hiiumaa - Vorstellung - Hallo an alle!

  • Hallo an alle Forum-Mitglieder,

    ich bin hiiumaa, schon seit gut zwei Jahren stille Mitleserin hier im Forum. Bisher dachte ich, das Mitlesen reicht aus - ich habe hier schon so viel gelernt! Danke dafür! Doch nun durch gab es einige heftige Ereignisse, so dass ich doch dankbar für intensivere Unterstützung des Forums wäre.


    Ich war die letzten drei Jahre mit einem Mann zusammen, den ich bereits einige Wochen nach unserer ersten Begegnung stockbetrunken mitten im Ort vorgefunden habe, und der sofort mein Helfersyndrom angesprochen hat.

    Ich habe die übliche Co-Abhängigen-Laufbahn hinter mir in diesen drei Jahren, bin allerdings nach etwa zwei Jahren Beziehung „aufgewacht“. Ich bin nicht frei von der Co-Abhängigkeit, nein. Aber ich mache Fortschritte.

    Zu der Alkoholsucht - er ist Quartalstrinker - kommt bei ihm auch eine Persönlichkeitsstörung, die das Ganze massiv verschärft.

    Ich würde gerne mehr erzählen, bin aber gerade unsicher, ob das der richtige Bereich ist.


    Vielen Dank erst mal für die Aufnahme!

    hiiumaa

  • Hallo hiiumaa,

    willkommen bei uns in der Selbsthilfegruppe.

    Mit Deinem Problem bist Du bedauerlicherweise nicht allein.

    Für den Austausch mit den anderen Teilnehmern klicke folgenden Link an:

    https://alkoholiker-forum.de/bewerben/

    Anklicken und kurz etwas dazu schreiben. Dann wirst Du freigeschaltet und Dein Thema in den Bereich "Erste Schritte für Angehörige" verschoben.

    LG Marie

    Wer nichts ändern will für den ist die Opferrolle die beste Strategie!

  • Du bist jetzt für die offenen Bereiche freigeschaltet, hiiumaa.

    Und Du kannst überall schreiben, jedoch bitte nicht die ersten 4 Wochen bei den neuen Teilnehmern im Vorstellungsbereich. (Erkennbar an den orangeroten Namen)

    Ich wünsche Dir einen guten und hilfreichen Austausch.

    Alles okay :)

    LG Marie

    Wer nichts ändern will für den ist die Opferrolle die beste Strategie!

  • Vielleicht fange ich mal damit an, in Etappen über ihn, über mich und die Beziehung zu berichten, damit ihr ein Bild bekommt. Es unterscheidet sich nicht viel von den Berichten, die ihr hier auch schreibt…


    Ich bin Mitte 40 ( w ), er Anfang 50, europäischer Ausländer. Wir haben uns vor drei Jahren auf romantische Weise kennengelernt und kamen in Kontakt, weil ich seine Sprache fließend spreche. Schon einige Wochen nach dem Kennenlernen traf ich ihn zufällig mitten am Tag mitten im Ort stockbetrunken. Er hat stur behauptet, er wäre nicht betrunken, konnte aber kaum aufrecht sitzen. Die nächsten Tage war ich beunruhigt, weil wir uns immer zur gleichen Zeit auf dem Heimweg begegnet sind und er nicht aufgetaucht ist. Ich wusste zu der Zeit nur seinen Vornamen. Um es kurz zu machen: Ich begann ihn zu suchen, fand seine Wohnung und hinterließ ihm eine Nachricht um zu fragen, ob er okay ist mit meinem Kontakt. Das war der Einstieg in die Co-Abhängigkeit.

    Wir haben klassisch durchlaufen, was man heutzutage auf YouTube hören kann: Eine narzisstisch-Co-Abhängige Beziehung inklusive Lovebombing, Abwertung, Abschuss. Endlose Male. Alle sechs Wochen hat er für etwa eine Woche bis zur Besinnungslosigkeit zu trinken. Grund war immer eine Frustration.

