzte Vorfall) und mir ist kotzübel. Wir waren Freitag für 16.00 Uhr zum Spaziergang mit unseren Hunden verabredet, er kam dann erst um 18.00 Uhr, natürlich ohne mir zu sagen, dass es "später" wird und er war ziemlich betrunken. Ich war natürlich sauer, hab ihn darauf angesprochen, er hat eigentlich so gut wie keine Reaktion gezeigt. Ich hatte den Eindruck, dass es ihm egal ist, was ich denke... Wars in dem Zustand wohl auch.

    Gestern hab ich nochmal versucht, mit ihm drüber zu sprechen, hab gefragt, was war denn Freitag los, dass es so spät geworden ist. Daraufhin hat er mich angelogen (er ist ein sehr schlechter Lügner), meinte, er musste noch die Autos umsetzen und der xy... wäre da gewesen. Der war aber mittags schon da, weil er mir das mittags schon erzählt hatte, als wir uns zum Spaziergang verabredet haben.

    Mein Mann ist selbständig und trinkt tagsüber. Er fängt schon morgens an. Meistens kommt er angetrunken nach Hause, manchmal mehr, manchmal weniger. Aber nüchtern ist er eigentlich nie. Bei mir ist es dann wie ein Zwang, ihn zu fragen, wieviel er getrunken hat. Natürlich werde ich dann angelogen. Ich weiss derzeit nicht, wie ich mit ihm umgehen soll, wenn er angetrunken nach Hause kommt.

    Ich lese davon, dass man klare Grenzen setzen soll, dass man offen kommunizieren soll, aber ich weiss (im Moment) nicht, wie ich das umsetzen kann. Vielleicht hat ja der ein oder andere einen Tip für mich, wie ich mich verhalten soll/kann, wenn er angetrunken nach Hause kommt. Soll ich ihm aus dem Weg geben? Soll ich ihm sagen, dass ich in seinem jetzigen Zustand keine Zeit mit ihm verbringen möchte? Ich weiss, dass es keine "Anleitung im Umgang mit Alkoholikern" gibt, aber vielleicht hat ja der ein oder andere einen Tip für mich, wie ich lernen kann, mit diesen Situationen besser umzugehen und nicht noch weiter in die Co-Abhängigkeit zu rutschen. Wie alle Angehörigen hier wünsche ich mir natürlich, dass er seine Sucht anerkennt und etwas dagegen tut. Davon sind wir aber noch meilenweit entfernt.


    Liebe Grüße

    Sonnenblume1972

  • Hallo und willkommen Sonnenblume1972,

    diese Hilflosigkeit habe ich mit meinem ersten Mann auch kennengelernt. Hilflosigkeit, Machtlosigkeit. Das sind zwei der vielen Gefühle in Beziehungen mit Abhängigen.

    In unserer Online-Selbsthilfegruppe kannst du dich austauschen und sortieren und daraus einen Weg für dich finden. Für die Freischaltung klick einfach hier:

    https://alkoholiker-forum.de/bewerben/

    und schreib noch kurz etwas dazu. Danach findest du dann dein Thema im Bereich für Angehörige und Coabhängige wieder.

    Ach und übrigens habe ich den Namen, den du geschrieben hattest, editiert. Es ist wichtig, so anonym wie möglich zu schreiben. Und Klarnamen sind ungünstig dabei. Denn es kann das ganze www mitlesen.

    Liebe Grüße Aurora

    Glücklichsein ist eine Entscheidung

  • Hallo Sonnenblume1972

    hier geht es weiter, du kannst dich nun überall austauschen. Bitte nur die ersten 4 Wochen noch nicht im Vorstellungsbereich schreiben, du erkennst den Bereich daran, dass alle Namen in roter Schrift erscheinen.

    Ich wünsche dir einen guten Austausch.

    Liebe Grüße Aurora

    Glücklichsein ist eine Entscheidung

  • Hallo Sonnenblume1972!

