Angler - Hoffnung kommt hoffentlich

  • Angler, du bist gedanklich wieder an dem Punkt, an dem du Stabilität mit "ich will ja nicht trinken" verwechselst. Und wenn du glaubst, du bist sicher, weil du kein Verlangen hast, dann bist du am gefährlichsten Punkt.

    Das ist kein Schutz, sondern ein Warnsignal. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Ich meine damit nicht, dass ich mir darüber keine Gedanken mache. Eher viel zu viel. Denn es ist eigentlich albern, sich mit etwas dauerhaft zu belasten, was man ja gar nicht mehr macht. Sollte der Punkt kommen, andem ich eben nicht mehr diesen Abstand habe, da kann nur das Wissen wirken.
    Was dachte ich denn beim Wiedereinstieg? Nicht: du bist bald voll drin, nur heute mal, merkt ja keiner


    Es war absolute Leichtsinnigkeit weil ich in einer Situation unter innerer Anspannung alte Muster wieder aufleben hab lassen. Es war noch nicht mal nötig gewesen. Ich hätte damals auch was anderes machen können. Tat ich aber nicht. Und es hat gewirkt und damit war es dann wieder im Alltag. Nicht jeden Tag oder jede Woche, immer in den ähnlichen Phasen. Und was ich damals nie wirklich gemerkt habe: es hat Konsequenzen.

    Ich habe das echt verdrängt und gesagt: wird schon gut gehen.

    Aber nein, es geht nie gut. Am Anfang vielleicht aber ohne Änderung der Situationen wird es immer wieder der gleiche Ablauf werden.

    Und leider musste ich es schmerzlich erfahren um selber wieder aufzuwachen, was da passiert ist.

  • Heute Morgen bin ich im Büro.

    Ich bin mit dem Auto zur Arbeit gefahren. Unterwegs habe ich mit meinem Kumpel telefoniert (einer der alles von mir kennt aber selber gerne Bier mag). Es ging ums Rauchen (habe vor 3 Jahren aufgehört) dass ich nicht mal mehr wusste, dass ich je geraucht habe.

    Dann auch um ein Festival und das ich ja eh automatisch der Fahrer bin.

    Habe im Rewe kurz gehalten um mir noch ne Cola zu holen. Man geht ja automatisch durch den Laden.

    Ich sah das Bier und mir wurde schlecht. Der ganze Magen verkrampfte und ich bekam mal wieder Brechanfälle, dass ich Teile vom Frühstück wieder im Mund hatte.

    Im Auto habe ich geheult und gezittert. Ich kann es gar nicht glauben, dass ich mal getrunken habe. Es fühlt sich voller Ekel an, vor Veränderung und Panik. Etwas was nie stattgefunden haben kann. Allein der Gedanke es zu trinken, was passiert, das Gefühl in mir bringt mich zum Übergeben. Das Vorhandensein von Bier macht mir nichts aus aber sobald die Gedanken mit mir in Verbindung kommen entsteht eine innerliche Panik, dass ich flüchten will und nicht kann. Etwas was ich vergessen will und es mich als Erinnerung verfolgt.


    Das kommt nachts im Traum, in allen möglichen Situationen (beim Friseur). Der Puls geht sofort hoch, aber richtig. Wie ein Schreckensmoment.

    Als wenn ich dieses Unvorstellbares nie getan hätte, aber das Bewusstsein sagt mir: doch. Ich kann es nicht realisieren, es ist alles unwirklich.

    Wenn mir jemand heute sagen würde: du darfst trinken ohne eine Abhängigkeit zu haben, ganz normal weiter trinken.

    Ich würde es nicht mal schaffen, mehr ein Bier anzurühren. Es ist ein völlig abstrackter Gedanke.


    Der Tag war natürlich wieder gelaufen. Es ist nicht das Schöne der Freiheit, es ist die erdrückende Vergangenheit.

    Einmal editiert, zuletzt von Angler (22. Mai 2026 um 13:33)

  • Hallo Angler,

    irgendwie finde ich die von dir beschriebene Reaktion auf den Anblick von Bier auch für einen abstinenten Alkoholiker nicht normal.

