Morgaine - Alkoholikerbekenntnis, Identität und Selbstwert

  • Also ich weiß echt nicht, ob das "normal" ist. Vor Allem den Vormittag über? Ich würde das abklären lassen. Wir sind ja keine Diagnostiker und was bei dem ein oder anderen vielleicht auch so war, kann nicht verallgemeinert werden. Ich wünsch dir, dass sich das alsbald legt.

    Freiheit begann für mich dort, wo die Ausreden endeten.

    Abstinent seit 2022

  • Hallo _Eternal_ ,

    danke für die Hinweise und die guten Wünsche! Tatsächlich habe ich mir über Suchtverlagerung auch schon so meine Gedanken gemacht - da muss ich wirklich aufpassen!

    Was das morgendliche Katerchen angeht (Watte im Kopf) werde ich lieber früher als später zum Arzt gehen...sicher ist sicher...;)

    liebe Grüße
    Morgaine

    per aspera ad astra (nach Seneca) - durch das Dunkel zu den Sternen

  • Also ich weiß echt nicht, ob das "normal" ist. Vor Allem den Vormittag über? Ich würde das abklären lassen. Wir sind ja keine Diagnostiker und was bei dem ein oder anderen vielleicht auch so war, kann nicht verallgemeinert werden. Ich wünsch dir, dass sich das alsbald legt.

    Ich danke Dir! Ich werde es nicht auf die leichte Schulter nehmen!

    per aspera ad astra (nach Seneca) - durch das Dunkel zu den Sternen

  • So, nun ist Samstag Abend und ich sitze mit dem Gefühl in der Küche, vor dem ich die ganze Zeit Angst hatte. Ich schreibe bewusst nicht im SOS-Bereich, weil ich weiß, dass ich nicht handeln werde, ich werde nicht losziehen und trinken... aber gerade im Moment ist der Suchtdruck enorm.
    Die Sache ist die, ich bin früher wahnsinnig gerne Tanzen gegangen und habe dabei natürlich auch getrunken. Tanzen ist mein Ventil, mein Ausgleich, meine Lebensfreude. Aber halt nicht allein im Wohnzimmer sondern mit lauter Musik im Club...
    und ja, ich vermisse gerade das Gefühl, dass ich dabei hatte, das leider auch mit Alkohol verbunden ist. Undenkbar, nachher in den Club zu gehen und mir vorzunehmen nichts zu trinken, das lasse ich schön bleiben!

    Mit Anfang 20 habe ich aus Überzeugung ein paar Jahre keinen Alkohol getrunken und konnte ohne problemlos tanzen gehen - ich habe die Abende trotzdem genossen. Das kann ich mir jetzt nicht mehr vorstellen...Was für ein Jammer. Ich habe noch keinen Ersatz für das Tanzen gefunden... durch den Park joggen kommt für mich bei Dunkelheit nicht in Frage bzw weiß ich genau, dass es nicht um die körperliche Auslastung an sich geht - ich vermisse das ganze Ambiente, die Atmosphäre usw...

    Nunja, vorbei ist vorbei, ich werde mir da eine Strategie überlegen müssen, mit diesem Craving umzugehen. Das ist eine ganz üble Mischung aus verschiedenen Sehnsüchten, die letztlich alle eins wollen: nicht mehr Denken, Hemmungen loslassen, drauflos tanzen und unbeschwert sein.

    Ich werde jetzt mit meiner Katze kuscheln und Tee trinken. Vielleicht schaffe ich es, früh ins Bett zu gehen. Mal sehen. Aber eines weiß ich genau: ich werde nicht losziehen.

    per aspera ad astra (nach Seneca) - durch das Dunkel zu den Sternen

  • sondern mit lauter Musik im Club...
    und ja, ich vermisse gerade das Gefühl, dass ich dabei hatte, das leider auch mit Alkohol verbunden ist.

    Hallo Morgaine,

    ich kenne das auch. Zuletzt habe ich voriges Wochenende auf einer Geburtstagsfeier an alte Partyzeiten denken müssen , als Musik lief, zu der ich früher in Clubs ziemlich heftig gefeiert und natürlich auch ordentlich getrunken habe.

    Aber auch das sind letztlich nur Gedanken und Erinnerungen, die mich entsprechend triggern können, wenn ich ihnen zu viel Aufmerksamkeit gebe. Mir hilft da nur den Aufmerksamkeits-Scheinwerfer von diesen Gedanken wegzurichten (quasi wie beim Meditieren).

