Ein neuer, unbekannter weg liegt vor mir.

Willkommen in unserem Forum : Bitte stellt euch zuerst bitte kurz im Vorstellungsbereich vor, damit wir sehen können, wer sich unter Onlineselbsthilfegruppe anschließen möchte. Unsere Onlineselbsthilfegruppe ist weiterhin in zwei Bereiche unterteilt. Einmal der offene Bereich und einmal der geschützter Bereich. Nach der Vorstellung könnt ihr dann für die offenen Bereiche freigeschaltet werden. Die geschützten Bereiche sind für Mitglieder gedacht, die sich hier langfristig und intensiv mit ihrem Leben auseinandersetzen möchten. Um aufgenommen zu werden, solltest du dich zuerst Vorstellen und später hier dich bewerben und um Aufnahme bitten. Der Austausch lebt von der Ernsthaftigkeit und der Aktivität mit der die User ihr jeweiliges Problem angehen . Deshalb haben wir dieses Verfahren gewählt, wir werden dann im Team entscheiden. Wir wünschen euch einen guten und hilfreichen Austausch bei und mit uns.
  • Hallo!
    Ich bin joschi und seit dem 21.11. hier angemeldet.
    Hier mal mein Eingangpost:

    Zitat

    Meinen Namen lasse ich mal bei joschi. Ich bin 48 Jahre alt, bin 100% berufstätig und bin gerade dabei, einen für mich komplett neuen, aber auch beängstigenden Weg zu betreten - Leben ohne Alkohol.


    Ich habe eigentlich die letzten 15 Jahre durchweg nur mit Alkohol gelebt; zwar nicht im Stile des Komasaufens oder täglichen, exzessiven Trinkens. Es ist eher so dieses "Gewohnheitstrinken", hier mal ein Bier, da mal ein Wein usw.
    Und nun habe ich mich aufgemacht, diese Begleiter meines Lebensweges zu verabschieden, denn so langsam merke ich, daß sie mir nicht gut bekommen.


    Ich hoffe, ich finde hier Diskussionspartner, die mir vielleicht ein Stück dieses Weges weiter helfen können.


    Seither ist soviel passiert:
    - ich habe am 24.11. mit dem Trinken aufgehört
    - ich war heute beim Arzt und habe dort demnächst Termine zu eingehenden Untersuchungen
    - am Freitag habe ich Termin bei einer Suchtberatung


    Ich stehe noch ganz am Anfang, bin aber fest entschlossen,diesen trockenen Weg weiter zu gehen.
    Lange habe ich es mir nicht eingestanden, Alkoholiker zu sein, da ich mich nur sehr selten mal komplett "abgeschossen" habe; aber dann musste ich einsehen, daß auch der "Gewohnheitstrinker" im Grunde ein Trinker ist.
    Es hat mich unter Kontrolle, nicht ich das Alkohol trinken
    das Verlangen nach mehr, wenn ich mal angefangen hatte, war echt schlimm. Ich hab zwar den Punkt gefunden, am jeweiligen tag aufzuhören (wenn ich nächsten Morgen arbeiten muss), aber vor freien Tagen (wo man ja nächsten Tag schön ausschlafen kann) hab ich dann doch dem Biergenuss gefrönt und so etliche Dosen gekillt.
    (warum Dosen? die klappern nicht so in der Tüte beim runtertragen, sodass die Nachbarn nix merken)


    Ich freue mich sehr, hiersein zu können, es fühlt sich irgendwie an, als ob ich hier zu Hause wäre...

    Mein Leitsatz seit meiner Klinikaufnahme 3.7.14:
    "Ich bitte um Hilfe bei meiner Krankheit - alleine schaffe ich es nicht!"

  • Hallo Joschi


    Ich bin erst seit 3 Wochen trocken - insofern kann ich kaum Tipps geben. Aber im Forum hat es viele gute Beiträge, die man nachlesen kann und die sehr hilfreich sind.


    Es wäre schön, wenn Du ab und zu was schreibst. Als Newcomerin nimmt es mich Wunder, wie es anderen geht, die auch erst am Anfang der Trockenheit stehen.