    Nach einigen Monaten zog er in eine 50km entfernte Stadt, weil er sich dort einen Job erhoffte, aus dem nichts wurde.

    Nichts genügt seinen Ansprüchen.

    Er ist jetzt drei Jahre arbeitslos. Vorher hatte er eine steile Karriere hingelegt, musste aber aus psychischen Gründen und Alkoholismus aussteigen.

    In den Trinkphasen wurde ich per Messenger täglich im Minutentakt mit brutal bösartigen Nachrichten bombardiert - im Wechsel mit Liebeserklärungen.

    Die ersten zwei Jahre habe ich das ausgesessen, auch wenn es mir miserabel damit ging. Ich liebte ihn doch. Wollte ihn retten. Wenn er nur eine stabile Beziehung hätte, würde er gesund werden. Seine Ansprüche an mich wurden immer höher. Seine Bösartigkeit immer gravierender, zweimal sogar handgreiflich.


    Letztes Jahr nach einem ganz schlimmen Alkoholabsturz, bei dem ich ihn zum ersten Mal alleine gelassen habe und ihm gesagt, dass ich mich so nicht mehr behandeln lasse, und dass ich nur noch zur Verfügung stehe um ihn in die Klinik zu fahren, saß er vor meiner Haustür und wollte tatsächlich zum Arzt.


    Es folgten zehn Monate ohne Alkohol, Arztbesuche, Psychotherapie, Suchtklinik.

    Danach Rückfall. Seit Dezember wieder alle sechs Wochen trinken. Ich habe mich deutlich abgegrenzt. Sobald er trinkt, bin ich weg. Sobald er verbal ausfällig wird, sage ich ihm, dass das nicht geht und bin weg.

    Ich selbst habe eine Komplexe Posttraumatische Belastungsstörung, bin selbst schon lange in Therapie und habe ein Kind im Teenager-Alter.


    Morgen berichte ich zum aktuellen Stand. Das ist nämlich das, was es mir gerade unerträglich macht und wo ich mir euren Support erhoffe. Vielen Dank erst mal für‘s Lesen und dass ich hier Raum habe zu erzählen.

  • Ich merke, ich kann nicht schlafen. Ich bin zu aufgewühlt. Vielleicht schreibe ich mir doch noch alles von der Seele…

    Es fällt mir gerade schwer, zu erzählen, ohne dass bestimmte Menschen aus meinem Umfeld mich wiedererkennen, sollten sie das lesen. Ich versuche es so neutral wie möglich.


    Mein Partner hat hier keine Freunde. Es gab all die Zeit nur mich.

    Im Laufe des letzten Jahres entstand schriftlicher Kontakt zwischen ihm und einer meiner ( damaligen ) liebsten Freundinnen. Sie hat selbst Erfahrungen mit Alkoholmißbrauch in ihren jungen Jahren und wollte helfen. Am Ende lief es so, dass er jedesmal sie kontaktiert hat, wenn es ihm wieder schlecht ging, er trank und ich mich abgegrenzt habe. Ich hatte von ihr erwartet, dass sie als meine Freundin mich unterstützen würde. Ich habe mich ihr anvertraut. Sie kannte die ganze Geschichte mit ihm. Stattdessen hat sie ihm jedesmal zugehört, wenn ich aus dem Kontakt zu ihm ausgestiegen bin, weil er wieder betrunken und bösartig war und ihm auch anschließend mit praktischer Hilfe zur Seite stand, damit er wieder ausbügeln konnte, was er während der Trunkenheit angerichtet hat. Sie hat also all meine Bemühungen, ihm durch meine Abgrenzung zu vermitteln, dass sein Verhalten untragbar ist, untergraben. Ich habe sie mehrfach darauf angesprochen, dass ich das nicht gut . Es kam immer nur: Er hat doch niemanden.

