Klänge in Dur und Moll

  • Hallo Avalon,

    Deine Beschreibung erinnert mich allerdings stark an die Allen-Carr-Idee „Nie wieder Alkohol“. Die habe ich selbst ausprobiert. Anschließend war ich ebenfalls überzeugt, dass Alkohol für mich keine Rolle mehr spielt. Nur folgte darauf ein Rückfall, der mich beinahe das Leben gekostet hätte.

    Deshalb werde ich bei solchen Aussagen etwas hellhörig. Nicht weil ich dir deine Erfahrung abspreche, sondern weil ich selbst erlebt habe, wie trügerisch diese Sicherheit sein kann.

    Du schreibst ja selbst, dass du nicht genau erklären kannst, was deinen Klick ausgelöst hat. Ob dein Schlaganfall dabei eine Rolle gespielt hat, ist eine Möglichkeit, die du selbst in Betracht ziehst. Wissen tun wir es nicht. Und gerade deshalb wäre ich vorsichtig damit, den Klick anderer Alkoholiker danach zu beurteilen, wie du deinen eigenen erlebt hast.

    Auch bei deinem Brückenvergleich gehe ich nicht mit.

    Nur weil ich eine Brücke meide, bedeutet das doch nicht, dass ich insgeheim darüber nachdenke, herunterzuspringen. Vielleicht kenne ich einfach die Gefahr und habe beschlossen, sie nicht einzugehen? Und warum sollte ich überhaupt über diese Brücke laufen müssen, nur um mir zu beweisen, dass ich nicht runterspringe?

    Was wäre denn damit bewiesen? Und was, wenn ich doch springe? Für mich wäre das eine unnötige Konfrontation mit meiner Sucht, bei der ich im schlimmsten Fall einen Rückfall in Kauf nehme. Wozu?

    Risikominimierung ist für mich keine fehlende Entscheidung, sondern eine Konsequenz aus meiner Entscheidung.

    Du gehst davon aus, dass sich eine steigende Gefährdung rechtzeitig ankündigt und du dann gegensteuern kannst. Das kann funktionieren. Darauf verlassen würde ich mich allerdings nicht. Was morgen unter anderen Lebensumständen funktioniert, wissen weder du noch ich.

    In diesem Sinne wünsche ich dir weiterhin viel Erfolg auf deinem Weg. ;)

    Gruß Hartmut

    ------------------

    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Zitat

    Und warum sollte ich überhaupt über diese Brücke laufen müssen, nur um mir zu beweisen, dass ich nicht runterspringe?

    Gegenfrage Hartmut Wie kommst du darauf dass ich mir etwas beweisen möchte? Ich möcht' einfach bloss auf die andere Seite der Brücke. Ich muss mir nix mehr beweisen. Ich möchte einfach bloss angstfrei über Brücken gehen, sollte das die Situation erfordern.

  • Hartmut Und eben fällt mir noch was ein, zu "klick machen":

    Angenommen, Alkohol würde nicht süchtig machen, die Wirkungsweise würde auch "nur bis zu einem bestimmten Grad, aber nicht drüber" gehen, und es wäre auch kein krank machendes Nervengift. (oder noch weitere üblen Eigenschaften, die mir grad nicht einfallen): Würde man da wieder trinken?

    Wenn die Antwort "nein" lautet, dann hat es jenen Klick gemacht, den ich meine. Dann ist lebenslange Abstinenz recht leicht.

    Wenn die Antwort "ja" lautet, hat es diesen Klick nicht gemacht, allenfalls hat man erkannt, dass man ein Suchtproblem hat. Aber das ist kein Klick in meinem Sinne. Lebenslange Abstinenz ist nur durch immense Sicherheitsvorkehrungen und deren konsequente Einhaltung möglich.

