Beiträge von Hanseat

    Es ist schön zu lesen, wenn jemand auf einem guten Weg ist.

    Ich freue mich für und mit jedem, der es schafft, vom Teufel Alkohol weg zu kommen.

    Traurig macht es mich, dass mein eigener Mann es nicht schafft.

    Liebe Fee,

    bisher ist es nur ein guter Weg, auf dem ich bin. Von dem großen Durchbruch wage ich noch gar nicht zu sprechen. Ich denke aber, daß ich mich auch von Unfällen nicht mehr auf meinem Weg aufhalten lasse. Meine Entscheidung, abstinent zu leben, ist gefallen.

    Wenn es den einen guten Rat gäbe, den ich Dir geben könnte, dann könnten wir dieses Forum sofort schließen. Wenn jemand nicht von sich aus und für sich den Entschluß faßt, sich vom Alkohol zu verabschieden, dann nützt auch alles gute Zureden von außen nichts. Vielleicht kannst Du ihm ja mal ein Buch zum Thema schenken? Dafür haben wir ja gerade einen Literatur-Thread neueröffnet. Man kann auch Anti-Alk-Literatur betrunken lesen, das ist ja nicht verboten.

    Liebe Grüße,

    Hanseat

    Es gibt Neuigkeiten: Zu Weihnachten und Silvester habe ich mich jetzt schon abgesichert. Ich werde erst eine Tante und dann Freunde besuchen. Alle wissen, daß ich Alki bin. Bei diesen Freunden habe ich jetzt schon seit vielen Jahren die Feiertage und den Jahreswechsel verbracht -- immer nüchtern. So kommt es, daß ich schon seit Jahren über die Feiertage nichts gesoffen habe. (Dafür aber davor und danach immer reichlich. Das wird dieses Mal anders sein.) Das war wichtig, das zu organisieren. Da kann ich jetzt einen Haken dran setzen.

    Ich bin jetzt knapp drei Monate nüchtern und leide seit ein paar Tagen an der Schlafkrankheit. Selbst wenn ich abends um zehn ins Bett gehe und um elf einschlafe, schäle ich mich erst morgens um halb zehn oder zehn aus den Federn. Das ist für mich absolut nicht normal, ich bin eigentlich der Typ Frühausteher. Bin mir nicht sicher, ob das irgendwas mit Alkohol zu tun hat. Hat der Hausarzt auch nach Vitaminmangel geguckt, B und D sind da so Mangelkandidaten? Dann machen Depressionen schlapp, wie Seeblick richtig schrieb. Nach zwei Monaten ist der Organismus immer noch damit beschäftigt, sich umzustellen, denke ich. Schließlich hat er ja vorher regelmäßig ein Zellgift und Lösungsmittel verabreicht bekommen.

    Heute lebe ich 13 Jahre ohne Alkohol, freiwillig, frei, ohne Druck von außen, ohne Einschränkungen, allein von mir entschieden.

    Glückwunsch, Pellebär, ich bin beeindruckt.

    Es sind diese Beiträge von Langzeitnüchternen hier im Forum, die mich ungeheuer motivieren. Ich habe gestern ein bißchen bei dorothea gelesen. Ich sehe: Es ist zu schaffen, vom Alk wegzukommen, andere haben es auch geschafft. Ich brauche einfach nüchterne Vorbilder und finde die eher im Internet und in der Literatur, weniger in meinem privaten Umfeld. Nun habe ich zum Glück keine Trinkkumpels mehr, die habe ich schon lange zum Teufel gejagt, aber ganz egal, wo ich hingehe, dieser Raketentreibstoff wird überall mal mehr, mal weniger konsumiert. Da ist dieses Forum Gold wert.

    Ich glaube, ich verarbeite gerade zum ersten Mal in meinem Erwachsenenleben eine Krise bewusst. Für diese Erfahrung bin ich dankbar.

    Puh, bei dem Satz kommen so viele Gedanken in mir hoch. Ich war ja auch immer so ein Feigling, der vor Problemen die Nase in den Sand, genauer gesagt in die Flasche gesteckt hat.

    Wie ich schon geschrieben habe, sind beide meine Eltern inzwischen tot. Sie waren beide Alkoholiker, wenn auch nicht so schlimm wie ich, aber schon auch recht übel dabei. Bei beiden hat der Alkohol den Tod zwar nicht direkt versursacht, aber doch beschleunigt.

