"Ich bin Alkoholiker/in" - korrekte, aber für viele schwierige Aussage?

  • Ich bin trocken , nicht, weil andere an mich glauben, sondern weil ich der Einzige bin, der damit leben muss. Mein Selbstwert hängt nicht an Gerüchten, Meinungen oder „Expertenanalysen“ aus der fünften Hand . Was draußen erzählt wird, ist stille Post mit moralischer Attitüde und dem Zeigefinger schon im Anschlag.

    Der Schwager erzählt, der Bruder habe behauptet, die Schwester sei in zweiter Generation alkoholabhängig gewesen und daraus wird konstruiert, dass ich nun benachteiligt bin. Ernsthaft? Und jetzt soll ich meine Entscheidungen und Risikominimierung auf Stammtischgeschwätz aufbauen? Und die "Lautsprecher", die beim Outing noch jubeln, sind die ersten, die beim Rückfall kommentieren.„Wusste ich’s doch – der kriegt das nie hin.“

    Und die ironie. Ich passe mich an, verbiege mich, versuche zu gefallen und genau dabei stolpere ich zurück ins Saufen. Bin ich wirklich so billig zu haben, dass ich mir die eigene Wahrheit von außen wegdefinieren lasse?

    Und mal ehrlich: Selbst der Dümmste merkt, wenn ich plötzlich keinen Alkohol mehr trinke, dass etwas im Gange ist. Hinter den Kulissen läuft das Geschwätz schon auf Hochtouren, während ich mir einrede, dass es niemand bemerkt. Altes nasses Denken in neuer trockener Verpackung: tarnen, täuschen, lächeln – damit niemand merkt, wie leise der Absturz beginnt.

    Und ist es das wert, mir einen anderen Anstrich zu geben und mich nicht als Alkoholiker zu betrachten? Selbst hier nicht? Oder mache ich mir mit den abenteuerlichen Umschreibungen wieder selbst etwas vor?

    Ich weiß nicht mehr, wem ich was schon erzählt habe. Ist auch egal. Denn wenn ich hier im Forum auftauche, dann nur aus einem Grund: Ehrlichkeit. Kein Theater, keine Maskerade, keine Ausrede. Ich bin Alkoholiker. Das ist mein Einstieg und kein Abgesang.

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • eine zum Himmel schreiende Scheinheiligkeit ist, versteht sich von selbst. Aber es ist tatsächlich so: Jemand, der zu viel trinkt, hat in meiner Branche im beruflichen bzw. geschäftlichen Umfeld nach außen hin einen schweren Stand. Dass intern ungeachtet dessen viele ein ganz massives Alkoholproblem

    Genau, da sehe ich den Knackpunkt.Scheinheiligkeit von großen Teilen der Bevölkerung. Was nützt es mir, wenn ich nach außen kommuniziere, ich bin krank, ich bin Alkoholiker und dann gerade deshalb im Beruf, dann doch strenger beurteilt werde oder die Krankheit sogar als Ausschlusskreterium herhalten muss.Stigma bleibt Stigma.Allerdings dürfte es zumindest hier im Forum kein Problem sein, zu bekennen "Ich bin Alkoholiker ". Als Eintrittskarte für das Forum völlig richtig und wichtig. Die Diskussionen, bin ich Alkoholiker oder doch nicht,oder liegt nur ein Missbrauch vor u.s.w.,ist ja nicht Sinn des Forums. Da sollten die Kandidaten doch noch ein paar harte Runden drehen, um zu begreifen, um was es überhaupt geht.

    Einmal editiert, zuletzt von Bono59 (16. Juli 2025 um 08:51)

  • Trotzdem ist es anfangs eben auch nicht ganz so einfach. Alkoholiker ja, ABER doch nicht so sehr, irgendwie anders als Andere. Eier Eier Eier. Dann braucht es "harte" Moderatoren,die ganz klar eine Ansage machen. Und die gibt's hier! Ich habe es wirklich am Anfang gehasst😡. Ich möchte jetzt keinen Namen nennen (H.....t).🙂 Es ist ein Erkenntnisprozess die Diagnose Alkoholiker für sich endgültig zu akzeptieren und zu begreifen, wie unwichtig die vorher konsumierte Menge ist. Ich habe hier erst gelernt, was den Begriff Alkoholiker definiert. Eben nicht die Menge, sondern Regelmäßigkeit etc.