    Wenn die Antwort "möglicherweise", dann hat es ebenfalls nicht diesen Klick gemacht, sondern "irgendwas anderes ist passiert, was man zwar ebenfalls Klick nennt, jedoch nicht derjenige Klick ist, den ich meine". Auch dann gilt zur Sicherheit wohl: Lebenslange Abstinenz ist nur durch immense Sicherheitsvorkehrungen und deren konsequente Einhaltung möglich.

    Alle drei "Wege" können zur lebenslangen Abstinenz führen. Die Wege selbst möchte ich gar nicht bewerten.

    Vielleicht kann ich das irgendwann noch genauer beschreiben, wie ich das meine.

    Einmal editiert, zuletzt von °Avalon° (21. Oktober 2026 um 11:02)

  • Angenommen, Alkohol würde nicht süchtig machen, die Wirkungsweise würde auch "nur bis zu einem bestimmten Grad, aber nicht drüber" gehen, und es wäre auch kein krank machendes Nervengift. (oder noch weitere üblen Eigenschaften, die mir grad nicht einfallen): Würde man da wieder trinken?

    warum soll ich etwas annehmen, was es in Wirklichkeit gar nicht gibt? Alkohol hat nun mal seine Wirkung, und die Sucht hat ihre eigenen Mechanismen. Die kann ich doch nicht einfach ausklammern und aus meiner Antwort darauf ableiten, wie entschieden ich mich gegen Alkohol entschieden habe.

    Aber du hast recht, du willst dir mit der Brücke nichts beweisen, sondern einfach auf die andere Seite. Das habe ich dir auch nicht unterstellen wollen. Mir geht es dabei schlicht um Risikominimierung und mögliche Folgen. Wer eine Gefahr bewusst meidet, hält sie sich deshalb doch nicht als Option offen.

    Solche Gedankenspiele brauche ich für meine Sucht nicht. So viel Aufmerksamkeit bekommt sie von mir gar nicht mehr. Meine Alkoholabhängigkeit ist nicht heilbar, also richte ich mein Leben so ein, dass sie möglichst nicht wieder aktiv wird.

    Ich habe übrigens gegen Ende meiner nassen Zeit fast jede Woche morgens Blut und Galle gekotzt und trotzdem weitergesoffen. Eine persönliche Abneigung gegen Alkohol ist bei mir also durchaus vorhanden. Nur ist auch die kein Garant dafür, dass die Sucht nicht irgendwann wieder zuschlägt.

    Für mich zählt, wie ich mit meiner Sucht in der Realität umgehe, und damit können wir doch beide gut leben. Auch wenn ich das Thema Risikominimierung hier ziemlich auseinandernehme, laufe ich trotzdem ganz entspannt durchs Leben.

    Ich vergesse nur nicht die Suchtmechanismen, denn die bleiben mir ein Leben lang erhalten.

    Was morgen ist, weiß ich morgen. Heute reicht mir, dass ich trocken bleibe.

    Gruß Hartmut

    ------------------

    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Moin

    Das ganze geht jetzt in richtung, wenn es da ne pille gegen sucht gibt...nur halt mit einer brücke:roll:

    Perfer et obdura, dolor hic tibi proderit olim.

    ("Ertrage und halte durch, dieser Schmerz wird dir einst nützen")

    (Trocken seit 26.03.2009)

  • Ich frage mich nur: Wenn Deine Haltung zum Alk so glasklar ist, Avalon, warum magst Du dann überhaupt noch Lebensmittel, die eindeutig Alk enthalten, d. H. Danach schmecken, riechen oder aussehen?

    Das habe ich doch gar nie gesagt. Wie kommst Du darauf? Ich sage bloss dass mich Alkohol im Essen noch nie getriggert hat.

    Ich zitier' mich gleich mal selber (musste grad noch gucken gehen ob das stimmt):

    Zitat

    Alkohol in Essen hat mich noch nie getriggert, und Saufdruck verspüre ich sowieso nicht. Ich erinner' mich daran, dass ich mal getrunken habe, ja, klar, aber das erzeugt keinen Druck. Wieso auch.

