*Rina* - Auf geht‘s

  • Jep, am meisten bin ich überrascht welche Lügengeschichten der Alkohol uns ins Ohr geträufelt hat.
    Ich war über Jahrzehnte der festen Überzeugung, ohne Alkohol ist das Leben nicht lebenswert.

    Hallo *Rina*

    bei mir und ganz sicher auch bei vielen anderen hier, war das genau so. Ich konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen, ein Leben ohne Alkohol zu führen! Ich wusste gar nicht, wie das gehen soll. Zum Glück konnten wir ja unter Anderem hier wieder lernen, wie ein zufriedenes Leben ohne Alkohol funktioniert.


    Und ich habe jetzt wieder das Musik hören für mich entdeckt. Seit meiner Abstinenz habe ich eigentlich keine Musik mehr gehört, weil Mucke hören und berauscht sein für mich ein Dingen war. Und jetzt freue ich mich wie Bolle über das nüchterne Hören. Das ist meine neue Fähigkeit.8)

    Musik war schon immer eine grosse Leidenschaft von mir. Zugedröhnt bin ich aber anders mit Musik umgegangen. Ich habe sie nicht mehr genossen sondern mich mit dieser zusätzlich zugedröhnt. Bis in die Nacht habe ich mir mit Kopfhörern die Ohren zerstört.


    Wie geht es Dir *Rina* ? Geht es mit der Renovierung voran?

    Viele Grüsse.

  • Hallo Stromer, hallo Zusammen,

    Danke der Nachfrage. Mir geht es sehr gut und ich fühle mich pudelwohl. Vorgestern war ich bei meiner Augenärztin und sie hat festgestellt, dass man anhand meines Sehnerves sieht, dass ich sehr gesund lebe. Da bin ich total stolz drauf. Früher bin ich gar nicht zum Augenarzt gegangen. So insgesamt würde ich sagen, dass die Alltags Dramen sich beruhigt haben. Ich handle wesentlich souveräner und fühle mich nicht so gestresst. Bis jetzt hatte ich aber auch noch keine echten Probleme zu lösen.
    Auch meine Langeweile Phasen sind nicht mehr da. Ich glaube, die sind die Vorstufe von dieser Leere, die durch den psychischen Entzug entstehen kann.
    Im trinkenden Freundeskreis fühle ich mich wie ein Insekt unter der Lupe betrachtet. Alle denken, ich müsste unglaublich verzichten und keiner glaubt mir, dass die Abstinenz meine freie Entscheidung ist, die ich in keinster Weise bereue. Früher war ich auch nicht anders.

    In meinem Haus wird noch bis 2026 renoviert, aber in unterschiedlichen Phasen. Gerade ist es still. Gott sei Dank.
    Wie geht es Dir Stromer? Ist ein neues Kätzchen in Sicht?

    Liebe Grüße

    Rina

  • Hallo Zusammen,

    kurz vor Weihnachten und kurz vor Sylvester möchte ich das vergangene Jahr Revue passieren lassen. Bis auf Weihnachten und Sylvester habe ich jetzt alles zum zweiten Mal nüchtern erlebt, mit allen Höhen und Tiefen, ziemlich unspektakulär.
    Heute ist mir aufgefallen, dass ich schon lange keine Langeweile Phase mehr hatte. Ich glaube das waren die letzten Ausläufer der psychischen Abhängigkeit. Mir geht es gut, ich bin gesund und fühle mich ‚normal‘.
    Letztes Jahr wollte ich unbedingt ins neue Jahr rein feiern. Unbewusst wollte ich wohl beweisen, dass sich nichts verändert hat und ich ohne Alkohol genauso lustig bin und feiern kann.