    „Frei bin ich nicht, weil ich dem Alkohol entkomme – sondern weil ich mich selbst nicht mehr verliere.“

  • Das Wort "ich bin ein "Alkoholiker" wird hier nahezu "euphorisch" auf den Sockel gehoben. Jeder der das ausspricht, erhält einen Ritterschlag und ist drinnen in Forum. Ist zu verstehen für Frischlinge, denen zu Anfang die Augen geöffnet werden sollen, sich endlich so zu bezeichnen, um den Kampf mit dem Alkohol aufzunehmen und endlich ein absolut alkoholfreies Leben zu frühren.

    Für mich ist das Wort wie ein altes Krebsgeschwür, dass an mir haftet bis ich sterbe. Es ist festgetackert als Diagnose in meinen Entlassungsbriefen an erster Stelle.

    Zu jedem Facharzt, wohin ich auch gehe oder ob ich auf Kur fahre usw. , überall muss ich mich erklären. Ich muss, weill ich danach gefragt werde.

    Das macht nach so vielen Jahren Nüchternheit immer wieder großen Spass zu sagen, ja ich bin Alkoholikerin. Das könnt ihr mir glauben!

    Aber das ist mein Schicksal, dass hab ich mir selbst angetan und ich gebe niemandem die Schuld.

    Ich werde mich zu diesem Thema nicht mehr äußern. Meine Aussagen sind eh "fragwürdig", "nebulös" und nicht zu verstehen.

    Ich erwarte kein Verständnis und lese auch weiterhin mit und freu mich über jeden, der es schafft dabeizubleiben.

    Die Gruppe ist so wie sie ist. Das Wort ist Gesetz. Über den Gartenzaun wird leider sehr wenig geschaut.

  • Es tut mir leid, Disziplin , aber ich sehe das, was du schreibst, komplett anders. Und ich habe auch schon 18 Jahre Trockenheit auf dem Buckel.

    Hier wird nichts glorifiziert oder euphorisch auf einen Sockel gehoben. Dies ist ein Forum für Alkoholiker ein Ort, an dem wir offen und ehrlich über unsere Realität sprechen können. Wenn nicht hier, wo sonst?

    Und ja, jeder erlebt seinen Weg anders. Aber niemand wird gezwungen, eine bestimmte Sichtweise zu übernehmen. Du siehst die Dinge auf deine Weise das ist okay. Aber das bedeutet nicht, dass es für alle so ist. Deine Erfahrungen sind wichtig für deine eigene Nüchternheit das zweifle ich nicht an.

    Aber ich frage mich: Warum sollte ich mich immer wieder erklären müssen? Ich kenne das gar nicht. Das mache ich seit Jahren nicht mehr. Wenn ich zum Arzt gehe und offen mit meiner Sucht umgehe, steht alles bereits in den Akten. Ich muss mich nicht rechtfertigen – weder vor dem Arzt noch vor anderen.

    Vielleicht liegt es an einem selbst, wenn man glaubt, sich ständig erklären zu müssen. Aber ich bin nicht hier, um mich in jedem Gespräch zu verteidigen. Ich entscheide selbst, wann ich spreche – und wann ich jemanden dumm sterben lasse. Und wenn jemand meint, sich ein Bild von mir machen zu müssen, ohne wirklich hinzuschauen… dann bitte.

    Denn am Ende zählt nur meine Nüchternheit.

    Ich werde mich zu diesem Thema nicht mehr äußern. Meine Aussagen sind eh "fragwürdig", "nebulös" und nicht zu verstehen.

    Schade, gerade die unterschiedlichen Erfahrungen von Langzeittrockenheit machen es doch aus. Es greift dich keiner an, ich bin dir sogar dankbar, dass du dich kritisch äußerst und nicht dem Mainstream nachläufst.

    Ich möchte jetzt keinen Namen nennen (H.....t).

    Schick mir doch mal, wer das ist, ich würde ihn zur Mäßigung aufrufen.:whistling:

    Gruß Hartmut

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    Trocken seit 2007

  • hallo

    Hartmut sehe ich genauso und bei mir sind es jetzt auch 16 jahre.