    Ich hasse z.B. Desserts mit Alkohol, egal welches. Hab ich auch vorher nie gemocht, jetzt noch weniger. Ich mochte früher "Kirschstängeli", das ist die einzige süsse Ausnahme. Aber diese lass ich seitdem weg, weil deren Alkoholgehalt sehr hoch ist, und ich da Gefahrenpotential sehe. Und sie bedeuten mir zuwenig. Drum: keine Süssen Sachen mit Alkohol.

    Wenn im Restaurant eine Sosse auf dem Essen ist - und das war ja irgendwie das Thema, wenn's mir recht ist - dann ist es mir egal ob da mit z.B. Rotwein gekocht wurde, da ich das gar nicht raus rieche. (Eine Rotweinsauce bestell ich jedoch schon gar nicht) Wieso sollte mich also sowas triggern.

    Es gab hier mal eine Disussion, dass in diesen Milchschnitten "versteckter Alkohol" drin sei, und ob man diese jetzt vermeiden sollte. Nicht dass ich Milchschnitten besonders mochte, ich ess die aus anderen Gründen nicht mehr, aber ich fand das etwas zu überzogen. (info: die Rezeptur des Originals wurde anno 2000 angepasst, Milchschnitten haben keinen Alkohol mehr drin, seit 26 Jahren) Ich würde aber eine Milchschnitte immer noch essen, da mich diese in keinster Weise an Alkohol erinnert. Erst seit dieser Diskussion - und diese Macht gebe ich Triggern halt einfach nicht.

  • Moin

    Das ganze geht jetzt in richtung, wenn es da ne pille gegen sucht gibt...nur halt mit einer brücke:roll:

    Ich versuch ja nur zu erklären, wie ich das mit dem "Klick" meine. Menno. Leute. Der Klick hat einfach dazu geführt, dass ich keinen Alkohol mehr trinken will. Selbst wenn ich nicht süchtig wäre. Wer's partout nicht verstehen will, der lässt das eben sein.

  • Hartmut

    Zitat

    warum soll ich etwas annehmen, was es in Wirklichkeit gar nicht gibt? Alkohol hat nun mal seine Wirkung, und die Sucht hat ihre eigenen Mechanismen. Die kann ich doch nicht einfach ausklammern und aus meiner Antwort darauf ableiten, wie entschieden ich mich gegen Alkohol entschieden habe.

    Doch, kann man. Und für mich hat das den Effekt, dass ich differenzieren kann zwischen "Trinke ich nur nicht mehr, weil ich aus irgendwelchen Gründen nicht mehr darf" oder "will ich nicht mehr trinken", oder beides. Ist ein Gedankenspiel.

    Ich habe den guten Allen Carr nie gelesen - hatte zwar das "Endlich Nichtraucher" im Regal stehen, hab's aber nie gelesen da ich Schiss hatte, er würde mir das Rauchen versauen. :roll:

    Aber wie gesagt, ich versuchte nur zu schildern, wie ich das mit dem Klick meine.

    Dass Du diese Erfahrung auch nach langen Jahren der Abstinenz machen musstest, tut mir leid. Wünsche ich mir echt nicht - niemandem. Kann mir vorstellen dass sowas verunsichert, und dass man ab dann noch vorsichtiger wird. (Und ja, vorsichtiger als ich das bin, der diese Erfahrung eines Rückfalls - zumindest nach meiner "Wende" - nicht machen musste)

    Aus deiner Sicht würde ich mit Sicherheit auch so argumentieren.

  • Ich persönlich versteh das schon was du meinst. Aber du bist da schon ein paar jahre voraus zu den "frischlingen" und jemand der neu ist könnte das in den falschen hals bekommen.darum gehts;)

    Perfer et obdura, dolor hic tibi proderit olim.

