Alle Hoffnungen zerplatzt...

  • Hallo allerseits,


    ich kopiere erst mal den Text aus meiner Vorstellung hier rein:


    Ich bin 44 und hatte ein sehr bescheidenes Jahr 2014. Mein Mann ist gestorben und hat mich mit meiner mittlerweile 6-jährigen Tochter zurückgelassen.
    Ich habe Anfang diesen Jahres einen total netten Mann kennengelernt, ich war seit langer Zeit mal wieder glücklich. Und musste dann leider feststellen, dass er Alkoholiker ist. Bereits mein allererster Freund war Alkoholiker und ich hätte es eigentlich besser wissen müssen. Aber ich wollte die Zeichen nicht sehen bzw. nicht wahrhaben, gesehen habe ich sie durchaus.


    Wie schlimm die Ausmaße wirklich sind, habe ich erst gestern in einem Telefonat mit seinen Eltern erfahren. Hatte sie angeschrieben und geschildert, was so alles passiert ist und dachte eigentlich, sie fallen aus allen Wolken. Aber nein, sie kennen das Problem und mein Freund ist sozusagen schon seit Jahren abhängig. Passiert in Wellen, der typische Quartalsäufer sozusagen.


    Ich bin seitdem vollkommen geschockt und nur noch am Weinen...



    Der Eintrag war im September. Mein Freund hat nach der damaligen Eskalation Hilfe in einem Beratungszentrum gesucht. Wir haben uns lange unterhalten und ich hatte den Eindruck, er hätte nun endlich verstanden, dass er ein Problem hat und dass nur die Abstinenz eine Lösung ist. Wir haben seitdem eine ganz tolle Beziehung geführt und ich hatte gehofft, es könne doch noch alles gut werden. Tja und gestern beim Telefonieren (wir führen eine Fernbeziehung und sehen uns daher immer eine Zeit lang nicht, telefonieren aber jeden Abend) hatte ich ein ganz ungutes Gefühl (ich höre es meistens, wenn er was getrunken hat, je nach Menge) und hab ihn dann direkt angesprochen, ob er denn in der letzten Woche bis gestern was getrunken hätte. Er meinte dann, ja, letzte Woche 2 Bier. Zu gestern hat er nichts gesagt, wobei ich mir eigentlich sicher bin. Ich bin aus allen Wolken gefallen. Ist natürlich auch das perfekte Timing, 1 Woche vor Weihnachten bricht gerade meine ganze Welt zusammen.


    Und wenn ich es richtig verstanden habe, muss diese Trulla von der Beratungsstelle sich auch noch so geäußert haben, von wegen, er wäre ja 'kein hoffnungsloser Fall' und könne wieder zu normalem Trinkverhalten zurück kehren. Gehts eigentlich noch??? Wenn es nicht so weit weg wäre, würde ich am liebsten hinfahren und der mal ein paar Takte erzählen!!!


    Auf jeden Fall weiß ich nun echt nicht, was ich machen soll. Wobei eigentlich weiß ich es, ich scheue mich aber vor den Konsenquenzen. Und was ich meiner Tochter erzählen soll, weiß ich grad gar nicht. Bis jetzt war ich ehrlich zu ihr, was das Thema Alkohol angeht, aber es hat sie auch jedes Mal sehr mitgenommen.


    Traurige Grüße


    Melina :cry:

  • Deiner Tochter jetzt etwas vorzuspielen, was sie eh durchschaut, nimmt sie zumindest genauso mit, Melina. :?
    Ich würde das so halten: Weihnachten nüchtern oder Weihnachten getrennt. & wenn er mit einer Fahne anrückt, kann er gleich wieder gehen.

    Die Mühen der Gebirge liegen hinter uns.
    Vor uns liegen die Mühen der Ebenen. (Bert Brecht) 8)

  • Hallo Melina!


    Zitat von Melina71

    Und wenn ich es richtig verstanden habe, muss diese Trulla von der Beratungsstelle sich auch noch so geäußert haben, von wegen, er wäre ja 'kein hoffnungsloser Fall' und könne wieder zu normalem Trinkverhalten zurück kehren. Gehts eigentlich noch??? Wenn es nicht so weit weg wäre, würde ich am liebsten hinfahren und der mal ein paar Takte erzählen!!!


