Beiträge von rnk

    Mama38

    Auf der einen Seite bin ich zwar selbst ins Alkoholproblel gerutscht, auf der anderen Seite bin ich aber auch das Kind einer alkoholkranken Mutter.

    Aus der Perspektive kann ich dir nur sagen dass der Gedanke „was sagen meine Kinder…“ bezogen auf die Trennunh meiner Meinung nach da keine Rolle spielen sollte. Meinem Empfinden nach wäre das definitiv das definitiv das kleinere Übel gewesen. Ein Elternteil zu haben der mich an der Stelle beschützt oder unterstützt wäre echt schön gewesen. Mein Vater war an der Stelle alles andere als eine Hilfe.

    Was ich damit sagen will:

    Ich finde es großartig dass du den Schritt gehst und da deine Kinder und Dich schützt.

    Da gehört viel Stärke zu.

    Genau das ist ja der Irrglaube. Es geht dir nicht besser, du betäubst ich nur.

    Ebenso könntest du auch in Ohnmacht fallen. Nur weil du nichts mehr merkst, geht es dir dadurch besser?

    Ich bin da 100% bei dir.

    Deshalb „auf den Zeitpunkt betrachtet“ und die Anführungszeichen um „besser“.

    In dem Moment ist es einfacher, wie du schreibst, betäubt. Gelöst oder besser ist dadurch natürlich nichts. Im Gegenteil.

    Diese potentiell schnelle kurzfristige Erleichterung für den Moment hat dann halt den Gedanken bei mir auf dem Schirm gebracht.

    Bei einer Ohnmacht geht es einem i dem Moment ja auch nicht mehr so schlecht, was danach oder langfristig ist, ist ja ne andere Frage.

    Obwohl ich ziemliche Probleme mit mir selbst habe, kann ich komischerweise sehr entspannt mit dem Thema umgehen.

    Ich halte das ganz pragmatisch.

    Freunde und Familie wissen Bescheid.

    Wenn ich irgendwo Alkohol angeboten bekomme, sag ich „Nein Danke“.

    Wer mich fragt wieso bekommt ein „ich trinke keinen Alkohol mehr“.

    Wen es dann interessiert wieso, dem erzähle ich es.

    Auf der Arbeit hatte und habe ich keinen Grund es anzusprechen (arbeite seit Jahren nahezu ausschließlich von zuhause).

    Aktiv verheimlichen würde ich es nicht, sondern einfach so wie oben geschrieben handhaben.

    Wann genau "an Alkohol denken" aufhört, und "Suchtdruck" anfängt ist mir bis heute auch nicht richtig klar.

    Generell hatte ich seit ich aufgehört hab auch kaum Verlangen Alkohol zu trinken.

    Vor jetzt etwa einem Monat bin ich in ein ziemliches psychisches Tief gefallen.
    Und als es mir richtig schlecht ging, "wusste" ich dass es mir "besser" gehen würde wenn ich jetzt trinken würde.

    Ganz ehrlich, nur auf den konkreten Zeitpunkt betrachtet bin ich auch immer noch fest davon überzeugt dass das stimmt.
    Wie dumm das aus ganz vielen Perspektiven gewesen wäre, keine Frage.

    Auch wenn das zu keinen Zeitpunkt eine ernsthafte Option in meinem Kopf war dem nachzugeben, glaube ich schon dass ich da von Suchtdruck sprechen kann. Der Gedanke dass mit Alkohol Abhilfe zu verschaffen wäre war zeitweise sehr präsent.

    Ich finde das Thema superinteressant. Mir selbst habe ich ewig die Frage gestellt, aus heutiger Sicht betrachtet ist die Antwort für mich klar.
    Ich dachte immer "aber ich trinke gar nicht jeden Tag", "ich bin ja nicht körperlich abhängig" etc pp.

    Was ich bis heute superschwierig finde ist diese Grenze zwischen Alkoholmissbrauch und Alkoholiker.
    Mit dieser Unterscheidung kann man sich finde ich leicht selbst belügen und sich denken "siehste, ich bin ja kein Alkoholiker".

    Dass Alkoholmissbrauch auf mich zutrifft war mir immer glasklar.
    Aber so konnte ich mich gut selbst belügen, und selbst als mir klar war dass ich ein Problem hab, kam es mir komisch vor z.B. zu einer Suchtberatung zu gehen weil ich ja "nur" Alkoholmissbrauch betreibe (so die Diagnose).

    Ab einem gewissen Punkt hätte es mir sehr geholfen (als ich das erste mal mit meinem Arzt darüber gesprochen hab) wenn das teilweise nicht so unscharf wäre. Hätte mir zu dem Zeitpunkt jemand offen ins Gesicht geklatscht "ja, du bist Abhängig", hätte mir das glaube ich geholfen sicherer im Umgang damit zu sein.

    Das man natürlich auch aufhören sollte wenn man Alkoholmissbrauch betreibt ist natürlich noch mal eine ganz andere Geschichte, ich hoffe ihr wisst was ich meine. Ich vermute mal dass ich nicht der Einzige bin der sich da was vorgemacht hat ;)

    Sind denn da noch andere die auch nüchtern bleiben? Wie reagieren die anderen darauf?

    Ich hatte in der Vergangenheit schon mal ein paar längere Phasen wo ich keinen Alkohol trinken wollte ohne das Ziel zu haben dauerhaft abstinent zu bleiben.

    Da gab es Gelegenheiten wo ich trotzdem gerne hin bin, weil es zwar Leute gab die getrunken haben, aber auch Leute die nicht getrunken haben. Und beides war OK und überhaupt kein Thema.

    Dann gab es aber auch Kreise/Gelegenheiten wo ich wusste alle trinken und wenn man nicht trinkt wird versucht einem Mal ein Bier in die Hand zu drücken etc.

    Wenn eher letzteres zutrifft würde ich erst gar nicht überlegen und direkt weg bleiben.

    Hallo Dieter,

    wow, 30 Jahre, starke Leistung!

    Ich bin frisch hier, und auch wenn ich mir sicher bin dass ich nie wieder Alkohol trinken möchte, kommt mir der Gedanke mich auch in 30 Jahren noch als Alkoholiker zu bezeichnen aktuell noch befremdlich vor.

    Darf ich fragen inwiefern der Alkohol, bzw. das Alkoholiker-Sein für Dich heute im Alltag noch eine Rolle spielt?

    Grüße

    Roman