    ("Ertrage und halte durch, dieser Schmerz wird dir einst nützen")

    (Trocken seit 26.03.2009)

  • Ich persönlich versteh das schon was du meinst. Aber du bist da schon ein paar jahre voraus zu den "frischlingen" und jemand der neu ist könnte das in den falschen hals bekommen.darum gehts;)

    Nein, darum geht es hier grad mal nicht.

    Und in den falschen Hals bekommen kann man alles Mögliche. Die Message entsteht beim Empfänger. Darüber hab ich keine Kontrolle. Klar, ich wünsch' mir dass dies niemand so versteht dass er oder sie sich auf den Schlips getreten fühlt. Liegt mir mehr als fern. Was hätte ich denn davon.

  • Aber wie gesagt, ich versuchte nur zu schildern, wie ich das mit dem Klick meine.

    Das habe ich auch verstanden. Und wenn das dein Weg ist und für dich funktioniert, ist doch alles gut.

    . Aber du bist da schon ein paar jahre voraus zu den "frischlingen" und jemand der neu ist könnte das in den falschen hals bekommen.darum gehts

    Das sehe ich etwas zweigeteilt. Natürlich kann ein Neuer denken: „Oh, so einfach geht das? Dann mache ich das auch

    Wenn sich jemand aus zwanzig unterschiedlichen Erfahrungen ausgerechnet die eine heraussucht, die ihm am besten in den Kram passt, darf man schon fragen, ob er sich mit seiner Sucht und deren Mechanismen wirklich ausreichend auseinandergesetzt hat.

    Ich kann auf Gefahren hinweisen, aber das Denken kann ich niemandem abnehmen.

    Mir ist lieber, wir sprechen auch unbequeme Erfahrungen offen an, als dass wir aus Rücksicht darauf schweigen, weil jemand etwas in den falschen Hals bekommen könnte.

    Natürlich gibt es auch unter den langjährig Trockenen einige, die andere Wege gehen. Und warum sollten sie ihre Erfahrungen nicht schildern dürfen? Nur eines sollte dabei klar bleiben. Ihr Weg hat bis heute funktioniert. Ob er morgen unter anderen Umständen noch genauso funktioniert, weiß keiner von uns.

    Deshalb sind persönliche Erfahrungen wertvoll, aber eben keine Garantie und schon gar keine allgemeingültige Anleitung für andere Alkoholiker.

    Und soweit ich das zumindest bei mir beurteilen kann, bekommt ein "Neuer" hier auch unsere Grundbausteine um die Ohren gehauen.;) Zumindest die Basic im ersten Jahr.

    Und die beruhen nun mal auf Risikominimierung und den Erfahrungen vieler langjährig trockener Alkoholiker. Sie wurden nicht von denen entwickelt, die irgendwann später dazukamen und einen anderen Weg eingeschlagen haben.

    Dass es auch andere Wege gibt, bestreite ich überhaupt nicht. Nur sollte man nicht vergessen, auf welchen Erfahrungen unsere Grundbausteine beruhen und warum es sie überhaupt gibt.

    Gruß Hartmut

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    Trocken seit 2007

  • Zitat

    Nur sollte man nicht vergessen, auf welchen Erfahrungen unsere Grundbausteine beruhen und warum es sie überhaupt gibt.

    Definitiv. Die sind gut und haben mir SEHR viel gebracht.

    A propos Grundbausteine: Wer hatte eigentlich die Grundidee dieser Bausteine, und wie sind sie entstanden? Sind die im Original von hier, oder wurden sie von anderen Stellen zusammengetragen?

  • hallo Hartmut

    ich bin da auch ganz bei dir. das was mir geholfen hat muss nicht unweigerlich auch anderen helfen. das selbsständige denken können wir hier keinem abnehmen:mrgreen: vielleicht liegt es daran das man schon etwas weit entfernt ist von den anfängen der abstinenz. zumindest mir geht es so nach all den jahren. jetzt kommt aber das grosse aber, ich weiss aber das es noch immer da ist. es erzeugt nicht mehr eine gewitter im kopf, aber ein leichtes "wetterleuchten".