    Das sagt...? Wer? Er? .... Nun ja. Ich kenne deinen Freund nicht, kann mir kein Urteil erlauben! Aber aus meiner Erfahrung heraus, würde ich nicht alles "blind" glauben.


    Deine Geschichte erinnert mich sehr an meine. Er, meine erste große Liebe mit 14 Jahren und nach 30 Jahren ein Wiedersehen. Wieder die größte Liebe, Fernbeziehung... zack. Hammer. Alkoholiker. Seit vielen Jahren. Wenn du Langeweile hast, kannst du gerne mal bei meinem Beitrag reinlesen.


    Bei mir hat er auch immer alles sehr verharmlost. Hat vom kontrollierten Trinken gesprochen. Das er da schon jahrelang Alkoholiker war, hat er aber nicht erwähnt. Warum auch, sonst hätte er mich ja verschreckt.


    Ich bin ein Gut-Mensch, ich bin da für Menschen, die mir etwas bedeuten. Gebe niemanden einfach so auf... Nun wohnt er (nach einem Entzug und wirklich glaubhaften Bekundigungen, dass er das Trinken sein lassen will mit jeder Konsequenz) seit 4 Wochen bei mir. Es gab 2 Rückfälle, von denen ich 100%ig weiß und nach meiner Einschätzung trinkt er seit 2 Wochen wieder regelmässig, allerdings so wenig, dass er vielleicht meint es vor mir verheimlich zu können. Ich rieche es, ich merke es, ich sehe es an seinem Gesicht. Seit einer Woche ist die Beziehung beendet und er weiß, dass er wieder ausziehen muss. Er streitet alles ab, er beteuert, dass er keinen Schluck trinkt... natürlich bin ich nun die ganz Böse!
    Alles umsonst... Gut, für mich war es lehrreich, denn scheinbar konnte ich es erst so kapieren, dass es Menschen gibt, für die es keine Hoffnung gibt. Er ist so ein Mensch.


    Warum ich dir das alles schreibe? Du hast eine 6 jährige Tochter. Nehme die Beine in die Hand und renne.... schau nicht zurück, da ist nur Elend...


    Es tut mir unglaublich leid, dass du das nun durchmachen musst, nach den schlimmen vergangenen Jahren. Auch wenn ich dich nicht kenne, sage ich voller Überzeugung: Das hast du nicht verdient! Niemand hat so etwas verdient.


    LG Syrinx

  • Zitat von Dante

    Deiner Tochter jetzt etwas vorzuspielen, was sie eh durchschaut, nimmt sie zumindest genauso mit, Melina. :?
    Ich würde das so halten: Weihnachten nüchtern oder Weihnachten getrennt. & wenn er mit einer Fahne anrückt, kann er gleich wieder gehen.


    Das ist an sich gar nicht mein Problem. Ich bin mir eigentlich sicher, dass er hier und speziell an Weihnachten nichts trinken würde. Aber dass er an sich überhaupt wieder Alkohol angerührt hat, zeigt doch deutlich, dass er das Problem nach wie vor nicht ernst nimmt.


    Er war jetzt gerade mal 2,5 Monate trocken, das hat er vorher auch schon öfter gepackt, selbst ohne 'Therapie'. Aber dann geht es halt wieder los. Und das Problem ist, dass er eben nicht nach einem oder zwei Glas aufhört. Es wird gesoffen, bis man keinen geraden Satz mehr formulieren kann. Es werden heimlich Vorräte angelegt und heimlich die Schnapsflasche angesetzt.


    Für mich ein Stadium, das 'kontrolliertes' Trinken nicht mehr zulässt, jetzt nicht und auch in Zukunft nicht. UNd wir hatten klare Absprachen, wenn er das nächste Bier trinkt, ist es aus. Oder ist das zu krass? Wenn ich immer wieder nachgebe, mache ich mich ja auch total unglaubwürdig. Ihm gegenüber, meiner Tochter gegenüber und mir selbst letztendlich auch... :roll:

  • Hallo,


    - ich stimme Srynx zu: ob das so stimmt, was die Frau von der Beratungsstelle angeblich gesagt haben soll wirklich gesagt hat steht in den Sternen.
    - wenn ihr eine klare Absprache hattet, dass es nach dem nächsten Bier aus ist, dann müßte jetzt aus sein, oder? Warum würdest ansonsten eine solche Absprache fordern? Warum hast Du wirklich diese Abpsrache so getroffen?
    - Alkokohliker sind krank. Es ist eine Krankheit. Er sollte wegen sich selber gesund werden wollen und wegen nichts anderem.
    - scheinbar hat er seinen Tiefpunkt noch nicht erreicht. Ansonsten würde er dauerhaft aufhören.
    - ich habe das Gefühl, dass dir die Beziehung nicht gut tut, da Du auf Lauer liegst, ob er getrunken hat, in der Ferne.
    - zudem dann die Infos der Eltern, die ihrem Sohn sicher auch nur das Beste wünschen.


    Worauf wartest Du?


    Gruß
    Rhein

  • Worauf warte ich???


    Wahrscheinlich immer noch auf das Wunder der Einsicht. Auch wenn ich es besser wissen sollte.


    Es ist einfach echt schwer für mich... wie wohl letztendlich für alle hier... mir ging es furchtbar schlecht nach dem Tod meines Mannes... dann dieser Silberstreif am Horizont. Dieses Glück, einen Menschen kennzulernen, den man glaubt, schon Jahre zu kennen. Es war einfach von Anfang an diese unglaubliche Nähe und Vertrautheit... es fällt so unglaublich schwer, das wieder loszulassen...


    Erst die Freude, dass das Schicksal es endlich mal wieder gut mit mir meint... und dann die bittere Erkenntnis, dass es doch wieder nur ein Tritt in den Hintern war... ich kann damit einfach nicht umgehen...


    :cry:

  • So, jetzt ist die Katze sozusagen aus dem Sack. Wir haben gestern nach ein paar Tagen Funkstille telefoniert.


    Die Therapeutin hat mit ihm wohl tatsächlich über das Erlernen des sogenannten kontrollierten Trinkens gesprochen. Ich habe darüber jetzt noch mal intensiv nachgelesen, auch da gibt es ja sowohl Befürworter als auch Gegner.


    Es kommt wohl sehr auf den Einzelfall an. Bei körperlicher Abhängigkeit braucht man logischerweise da nicht drüber nachdenken. Bei meinem Freund ist es ja so, dass er sehr wohl auch über einen längeren Zeitraum komplett drauf verzichten kann (jetzt waren es z.B. 2,5 Monate). Ob diese 'Technik' bei ihm funktionieren könnte, steht in den Sternen. Alles in allem gehe ich eher mal davon aus dass nicht. Wenn er es bis jetzt nicht kontrollieren konnte, warum sollte es dann plötzlich gehen. Er meint, weil er jetzt viel mehr Wissen hätte, zusätzlich ja weiterhin die Therapie machen würde...


    Ich bin jetzt erst mal hin- und hergerissen, wie es weitergehen soll. Fakt ist ja, dass er sich nach Jahren überhaupt mal ernsthaft mit der Problematik auseinandersetzt, das hat er bisher wohl wirklich nie getan.


    Ich bin halt - was das Thema angeht - ein gebranntes Kind. Finde es schon furchtbar, wenn Leute nur leicht angesäuselt sind, was andere rein gar nicht stört. Ob ich dann mit dieser Methode leben kann??? Ich wage das zu bezweifeln...


    Aber jetzt knallhart zu sagen, dass es aus ist, obwohl er sich ja wirklich bemüht, erscheint mir auch nicht richtig.


    Bleibt also nur, abwarten, WACHSAM bleiben und sehen, was die Zukunft bringt...


    Syrinx: Bin immer noch am Lesen von Deinem Thread und hab deswegen noch nicht direkt geantwortet...

  • Hallo Melina,


    herzlich Willkommen bei uns im Forum.


    Zitat

    Die Therapeutin hat mit ihm wohl tatsächlich über das Erlernen des sogenannten kontrollierten Trinkens gesprochen.