    Hier wird nichts glorifiziert oder euphorisch auf einen Sockel gehoben. Dies ist ein Forum für Alkoholiker ein Ort, an dem wir offen und ehrlich über unsere Realität sprechen können. Wenn nicht hier, wo sonst?

    so siehts aus:thumbup: und wir reden hier auch nicht über irgendeinen "schnupfen", der dann mal nach ein paar tagen verschwunden ist (!) sondern über eine krankheit die so lebensbestimment ist, dass es uns in die knie gezwungen hat. von den menschen ganz zu schweigen die wir mitgerissen haben ob sie wollten oder nicht.und dann ist es zuviel, das kind beim namen zu nennen? man ist peinlich berührt über das was man ist und macht sich um gesellschaftliche akzeptanz nen kopf? echt jetzt? die gesellschaft hat noch ganz andere bezeichnung für das was wir sind (!) da hätten wir genügend zur auswahl:rolleyes:

  • Hartmut, du kannst es nicht verstehen. Ich weiss nicht, wie ich es dir erklären soll.

    Das Transplantationsthema als solches ist so kompliziert. Es gibt zu wenig Organe. Die Organe sind so was von rar. In der Sprechstunde sind transplantierte Leute und solche die auf eine Leber warten. Quittegelb und mit Wasser im Bauch. Und das nächste Mal fehlen sie, weil es keine Leber gab. Sie sind tot.

    Wenn man eine Leber als Alkoholiker bekommst, dass ist wie ein 6er im Lotto. Das haftet dir dann aber ein lebenlang an. Warum haben Sie die Leber bekommen, ach wegen Alkohol. Oh na da hatten sie ein ja Glück. Es schwingt immer ein Unterton mit, immer.

    Vorausgegangen ist bei mir eine Autoimmunerkrankung und der Alkohol hat mir den Rest gegeben. Ich hatte akutes Leberversagen innerhalb einer Woche. Wäre es nur der Alkohol gewesen, dann weiss ich nicht.

    Es liegt nicht an mir, mich ständig zu erklären. Ich muss, weil es oft notwenig ist. Ich muss Medikamente (Immunsupressiva) absetzen, wenn ich eine Zahnbehandlung habe , wenn ich eine Operation anliegt. Die Fragen sind da. Warum, wieso, weshalb. Da kann ich nicht sagen, dass geht Sie doch nichts an

  • Hallo Eternal, du musst mir nichts aufzeigen, wirklich. Ich hab die schlimmsten Folgen des Alkohols erlebt. Wie gesagt, ich war schon auf der anderen Seite. Und niemand weiss besser, dass es sich hier um "keinen Schnupfen" handelt als ich.

    Ich habe eine Meinung über bestimmte Dinge, die aus meiner jahrelangen Abstinenz und Erfahrung resultieren.

  • Hallo Eternal, du musst mir nichts aufzeigen, wirklich. Ich hab die schlimmsten Folgen des Alkohols erlebt. Wie gesagt, ich war schon auf der anderen Seite. Und niemand weiss besser, dass es sich hier um "keinen Schnupfen" handelt als ich.

    Ich habe eine Meinung über bestimmte Dinge, die aus meiner jahrelangen Abstinenz und Erfahrung resultieren.

    Ich weiss, aber hier lesen auch noch leute mit die noch ganz am anfang stehen;)

  • Hartmut, du kannst es nicht verstehen.

    Ob ich dich in allem nachvollziehen kann, ist das eine – aber ich muss auch nicht alles verstehen. Vielleicht haben wir das beide gleich? Denn worum es hier wirklich geht, ist doch, dass niemand so weit kommen muss, wie du es erleben musstest.

    Aber da ich bei meinem letzten Rückfall beinahe buchstäblich "das Licht am Ende des Tunnels" gesehen habe, kann ich zumindest ansatzweise nachvollziehen, was dich bewegt.

    Aber was genau hat das mit der Frage zu tun, ob man sich als Alkoholiker bezeichnen sollte?

    Und wenn es bei einer Lebertransplantation um ganz andere Vorgehensweisen geht, dann – so hart es klingt – bist du ein Einzelfall hier. Ich persönlich kenne weder einen Alkoholiker noch jemanden, der jemals eine neue Leber bekommen hat. Klar, es kann mit der Zeit nerven, aber ist das nicht ein Preis, den jemand bereit sein müsste zu zahlen?

    Und ist es nicht gerade dann sinnvoll, anderen offen aus eigenen Erfahrungen zu zeigen, wo die Fallstricke liegen, die unbemerkt zurück in die aktive Abhängigkeit führen können? Je offener ich mit meinem Alkoholismus umgehe, desto besser kann ich mich schützen und mein Rückfallrisiko minimieren. Offenheit ist keine Schwäche, sondern mein Schutzschild.