    Herzlich willkommen hier ich bin auch eine Angehörige!

    Trotz der Erfahrung mit meinem Ex fühle ich mich aktuell in Hilflosigkeit gefangen.

    Ja das kann ich gut verstehen du bist hilflos ihm gegenüber denn wenn er nicht aufhören will bist du machtlos. Egal wie du dich verhältst, es wird sich nichts an seiner Trinkerei ändern. Die Sucht ist meistens stärker als alles was wir Angehörige unternehmen um den Partner vom Trinken abzuhalten.

    Meistens kommt er angetrunken nach Hause, manchmal mehr, manchmal weniger. Aber nüchtern ist er eigentlich nie. Bei mir ist es dann wie ein Zwang, ihn zu fragen, wieviel er getrunken hat.

    Wie du schon selber festgestellt hast lügt er dich eh bloß an und du ärgerst dich noch mehr. Flaschen zählen oder solche Fragen stellen führt noch mehr in die Co-Abhängigkeit rein weil irgendwann dreht sich alles nur noch um den Alkoholkonsum. Ich habe früher auch immer Diskussionen angefangen wenn er betrunken nach Hause kam aber das bringt überhaupt nichts.

    Soll ich ihm aus dem Weg geben? Soll ich ihm sagen, dass ich in seinem jetzigen Zustand keine Zeit mit ihm verbringen möchte?

    Du solltest etwas tun damit es dir besser geht, wenn du keine Lust hast mit ihm etwas zu unternehmen wenn er betrunken ist - dann mache das nicht. Du kannst ihm auch in ruhigen Ton sagen wie sehr es dich stört daß er so trinkt. Du kannst alleine etwas unternehmen was dir gefällt und gut tut.

    Aber leider leider kann man den Partner nicht dazu bringen aufzuhören wenn er nicht will und man sollte nichts androhen was man nicht durchsetzen kann. Er wird dich dann noch weniger ernst nehmen.

    Ich habe mich irgendwann getrennt, ich konnte nicht mehr, leider endet es oft so. Aber bevor man vor die Hunde geht sollte man sich an die erste Stelle setzen, du bist für dein Wohlbefinden zuständig und nicht für das Wohlbefinden deines Partners.

    LG Marie

    LG Marie

    Wer nichts ändern will für den ist die Opferrolle die beste Strategie!

  • Hallo Marie,

    danke! Ich werde heute (versuchen) etwas für mich zu tun, wenn er nachher betrunken nach Hause kommt.... Ich weiss, dass ich ihn nicht ändern kann. Es tut einfach nur weh. Aber das kennen hier sicherlich alle.... Ich überlege, ob ich ihm in nüchternem Zustand sagen soll, dass ich denke, dass er ein Alkoholiker ist....

  • Ich frage mich gerade, ob es sinnvoll ist, ihm in nüchternem Zustand zu sagen, dass er Alkoholiker ist. Er wird es natürlich verleugnen....

    Hallo Sonnenblume1972,
    ich melde mich bei dir als abstinenter Alkoholiker.
    Was erwartest du durch solch eine Aussage?
    Du weisst es und er wahrscheinlich auch. Zugeben wird er es nicht, dann müsste er sich ja mit den daraus folgenden Konsequenzen auseinandersetzen.
    Wenn er Alkoholiker ist, dann muss er trinken, weil er abhängig ist.
    Nur er kann sich helfen, wenn er zur Krankheitseinsicht gelangt. Dann kann er sich Hilfe suchen. Das ist seine Verantwortung .
    Erste Anlaufstelle ist sein Arzt.

    Du kannst für ihn gar nichts tun, da stimme ich Marie04 zu, aber du kannst etwas für dich tun.
    Deine Grenzen festlegen und setzen. Was bist du bereit zu tolerieren und was nicht, damit es dir gut geht, und was folgt daraus.
    Eines solltest du dabei wissen, in der Sucht gibt es nur eine Richtung und die zeigt nach unten,
    es wird über die Zeit wahrscheinlich schlimmer werden.