    Liebe Grüsse,


    Savina

  • Nun ich werde bestimmt jede Menge schreiben.
    Für meine Trockenheit habe ich mir natürlich (wenn schon, dann kompliziert) den ungünstigsten Termin ausgesucht - nächste Woche habe ich Prüfung. Zum Glück bin ich körperlich stabil, ich hoffe nur, daß mich mein "Suchtgedächtnis" auch weiterhin in Ruhe lässt.


    Heute hatte ich ein skurriles Erlebnis:
    Ich arbeite in der ambulanten Krankenpflege und eine Angehörige schenkte mir, da ja bald Nikolaus ist, schonmal ein Tütchen. Drauusen hab ich reingeschaut und mich hat fast der Schlag getroffen:
    Schnaps-Schoko-Pralinen!
    Ich habs nun mit dem Zeug gar nicht, hab die früher auch nur mal probiert (und schmecken gar nicht), aber es war ein Gefühl, als ob man mir mein Thema gerade jetzt mit Gewalt "um die Ohren hauen" will.


    Zuerst wollte ich sie mitnehmen - für die Kollegen auf Station, habe aber dann beschlossen: "Das Zeug kommt mir nicht ins Auto!". So hab ich sie direkt in den nächsten Mülleimer gefeuert.


    Heute habe ich übrigens einen lange gehegten "Trinkritual-Gegenstand" beseitigt: neben meinem Schreibtisch, an dem ich immer getrunken habe, stand ein Einkaufskörbchen, in dem ich immer die leeren Flaschen und Dosen gesammelt hab (da musste ich nicht dauernd aufstehen).
    Wenn es voll war, hab ich es dann zum umtauschen mitgenommen.
    Das Körbchen ist weg!
    Und am Wochenende werde ich den gesamten Raum komplett neu gestalten; das Alte beseitigen.

    Mein Leitsatz seit meiner Klinikaufnahme 3.7.14:
    "Ich bitte um Hilfe bei meiner Krankheit - alleine schaffe ich es nicht!"

  • Haloo Joschi,


    willkomen in unserem Forum und ich wünsche Dir hier einen guten Austausch.


    Einen günstigen Moment gibt es nie oder immer ;) Was ist günstig, was ist ungünstig, es ist müssig dorthin zu gucken.


    Gut dass so so konsequent für Dich sorgst. Wenn Du einmal begonnen hast hinzugucken, kannst Du nicht mehr weg gucken und Dir werden noch viele andere Situationen auffallen.


    Grüsse Martha

  • Zitat

    Wenn Du einmal begonnen hast hinzugucken, kannst Du nicht mehr weg gucken und Dir werden noch viele andere Situationen auffallen.


    Ich war heute für Patienten einkaufen. An der Kasse habe ich dann mal geschaut,was so auf dem Band liegt und habe meine eigenen "Einkaufsmechanismen" wiederentdeckt:
    - Pseudoartikel zum Alk dazukaufen
    - Quittung geben lassen - "ist für nen Bekannten"


    Wenn ich mir so überlege, wie ich das gemacht habe, wirds mir schlecht.
    Es gab eine Zeit, da habe ich ganz normal mein Bier gekauft ohne mir schlechte Gedanken zu machen. Aber dann fing auf einmal die Zeit an, da hab ich z.B.
    - die Kioske gewechselt, damit es nicht so auffällt
    - hab auch "Pseudoeinkäufe gemacht"
    - hab Dosen gekauft, damit man das Flaschengeklimper nicht hört
    - habe "Billigbier" aus dem "Billigdiscounter" gemieden, denn das trinken ja nur richtige "Alkis"


    Ich hatte vor 2 Tagen und auch heute wieder ein Gefühl während der Arbeit, als ich über meine "Trockenheit" -und die Tatsache, daẞ dies ein dauerhafter Zustand bleiben wird- nachdachte:
    Es war, als ob man jemand Geliebtes verliert, der Partner, der einen verlässt - und war dann wütend, daß ich über etwas traurig bin, dessen Verlust mir ja nur positives bringt!