    Ich habe noch keinen einzigen trockenen Alkoholiker getroffen, bei dem kontrolliertes Trinken funktioniert hätte.
    Das würde er auch in jeder Selbsthilfegruppe zu hören bekommen. Dies ist bei Therapeuten nicht der Fall, gibt ja kaum welche die Abstinenzerfahrung weiter geben können. Nur vom anlesen und lernen kann Sucht nicht verstanden werden.
    Woher weißt du, ob er seit 2,5 Monaten nichts getrunken hat? Hast du ihn kontrolliert?
    Einem nassen Alkoholiker kannst du seine Angaben über seinen Konsum nicht glauben, das weiß ich aus eigener Erfahrung. Die haben soviele Tricks auf Lager, da kannst du nur staunen.


    Warum willst du wachsam bleiben? Aufpassen ob er etwas trinkt? Liebe Melina vergiß es, er wird seine Nischen finden.
    Du bist machtlos, und wenn es dir beim "angesäuselt" sein schon zuviel wird, warum willst du dir es dann antun?
    Du kannst ihn nicht retten, und kündige auch bitte nur Konsequenzen an, die du auch ausführst. Du machst dich ansonsten unglaubwürdig, und glaub mir, er weiß ganz genau, wie er dich wieder beruhigen kann.
    Sei WACHSAM für dich und deine Tochter.
    Ich habe es selbst erlebt, die ganzen Versprechungen, die Lügen, ich bin dabei fast mit kaputt gegangen.
    Pass auf dich auf.



    lg Morgenrot

    Wer nicht hofft, wird nie dem Unverhofften begegnen. ( Julio Cortazar )

  • Hallo Melina,


    dass das kontrollierte Trinken deinem Freund entgegen kommt ist mir klar.


    Dann kann er auch trinken wenn du dabei bist, er ist ja kein Säufer :roll:


    Ihr führt eine Fernbeziehung, wie kannst du sicher sein dass er 2,5 Monate nicht getrunken hat ?


    Als ich noch gesoffen habe hätte ich auch behauptet nix getrunken zu haben,


    auch wenn ich gerade aus einer Kneipe kam.


    LG Martin
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  • Hallo Morgenrot, hallo Martin,


    ihr fragt beide, wie ich sicher sein kann, dass er nix getrunken hat. Ich bilde mir ein, es zu merken, sobald er was getrunken hat. Er war in der Zeit auch sehr oft bei mir über mehrere Tage. Klar könnt ihr jetzt sagen, dass ich nicht 24 Stunden wach mit ihm verbracht habe und klar könnte er rein theoretisch irgendwelche Flachmänner mit sich rumtragen aus denen er heimlich trinkt. Aber ich bin der Meinung, dass das definitiv nicht der Fall war.


    Ich kann natürlich nicht in ihn hineinsehen, aber bis jetzt bin ich mit meinem Gefühl recht gut gefahren. Hab vielleicht nicht immer drauf gehört, aber das ist ja wieder ein anderes Problem :lol: . Ich erkenne es auch, wenn unbeteiligte es überhaupt gar nicht wahrnehmen.


    Ich weiß selbst, dass das mit dem kontrollierten Trinken mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit keinen Erfolg haben wird. Mich ärgert es auch total, dass sowas von Therapeuten auch noch vorgeschlagen wird. Leute vom Fach sollten es doch eigentlich besser wissen. Natürlich kommt ihm das entgegen. Ist ja letztendlich genau das, wie er es haben will. Und es wäre ja auch total toll, wenn es funktionieren würde. Nur dem ist leider nicht so. Warum bringen die dann diese Scheiße überhaupt aufs Tapet??? Da geht er endlich zur Therapie und dann das... ich kann es nicht wirklich nachvollziehen... :?

  • Es mag wohl tatsächlich einige Therapeuten geben, die das kontrollierte Trinken unterstützen. Ich habe mich mit dem Thema damals auch auseinander gesetzt. Einige Therapeuten, wenige... Also eigentlich muss man diese Therapeuten gezielt suchen.
    Ich bin natürlich voreingenommen, wie wohl jeder hier, der so etwas schon durchgemacht hat. Aber deshalb sind wir ja auch hier, um Erfahrungen auszutauschen... um sich anzuhören, was die anderen für einen Blickwinkel haben.
    Also entweder hat er sich diesen Therapeuten bewusst gesucht oder er biegt sich die Wahrheit zurecht... Die Wahrscheinlichkeit zufällig an einen Therapeuten zu geraten, der das kontrollierte Trinken (bei einem jahrelangen !! Alkoholiker unterstützt) ist eigentlich gleich 0... so wie... ein 6er im Lotto.
    Wie gesagt, ich will deinem Freund wirklich nichts unterstellen, wirklich nicht. Ich... möchte dir nur einfach dazu raten aufzupassen, nicht alles für bare Münze zu nehmen. Ziehe einfach in Betracht, dass nicht alles was er dir erzählt die Wahrheit ist.