    Perfer et obdura, dolor hic tibi proderit olim.

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    (Trocken seit 26.03.2009)

  • Die Message entsteht beim Empfänger. Darüber hab ich keine Kontrolle

    Wenn die Message ist „ich nehme Lebensmittel mit Alkohol zu mir“, dann hängt es aber schon ganz schön mit der Message zusammen, wie das ankommen könnte.

    Weiter vorne hast du aber geschrieben, dass du verstanden hast, dass hier ja nicht nur langjährig Abstinente mitlesen.

    Damit ist das jetzt okay für mich.

    Bei mir in der Kantine gab es heute Braten, Knödel mit Rotkraut in Rotweinsauce. Das ist eins meiner Lieblingsessen gewesen. Soll ich mich jetzt fragen, ob ich das dann doch besser gegessen hätte? Wo das doch bei dir so gut funktioniert?
    Und das frage ich mich jetzt. Schließlich bin ich ja jetzt bald fünf Jahre trocken.
    ;)

    Wo ich hingehe, dort bin ich dann.

  • genau das zu tun". Ja, was genau? Das, was für dich diese Notwendigkeit mit sich bringt. Was aber für mich nicht dasselbe sein muss. Ich tu das, was für mich notwendig ist. (Und das ist auch eine Menge, halt eine andere wie bei dir)

    Mein ‚genau das zu tun’ war im Zusammenhang geschrieben, dass ich mich auch entschieden habe, mein Leben ohne Alkohol zu leben…. Eben genau das: Mein Leben ohne Alkohol leben.
    Und diese Entscheidung war der Erkenntnis und der Akzeptanz der Notwenigkeit eines Lebens ohne Alkohol entsprungen.

    In Deinem eigenen Faden mag das vielleicht Platz haben, auch wenn es von den hier zugrunde gelegten Grundbausteinen abweicht.

    Aber wenn Neulinge im allgemeinen Bereich nach dem richtigen Umgang mit Alk in Lebensmitteln fragen, finde ich es mehr als bedenklich, solche Sonderwege in den Raum zu stellen.

    Das sehe ich etwas anders.
    Einfach aus dem Grund, weil das Forum von den Erfahrungen seiner Mitglieder lebt. Würde jeder, der etwas ‚anders‘ macht, hier seine Erfahrungen nicht mehr teilen, aus lauter Sorge, das könne jemand nachmachen und genau deshalb rückfällig werden. wäre es hier bald ziemlich ruhig.

    Ich selbst habe bei mir bemerkt, dass ich aus genau diesem Grund ziemlich ruhig hier geworden bin.

    Darüber habe ich viel nachgedacht und bin zu dem Schluss gekommen: Wenn jemand meinen Weg ‚nachmacht‘, dann soll er doch auch nachmachen, dass ich keinen Alkohol trinke.

    Jeder ist für sich hier. Nicht alles passt für jeden. Da darf doch auch etwas Eigenverantwortung sein.

    Viele Grüße

    Stern

    ⭐️

    Wenn du heute aufgibst, wirst du nie wissen, ob du es morgen geschafft hättest.

  • Eigenverantwortung ist das A & O beim Abstinentwerden und -bleiben, Stern gar keine Frage.

    Ich plädiere nur dafür (mehr steht mir als einfachem Mitglied gar nicht zu), genau hinzuschauen, wann und wo in den Weiten dieses Forums ich welche Erfahrungen in welcher Form teile.

    Es hat sich ja durch den intensiven Austausch hier gezeigt, dass ich die von mir zitierte Aussage Avalons im Faden "Fragen an einen Alkoholiker" komplett missverstanden hatte. Ging anderen vielleicht auch so.

    Ich setze die Grundbausteine auch nicht hundertprozentig um (schafft das jemand?), auch wenn ich mich bemühe.

    Im ersten Jahr z. B. bin ich bewusst einige wenige Risiken eingegangen und habe im Nachhinein jeweils in meinem Faden berichtet und analysiert - und mich den Reaktionen gestellt. Dafür ist der eigene Faden meiner Ansicht nach da.

