Ava - der blaue Faden

  • Liebe Linde,

    das Aussortieren von Orten etc. mache ich eigentlich schon seit Jahren ziemlich konsequent. Ich kann mit Fasching auch so gar nicht, Therme ist für die Tage immer eine gute Option. Das Einzige, was ich daran schätze, sind Kreppel.

    Urlaub fern ab vom Schuss. Ski fahren nur ohne "bekannte größere" Hütten und abends Sauna und Bett statt Aprés ski (mit dem ich auch nicht kann). Da ist Kind ja auch ein limitierender Faktor zusätzlich. Ich sehe allerdings nicht, wo ich am Nachtischbuffet in einem Sporthotel oder im Pool z.B. damit so rechnen müsste, dass ich dann immer zuhause bleibe. Es sind eher diese Situationen als so das, wo man von Anfang an denkt, nichts wie weg, tut nicht gut. Ich bin generell eher so die Variante Einsiedlerkrebs.

    Liebe Kintsugi,

    ohne öffentlich da zu weit zu werden, ich habe berufsmäßig eigentlich lange Jahre das "Hinsehen, erkennen, einordnen" trainiert und mache das wohl heute noch direkt unbewusst. Sprich Wahrnehmung rote Äderchen = Rosazea, Bluthochdruck, zu viel Sonne, Alkohol, Hauterkrankung. Das landet dann auch immer im Bauchgefühl. Ganz am Anfang - kein auffälliges. Angeschlagen hat es dann irgendwann, aber erst einmal wirklich total unspezifisch "irgendwas ist nicht stimmig und ich komme nicht drauf". Ein Schock war der Vorrat an Alkohol im Haus. Da war es dann eindeutig, dass meine Puzzle-Teilchen, die eben vorher auch unter normal gepasst hätten, aber genau dazu passten.

    Liebe Grüße,

    Ava

  • Guten Morgen Ava,

    ich habe heute morgen Deinen Beitrag bei Momo gelesen, der tatsächlich sehr wichtige und gute Ansätze hatte. Ich denke da sehr ähnlich oder in vielen Punkten auch gleich.

    Trotzdem merke ich, dass Du Dich sehr damit beschäftigt hast und mit Deinem Beitrag natürlich auch helfen möchtest. Wir wollen uns ja alle gegenseitig helfen.

    Aber ich frage mich, ob Du Dir selbst auch aktut hilfst oder nur bei anderen helfen möchtest.

    Du schreibst, was z. B. am besten gemacht werden sollte, erzählst dabei aber wenig über Dich selbst, wie Du es gerade machst oder in der Vergangenheit gemacht hast. Was Dich selbst gerade bewegt.

    Das ist nicht böse gemeint, sondern einfach als Gedankenanstoß. Denn Du hast Dich hier ja angemeldet, weil Du für Dich selbst Hilfe benötigst, aus Deinen Mustern rauszukommen. Wie gelingt Dir das zur Zeit? Magst Du erzählen, wie es Dir geht?

    LG Cadda

  • Guten Morgen liebe Cadda,

    hier war sehr viel los und ich habe auch einen Moment darüber nachgedacht. Für mich ist das immer auch ein Weg, Eigenes zu reflektieren, manchmal hat man ja keine akute Fragestellung von sich. Trotzdem kommen ja Impulse von anderen im Austausch, das verstehe ich eigentlich unter Selbsthilfe - in "direkten" Gruppen hat ja oft auch der Einzelne ein Thema, andere Wochen nicht oder bringen sich ein. Ich finde beides eigentlich immer hilfreich, definitiv aber ohne den Anspruch, die Welt oder andere retten zu wollen. Mein "man" ist vermutlich oft auch in Teilen das "ich", ich schreibe halt nur so, wie ich schreibe und kann da auch meine Erfahrungen mit/von anderen anscheinend nicht ganz ausklammern, mag auch früheren Jobs im Umfeld Sucht geschuldet sein in Teilen.

    Hier ist gerade viel von extern aufgezwungene Nähe gegeben; nicht durch die Menschen, zu denen ich komplett den Kontakt abgebrochen habe, aber bei gemeinsamem Kind kommt man nicht drum herum, auch immer wieder in die Nähe des Themas Alkohol zu kommen. Mich nervt das gerade sehr, weil es Energie zieht, Grenzen zu verteidigen, die ich so dringend mal für mich als Ressource bräuchte. Gewaltschutz ist in D immer noch nicht gegeben an vielen Stellen und wenn man ihn aktiv fordert, Selbstfürsorge betreibt, wird das nicht immer akzeptiert oder gerne gesehen. Familiengerichte sind da ein heißes Eisen. Was dagegen gerne übersehen wird, in meinem Fall extrem, ist Alkoholismus und was es mit Kindern macht. Solange der Deckmantel warm hält, machen hier alle Verantwortlichen gerne die Augen zu. Ich muss gerade wieder sehr aktiv werden, um mein Kind davor zu schützen, ihm Dinge einzuordnen - gerade nicht einfach. Der Jahresanfang hat viele Jahrestage und holt Erinnerungen gerne hoch.