    Ich weiß aus ihrer Familiengeschichte, dass sie schon mal jemanden an Alkohol verloren.

    Vor ein paar Wochen ist er zu ihr ins Haus gezogen, weil sie eine Wohnung zu vermieten hatte und er eine kleinere Wohnung brauchte. Zu der Zeit hatte ich eigentlich das Gefühl, dass er und ich gerade auf einem guten Weg waren. Wir haben offene Gespräche über meine Abgrenzung geführt und über sein Verhalten. Ich hatte das Gefühl, trotz der Alkohol-Rückfälle würde sich in den nüchternen Wochen etwas bewegen.

    Dann kam der Umzug in die Wohnung im Haus meiner Freundin. Ab da ist es eskaliert. Sie hat angefangen, sich massiv in unsere Beziehung einzumischen. Und er fand es toll. Ich habe meinen Unmut darüber geäußert und wurde von dafür verurteilt: Sie und er wären Freunde. Ich habe den Kontakt abgebrochen zu ihr.

    Er hat meine Erklärungen, dass es hier nicht um romantische Eifersucht geht, sondern um Retter-Syndrom und Ausbeutung nicht nehmen können. Es folgten vier Wochen Schweigen von seiner Seite. Ich würde ihm gar nichts gönnen und wäre nur neidisch und eifersüchtig.

    Dann kam eine kurze Textnachricht von ihm. „Wir“ ( er und ich ) würden alles falsch machen aber gar kein Kontakt würde sich auch nicht gut anfühlen.

    Da war bei mir der Punkt erreicht, wo ich nicht mehr wollte. Ich habe ihn wissen lassen, dass ich keinen Kontakt mehr möchte, weil ich das Gefühl habe, dass er keine Verantwortung für sein Verhalten übernehmen kann.

    Zwei Tage später wusste ich, dass er wieder trinkt, denn ich wurde wieder mit Beschimpfungen bombardiert. Ich habe ihn nach Vorwarnung - auf die er mit noch mehr Bösartigkeit reagiert hat - blockiert.
    Kurz darauf stand er vor der Tür, wollte reden. Chancenlos im betrunkenen Zustand. Ich habe ihn gebeten zu gehen und bin ins Haus geflüchtet.

    In der Nacht machte er Telefonterror. Ich bin nicht dran gegangen. Später lag er betrunken vor der Haustür. Es war eine kalte Nacht. Am Ende habe ich es nicht übers Herz gebracht ihn wegzuschicken. Ich habe ihn mit reingenommen unter der Auflage, dass er sofort gehen muss, wenn er ausfällig wird. Erst war er friedlich - aber nicht lange. Ich habe dann die Polizei gerufen, weil er sich geweigert hat zu gehen.

    Er trinkt jetzt 14 Tage am Stück. Meine ehemalige Freundin, seine Vermieterin, hat mich trotz meines Kontaktabbruchs immer wieder vorwurfsvoll angeschrieben und mich über ihn informiert.

    Heute wurde er anscheinend in lebensgefährlichem Zustand aufgefunden. Evtl ist er bereit stationär in die Klinik zu gehen. Meine ehemalige Freundin bedroht mich, dass ich ja nicht wagen soll, Kontakt mit ihm aufzunehmen.


    Puh. Lange Geschichte. Ich weiß sehr viel über Alkoholismus und Persönlichkeitsstörungen. Ich weiß auch sehr viel über Co-Abhängigkeit. Nicht zuletzt dank des Forums hier. Mein Verstand kann sehr klar erfassen, dass ich nicht nur aus dem Kontakt zu meiner ehemaligen Freundin aussteigen muss, die ihn jetzt umsorgt, sondern auch dabei bleiben muss, keinen Kontakt zu ihm aufzunehmen. Das fällt gerade deswegen so verdammt schwer, weil er mir heute Nachmittag vor seinem Kollaps noch eine sms geschickt hat. Eine nette - für seine Verhältnisse. Und ich auch weiß, dass sein Extremtrinken gerade die Folge ist, dass ich gesagt, ich möchte keinen Kontakt mehr. Das Verrückte ist: Mein Verstand möchte keinen Kontakt. Mehr Herz schon.


