Scarlett - Letzte Chance?

  • Hallo Scarlett,

    herzlich willkommen. Bin auch Alkoholikerin und zum Glück seit einigen Jahren trocken und hier im Forum unterwegs. Das Schreiben hier und auch das Lesen bei anderen trockenen Alkoholiker:innen hat mir unglaublich geholfen. Du hast das ja letzte Nacht auch schon genutzt, einfach hier zu schreiben, wenn du nicht schlafen kannst zum Beispiel. Hat das geholfen?

    Dein Nick hat mich übrigens auch angesprochen; ich habe das Buch als junges Mädchen quasi auswendig gekonnt … und später dann auch den Film.

    Was hast du heute vor?

    Hier in meiner Gegend ist Herbststurm, aber raus muss ich nachher trotzdem mit dem Hund. Danach ist der Lesesessel umso gemütlicher.

    Viele Grüße und einen guten Austausch hier im Forum!

    Thalia

  • Hallo Thalia,

    tatsächlich hat mich das Lesen hier heute Nacht ein Stück weit geerdet. Mir war so elend zumute, dass ich mir fast alles, negativ gesehen, zugetraut habe. Nur eben, nicht trinken. Ist ja auch nichts da, und heute ist Sonntag (das war das erste, was ich von den Grundbausteinen verinnerlicht habe, kein Alkohol im Haus). Hier ist strahlender Sonnenschein und ich werde zu meiner Lieblingskapelle marschieren. Ist nicht so weit und für mich machbar. Dann sehe ich weiter.

    Erstmal liebe Grüße zurück und einen schönen Sonntag, Scarlett

  • Hallo Scarlett,


    das mit dem Spaziergang klingt gut. Mir tut es auch immer gut, draußen zu sein. Irgendwie verschieben sich dadurch (durch die Bewegung? die Wahrnehmung der Natur um mich herum? keine Ahnung) oft die Perspektiven, und hinterher geht es mir psychisch besser.

    Einfach immer weitermachen mit dem Trockenwerden, Tag für Tag, so hat’s ja auch bei mir angefangen, das Aufhören, und irgendwann hab ich gemerkt, dass es auch meinem Gemüt viel viel besser geht, und ich wieder Freude am Leben empfinden kann.


    Schönen Sonntag dir weiterhin!

    Viele Grüße

    Thalia

  • Hallo Thalia,

    bin schon auf dem Sprung. Ist jetzt ein wenig kitschig: weißblauer Himmel und Sonne. Eine Frage allgemein: Habe heute Nacht so viel gelesen über Euphorie, Glücksgefühle usw. in der Anfangszeit der Abstinenz. Davon verspüre ich nix, eher das Gefühl, dass es mir zunehmend schlechter geht. Natürlich ist die Übelkeit, der Katzenjammer (darf man das so schreiben?) weg. Mein Kopfgefühl ist jedoch nicht in Ordnung. Stimmt da was mit mir nicht? Dankbar bin ich allen hier, die antworten und so eine Plattform betreuen und am Leben erhalten. Das wollte ich tatsächlich heute Nacht (das Leben meine ich) nicht mehr so ganz. Ist überstanden.

    Scarlett

  • Hi Scarlett,

    Danke für die Antwort. Hat sich etwas überschnitten. Da du wohl nicht meiner Generation angehörst habe ich festgestellt, etwas vorauszusetzen, was nicht für alle verständlich ist,

    nun ich werde nächstes Jahr sechzig und Du schreibst das Du ü60 bist. Und tatsächlich kenne ich vom Winde verweht. Aber es hat mich im Neusprech nicht so mitgenommen.

    Das wäre wieder einer der Gelegenheiten zu sagen: geht mir eh so schon beschissen, also kannst du das ganze noch toppen und dir einen hinter die Binde gießen.

    Mir ging es in den letzten Jahren aus Saufen und meinen Depressionen so unterirdisch schlecht, da gab es nichts mehr zu toppen. Insofern kannst Du Dich noch glücklich schätzen, wenn Du durch das Saufen noch toppen konntest. Ironie off.

    Liebe Grüße Kazik

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    abstinent seit 10.12.2024 / Heute trinke ich nicht.