    Viele Grüsse

    Nayouk

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • nüchtern ist er eigentlich nie

    ob es sinnvoll ist, ihm in nüchternem Zustand zu sagen, dass er Alkoholiker ist.

    Hi Sonnenblume,

    ich komme von der Trinkerseite.

    So, wie das hier steht, hast Du ja erst mal ein technisches Problem. Er ist ja nie so nüchtern, das Du ihm das im nüchternen Zustand sagen kannst.

    Keiner hier kennt ihn. Nur Du.
    Es kann nach hinten losgehen, wenn Du ihm sagst, dass er Alkoholiker ist. Würde mich wundern, wenn er darüber begeistert wäre.
    Lässt er denn irgendwie erkennen, dass er, von sich aus und ohne Deinen Druck, aufhören will?

    Was Du nüchtern machen kannst, ist, ihm zu sagen, wie Du Dir die Beziehung vorstellst, und wie es Dir damit geht. Eventuell hat er aber andere Vorstellungen, auch nüchtern betrachtet. Vielleicht will er trinken und will das nicht mit Dir abmachen, kann sein. Vielleicht wartet er aber auch auf den ersehnten rettenden Tritt in den Allerwertesten, das ist aber eher seltener. Fingerspitzengefühl brauchst Du allemal, sonst blockt er gleich, sehr wahrscheinlich jedenfalls.
    Ja, und nichts androhen, was Du nicht tatsächlich machen kannst, steht hier ja schon, da wird alles, was Du sagst, nur zum Gerede, was er nicht erst nimmt.
    Und wenn Du Pech hast, nimmt er das nur zum Anlass, einen zu trinken, und dann schiebt er Dir noch die Schuld dafür zu. Damit musst Du rechnen.

    Weisst Du selbst, was Du willst? Und damit meine ich nicht irgendwelche Idealvorstellungen von ihm und Deiner Beziehung zu ihm, die Du mit einem aktiven Trinker nicht erreichen wirst, sondern, ob Du weisst, was Du mitmachen willst und kannst und ab wann Du nur noch unglücklich bist.

    LG LK

    Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.
    Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man es anschiebt.

    Aber das Gras wächst.
    Sei sparsam mit dem Düngen:mrgreen:

    4 Mal editiert, zuletzt von Lebenskuenstler (24. Februar 2025 um 20:18)

  • Vielleicht wartet er aber auch auf den ersehnten rettenden Tritt in den Allerwertesten, das ist aber eher seltener. Fingerspitzengefühl brauchst Du allemal, sonst blockt er gleich, sehr wahrscheinlich jedenfalls.

    Meine Gedanken zu den beiden Sätzen:

    Einem Alkoholiker den fehlenden Tritt zu geben sollte auf gar keinen Fall deine Aufgabe werden. Wie bereits erwähnt ist das nicht nur selten erfolgreich sondern auch nicht deine Baustelle. Das kann ganz schnell wieder in die Spirale "Hoffnung" führen.

    Und Fingerspitzengefühl kann man auch so interpretieren, dass DU dich, seine Reaktion antizipierend, verbiegst und auf Eierschalen gehst, um ihn nicht zu verärgern. Damit kann sich auch wieder der Fokus von deinen Gefühlen zu der Frage hin verschieben, wie er sich damit fühlt.

    Plane deine Konsequenzen, damit du nicht einknickst und ihm signalisierst "mit der kann man's machen, traut sich ja doch nicht" und äußere deine Bedürfnisse klar. Die Diagnose Alkoholiker soll sein Arzt oder er selbst stellen.

    Bei mir hat beides nicht funktioniert, weder wollte ich hören dass ich Alkoholiker bin und dass ich die Beziehung an die Wand gefahren habe, war mir erst klar als ich den Satz

    "Ich kann und will das nicht mehr, dein Alkoholkonsum stört mich unfassbar, ich trenne mich und ich möchte dass du ausziehst" von meiner Ex gehört habe.