    Nur nicht trinken reicht nicht, das habe ich verstanden. Dieses Jahr möchte ich gar nicht mehr feiern gehen. Was soll ich da? Ich gehöre da nicht mehr hin. Innerlich fühle ich mich nicht mehr ‚nur‘ nüchtern sondern abstinent lebend. Was mir (noch) fehlt ist das trockene Alkoholikerinnen Selbstbewusst. Ich druckse immer noch rum. Da sind Alex auf dem Weg und Cadda meine großen Vorbilder. Die Ideotie ist, dass ich mich Fremden gegenüber schäme, ein Getränk abzulehnen. Das ist für mich noch ein großes Übungsfeld. Dieses Jahr fahre ich Sylvester zu meinen Eltern, der Ausblick ist toll und Anfang des Jahres ab in den Urlaub. Mal sehen, ob ich es schaffe nach einer Wanderung zum Essen in ein Restaurant einzukehren, oder besser direkt zur FeWo. Ich werde das situativ entscheiden.

    Liebe Grüße Rina

  • Oh, danke. :)

    Da hast Du recht. Auf die Idee mich zu schämen, keinen Alk zu trinken, bin ich noch nicht gekommen.

    Ich habe früher insgeheim Leute bewundert, die keinen getrunken haben. Ein Freund von mir - mit dem ich auch noch Kontakt habe - und ein paar andere waren mit mir den zweiten Tag auf der Bierbörse. Das ist ein Fest hier.

    Da meint der doch. "Gestern hatte ich echt viel. Ich trinke heute nichts."

    Ich konnte es nicht glauben. Und dann hat der den Tag total mit uns genossen und nichts getrunken. =O Echt bewundernswert.

    Das hätte ich nie gekonnt. Ach ja, und ich würde es jetzt auch nicht können. Das würde nur gehen, wenn ich nie Alkoholiker geworden wäre.

    Vorhin meinte eine Kollegin, ob ich mit auf den Weihnachtsmarkt komme. Sie weiß Bescheid. Ich ziehe nur eine Augenbraue hoch und schaue sie an. Sie "Kinderpunsch?".

    Und ich "Oh, du nervst echt. Ich erkläre es doch nicht jedes Mal."

    Also muss ich eher noch aufpassen, dass ich nicht motzig werde, wenn ich mich gedrängt fühle. :saint:

    nach einer Wanderung zum Essen in ein Restaurant einzukehren, oder besser direkt zur FeWo. Ich werde das situativ entscheiden.

    Finde ich voll gut. So ein lockerer Plan ist echt was Gutes. :thumbup:

    Wo ich hingehe, dort bin ich.

  • Oh, du nervst echt. Ich erkläre es doch nicht jedes Mal."

    Und genau das bewundere ich auch. Das schaff ich noch nicht zu sagen dass SIE nervt. Ich würde sofort denken ‚klar versteht sie das nicht ist ja auch bescheuert‘. Ich will auch da hin, mich als kranke Person zu sehen auf die man gefälligst Rücksicht nehmen soll. Auf eine Person mit gebrochenem Bein nehmen auch alle Rücksicht auch wenn sie ‚selber schuld‘ ist weil sie unvorsichtig oder dappisch war.

    Da bin ich ganz bei dir Rina - das will ich auch mehr üben.

  • Das schaff ich noch nicht zu sagen dass SIE nervt.

    Das ist gut. Ich habe eher nicht geschafft, den Mund zu halten, bevor mein Satz raus war.

    Wenn ich jetzt Ski fahre (was ich noch nie habe) und mir ein Bein breche, würde ich mich auch aufregen, wenn jemand fragt, ob ich mit Joggen komme.

    Ich hatte schon ein langes Gespräch mit der Kollegin. Nicht nur eines. Und dann kommt so ein Klopper. ^^

    Wo ich hingehe, dort bin ich.