    Wenn ich im Markt bin, bemerke ich die Kästen gar nicht oder denke ausdrücklich „mit euch habe ich nichts zu tun“, wenn ich sie doch wahrnehme, und gehe weiter.

    Ich sah das Bier und mir wurde schlecht. Der ganze Magen verkrampfte und ich bekam mal wieder Brechanfälle, dass ich Teile vom Frühstück wieder im Mund hatte.

    Im Auto habe ich geheult und gezittert. Ich kann es gar nicht glauben, dass ich mal getrunken habe. Es fühlt sich voller Ekel an, vor Veränderung und Panik. Etwas was nie stattgefunden haben kann. Allein der Gedanke es zu trinken, was passiert, das Gefühl in mir bringt mich zum Übergeben. Das Vorhandensein von Bier macht mir nichts aus aber sobald die Gedanken mit mir in Verbindung kommen entsteht eine innerliche Panik, dass ich flüchten will und nicht kann. Etwas was ich vergessen will und es mich als Erinnerung verfolgt.


    Du scheinst dir nach dem Anblick ziemlich intensiv Gedanken über das gesehene Bier zu machen.
    Und das Vorhandensein von Bier scheint dir doch etwas auszumachen, da du schon den bloßen Anblick von Bier sofort mit dir persönlich in Verbindung bringst, wie deine Reaktion ja zeigt.

    Auch wenn du deine krassen Verhaltensweisen (Erbrechen, Zittern, Heulen) und Gedanken (Panik und Fluchtgedanken) positiv, sogar als ein tolles Zeichen einer gefestigten Abstinenz siehst, würde ich derartige physische und mentale Reaktionen als extremen Kampf zwischen meinem Saufhirn und mir einordnen. Und ich würde mich dann noch sehr sehr weit entfernt von einer gesunden bzw. zufriedenen Abstinenz sehen.

    LG Kyra

  • Ich sehe gar nichts positiv. Nicht mal das Nicht trinken freut mich oder ich wäre glücklich. Diese Schuld und Scham erdrücken meinen Alltag enorm. Wie etwas was ich nicht loswerde, egal wie weit ich mich entfernt habe. Immer wieder: du hast es aber gemacht.

  • Ich sehe gar nichts positiv. Nicht mal das Nicht trinken freut mich oder ich wäre glücklich. Diese Schuld und Scham erdrücken meinen Alltag enorm. Wie etwas was ich nicht loswerde, egal wie weit ich mich entfernt habe. Immer wieder: du hast es aber gemacht.

    Wie willst du es loswerden können ???? Es ist deine Vergangenheit, die ist nicht änderbar.

    Was du allerdings ändern könntest, ist dein Blick auf dich selber. Du könntest akzeptieren, was war und dir selber vergeben, so sehe ich das.

    LG Matcha

  • Ich sehe gar nichts positiv. Nicht mal das Nicht trinken freut mich oder ich wäre glücklich. Diese Schuld und Scham erdrücken meinen Alltag enorm. Wie etwas was ich nicht loswerde, egal wie weit ich mich entfernt habe. Immer wieder: du hast es aber gemacht.

    Ja leider sehe ich das so wie du. Die Zeit heilt Wunden. Einfach weitermachen...

    Alkohol löst Partnerschaften, Finanzen, den Arbeitsplatz, die Fahrerlaubnis auf...nur Probleme löst er nicht...

  • Wie willst du es loswerden können ???? Es ist deine Vergangenheit, die ist nicht änderbar.

    Was du allerdings ändern könntest, ist dein Blick auf dich selber. Du könntest akzeptieren, was war und dir selber vergeben, so sehe ich das.

    LG Matcha

    Das versuche ich jeden Tag und sage mir: sei froh. Aber es zieht mich am Ende doch alles wieder runter.

    Ich habe zu spät erkannt, was das alles bedeutet

  • Ja, du kannst froh sein, dass du den Absprung geschafft hast.