    Es macht mich schier wahnsinnig zu wissen, dass meine ehemalige Freundin ihn jetzt betüddeln wird - wenn er überlebt. Wo er doch dringend in die Eigenverantwortung kommen müsste. Und gleichzeitig weiß ich, dass ich daran nichts ändern kann und für mich sorgen muss…


    Danke fürs Lesen! Vielen Dank für den Raum hier.

  • Mir geht beim Lesen durch den Kopf: Vielleicht ist es ja für Dich der Rettungsanker, dass er neben der Sauferei jetzt auch noch zweigleisig fährt? So hat doch die Beziehung nun wirklich keine Grundlage mehr.

    P.S.: Sein Extremtrinken jetzt ist allein die Folge seiner Sucht.

  • Hallo, ich schreibe als Alkoholikerin mit eigener Co-Erfahrung (in Bezug auf andere Suchtmittel).

    Was ich mich frage: Wieso kann Dein Herz ihn nicht loslassen, obwohl er Dich immer wieder so schlecht behandelt und auch schon eine neue "Betreuerin" gefunden hat? Hast Du eventuell solche Beziehungsnuster in Deiner Kindheit gelernt?

    Und vor allem: Erlebt Dein eigenes Kind das alles hautnah mit?

    (Bitte nicht als Vorwurf auffassen, sondern als Verständnisfrage und Denkanstoß.)

    Gut, dass Du hierhergefunden hast. Alles Gute!

  • Hallo sorrowful, danke für Deine Nachricht! Ja, Du hast recht. Diese schräge Beziehung zu meiner ehemaligen Freundin ( auch, wenn sie nur platonisch/ emotional ist ), löst in mir derartigen Ekel aus, dass mich das immer wieder erdet und sehr deutlich macht, wie leicht ersetzbar ich am Ende für ihn bin. Umso abgefahrener, dass mein Herz immer noch meint, festhalten zu müssen…


    Und da passt das von Dir, Rennschnecke… vielen Dank, ich kann auch Deinen Denkanstoß gut nehmen! Also erst mal: Ich bin in einem extrem konfliktbehafteten Elternhaus groß geworden. Ein autistischer Vater mit massiven Zwangsstörungen und Kontrollsucht. Eine Mutter, die - ich fange an mich dem Gedanken zu öffnen - eine vulnerable Narzisstin ist, und immer das Opfer war und mich emotional mit ihren Eheproblemen belastet hat. Ich erinnere meine Kindheit als reinen Psychoterror und on-off-Ehe meiner Eltern. Meine Co-Abhängigen Tendenzen sind sicher nicht überraschend.


    Mein Kind hatte zum Glück so gut wie keinen Kontakt zu meinem Partner. Durch die Fernbeziehung ( er ist ja 50km weit weg gezogen kurz nachdem wir uns kennengelernt hatten und hat bis auf wenige Ausnahmen keine Anstalten gemacht, mich hier zu besuchen. ) war kaum Kontakt da und mein Kind weiß nur, dass mein Partner mit gesundheitlichen Problemen die ihn sehr beeinträchtigen kämpft.

  • Hallo hiiumaa,

    zuerst mal, sorrowful hat es auch schon geschrieben

    Und ich auch weiß, dass sein Extremtrinken gerade die Folge ist, dass ich gesagt, ich möchte keinen Kontakt mehr.

    Nein! Sein Trinken ist die Folge seiner Sucht. Alles andere ist eine Ausrede um das Saufen zu rechtfertigen. Du hast da garnichts mit zu tun.