    Die weichgespülte Ehrlichkeit mag für manche angenehm sein, doch es ist die Holzhammermethode, die Treffsicherer ist – ob man sie mag oder nicht. Es geht auch nicht darum, sich ein Schild um den Hals zu hängen, sondern darum, ehrlich zu benennen, wo es notwendig ist oder wo ich gefährdet bin. Und wenn keine akute Gefahr besteht brauch ich es ja nicht.

    Das war der äußere Schutz, das eigentliche Problem beginnt damit, dass man sich dann selbst nicht als Alkoholiker anerkennen will. Innerlich läuft der Prozess weiter, still und heimlich, während man sich einredet. "Bei mir ist das anders. Ich bin nicht wie die anderen."

    Aber genau dieser Selbstbetrug ist gefährlich. Die Rückfallquote von über 95 % zeigt deutlich, dass es kein einfaches Thema ist, das man mit Rücksicht auf Befindlichkeiten schönreden kann.

    Alkoholismus ist komplex und echte Veränderung beginnt erst, wenn man sich ehrlich zu sich selbst bekennt.

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Disziplin

    "Da kann ich nicht sagen, dass geht Sie doch nichts an"

    Was spricht dagegen? Sicher, ich kenne die genaue Situation nicht und wie Du Dich mit Deinem Transplantat fühlst weiß ich auch nicht. Dem Zahnarzt kann es trotzdem "Bockwurst" sein, warum Du eine neue Leber bekommen hast.

    Du bist doch nicht schuldig, weil Du ein Spenderorgan bekommen hast. Die Verteilung obliegt bestimmt einer Kommission. Die werden schon wissen was sie machen.

    Vielleicht kannst Du dies ja näher erklären, wenn ich falsch liege bzw. etwas übersehe?

    Liebe Grüße René

    „Frei bin ich nicht, weil ich dem Alkohol entkomme – sondern weil ich mich selbst nicht mehr verliere.“

  • Jeder der das ausspricht, erhält einen Ritterschlag und ist drinnen in Forum. Ist zu verstehen für Frischlinge, denen zu Anfang die Augen geöffnet werden sollen, sich endlich so zu bezeichnen, um den Kampf mit dem Alkohol aufzunehmen und endlich ein absolut alkoholfreies Leben zu frühren.

    Diesen Ritterschlag gebe ich persönlich in Gedanken schon mal jedem, der hier ankommt und sagt: Ich bin Alkoholiker. Und das nicht, weil ihnen die Augen geöffnet werden sollen, sich endlich so zu bezeichnen. Das funktioniert nämlich nicht. Diese Erkenntnis muss jeder Alkoholiker für sich selbst haben, unabhängig der Forumsregel. Wie sonst will ich mich mit meiner Krankheit auseinandersetzen, wenn ich mich mit ihr nicht identifizieren kann. Alkoholsüchtig sind nun mal nur Alkoholiker. Und wir sind ein Alkoholiker-Forum.

    ‚Um den Kampf mit dem Alkohol aufzunehmen‘ …. funktioniert langfristig auch nicht. Niemand kann sein restliches Leben im Kampf verbringen. Die Alkoholsucht bleibt immer, gegen den Alkohol gibt es keinen Kampf zu gewinnen. Der Alkohol gewinnt immer.
    Aber lernen, mit meiner Sucht zu leben, das konnte ich mit Hilfe dieses Forums.


    Zum Thema:

    Hier ist es wichtig, sich offen und ehrlich dazu zu bekennen, Alkoholiker zu sein. Denn nur auf dieser Erkenntnis lässt sich ein nüchternen Leben aufbauen. Nur, wer Alkoholiker ist, muss wirklich den Rest seines Lebens abstinent leben, ohne Ausnahme. Jemand, der nur mal eben zu viel trinkt, kann einfach mal eben auch weniger trinken.

    Schonungslose Ehrlichkeit sich selbst gegenüber ist der erste Grundstein auf dem nüchternen Weg. Und wenn ich da schon rumeier, eiere ich doch früher oder später in den Rückfall, weil ich die Endgültigkeit meiner Alkoholsucht nicht erkannt habe …Oder sie nicht wahrhaben will ( oder kann).
    Die Alkoholsucht ist aber endgültig. Ich bin Alkoholiker….immer, bis zu meinem letzten Atemzug.