  • Das wollte ich tatsächlich heute Nacht (das Leben meine ich) nicht mehr so ganz.

    Hi Scarlett,

    so etwas in der Richtung schreibst Du jetzt zum zweiten Mal. Damit erreichst und überschreitest Du die Grenzen eines solchen Forums. Wenn Du solche Gedanken hast, suche unverzüglich professionelle Hilfe auf. Das solltest Du sehr sehr ernst nehmen. Und das wird hier sehr ernst genommen.

    Und vielleicht ist es überhaupt eine gute Idee, Dir professionelle Hilfe zu suchen. Nicht nur wegen dieser Gedanken, sondern auch, weil es Dir wie Du schreibst, so schlecht geht. Hattest Du schon einmal eine Depression? Oder daran gedacht, dass Du eine haben könntest?

    Liebe Grüße Kazik

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    abstinent seit 10.12.2024 / Heute trinke ich nicht.

  • Hallo Kazik,

    es war nicht meine bewußte Absicht hier in diesem Forum solche Gedanken zu äußern. Ich benenne es einfach mal als "im Eifer des Gefechts" mit mir durchgegangen. Bitte hier darum auch um Entschuldigung in die Runde, solche Aussagen tun wohl keinem gut. Wegen Depressionen bin ich tatsächlich seit bald zwei Jahrzehnten in Behandlung (meine Mutter war als schizophren diagnostiziert, diese Angst davor, es auch zu sein, begleitet mich schon seit meiner Erwachsenen-Zeit). So hoffe ich, mit diesen Erklärungen nicht wieder die Forums-Regeln verletzt zu haben.

    Viele Grüße, Scarlett

  • Hallo Scarlett

    Am Anfang ist die Umstellung auf abstinent eine Herausforderung. Die körperliche Entgiftung dauert etwa 14 Tage. Die Entwöhnung wesentlich länger. Eine Reha wird ja auch als Entwöhnungsbehandlung bezeichnet. Sie dauert ca 3 Monate. Das ist dann auch nur ein Anfang.

    Es ist verständlich, das zu Beginn alles drunter und drüber geht. Da kommt hie und da auch mal ein solcher Gedanke auf.

    Hab ich bei mir auch so erlebt. Geduld ist nötig, denn es wird besser. Nach ein paar Wochen kannst du mal zurückblättern und vergleichen.

    Schnell geht nicht,wenn man es sich auch noch so wünscht. Tag für Tag ist ein probates Mittel.

    Wie lange hast du dich vergiftet?Wie lange bist du nüchtern? Das kannst du dir selbst beantworten. Das war bei mir nicht anders ;)

    Hier hast du Begleitung, von ebenfalls frisch Abstinenten und länger trockenen.

    Und falls ein Regelverstoss vorkommen sollte, wird sich ein Moderator melden.

    Ich sehe keinen.

    Drück dir die Daumen,bleib dran

    LG Bolle

    Der Weg ist das Ziel(Konfuzius)

    Seit 1.1.2014 trocken

  • Hi Scarlett,

    zunächst einmal gut, dass Du in psychiatrischer Behandlung bist. Dann ist sichergestellt, dass Du weißt, wohin Du Dich wenden kannst, wenn sich diese Gedanken aufdrängen.

    Du hast in meinen Augen mit nichts, was Du bisher geschrieben hast, gegen die Forenregeln verstoßen. Und Du musst Dich nicht entschuldigen. Schreib über das, was Dich bewegt. Und falls doch etwas sein sollte, melden sich die Moderator*innen.

    Es ging mir nur darum, Dir aufzuzeigen, dass ich solche Gedanken, wenn sie niedergeschrieben werden, nicht ignorieren kann. Und das Forum damit an seine Grenzen kommt, dessen, was es leisten kann.

    Liebe Grüße Kazik

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    abstinent seit 10.12.2024 / Heute trinke ich nicht.