    Er hat nun 2 Coabhängige, die um ihn kreisen. Wobei du ja schon am Aussteigen bist. Deine ehemals Freundin hängt massiv da drin. Und da wirst du nix bewirken können, genauso wenig, wie bei ihm.

    Was bleibt bzw Sinn macht, ist eine 100 prozentige Blockade. Von beiden. Denn jeder wird dich auf seine Art immer wieder reinziehen.

    Und ja, was ist mit deinem Kind?

    Das Verrückte ist: Mein Verstand möchte keinen Kontakt. Mehr Herz schon.

    Ja klar, das kenne ich auch. Du siehst hinter dem Betrunkenen ja auch den Menschen, den du mehr oder weniger nüchtern auch kennengelernt hast. Aber solange er weiter trinkt hast du keine Chance, irgendwas bei ihm bewirken zu können. Das Einzige was passiert, wenn er so weitermacht und du es zulässt ist, daß du auch mit kaputt gehst.

    Dein Verstand sagt dir das Richtige. Also mach ihn zu deinem Chef. Das Herz tut weh aber das vergeht. Wenn du bleibst wird der Schmerz um ein Vielfaches größer sein und werden.

    Liebe Grüße Aurora

    Glücklichsein ist eine Entscheidung

  • Ich stelle jetzt die Frage in den Raum, von der ich meine, eure Antworten schon zu kennen, aber es belastet mich derart, dass ich offen darüber sprechen möchte.

    Ich gehe davon aus, dass er jetzt irgendwo in der Klinik zum Entzug ist. Gestern vor seinem Kollaps hat er mir ja noch - sehr klar formuliert - eine recht nette Nachricht geschickt. Ich bin nicht mehr dazu gekommen, darauf zu antworten. Wahrscheinlich gut so. Er hätte meine Antwort in seinem Zustand gar nicht erfassen können.


    Ich schlage mich nun mit dem Gedanken herum, ihm halbwegs neutral zu schreiben, dass ich mir Sorgen mache und hoffe, dass er in guter ärztlicher Behandlung ist und dass wir über ein kurzes Gespräch nachdenken können, wenn er definitiv ausgenüchtert ist.


    Da sind zwei Anteile in mir: Der eine, der sagt, dass er trotz allem ein Mensch ist und er mir am Herzen liegt und ich möchte, dass er weiß, dass ich in gesundem Rahmen ( haha… ob ich das kann? ) für ihn da bin, wenn er jetzt ernsthaft seine Therapie weitermachen will( ich höre euren Aufschrei 🫣 ). Der andere, der sagt: Was soll das Gespräch bringen? Selbst wenn er es schafft vom Alkohol fernzubleiben ( was ich bezweifle )ist da immer noch die npd, deren Diagnose er nicht anerkennen will. Das alleine reicht, um Abstand zu halten, vor allem, wenn weiterhin meine ehemalige Freundin mitmischt.


    Beide Anteile fühlen sich gerade gleich stark an.

  • Ahh, Aurora, vielen Dank! Es ist sehr hilfreich, wie ihr hier immer wieder alles „zurechtrückt“, was an Gedankensalat kommt. Danke dafür!

    Du hast praktisch auch meine Frage beantwortet: Den Anteil zum Chef machen, der sagt: Lass es! Bleib weg.


    Ich weiß nicht, ob ich es jetzt schon schaffe. Ich glaube, ich schaffe es, meine ehemalige Freundin komplett zu blockieren. Das wäre mal ein erster Schritt.

    Ich finde es gerade selbst gaga, dass ich es bei ihr glaube schaffen zu können und bei ihm doch noch überlege, diese erwähnte Nachricht zu schicken. 😵‍💫

  • Ohje, hiiumaa,

    das ist wirklich schwierig.

    Mir hilft bei solchen Situationen inzwischen, sie erstmal auszuhalten, zu sortieren, zu kommunizieren. Das machst du gerade. Super 😀.