    Es ist seinrerzeit gutgegangen, auch wenn ich inzwischen denke, dass bei mir viel Anfangseuphorie-Glück dabei war.

    Deshalb vermeide ich es bei direkten Fragen nach einem sicheren Umgang, den Eindruck zu erwecken: "Mach ruhig, hat mir auch nicht geschadet."

    Danke, Avalon, für den Raum in Deinem Faden!

  • Unser Forum ist nun mal auch auf den Grundbausteinen und der Risikominimierung aufgebaut. Gerade für Neue sind sie eine wichtige Orientierung, aber keine lebenslange Gebrauchsanweisung.

    Natürlich kann hier jeder seine Erfahrungen schildern, auch wenn er einen anderen Weg geht. Das war doch nie die Frage.

    Aber er muss eben auch damit leben können, dass mögliche Risiken immer wieder angesprochen werden. Wir werfen doch nicht unsere Grundbausteine über Bord, nur weil jemand seit Jahren mit einem anderen Weg gut fährt. Anders als in mancher Therapie im Stuhlkreis wird hier eben nicht nur zugehört und freundlich genickt, sondern auch hinterfragt und diskutiert.

    Und manchmal gibt’s Gegenwind. Genau das macht für mich den Austausch aus. ;)

    Vielleicht nervt der „Hartmut“ ja manchmal mit seiner Risikominimierung. Kann ich sogar verstehen. :mrgreen: Ich kenne den Typ ganz gut. ;) Aber mir ist lieber, ich nerve einmal zu viel, als dass wir mögliche Gefahren aus lauter Rücksicht unkommentiert stehen lassen.

    Denn der Sucht ist es völlig egal, welchen Weg einer gegangen ist, wie überzeugt er davon war und wie lange er trocken geblieben ist. Ein Rückfall macht da keine Unterschiede. Auch nicht bei denen, die auf Risikominimierung setzen.

    Und wenn jemand deshalb seine Erfahrungen nicht mehr schildern möchte, ist das seine Entscheidung. Nicht die des Forums.

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Der Klick hat einfach dazu geführt, dass es irre leicht wurde, keinen Alkohol mehr zu trinken. Das war - im Vergleich zu der Zeit vor dem Klick - lächerlich einfach. Was da genau geschehen ist, kann ich irgendwie nur schwer in Worte fassen. Eine Zeit lang dachte ich, der Schlaganfall hätte was mit der Stelle, wo meine Alkoholsucht stattfindet, gemacht. (was ja n irre Zufall und echt praktisch wäre)

    Dieses "klick" ist dermassen eindrücklich, dass ich echt Mühe mit der Vorstellung habe, dass es anderen, die von diesem Klick sprechen, nicht auch so geht.

    Das kenne ich. Bis auf zwei sekundenlange Anfälle von Suchtdruck, die leicht bewältigbar waren, kam nichts mehr, nachdem ich über 25 Jahre Filmriss-Erfahrungen hatte. Eines Tages war es einfach durch.. Auch sonst gibt es Ähnlichkeiten.

    Ich habe in den vielen Jahren Trockenheit auch äußerst unterschiedliche Situationen nüchtern erlebt, ohne dass irgendein Saufdruck aufgekommen wäre. Probleme habe ich anders gelöst. Sobald ich tatsächlich aufhören wollte, war mir klar, dass Trinken nichts bringen würde.

    Es kam praktisch über Nacht, am Abend zuvor wollte ich noch meine Schadensbegrenzung verbessern. Trinkpausen verfeinern. mitten in der Nacht der Flash, dass es auch anders geht..

    Ich dachte oft, das lag vielleicht daran, dass ich mich immer selbst als sehr bewussten Trinker wahrgenommen habe ich der Form, dass ich es gut fand, zu saufen. Ich war keiner, der lange dagegen gekämpft hat, im Gegenteil, ich wollte auf gar keinen Fall aufhören. Dadurch habe ich dann nicht viel verdrängt, nur die Filmrisse blieben natürlich Löcher in der Erinnerung.