    Denn mal ehrlich Melina... ich könnte das auch nicht nachvollziehen. Warum sollte ein Therapeut einem alkoholkranken Menschen, der zu ihm kommt und Hilfe möchte/ benötigt, kontrolliertes Trinken anbieten?


    Sucht heißt die Selbstkontrolle zu verlieren. Kontrolliertes Trinken bedeutet mit Selbstkontrolle den Konsum von Alkohol einzuschränken...

  • Ach noch etwas, das habe ich vergessen... Alkoholiker sind immer Opfer! Sie sind an dem, was passiert, nie schuld! Die Welt ist böse, der Therapeut ist böse, der Arbeitgeber stinkt nur so vor Dummheit. Die Verkäuferin beim Einkaufen hat überhaupt keine Ahnung, sicherlich hat sie noch nicht mal den Hauptschulabschluss. Der Autofahrer, der da plötzlich auf der Straße fuhr, hatte sie doch nicht mehr alle, der war mindestens 50 km/h zu schnell. Und letztendlich ist es doch die Kindheit, die alles verursacht hat, all sein Leid, sein Trinken.


    Hinterfrage doch mal ganz objektiv, wie dein Freund sich verhält... würdest du ihn als einen positiven Menschen einschätzen? Oder ist er ein Mensch, dem sehr viel Schlimmes widerfahren ist und immer noch widerfährt, obwohl er sich so viel Mühe gibt?
    Versuche einmal dich völlig außen vor zu stellen. Lasse alle Gefühle weg und sehe ihn an, sehe ihn so, wie er wirklich ist. Das konnte ich nie, leider. Ich habe mich ganz bewusst selbst belogen, das weiß ich jetzt. Ich habe mich belogen, weil er mir über eine kurze Zeit das gegeben hat, was ich so sehr brauchte: Das Gefühl wichtig zu sein, gesehen zu werden, wirklich geliebt zu werden. Ich hätte alles getan - und habe alles getan - um das zurück zu bekommen. Aber ich habe es nicht mehr gefunden....

  • Zitat von Syrinx


    Hinterfrage doch mal ganz objektiv, wie dein Freund sich verhält... würdest du ihn als einen positiven Menschen einschätzen? Oder ist er ein Mensch, dem sehr viel Schlimmes widerfahren ist und immer noch widerfährt, obwohl er sich so viel Mühe gibt?
    Versuche einmal dich völlig außen vor zu stellen. Lasse alle Gefühle weg und sehe ihn an, sehe ihn so, wie er wirklich ist. Das konnte ich nie, leider. Ich habe mich ganz bewusst selbst belogen, das weiß ich jetzt. Ich habe mich belogen, weil er mir über eine kurze Zeit das gegeben hat, was ich so sehr brauchte: Das Gefühl wichtig zu sein, gesehen zu werden, wirklich geliebt zu werden. Ich hätte alles getan - und habe alles getan - um das zurück zu bekommen. Aber ich habe es nicht mehr gefunden....


    Hallo Syrinx,


    das habe ich gerade mal versucht. Aber das ist bei meinem Freund definitiv nicht so. Er ist an sich ein echt lustiger Mensch, er jammert auch nicht groß rum oder versucht, den anderen die Schuld in die Schuhe zu schieben. Er sagt auch immer, dass er ganz genau weiß, dass es nur an ihm liegt, sein Alkoholproblem in den Griff zu kriegen.


    Ich bin mir auch nicht sicher, ob man das, was er momentan macht, schon Therapie nennen sollte. Er ist bei der Diakonie in der Suchtberatungsstelle. Und soweit ich das weiß, ist das alles bis jetzt mehr so Vorgeplänkel. Der nächste Termin ist dann das sogenannte Abschlussgespräch und dann wird entschieden, wie es weitergehen soll, ob Gruppen- oder Einzeltherapie oder was weiß ich noch alles.