    Und dann Ablenkung. Was machen. Egal was. Abwaschen, aufräumen, lesen, Spiel auf dem Tablett spielen, einkaufen gehen...

    Du kannst eine Pro und Kontra Liste erstellen über eure Beziehung.

    Da sind zwei Anteile in mir: Der eine, der sagt, dass er trotz allem ein Mensch ist und er mir am Herzen liegt und ich möchte, dass er weiß, dass ich in gesundem Rahmen ( haha… ob ich das kann? ) für ihn da bin, wenn er jetzt ernsthaft seine Therapie weitermachen will( ich höre euren Aufschrei 🫣 ). Der andere, der sagt: Was soll das Gespräch bringen?

    Der andere hat Recht... zu einem Gespräch oder so ist er garnicht in der Lage derzeit. Das funktioniert nach eigener Erfahrung nur, wenn er nüchtern, am besten auch entgiftet ist. Aber ob es dann Sinn macht ist auch noch so'n Ding. Denn selbst wenn er nüchtern ist wird er im Kopf noch längst nicht trocken sein.

    Und zumindest bei meinem Exmann war es so, dass er trocken genauso ein A... Loch war wie nass...

    Liebe Grüße Aurora

    Glücklichsein ist eine Entscheidung

  • Hallo Hiiumaa,

    Der andere, der sagt: Was soll das Gespräch bringen?

    Das ist in meinen Augen die richtige Frage. Denn es ist bestimmt von deiner Seite schon mehrfach alles gesagt. Du kannst abwarten, was er weiter tun will, nach der Entgiftung. Er hat die Hilfe der Klinik, die ihm schon in der Entgiftung Wege aufzeichnen. Es sollten Taten folgen.

    lg Morgenrot

    Wer nicht hofft, wird nie dem Unverhofften begegnen. ( Julio Cortazar )

  • Hallo Hiiumaa,

    ich beneide dich um deinen Möglichkeiten!

    Du wohnst weit genug weg, bist nicht mit ihm verheiratet oder verwandt und nicht über Kinder mit ihm verbunden. Das macht vieles einfacher. Ich würde dich am liebsten schütteln und sagen: LAAAUUUFFFF! Rette Dich! Leb dein Leben ohne Ballast. Blockiere beide. Wenn er irgendwann den Absprung geschafft hat und Kontakt suchen will, dann weiß er wo du wohnst. Es gibt keinen Grund diesen Irrsinn weiter mitzuspielen.

    Bleib am Ball und lass dich nicht fertig machen. Hier gibt es auch einen Notfallkoffer für Co‘s. Schau mal rein.

    Alles Liebe

  • Hallo Aurora, Morgenrot, Ino und Sonnenschein!

    Ich habe es heute den Tag über so gemacht, wie Aurora vorgeschlagen hat: aushalten, sortieren, kommunizieren und ablenken. Ich habe mich mit einer guten Freundin unterhalten, ich habe alle Gefühle, die aufkamen ausgehalten ( Angst, Trauer, Wut, Verzweiflung, Ohnmacht... ) und ich habe mich abgelenkt. Ich mag den Sommer sehr. Bei mir leben viele Tiere - im Haus und auch draussen - und ich habe einen kleinen Garten, den ich sehr liebe. Es tut immer wieder gut, sich mit den Tieren und Pflanzen zu beschäftigen, und natürlich auch mein Kind, das aber jetzt in einem Alter ist, wo es nicht mehr so viel mit mir zu tun haben möchte.

    Aurora, die Pro und Kontra - Liste wäre etwa 5cm lang bei Pro und 50cm bei Kontra... ich führe mir das immer wieder vor Augen. Und manchmal - in ganz kleinen Momenten kann ich auch fühlen ( nicht nur verstandesgemäß begreifen ), dass es besser für mich wäre, definitiv auf Abstand zu bleiben. Diese Momente sind in den letzten sieben Monaten auch immer mehr und mehr geworden. Je giftiger er auf meine Abgrenzungen reagiert hat, desto klarer war mir, dass sie absolut notwendig sind. Aber das Herz... ich brauche nicht weiter reden...