    Am Anfang waren (ich nenne sie jetzt mal konkret für mich) Verzichtsgedanken ziemlich heftig. Mittlerweile melden sie sich kaum noch bzw. eigentlich nur noch anlassbezogen, wie bei dieser Feier.

    Will heißen, auch das geht vorbei.. Genieß jetzt erstmal in Ruhe deinen Tee und das Kuscheln mit deinem Kätzchen.

    Einen angenehmen Abend wünscht KW

    „Ein klarer Geist ist wie ein stiller See – jeder Tropfen hinterlässt Wellen, aber die Ruhe kehrt immer zurück.“

  • Liebe Morgaine,


    ich weiß gar nicht, ob ich dir schon geschrieben habe — lesen tue ich dich immer, und ich freu mich, dass du hier im Forum bist.

    Finde ich total gut, dass du jetzt gerade geschrieben hast, wie es dir geht.


    Auch wenn es genauso ein Gefühl wie „trinkend und tanzend im Club“ nicht mehr geben wird, kommen andere Dinge, die du für dich entdecken wirst - also bei mir war das so - die dafür mehr als kompensieren.

    Ich schreibe nicht so oft bei frisch Trockenen, weil ich da nicht so richtig etwas beizutragen habe, da mir das oft so weit weg vorkommt. Aber genau das schreibe ich dir jetzt einfach mal: So wie du dich jetzt fühlst, wirst du dich nicht dauerhaft fühlen.

    Und ganz konkret heute Abend: Womit könntest du dich gut ablenken?

    Viele Grüße

    Thalia

  • Und denk daran, wie du dich am nächsten Tag, nach durchzechten Tanzpartys gefühlt hast. Du empfindest das Gefühl von Watte ohne Kater bereits unangenehm. Schreib hier einfach weiter, wenn du dich nicht stark genug fühlst, dafür sind wir da.

    Freiheit begann für mich dort, wo die Ausreden endeten.

    Abstinent seit 2022

  • Hallo Morgaine,

    habe gerade Deinen Beitrag gelesen. Wie geht es Dir inzwischen?
    In der Regel ist der Suchtdruck nach einiger Zeit vorbei.

    _______________________________________

    LG Tabsi, abstinent seit 27.04.2024

  • Guten Morgen Tabsi !

    Danke, das ist sehr aufmerksam!
    Der Druck hielt noch eine Weile an, Aber Tee trinken und Katze knuddeln hat doch geholfen und schließlich bin ich um 21 Uhr schlafen gegangen… kein Blödsinn möglich :) …. Ich hoffe, irgendwann tanze ich nüchtern durch meine Wohnung und vermisse nichts….
    Liebe Grüße

    Morgaine

    per aspera ad astra (nach Seneca) - durch das Dunkel zu den Sternen

  • Guten Morgen,

    das hört sich doch gut an.
    Ja, tanzen war auch meine Leidenschaft. Ich war zwar kein Clubgänger, bin noch in Zeiten der 80iger/ 90iger zur Disco gegangen 😁.
    Von Tanzflächen war ich kaum wegzubekommen. Später habe ich dann oft zu Hause im alkoholisierten Zustand rumgetanzt🙈

    Heute bin ich der FrühinsBettgeher und der Frühaufsteher. Ich vermisse dabei nichts, denn alles hatte seine Zeit und ich genieße eher die Ruhe.

    Wenn dann aber die richtige Mucke läuft, dann hälts auch mich nicht mehr auf dem Stuhl😅

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    LG Tabsi, abstinent seit 27.04.2024

  • Das tut gut zu lesen <3

    Und ja, früh ins Bett gehen und früh aufstehen hat was für sich… ich lerne die Klarheit zu schätzen und was ich alles schaffe…

    per aspera ad astra (nach Seneca) - durch das Dunkel zu den Sternen

  • Guten Morgen Morgaine,

    bei uns gibt es auch geführte Tanzveranstaltungen nachmittags. Da wird erst meditiert und dann getanzt. Das sind strikte Drogen und Alk freie Veranstaltungen oder Soul Motion Tanzen. Das kommt zwar nicht an die Club Stimmung dran, aber immerhin tanzen mit anderen Menschen.
    Die Verzichtsgedanken kannst Du mit der Zeit auflösen, hier ist Geduld gefragt. Mir hat geholfen den Fokus zu verändern und was anderes in der fraglichen Zeit zu machen. Ich hatte anfangs auch die starke Sehnsucht, einfach Mal Pause von mir selbst zu haben. Sich nüchtern die ganze Zeit selbst auszuhalten fand ich sehr herausfordernd.