    Aber wenn die ihm jetzt schon solche Flöhe ins Ohr setzt, entlässt sie ihn am Ende noch als 'schon geheilt'. :shock:


    Habe mittlerweile auch Deinen Thread komplett durchgelesen. Hört sich für mich so an, als wäre Dein X schon wesentlich weiter unten angekommen als mein Freund. Aber letzten Endes sitzen ja irgendwie alle im gleichen Boot, die einen nur weiter vorne, aber die Richtung ist die gleiche... abwärts... :?

  • Hallo Melina,


    Zitat

    dass das mit dem kontrollierten Trinken mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit keinen Erfolg haben wird. Mich ärgert es auch total, dass sowas von Therapeuten auch noch vorgeschlagen wird. Leute vom Fach sollten es doch eigentlich besser wissen.


    weisst du was/wer Leute vom Fach sind ?, Alkoholiker !


    Die haben nicht unbedingt ein Diplom oder Doktor, wissen aber wie es in einem Alki ausschaut und wie er denkt.


    Wenn sich einige "alte Hasen" von hier mal mit ihm unterhalten würden wäre die "Diagnose" evtl. ganz anders.


    LG Martin


  • Lieber Martin,


    da hast Du ganz sicher Recht. Was heißt das dann aber im Umkehrschluss? Dass die Beratungsstellen komplett für die Füße sind? Ich war ja froh, dass er diesen Schritt gegangen ist. :(


    Jetzt bin ich ratlos, wie es weitergehen soll. Soll ICH ihm sagen, dass die Experten keine Ahnung haben??? Das würde selbst in meinen Augen rechthaberisch und besserwisserisch klingen. Ich bin davon ausgegangen, dass die dort mit ihm Tacheles reden... :shock: :(


    LG


    Melina

  • Hallo Melina,


    so schlimm sich das vielleicht anhört, aber egal was du zu ihm sagst - es macht nicht unbedingt einen Unterschied.
    Entweder er will etwas ändern - dann macht er es sowieso, egal was du sagst.
    Oder er will weiter trinken - auch dann macht er das sowieso, egal was du sagst.


    DU musst entschieden, ob du darauf warten willst, wie er sich entscheidet oder ob du mit DEINEM Leben weitermachst.
    Vielleicht verträgt sich das ja miteinander, kommt auch vor.


    Ich finde nur wichtig, dass man sein eigenes Leben an die erste Stelle setzt und es weiter lebt.
    Wenn der Partner das akzeptiert und vielleicht sogar an sich arbeitet, dann kann es gut gehen.
    Wenn er dich ausbremsen will, weil das besser in SEIN Leben passt, dann gerät das aus dem Gleichgewicht und du musst entscheiden, was DU tun willst.


    Beeinflussen kannst du das was er tut nicht.
    Das ist die harte Lektion, die wir COs lernen müssen.


    Ich drücke dir die Daumen, dass du DEINEN Weg findest :-).


    Liebe Grüße
    JUF

  • Hallo Melina,


    ich will ja nicht behaupten dass alle Therapeuten keine Ahnung haben,


    evtl. sind da auch trockene Alkoholiker dabei.


    Wenn ein Therapeut aber selbst nicht süchtig ist/war ist das so ähnlich


    wie wenn du mir erklärst was im Kopf/Körper einer Schwangeren vorgeht.


    Da kannst du mir viel erklären und ich kann es trotzdem nicht wirklich verstehen/fühlen.


    So ist das auch mit der Sucht.


    LG Martin

  • Hallo ihr Lieben,


    da bin ich - nach all den Jahren - wieder...


    Erst mal ein kurzes Update, was bis hierher so passiert ist: Mein Freund hat eine ambulante Therapie gemacht und war anschließend in einer SHG. Diese war unter professioneller Leitung und machte einen wirklich guten Eindruck auf mich. Da ich dachte, wir wären auf einem guten Weg und er hätte defintitiv verstanden, dass nur die 0-Alkohol-Variante funktioniert, war ich damit einverstanden, dass er zu mir zieht. Er konnte beruflich in seiner Firma zu einem hiesigen Standort wechseln und da mir die Fernbezieheung ja eh ncht lag, war ich sehr glücklich über diese Lösung.
    Ich war mir durchaus im Klaren, dass das mit dem trockenen Leben bestimmt nicht gleich so reibungslos funktioniert, aber ich dachte bei mir, mit dem ein oder anderen Rückfall kann ich leben. Hauptsache, die Einstellung stimmt und dann wird das schon...