    Morgenrot, auch Dir vielen Dank! Ja, es ist so, wie Du sagst: Es wurde alles gesagt von meiner Seite. Mehrfach. Mündlich und schriftlich. Er muss Verantwortung übernehmen für sein Verhalten, für sein Leben und für die Beziehungen in denen er leben will. Ohne Verhaltensänderung kann ich nicht in Kontakt bleiben. In der Vergangenheit hat er auf die Ansage hin manchmal kurzzeitig gewisse Bemühungen gezeigt, aber sie waren nicht von Dauer. Der einzige wirklich längere Zeitraum war im letzten Jahr, als er fast ein Jahr nüchtern war und in Therapie. Aber selbst da war es so wie Aurora es von ihrem Ex-Mann beschreibt: Er ist leider auch nüchtern sehr oft ein A...loch. Er hat nicht umsonst die npd-Diagnose. Er ist npd nach Lehrbuch... Ich finde Deinen Satz sehr gut: "... es müssen Taten folgen..." Ja, das stimmt!

    Ino, auch Dir vielen Dank! Ich dachte schon oft, dass ich es vielleicht schaffen könnte, ihm einfach nur eine "Freundin" zu sein, die ihn auf seinem Genesungsweg unterstützen könnte, wenn er denn willens ist, diesen zu gehen. Er hat keinen Führerschein - also z.B. ihn zu seinen Terminen zur Therapie zu fahren, evtl. beim Jobcenter unterstützen, weil das oft auch schwierig ist, wenn man dauerhaft krankgeschrieben ist etc. Aber ich glaube, ich bin einfach zu verstrickt und ich habe noch immer das Gefühl, ihn zu lieben ( ich lasse es jetzt dahingestellt, ob das nicht einfach Traumabonding ist ), und glaube, dass ich bei erster Gelegenheit einfach wieder schwach werden würde. Deswegen hadere ich so sehr mit mir, ob ich ihm nun eine kurze Nachricht schicken soll, dass er weiß, ich bin da ( ausser meiner ehemaligen Freundin, die ihn ja jetzt bemuttert, gibt es in Deutschland absolut niemanden, an den er sich sonst wenden kann ) wenn es um sein gesundheitliches Wohlbefinden geht. Aber ich fürchte, ich mache mir da etwas vor. Ich lebe wahrscheinlich immer noch in einer Illusion, obwohl ich immer glaube, ich hätte schon so viel verstanden. Ich will nur nicht, dass er irgendwann tot ist, und ich mit meinen Schuldgefühlen nicht leben kann. Ich habe ihm zu Anfang, als er sich mir anvertraut hat wegen der Alkoholsucht, mal versprochen, dass ich nach ihm schaue, wenn ich mehrere Tage nichts von ihm höre. Ich könnte jetzt natürlich sagen, dass er es sich durch sein Verhalten selbst verbaut hat und ich keinerlei Verpflichtung habe - aber da bin ich noch nicht.

    Sonnenschein, auch Dir herzlichen Dank. Ja, das stimmt. Dadurch, dass wir nicht zusammen leben ( ohhh - er wollte das immer, und ich habe ihm zum Glück gesagt, dass das keine Option ist, solange er trinkt ) und dadurch dass wir keine gemeinsamen Kinder haben, ist vieles leichter als für andere hier! Allerdings wohnt er jetzt nur noch fünf Minuten von hier entfernt. Er ist ein paar Monate nachdem wir uns kennengelernt haben in die 50km entfernte Stadt gezogen wegen einer Job-Fantasie. Ich bin die vergangenen 2,5 Jahre zweimal die Woche dorthin gependelt um ihn zu besuchen. Das war anstrengend, hatte aber den Vorteil, dass ich ihn nur sehr sehr selten hier in meinem Reich hatte und das dadurch ein gewisser Schutzraum geblieben ist. Aber vor sechs Wochen ist er ja wieder hier in die Gegend gezogen in das Haus meiner ehemaligen Freundin. Und das sind nur fünf Minuten von hier. Trotzdem - es sind getrennte Wohnungen etc. Das ist gut!