    Ich wünsche Dir gutes Gelingen.

    Liebe Grüße Rina

  • Hallo *Rina* ,

    das ist eine schöne Idee! Ich könnte mal gucken, ob es bei uns Kurse für den 5-Rhythm-Dance bzw The Wave gibt...

    Hmpf, ja, Geduld ist nicht meine Stärke, das merke ich jetzt wieder... scheint meine Lebensaufgabe zu sein, diese zu lernen und zu üben... Du drückst das schön aus: "Pause von mir selbst" ... genau das waren meine Tanzabende für mich.
    Aber es hilft ja alles nichts und ich will auch nicht jammern. Ich wollte immer ein bewusstes Leben und jetzt bin ich dazu gezwungen bzw habe ich mir irgendwie selbst den Weg so gewählt, dass ich jetzt ohne Betäubung weitergehen muss/darf/kann...wobei bei mir Nikotin ein Thema ist, das werde ich aber später angehen, das ist mir sonst jetzt zu viel auf einmal...

    Liebe Grüße
    Morgaine

    per aspera ad astra (nach Seneca) - durch das Dunkel zu den Sternen

  • Liebe Thalia1913 ,

    da freu ich mich besonders über Deine Antwort! Ich kann das gut nachvollziehen, dass die Welt der "Frischlinge" weit weg für Dich ist!
    Und Deine Worte machen mir Mut und Hoffnung... es ist etwas ungünstig, dass ich im Moment keine Zeit und Kraft habe, Neues auszuprobieren und kennenzulernen, aber in einer Woche ist die Lernerei vorbei und dann gehe ich das an...

    Meine Katze und der Tee haben mir gestern geholfen und ich bin froh, dass ich bisher wenigstens nicht den Impuls hatte, mich für das Lernen mit Alkohol zu belohnen... immerhin! :) Und für das Tanzen gehen werde ich was anderes finden!

    Liebe Grüße
    Morgaine

    per aspera ad astra (nach Seneca) - durch das Dunkel zu den Sternen

  • Danke Kurswechsel !
    Deine Nachricht hat mir geholfen - dass Du auch den Verzichtsgedanken kennst, für den ich mich immer noch schäme...
    ich weiß inzwischen so viel Negatives über Alkohol und habe ja erlebt, was er mit mir gemacht hat! Aber das mit dem Verzichten sitzt scheinbar tief...

    Respekt, dass Du auf der Geburtstagsfeier warst und stark geblieben bist - ich weiß jetzt nicht, wie lange Du schon trocken bist, aber jedenfalls würde ich mir das noch nicht zutrauen... kein Wunder, sind ja noch nichtmal 2 Monate bei mir...

    Also nochmals Danke und einen schönen Abend Dir!
    Liebe Grüße
    Morgaine

    per aspera ad astra (nach Seneca) - durch das Dunkel zu den Sternen

  • Für heute hat das Lernen ein Ende ... ich bin etwas frustriert, weil es nicht so gut läuft, wie mein Zeitplan vorsieht. Ausserdem habe ich festgestellt, dass ich mir die Inhalte, die ich gelernt habe, als ich noch getrunken habe, nicht so gut merken konnte wie gedacht... :oops:
    Es hilft jetzt alles nichts, ich kann das nciht normal durchgehen, dafür reicht die Zeit nicht... ich hoffe einfach, dass der Prüfungsgott gnädig mit mir ist und ich Glück bei der Fragenauswahl habe oder mein Gehirn doch gut anspringt.

    Aber wenn ich das früher gewusst hätte (ich glaube, ich habe es nicht gewusst, vielleicht habe ich es auch verdrängt...) wie Alkohol mein Gehirn und meine Fähigkeiten beeinflusst... ohne Worte...

    Ich bin sehr dankbar, hier sein zu können, Euch zu lesen und Feedback zu bekommen.... das ist so hilfreich!
    Einen schönen Abend in die Runde!
    Liebe Grüße
    Morgaine

    per aspera ad astra (nach Seneca) - durch das Dunkel zu den Sternen

  • Ausserdem habe ich festgestellt, dass ich mir die Inhalte, die ich gelernt habe, als ich noch getrunken habe, nicht so gut merken konnte wie gedacht...

    Wie sagt hier jemand, "Es ist wie es ist", aber du kannst das Beste draus machen.
    Achte auf dich, sorge für ausreichend Schlaf, esse gut und trinke viel, das Gehirn brauch Energie und Flüssigkeit...