    Als ich damals mit dem Rauchen aufhörte, war es ähnlich. Ich hab rumgejammert, "was ich denn nun machen solle, wo ich nichts mehr rauchen kann...jetzt hab ich ja gar nichts schönes mehr....jetzt kann ich mir nichts mehr gutes tun".
    HaHa!


    In diesen letzten 6 trockenen Tagen habe ich mir bestimmt mehr Gutes getan, als in den letzten Monaten! Alleine schwimmen war ich 3 mal - vorher habe ich nur davon geredet und nix unternommen ( und mich hinterher geärgert).
    Ich freue mich schon auf Weihnachten. Da bekommt meine Lebensgefährtin meine ersten 4 Wochen Trockenheit als "Geschenk" präsentiert!


    Bis dann..

    Mein Leitsatz seit meiner Klinikaufnahme 3.7.14:
    "Ich bitte um Hilfe bei meiner Krankheit - alleine schaffe ich es nicht!"

  • Auch wenn ich mich hier für längere Zeit ausgeklinkt hatte, vergessen hab ich euch nicht!!
    Fast hätte ichs vergessen:
    am 24.11.2011 habe ich mein 1. Jahr trocken vollendet!!


    Mittlerweile hat sich dieser alkoholfreie Lebensstil so integriert, daß es fast zur Beiläufigkeit wird.
    Aber: vergessen werde ich es nicht - es hängt zuviel dran.
    Auf jeden Fall bin ich (und meine Lebensgefährtin) stolz auf das 1. Jahr.

    Mein Leitsatz seit meiner Klinikaufnahme 3.7.14:
    "Ich bitte um Hilfe bei meiner Krankheit - alleine schaffe ich es nicht!"

  • glück auf joschi


    Zitat von joschi018

    am 24.11.2011 habe ich mein 1. Jahr trocken vollendet!!

    gratulation


    Zitat von joschi018

    Mittlerweile hat sich dieser alkoholfreie Lebensstil so integriert, daß es fast zur Beiläufigkeit wird.
    Aber: vergessen werde ich es nicht - es hängt zuviel dran.
    Auf jeden Fall bin ich (und meine Lebensgefährtin) stolz auf das 1. Jahr.

    gefällt mir sehr


    schöne zeit


    :D
    matthias

    trocken seit 25.4.1987 - glücklich liiert - 7 Kinder - 17 Enkel

  • Ein Hallo aus weiter Ferne!


    Lange habe ich überlegt, ob ich hier wieder einsteigen soll. Warum überlegt?
    Weil meine damalige Euphorie bezüglich "1 Jahr nichts trinken" voll den bach runter gegangen ist!!


    Am 24.11.2011 hatte ich noch stolz verkündet, daß ich 1 Jahr nichts mehr getrunken habe - was auch korrekt ist - aber schon einige Zeit danach hats mich wieder voll erwischt!


    Einige Wochen danach war ich wieder in meinem alten Level angelangt, hab fröhlich mehrmals die Woche abends meine 5-10 0,5er Bierchen gezischt und mich einen Dreck drum geschert, wie das trockene Jahr verlaufen ist.


    Was ist schief gelaufen?
    Nun: Ich hatte mir vorgenommen, 1 Jahr nichts zu trinken. Das war der ganze Zauber. 1 Jahr.
    Da ich ein sehr durchhaltewilliger Mensch bin, habe ich das als sportliches Angebot gesehen und jenes Jahr auch durchgezogen.
    Allerdings mit dem Fehler, noch nicht tief genug nach den Hintergründen des Trinkens zu suchen und es fehlte die Einsicht, daß es nur noch ohne geht.


    In der Zwischenzeit ist folgendes passiert:
    - Anfang 2012 wieder angefangen mit Trinken
    - wieder in dem alten Muster meines Jobs weitergemacht, zusätzlich noch eine neue Leitungsfunktion übernommen und dem alten Trott gefolgt
    - Mitte 2012 habe ich dann festgestellt; hier geht gar nichts mehr. Beziehung war komplett festgefahren; Arbeit machte so gar keinen Spaß mehr.