    Du weißt, was der Alkohol bisher in deinem Leben angerichtet hat. Du würdest es am liebsten ungeschehen machen, was nicht geht. Schiebst die Alkoholsucht auf die Umstände, verharrst in der Opferrolle. Jedes Bier erinnert dich daran, was war, aber das wolltest du doch verdrängen.

    Du hast getrunken, dein Leben ist dadurch nicht so verlaufen, wie du es dir gewünscht hast. Du warst das, das musst du nicht verdrängen. Das musst du akzeptieren, vielleicht geht es dir dann besser.

  • Vielleicht auch daran denken - was alles schlimmes noch nicht geschehen ist. Was man noch verhindern kann, wenn man JETZT aufhört und nicht erst in 10,15 Jahren wenn man denn überhaupt noch so lange hätte. All das was geschehen ist, lässt sich leider nicht mehr verändern. Aber das was noch kommt.

    Alkohol löst Partnerschaften, Finanzen, den Arbeitsplatz, die Fahrerlaubnis auf...nur Probleme löst er nicht...

  • Hi Angler,

    so wie ich das lese, belastet dich der Anblick von Bier bereits psychisch, ein Trinkwunsch ist aber gar nicht vorhanden, richtig? Dein Gehirn verknüpft den Alk mit mit belastenden Erinnerungen, aber die Sucht als solche, ist vielleicht nur Teil eines größeren Problems. Seit du hier bist, beschreibst du eher ein Ekelgefühl und dir ist anscheinend sonnenklar, dass du nie wieder trinkst.

    Bin weder Psychologe, noch Arzt, aber vielleicht solltest du dir an anderer Stelle zusätzliche Rat holen, meiner Meinung nach könnte das psychosomatisch sein. Nur so als Idee.

    Gruß,

    Hera

  • Genau das ist es. Es ist ein absoluter Widerstand bei dem Gedanken zu trinken. Es kommen alle Erinnerungen hoch, was ich damit an Erlebnissen hatte. Natürlich sage ich mir immer wieder: du kannst nicht mehr machen als es verstehen und handeln, aber nichts mehr ändern. Du bist wieder der, der du wirklich bist. Aber diese unglaubliche Wut auf mich bleibt

  • Ja, das klingt nach einem sehr klaren inneren Widerstand. Der Ekel und die körperlichen Reaktionen sind stark, ins Extrem gehend, noch nicht ausbalanciert (nicht vollständig verarbeitet). Aber das schützt dich momentan vor dem Alkohol.

    Auf Dauer solltest du trotzdem immer unkalkulierbare Momente (starke Stimmungstiefs, unerwartete Krisen, …) im Hinterkopf behalten, bei denen die Sucht/Automatismen plötzlich wieder laut werden können. Deshalb ist Vorsicht klüger als "bei mir ist das anders"!

  • Eine Überlegung:

    Es scheint, als würde sich bei dir die Schuld am Scheitern der Beziehung sehr stark mit dem Alkohol verknüpfen. Gleichzeitig war die Beziehung aber schon vorher sehr belastend und toxisch.

    Vielleicht kannst du mit Hilfe der Therapeutin beides voneinander "trennen". Den eigenen Anteil (Selbstwertgefühl, Verlustangst, zu starke Anpassung) anzuschauen, ohne die ganze Verantwortung für das Ende allein auf die Trinkerei (und damit auf dich) zu schieben. Das könnte langfristig auch etwas von der erdrückenden Scham nehmen. Denn das Thema Selbstvergebung kam mir bei deinen Beiträgen schon öfter in den Sinn.

  • Das sagt sie ja auch und alle anderen auch.

    Weil es eben nur Phasen waren und die Grundstimmung oft auch nicht am Alkohol lag. Aber er ist greifbar und das war auch der Grund.

    Ich habe zu spät verstanden was er bewirkt und warum ich das überhaupt gemacht habe. Alte Muster springen leicht an, Aber neue Wege geht man selten allein wenn man die nicht gelernt hat. Das ist für mich jetzt total neu und es geht… für mein Leben rechtzeitig, für die Beziehung zu spät.