    ...und, "Alkohol ist keine Option".
    Bald wirst du feststellen, dass du auch ohne Alkohol tanzen kannst;)

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • Aber das mit dem Verzichten sitzt scheinbar tief...

    Hallo Morgaine,

    auch tief sitzende Muster können mit der Zeit überschrieben werden, jedenfalls dann, wenn sie durch neue Handlungsweisen ersetzt werden.

    Allerdings kann ich mir persönlich einen Clubbesuch heute nicht mehr vorstellen. Ich habe das früher eigentlich nie ausgehalten, ohne mich vorher ordentlich „vollzutanken“. Nüchtern war mir das schon immer einfach viel zu laut und zu viel Input. Irgendwie konnte ich das immer nur „benebelt“ ertragen..

    Von daher wird dieser Teil meines Lebens wohl auch nicht überschrieben. Und auch die Erinnerungen daran werden bleiben (und zugegebenermaßen habe ich daran nicht nur schlechte Erinnerungen). Aber auch diese Erinnerungen verblassen mit der Zeit, wenn ich sie nicht mehr regelmäßig füttere bzw. ich ihnen keine Aufmerksamkeit mehr schenke.

    aber jedenfalls würde ich mir das noch nicht zutrauen...

    Ich bin bei Geburtstagen grundsätzlich nach dem Abendessen wieder weg. So war es auch bei dieser Veranstaltung. Zum einen natürlich, um mich möglichen Alkohol-Triggern fernzuhalten, aber auch, weil mir das Ganze einfach nichts mehr gibt, ich da einfach keine Lust mehr drauf habe.

    Ich habe inzwischen andere Seiten an mir entdeckt. Ich brauche es nicht mehr laut um mich herum und auch keinen Trouble. Ich komme ganz gut mit mir allein zurecht und genieße das sogar zunehmend.

    Den besagten Abend hat mich die Musik getriggert, das kannte ich so auch noch nicht. Da kamen Erinnerungen an frühere Zeiten hoch…

    ich weiß jetzt nicht, wie lange Du schon trocken bist

    In einem Monat werden es zwei Jahre.

    „Ein klarer Geist ist wie ein stiller See – jeder Tropfen hinterlässt Wellen, aber die Ruhe kehrt immer zurück.“

  • Hallo Kurswechsel ,

    ok, 2 Jahre! Da hast Du mir schon einiges voraus!

    Es ist gut, dass es Dir nichts ausmacht, früher von einer Feier nach Hause zu gehen - so lese ich Dich jedenfalls.
    Bei mir ist das Gute, dass mein nahes Umfeld überhaupt keinen Alkohol trinkt, ich war die einzige... auch Feiern finde eher nachmittags und ohne Alkohol statt.
    Beim Lesen Deiner Nachricht musste ich allerdings an Weihnachten denken. Da bin ich immer bei meiner Schwester eingeladen und deren Söhne und ihr Mann trinken ganz ordentlich... das wird hart für mich... oder ich gehe nicht hin oder ich informiere vorab meine Schwester und bitte um Zurückhaltung...mal sehen...

    Tatsächlich bin ich immer nüchtern in Clubs gegangen und habe mich dann dort betrunken...oft "nur" bis zum kleinen Schwipps, aber oft genug auch deutlich drüber...Was ich tatsächlich nicht vermissen werde, sind die Menschenmengen, aber die laute Musik schon...

    Ja, Du hast recht, man kann auch tief sitzende Glaubenssätze und Muster verändern. Ich beschäftige mich gerade mit neuronalen Netzwerken und weiß daher, dass das seine Zeit braucht, aber möglich ist. Da ich schon als Teenager Alkohol getrunken habe und schon während des Studiums missbräuchlich getrunken habe (jetzt bin ich Anfang 50), wird das mit dem Verzichtsgefühl und -gedanken wohl eine Weile bei mir dauern... Trotzdem, ich hatte es schon irgendwo hier geschrieben: ich habe jetzt viel mehr Energie und kann viel besser schlafen, das möchte ich auch nicht mehr missen...

    Darf ich noch fragen, wie Dein Freundeskreis reagiert, wenn Du üblicher Weise nach dem Essen gehst? Ist das ok oder musst Du da jedes Mal diskutieren?

    Liebe Grüße
    Morgaine

    per aspera ad astra (nach Seneca) - durch das Dunkel zu den Sternen

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