    Also hab ich im Mai 2012 gekündigt, die Beziehung beendet, meine 2 Harleys verkauft, Rucksack gepackt, ab zum Bahnhof und eine 2 Monate dauernde Tour durch die Tschechei und Ungarn gemacht.


    Nach der Rückkehr nach einem neuen Job Ausschau gehalten, neue Wohnung gesucht und einmal komplett neu gestartet. Das Thema Alkohol hatte ich erst mal ganz hinten angestellt, da ich mich damit nicht befassen wollte/konnte (obwohl es ja zu bestimmt 70% der Hauptauslöser ist).


    Im Herbst 2013 habe ich dann erneut einen Arzttermin gemacht (der gleiche wie damals), ihm alles nochmal geschildert, Untersuchungen mitgemacht. Danach habe ich dann einen Termin zu einer persönlichen Gesprächstherapie gemacht und seitdem auch schon einige (sehr aufschlussreiche) Sitzungen hinter mir.


    Zu Weihnachten 2013 habe ich dann, nach erneuter Rücksprache mit dem Doc, aufgehört zu trinken. Jetzt aber noch mit Rückendeckung durch die Einzeltherapie.


    Bis heute bin ich trocken, aber es schleichen sich ständig Verhaltensweisen/Gedanken ein, die in der Vergangenheit zum Trinken geführt hatten, z.B.
    - Hurra, freies Wochenende
    - anstrengender Dienst - Belohnung Bierchen
    - Belohnung nach stundenlanger Wanderung
    usw.


    Durch die Gesprächsttherapie hat jetzt aber ein neuer Gedankengang Einzug in mein Leben gehalten:
    Sich um sich selbst kümmern; sich selbst pflegen!!
    Wir hatten in der Therapie herausgefunden, daß ich ein Gewohnheits-Trinkmuster habe und dieses Trinkmuster an alten Gewohnheiten, Erlebnissen (gut wie schlecht), Belohnungsritualen festmache. Im Verlaufe der Therapie kam dann das Thema "Veränderung".


    Zuerst war es nur die räumliche Veränderung, aber die hat nicht so wirklich Auswirkungen auf das Trinkverhalten.
    Aber dann bin ich an den Punkt "körperliche Veränderung" gekommen und habe mal Buch geführt, was und wie ich mich verändert habe und das Ergebnis hat mich schon erschreckt!!
    Darauf folgte dann auch die Erkenntnis, daß ich die letzten 15 Jahre zwar nach aussen hin "normal" gelebt habe, mich aber in Punkto "Selbstpflege" komplett vernachlässigt hatte.
    Zu spät ins Bett, zu früh wieder raus, kaum ausschlafen - freie Phasen mit Alkohol verbringen.
    Hab auch nicht mehr so genau darauf geachtet, wie mein Körper sich verändert, mein Hautbild immer schlechter wird usw.


    Daher kam der Schritt nun zur Selbstpflege. Je mehr Zeit ich nun mit mir z.B. morgens + abends im bad verbringe, je deutlicher wird mir das bewusst. Entspannung suche ich mir nun nicht mehr im Alkohol, sondern in kurzen Meditationen oder einfach mal einem Stündchen Schlaf.


    Und somit bin ich wieder da - an einem Punkt, von dem ich dachte: "Da kommst du nie hin, andere vielleicht!"
    Fazit der Therapie nun:
    Ziel ist nicht mehr, einen begrenzten Zeitraum Trockenheit zu planen (1Jahr z.B.), sondern sich darüber klar zu werden, daß nur 0,0 Alkohol dauerhaft ein Ziel sein kann.
    Daher streiche ich nun bewusst jeden vergangenen Tag auf dem Kalender durch und gehe die nächsten 24h an....

    Mein Leitsatz seit meiner Klinikaufnahme 3.7.14:
    "Ich bitte um Hilfe bei meiner Krankheit - alleine schaffe ich es nicht!"