    Ich habe manchmal meinen Vater nicht am Sterbebett besucht, weil ich einfach zu groggy war. Und auch zu meiner Mutter war ich in den letzten Monaten ihres Lebens nicht immer so gut, wie ich zu ihr hätte sein können. So ganz grundsätzliche Vorwürfe muß ich mir nicht machen, ich hatte ein gutes Verhältnis zu meinen Eltern bis zu deren Tod, zu meiner Mutter sogar ein sehr enges, aber ich denke mir heute so manches Mal: Verflucht, wärst du doch wenigstens nicht so oft besoffen gewesen. Bestimmt hättest du deinem Vater am Krankenbett die Zeit etwas vergnüglicher vertreiben können, bestimmt hättest du deiner Mutter den Marsch geblasen, daß sie gefälligst zum Arzt gehen soll. Meine Mutter ist letztendlich an Faulheit und Eitelkeit gestorben, sie hat eine Lungenentzündung verschleppt. Drei Tage vor ihrem Tod hat sie mich angelogen und behauptet, sie sei beim Arzt gewesen. Nach ihrem Tod habe ich alle Ärzte und Krankenhäuser in der Umgebung angerufen und auch mit der Krankenkasse gesprochen: sie war nirgends.

    Dann habe ich mal in einer Entgiftungsstation das Zimmer mit einem Spiegeltrinker geteilt. Der hatte vier oder fünf Kinder, das letzte davon war mit einem Herzklappenfehler geboren und lag gerade auf der Intensivstation. Ich habe dem Mann ins Gewissen geredet, daß seine Frau ihn jetzt braucht und daß ein Mann, der sich in den Alkohol flüchtet, bestimmt keine Hilfe für sie ist. Ich bin mir nicht so sicher, ob ich zu ihm oder zu mir selbst sprach.

    Inzwischen habe ich schon so einige Krisen in meinem Leben "gemeistert", natürlich alle mit Alkohol. Ich weiß, der Alk hat da nichts einfacher oder erträglicher, sondern alles nur noch schwieriger gemacht. Das Leben ist eben nicht einfach, wenn schon die Organisation einer Zugfahrt manchmal eine unüberwindliche Hürde darstellt. Mit Alkohol kann man vielleicht mal eine halbe Stunde lang all das miese Zeug vergessen, das einen belastet, aber nach dem nächsten Kater kommt der Ärger doch immer zurück, und dann erst recht knüppeldicke. Das ist nichts für schwache Nerven.

    Ich erwarte vom nüchternen Leben keinen Ponyhof und keinen Rosengarten. Die nächste Krise kommt bestimmt. Aber ganz egal, was kommt, ich bin zuversichtlich, daß ich sie nüchtern besser meistern kann. Wenn ich saufe, kann allein eine Banküberweisung schonmal zwei Wochen in Anspruch nehmen, nüchtern erledige ich die in einer Minute.

    Danke für die Tips, Ihr beiden. Einen Trockner habe ich leider nicht, aber was fusselt, landet sofort wieder in der Waschmaschine. Leider muß ich die Handtücher separat waschen, weil sie mir schon zwei Paar Socken ruiniert haben. Die Welt ist grausam.

    Liebe Leute,

    eine weitere Woche ohne Alkohol ist ins Land gegangen. Bei Zigaretten und Sport bin ich leider wieder etwas eingeknickt, aber ansonsten habe ich alles im Griff, gut gearbeitet, und was Alkohol angeht, war das wirklich eine einfache Woche. Ich hatte keinerlei Sehnsüchte oder Verlangen. Ansonsten ist nicht viel passiert, außer daß ich mal Handtücher und Bettwäsche sortiert, weggeworfen und neu angeschafft habe. Die neuen Handtücher sind wunderbar, aber sie fusseln wie Sau, das war in dieser Woche der größte Aufreger. Wenn das meine größten Probleme sind, geht es mir also sehr, sehr gut.

    H.

    Hallo LustForLife, wir haben ja ungefähr das gleiche Datum. Ich habe am 25. Juli den letzten Cola-Whisky ins Waschbecken gekippt und die Wohnung und mein Leben von Grund auf umgekrempelt. Glückwunsch zu den 82 Tagen, die 100 knacken wir bestimmt! Aber erstmal kommt 83, dann 84, dann 85 ...

    Ich hatte zwar hin und wieder meine wackeligen Momente, aber mir fehlt auch nichts, ich bin zufrieden abstinent. Ganz im Gegenteil, mein Leben ist größer, bunter und abwechslungsreicher. Ich verpasse keine Zahnarzttermine mehr, die Träume sind eher skurril als gruselig, die Wohnung ist immer sauber, der Führerschein in Sichtweite. Und finanziell geht es auch besser ohne Fehlzeiten bei der Arbeit. Vom besseren Klima mit den Kunden ganz zu schweigen. Stück für Stück kommt die Selbstachtung zurück.

    Grüße,

    H.

    Ja, die beiden finde ich auch richtig gut und empfehlenswert.

    Ansonsten fand ich noch gut:

    „Nüchtern“ von Daniel Schreiber

    „Vom unerwarteten Vergnügen, nüchtern zu sein“ von Catherine Gray

    Der Daniel Schreiber hat mir damals auch sehr gut gefallen. Das ist die Geschichte von einem, der seinen Tiefpunkt schon recht früh gefunden hat und dem Alkohol Lebewohl gesagt hat, bevor es gar zu arg wurde. Ich war leider nicht so klug.