    ‚Draußen‘ finde ich es viel schwieriger zu sagen: Ich bin ein Alkoholiker. Ich bezweifle auch, dass dies meinem Selbstschutz dient. Für meinen Schutz bin ich in der Verantwortung. Niemand sonst.
    Klar kann ich bei Soßen oder Dessert zu meinem Schutz fragen, ob da Alkohol drin ist. Aber dann direkt zu erklären: Dann kann ich das nicht essen. Ich bin nämlich Alkoholiker… mache ich nicht, weil ich darin weder einen Nutzen für mich noch für mein Gegenüber sehe.

    Bei der Arbeit ist das für mich ein absolutes Tabu-Thema.
    Erstmal spreche ich bei der Arbeit überhaupt nicht über meine Krankheiten. Was geht die das denn an, was ich alles habe?
    Ich habe oft genug erlebt, wie jemand nach seiner Entgiftung und ggf. auch Therapie direkt in eine andere Abteilung versetzt wurde (ob er wollte oder nicht, war Wurscht). Auch dieses ‚Wie…der ist schon wieder krank? Der hat doch nicht etwas wieder zu tief ins Glas geguckt‘…Kopfschmerzen? Der wird doch nicht rückfällig geworden sein? …. Prämie? Nee, dem können wir keine geben, der hat schon zu oft wegen Saufen gefehlt….und wenn der jetzt noch rückfällig wird …. Das sind keine Einzelfälle. Ich war mal viele Jahre in der Personalabteilung, und es gab schon etliche Alkoholiker bei uns. Es wird immer geredet. Und jeder weiß mehr als der Betroffene selbst.
    Nee, brauche ich für mich nicht.

    Beim Arzt: Ganz klar ja. Einfach, weil Narkosemittel nicht so gut wirken und ich im Ernstfall gut versorgt werden will. Außerdem ist in so vielen Arzneimitteln Alkohol drin. Da ist es doch von Vorteil, ich bekomme direkt was anderes verschrieben, wenn ich krank bin.
    Mein Augenarzt hat keine Kenntnis von meiner Krankheit, da musste ich allerdings auch noch nie so nen Anamnesebogen ausfüllen.

    Viele Grüße

    Stern

    ⭐️

    Wenn du heute aufgibst, wirst du nie wissen, ob du es morgen geschafft hättest.

  • Ich bezeichne mit hauptsächlich als Alkoholabhängig. Hier im Forum eher als Alkoholiker.

    Für mich ist Alkoholiker das Pendant zum Junkie. Obwohl Alkoholiker gesellschaftlich eher geduldet ist. Aber trotzdem zwei Seiten einer Medaille. Ein Problem habe ich damit aber nicht.

    Disziplin wenn Leute darüber urteilen, ob ein trockener Alkoholiker eine neue Leber verdient hat oder nicht, frage ich mich wie gesund leben diese Menschen. Raucht jemand? Genug Sport? Gesunde Ernährung? Schwierig eine Grenze zu ziehen. Aber Menschen urteilen, da kann ich nur am eigenem Umgang damit schrauben. Aber grundsätzlich eine schwierige ethische Frage, die man aus vielen verschiedenen Richtungen betrachten kann. Aber zum Glück darf nicht jeder über solche Dinge entscheiden.

    „Die Guten sind die gleichen Leute wie die Bösen. Es sind alles nur Menschen, die vor sich hinleben.“

    Einmal editiert, zuletzt von Robyn (16. Juli 2025 um 21:09)

  • Hallo Rene, ich muss mein ganzes Leben lang Immunsupressiva nehmen, sonst wird das Organ vom Körper abgestossen. Das wiederum führt dazu, dass das Immunsystem runtergefahren wird. Wird mir jetzt ein Zahn gezogen, muss ich die Medikamente absetzen, weil die Wundheilung dann schlecht ist. Ich muss aufpassen vor Infektionen usw.und darf keine Schmerzmittel nehmen. Bei jedem Medikament, ob Schmerzmittel o.ä. muss geschaut werden dass es nicht auf die Leber geht. Du siehst, es ist nicht einfach.

  • Allerdings dürfte es zumindest hier im Forum kein Problem sein, zu bekennen "Ich bin Alkoholiker ".

    Genauso sehe ich das auch. Ich bin Dagmar, Alkoholikerin, und seit meinem Rückfall am 30.04.2023 abstinent seit 01.05.2023.