    Mit mittlerweile nüchternen Blick war das die einzig richtige Entscheidung von ihr, ich wollte mir bis zur Krankheitseinsicht vor drei Jahren nicht helfen lassen.

    Du kannst einen anderen Menschen nicht ändern, sondern nur entscheiden, ob du weiterhin in dieser Situation bleiben willst.

  • Einem Alkoholiker den fehlenden Tritt zu geben sollte auf gar keinen Fall deine Aufgabe werden. Wie bereits erwähnt ist das nicht nur selten erfolgreich sondern auch nicht deine Baustelle. Das kann ganz schnell wieder in die Spirale "Hoffnung" führen.

    Und Fingerspitzengefühl kann man auch so interpretieren, dass DU dich, seine Reaktion antizipierend, verbiegst und auf Eierschalen gehst, um ihn nicht zu verärgern. Damit kann sich auch wieder der Fokus von deinen Gefühlen zu der Frage hin verschieben, wie er sich damit fühlt.

    Dazu noch was.

    Meine Frau hatte lange die Vorstellung, dass ich ihre Erwartungen an mich verstehe, ohne dass sie sie explizit formulieren muss.(so die Vorstellung, wenn man sich versteht, dann geht das auch wortlos)
    Heute verlange ich schon lange, dass sie sich klar ausdrückt, wenn sie etwas von mir will.

    Und dann kann ich Ja oder nein sagen.
    Umgekehrt übrigens auch.

    Auch wenn ich etwas sage, kann sie das völlig falsch verstehen, das ergibt sich oft erst durch Rückfrage.
    Wenn zwei Leute den gleichen Satz im gleichen Tonfall sagen, ist trotzdem noch nicht garantiert, dass sie auch dasselbe meinen, weil jeder jedes Wort mit einem anderen Background verstehen kann.

    Und es muss mit Fingerspitzengefühl passieren, beiderseits, weil es oft sonst vorwurfsvoll rüberkommt und das bringt so ziemlich gar nichts.

    LG LK

    Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.
    Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man es anschiebt.

    Aber das Gras wächst.
    Sei sparsam mit dem Düngen:mrgreen:

  • Ich überlege, ob ich ihm in nüchternem Zustand sagen soll, dass ich denke, dass er ein Alkoholiker ist....

    Hi Sonnenblume

    Das habe ich auch gemacht . Er hat mir voll zugestimmt das er Alkoholiker ist und das er dringend was ändern muss und das er absolut versteht das ich so keine Beziehung führen möchte…

    Dann ist er aufgestanden , hat seine Jacke angezogen und ist mit dem Fahrrad in die nächste Kneipe 🤷‍♀️

    Solche Gespräche haben fast wöchentlich statt gefunden .

    Als ich ihm dann irgendwann gesagt habe das ich ausziehe , fand er es sehr unfair, das ich ihm nie gesagt habe wie unglücklich ich bin…

    LG

    Zabou

  • Hallo Sonnenblume,

    ich kann mich da Zabou54 anschließen. Mein Mitbewohner gibt auch zu, dass er Alkoholiker ist, also wenn ich ihn frage. Er sagt dann immer, er muss nur versuchen weniger zu trinken, dann ist alles in Ordnung. Naja, stattdessen wird der Konsum immer mehr.

    Ich habe auch mit ihm darüber gesprochen, dass ich das so nicht für unsere Kinder will. Regelmäßig zeige ich ihm Wohnungsangebote, auf die ich mich bewerbe. Er nickt dann betrübt, um kurz darauf einen Einwand zu erheben, warum wir alle da nicht einziehen können. Bisher hat sein Trinkverhalten ja wenig Konsequenzen nach sich gezogen, also braucht man ja auch nichts ändern und die Frau macht nur leere Ansagen. Ich bin sicher wenn der Tag gekommen ist, an dem wir ausziehen, wird er auch aus allen Wolken fallen.

    Liebe Grüße,

    Wichtelmama

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