  • glück auf joschi


    Zitat von joschi018

    Und somit bin ich wieder da

    gratulation ja - is ernst gemeint - wenigstens hast du n arsch in der hose.


    veränderung - wär schön, wenn dazu gehört hier mehr zu schreiben.



    schöne zeit

    :D
    matthias

    trocken seit 25.4.1987 - glücklich liiert - 7 Kinder - 17 Enkel

  • Hallo Joshi,


    ich schließe mich Matthias komplett an und finde es sehr gut, dass Du dazu stehst!


    du schriebst:

    Zitat

    Daher streiche ich nun bewusst jeden vergangenen Tag auf dem Kalender durch und gehe die nächsten 24h an....


    Genauso fängst Du wieder an, einen richtigen Weg für Dich selbst zu gehen.


    Der regelmäßige Austausch hier, hilft mir auch sehr enorm bei meiner Trockenheit.


    du schriebst:

    Zitat

    Ziel ist nicht mehr, einen begrenzten Zeitraum Trockenheit zu planen (1Jahr z.B.), sondern sich darüber klar zu werden, daß nur 0,0 Alkohol dauerhaft ein Ziel sein kann.


    Auch das ist ein guter Lösungsansatz um erneute Rückfälle vorzubeugen. Aber wie Du ja selbst schreibst, es geht immer um das Jetzt gerade und das sollte wichtig sein. Denn Jetzt nichts trinken ist ja auf Dauer das gleiche, wie nie wieder etwas trinken nur ohne so viel Druck! ;)


    Gut gemacht!


    LG
    Andi

  • huhu joschi,
    ich finde es super, dass du nochmal angreifst und nicht aufgibst.- ich bin jetzt 6 monate trocken und mir gehts besser denn je.. auch wenn sich in stress situationen das täufelchen meldet... den wisch ich direkt von meiner schulter. der austausch hier und vor allem das lesen hilft mir nochmehr. ich habe mich ja erst kürzlich hier angemeldet (weiss gar nicht warum nicht schon eher.. hätte vieles erleichtert in den letzten 6 monaten). aber auch ich sage mir noch jeden morgen :heute trinke ich NICHT. ich mach mir jeden tag bewusst wie wichtig das für mich und meine kinder ist . es ist schön , dass man hier gemeinsam von tag zu tag gehen kann, man ist nicht so alleine:-)
    lg
    bella

  • Danke fürs Feedback!! Kriegt man ja sonst nirgends...


    Ja, es ist schwer. Bei meinem damaligen "1-Jahres-Versuch" ward as mehr oder weniger nur Spielerei..."da trink ich mal eben 1 Jahr nichts".
    Dadurch habe ich mir den Blick komplett verstellt.
    Auch die vielen Versuche, weniger, kontrollierter zu trinken, sind alle in die Hose gegangen, da ich blitzschnell immer wieder ins alte Verhaltensmuster hineinfalle.


    Durch die Gesprächstherapie bin ich auf mich selbst gestoßen worden. Mit Bier trinken habe ich schöne Momente in der Vergangenheit verbunden, deshalb bin ich so angefixt auf Bier.
    Durch eine langsame Veränderung meiner Rituale merke ich auch, daß sich eine Veränderung einschleicht.
    Bsp: Bin abends nie vor 1 Uhr ins Bett gegangen, weil ich eben noch 2,3,4 Bierchen trinken wollte/musste.


    Das neue Ritual ist jetzt: Abends ca. 21 Uhr wird eine Wärmflasche gemacht, ins Bett gelegt. Dann vielleicht noch ein bischen Mediathek gucken und spätestens nach 1 Stunde ins Bett.
    Da lese ich dann noch ein bischen und gut is.


    Die Therapeutin kam auf einen wichtigen Punkt: Entspannung.
    Das war (und ist es immer noch) schwer, denn wenn ich meinen Tagesablauf betrachte, dann ist das ein "Vollgas-Tag".
    - 5 Uhr aufstehen
    - Duschen, Kaffee trinken und ab auf die Arbeit
    - da ich in leitender Position bin, fahre ich dort dann innerhalb kürzester Zeit auf 100% Leistung hoch und dieses Level hält bis 15 Uhr an.
    - Zu Hause esse ich dann eine Kleinigkeit und lege mich eine Stunde (oft auch zwei) auf die Couch.