    Ich erlaube mir immer, um schöne Momente mit besagten Menschen im Leben zu trauern und zu verarbeiten, bin aber felsenfest in der Wahrnehmung, dass ich nicht anders / mit diesen Personen mehr leben will. Trotzdem schmerzt es hin und wieder, wenn Daten Ereignissen zugeordnet werden, ein Lied im Radio triggert, usw. Die Urgefühle von Vertrauen und Bindung eben.

    Ich kann sehr verstehen, warum viele bleiben, ein Leben nicht ändern wollen; meinen, das nicht zu können.

    Der Preis war hier wirklich hoch, so hoch, dass einige in meinem Umfeld trotz Kenntnis der Vorkommnisse nicht verstehen, warum man sich nicht "arrangieren" konnte, aushält, parallel was für sich tut, was auch immer. Familienkontaktabbrüche sind ja schon alleine ein größeres Tabu. Für viele von außen sieht es nicht so aus, als hätte sich meine Situation gebessert. "Was ist alleine mit Kind und unabhängig besser als im Familien-Schoß und Partnerschaft geschützt gebettet?

    Alles. : )

    Trotzdem erlaube ich Schmerz zu kommen und gesehen zu sein, wenn er das fordert. Das schränkt manchmal aber im Alltag ein und richtig gut leisten kann ich mir das nicht immer. Ausruhen oder einen Tag nicht am Ball bleiben, auch nicht. Anstrengend. Mein "vierjähriges inneres Kind" hätte dringend mal das Bedürfnis, wie früher einen Kokon aus weicher Decke zu bekommen, sich zu verstecken und einzumummeln und Zeit, Ort und Umstände zu vergessen zuhause in diesem Urgefühl von Sicherheit und Geborgenheit. Einfach mal wieder nicht ständig konsequent, vernünftig, ein Stück weit anspruchslos sein zu müssen, damit Dinge laufen - während andere ohne Rücksicht auf Verluste machen, was sie wollen und damit ständig auch unser Leben stempeln. Diese ständige Aufzeigen und Halten müssen von eigenen Grenzen macht so müde.

    Ich gehe jetzt ins Bett zurück, bekomme kalte kleine Füße in den Rücken und weiß dann wieder, dass es das jede Sekunde wert war.

    Liebe Grüße!

  • Hallo Ava,

    ich komme mal mit meiner Antwort auf deine Frage zu dir rüber, will den Thread von RH nicht sprengen.

    Wenn das mit Elternzeit schwierig ist, musst Du nur weil kein Geld da ist, in dieser Belastungssituation nicht gleich arbeiten gehen oder Kinderbetreuung organisieren. Ärztliches Attest, Unterstützung durch Ämter in Anspruch nehmen. Das darf Frau, machen manche oft mit weniger Skrupel.


    Was genau ist denn für Dich daran grenzwertig? Ich habe ja nicht geschrieben, bleibe zuhause und nutze fröhlich dreist mal eben die Allgemeinheit und Leistungen, die Dir nicht zustehen, aus.

    Grenzwerig finde ich, dass jemand, nur weil kein Geld da ist, in dieser Belastungssituation nicht gleich arbeiten gehen oder eine Kinderbetreuung organisieren muss, sondern du die Empfehlung gibst: Ärztliches Attest, Unterstützung durch Ämter in Anspruch zu nehmen.

    So geht das natürlich auch nicht.
    Wir reden hier nicht über Bedürftigkeit und die schlimmsten Szenarien, die du dann in deiner Erklärung aufgezählt hast (ich wiederhole das jetzt mal nicht alles), es ging ja erstmal nur um die Aussage von dir, die ich oben mal fett markiert habe.

    Ich finde dein Engagement bei RH sehr löblich. Noch löblicher und vor allem hilfreicher für dich selbst würde ich es finden, wenn du ein wenig von diesem Engagement in dich selbst investieren könntest.
    Du bist doch in erster Linie für dich hier.

    Klar sind auch Tipps und Tricks hilfreich im Austausch, und ganz sicher werden sie auch gern angenommen. Dennoch finde ich, dass in einem Selbsthilfeforum das Augenmerk auf die Selbst-Hilfe gerichtet sein sollte.
    Für Beratung ist ein Selbsthilfeforum nicht der richtige Ort, dafür sind Beratungsstellen die besseren Ansprechpartner.

    Viele Grüße

    Stern

    ⭐️

    Wenn du heute aufgibst, wirst du nie wissen, ob du es morgen geschafft hättest.

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