  • Hallo Zusammen, ein frohes gesundes neues Jahr für Euch alle.
    Mein zweites Jahr ‚trockenes‘ Sylvester ist gemeistert und ich fühle mich stolz. Wenn man selbst bei dem ganzen Rummel nicht mitmacht kann man sich wirklich nur wundern. Ich habe Freude an meinem katerlosen Neujahrstag. Ich fange heute eine Yoga Challenge an. Das hätte ich früher auf keinen Fall gemacht. Schön, das es das Forum gibt!
    Liebe Grüße Rina

  • Cool- darf ich fragen welche?

    Ja klar, ich yoge bei einem Yoga online Anbieter und da wird eine Januar Challenge angeboten. (Ist im Jahrespreis enthalten)Jeden Tag eine andere Einheit, Yoga, Pilates, Motivations Couching und Ernährung. Man kann das live mitmachen oder on demand. Mal sehen, wie weit ich komme…. Gerade mache ich auch ein Meditationsprogramm über diese Yoga Plattform. Ich bin Fan!
    Ich hatte auch kurz überlegt, ob ich als Neujahrsritual mich an die 108 Sonnengrüsse heran wagen soll, aber das ist mir dann doch zu knackig:saint:.

  • Sooo, nun bin ich aus dem Urlaub zurück. Da mein erster Urlaub letztes Jahr prima verlief und ich auch so im Alltag ganz rund laufe, habe ich mir nicht viele Gedanken im Vorfeld gemacht. Tja, ich wurde ganz schön zurück gestutzt. Nach einem mehrstündigen Flug haben wir auf die Fähre gewartet. Gefühlsmäßig befand ich mich in einem Konglomerat aus Vorfreude, Übermüdung, aufgeregt sein und nervös sein. Also eine hochemotionale Geschichte und auf einmal laufen alle Mitreisende mit Biergläser an mir vorbei. Ich bin immer noch erschüttert über die Stärke des aufkommenden Suchtdruckes. Auf der Fähre haben hinter mir Reisende Dosen geöffnet (vielleicht war es auch Limo). Das hat mir komplett den Rest gegeben. Als wir dann endlich in unserer Unterkunft (ich habe mich nach der Fähre mit dem Leihwagen verfahren) ankamen, stand auf dem Wohnzimmertisch eine Flasche Rotwein und im Kühlschrank eine Flasche Weißwein. Krass! Den Wein habe ich am nächsten Tag dankend unserer Vermieterin zurück gegeben.
    Noch am nächsten Tag haben mich die Schilder der Lokale mit Alkoholwerbung extrem getriggert. Dann war es vorbei und wir hatten einen schönen Urlaub.
    So kannte ich das bis jetzt nicht, wau krass! Auf jeden Fall weiß ich jetzt wieder wo ich stehe. Würde ich was anders machen? Nein. Aber ich hoffe es erwischt mich nicht nochmal so unvorbereitet.

    Liebe Grüße Rina

  • am nächsten Tag

    Das nächste Mal die Pulle gleich aus der Wohnung. Das würde ich anders machen.

    Ansonsten, stelle ich mir das recht heftig vor. Ich war auch Belohnungstrinker. Natürlich war jeder Grund recht. Aber Belohnung war ganz vorne dabei.

    Da hat es ja echt Trigger geregnet, bei Dir.

    Dann ist man endlich in der Unterkunft und dann stehe da auch noch zwei Flaschen. Das ist schon fast wie im Film.

    Super, dass Dein Urlaub dennoch so gut gelaufen ist. Hoffe, Du bist gut erholt. :thumbup:

    Wo ich hingehe, dort bin ich.

  • Hallo Rina,

    Was hast du denn auf der Fähre dagegen gemacht? Und darauf vorbereiten kann ich mich ja nicht, außer mit dem Rüstzeug, welches ich sowieso im Koffer hab.