    Hier beginnt dann Part 2 des Tages mit vermeintlicher Entspannung:
    - Computer an und Filmchen gucken: hier aber wenig Mainstream-Movies; vielmehr Dokus, sofern gut gemacht (Arte etc)
    Dies empfand ich also immer als Entspannung, dabei ist es Anspannung pur: Erst die Tatsache, daß ich bewusst einen "Bettgeh-Zeitpunkt" gewählt habe und dort dann mit Wärmflasche noch lese, ist wirkliche Entspannung!!


    Auf einen Punkt sind wir noch nicht konkret eingegangen, weil ich mich davor drücke:
    Was tun, wenns dochmal juckt und das Verlangen nach dem Abendbier kommt?
    Aufstehen und spazieren gehen hilft da gar nicht, da komme ich an mindestens 3 Kiosken vorbei! Hierfür muss ich noch ein Ritual finden, welches diesen Zeitpunkt überbrücken hilft....


    So long....

    Mein Leitsatz seit meiner Klinikaufnahme 3.7.14:
    "Ich bitte um Hilfe bei meiner Krankheit - alleine schaffe ich es nicht!"

  • Hallo,
    Als Neuling lese ich gerade sehr viel hier im Forum. Ich sauge die Erfahrungsberichte nur so in mich auf und bin erstaunt, hoffnungsvoll und auch ängstlich.


    Es tut mir dann leid zu lesen, dass andere einen guten Weg eingeschlagen haben, der aber in der Sackgasse endete.
    Natürlich Erfahrungen muss jeder für sich selbst machen.


    Ich habe dann auch grosse Angst nur eine lange Trinkpause einzulegen, und mir etwas vorzulügen, etwas "aushalten zu müssen"


    Ich hoffe wirklich, dass Du für Dich einen Weg in eine zufriedene Abstinenz findest. Nicht aushaltend, begrenzt oder in irgendeiner anderen Form limitiert, sondern frei gewählt, geniessend und einfach lebendig.
    So wie ich das gleiche auch für mich hoffe.


    Viel Erfolg auf dem weiteren Weg.

    Bete nicht für ein einfaches Leben, sondern um die Kraft ein schweres Leben meistern zu können!

  • Zitat

    Nicht aushaltend, begrenzt oder in irgendeiner anderen Form limitiert, sondern frei gewählt, geniessend und einfach lebendig.


    Damit kann man es ganz gut umschreiben.
    Aushaltend habe ich oft versucht; auch dieses eine Jahr der Abstinenz war ein "aushalten", bis die Zeit um ist.


    Es ist der Gedanke an das "nie mehr trinken", welches mich umtreibt.
    Da kommen Sätze im Kopf hoch, wie z.B.


    - Jetzt darf ich nie mehr Bier trinken
    - Wie gestalte ich jetzt meine Abende sinnvoll?
    - was mache ich in der Zeit, wo ich nicht trinke?


    Dass diese Sätze kompletter Blödsinn sind, weiss ich selbst. Ich weiss auch, daß ich meine Abende anders verbringen kann (mache es ja auch) und langweilig ist mir auch nicht.
    Durch 10 Jahre Nichtrauchen weiss ich, daß dieses Denken irgendwann verschwindet.


    Aber trotzdem spuken die Sätze im Kopf herum.
    Im Moment mache ich es so, daß ich abends früher ins Bett gehe und lese. Habs ja schon geschrieben; der Entspannungsfaktor ist extrem hoch!


    Wir hatten in der letzten Sitzung ein Thema aus meiner Jugend, daß ich etwas verdrängt hatte:
    Abhauen!


    In meiner Jugend bin ich sehr oft von zu Hause abgehauen. Und das nicht nur einmal, sondern teilweise 2-3x/Jahr. Und dann auch richtig weg, weit weg:
    - mit 12 aus der Provinz in eine Großstadt und dort mehere Tage ohne Geld, Essen + Schlafsack im Park übernachtet (2x)
    - weitere Eskapaden, wo ich immer mehrere Tage weg war.