    Ihr ahnt wahrscheinlich schon, was kommt. Es kam ein Rückfall... dann wieder einer... dann hab ich immer mal die ein oder andere Bierflasche irgendwo versteckt gefunden. Drauf angesprochen bekam ich so gut wie keine Antworten. Er verstünde das selber nicht, es täte ihm leid, er wolle auch, das es aufhört, es wäre halt nicht so einfach... blablabla


    Mittlerweile war ich mir auch überhaupt nicht mehr sicher, ob es wirklich noch alkoholfreie Tage dazwischen gab oder nicht. Wenn es aber 'zu viel' wurde, habe ich es natürlich sofort gemerkt. Nach meiner Vorgeschichte ertrage ich die Gegenware von Betrunkenen echt nur schwer. So ein leichter Schwips geht noch, ist nicht so, dass ich Alkohol komplett verteufele oder selbst total abstinent lebe. Aber wenn man das Gefühl hat, sich mit einem kompletten Idioten zu unterhalten, weil die Birne echt total vernebelt ist, dann finde ich das absolut furchtbar. Selbst bei fremden Personen schon und beim eigenen Partner... da merke ich quasi, wie die Gefühle und der Respekt sich so nach und nach veranschieden.


    Nachdem das nun in der letzten Zeit immer häufiger vorkam und ich mir jedes Mal, wenn ich nach Hause kam, mir Gedanken machen musste, wie wohl gerade die Lage ist, habe ich jetzt quasi die Reißleine gezogen. Auschlaggebend war ein Gespräch nach einem erneuten Besäufnis, wo er auf meine Frage, wie er sich denn die Zukunft vorstelle, geantwortet hat, so ganz ohne Alkohol könne er sich das nicht vorstellen. In dem Moment hat es mich fast umgehauen. Klar, gedacht hat man es schon lange, aber er hat bis dahin immer u den heißen Brei herum geredet, aber das dann so klar formuliert zu hören, das war dann doch noch mal eine andere Nummer. Ich habe ihm dann gesagt, dass ich beim nächsten Vorfall keine Diskussionen mehr führen sondern ihm nur noch einen Link zu einem möblierten Appartement schcken werde. Das war dann vorletztes Wochenende der Fall... und Montag ist er ausgezogen...


    So ist der Stand der Dinge...


    Ich weiß irgendwie gar nicht, wie es jetzt weitergehen soll... Er ist momentan in Behandlung bei einer Psychiaterin, aber auch nur, weil ich das quasi von ihm gefordert hatte. Er war nach seinem Umzug mal eine Zeit lang hier in einer SHG, aber da war mir fast von Anfang an klar, dass das nix wird. Da waren so komische Charaktere mit bei, das konnte nix werden, weit unter dem 'Niveau' an seinem früheren Wohnort.


    Offiziell sind wir nicht getrennt, nur räumlich eben. Aber es fühlt sich total komisch an. Wir waren heute zusammen essen, er war definitiv nüchtern. Hat dort ein alkoholfreies getrunken (ich weiß, alkoholfreie Biere sind keine gute Alternative). Irgendwie kommt es mir vor wie ein Abschied auf Raten. Ich weiß auch echt nicht, was er erwartet, leider bekomme ich ja fast nie irgendwelche Antworten, wenn muss ich sie ihm mühsam aus der Nase ziehen. Ich glaube, er hofft noch immer, dass ihm ein Weg aufgezeigt wird, wie er kontrolliert trinken kann. Nur wenn er das könnte, hätten wir das Problem ja gar nicht. Auf meine Frage hin, ob diese Psychologin auch mal ein Gespräch mit mir zusammen in Erwägung ziehen würde, meinte er , ja, das hätte sie auch schon gesagt. Aber soll ich das glauben? Warum hat er es dann nicht von sich aus mal erwähnt, warum immer erst auf Nachfrage. Ich finde er sehr zermürbend, wenn man Antworten möchte und keine kommen. Am Wochenende vor seinem Auszug bin ich in Tränen ausgebrochen, weil er so verdammt gleichgültig gewirkt hat. Er meinte dann, ihm täte das auch weh und es wäre ihm die ganze Woche schlecht gegangen. Aber mal im Ernst, davon hat man NULL gemerkt. Es war, als plane er einen Kurztrip ins Allgäu!