    Trotzdem hab ich mich damit auseinandergesetzt, dass Rückfälle vorkommen und wie ich sie vermeiden kann. Bei mir wars rein die innere Einstellung dazu. Meine Erfahrung war die, Trinkpausen konnte ich ja immer machen, das sagte erst mal gar nichts. Deswegen wollte ich ja trotzdem weitertrinken.

    Aber viel mehr, als vom Alkohol wegzukommen, hat mich die ersten Jahre beschäftigt, wo ich eigentlich hin will. Ich hatte früher, als ich noch getrunken habe, nicht viele Interessen, und die reichten nicht gegen die entstehende Leere. Da habe ich viel mehr rumgesucht, und bin gründlich in mich gegangen.

    Heute nach vielen Auseinandersetzungen kann ich nicht genau erklären, woher dieses Gefühl kam. Nur, dass ich es erlebt habe und es natürlich immer noch so ist. Und es war nicht der Verstand. Zwar machte die Einsicht schon sehr viel aus.

    Anfangs war ich auch der Überzeugung, wenn das Jeder so erleben würde wie ich, würden noch viel mehr aufhören.

    Bei mir gehört jedenfalls nüchtern lustig sein und nüchtern feiern auch dazu. Ich erzähle meine Vergangenheit gerne, aber ich wälze selten wirklich Probleme. Das meiste löse ich, wie es kommt. Ansonsten ist es einfach ein Film, in dem ich mal mitgespielt habe.
    Als es mir gereicht hat, war es auch kein Verzicht, sondern ich war schnell beim Gewinn.

    Ich wollte dann auch andere davon überzeugen, dass man es vor allem kapieren muss.
    Nun, ist nicht. Jedenfalls reicht die Einsicht nicht bei allen. Anderen geht es anders als mir.


    Hier in diesem Forum habe ich mich vor dem Beitritt mit mir selbst geeinigt, dass Risikovermeidung für viele ein funktionierender Weg ist und ich nicht dagegen an argumentiere. Ich hatte die Regeln vorher gelesen und verstanden.

    Es ist hier eben so, und mir nimmt das ja nichts weg. Ich bleibe trotzdem mit selbst treu.Deswegen kann ich privat machen, was ich mache.
    Gemobbt hat mich hier auch niemand.

    In der Suchtforschung ist die Risikovermeidung und andere Gesellschaft und was so dazugehört, und selbst das Abgewöhnen von Gewohnheiten oft damit verknüpft, den kritischen Reizen aus dem Weg zu gehen.
    Die Risikovermeidung macht natürlich von daher schon Sinn.

    Ich halte mich auch damit zurück, Neuen irgendwelchen Leichtsinn zu erzählen, denn zuerst kenne ich sie ja nicht besonders gut und weiß nicht, welchen Weg sie gehen werden. Manchmal, wenn ich nicht lügen will oder wirklich eine andere Meinung als der Forentenor habe, schreibe ich es.

    Es findet mit der Zeit fast jeder, der länger trocken ist, sowieso seinen eigenen Weg. Da bin ich nicht unentbehrlich.

    Der Laden hier läuft, und wenn er vielen hilft, dann ist das für mich OK. Damit fahre ich gut und nehme mir auch mit, was ich brauchen kann. Ansonsten trage ich gelegentlich was bei. Damit bleibe ich beim Thema und manchmal ist es auch schön hier.

    Ist viel geworden, ich hoffe das passt für Dich. Sonst darfst Du es mir gerne schreiben.

    LG LK

    Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.
    Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man es anschiebt.

    Aber das Gras wächst.
    Sei sparsam mit dem Düngen:mrgreen:

    Einmal editiert, zuletzt von Lebenskuenstler (21. Oktober 2026 um 19:59)

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