    Hauptgrund für dieses Abhauen war die tatsache, daß ich mit ca. 12 Jahren von Fremden erfuhr, daß ich adoptiert bin.
    Ausserdem gab es ein Ereignis 1-2 Jahre später, daß mir den Boden komplett weggezogen hatte:
    - meine Adoptivmutter erwähnte in einem Streit, daß sie mich gerne wieder ins Heim zurückschicken würde und statt dessen ein anderes Kind adoptieren können.


    Seit diesem Zeitpunkt waren meine Adoptiveltern Fremde für mich und habe alles unternommen, ihnen das leben richtig schwer zu machen.
    Das Abhauen war so eine Art "Befreiung"- kurz vor einer Tour war ich immer extrem gestresst, hatte Angst, Panik und kam mir vor wie ein flüchtender Sträfling, der jeden Augenblick entdeckt wird. Das ging sogar soweit, daß ich Angst hatte, solche Gedanken (an abhauen) zu haben, es könnte ja jemand mitbekommen!!


    Die "Flucht" ging dann immer sehr schnell und unvorbereitet von statten. Das kam teilweise sehr heftig und plötzlich. Ich setzte mich dann in Züge (ohne Fahrkarte), klaute Moppeds oder ging einfach zu Fuss.
    Geld hatte ich meist nicht oder nur wenig dabei - Hauptsache weg!
    - Das ich niemandem Bescheid sagte, war mir egal.
    - Daß "die" sich Sorgen machen könnten, war mir egal
    - Daß mir etwas passieren könnte, war mir egal


    Und dann kommt ein interessantes Phänomen:
    Wenn ich wieder zurück war, brachte man mir plötzlich so etwas wie Zuneigung oder Liebe entgegen. Ich badete förmlich darin, daß sich alle um mich Sorgen gemacht hatten. Für mich fühlte sich das alles aber nur "Gespielt" an.


    Diese "Sucht" abhauen setzte sich bis in spätere Jahre fort und erst, als ich einen aktiven Schnitt mit meinen Adoptiveltern machte und den Kontakt komplett abbrach, war das Thema vorbei.
    Alkohol kam erst später ins Spiel; er versetzte mich in einen Zustand ohne Gedanken; ich konnte ins Bett gehen, ohne das Chaos im Kopf.
    Und da Bier immer am leichtesten greifbar war, wurde es das Getränk der Wahl.


    Manchmal habe ich so einen flüchtigen Gedanken:
    "Jetzt bist du bald 52, hör endlich auf mit den ollen Kamellen wie Adoption usw. Ist doch alles schon lange vorbei."
    Und wenn ich dann mit jemandem darüber rede, komm ich mir vor wie ein "Heulbubi", der die ollen Kamellen immer wieder ausgräbt.


    Fakt ist aber: Die Geschichten haben mich mein Leben lang begleitet. Die Suche nach meinen leiblichen Eltern half mir sehr dabei, das zu verarbeiten. Der Kreis schließt sich aber erst, wenn ich weiss, wer mein leiblicher Vater ist. Hier stehe ich kurz vor einem Ergebnis.


    Wut?
    Ist immer noch da:
    - auf meine Adoptiveltern
    - auf meine leibliche Mutter
    - auf alle Personen, die damals die Klappe gehalten haben
    Aber damit kann ich mittlerweile auch umgehen und habe hie und da auch Anwandlungen, zu verzeihen.


    Ergebnis eines letzten Therapiegespräches ist somit:
    Mein treuester Begleiter seit meiner späten Jugend (ab 15/16) ist das Bierchen zur Entspannung.......

    Mein Leitsatz seit meiner Klinikaufnahme 3.7.14:
    "Ich bitte um Hilfe bei meiner Krankheit - alleine schaffe ich es nicht!"

  • Zitat von joschi018


    Auf einen Punkt sind wir noch nicht konkret eingegangen, weil ich mich davor drücke:
    Was tun, wenns dochmal juckt und das Verlangen nach dem Abendbier kommt?
    Aufstehen und spazieren gehen hilft da gar nicht, da komme ich an mindestens 3 Kiosken vorbei! Hierfür muss ich noch ein Ritual finden, welches diesen Zeitpunkt überbrücken hilft....


    So long....