    Was halt schlimm ist: ich war damals extrem stabil und hatte nie Verlangen auf Alkohol. Aber ich hatte scheinbar immer noch nicht alles verarbeitet und dachte einfach nicht trinken reicht. Das klappte ja auch sehr gut. Aber sobald mein Inneres eben nicht ausgeglichen war kam der Teufel zurück und blieb. Scheinbar war ich noch nicht ganz am Boden…

  • Es braucht sicherlich seine Zeit, alles zu verarbeiten, dich selbst wieder "aufzubauen" und mitsamt der Erkenntnisse innerlich "ein wenig umzugestalten".

    Schön zu lesen, wie klar du mittlerweile die Zusammenhänge siehst und dass die Therapie dir hilft, die wirklichen Hebel zu erkennen.

    Und nicht zu vergessen:
    4½ Monate trocken - trotz starker innerer Unruhe, dem noch laufenden Gedankenkarussell, Umzug … Respekt dafür!

  • Das sagt sie ja auch und alle anderen auch.

    Weil es eben nur Phasen waren und die Grundstimmung oft auch nicht am Alkohol lag. Aber er ist greifbar und das war auch der Grund.

    Ich habe zu spät verstanden was er bewirkt und warum ich das überhaupt gemacht habe. Alte Muster springen leicht an, Aber neue Wege geht man selten allein wenn man die nicht gelernt hat. Das ist für mich jetzt total neu und es geht… für mein Leben rechtzeitig, für die Beziehung zu spät.

    Was halt schlimm ist: ich war damals extrem stabil und hatte nie Verlangen auf Alkohol. Aber ich hatte scheinbar immer noch nicht alles verarbeitet und dachte einfach nicht trinken reicht. Das klappte ja auch sehr gut. Aber sobald mein Inneres eben nicht ausgeglichen war kam der Teufel zurück und blieb. Scheinbar war ich noch nicht ganz am Boden…

    Ist bei mir ähnlich. In gefährlichen Situationen bin ich vorsichtig und passe auf. Unerwartete, entspannte Situationen sind Risiko.

    Alkohol löst Partnerschaften, Finanzen, den Arbeitsplatz, die Fahrerlaubnis auf...nur Probleme löst er nicht...

  • Es braucht sicherlich seine Zeit, alles zu verarbeiten, dich selbst wieder "aufzubauen" und mitsamt der Erkenntnisse innerlich "ein wenig umzugestalten".

    Schön zu lesen, wie klar du mittlerweile die Zusammenhänge siehst und dass die Therapie dir hilft, die wirklichen Hebel zu erkennen.

    Und nicht zu vergessen:
    4½ Monate trocken - trotz starker innerer Unruhe, dem noch laufenden Gedankenkarussell, Umzug … Respekt dafür!

    Das war der erste Schritt in der Therapie als ich gefragt wurde: was habe ich mir Alkohol verändern können? Wie ging es mir danach? Habe ich je gelernt Unruhe auszuhalten oder wie war es früher?


    Und da kam halt raus, dass immer Alkohol da war. In jungen Jahren förmlich antrainiert.

    Und da ich wusste, ich kann nichts ändern aber wenn es mir besser gehen soll, müssen Bier und ich getrennte Wege gehen.

    Und dann passierte es von heute auf Morgen. Es war nie einfach das auszuhalten.

    Aber ich habe mir wieder Sport gesucht und mich mit Freunden getroffen. Und überall gab es kein Bier und ich änderte nichts an der Situation. Außer, dass ich nüchtern blieb. So habe ich Schritt für Schritt gelernt ohne Alkohol zu funktionieren. Leben ist es noch nicht aber funktionieren.

    Und von Tag zu Tag und Monat zu Monat verschwand es immer mehr. Was aber sich änderte ist das Bewusstsein und diese extreme Ablehnung.

    Ich habe mich seit vielen Jahren selber ohne Alkohol kaum kennengelernt. Ich muss erstmal zu mir selber wieder finden.

    Und das entscheidende ist eben: Ich kann Sachen nicht verändern, ich verdränge sie. Ur mit Bier.und damit kommt man in einen Kreislauf. Darauf habe ich keine Lust mehr. Meine Energie dafür ist aufgebraucht

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