    Das Buch von Gray halte ich für eine absolute Sensation, das ist eine echte Motivation zum Nüchternbleiben. Ich habe vor, es noch ein zweites Mal zu lesen. Ich kann mir gar nicht vorstellen, daß es da noch was Besseres geben soll. ;)

    Aber auch Gray war noch lange nicht so weit unten wie ich. Ich suche irgendwie noch ein Buch von jemandem, der es so übel getrieben hat wie ich und dann den Ausstieg geschafft hat. Das würde mich bestimmt nochmal extra motivieren. Ich habe mir jetzt mal den Thränhardt bestellt -- mal gucken, was der so zu erzählen hat.

    Bis zum Gang zum(Not) Arzt, Klinik, Suchberatungsstelle, empfehlen wir auch moderat weiter zu trinken.

    Das war zum Beispiel eine wertvolle Information, die mir bisher gefehlt hat.

    Ich selber wollte erstmal nichts beitragen, weil ich für meine bisherige Vorgehensweise hier sehr kritisiert wurde. Ich habe allerdings bei vielen anderen gelesen, daß sie ebenso wie ich auf eigene Faust zuhause entgiftet haben, und da wäre es doch gut zu klären, wie man es besser machen kann.

    Also, langsam runterdosieren und dann zum Arzt gehen, sobald man dazu fähig ist, das scheint mir auch ein guter Tip zu sein.

    Hier im Forum gehört es ja zum Standard, keinen kalten Entzug, sondern den Gang zum Arzt zu empfehlen. Ich saß selbst schon daneben, wie jemand einen Krampfanfall hate, der ist einfach umgefallen wie ein nasser Sack, sowas ist natürlich lebensgefährlich. Das sieht wirklich so aus wie ein epileptischer Anfall, und ich kenne epileptische Anfälle noch aus meiner Zeit als Zivildienstleistender.

    Ich finde aber, die Ratschläge könnten noch etwas konkreter sein, was das Organisatorische betrifft. Denn normalerweise sieht das ja wohl so aus, daß man sich einen hohen Promillewert angeeignet hat und irgendwann beschließt, das Saufen zu beenden. Da ist man zum sozialen Umgang gar nicht fähig, dann ist vielleicht noch Wochenende, und wer geht mit zwei Promille oder mehr zum Arzt und steht da seelenruhig die Zeit im Wartezimmer durch?

    Was ich damit sagen will: Der Gang zum Hausarzt ist häufig, wenn es richtig brenzlig wird, gar keine Option. Wie verhält man sich dann also richtig? Ich will hier nicht von meinen eigenen Versuchen berichten, sondern lieber mal die Gurus fragen, was sie empfehlen.

    Habe mir einen boxsack besorgt. Der symbolisiert den alk Teufel. Schläge ihn dann so lange, bis es mir wieder gut geht.

    Das klingt für mich nach einer hervorragenden Idee! Schön, daß Du auch weiterhin am Ball bist, das motiviert mich sehr.

    Leider hört man von MeaCulpa gar nichts mehr, ich mache mir da so meine Gedanken ...

    Sonntäglicher Lagebericht: 11 Wochen trocken.

    77 Tage, ein echtes Karnevals-Jubiläum! Ich freu mich riesig!

    Aber ich will auch ehrlich sein, es gab schon Momente, wo die Gedanken ums Bier kreisten. Für mich ist es immer besonders gefährlich, wenn es ins Wochenende geht, da muß ich auf der Hut sein ... Notfallkoffer ist gepackt: Laut und deutlilch "Nein!" sagen, essen, trinken, duschen, spazieren gehen. Bisher klappt das gut.

    Ich verstehe mich selbst nicht. Nach allem, was ich mit Alkohol erlebt habe, habe ich jeden Grund, dieses Teufelszeug zu hassen. Und doch gibt es noch irgendwo einen Winkel in meinem Gehirn, der über das kontrollierte Trinken nachdenkt. Obwohl ich weiß, daß das eine verdammte Illusion ist, nicht mehr -- der Zug ist schon vor vielen, vielen Jahren abgefahren. Wie kommt das? Ich meine, wer sich zweimal ein Bein gebrochen hat, träumt doch auch nicht davon, das noch ein drittes Mal zu erleben.

    Wie ist das bei dir? Ist heute irgendwann Lageweile aufgekommen oder konntest du einfach mal so richtig schön ausspannen und die Ruhe genießen?

    Ich habe wie angedroht einen langen Spaziergang unternommen und bin ein paar Kilometer marschiert. Jetzt kocht gerade das Nudelwasser. Viel werde ich heute nicht mehr machen, ich werde einfach einen lauen Sonntag genießen und morgen wieder früh aufstehen. Alles gut.