    Jetzt sitze ich hier und resümiere den vergangenen Abend... und ich frage mich, ob ihm überhaupt noch was an der Beziehung liegt. Ich kam mir vorhin vor, als würde ich mit einem guten Bekannten am Tisch sitzen, nicht mit meinem Lebendpartner... macht der Alkohol so gleichgültig? Ich habe ihm noch einen Brief mitgegeben, in dem ich meine Gedanken und Gefühle aufgeschrieben habe. Einfach, weil ich es loswerden musste, Da kommt kein einziges Wort zu... nichts, null nada....


    Ich fühle mich echt gerade ziemlich ausgelaugt... Statt Urlaub im sonnigen Süden (danke Corona!) wie Kevin allein zu Hause...


    Danke fürs Mitlesen und liebe Grüße


    Melina

  • Hallo zurück, Melina,


    Zitat

    Ich war mir durchaus im Klaren, dass das mit dem trockenen Leben bestimmt nicht gleich so reibungslos funktioniert, aber ich dachte bei mir, mit dem ein oder anderen Rückfall kann ich leben. Hauptsache, die Einstellung stimmt und dann wird das schon...


    Oha... also hast du doch von Anfang an einkalkuliert, dass er nicht wirklich trocken werden will, oder? Ich bin mit einem trockenen Alkoholiker verheiratet (nicht der, von dem ich coabhängig war) und von Anfang unserer Beziehung an war klar, dass ich einen Rückfall nicht hinnehmen würde und vor allem auch mein Mann hat das gar nicht auf dem Schirm gehabt! Also dass Rückfälle auch passieren können schon, aber er hat sie nicht für sich sozusagen schon geplant. Denn er möchte ein trockenes und zufriedenes Leben, dafür macht er sehr viel. Und bisher leben wir ein gemeinsames, tolles trockenes Leben! Seit 12 Jahren... er hat bald sein 14tes trockenes Jahr.


    Warum er dir nicht antwortet, weiß ich nicht. Vielleicht aber weil er selbst keine Antworten hat. Weil er selbst nicht vom Alkohol loslassen kann und will . Ob ihm was an der Beziehung liegt, wer weiß. Aber wie ist es mit dir? Liegt dir denn noch was daran?


    Lieber Gruß
    Aurora

    Der meiste Schatten in unserem Leben rührt daher, dass wir uns selbst in der Sonne stehen.
    (Ralph Waldo Emerson)

  • Hallo Aurora,


    da habe ich mich wohl falsch ausgedrückt. Ich habe nicht fest damit gerechnet, dass es zu einem Rückfall kommt, aber ich dachte für mich, dass ich nicht sofort die Flinte ins Korn werfen würde, solange es quasi ein Ausrutscher bleibt und er weiterhin ernsthaft versucht, davon los zu kommen. Ich kann mir vorstellen, dass das nicht einfach ist, mir war aber vor allem die Einstellung wichtig. Und ich komme mir daher schon leicht betrogen vor, dass er die so nebenbei mal geändert hat. Originalzitat von ihm: Naja, manchmal ändern sich die Dinge eben 😒


    Ob mir selbst noch was daran liegt??? Gute Frage, die ich mir zur Zeit selber stelle. Ich hab ihm von Anfang an gesagt, dass seine Sauferei dazu führen wird, dass Liebe und Respekt meinerseits mit der Zeit schwinden werden. Und zwar unwiderruflich, so war es bei meinem ersten Freund auch. Anfangs war ich da abgöttisch verliebt, am Ende blieb nur noch eine Mischung aus Ekel und Mitleid.


    Soweit ist es jetzt bei weitem noch nicht, aber der Mensch, den ich zu lieben glaubte, der löst sich mehr und mehr in Nichts auf und ich beginne mich zu fragen, ob es ihn jemals gab... 😔


    LG
    Melina

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