    Hallo Joschi,


    ich finde das ist ein sehr wichtiger Punkt auf den man eingehen muss um es zu schaffen auch trocken zu bleiben.
    Es gibt leider kein Patentrezept dafür, weil jeder einen Weg für sich finden muss. Die einen laufen im Wald bis sie nicht mehr können, andere trinken Wasser bis es ihnen aus den Ohren kommt und sie keinen Suchtdruck mehr verspüren, manche basteln, manche malen, manche hören laut Musik, es ist halt sehr individuell.
    Wenn jetzt zum Beispiel das Spazierengehen dein Ding wäre könntest du auch woanders hinfahren, zum einem See oder zu einem Wald. Es muss ja nicht zu Hause vor der Tür sein.
    Du musst auf jeden Fall für dich persönlich einen Weg finden der dich ablenkt. Ich kenne leider dein Interessengebiet nicht sonst könnte ich dir eventuell noch Wege aufzeigen.



    Gruß Skyline

  • So, jetzt bin ich wieder im offenen Bereich.
    Zuerst hatte ich überlegt, einen komplett neuen Thread zu starten,ich finde jedoch daß mein "professioneller Neuanfang" gut hierher passt.


    Im Vorstellungsbereich habe ich in meinen letzten Postings ja den jetzigen Verlauf gedchildert, insbesondere meine Entscheidung, stationär zu entgiften. Deshalb wiederhole ich das hier nicht nocheinmal.

    Heute war Visite und man hat hier novh einmal deutlich herausgestellt, daß ich vom Tag der Entlassung bis zum Beginn der LZT genügend Termine bei Psychotherapeuten, SHG-Treffen und bewegungstherapie ( im Rahmen der hiesigen Tagesklinik) haben werde,damit die Lücke bis zur LZT möglichst klein gehalten wird.


    Beim Treffen unserer QAE-Gruppe (QAE = Qualifizierter Alkohol Entzug ) wurde den Leuten, die nach Hause gehen, niemals auf die Idee zu kommen, einen Entzug in Eigenregie zu unternehmen!


    Ich merke es an den Reaktionen meines Körpers:
    - deutlich erhöhter Blutdruck
    - sehr erhöhter Puls, der sich nur sehr langsam normalisiert
    - Kopfschmerzen
    - zeitweise Schwindel
    - Konzentrationsstörungen,welche zeitweise jegliches Lesen unmöglich machen
    Nun stelle ich mir vor, das ich diese Symptome zu Hause permanent hatte, diese aber durch Alkohol nicht registriert habe.
    Um es mit den Worten der Ärztin auszudrücken:
    Früher oder später wäre das schief gegangen!
    Soweit für heute.
    Joschi

    Mein Leitsatz seit meiner Klinikaufnahme 3.7.14:
    "Ich bitte um Hilfe bei meiner Krankheit - alleine schaffe ich es nicht!"

  • Guten Morgen Josch,


    schön dass Du wieder offen schreibst. Dein klarer Schreibstil gefällt mir. Ich habe erst beim 3. Posting gemerkt, als der Nikolaus auftauchte, dass Du seit 2010 angemeldet bist. In der Beschreibung Deiner Trinkgewohnheiten finde ich mich voll wieder, außer dass es bei mir mit Flachengeklimper war ;).


    Da ich nur eingeschränkt lesen kann, weiß ich nicht, wie es zu Deinem „professionellen Neuanfang“ kam. Du hast es erneut angepackt und Dir Unterstützung geholt, dich abgesichert. Gut dass Du eine stationäre Entgiftung machst und Dein Weg zur LZT engmaschig eskortiert wird !!!

    Ich habe einen vorläufigen Termin Ende September für die LZT und eiere momentan ziemlich rum und die Emotionsachterbahn lässt kein Looping aus.

    Dir alles Gute!


    Einen Gruß
    Eniba

  • Hallo Joschi,


    wie war dein Tag?


    Der Vorstellungsbereich ist nicht öffentlich. Wenn du magst, kannst du für die Leser hier im offenen Forum deine Texte rauskopieren oder kurz nochmal schreiben, wie alles angefangen hat.


    Liebe Grüße, Linde :)

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

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