  • Guten Abend Kazik,

    dein Hinweis, was ein solches Forum eben nicht leisten kann, war berechtigt. Nach dem ersten Lesen deiner Nachricht wollte ich einfach nur fürchterlich beleidigt sein. Etliche Male tief durchamen und langsam bis 10 zählen haben mich wieder runtergebracht. Ich stehe am Anfang, so knabbere ich im Moment an vielen Enden/Baustellen. Meine Ausdrucksweise gibt meinen Ist-Zustand wieder. Aber auch das hat Grenzen. Vieles schreibe ich in meinem persönlichen Tagebuch (ganz nach alter Art: handschriftlich), da geht es langsamer und wohl auch reflektierter. Hier zu schreiben geht schneller und dadurch vielleicht nicht immer richtig durchdacht.

    Danke an Bolle für die Worte und das Daumen drücken.

    Scarlett

  • Hi Scarlett,

    alles gut. Und richtig gut ist, das Du nicht beleidigt bist und zugemacht hast.;)

    Weder ich noch irgendeine Andere will Dir etwas Böses. Und die Kombination aus Depression und Saufen ist nicht selten. Und es ist wichtig, dass wir hier offen miteinander umgehen und Gefahren benennen.

    Liebe Grüße Kazik

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    abstinent seit 10.12.2024 / Heute trinke ich nicht.

  • Eine Frage allgemein: Habe heute Nacht so viel gelesen über Euphorie, Glücksgefühle usw. in der Anfangszeit der Abstinenz. Davon verspüre ich nix, eher das Gefühl, dass es mir zunehmend schlechter geht.

    Hallo Scarlett,

    als ich mich hier im Forum anmeldete, war ich bereits knapp 7 Monate abstinent. Dann, beim ersten Lesen hier, war ich verwundert, hatte den *Eindruck*, die Euphorie sei quasi "Standard" in der Anfangszeit der Abstinenz...

    Bei mir war das absolut nicht so! Die ersten drei Monate waren stimmungsmäßig eine Berg- und Talfahrt, wobei die tiefen Täler überwogen, ja auch Höhlen vorkamen -- jedenfalls ziemlich grenzwertig; habe mich da einfach durchgebissen und es ertragen. (Ich denke, keine Depression im Leben gehabt zu haben, sicherlich aber depressive Episoden. Jedoch ohne jede Behandlung.)

    Da Du in Behandlung bist, kannst Du diese Fragen ja bei Fachleuten loswerden. Außerdem ist es noch der Anfang. Es ändert (tendenziell bessert) sich von Tag zu Tag.


    Ich hatte mich wegen meiner abweichenden Erfahrung eingehender informiert und folgendes in Erfahrung gebracht:

    Die Euphorie in der frühen Abstinenz ("Pink Cloud" -- intensive Hochstimmung, sich befreit, energiegeladen, optimistisch fühlen, weil Alkohol nicht mehr die Wahrnehmung dämpft) ist kein universelles Phänomen.

    Ich las, dass ca. 50–70 % der Abstinenten eine Euphoriephase erleben, aber Intensität/Dauer stark variieren. Faktoren wie Persönlichkeit, Konsummuster (+ Dauer/Menge), psychische Gesundheit und Lebensumstände spielen eine Rolle.

    Das Alter scheint mir auch nicht unwichtig. Ich bin 60+ - und wenn ich meinen Ausstieg mit früheren Trinkpausen vergleiche, dann fallen mir erhebliche Unterschiede auf - also früher hatte ich Euphorie sehr wohl intensiv erlebt. Annehmen würde ich bei mir auch, dass zudem die erheblich gesteigerte Alk-Menge zum Ende hin ihren Preis hatte - sich auswirkte als längerer Prozess der Regeneration/Neukalibrierung vor allem im Gehirn.

  • Hallo Scarlett,

    bei mir stehen auch nicht gerade Euphorie und glücksgefühle im Vordergrund.

    Letzte Woche hat die Beratung mich gefragt ob ich stolz auf mich sei. Ich sagte ihr, Stolz verbinde ICH mit anderen Sachen wie Sport und dergleichen. Aber ich bin sehr dankbar und glücklich dass ich nicht mehr trinken muss.

    Ich schreibe auch ein Tagebuch und dabei fällt mir auf, auch an schlechteren Tagen, wenn ich am Abend so nachdenke, vieles auch positiv ist. Da versuche ich dann das gute ausführliche zu formulieren und das andere nur kurz anschneiden.

    LG

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