    Ich habe im Moment das Gefühl, dass ich ihm morgen eine ganz kurze Nachricht schreiben muss zu seinem Zustand. Ich hadere noch mit der Formulierung, aber ich glaube, ich schaffe es noch nicht, da komplett auszusteigen. Das Mitgefühl mit seiner verletzlichen Seite ist noch zu groß und ich habe Angst, mit den Schuldgefühlen am Ende ( noch ) nicht leben zu können, wenn er sich doch aufgeben würde. Ich weiß, dass ihr recht habt. Er hat sich fast totgetrunken, weil es seine Sucht ist und seine Persönlichkeitsstörung, die er nicht anerkennen will, und die der Auslöser für sein Trinkverhalten ist. Er findet immer einen Grund zu trinken. Er ist das Opfer. Er ist frei von jeder Verantwortung. Und doch... noch kann ich nicht ganz aussteigen. Aber im Vergleich zu früher, muss ich mich doch mal selbst loben: Noch vor einem Jahr hätte ich alle Kliniken in der Umgebung abtelefoniert, um ihn zu finden und ich hätte mich selbst mit meiner ehemaligen Freundin auseinandergesetzt, um Informationen zu bekommen, wo er ist, wie sein Zustand ist etc. Diesmal nicht. Ich habe sie tatsächlich blockiert und ich habe sie nicht nach mehr Informationen gefragt. Ich weiß nur das, was sie mir gestern Abend mitgeteilt hat: Dass er in lebensbedrohlichem Zustand gefunden wurde und er evtl noch an diesem Abend stationär in die Klinik geht. Das ist schwer auszuhalten, das gebe ich zu. Manchmal habe ich das Gefühl, der Schmerz und die Ungewissheit zerreißen mich - aber ich habe nicht gefragt.

    Ich wollte euch allen noch sagen, dass ich in jedem eurer Fädchen gelesen habe. Über die letzten zwei Jahre habe ich fast alle eure Geschichten gelesen. Und ich bin immer wieder aufs Neue erschüttert, was für Geschichten jeder einzelne von euch durchlebt hat und noch durchlebt. Danke, dass ihr trotzdem auch für mich da seid!

  • hallo,

    Er findet immer einen Grund zu trinken.

    den finden alle nassen Alkoholiker, und davon kannst du ihn nicht abhalten

    Ich will nur nicht, dass er irgendwann tot ist, und ich mit meinen Schuldgefühlen nicht leben kann

    Du brauchst dir keine Schuldgefühle zu machen. Ich weiß, dass es schwierig ist, aber du kannst auch seinen Tod nicht verhindern. Saufen ist Selbstmord auf Raten. Für dich ist entscheidend, ob du dabei zusehen willst.

    Ich habe mal in der Suchtberatungsstelle ähnlich argumentiert wie du, da entgegnete mir die Beraterin, dies sei der Größenwahnsinn der COabhängigen. Das hat mich damals schwer getroffen, heute weiß ich, dass ich nichts machen kann, und nur an mir Veränderungen vornehmen kann.

    Hat er seinen Führerschein durch Alkohol verloren, oder hat er generell keinen. Als mein xy seinen Führerschein verloren hat, war ich heilfroh, dass ich keinen habe, ( durfte nie einen machen wegen Augen ) so kam ich nicht in die Situation ihn zu fahren , denn damit hätte ich ihm wieder seine Verantwortung abgenommen.

    lg Morgenrot

    Wer nicht hofft, wird nie dem Unverhofften begegnen. ( Julio Cortazar )

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