    Seit gestern kaue ich an dieser Aussage:

    aber ganz ehrlich, man hat sich selbst in diese situation gebracht, also muss man da auch allein wieder raus.

    Nein, ich habe mich nicht wissentlich in diese, meine Alkoholikersituation gebracht. Irgendwie läuft diese Aussage wieder unter dem Mantel des „Willens“, so auf die Art…dann hör halt auf….!

  • Nein, ich habe mich nicht wissentlich in diese, meine Alkoholikersituation gebracht. Irgendwie läuft diese Aussage wieder

    Da bin ich bei dir.Ich bin nicht wissentlich in die Sucht gerutscht.Als ich anfing exzessiv zu trinken, war mir nicht klar,das es in einer Sucht endet,

  • Bono59

    Ich bin nicht wissentlich in die Sucht gerutscht.Als ich anfing exzessiv zu trinken, war mir nicht klar,das es in einer Sucht endet,

    Nicht wissentlich. Aber dennoch hat man sich selbst in diese Situation gebracht. Kein anderer hielt mir das Glas an den Mund, Dagmar .

    In meinen Augen versucht man sich aus der Eigenverantwortung zu stehlen, wenn man immer auf dem Begriff "Krankheit" herumreitet. Das macht auch die Abstinenz schwieriger.

  • Moin Opalia, Damit machst du es dir nur schwer.Das ist wie eine Selbstgeißelung.Ich glaube ,niemand der irgendwann anfängt zu trinken, ist sich anfangs im klaren, was dies für drastische Folgen haben kann!.Somit kann ich ja nur den Istzustand annehmen und akzeptieren.Wenn ich endlich erkannt habe, das mein Verhalten zur Sucht geführt hat. Das ich selbst die Verantwortung übernehmen muss. Nur ich kann etwas ändern Die Vergangenheit kann ich nicht mehr ändern, aber die Zukunft kann ich neu gestalten.Gruß Bono

    Einmal editiert, zuletzt von Bono59 (17. Juli 2025 um 08:23)

  • icht wissentlich. Aber dennoch hat man sich selbst in diese Situation gebracht. Kein anderer hielt mir das Glas an den Mund

    Interessantes Thema, Schuld und Sühne. Also, muss man sich wirklich selbst bestrafen und die ganze Verantwortung tragen, nur weil man "schuld" ist? Oder macht man das nur, weil die Frustration und die brutale Klarheit des nüchternen Weges einem alles um die Ohren haut?

    Nehmen Menschen Krankheiten bewusst in Kauf? Der Raucher kennt das Risiko für Lungenkrebs oder ein Raucherbein – ist er also schuld? Auch Essstörungen entstehen oft über Jahre hinweg, begleitet von psychischem Druck oder inneren Konflikten. Ist das dann auch Schuld? Und wer sich in Gegenden aufhält, wo ansteckende Krankheiten weit verbreitet sind – sucht der aktiv das Risiko und ist ebenfalls schuld?

    Oder geht es doch eher um Umstände, Lebensrealitäten und viele andere Faktoren?

    Natürlich hätte ich aufhören können , ich wusste ja, was Alkohol bewirken kann. Aber warum habe ich es nicht getan? Weil ich mich bewusst für die Sucht entschieden habe? Oder weil da tief in mir Prozesse ablaufen, die ich nicht mal verstehe? Komplexe, teils unbewusste Mechanismen, die sich nicht einfach abschalten lassen.

    Und nicht jeder, der viel trinkt, wird süchtig. Sind die jetzt “schuld”, dass sie verschont geblieben sind? Oder zeigt das nur, wie unterschiedlich Menschen mit denselben Substanzen umgehen?

    Die Schuldfrage ist ein sehr persönliches Thema.

    Was macht es so schwer, abstinent zu sein? Es gibt Millionen von Menschen in Deutschland, die niemals Alkoholiker gewesen sind. Fühlen Sie sich nun schuldig für Ihr Verhalten gegenüber anderen oder wenn Sie jemandem Schaden zugefügt haben, nur weil Sie abstinent leben?

    Fragen über Fragen:mrgreen:

    Aber die Schuldfrage in den Raum zu stellen, um Abstinenz noch schwerer erscheinen zu lassen, ist vielleicht nicht die beste Idee. In meinem Kopf kommt eher eine andere Frage auf: Wie oft kreisen da meine Gedanken um einen möglichen Rückfall? Und wie nah ist das Glas – wirklich?

    Gruß Hartmut

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    Trocken seit 2007

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