Wassermann12 - Co-Abhängig - ich bin so traurig

  • Hallo zusammen,

    Nachdem ich so lange meine Ängste mit mir selbst ausgemacht habe, muss ich neue Wege gehen. Eigentlich begleitet mir das Trinkverhalten meines Partner schon seit vielen Jahren.

    Wir sind seit knapp 10 Jahren zusammen. Er hat seit Jahrzehnten mit Panik und Ängsten zu kämpfen, die er (zuverlässig) mit Bier „bekämpft“. Es gab eine Phase, in der er sehr auf seine Gesundheit geachtet hat und mindestens ein halbes Jahr keinen Tropfen Alkohol getrunken hat. Das war die für ihn und uns schönste Zeit.

    Zusammengefasst ist es so, dass mein Partner teilselbständig ist und viel von zuhause aus arbeiten kann. Er hat eigentlich immer Existenzangst, auch wenn er extrem erfolgreich ist.

    Alle seine Ängste, Probleme, Konflikte betäubt er mit Alkohol. Dann beginnt er damit oft auch schon mittags und ist abends nach 5-10 Bier betrunken und ein anderer Mensch. Sehr von oben herab, gemein und beschimpft mich.

    Mein Partner ist sehr intelligent, will oder kann sich aber wirklich keinem Problem stellen. Es ist seit Anfang des Jahres keine Woche vergangen, in der er nicht 2-3 Mal deswegen betrunken war. Meistens passiert es, wenn ich arbeiten gehe (kann 3x die Woche im Homeoffice arbeiten. Der Ablauf ist dann immer der gleiche. Er ist nach den 2 Tagen immer sehr depressiv und hängt 2-3 Tage durch, dann sagt er immer, er will das nicht mehr und wir schaffen das schon… und dann beginnt es wieder von vorne.

    Ich kann das nicht mehr ertragen. Er nimmt es null ernst, wirft mir vor, ich würde ihn bestrafen wollen und kontrollieren.

    Ich habe unzählige Berichte, Videos und so weiter gelesen und gesehen. Ich bin wahrscheinlich voll drin in der co-Abhängigkeit. Ich kann es einfach nicht verstehen, warum er das macht. Mittlweile leben wir als Paar sehr isoliert. Ich ziehe mich auch von seiner Familie sehr zurück. Ich möchte ihm helfen und hoffe immer irgendwie, dass es bei ihm Klick macht.

    Ich weiß, man soll keine vorwürfe machen und Hilfe anbieten … aber wie soll das denn bitte funktionieren, wenn man in einem Haus wohnt? Es tut mir so unendlich weh, ihn ständig betrunken um mich zu haben.

    Wir streiten sehr viel deswegen und ich bin mir sicher, dass er mich nicht ernst nimmt und mich gleichzeitig als Feind sieht. Weil ich als einzige weiß, wie es wirklich ist und alle um ihn herum nichts merken oder merken wollen. Er schreibt an den betrunkenen Abenden dann die ganze Zeit nur mit seinen Kollegen…

    Irgendwie befürchte ich, dass ich einen Schritt weiter gehen muss. Aber für mich ändert sich dann alles und für ihn gar nichts. Ich bin zu ihm gezogen in sein Haus, weg von meiner Familie… Ich bin wirklich sehr einsam und vielleicht gibt es hier ja noch etwas Austausch oder Tipps.
    Vielen Dank für eure Zeit!

  • Hallo und willkommen bei uns in der Selbsthilfegruppe, Wassermann!

    Du schreibst, dass Du nicht verstehen kannst, warum Dein Partner das macht und immer wieder Alkohol trinkt. Er macht es, weil er alkoholsüchtig ist. Seine Sucht treibt ihn dazu, jeden Tag zum Alkohol zu greifen.

    Und es wird im Laufe der Zeit immer mehr werden und Du kannst, so bitter es ist, nichts dagegen tun.

    Entweder Du schaust weiter dem Treiben, dass er Dich u.a. sehr schlecht behandelt, oder Du ziehst Konsequenzen.

    Sobald eine zuständige Moderatorin online ist, wird sie sich um Dich kümmern.

    LG Elly

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    Mancher wird erst mutig, wenn er keinen anderen Ausweg mehr sieht.

    - Trocken seit 06.01.2013 -

  • hallo Wassermann,

    herzlich willkommen in unserer Selbsthilfegruppe.

    Leider ist es so, dass du deinem Partner nicht helfen kannst, bevor er keine Krankheitseinsicht hat. Davon scheint er noch weit entfernt. Das er nach deinen Einwürfen mit Vorwürfen reagiert, ist typisch bei nassen Alkoholikern. Es bewirkt beim Angehörigen, dass er sich immer wieder selbst hinterfragt und an seinen Wahrnehmungen zweifelt. Somit gewinnt er wieder Zeit zum trinken für sich.

    Mein Mann hat auch immer gedacht, es weiß niemand, das er trinkt. Als ich mich der Familie und engen Freunden anvertraut habe, wurde klar, dass es alle gewußt bzw. geahnt hatten. Es wollte mich nur keiner darauf ansprechen.

    Wenn du dich weiter austauschen möchtest, klicke unten auf den Link, schreibe noch einen kurzen Satz dazu, wir schalten dich dann für den Austausch frei.

    https://alkoholiker-forum.de/bewerben/

    lg Morgenrot

    Wer nicht hofft, wird nie dem Unverhofften begegnen. ( Julio Cortazar )

  • Hallo Morgenrot,

    Vielen Dank für die Antwort.

    Ja, ich weiß leider darum, die Einsicht hat er grundsätzlich, aber leider reicht das allein nicht. Wenn man sein Verhalten nicht wirklich ändern möchte, dann bleibt es beim Wunsch. Es tut mir wirklich verdammt weh, weil ich immer wieder hoffe, dass er jetzt wirklich gesund werden will. Und leider Kann er wirklich allen etwas vormachen. Immer nur genauso viel, dass er im Job noch gute Leistung bringt. Das ist eine kleine Welt für sich. Aber auch eine sehr einsame.

    Dass es einige aus der Familie oder dem Kollegenkreis merken, kann ich mir sehr gut vorstellen. Aber es sagt natürlich niemand was. Auch dass ich mich zurückziehe von seiner Familie scheint niemanden wirklich zu interessieren… oder auch da mag niemand was hinterfragen. Es ist schon erstaunlich, wie sehr man nach außen ein gutes Leben führen kann , obwohl man sich gerade gegenseitig verliert.
    Liebe Grüße

  • Du bist jetzt für die offenen Bereiche freigeschaltet, Wassermann12.

    Und Du kannst überall schreiben, jedoch bitte nicht die ersten 4 Wochen bei den neuen Teilnehmern im Vorstellungsbereich. (Erkennbar an den orangeroten Namen)

    Ich wünsche Dir einen guten und hilfreichen Austausch.

    LG Marie

    Wer nichts ändern will für den ist die Opferrolle die beste Strategie!

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