Hallo Anna-Sophie,
schön, dass du nach deinem Rückfall wieder durchstartest, um nun abstinent und selbstbestimmt zu leben.
Es ist sehr schwer für mich standhaft zu bleiben und hoffe hier Inspiration fürs durchhalten zu bekommen.
Standhaft bleiben und durchhalten wollen ….. das finde ich für eine dauerhafte Abstinenz eine sehr ungünstige Voraussetzung.
Mir ist es erst gelungen, mich auf meinen nüchternen Weg zu machen, als ich meine Alkoholsucht akzeptiert habe. Es ist jetzt so, dass ich Alkoholiker bin. Und es ist jetzt auch so, dass ich auch für immer Alkoholiker bleiben werde. Es gibt da kein Zurück.
Die Alkoholsucht geht zum Stillstand zu bringen, zu heilen ist sie nicht.
Durchhalten ist kämpfen. Gegen die Sucht kann niemand gewinnen.
Ich lebe mit mit meiner Alkoholsucht, habe sie als einen Teil von mir akzeptiert. Die Sucht ist da, aber sie bestimmt mein Leben nicht mehr. Der Alkohol hat mein Leben so lange bestimmt. Heute bestimme ich mein Leben wieder. Und das ist nur möglich , weil ich absolut abstinent lebe. Ohne Kampf. Weil es nicht anders geht…..
Ich habe mich heftig mit meinem Mann gestritten. Wir wurden auch sehr unfair zueinander. Er sagte dann zu mir "wenigstens saufe ich nicht". Das hat mich so getriggert das es passiert ist.
War denn der Alkohol direkt zu Hause verfügbar?
Mein Zuhause ist absolut alkoholfrei. Würde mich irgendwas triggern, müsste ich erst loslaufen und mir Alkohol besorgen. In dieser Zeit habe ich dann nochmal Gelegenheit, mir klar zu werden, was ich für mein Leben will.
Mir ist jetzt erst klar geworden das ich das Leben nicht einfach wegwerfen sollte und kämpfen muss um trocken zu bleiben.
Zum Kämpfen habe ich oben schon was geschrieben.
Einen Kampf gegen die Sucht kann niemand gewinnen. Das ist einfach so. Da gibt es auch kein ,wenn ich mich nur genug anstrenge‘ und auch kein ,bei mir geht das‘.
Der Kampf gegen den Alkohol ist so kräftezehrend, dass für das Leben so viel Energie fehlt.
Dieses intensive Gefühl nur wegen ein paar klirrenden Flaschen hatte ich noch nie. Ich mußte das einfach mal schreiben. Bin immer noch durcheinander.
Hier zu schreiben hat oft meine Gedanken sortiert. Gerade am Anfang war das total wichtig und sehr hilfreich für mich.
Klirrende Flaschen.
Ich hatte ein ganz merkwürdiges Gefühl bei klirrende Flaschen. Ich habe das aber noch nicht mal so richtig bemerkt oder mit meiner Alkoholsucht in Verbindung gebracht. Mag daran liegen, dass ich oft unbewusst andere Wege suche, wenn mir etwas Unbehagen bereitet.
Ich weiß nicht mehr, wie lange, aber ich konnte sehr lange keine Gläser in den Glascontainer werfen. Da hatte sich eine Sperre in mir festgesetzt, so dass ich unbewusst gar nix mehr in Gläsern oder Glasflaschen gekauft habe. Erst viel später ist mir das aufgefallen.
Beim Einkaufen habe ich mich die erste Zeit ganz gezielt von den Alkoholregalen ferngehalten. Kopf nach unten oder nach vorne und schnell dran vorbei. Das geht nicht immer, weil ja Alkohol auch gern mitten im Gang präsentiert wird, wenn es da ein Sonderangebot gibt…..
Das hat sich aber gegeben. Auch, weil ich akzeptiert habe, dass es Alkohol immer geben wird.
Die Welt wird nicht trockener, nur, weil ich nicht mehr saufe.
Ich wünsche dir hier einen guten und hilfreichen Austausch.