    Viele Grüße
    Nayouk

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • Guten Morgen Nayouk,

    normalerweise verlasse ich sofort Situationen, die mir nicht gut tun. Auf der Fähre konnte ich das nicht, also bin ich erstarrt. Blick geradeaus, Hände am Geländer und Gedanken ans Forum gerichtet. Das mache ich häufig gedanklich einen Forumsbeitrag formulieren, meistens schreibe ich es dann aber nicht real, das dran denken reicht schon. Auch überlege ich mir die möglichen Antworten. In dieser Situation ‚Wir raten von Urlaubsfahrten in den ersten zwei Jahren ab…..‘

    Mein größtes Rüstzeug ist mich gedanklich auf möglicherweise schwierige Situationen vorzubereiten. Beim nächsten Urlaub wird mich die selbe Situation nicht mehr so kalt erwischen. Einmal durchgestanden ist es wesentlich einfacher. Dafür kommen dann andere Situationen, die ich nicht auf dem Schirm habe.

    Was mich sehr erschüttert hat, war die Intensität der Gefühle und in meinen Augen die Hinterhältigkeit meines Suchthirns. Ganz schön perfide.

    Liebe Grüße Rina

  • Das mache ich häufig gedanklich einen Forumsbeitrag formulieren

    Mache ich ähnlich. Bei mir im Kopf erscheint dann ausgerechnet Hartmut als eine Art Geist aus der Flasche. Wahrscheinlich weil er mich hier am Anfang am meisten ‚gefordert‘ hat. Natürlich meine Vorstellung von ihm- groß, breit, strenger Blick. Der sagt dann sowas wie ‚merkste selber, ne?‘.

    Einmal durchgestanden ist es wesentlich einfacher

    Kenne ich exakt genauso!

    Was mich sehr erschüttert hat, war die Intensität der Gefühle und in meinen Augen die Hinterhältigkeit meines Suchthirns. Ganz schön perfide.

    Und das auch.

    Gut dass du es schadlos überstanden hast!

  • Mache ich ähnlich. Bei mir im Kopf erscheint dann ausgerechnet Hartmut als eine Art Geist aus der Flasche. Wahrscheinlich weil er mich hier am Anfang am meisten ‚gefordert‘ hat. Natürlich meine Vorstellung von ihm- groß, breit, strenger Blick. Der sagt dann sowas wie ‚merkste selber, ne?‘.

    :D, für mich ist Hartmut auch der gute Forumsgeist. In dieser Situation habe ich zum ersten Mal verstanden, was die Armeslänge entfernt vom Alkohol bedeuten soll….

  • Wir raten von Urlaubsfahrten in den ersten zwei Jahren ab…..‘

    Wir raten im ersten Jahr davon ab. Das ist nur eine Richtzahl und im übertragenen Sinne die Zeit, die man nutzen sollte, um sich ein alkoholfreies Umfeld aufzubauen, das zur eigenen Stabilität beiträgt und den Vorteil hat, dass man sich besser in einem alkoholischen Umfeld zurechtfindet.

    Aber wenn man jahrelang Urlaube mit Trinken verbracht hat, dauert das natürlich. Und wenn dann noch Situationen dazukommen, in denen man sich einen 'Belohnungsschluck' genehmigt hat und das eingeprägt ist, wird es natürlich schwieriger. Alle Sinne, nicht nur das Sehen, reagieren darauf

    Das mache ich häufig gedanklich einen Forumsbeitrag formulieren

    Besser falsch formulieren als gar nicht formulieren. :mrgreen:

    Und danke, dass du uns hier teilhaben lässt. Für dich an uns geschrieben hast.

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Auf der Fähre konnte ich das nicht, also bin ich erstarrt. Blick geradeaus, Hände am Geländer

    Genau so habe ich mir das für mich vorgestellt, als ich es bei dir gelesen hab.

    und Gedanken ans Forum gerichtet. Das mache ich häufig gedanklich einen Forumsbeitrag formulieren,

    Das kommt bei mir jetzt ganz oben in den Koffer, habe ich bis jetzt nicht so verinnerlicht.
    Da ich aber auch schon von Hartmut geträumt habe, sollte mir das nicht schwer fallen.

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

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